stottern verb.
Fundstelle: Lfg. 4 (1927), Bd. X,III (1957), Sp. 577, Z. 7
haesitare lingua, impedite loqui; stoszweise und stockend sprechen; im reden oft anstoszen ( Adelung) vgl. die ältere erläuterung von 'balbuties': stattern 'ein mangel der rede, da die zung entweders nicht fort will oder sich in währendem aussprechen anstoszt oder den thon einicher buchstaben nicht ausprechen kan' Blancard mediz. wb. (1710) 82; ursprünglich niederd. iterativbildung zu stôten (oben nhd. stoszen verb. und zur besonderen bedeutung 'mit der zunge anstoszen' dort II 12; sp. 537) so noch ndd. stotern titubare Diefenbach gloss. 586ᵃ; schon im 16. jahrh. in die hd. schriftsprache übernommen, s. unten belege bei Luther, Fischart; bei Maaler jedoch noch nicht verzeichnet; mit umlaut stötteren noch bei Schottel (1663), vgl.stötern balbutire Diefenbach nov. gloss. 47ᵃ; im reim auf göttern bei S. Dach (unter 5) vereinzelt in der neuzeit als norddeutschhaussprachlich bei Hebbel (s. u.): stottern Stieler (1691) und neben stockern (s. oben sp. 86) bei Steinbach (1734); elsäss. stotteren neben statteren (er stattert allewil noch) Martin - Lienhart 2, 620, die form stattern auch bei Blancard a. o. (s. auch oben th. 10, 2 sp. 1020); synom. elsäss. weiterbildungen statzelen neben staxen Martin-Lienhart a. o. (dieses wohl unter anlehnung an stocken), vgl. auch gestax und unten stotzgen verb. eine nebenform stuttern Doornkaat Koolman 3, 359ᵃ, dem im engl. to stutter (neben einfachem to stut) entspricht, auch vereinzelt im nhd., so (im reim auf muttern 'brummen, murmeln' th. 6 sp. 2824) bei Weckherlin:
den schwachen gibt er (Bacchus) stärk und muht,
den armen gibt er gelt und gut,
die stummen macht er mutteren,
die redner macht er stutteren
ged. 2, 389.
rein hochd., wenn auch mundartlich beschränkte begriffliche entsprechungen (schwäb.) gacksen (th. 4, 1, 1 sp. 1130, dort 2 b), (schweiz.) staggeln (th. 10, 2 sp. 538), bair. trucken u. s. w. (öster.) stickezen, (tirol.) giggitzen u. a. norw. stotre 'stottern' kaum zu neunorw. stota 'stottern' (die übernahme höchstens durch dieses befördert), sondern aus mndd. stottern entlehnt. ein verstärktes gestottern verb. th. 4, 1, 2 sp. 4244.
1)
im eigentlichen sinne infolge eines sprachfehlers: ich aber gleube, Moses habe eine schwere sprache und zungen gehabt, dasz er gestammelt und gestottert habe Luther 16, 56 Weim.; sie stottert ein wenig, aber es steht ihr nicht übel an Liselotte br. 6, 444; aber welch ein hof! der chef desselben stotterte so entsetzlich, dasz er nicht ein wort hervorbringen konnte Knigge roman meines lebens (1781) 1, 157 (Mendelssohn schr. 1, 35); geschwind, und sprich hurtig! ich wollte du könntest stottern, dasz dir dieser verborgene mann aus dem munde käme, wie wein aus einer enghalsigen flasche, entweder zu viel auf einmal oder gar nicht Shakespeare 4, 230 (wie es euch gefällt 3, 2); wider Kamptz, dem erzschergen, der noch immer stottert und darum solche öffentliche rede gern auf ewig verdammen möchte F. L. Jahn briefe 98; Mercutio, Mercutio, was geschieht dir? du hast doch sonst nicht gestottert, du klapperst ja ordentlich mit den zähnen Eichendorf w. 4, 430; er stotterte ohne unterlasz, und doch ward jedes seiner worte von den umstehenden verschlungen Dahlmann franz. revolution (1848) 225; er (Ludwig XIII) stotterte, wenn er zu sprechen anfing Ranke w. 2, 291;
vor zeiten gabs ein kleines land,
worin man keinen menschen fand,
der nicht gestottert
Gellert w. 1, 55.
auch die zunge stottert (Fontane w. I 2, 567), so besonders infolge von trunkenheit: meerreuber und reuber auf dem meer sind zweyerley auf den trunken abent, wenn die zunge stottert Luther 8, 696 Weim.; die zung geht auf stelzen; sie stottert, der kopf schlottert Fischart Garg. 148 neudr.
2)
aus überraschung, bestürzung, verlegenheit u. ä. seelischen veranlassungen, indem sich nur mit schwierigkeit oder überhaupt nicht die rechten worte finden lassen: ich würde auch gestottert haben, denn sie können nicht glauben, was für einen schmerzen der seele ich bei dem wahren accent der englischen sprache fühlte La Roche fräulein v. Sternheim 212 lit. denkm.; er stottert immer, wenn er was sagen will Lavater (in schr. d. Göthe-gesellsch. 16, 319); ich sah ihre verlegenheit, sie blickten einander an, stotterten und fragten nach dem preise Göthe 21, 156 Weim. (Klinger neues theater 2, 214); der junge Siegwart wurde roth und stotterte Miller Siegwart (1777) 1, 23; stottern sie, suchen sie auszuweichen, so breche man ... ab Knigge umgang mit menschen (1796) 1, 173; heute wird er (der stutzer) wispeln, morgen schnarren und übermorgen, wenn er es schön findet, stottern portraits (Lpz. 1779) 56; dasz er auf einmal erblasste, stotterte, verstummte Steffens was ich erlebte 3, 317; Oswald konnte kaum reden ... und endlich stotterte er Holtei erz. schr. 19, 46; Dietrich war bestürzt, dasz ihn der herzog nicht wieder erkannte, und stotterte Laube schr. 15, 171; er war sehr verlegen und stötterte Hebbel br. 3, 254; im gespräch stotterte er oft, eine unbeschreibliche angst befiel ihn, er hatte das ende seines satzes verloren G. Büchner nachgel. schr. 229; so stotterte der junge mensch, und fast traten ihm thränen ins auge Kürnberger novellen 1 (1861), 98;
der schutzgeist, dems bisher an worten nicht gefehlet,
fieng nun zu stottern an
Triller wurmsaamen (1751) 2, 12.
a)
mit angabe des stotternd gesprochenen: ich zitterte vor ihm, stotterte: 'herr ... major! ich bin ...' der arme mann im Tockenburg 1, 120; 'ich weisz nicht' stotterte ich 1, 67; 'ich schliesze es' stotterte er, ... 'doch bitte ich um verzeihung, aus ihrer physiognomie' Thümmel reise (1791) 1, 48 (vgl. auch 8, 36); 'gnädiger papa' stotterte das erröthende mädchen von siebzehn jahren deutsche erzähler d. 18. jahrh. 12 lit. denkm.; 'ich danke ihnen, Gretchen', stotterte ich, 'dasz sie meinem wunsche nachgegeben haben' J. Schreyvogel schr. (1829) 1, 63; 'ich glaubte nicht, dasz sie mich vermissen würden', stotterte er endlich Tieck schr. 17, 6;
'den sinn? — den sinn? — je nun, den weisz ich nicht',
so stotterte der arme wicht
Pfeffel poet. versuche 10, 148;
sein gesicht war noch bleicher als gewöhnlich. 'Friedrich' stotterte er, 'du sollst sogleich zum ohm kommen' Annette 2, 286 (W. Raabe Horacker [1876] 125); 'was hat Christus mit Belial zu schaffen?' stotterte ich Holtei erz. schr. 22, 269; ein alter klavierstimmer stotterte auf die frage, was Mozart ihm schuldig sei, vor verlegenheit und angst: 'ihro kaiserliche majestät ...' O. Jahn Mozart 3, 247; Hradscheck war kreideweisz geworden und stotterte: 'ja hast recht' Fontane I 6, 387 (vgl. auch I 5, 236); 'herr baron, diese frage ...' stotterte frau Kurzmichel Ebner-Eschenbach schr. 4, 36; 'ich bin ja man blosz der landsmann von das mädchen', stotterte der vermeintliche einbrecher H. Seidel Leberecht Hühnchen 286;
'und Ramiro? —' stotterte Clara,
und entsetzen lähmt die zunge
Heine w. 1, 45 Elster.
b)
mit accus. des inhalts: mitten in der antwort, die er zu stottern angefangen hatte Wieland Agathon (1766) 1, 236; er stottert ihr entschuldigungen w. 9, 46 (Musarion 2); ich erschrak, ich stotterte ein gegenkompliment K. Fr. Bahrdt leben 4, 232;
Leander ward mit freud erfüllt
und stotterte willkommen
Hölty ged. 22 Halm;
wie verloren in begeisterungen,
stottert Ismael entschuldigungen
J. D. Falk satiren 2, 24;
hierauf wurde Hermann roth und stotterte einige worte Immermann w. 5, 27 H.; stottre die zerknirschungsformel 'ich werds nimmer thun' Nestroy w. 2, 299; er stotterte ungeschickt einige ablehnende worte Laube w. 2, 239; sie ... stotterte eine entschuldigung O. Ludwig schr. 2, 162; ich stotterte verlegen 'ja' und einige thatsachen über die natur der schulden G. Keller w. 1, 152; wie ein nachtwandler ... erwacht er aus seiner betäubung, stotterte einige verwirrte worte G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 39;
und in abgebrochnen lauten,
die sich seltsam überstürzten,
hat er seinen dank gestottert
für die grosze, grosze ehre
Heine w. 2, 417 Elster.
auch: (ich) stotterte ... etwas von längst gehegten wünschen einer solchen bekanntschaft Holtei schr. 2, 13; er stotterte etwas vom krämer Hedderich, vom sturm, von kurfürsten Willibald Alexis hosen des herrn von Bredow 1, 194.
c)
mit einer richtungsmäszigen bestimmung wie heraus (s. auch th. 4, 2 sp. 1047): der magister stotterte etwas von 'alles sei gottes wort' heraus Göthe gespräche 1, 12 Biedermann; ihr advokat stotterte eine gewisse kritische frage heraus deutsche erzähler d. 18. jahrh. 148 lit. denkm.; ich stotterte eine antwort heraus Bauernfeld schr. 3, 225; endlich stotterte es der eine heraus: 'wodki!' Viebig das schlafende heer 1, 100; daneben auch hervorstottern (th. 4, 2 sp. 1200); zugleich mit reflex. gehalt hinein (wie sonst in sich hinein reden u. ä.): es glückte ihm aber so schlecht, dasz er sich nur immer tiefer in taube worte und widersprüche hinein stotterte und stammelte J. J. Chr. Bode Thomas Jones 6, 124. daher: (gefragt,) so wuszte er nichts, schwieg entweder still oder stotterte etwas unvernehmliches daher Nicolai reise 4, 748;
da wurd sie rot bis in den kragen
und stottert da ein zeug daher,
wie ihr gewand nicht schön mehr wär
O. Ludwig w. 3, 618.
neben einfachem herstottern (th. 4, 2 sp. 1167); ich stotterte etwas her, das einem vorwand ähnlich sehen sollte A. G. Meiszner skizzen (1778) 1, 79; hinstottern: ich weisz nicht, was ich der guten alten für einen vorwand hinstotterte Göthe 25, 1, 195 Weim.; vor (s. auch unten:)
als schmeichler stottern
ihm molch und ottern
loblieder vor
Platen w. 1, 110 H.
d)
mit adverb. bestimmung: ich will hier früchte für den winter einlegen, stotterte er verwirrt Tieck schr. 4, 422; Hermann konnte ... seine verlegenheit nicht bergen. hast du dem vater davon gesprochen? stotterte er leise Holtei erz. schr. 7, 64; und der föderalist senkt sein auge und schreit nicht mehr verzweifelnd, sondern stottert leise und tonlos Kürnberger siegelringe (1874) 217; Münchhausen ... stotterte hastig: Immermann w. 2, 16 H.; und er stotterte lachend, indem er gegen den offizier torkelte: bezahlen ... zahlen sie zuerst ihre schu . schulden, herr lieutenant, e . eh sie di . die leute aufschreiben .. schreiben! G. Keller w. 6, 304;
als Ludewig von Bayerland
das heiligenbild erblicket,
da kniete er nieder andachtsvoll
und stotterte selig verzücket:
Heine 2, 172 Elster.
e)
in erweitertem gebrauch, so im hinblick auf eine fremde sprache 'sie nur unvollkommen sprechen; radebrechen u. s. w.': (du) schämest dich nicht ... der einzige zu seyn, der ... latein stottert Wieland Lucian 5, 140; deutsch und französisch unter einander stottern Gerstenberg schlesw. lit. br. 341 lit. denkm.; ich kann nun etwas italienisch und französisch stottern Schubart br. 1, 177 und so im übergang zum folgenden:
(die lerche versucht) durch einen fremden ton den eignen zu verdrengen
und ein canarisch lied mit deutschem hals zu singen;
sie stottert tausendmal und wird sich selbst zur last
Schwabe belustigungen 2, 283.
f)
bildlich 'eine sache nur stümperhaft verstehen, erledigen; einer unternehmung nur unvollkommen gewachsen sein u. s. w.' (vgl. hier als bedeutungsübergang noch besonders den erweiterten gebrauch unter e und den beleg bei maler Müller unter g); so schlagwortartig auf dem gebiete der politik: zum dritten male werden wir ohne zu stottern sie (die angelegenheit zwischen Deutschland und Napoleon) zum ende führen Görres schr. 3, 253; es ist ... ein wunderbares ding um die vox dei in unserm lieben vaterlande, sie stottert, schreit dummes zeug br. 1, 38;
auch die officianten huben
alle gleich zu stottern an
Hoffmann v. Fallersleben schr. 4, 138.
(literarisch) im ausdruck der gedanken u. ä.: als er mich allein nahm nach aufgehobener tafel, sagte ich ihm, dasz ich in meiner schrift mit zittern von der grösze des feldherrn etwas gestottert hätte Th. Abbt verm. w. 6, 32; es geht immer so ..., dasz ich stottere und dasz du mir dann reiner begreiflich machst, was ich wollte Bettine die Günderode (1840) 2, 231. erkenntnismäszig (vgl. auch den beleg bei M. Chr. Irenäus unter 2 g):
ich zittre nur, ich stottre nur,
und kann es doch nicht lassen,
ich fühl, ich kenne dich, natur,
und so musz ich dich fassen
Göthe 2, 185 Weim.
g)
im nebeneinander mit entsprechenden begriffen; so neben stammeln verb. (th. 10, 2 sp. 648): wir stammlen und stottern, lallen und tallen zwar davon, so vil uns in dieser schwachheit und blindheit ... müglich M. Chr. Irenäus spiegel der hellen (1588) 50ᵃ; indessen ist es ihm labsal reden zu können, wenn er auch nur stammeln und stottern solte Hippel lebensläufe 2, 180; sie stotterte und stammelte (vor erregung) Laube schr. 3, 151;
sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt!
und gleich sind vertroknet die krüge
Göthe 1, 207 Weim.
neben stocken verb. (th. 10, 3 sp. 71; unter 5); der simple mensch sieht immer zehn auswege, einem beschwernis zu entkommen, wo ein denker oft stockt und stottert maler Müller w. 3, 147; begrifflich weiter auseinander liegend: der alte heide, der sich seit so vielen jahren nur mit seinen griechischen autoren herumgetummelt hatte, druckste, stotterte, würgte Holtei vierzig jahre 1, 162; dazu murmelte und stotterte er (Hans Unwirsch vor verwunderung über die plötzliche begegnung mit dem major), dasz er nicht wisse, dasz er nicht begreife ... W. Raabe hungerpastor 2, 27;
ich möchte danken, möchte weinen, heulen,
und wenn ich stottre, wenn ich lamentire,
ists alles meinem könige zu ehren
Tieck schr. 1, 362.
h)
einen stottern machen: auch würde der tadel die nur erschrecken und einschüchtern und sie erst stottern machen Chph. v. Schmid schr. 6, 199.
3)
adject. verwendung des part. stotternd: der stotternde junge mensch Fr. L. Schröder dram. w. 3, 55; einen alten stotternden stutzer Pückler briefw. 2, 267; ein stotternder zweideutler Grabbe w. 3, 129; (die nebenperson) des stotternden richters don Curzio im Figaro O. Jahn Mozart 4, 218. auch: eine stotternde sprache Rabener sat. 1, 132; mit einer stotternden stimme (sprechen) La Roche fräulein v. Sternheim (1771) 1, 374; wir begrüszten ihn (einen in das zimmer tretenden ältlichen herrn) mit wenigen ... worten, die er mit bellenden, stotternden tönen erwiderte, so dasz ich mir keine silbe des hottentottischen dialekts enträthseln konnte Göthe 31, 42 Weim.; ein langer hagerer mann mit ganz schneller, fast stotternder aussprache J. Kerner bilderbuch (1849) 195; es ist eine plage, sich mit solcher stotternden schrift befassen zu müssen Tieck novellenkranz 3, 306; als Lucinde in stotternder unsicherheit die meldung macht, dasz ... Gutzkow zauberer v. Rom 1, 47. praedic. und entsprechend der bildlichen verwendung oben unter 2 f.: der himmel ist auch gar gnädig hierselbst und die warme wintersonne gar nicht lahm und stotternd Görres br. 3, 557. gestottert: (er) schüttete, als er anfing, in einem hohlen bellenden ton, so schnell, dasz ein wort das andere jagte, ein gestottertes anathema über das andere auf den armen Sebaldus aus Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 39; die gestotterte phrase der unkunst Platen 303; mit dieser furchtsam gestotterten anrede übergab sie ihm das päckchen und zog sich eiligst zurück Holtei erz. schr. 12, 18.
4)
adverb. stotternd: etwas stotternd vorbringen vgl. Wieland Lucian (1788) 1, 8; nachdem er dreimal die worte ... stotternd wiederholt hatte ... Hippel kreuz- und querzüge (1793) 1, 497; stotternd und dumpf, dann heftig und gewaltsam sprach und rief er Göthe 23, 295 Weim.; nachdem herr Hilmar sich erst einigemale geräuspert und noch einige tiefe bücklinge gemacht hatte, fing er stotternd an J. M. Miller briefw. dreier acad. freunde (1778) 1, 40; ist endlich das längst im busen pochende bekenntnis den furchtsamen lippen stotternd entflohn ... Knigge umgang mit menschen 2, 87; wenn ich auch nur die hälfte meiner empfindungen dir stotternd gestände A. G. Meiszner Alcibiades 2, 112;
wenn wir des pöbels witz, den man uns ...
recht stotternd zugelallt, recht stotternd wieder lallen
Eschenburg beispiele 2, 229;
liebe mutter, erwiderte stotternd der jüngling Tieck schr. 19, 6; stotternd fragen vgl. Gaudy w. 2, 128; er setzte stotternd hinzu: ich weisz ... Auerbach schr. 16, 106; eben war ein kämmerer des königs in der herberge und verkündete stotternd, dasz er dein mahl hierher tragen werde G. Freytag w. 8, 138; verblüfft und stotternd zog er sich endlich zurück und lief in sein zimmer G. Keller w. 5, 87. entsprechend oben 2f und im gegensatz zu ausdrücklich im sinne von 'unbestimmt, dunkel u. ä.' fühlte ich die schuld, die ich ... auf mich geladen hatte, obgleich nicht ausdrücklich, nur stotternd Göthe 24, 203 Weim.;
ihr jüngern aber, die ihr unverzagt
unausgesprochnes auszusprechen wagt,
den sinn, woran die hand sich stotternd masz,
das unvermögen liebevoll vergasz,
ihr seid es, die, was ich und ihr gefehlt,
dem weiten kreis der kunstwelt nicht verhehlt
49, 1, 334;
(das mädchen) läszt stotternd kaum
im nebel sehen,
was sie gethan
Blumauer gedichte (1782) 154.
5)
das stottern (wie oben das gestotter th. 4, 1, 2 sp. 4244) haesitantia Frisch 2, 342ᵃ; das gatzen oder stoddern titubatio Kirsch (1723) bei Diefenbach gloss. 586ᵃ; je mehr von jugend auf das gefühl bei mir wuchs, dasz man ... das wohlgedachte auch gut und ohne stottern hervorgeben solle, ... Göthe 42, 2, 49 Weim.; (setzen) eine ehre darein, das pensum (des auswendig gelernten) ohne stottern herzusagen G. Keller w. 2, 90;
du wirst gestehn ohn stöttern,
dasz jenes werk gebaut von menschen, dies von göttern
S. Dach 510 Österley;
aber fing endlich nach einigem stottern der vater der götter an: J. J. Engel schr. 1, 15; sich ... wie das buchstabiren zum lesen, wie stottern zum recitiren und deklamiren verhalten Göthe 47, 42 Weim.; sie erstickte von unwillen und innerlicher wuth, und mit stottern redete sie weiter Schiller 3, 558 G.; sein erblassen, sein stottern überzeugten uns leider von der wahrheit der anklage Steffens was ich erlebte 3, 215; zahnloses stottern Nestroy w. 6, 41; der inhalt der rede ist bewuszt und gewollt und daher erscheint stottern, lallen u. dgl. als widerspruch Fr. Th. Vischer ästhetik. 1, 357; nach einigem stottern von seiner und erröthen von ihrer seite waren die liebenden herzen bald wieder einig M. Meyr erz. aus dem Ries 1, 37; (mit) stottern ihre gedanken ausdrücken Auerbach schr. 11, 87; sonst komm ich wieder in das stottern, das meine zeit und meine besten kräfte zu verzehren droht O. Ludwig an Devrient 384;
da wird lispeln geschwätz, wird stottern liebliche rede
Göthe 1, 250 Weim.;
mit stottern biet ich die flasche
J. H. Vosz ged. 4, 183;
ich kann
nicht reden, wie ich mögte, wenn ich dir
ins antlitz sehe, und von meinem stottern
hast du vorhin wohl genug gehabt
Hebbel w. I 4, 76.
entsprechend oben 2f: das allgemeine verhältnis erkennet nur gott; deswegen alles menschliche ... sinnen und trachten am ende auf ein bloszes stottern hinauslauft Göthe 37, 337 Weim.; sie sehen, ich habe eigentlich das ganze gedicht umgearbeitet ... hat mein extemporirtes stottern zum erstenmahl ihnen gefallen, so weisz ich, dasz die fleiszige aus- und bearbeitung ihnen nicht hat misfallen können Öhlenschläger im Göthejahrb. 8, 14. technisch das stottern einer maschine, wenn ihre räder keinen gleichmäszigen gang haben Jacobsson; Krünitz 174, 696.
Zitationshilfe
„stottern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stottern>, abgerufen am 23.01.2019.

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