stofflich adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 2 (1917), Bd. X,III (1957), Sp. 169, Z. 53
nach art und beschaffenheit des stoffs; nach der seite des stoffs, besonders (zusammenfassend) nach dem stoff inhalt.vgl. auch oben stoffartig und stoffig. — bei Campe als verdeutschung von materiell.
1)
entsprechend stoff II 1: stoffliche beschaffenheit eines kleides. — entsprechend stoff II 2: das stofflich bedingte, der zeitlichkeit unterworfene Justi Winckelmann 2, 1, 52; übrigens war stofflich alles, was man jetzt immer wieder neu entdeckt, ... schon vorhanden Keller nachl. 25; eine frucht ist z. b. stofflich ein teil des baumes R. Hildebrand gott, die welt und das ich 95; den stoff verachten, den eignen leib miszachten, weil er der stofflichen welt angehört Büchner kraft und stoff 33; (vgl.dagegen sehen wir das, was wir geist nennen, mit dem aufhören der individuellen stofflichen zusammensetzung schwinden 14). hierher: stoffliche veränderung Brehm 1, 331 Pechuel-Lösche; der materialist wird dazu auch in den vorgängen des bewusztseins nur wirkungen gewöhnlicher stofflicher veränderungen finden Lange geschichte des materialismus 13. auch hier im gegensatz zum geistig-sittlichen (wie unter stoff II 2 b γ): die ganze vorstellung vom teilen kommt nur von der stofflichen, äuszerlichen betrachtung des weltlebens R. Hildebrand gott, die welt und das ich 95; so tief hat sich das stoffliche vorstellen auch in die geistige und sittliche welthälfte eingefressen 174; geradezu: die herrschaft des besseren, vernünftigen, göttlichen bestandtheils der menschlichen natur über den schlechteren, sinnlichen, stofflichen Justi Winckelmann 1, 452; Victor, ... der offenbar das wort 'können' im sittlichen sinne genommen hatte, wie es sein oheim im stofflichen nahm Stifter werke 3, 353; doch vielleicht hier nur 'körperlich'; vgl. noch: die schiffswerfte ... ist gut gezeichnet, hat aber nach unserer ansicht im schnee, in den fernen und wolken statt duft zu viel stoffliches blau 14, 79; auch im folgenden soll der gegensatz zum seelischen gehalt hervorgehoben werden: die menschliche stimme hat am wenigsten stofflichen und nachahmbaren klang E. Strausz freund Hein 304.
2)
bildlich, entsprechend stoff II 3: das stofflich poetische Keller nachl. 137; das thema von der relativen selbständigkeit der bildenden kunst gegenüber der dichtung als ihrer stofflichen quelle H. Brunn kl. schr. 3, 87; ein bedürfnisz nach stofflicher ausbeute Immermann 18, 149; auch verwunderung darüber ..., dasz man auf diesen stofflichen inhalt (von Calderons 'der standhafte prinz') so viel gewicht lege Göthe gespräche 3, 35; als darstellung eines wirklichen gesprächs, abgesehen ganz von dem stofflichen inhalte O. Ludwig 5, 117; vielfältig hat man sich über dieses unzarte und schwerfällige interesse (den stoffartigen antheil s. oben) geärgert, und doch war es nur eine deutsche nothwendigkeit. die ausgestattetsten individuen bei uns wollten ja, von keinem äuszeren gesetze bestimmt, nur den innersten stofflichen gehalt ihres busens entladen Immermann 18, 159; doch scheint keine dieser productionen anders als durch ihren stofflichen gehalt für die litteratur von bedeutung gewesen zu sein Mommsen röm. gesch. 2, 455. — seine (des Aristoteles) stofflichen betrachtungen über die prosaischpolitische redekunst zugleich die besten recepte auch für den dichter Keller 2, 14; wenn die ästhetik die stoffliche interesselosigkeit des künstlers zur ersten bedingung seiner leistung macht, ... so ist das faselei Hebbel I 12, 359; bei dem stofflichen ... interesse des gedichtes Mommsen röm. gesch. 1, 908; denn das drama muthet der phantasie der hörer eigene thätigkeit zu, während der stoffliche reiz des romans auch den stumpfsinn erregt Treitschke hist. polit. aufs. 1, 435 vgl.masse (des volkes), die immer zuerst nach stofflichem reize begehrt deutsche geschichte 4, 445; die erweiterung (der neuen auflage der kunstgeschichte) ist theils eine stoffliche, theils betrifft sie die ausführung Justi Winckelmann 2, 2, 416. —adverb. die antike wird (bei Lauremberg), wie im sechzehnten jahrhundert, nur stofflich verwendet Scherer litteraturgeschichte 364.
3)
substant.: es ist nur das stoffliche, was veränderlich ist, und veränderlich sind nur die einzelnen formen, die der veränderliche stoff oder die kraft annimmt, nicht der stoff an sich v. Baer reden und aufsätze 1, 269; alle angeführten stimmen hielten sich an das stoffliche der gruppe Justi Winckelmann 1, 465; auch: ein sinn, der zum stofflichen forteilt (d. h. zur archäologie, im gegensatz zur wortphilologie) 1, 141; es ist wahrscheinlich das stoffliche, familien- und fraubasenmäszige, was die leute anzieht Hebbel briefe 6, 231; wie sehr musz am stofflichen haften, wer in den zierlichen komischen lebensbildern, die Wilhelm Grimm (in den briefen aus Göttingen nach Jacobs vertreibung 1837) entwirft, nur gewöhnlichen klatsch erblicken kann Scherer kl. schr. 1, 66. — seine steigerung und veredelung: wo die zärtlichen formen der jugendblüte so behandelt sind, dasz das stoffliche vergeistigt scheint Justi Winckelmann 2, 2, 170, — im gegensatz oder fort schreitend zur form (th. 3 sp. 1898 unter 2, dem formalen): (eine zeit,) die mit maszvollen geschmack das stoffliche in form verwandelte 2, 1, 114;
befreit vom förmlichen, das euch hielt eingebannt,
seid ihr ins stoffliche dafür nun eingerannt.
im förmlichen war doch noch eine steife bildung,
im formlos stofflichen ist völlige verwildung
Rückert werke 8, 47.
im gegensatz zum geistigen (th. 4, 1, 2 sp. 2774 unter 3 e): das stoffliche vom geistigen scheiden Campe.zuletzt ethisch charakterisiert: in unserer, leider so ins lediglich stoffliche und in leere genuszsucht versunkenen zeit Stifter 14. 106.
Zitationshilfe
„stofflich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stofflich>, abgerufen am 19.10.2019.

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