stimmton m
Fundstelle: Lfg. 20 (1941), Bd. X,II,II (1941), Sp. 3127, Z. 3
1)
allgemein 'laut, klangcharakter des lautes': ein stimmthon phtongus Dasypodius dict. (1536) 430ᵇ. 'art der intonation': der letzte und sechste ton musz ausgesprochen werden mit einer hohen und erhabenen stimme, als wann man im reden zornig wird; ... dannenhero man wol sagen mag, dasz der stimmton in dieser sprache der wörter seele sey, welche sie lebendig machet und ihnen ihre gewisse bedeutungen mittheilet Chr. Arnold wahrh. beschr. (1672) 264. die 'musikalische betonung' innerhalb der melodie, vgl. stimme B 5: dan obschon in einem liede der reimfall durchaus richtig were, und dagegen der singefall und stimtohn unrichtig Phil. Zesen verm. Helikon (1656) 1, 116. — modern einfach 'vom stimmorgan hervorgebrachter laut': das gesicht mit einer maske bedeckt, in deren mundöffnung eine vorrichtung zur verstärkung des stimmtones O. Ludwig ges. schr. (1891) 6, 201; es schauerte ihn, wenn er ihre worte hörte. und er hörte sie mit dem leibhaftigen stimmton, den nicht bücher, den nur menschen selber haben Carl Hauptmann Einhart d. lächler (1907) 1, 189. mehr auf den klangcharakter zielend: und deutet das nur an durch den stimmton (der mit kleinsten mitteln wunderbar malerisch und nachempfindend zu wirken vermag), durch eine leichte handbewegung nach oben Rud. Hildebrand v. dt. sprachunterr. (1879) 12. vom plur. gebildet: diejenigen (nationen) aber, welche nordwärts liegen, haben, da ihre polhöhe zunimmt, ... natürlicher weise einen gröberen stimmenton Aug. Rode Vitruvius (1796) 2, 11. — 'laut mehrerer menschlicher stimmen':
'doch still! war das nicht stimmenton
und räderknarren? still!' sie lauscht —
und wirklich, durch die nadeln schon
die schwere kutsche ächzt und rauscht
Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 1, 306;
stimmentöne ziehn um unsre lauben,
seufzend hier, dort jauchzend, ab und auf.
eine stimme ruft den glauben,
eine andre jagt den zweifel auf
Tiedge w. 1 (1823) 13.
2)
in der modernen phonetik speziell der durch die wirkung der stimmlippen bestimmte ton, dass. wie stimme A 5, vgl. Sievers phonetik (1901) 25: die von einem stimmton begleiteten consonanten nennen wir stimmhafte, die von einem stimmton nicht begleiteten stimmlose Trautmann die sprachlaute (1884) 74; zutritt oder wegfall des stimmtons ist einmal für das neuhochdeutsche nicht mehr ein einziges kennzeichen der media und tenuis W. Scherer kl. schr. 1, 245.
3)
in der musik 'ton, nach dem die übrigen gestimmt werden', von stimmen II A: die stimmtöne anzeigen, nach denen die übrigen instrumente gestimmt werden müssen Joh. G. Sulzer theor. d. schönen künste (1792) 4, 464; man nimmt nämlich c auf einer richtigen stimmpfeife zum stimmton, stimmt die octave desselben ebda 455.
Zitationshilfe
„stimmton“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stimmton>, abgerufen am 08.12.2019.

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