Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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strahl, m.

strahl, m.,

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telum, sagitta, pilum; fulmen; radius.
A.
formales: das urspr. schw. fem. (ahd. as. strâla) steht als mhd. strâle für die bedeutungen 'telum' (C 1) und 'fulmen' (C 2) noch in beträchtlicher geltung (s. belege mhd. wb. 2, 2, 672; Lexer 2, 1222 u. unten). der einflusz des begrifflich entsprechenden und entlehnten mhd. pfîl, nhd. pfeil (th. 7 sp. 1655) verursacht geschlechtswandel (schw. m. strâle), dem der übergang in die st. decl. nachfolgt: mhd. strâl m.; so als nhd. sing. strahl, m. schriftsprachlich durchgesetzt, doch im plur. bleibt ebenso entschieden schw. decl. strahlen erhalten. vereinzelt erscheint vocalrundung in dem sing. strol bei Wickram, Forster u. a. auch im plur. strol (Gersdorf), dat. strolen (Nürnberg, städtechron. 2, 253); umgelautet ströl H. Sachs (vgl. auch sträl in der heil. leben, dazu Schmeller-Fr. 2, 812; Fischer schw. wb. 5, 1819 u. s. w.).
B.
wortgeschichte: mit ausnahme des goth. belegbar: ahd. as. strâla (insbesondere auch ahd. donarstrâla Graff 6, 752); ags. strǣle, f., (neben strǣl, m.); freilich scheint schwed. straͦle aus mnd. strāle (vgl. holl. straal) entlehnt, doch höchst bemerkenswerth norw. dial. straal, n, 'kleiner fischschwarm, der von einem hauptzug sich abzweigt', auch straala 'sich in kleine schwärme ausbreiten' (dazu das mit secundärem j ausgestattete isl. strjalast 'sich ausbreiten'). auszerhalb des germ. kslav. strěla, f. 'pfeil', dazu strělją, strěliti 'pfeile schieszen' (s. auch unten strelitze 'der pfeilschütz'); als entlehnung noch aus der slav. gruppe lit. strěla-s, strěla m. f. 'pfeil'. als urspr. bedeutung erscheint 'pfeil', wobei die wortfindung möglichst weit nach osten zu schieben ist; das altgerman. wort, welches verdrängt wurde, war ein mit lat. arcus urverwandtes, erhalten im altn. ör, ags. earh, dazu goth. arhvazna); die begriffe blitzstr. und sonnenstr. als mythologische requisiten haben unter nordischem himmel keinen platz, sie sind ein geschenk der antike. für die etymologie unseres wortes bleibt schlieszlich zusammenhang mit mhd. (ahd.) strâm, strân 'streif, strich, strom' zu erwägen (zu der wurzel ster- 'streuen'); vgl. dazu unten strom, auch strieme über die zugehörigkeit von unten strähl zu unserm wort s. dort.
C.
bedeutung.
1)
pilum, sagitta; über hier auftretendes femin. geschlecht s. auch die einl.: strale f.(?) tricuspis Diefenbach gloss. 595ᶜ; geschossen mit ainer stral qu. b. Schmeller-Fr. 2, 812; mit der straal erschossen Herold Forer Gesners thierbuch (1563) 2, 5; vielleicht noch von formaler wirkung auf strale, ein pfeil Gottsched sprachkunst (1748) 157.
a)
eigentlich 'pilum' gemma (1508) 43ᵃ; ein stral sagitta Alberus (1540) ff 4ᵇ; vgl. ndd. vederen die an pijlen, stralen, bolten, vyeren synt tormido Diefenbach gloss. 588ᵇ; mndl. vyere of strail, dat yser van geschutte gaida Diefenbach gloss. 255ᵇ; Gherard van der Schueren theuton. da kamen bauern mit geladenen armsten und verschossen einen stral auf die unsern Schmeller Fr. 2, 812 (qu. z. j. 1399); sag mir, wer hat dich so hart mit disem stral verwundet? Steinhöwel Äsop 276 K. mhd. kennzeichnet die hier entstehende verwundung charakteristisch versnîden (s. Gudrun, 92, 3 und unten Titurel, auch verschneiden 4, th. 12, 1 sp. 1131); als unterschiedlich (gegenüber dem pfeil?) werden widerhaken hervorgehoben: wann ettliche pfyl seint eckecht, die anderen als die spyesyszen, etlich seint strol mit widerhocken Gersdorf wundarzney (1517) 37, 2ᵇ; so einer ... das wild mit eim stral erlegen will, so understeht es durch alle garn aus zuͦ brechen M. Herr sittl. zuchtbücher 179ᵇ; mit den sterkern und groszen steinbölern und straͤlen (treffen) Xylander Polybius (1574) 366; also gedacht er, wie er in (den hirsch) könd geschieszen mit einem stral bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 4; der str., der uns entwaffnete, prallet jetzt auf dich zurück Weiszkern in samml. v. schauspielen (1764ff.) 1, 42; neben dem eigentlichen armbrustgeschosz, dem bolz (th. 2, sp. 234):
es kam ein wildbret schieszen ins holtz
Linkus trug den strol und auch den poltz,
da trug im nach Leckus den rauhen kocher
G. Forster liedl. 107 ndr.
vor dem gebrauch bewahrt im köcher (th. 5 sp. 1559): den stahel sambt der winden und kocher mit strähel qu. bei Fischer schwäb. wb. 5, 1819;
im was sîn edel kocher   guoter strâle vol
Nibel. 897, 2 L.
ein wirksamer gebrauch durch spannung des (ältern) bogens, der (jüngern) armbrust ermöglicht:
und zuckt darmit seynen handbogen
und hat den grimmigklich aufzogen,
ihn zu erschieszen mit eim stral
H. Sachs 2, 117 K.;
vgl.
und zilt mit seim stral aufgezogen
18, 45 K-G.; 20, 469,
zuletzt auch:
ir angesicht brennet vor zorn,
inn der ein hand het sie ein bogen,
darauf zwen scharpfe ströl gezogen
3, 283 K.;
entsprechend:
mit sîner blœder krefte   het er ûfgezogen
manic starke strâle   schôʒ er ûʒ dem bogen
Gudrun 92, 2;
auch:
er schôʒ in mit dem bogen,
eine scharfe strâle   hete er ingezogen
Nibel. 879, 2 L.;
vgl.
dîn boge er ist
ein glüender brant, und ingezogener strâle spart
dîn tumpheit nicht
Frauenlob 439, 5.
mit adj. bestimmung: ein iben bogen mit einer seiden senewen, mit silberin stralen Jac. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 136 (wildb. v. Dreieichen 1338); den tödtlichen strahel auf Antinoam abgeen (lassen) Schaidenreisser Odyssea (1537) 91ᵃ; vgl. noch: manchen scharpfen vergifften stral Hans Sachs 10, 423 K.; dafür auch ân geluppte strâl Hadamar v. Laber 45, dazu th. 4, 1, 2 sp. 3110 und Schmeller-Fr. 2, 812 (Höfler 693ᵃ); Vulcanus, der donnerkeilschmid, hat sehr vil geschmitter stral J. Ayrer dramen 4, 2497 K,; (sie) schieszen mit langen straͤlen unter sie (praetereuntibus sagittarum venabula infigunt) Heyden Plinius (1565) 98 (8, 8, 26);
und schoss gar manchen scharpfen stral
zu disem volke in dem thal
H. Sachs 17, 233 K-G.;
wo du den vogt getroffen
mit deinem sichern stral, ...
Uhland ged. 1, 312 krit. ausg.;
neben pfeil (th. 7 sp. 1655): (er) liess einen groszen ochsen gieszen, den stackt man voller straͤl und pfeil d. heyligen leben summerteil (1472, 15ᵇ; ob einer geschoszen wer mit einem pfeil oder stral, ... Braunschweig chirurgia (1539) 2ᵃ;
Cupido, eyn kind Veneris schon,
mit seinem bogen, pfeil und stralen
Wickram w. 7, 35 (Ovias met. 847) B.;
strol und pogen qu. bei Schmeller-Fr. 2, 812. strâle als helmzeichen Gottfried v. Straszburg Tristan 4944; 6598; vgl. auch mhd. wb. 2, 2, 672ᵇ; der stral als zeichen auf einem geschütz Lexer 2, 1223; 2 schermpüchsen auf karen (mitführen), zu ietlichem karn 20 pleikugeln, gezaichent mit 2 strolen städtechron. 2, 253 (Nürnberg c. 1450); zu friedlichem gebrauch noch: sy stecken auch die kuchen voller löcher mit einem eysin stral oder backgebelin S. Frank weltb. 147ᵇ. vergleichsweise: da sahen die wechter oft einen feurinen man wie einen feurin stral und pfeil inn lüften von einem schlosz zum andern faren chron. Germ. (1538) 158ᵇ;
von deiner euglein glitzen
feurflammen rausher spritzen,
recht wie die straln und schnelle pfeil
Zinkgref auserl. ged. 6 ndr.
b)
bildlicher gebrauch; vgl. dazu unter dem einflusz antiker anschauung (zugleich im übergang zu 2): (Phaeton) fart gantz irrig an der himelischen stroszen, Jupiter scheuszt ihn mit eynem strol vom wagen Wickram w. 7, 77 B.; haysst ain verwunte lieb, wenn die sele mit dem stral der liebe wirt von got verwundt Tauler sermones (1508) 52ᵇ; hierher vielmehr (zugleich aus dem gebrauch unter 2 genährt): deshalb so musz gott seine majestät retten und schützen vor der bösen welt mit solchen stralen und karthaunen des greulichen tods C. Huberini mancherlei form zu predigen (1557) 117ᵃ.
(Diana,) deren zucht ihr köcher ist,
und deren blick zu jeder frist
als strahlen die götter versehren
Weckherlin ged. 1, 204 F.
sonst noch: du hast mir ... mit deinen worten ein eyskalten stral durch mein hertz gedrungen Wickram w. 2, 144 B.;
der wollust falsche strahlen
sind scharfe todesstraalen
Abr. a s. Clara etwas für alle 2, 10;
vgl. dazu die schnellen str. des tods Weckherlin 1, 357 F.
2)
im erweiterten gebrauch 'fulmen' (und im deutlichen ausgang vom vorigen und gewisz unter dem einflusz antiker vorstellung; vgl. auch unten d); die aus den wolken erfolgende elektrische entladung heute durch das simpl. eigentlich nur in der poetischen sprache bezeichnet, sonst durch die zusammensetzungen blitzstr. (th. 2 sp. 135), donnerstr. (th 2 sp. 1254); und schon als mhd. donerstrâle sich in der masse der belege vordrängend, vgl. mhd. wb. 2, 2, 672ᵇ) und unten wetterstrahl vgl. das hieraus entwickelte begriffliche zeugma in dem personennamen Friedrich Wetter, graf vom Strahl H. v. Kleist 2, 170 (Käthchen v. H.) Schm. vereinzelt auch gewitterstr. (th. 4, 1. 3 sp. 6427). auch in diesem bedeutungskreise oft als fem. (s. oben): strahl (fem.) fulmen Frisius (1556) 591ᵇ (vgl. auch 60ᵇ); nach Adelung im obd. gangbarer als im hochd.; vgl. auch Frisch 2, 343ᵃ. anderseits als eine entsprechung zu donnerwetter (th. 3 sp. 1256) auch die zs. strahlwetter; mit dem str. schieszen, blitzen, wetterleuchten fulminare Hulsius (1618) 2, 166ᵃ; der str. fällt augenblicklich nach dem blitze A. v. Haller Usong (1771) 331; sturmwolken, die ... bald über sie mit zerstöhrenden stralen losbrechen würden 61; der str. ist in einer nicht gar groszen entfernung hinter ihnen niedergefahren Lichtenberg verm. schr. 8. 162;
aus der wolke ohne wahl
zuckt der strahl!
Schiller 11, 310 (glocke) G.;
bei jedem strahle, der klirrte
schmetternd durch donners groll
Brentano schr. 2, 58.
insbesondere vom str. gerührt oder getroffen werden esser toccato dal folgore, être frappé du foudre Rädlein (1711) 849; lorbeerstämme, die die strahlen des ungeheuersten ungewitters ... nicht zu treffen vermögen Heinse w. 3, 387 Sch. (Dentzler [1716] 2, 279ᵃ): vgl. noch: aber kayser Augustus trug für den donner ein gürtel von einer mörkalbshaut, auf dasz ihn als ein kayser nicht der str. erschluͤg wie den ersten könig Romulum Fischart Garg. 178 ndr.; ob dem berg aber bricht denselbigen (d. fels) ab eintweders ein langer groszer platzregen oder ein erdbidem oder ein str. Agricola-Bech bergwerkbuch (1621) 27; eine starke gesunde fichte war durch den str. erschlagen und zerworfen G. Freytag verl. handschr. 1, 159;
der rych untrüw man also bstadt,
bisz ihn der strol von himmel schladt
schweiz. schausp. d. 16. jahrh 2, 232 B.;
das auch etwan thürm und glocken vom hagel oder stral verderbt werden Eberlin v. Günzburg schr. 2, 9 ndr.; ein strall ist vom himel kummen und hat den ganzen tempel anzündt Hedio chron. german. (1530) 180ᵃ;
wiltu, dass ich mit hagelstein
verderb deins nechsten acker fein?
soll ein haus anzünden der stral?
W. Spangenberg ausgew. dicht. 218 (Saul 4, 2) M.
vgl. auch noch:
wie der dunner war deine stim,
wie plitz deine blick anzuschauen,
der stral kan nicht so tief durchhawen
als deiner straichen schwerer grim
Weckherlin ged. 1, 123 F.
mehr richtungsweise: ich wett, die straal schluͦg in das husz schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 3, 265 B. (Herold-Forer Gesners thierbuch 2, 28ᵇ); und hat wenig tag darvor die stral ouch in unser stat um vesperzit in den münsterturm geschlagen J. v. Watt 2, 339; darnach am 17. tag ougst schlug die stral in die statt zu S. und verbrandt statt und closter Äg. Tschudi chron. helvet. 1, 175 (daneben: do schlug der straal in die capell und schlug abt Peter ... zu todt 1, 187); zu Canischa hat die straal in den pulferthurm geschlagen Stumpf Schweizerchron. (1606) 31ᵃ; zu S. schlug der str. in den thurm U. Bräker der arme mann im Tockenburg 2, 187; auch: der str. fiel auf unsere scheune Pfeffel pros. versuche 6, 44.
a)
in seiner wiederholung strahl auf strahl:
die blitze zischten strahl auf strahl
Pfeffel poet. versuche 8, 196;
doch jetzt enthüllen grause wetter,
strahlen auf strahlen, das nahe schicksal!
Klopstock oden 2, 156 M.-P.
b)
mit adj. do chom ain grosz wetter und gar zornig und schlug ain fiurin stral in die mül städtechron. 4, 67 (Augsburg 1381); darzu fielen feurige stralen mit greuwlichem donnern vom himmel herab S. Münster cosmogr. 148;
so niderschlecht der feurig stral
mit groszem donner ab zu thal
Scheit fröhlich heimfahrt C 1ᵇ;
sieht durch das fenster, ha, die blutigen strahlen durch die schwarze nacht! Klinger w. 1, 71 (zwillinge 3, 2). so oft etwa ein zuckender str. aus der drohenden wolke zündend herabfuhr O. Peschel völkerkunde (1874) 141;
seht ihr den neuen zeugen des nahen, den fliegenden strahl?
höret ihr hoch in der wolke den donner des herren?
Klopstock oden 1, 137 M.-P.;
trift ein rascher stral mein haus,
spann ich meine flügel aus
C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 13;
man weisz ..., dasz der tötende str. zuletzt aus dieser wolke kommen musz O. Ludwig schr. 5, 203; das durch den himmlichen str. angesägte holz L. Laistner nebelsagen (1879) 56.
c)
mit nebenordnung entsprechender begriffe:
lasz straln und fewr über sie gehn,
schlag sie tief ein zur erden
Burkard Waldis ps. (1553) 252ᵃ;
der herr wirdt schlagen unter mein
feinde mit fewr und stralen
M. Sachse bei Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 15;
vgl. er wird stralen über sie schütten, er wird sie mit fewr tief in die erden schlahen, das sie nimer nicht aufstehen ps. 140, 11. tautologisch: mit dem gewaltigen blitz und str. Zürcher bibl. (1531) weish. Sal. 19; aber in der luft herab schossen auf d. Faustum so viel str. und blitzen, dasz der keckest ... erschrecken und zittern müssen volksb. v. dr. Faust 51 Br.; in der ergänzung: von fewersnot, kriegsnot, donner, stral Ruof hebammenbuch (1580) 38 (Paracelsus op. [1616] 1, 41ᶜ Huser); vgl.
was dienet doch dein strahl, was fallet doch dein dunder
auf felsen oder bäum?
Weckherlin ged. 1, 414 F.
wie in einer steigerung: (er) hat ... vil donnerknel sein tag gehört, aber vor dem stral fürcht er sich S. Frank sprüchw. (1541) 1, 106; als das eigentlich wirksame auch in der verbindung: des donners strahl venusgärtlein 24 ndr. (Postel Wittekind 262); tödtlich plitz jetzt hagel und stral (auswerfen) S. Frank sprüchw. (1541) 1, 120ᵇ; segensspruch,) das wetter, donner, hagel, stralen zu vertreiben Widmann Fausts leben 35 K.; ein grausam ungewitter von donner, straal und hagel Stumpf Schweizerchron. (1606) 62ᵃ (Paracelsus op. [1616] 2, 17ᵇ H.);
wind, wolken, donder und hitz,
stroll, hagel, für und auch der plitz
die tryben ihr natürlich wesen
schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 2, 306 B.;
des höchsten stim gab uf erd lauten schal,
hagel und straln mit feuerflamm erhal
Schede ps. 60 ndr.;
ungewöhnlich:
die wolken, die ihr (Alpen) trinkt, sind schwer von reif und strahl
A. v. Haller ged. 22.
d)
in der strafenden hand der gottheit; so in deutlicher anlehnung an vorstellungen der antike: des höchsten Jovis donder und str. Philadelphus Regius von lutherischen wunderzeichen (1524) B 2ᵃ (Schaidenreiszer Odyssea [1537] 20ᵇ);
als wann gott Jupiter unsteht
herab vom himmel stral und feur
vor zoren schicket ungeheur
Spreng Ilias (1610) 27ᵃ (vgl. auch 57ᵃ);
kont Pallas mit dem stral nicht mann und schiff zerspillen
Ant. Ulr. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 898;
der donnerer des kapitols nahm aus seiner hand
den schnellen strahl und sendet ihn uns!
Klopstock 9, 200 (Hermann u. d. fürsten);
von Jupiters throne
zuckt der allmächtige strahl. nährt und erschüttert die welt
Göthe 1, 351 W. (vgl. auch 16, 4 W.);
hernieder euren (der götter) rächerischen strahl,
hernieder auf den scheitel der verräter!
Grillparzer w. 4, 205 (Sappho 4, 8) S.
als wesentliches der göttlichen erscheinung:
da vormals Juppiter die Semelen geliebet,
sol er in solchem plitz und hellen glantzesschein,
in solchen stralen nicht zu ihr gekommen seyn
S Dach 560 Ö.
biblisch: las blitzen und zustrewe sie, scheus deine stralen und schrecke sie ps. 144, 6 (auch 2. Sam. 22, 15), dazu Hans Sachs 18, 84 K.-G. (auch 538).
e)
der elektrische str. auch im dienst menschlicher wissenschaft, des physikalischen experiments u. s. w. (bildlich): in einer guten gesellschaft sitzt man ... auf einem boden, wo man leicht electrisirt werden kann: und wenn nur einer erst den strahl gefangen hat, so geht er von hand zu hand weiter Just. Möser w. 3, 46 (s. auch unter dem folgenden).
f)
im vergleich:
und schnell wie schlag auf strahl,
umklammert er des andern (löwen) kehle
Ramler fabellese 3, 172;
ich stand da wie vom str. getroffen J. M. Miller Siegwart (1777) 1, 69; es durchzuckt mich, wie ein str. Müllner dram. w. 2, 39 (schuld 1, 9); mit weniger treffendem verb.:
doch wie ein strahl es ihn durchfliegt,
dasz schlaf den willen fast besiegt
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 39;
vgl.
(mein beistand,)
ohn welchen ich gleich wie ein baum ohne saft,
welchen der strahl entehret
Weckherlin ged. 1, 249 F.
g)
übertragen 'plötzlich treffendes miszgeschick, unheil' u. s. w.: (die nachricht,) dasz der feind unseres glückes durch einen strahl getroffen ward, der aus dem wasser in sein leben schlug G. Freytag verl. handschr. 3, 323;
vor Strahlsundt dich (Wallenstein) der strahl gerührt;
hett dich der schieffer uff die see gführt,
der strahl het dich nit troffen
Soltau volksl. 475 (j. 1628);
vgl. Zinkgref-Weidner teutscher nation weisheit (1653) 3, 36.
h)
bildlich: die traurige ehre, von dem strahle der heroischen beredsamkeit unsers Jupiters zerschmettert zu werden Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 357; weil oft nur ein bloses wetterleuchten des witzes ist, was ein zerschmetternder str. des scharfsinnes seyn wollte Lessing 13, 127 M.; auf einmal fuhr ihm ein str. durch die seele wie ein blitz Jung-Stilling schr. 1, 258; aus den worten Gneisenaus ... blitzt der str. einer tief versteckten glut Meinecke Boyen 1, 292;
o unverhoffter schmertz!
o jammerreicher strahl, der durch des vaters hertz
bis an die seele drang!
A. Gryphius trauersp. 201 P.;
Laurens schönheit, geist und witz ...
waren einzig stral und blitz,
die sein hertz entzündet haben
Gottsched ged. (1751) 1, 266;
der entzückung
strahlen, die es auf mich herströmt,
treffen, wie ist das? nicht ganz
Klopstock oden 2, 31 M.-P.;
und so als sinnbild der vernichtung auch mit dem str. seines gerichts einen treffen vgl. Ranke w. 2, 284 und rachestrahl (th. 8 sp. 28), dazu Lohenstein Ibrahim sult. (1680) 97; H. v. Kleist w. 3, 206 Schm.;
aus westen, norden, süd und ost
treibt uns der rache strahl
Körner 1, 125 H.;
in barocker formung:
(Türken und Franzosen, die)
vor donner, stral und blitz des deutschen adlers zittern
Gottsched ged. (1751) 1, 379;
dein name, königin, unter dieser schrift
entscheidet alles, tödtet, ist ein strahl
des donners, der geflügelt trifft
Schiller 12, 542 (Maria St. 4, 11) G.
insbesondere auch der bannstrahl (th. 1 sp. 1118):
helft zu verfolgung, tyrannei
schärf dem papst sein keraunisch stral,
sein fluchen, bannen allszumal
Fischart jesuiterhütlein 1065 Hauffen;
königreiche werden sie denen, die sich beugen, schenken,
und dann wohl des bannes strahl selbst auf ihre sklaven lenken
Schönaich Heinrich der vogler (1757) 51; (Novalis schr. 1, 244 M.);
doch leider! gott dem herrn, dem vater papst zum hohn,
wenn dieser es erfährt, schnell wird er sträflich richten
mit heilgem strahl dein reich, das sündge, zu vernichten
Göthe 15, 287 (Faust 10 986) W.;
mit des bannes st. treffen vgl. Zachariä poet. schr. (1763) 1, 7 (Herwegh ged. eines lebendigen [1841] 117); den str. des bannes brechen vgl. Rückert w. (1867) 1, 38.
3)
feuerstrahl (th. 3 sp. 1605) in nächster anlehnung an das vorige (vgl. das makrokosmische bild: die dicken wolken gossen wasser, die wolken donnerten und die stralen furen daher ps. 77, 18) und so unter den farben zur schilderung göttlicher majestät: sein stuel war eitel fewrflammen, und derselbigen reder branten wie fewr und von demselbigen gieng aus ein langer fewriger stral Dan. 7, 10;
dasz hagel, schaur und feures stral
di frucht nit machen bitter
Uhland volkslieder 813;
der str. von feuer J. F. Stahl gewehrgerechter jäger (1762) 130; darnach kame ein ungeheuerlicher schusz mit einem strale, der traff ewern bruder herzog Aymont (1535) m 5ᵇ; wär der thier eins mit der büchsen stral scheuszt Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 17;
gleich wie zu sommerszeit der donner mit dem keile
hier einen hohen baum. dort einen felsen bricht, ...
mit eben solcher sterk und eben solcher eyle
kommt aus dem hohlen ertz ein schwerer straal geflogen
Freinsheim bei Schottel haubtsprache (1663) 63;
so steigt ein starker strahl aus einem feurwerk auf
und theilt sich, wenn er sinkt, in tausend lichte stern
Chr. Warneke poet. versuch (1704) 87 (Gottsched neuestes a. d. anmuth. gelehrsamkeit [1751f.] 1, 876);
auch von der fressenden flamme einer feuersbrunst:
die treppe war noch unberührt vom strahl;
rauch ist das einzge übel, das sie findet
H. v. Kleist 2, 264 (Käthchen v. H. 3, 13) Schm.
bildlich Ramler einl. i. d. schön. wissenschaften (1758) 2, 172.
a)
milder der lichtstral 'lucis radius' (th. 6 sp. 892), von dem leuchtende kraft ausgeht; physikalisch genauer 'ein sich in gerader linie unglaublich schnell fortbewegender lichttheil' Adelung (Hoyer-Kreuter 1, 739); str.-en von sich werfen radios emittere Stieler; grillenvertreiber 5; auch einfaches strahlen werfen Frisch 2, 343ᵃ ( Adelung); str.-en von sich geben Hulsius (1618) 2, 321ᵇ; daneben von sich schieszen lassen radios edere; radiare Frisch a. a. o. von den stralen verblendet werden esser abbagliato, hallucinato da raggi Kramer dict. 2 (1702), 995ᶜ; denn wenn ein str. eines brennenden lichts ihn anrühre, so würd er in eine taube verwandelt kinder- u. hausmärchen (1812 ff) 2, 10 (Ramler einl. i. d. schönen wissensch. [1758] 1, 55; S. Brunner erz. 1, 167);
(man sieht)
des nachtes heller sein
des feuers lichte strahlen
als bei der sonnen schein
Opitz poem. 97 ndr.;
der lampe strahl ist ungewisz und dämmernd
Tieck schr. 1, 65.
b)
doch besonders im makrokosmus:
α)
der str. der sonnen radius Dentzler (1716) 2, 278ᵃ (Hulsius a. a. o.) vgl.sonnenstrahl (th. 10, 1 sp. 1684f.) und Fischer schw. wb. 5, 1819; von seiner gewalt und wirkung: feurige stralen aus dem feuermeere der sonne hervor wallen Mayr päckchen satiren (1769) 91; die gewalt der strahlen (der sonne) nöthigte mich ..., die augen zu schlieszen Göthe 43, 367 W. (Bahrdt gesch. s. lebens [1790] 2, 223; G. Freytag w. 13, 72);
wer nicht hat des adlers augen, musz der sonne stralen weichen
Logau 268, 89 E.;
gleichwie die sonne das glas durchgeht,
da nichts den strahlen widersteht
Mittler volksl. 353 (Rückert w. 1, 119);
das kind sieht in die strahlen froh
und in die sonne lichterloh
S. Brunner erz. 1, 128.
vereinzelt: die schon längst aufgegangene sonne erschien endlich als mond, ohne strahlen Göthe IV 23, 2 W. und nachdrücklicher von einer stelle, wohin die sonne nicht dringt: weit von der sonnen stralen Heyden Plinius (1565) 377; in den strahlen: (ein bläschen,) funkelnd in der sonnen strahlen Brockes ird. vergnügen (1721 ff.) 8, 237 (Göthe gespr. 8, 151 B.); wenn die mücke in ihren str. sich sonnt ..., kann sie das strafen, die stolze majestätische sonne? Schiller 3, 368 (kab. 1, 3) G.; vgl.
hab ichs gewonnen,
satt mich zu sonnen
in deinen strahlen, freudenschöpferin?
maier Müller w, 1, 332 (E. Th. A. Hoffmann 10, 44 Gr.).
als mittel: (ich) trücknete hinter den hecken meine kleider durch die stralen der sonne Grimmelshausen vogelnest 487, 31 K. (J. Prätorius anthropodemus [1666] 1, 51; Ratzel völkerkunde 2, 129); wer liebt nicht die sonn, die den erdboden, menschen und vieh mit ihren strahlen erfrewet? Lehmann floril. polit. (1662) 2, 692; die sonn mit den strahlen solch wasser an sich zieht griech. dramen 2, 235 Dähnhardt (J. M. Miller pred. fürs landvolk [1776 ff.] 2, 56; polit. maulaffe 62);
weil die berundte sonn
mit ihrer stralen glantz erwecket grosze wonn
bey menschen und beym vieh
Reinicke fuchs (1650) 18;
so weit die sonne mag mit ihren stralen reichen,
ist niemand so wie du
Rachel sat. ged. 60 ndr.
als subj.: da dringen die strahlen der sonne treffend herein Göthe 11, 333 W.; ihre (der sonne) str.-en erzeugen die wärme J. P. Hebel w. 2, 5 B.; die strahlen dringen durch etwas vgl. Holtei erz. schr. 3, 242 (fürst Pückler briefw. 2, 108); dafür poetischer auch flieszen Geibel w. (1888) 1, 1;
matter spielen die strahlen um jene goldgelbe scheitel
des unschuldigen jüngers, des herolds der liebe, Johannes
Lenz ged. 4 (versöhnungstod) W.;
vgl.
o sonne ...
wie schön sind deine strahlen!
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3 331ᵇ.
in ihrer vollen stärke: die strahlen der sonne fallen senkrecht auf sein naktes haupt Klinger w. 3, 145;
er (der hirseh) sprang aus der weide des waldes zum bache
lechzend hinab, denn ihn brannten bereits die strahlen der sonne
J. H. Voss Odyssee 10, 160;
im untergang:
sind nicht erloschen der sonne
strahlen in finsterer nacht?
Hoffmann v. Fallersleben schr. 1, 34;
vgl. statt der strahlen (der sonne) ... lagen bereits abendliche schatten in dem vorgarten Fontane w. I 5, 118; dafür als barocke poetische umschreibung: wenn ihre (der sonne) strahlen ... den süszen schlaftrunk trinken Treuer deutscher Dädalus 5, 8. als obj.: durch zerrissene wolken schieszt die sonne ihre strahlen maler Müller w. 1, 362 (Gottsched crit. dichtkunst [1751] 263);
fürnämlich aber schos ir stral
die sonn auf unser schiflin schmal
Fischart glückh. schiff 603 ndr.;
(ein grausen blieb,) bisz die sonne ihre stralen über den erdboden ausbreitete Bucholtz Herkuliskus (1665) 311; (als) die sonne ... ihre strahlen begunte über das gebirge zu strecken volksb. v. geh. Siegfried 83 ndr.; wenn die sonne uns einigermaszen ihre strahlen lindert, such ich sie auf Göthe IV 21, 157 W. (Zesen rosenmând [1651] A 2ᵃ); die sonne warf jetzt tiefer durch die gebüsche ihre strahlen maler Müller w. 1, 80 (J. Prätorius saturnalia [1663] 21; Jean Paul unsichtb. loge 2, 169 R.);
wann auch die sonne lest viel minder ihre stralen
an diesem ort als nicht in andere gegend fallen
Dietr. v. d. Werder rasender Roland (1636) ges. 5, 5;
sie (die rose) trinket die strahlen
der neuen sonne mit kleinen, sich langsam eröffnenden lippen
Wieland I 1, 132 ak. ausg.
aa)
mythologisch eingekleidet (in dichterischer sprache):
ihr sternerhöhte Rutiler,
die ihr so weit erhaben seit,
als Föbus seine strahlen streit
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 205;
Phöbus mit strahlen die erde erfüllt
Arnim w. 13, 259.
bb)
dem thau der erde entgegengestellt:
sonne, gieb ihm deine strahlen,
erde, gieb ihm deinen thau
Schiller 15, 1, 4 (huldigung d. k.) G.;
vgl. eine herrliche pflanze ..., auf jeden str. und tau sich erhebend Görres br. 3, 382;
cc)
im sing.: diese grosze nacht (des todes), die immer auf dich zuschreitet, ... du magst dich nun im stral der abendsonne oder dem der abenddämmerung herumschwingen Jean Paul unsichtb. loge 2, 168 R.; schlucht, die noch kein str. erreicht hatte L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 372;
anblick dieser sonnen,
die auch das kalte eyss mit einem strahl gewonnen
A. Gryphius trauersp. 194 Palm (Brockes ird. vergn. [1721 ff.] 4, 12; Stoppe Parnasz [1735] 18);
dein auge spielt und deine locken fliegen
sanft, wie die luft im strahl der sonne wallt
Hagedorn poet w. (1757) 3, 114 (Cronegk schr. [1766] 2, 15);
an örtern, wo ihr stral gedämpft
mit braunen schatten dämmernd kämpft
Gotter 1, 229;
terminmäszig:
so werd ich
dir mit der nächsten sonne strahl erscheinen
H. v. Kleist 2, 329 (Hermannsschl. 1, 2) Schm.
häufig mit collect. beisinn: denn (der sonne) str. allen lichtsternen gleichsam den glantz und schein giebt mediz. maulaffe (1719) 9; den str. der sonne sehn und zur organisation geschickt werden Herder 13, 28 S.; die beste lage gegen den str. der mittäglichen sonne J. G. Forster schr. 3, 5;
du fühltest dir noch kräfte, dich hervor
zu wagen und der sonne licht zu sehn,
du siehst es jetzt und hassest seinen strahl!
Schiller 15, 1, 23 (Phädra 1, 3) G.; J. H. Voss ged. (1802) 4, 268;
herr gott der an des maien erstem tag
den strahl begabt mit sonderlichem segen
A. v. Droste-Hülshoff w. 1, 403;
auch:
von magyarischer sonne strahl
durchglühter wein
Gaudy w. 4, 18; Müllner dram. w. 2, 64 (schuld 2, 4);
(ein fremder stern, der)
im strahle seiner sonne blinkt!
Grabbe 1, 351 (Nannette 2, 3) Bl.
dd)
hier anknüpfende begriffliche umschreibungen, so unter verwendung von tag: kein str. des tages fiel je in diese wohnung des schreckens Chph. v. Schmidt schr. 1, 27 (Schiller 3, 38 [Fiesko 1, 12] G.); da ein str. des tages auf ihr gesicht fiel, sah ich ... G. Keller w. 3, 230 (Bettine Günderode [1840] 1, 99);
der boden
reiszt, und die blassen geister erschrecken vorm strahle des tages
Dusch schr. (1758) 12;
du ruhtest dich, du pflegtest deiner wunden,
und mit des nächsten tages strahl, gefiels dir,
nähmst du den krieg der jungfraun wieder auf
H. v Kleist 2, 79 (Penthes. 9) Schm. (Rückert w. [1867 ff.] 3, 29);
vgl.
willkommen, junger tag!
dort aus des berges dunkelm wald
blitzt schon dein stral hervor
S. Gessner schr. (1777) 1, 117;
der tag ... sendet aus der goldnen brust den strahl,
von dem erquickten aug den schlaf zu scheuchen
M. Beer w. 3 (Klytemnestra 1, 1) Sch.
besonders noch str. des morgens: beim ersten str. des morgens wurden die stimmen der vöglein rings um die einsame burg her munter Helmine v. Chézy erz. (1822) 1, 129 (U. Hegner schr. 5, 188). str. des mittags:
des feldes thiere suchten des baumes schirm
im strahl des mittags
Stolberg 4, 96;
vgl. wie die erste morgendämmerung mit den strahlen des vollen mittags den namen des sonnenlichts theilt Schopenhauer w. 1, 173 Gr. str. des frühlings:
kein strahl des frühlings konnte mit erbarmen,
ein milder tröster, sich zu ihm verirren
Lenau w. 29 B.
auch der str. des himmels Brentano 2, 591; in der nebenkammer bricht ein str. der oberwelt durch die felsritzen Novalis schr. 4, 194 M.;
wir auch wandern vielverbündet
nach der räthselferne aus;
doch der strahl der wüste zündet
sehnsucht nach dem kühlen haus
Lenau w. 12 B.
ee)
mit adject., so vor allem: der erste str. der aufgehenden sonne O. Ludwig schr. 2, 99 (vgl. auch 2, 366):
immer ja saugt ihr lichtbegieriges auge die ersten
strahlen hinweg und so wächset nur langsam der tag
Mörike w. 1, 94 G.;
Schubart leben u. ges. 2, 102; dem wanderer in der nacht ist der erste str der morgenröthe ein bote der hoffnung Herder 23, 3 S. (Pfeffel pros. versuche 5, 53; H. L. Wagner theaterst. [1779] 8 [Macbeth 1, 2]; Holtei erz. schr. 6, 197; G. Keller w. 6, 107); als die ersten strahlen der sonne durch den finstern tannenwald brachen E. Th. A. Hoffmann w. 2, 75 Gr. (maler Müller w. 1, 150); die sonne schoss mit ihren ersten str.-en nach den blinkenden wetterhahnen Brentano w. 5, 28;
da ging
die sonne auf, von der der dichter
den ersten strahl für euch empfing
Mörike w. 1, 52 G. (Dahlmann franz. revolution 94).
sonst auch terminmäszig: vom frühesten stral der morgenröthe beginnet der gottesdienst Herder 16, 259 S.; mit den frühesten strahlen des andern morgens (aufbrechen) Fouqué zauberring (1812) 1, 168;
es leuchtet jeden morgen
ein junger strahl des lichts
E. M. Arndt w. 5, 78 R.-M.
im gegensatz dazu: die letzten strahlen der sinkenden sonne Brentano Godwi (1801) 1, 38 (G. Keller w. 1, 33);
trunknen vom letzten strahl
reisz mich, ein feuermeer
mir im schäumenden aug,
mich geblendeten taumelnden
in der hölle nächtliches thor
Göthe 2, 66 W.;
mit dem anblick des lezten gebrochnen strahls der sonne Caroline 1, 20 (22. 6. 1785) Waitz; in den letzten str.-en der abendsonne wurde ... ein junger reiter sichtbar Eichendorf w. 2, 355 (Bettine Brentanos frühlingskranz [1844] 25); ihre (der sonne) letzten str.-en vergoldeten eine landschaft Moltke schr. 1, 42 (Spielhagen 1, 98; Th. Storm w. 1, 173). besonders herauszuheben noch: brennende stralen trabes ardentes; zwitzernde stralen caprae saltantes, nomenclator (1634) 27;
wo sind die rieselnden wellen,
die hier flossen, die nie tilgte der brennende strahl?
Herder 26, 16 S.;
der heisze str. (der frühlingssonne) Pietsch schr. (1740) 5; im brennend rothen strahle der abendsonne Solger nachgel. schr. 2, 648; dem schönen roten feurigen str. (folgen) W. Raabe Horacker (1876) 137;
die sonne wünscht der erde gute nacht
und läszt die glut der strengen stralen weichen
Chr. Weise überfl. gedanken 170 ndr.
auch: unter dem senkrechten str. der nie bewölkten sonne A. v. Humboldt ansichten (1808) 1, 29 (Ritter erdkunde 1, 959). im übrigen (auswahlweise): (die sonne beseelte) mit ihren abschieszenden strahlen die kalterstorbnen felder S. v. Birken forts. pegnitz-schäferei (1645) 4; vgl. Königsb. dichterkr. 86 ndr. belebender str. vgl. Fichte w. (1845 ff.) 2, 268; trauben, die der buhlerische str. der sonne noch nicht um ihre unschuld betrog Immermann w. 1, 10 H.; o sonne! in deinen erquickenden strahlen reift ich zum menschen erst aus maler Müller w. 1, 19;
und Aurora berührt sie
mit den ewigen strahlen
als die ragenden gipfel der welt
Schiller 14, 26 (br. v. Messina 1, 192) G.;
dein geselliger str. N. D. Giseke poet. w. (1767) 111; gestärkter str. Gottsched ged. (1751) 1, 369; die morgensonne läutert mit ihren güldnen strahlen die dicke und duftige luft Sigm. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 4 (Ang. Silesius seelenlust 24 ndr.); die heitersten strahlen der morgenröthe discourse d. mahlern (1721 ff.) 2, 4 (J. H. Voss ged. [1802] 3, 94);
schlaf und ruh ich unbewegt,
bis die sonne wieder
mit den hellen strahlen regt
meine augenlieder
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 409ᵇ (Herder w. 25, 405 S.).
auch: mit den helleuchtenden stralen (betagen) Harsdörfer teutscher secretarius (1656) 1, 8ᵃ (engl. comedien u. tragedien [1624] Y 8ᵇ); in barocker anschauung:
himlische strahlen
müssen itz prahlen
Rist Parnasz 493;
holder str. Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 8; die erde mit lebenerweckenden strahlen tränken vgl. Ebner-Eschenbach schr. 2, 7;
das mir Phöbus wieder
seine lieben strahlen bringe
Göthe 17, 45 (tr. d. empfindsamkeit 4) W.;
dir, o vater!
im licht n stral
trug berg und thal
gewächs und leben ohne zahl!
J. H. Voss ged. (1802) 5, 14 (d. heiligen leben [1471] winterteil 217ᵇ);
wie lässt sie (die sonne) ihr gesicht
in lauter neuen stralen prangen!
Chr. Weise überfl gedanken 37 ndr.;
die sonn mit sanften stralen
das blümlein übergosz
Spee trutznachtigall (1649) 76 (C. A. Overbeck verm. ged. [1794] 60; Jean Paul Hesperus 1, 148 R.);
goldne sonne, leihe mir
die schönsten strahlen, lege sie zum dank
vor Jovis thron!
Göthe 10, 43 (Iphigenie 982) W. (Hoffmannswaldau ged. [1697] 1, 6; Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. [1727] 1, 29);
E. M. Arndt schr. f. u. an s. lieben Deutschen 1, 314;
nachdem
erst entgegen dem sonnigen strahl er ein tuch gespannt
Platen 1, 264 R.;
mittags, wenn die goldne sonne
starke stralen auf dich geuszt
Erlach volksl. d. Deutschen 3, 435;
so wie tagender stral, wenn er in osten bricht,
falbe nebel verzehrt
Denis lieder Sineds (1772) 126;
an des warmen strahles kräften
zeugt natur den goldnen wein
Schiller 11, 387 G. (Gottsched ged. [1751] 1, 117);
sih hie, der sonnen zier
geht wieder schön herfür ...
und wirkt auf berg und thalen
mit wunderlichen strahlen
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 400ᵃ;
ff)
neben glanz: unzertheilich ding, wie die kleinen fäszlein in der sonnen glantz oder stralen Hulsius (1618) 2, 44ᵇ; dann gleich wie die strahlen und glantz der sonnen durchscheinet das glas, wasser und wolken J. Prätorius Blockesb. verr. (1668) 375; vgl.(es) waren solche werk wie liecht, die seine gegenwertickeit anzeigten, und gingen von ihm aus wie glentze von der sonnen inn der wolken und wie strelen von seinen henden Luther 19, 428 W. (Barth weiberspiegel [1565] H 3ᵇ); neben den wogen des sonnenlichts: das allerfreuliche licht mit seinen farben, seinen stralen und wogen Novalis schr. 1, 4 M.
β)
in der nächtlichen welt:
und wie bedachtlos es ihr finger fasst,
da spielt ein nächtger strahl in edlen steinen
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 229 (Walther 4);
der str. eines cometen u. s. w. oft als gegenstand abergläubischer betrachtung (vgl. auch Fischer schwäb. wb. 5, 1819): in diesem jar ist ein kometstern am himmel eine zeitlang gesehen worden mit langen stral oder besen geschichtsbücher der wiedertäufer 270; es erschien auch ein feuerzeichen gleich wie ein brennende fackeln mit langen straln, schosz wie ein blitz auf die erde Nigrinus papist. inquis. 355 (Thurneysser magna alchymia [1583] 12; auch vorr.; Binhardus thüring. chron. [1613] 83; Prätorius ref. astrol. 25); ja ich fühle den glühenden, sengenden str. des langgeschweiften kometen auf meiner stirne E. Th. A. Hoffmann w. 10, 150 Gr. (Herman Grimm Michelangelo 2, 26). vgl. sonst noch: (sterne) sandten in heiliger ordnung ihre str. über die welt maler Müller w. 1, 36 (griech. dramen 1, 248 Dähnhardt) und in der naturwissenschaftlichen erklärung zurückgreifend auf α beim nordlicht:
sie leuchtet mir freundlich und treu,
wie durch des nordlichts bewegliche strahlen
ewige sterne schimmern
Göthe 2, 109 (vgl. auch III 1, 6) W.;
aus norden fast mitten in der nacht aufsteigende feurige strahlen M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 2, 324; vgl.anno 570 erschienen feurig strael am himmel, und tröpflet pluͦt S. Frank chron. germ. (1538) 56ᵃ. in begrifflicher unterstreichung: nächtliche stralen als zeugen künftigen unterganges Ringwald lauter warheit A 3ᵃ; vgl. Weckherlin ged. 1, 55 F.; Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 279; Lenz schr. 2, 206. noch besonders str. des mondes Schubart ged. (1825) 2, 74; Herder 12, 246 S.; maler Müller w. 1, 147;
einatmen will ich den hauch der wolken und die strahlen des mondes
Heine w 3, 363 E.;
adj. bestimmt: 1, 132; beym schwachen stral des mondes Göthe 37, 75 W.; blasser str. Pfeffel pros. vers. 1, 132; die dämmernde gegend, die unter dem milden strahle (des mondes) geruht maler Müller w. 1, 221 (vgl. Th. Storm w. 1, 93);
wie uns ein blasser mond
aus herbstlichem gewölk vom grauen horizont
unkräftge stralen sendt
Wieland 1, 126 ak. ausg. (natur d. dinge 6, 343);
im keuschen strahl des feuchten monds
Shakespeare 1, 203 (sommernachtstraum 2, 1);
c)
physikalisch: besonders die brechung der strahlen (refraction), d. h. ihre ablenkung beim übergang in einen andern durchsichtigen stoff (dabei neigt sich der gebrochne str. dem einfallslote zu beim übergang in einen dichteren, aber davon ab beim übergang in einen dünnern str.): in gebrochenen strahlen Zinzendorf gemeine wache (1749) 321 (Görres br. 3, 73); das licht der sonne besteht aus strahlen von verschiedener refrangibilität Göthe II 2, 47 W. (Solger Erwin [1815] 1, 69); vgl. der feuchtigkeiten (im augapfel) sind insgemein drey, welche zur unterbrechung der strahlen dienen Fleming teutscher soldat (1726) 350; die doppelbrechung eines strahls beim durchgang durch die meisten krystallinischen stoffe; vor allem aber seine spaltung in einzelne farben im prisma:
welch erhabner gedanke!   uns lehrt der unsterbliche meister,
künstlich zu theilen den strahl, den wir nur einfach gekannt
Göthe 5, 228 W.;
einen str. der finsternisz annehmen und denselben so gut als das licht in fünf oder sieben farben spalten (führt zu groszer verwirrung) II 5, 1, 36 W.; auch bildlich: Herder 15, 354 S. und so in einem vergleich: einklang! alle farben in einem str. der sonne! Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 5; wir spalten es (das sonnenlicht) in strahlen, die ohne zu leuchten die mächtigsten veränderungen und zersetzungen in der organischen natur hervorbringen J. Liebig chemische briefe (1844) 29; vgl. Hegel w. 5, 1, 138; im einzelnen: die rothen str. sind die kräftigsten bekanntlich Lichtenberg br. 2, 82 L.; ultraviolette strahlen du Bois-Reymond grenzen d. naturerk. (1873) 16; (der regenbogen, welcher) reich an blauen und violetten str.-en ist L. Boltzmann schr. (1905) 59. hinwiederum strahlen in einem brennpunkte sammeln;
und wers vermochte,
die strahlen alle, die die welt erleuchten,
in einem einzgen brennpunkt einzusammeln, ...
Bauernfeld schr. 5, 147 (deutscher krieger 2, 6);
auch: die str. zum brennpunkt gesammelt Fr. Th. Vischer ästhetik (1846 ff.) 2, 411 als beliebtes bild: (Winckelmann) strebte in dem brennpunkt der kunst alle strahlen des geisteslebens zu sammeln Justi Winckelmann 2, 2, 238; die strahlen der erkenntnis Fr. A. Lange gesch. d. materialismus [1866] 328 (Th. Abbt verm. w. [1768] 1, 10; Ebner-Eschenbach schr. 4, 251); auch der mittelpunkt des lessingschen werkes (Laokoon), in welchen alle stralen fallen Herder 3, 159 S. (Fr. A. Lange gesch. d. materialismus 17); sinnfälliger: die ehre ist mit einem künstlichen hohlspiegel zu vergleichen, der die zerstreuten stralen der sinne in einem punkt zusammendränget Th. Abbt w. (1768 ff.) 2, 80 (Hölderlin dicht. 2, 116 L.);
all diese blicke (von menschen) werft in einen spiegel
und kehrt den ganzen vollen strahl auf mich,
von kopf zu fusz ihn auf und nieder führend
H. v. Kleist 1, 300 (Amphitryon 3 10) Schm.
von ihrer aufprallenden oder eindringenden wirkung: Harsdörfer frauenzimmergesprechspiele (1641 ff.) 7, 201; wie die stralen in die kleinsten theile unserer organen wirken Nicolai literaturbr. (1759 ff.) 2, 279; braun ist die haut des kräftigen körpers, angehaucht von den eindringenden strahlen der sonne Göthe 49, 89 W. auch: das wirksame weisz, das alle stralen fortsendet, beziehet sich ... auf etwas, das alle stralen verschlingt Herder 22, 61 S.; ein leuchtender punkt sendet einen kegel von strahlen auf die linse Muspratt chemie 7, 109; vgl. Adelung.
d)
in reicher bildlicher anwendung: die wissenschaften gesitteter völker warfen auch in diese entfernte länder einen theil ihrer strahlen A. v. Haller Alfred (1773) 231 (Klinger w. 11, 30); der lächelnde str., den die vorsicht heute auf mich fallen läszt, hat meine entwölkte seele in hofnung aufgeklärt Wieland I 3, 13 ak. ausg.; sie fängt die strahlen seines (des mannes) lichtes auf, die sanft und lieblich von ihr wiederglänzen Göthe 17, 129 W.; so fiel denn niemals ein str. weiblicher güte in die dunkle jugend des herzogs Karl Treitschke deutsche gesch. im 19. jahrh. 3, 559;
ermuntre (weisheit) mich mit deinem strahle
Gotter 1, 467;
stralen ihrer (der seele) guten anlage Herder 3, 184 S.; str. der anmuth Rückert w. (1867 ff.) 1, 147; der aufklärung Herder 16, 595 S. (G. Forster schr. 5, 232); der freude B. Neukirch ged. (1744) 253; Caroline 1, 169 (5. 6. 1796) Waitz; Jean Paul 3, 133 H.; str. des friedens Börne schr. (1829 ff.) 3, 248; des gehorsames Reinicke fuchs (1650) 327; eurer genügsamkeit Bauernfeld schr. 4, 23; mit den gütigen stralen ihrer gewogenheit Harsdörfer teutscher secretarius (1656) 1, 377; des glücks Lohenstein Arminius 1, 15ᵃ (Göthe 40, 240 W); der gnade A. G. Kästner schr. (1755) 1, 104 (Ayrenhof w. 1, 217: Fr. W. Weber Dreizehnlinden 262); der güte Hölderlin dicht. 1, 34 L. (Bettine dies buch gehört dem könig 2, 335); an dem strahle der güte thaut oft das härteste herz auf Meisl theatralisches quodlibet 1, 181; (die weisheit) ein stral der herrlichkeit des allmechtigen weish. Sal. 7, 25;
erhellen wir ihm nicht die letzte stunde
mit schönem strahl der hofnung?
Schiller 14, 382 (Tell 4, 2) G. (Gökingk ged. [1780] 1, 59; J. M. Miller ged. [1783] 3);
der keuschheit str. Gottsched ged. (1751) 1, 222;
es kehret sich ein strahl des lebens mir,
erquickend und erregend, wieder zu
Göthe 9, 411 (Tancred 1108) W. (vgl. A. W. Schlegel im Athenäum 1, 164);
str. des lichtes Lessing 2, 350 (Sara S. 5, 10) M., vgl. Gervinus gesch. d. deutschen dichtg. 5, 16;
der liebe strahl, der sich im herzen bricht!
Fr. Kind ged. (1817) 1, 18 (Zach. Werner Martin Luther ⅠⅩ prol.).
vgl. ein jungfrau wird ... von den stralen der lieb entzündet Lehmann floril. polit. (1662) 1, 446 (Chr. Weise polit. redner [1677] 39): strahlen meiner lust Hoffmanswaldau ged. 1, 7; sich in den strahlen seiner macht sonnen vgl. br. von u. an Herwegh (1896) 304; (des ruhms Löwen in sammlung v. schausp. [Wien 1764 ff.] 3, 5); der himmlischen schönheit straalen Grob dichter. versuchgabe (1678) 147; einen str. ihres segens empfangen vgl. Brentano schr. 5, 226; str. des trostes Stieler geharnschte Venus 51 ndr. (fürst Pückler briefw. 7, 116); sich im reinen str. weiblicher tugend ... veredeln Holtei erz. schr. 2, 252; vgl. Petrasch lustsp. (1765) 1, 691 und in barocker fügung: also schwere ich, dass mich die strahlen ihrer tugend entzündet haben Ziegler asiatische Banise (1689) 303; besonders: im dicksten nebel stralen der wahrheit (suchen) Herder 13, 309 S. (Zimmermann über die einsamkeit 4, 26; fürst Pückler briefw. 1, 89);
erleuchte mich durch einen strahl
der wahrheit durch und durch
Novalis schr. 1, 151 M. (Gottsched ged. [1751] 1, 295);
schmelzen wie wachs von der wahrheit stralen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 508. auch: im str. der wahrheit Stägemann kriegsgesänge (1813) 9; strahlen der göttlichen weisheit Leibnitz deutsche schr. 2, 35; vgl. Rätel Curäi chron. (1607) 562; Gottsched ged. (1751) 1, 151; Schubart leben 1, 47;
was für ein strahl der wonne strömt
mir unerträglich, alle glieder lähmend,
durch den entzückten busen hin
H. v. Kleist 2, 348 (Hermannsschl 3, 5) Schm.;
von dem str. eines zeitungslobs erwärmt Lichtenberg verm. schr. (1800 ff.) 3, 420; als eine besondere gruppe noch str. des bewusztseins Hebbel I 1, 90 (Genov. 4, 1) W.; strahlen der warmen einbildungskraft Bodmer crit. poet. schr. (1741) 1, 54; str. des scharfsinns Wieland 1, 76 ak. ausg. (natur d. dinge 4, 89); die strahlen fremder vernunft zurückwerfen Schiller 10, 92 G.; str. des verständnisses vgl. W. Hauff w. 1, 17; der str. himmlischer wolredenheit herrlich leuchtet Harsdörfer teutscher secretarius (1656 ff.) 2, x 5ᵃ; insbesondere: str. seines geistes J. E. Schlegel w. (1761 ff.) 2, 41 (Börne schr. 13, 60); auch Lucie verklärt ihr wesen in den strahlen dieses schönen weiblichen geistes Stifter w. 2, 1, 106;
der stral des geistes weckt die müde tugend auf
B. Neukirch ged. (1744) 111;
ein str. des genies allgem. deutsche bibl 1, 2, 39; die erleuchtenden strahlen des genius Göthe 41, 1, 5 W.; er hat den fünfundzwanzigjährigen frost der strengsten verschwiegenheit durch einen einzigen str. seines herzens aufgethaut Börne schr. 8, 88 (seiner seele Jean Paul unsichtb. loge 2, 104 R.). zuletzt:
kein strahl einer gottheit erscheint mir in dieser nacht
Göthe 23, 29 W.;
vgl. noch Wieland mor. br. 2, 173; Lenz ged. 7 Weinhold; Matthisson schr. 1, 6; und so der mensch selbst ein str. jener gottheit Tieck schr. 8, 18. —von in der partitiven fügung ein str. von hoffnung J. G. Jacobi w. 1, 203;
so macht ein strahl von hoffnung schon mich trunken,
ich brauch die sonne der erfüllung nicht
Herwegh ged eines lebendigen (1843) 2, 3;
noch einen str. von h. haben J. G. Forster schr. 9, 70; besonders noch: einen schwachen str. von h. Schubart br. 1, 104 Strausz (Knigge roman meines lebens [1781] 2, 46); der letzte str. von h. Gentz schr. 1, 84; auch str. von glückseligkeit Lessing 2, 316 (Sara S. 4, 1) M.:
getrost! ein strahl von deinem lichte
zertreibet meine finsternisz
Drollinger ged. 14.
str. von trost Ramler lyr. ged. (1772) 353; aus: strahlen ... aus der abendröte der hohen kunst (auffangen) Sturz schr. (1779) 1, 232; ein str. aus geisterland vgl. Seume ged. 11 (C. A. Overbeck verm. ged. [1794] 2; W. Raabe Horacker [1876] 91);
o, du allwissender! nur einen strahl,
aus deines wissens füll in meinen geist
Raupach dram. w. ernster gatt. (1835 ff.) 8, 233.
4)
der strahl der augen, der von ihnen ausgehende glanz, das leuchten darin (s. auch augenstrahl th. 1 sp. 812) Adelung; in einer anknüpfung an oben 3:
jungfrau Anna, die schosz die hellglänzenden stralen
von ihrer augen sonn
Zinkgref auserl. ged. 28 ndr. (Rabener w. 1, 193):
die augen voll strahlen haben Schleiermacher Platon (1804 ff.) 6, 363;
es wird ein jeder blick ein strahl,
der auf gen himmel dringt
E. M. Arndt w. 5, 46 R-M.;
auch: giftige stralen in den augen (haben) Grimmelshausen 4, 561 K. früher: die brinnende stral der liebe sich von dem gesicht der augen begeben Arigo decam. 272 K. doch schon mhd. vgl. mhd. wb. 2, 2, 672ᵇ und:
und strâle ûʒ spilnden ougen schieʒe in mannes herzen grunt
Walther v. d. Vogelweide 27, 26.
a)
der schwarzen augen straal Stieler geharnschte Venus 24 ndr.; Gottsched ged. (1751) 1, 354; W. Müller ged. 177 H.; durch den schleier der verhüllten hindurch drang der str. eines feuerauges Ebner-Eschenbach schr. 1, 109; (Shakespeare 1, 214 [sommernachtstr. 2, 2]; Strachwitz ged. [1850] 96); str. gewogener blicke Stoppe Parnasz (1735) 304; ein str. der feuervollen blicke Schwabe belustigungen (1741) 1, 293 (R. Wagner schr. 6, 13).
b)
in verbalen wendungen gröszere lebendigkeit des gedankens:
es schieszt ein stral aus deiner Vitzthum blicken
Gottsched ged. (1751) 1, 384. vgl. auch 213 (Weichmann poesie der Niedersachsen [1721] 1, 103).
aus deinen augen fällt ein strahl
A v. Droste-Hülshoff w. 2, 126 (bricht Stifter w. [1901 ff.] 1, 233);
als obj.:
und sein (des vaters) blick
warf strahlen, wie ein speer im sonnenschein
Stolberg w. 5, 15 (Eichendorf w. 2, 275).
vereinzelt dafür: die Curländerin hatte so was liebevolles im auge, ... dasz sie strahlen aus ihren augen warf Hippel lebensläufe 3. 1, 107.
c)
mit adj.: die pflizende strahlen eurer glänzenden augen schausp. englischer comöd. 112 Creizenach; scharfe stralen Zinkgref auserl. ged. 52 ndr.; der glühende str. Holtei erz. schr. 28, 233; krankhaft, müde der matte str. des groszen auges Willib. Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 115;
o du durstger strahl der augen,
der zum monde trinken gebt
Brentano schr. 2, 234;
d)
besonders hervorzuheben noch ein str. erhellt ein antlitz, bricht aus ihm hervor u. ä.: die str.-en seines angesichts F. Alber Ignatius Loiola (1591) 206; vgl. H. v. Kleist 2, 187 (Käthchen v. H. 1, 1) Schm.; dazu Gottsched ged. (1750) 105; gewöhnlich mit einer weiteren bestimmung: ich sah ... neue strahlen des geistes aus ihren gesichtszügen hervorbrechen Göthe 19, 29 W.; ein leichter str. der hoffnung und freude flog über Gabrielens antlitz Fouqué zauberring (1812) 1, 23 Ebner-Eschenbach schr. 4, 69); es ging ein str. angenehmer überraschung über Uhlands starre züge L. A. Frankl erinnerungen 125 in bibl. deutscher schriftst. a. Böhmen; auch: und da zuckte es wie ein sonniger str. über sein gesicht Spielhagen 1, 6; überhaupt als charakteristische physiologische erscheinung des gesichts H. v. Kleist 3, 318 Schm.; vgl. noch schönheitsstrahl Heräus ged. (1721) 64.
5)
als wiederschein des lichtes auf glänzendem gegenstand: eine strale, den ein gläntzend corpus von sich würft radius Corvinus fons lat. (1646) 693; vgl. Ramler einl. (1758) 2, 9; G. Keller w. 3, 64;
streu furchtbar strahlen um dich her,
schwert in des kaisers hand
Klopstock oden 1, 78 M.-P. (Laube schr. 2, 8);
ein trüber strahl flirrt um die schwerter her
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 244.
(bei einem speer)
der goldberingten ehernen spitze strahl
Bürger 173 Bohtz;
die kostbare crone streuet ihre schimmernden strahlen von sich Chr. Weise polit. redner (1677) 10;
der goldnen kronen strahl
Uhland ged. 1, 151 (vgl. auch 1, 172);
dass sie (die kleinode) im sonnenschein die blödern ... augen gleichsam mit ihren stralen schlagen Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 2, 8ᵃ; ein schöner ring, der mit seinen herzbrechenden stralen die Venus selbst überwunden hätte Chr. Weise die drei ärgsten erznarren 32 ndr.; str. der siegeskrone R. Z. Becker mildh. liederb. 81.
wie du auch strahlst in diamantenpracht,
es fällt kein strahl in deines herzens nacht
Heine 1, 72 E. (vgl. Adelung);
auch ein bauwerk in seines goldes str. Gerstenberg ged. eines skalden 359 lit. dkm., (brücken) schossen lebendige strahlen von sich maler Müller w. 1, 51 (Rachel sat. ged. 128 ndr.: Lohenstein Ibrahim [1680] 3);
(ein dach,)
das nach der erde fernsten theilen
die güldnen stralen dichte streut!
Schwabe belustigungen 1, 100;
auch: des thrones strahlen Butschky Pathmos (1677) 5ᵃ.
a)
mit strahlen vorgestellt radiatus Frisch 2, 343ᵃ (Böttiger kl. schr. 2, 234); dasz es ihm vorkam, als sei ihr haupt mit strahlen umgeben Göthe 22, 45 W. (Zach. Werner kreuz a. d. Ostsee 67; L. Aurbacher volksbüchlein [1835] 50); insbesondere: die strahlen der beywohnenden majestät und herrlichkeit Dannhawer catechismusmilch (1657) 1, 23; der majestät str. umgibt sie (die könige) Jac. Grimm kl. schr. 1, 31 (Ramler einl. in die sch. wissensch. 3, 48). auch: nicht gestattet, um eines sächsischen fürsten haupt strahlen zu sammeln Jac. Grimm kl. schr. 3, 1 (A. v. Droste-Hülshoff br. 10 Sch.; Speck zwei seelen 277, vgl. J. A. Arnold episteln [1789] 176);
den strahl der majestät und deiner thaten ruhm
mag, theuerster August, ein höherer beschreiben
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727 ff.) 2, 9.
so zuletzt: der könig, ein str. hoher gottheit Gottsched schaubühne (1741) 1, 38 (Zach. Werner Martin Luther 46).
b)
in der kunst:
vom strahl der eignen kunst geblendet,
umarmt er heisz den marmorschnee
Kind ged. (1817) 1, 80;
Rossini, ... der du deine klingenden strahlen über die welt verbreitest Heine 3, 250 E.; nur als gegenstand künstlerischer oder kunstgewerblicher darstellung: der heil. geist als eine taube in einem groszen glanze von stralen Nicolai reise 2, 635 (H. Meyer gesch. d. bild. künste [1824] 3, 423);
ein doctor, der vil mehr könn als Apelles mahlen
und der dreyfaltigkeit abbilden helle stralen
Zinkgref auserl. ged. 46 ndr.
im wappen einen löwen mit strahlen Lohenstein Arminius 2, 487ᵃ (Micrälius altes Pommerland [1640] 6, 526).
c)
in einer weiterentwicklung von oben a:
von deinem diadem, der christenheit zum schaden,
traf das verfluchte haupt der erste strahl der gnaden
Göthe 15, 1, 287 (Faust 10 990) W.;
mag sich die welt im strahl der gnade sonnen,
ich kenn ein fähnlein doch, das weiter ficht
Herwegh ged. eines lebendigen (1843) 78;
da du selbst glantz und sonne,
mit strahlen deiner wonne
verklährt mein angesicht!
Königsberger dichterkr. 74 ndr.
6)
ein aus enger öffnung herausgetriebener wasserstrahl (th. 13 sp. 2518): str. aus einem springbrunnen, einer spritze u. s. w. Adelung (besonders auch ndd. en strāl water). vgl.str. mit wasser Jac. Böhme schr. (1620) 4, 94; die heranfluthenden wassermassen, ihre stürzenden strahlen Göthe 48, 168 W.;
strömt von der hohen
steilen felswand
der reine strahl,
dann stäubt er lieblich
in wolkenwellen
zum glatten fels
2, 56 W. (vgl. Gottsched ged. [1750] 35);
(das wasser) als langer str. in die höhe spritzt Schopenhauer w. 1, 198 Gr. (blitzt Fontane I 4, 369); vgl. die spritze bewies sich kräftig; wo ihr str. unter den rand der schiefer sich einzwängte, splitterten diese krachend von den nägeln O. Ludwig schr. 1, 370; in der quelle glattem str. A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 253; mit plätschernden strahlen Polenz Grabenhäger 2, 129; (wo) kleine brunnen in perlenden stralen klingend tropfen Tieck schr. 4, 79 (Stieler w. 2, 319; Heyse 5, 29; 2, 253); silberner str. Herwegh ged. eines lebendigen (1843) 6 (glänzend weisz H. v. Barth nördl. Kalkalpen 261); auch dichterisch: der gefrorene str. eines gletschers A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 100. sonst noch: ein strahl essig, wenn man essig aus einem fässlein zapfet Ludwig (1716) 1885; wein in groszen strahlen Arnim w. 12, 39; in hohlem strahle H. Seidel Leberecht Hühnchen 190. beim einschenken den str. mäszig verlängern H. Hesse Peter Camenzind 57; ein dünner str. kohlensäure Lierig chem. br. (1884) 93.
a)
str. des blutes (vgl. blutstrahl th. 2 sp. 193): str. aus der ader Gehema grausame medicinische mordmittel (1688) 11;
schwarzquellend springt des blutes strahl
Schiller 11, 281 (kampf mit d. drachen) G.;
roter str. Schubart ged (1825) 2, 71 (blutroth brüder Grimm sagen 1, 202; blutig Fouqué held des nordens 106).
b)
bildlich:
kom o heiliger geist, o kom und spreng deine stralen
umb und umb in die hertzen und mach uns from
Bäumker kathol. kirchenl. 1, 655.
7)
geometrisch die von einem punkt ausgehende gerade linie Lueger 7, 532; die fortpflanzungsrichtung der energie 533; vgl. Hoyer-Kreuter 1, 737; als theilbegriff strecke, die auf einem strahle liegt Czuber wahrscheinlichkeitsrechnung 2, 91; denn Halle muszte von dem strahle dieser reise berührt werden Immermann w. 18, 116 H.; auch: der schall pflanzt sich ... in geraden linien oder strahlen fort Liebig handb. (1843) 1, 35; vgl. Helfft wb. (1836) 350.
a)
der str. vom centro bisz zum umkreisz radius J. Orsäus nomencl. (1623) 27; der str. oder halbmesser des kreises semidiameter Bürja gröszenlehre (1799) 60 alle strahlen eines zirkels sind gleich C. Fr. Cramer Neseggab 3, 308; auch; strahlen der windrose vgl. Göthe gespr. 3, 102 B.; vgl. der mittelpunkt, an welchen weitere freie erfindung wie in strahlen anschieszt G. Freytag w. 14, 9; die strahlen der schönen wölbung schieszen zu groszen sternen zusammen (in einem keller) w. 4, 434; vier vom fusz aufsteigende strahlen als ornament einer schale Hiller v. Gärtringen Thera 2, 64; im kunstreichen netz der spinne Eschenburg beispielsamml. (1788) 1, 68; die spinne, welche im hängendem netz stralen aus einem mittelpunkte in die runde webt Reimarus wahrheiten d. nat. religion (1766) 334;
(ein netz)
rundt, mit viel straln wie sonnenglantz
Burkard Waldis Esopus 1, 212 Kurz.
b)
hannöv. strahle einzelne staffel in einer leiter Adelung.
8)
weitere übertragungen:
a)
mineralisch die strahlen lange, schmale, gerade theile, als kleinste zusammenhäufungen eines fossils; ein mittelding zwischen fasern und blättern Adelung (vgl. auch unten strahlglimmer, -gyps und strahlig); kleine strahlen, das sind christallen Th. Platter 12 B. ein bedeutendes stück egeran, wo die aus einem mittelpuncte ausgehenden strahlen deutlich und die crystallisationsweise dieses minerals entschieden zu sehen wäre Göthe IV 33, 8 W.; im bruche auseinanderlaufend beim strahlschörl (s. u.) A. G. Werner oryktognosie (1792) 32; vgl. dazu bergnamen wie Strahlegg am Schreckhorn Buck flurnamenb. 271. in volksthümlich-abergläubischer vorstellung der belemnit Buck a. a. o. unter anknüpfung an die bedeutung 2; vgl. stein und strahl (vom himmel) neben blitzen und donnern Paracelsus op. (1616) 2, 324 Huser; ein stral, ein schwefelkeil Ramler lyr. ged. (1772) 297.
b)
in der pflanzenwelt der str. radius, die aus strahlenden blüten gebildete einfassung eines gegipfelten oder gehäuften blütenstandes Bischoff (1839) 167 (Illiger [1800] 3 8); weisze wucherblume mit groszem, weiszem str. Ratzeburg standortgewächse (1859) 82; auch die haupt- und nebenstiele einer dolde Illiger (1800) 339; Bischoff a. a. o. schlieszlich 'die einzelnen haare oder borsten in der fruchtkrone z b. der compositen' ebenda.
α)
geradezu als pflanzenbezeichnung: umb der ... harten streel willen Bock kreuterbuch (1539) 2, 77; straalen, ein gattung distlen tribulus Maaler (1561) 391ᶜ; vgl. (ein vogel) geläbt allein der straalen und distlen als die distelfinken Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 2, 20.
β)
als eine wulstartige erkrankung der bäume Mothes 4, 277.
c)
in der thierwelt:
α)
strahlen oder gräten, woraus die flossen oder finnen der fische bestehen, radii Nemnich; Illiger 205; Oken 4, 392; auch die blätterartigen strahlen der gestirnten korallen Illiger 311; strahlen oder rippen. 'welche bei vielen napfschnecken vom scheitel an bis nach dem rande ausgehen' radii, costae Nemnich; auch vom rande der samenscheibe der krebse ausgehend Sömmerring vom baue d. menschl. körpers 6, 957.
β)
str. auch im flügel der insekten Illiger (1800) 246
γ)
die strahlen des ringes im geierauge Naumann vögel 1, 186; besonders im aufbau der feder: die vollkommene vogelfeder besteht aus stamm, ästen, strahlen und zasern 1, 30 Brehm thierl. 4, 6 P.-L.); der ... könig der paradiesvögel hat von natur keine füsze, sondern am schwanze zwo lange stralen, ... mit welchen er sich an die bäume anhengen kan A. Olearius morgenl. reisebeschr. 157.
d)
'der mittlere strich in des pferdes huf' radius ungulae Frisch 2, 343ᵃ (Zinck öcon. lex. [1744] 2930) und von weicherem horn, wegen seiner ähnlichkeit mit der spitze eines pfeils Adelung; als das strahlenförmig herabfallende kronenhaar Höfler krankheitsb. 692ᵇ. im besonderen auch fleischstrahl (th. 3 sp. 1762) der fleischige, blutreiche theil vom vorigen (ebenda): jeder str. hat zwei strahladern (s. u.) Seuter roszarznei (1599) 58; fauler strahl durch übelriechende geschwüre erkrankter kronenhaarböden am pferdehufe, vgl. wenn einem phärd die strallen faulen (s. auch unten strahlfäule) Schmeller-Fr. 2, 813; Höfler 693ᵃ (schweren Hohberg georgica 2, 221); das lager für ein hufeisen umb den stral bey abnemenden mon ausschneiden Seuter 367 (vgl. 370); die geschwulst des strals 216. auch im bereich des menschlichen körpers: lange bein, welche da entstehen an der strale der hände und füsze Thurneisser magna alchymia (1583) 2, 8; die an der kardia strahlig auslaufenden fibern Sömmerring v. baue d. menschl. körpers 5, 47; vgl. westf. bloudstrahl Kuhn 2, 206; strahlenartig sich ausbreitende blutgefäszbündel bei hornhautentzündung Höfler 693ᵃ; strahl vibex pestilentialis (die strahlenförmig verlaufenden, vielfarbigen hautstriemen und streifen bei der lymphgefäszentzündung der pest) ebenda; s. auch oben peststrahl (th. 7 sp. 1576).
9)
in uneigentlichen zusammensetzungen:
strahlenabend m.,
bei untergehender sonne (vgl. oben) F. v. Sonnenberg ged. (1808) 94. —
strahlenabtheilung f.
(botanisch), so einer dolde (s. oben 8 b) Schlechtendal flora v. Deutschland 20, 159. —
strahlenabweichung f.
(physikalisch), vereinzelt wie unten strahlenbrechung allg. deutsche bibl. 37, 337. —
strahlenähnlich adj.:
mit einem strahlenähnlichen zirkel von weiszen federn J. G. Forster schr. 2, 54; mit strahlenähnlichem federschmuck Ed. Gerhard akad. abh. 2 538 (halskette archäol. ztg. 3, 33). —
strahlenangesicht n.,
entsprechend oben 4: ein muster ... klärt, wenn es mit seinem str. auftritt, mehr auf, als hundert leichenfackeln der grammatiker Herder 2, 10 S. (vgl. auch 29, 67 S.);
o du, vor dessen strahlenangesicht
kein menschenwerk sich birgt, erhabnes licht
Schiller 6, 415 G.; vgl. auch 11, 63 (theilung der erde). —
strahlenanmuth, f.: Körner w. 2, 236 H.
strahlenantlitz n.,
wie oben -angesicht: R. Z. Becker mildheim. lb. 2; Rückert w. (1867 f.) 7, 274;
o wende
dein strahlenantlitz mit dem verzehrendsten
lichtblick herab und zünde den altar an
Herder 27, 123 S.;
wenn mir dein (der sonne) strahlenantlitz schwindet,
ist nicht das leben tot und hin?
G. Keller w. 9, 36. —
strahlenarm, m., zur kennzeichnung des überirdischen:
und es umschlingt ein engel, glänzend mild,
den freudestummen mit dem strahlenarm
A. v. Droste-Hülshoff 2, 218 (Walther 3) (F. v. Sonnenberg Donatoa [1806] 1, 1, 4).
auch: ein komet streckte seinen str. am horizont aus Gaudy w. 16, 125; noch bildlich: des ruhmes str. M. Beer w. 888. —
strahlenart f.
(physikalisch) s. oben 3 c: Muspratt chemie 8, 1618; 1695; Karmarsch-Heeren³ 2, 628; Lueger 7, 55. —
strahlenartig adj.:
der kranz, der strahlenartig sein haupt umgibt F. G. Welcker alte denkmäler 3, 172; str. zugespitzt B. Gräf antike vasen 1, 62, 576; botanisch (vgl. oben 8 b) A. v. Humboldt ansichten 1, 196; Schlechtendal flora v. Deutschland 23, 119; von den rippen eines herzmuschelgehäuses Brehm thierleben 10, 490 P.-L.
strahlenauge n.,
entspr. oben 4: die strahlenaugen seines herzenskindes J. Meszner 199 bibl. deutscher schriftst. a. Böhmen (A. Bäuerle kom. theater 1, 54; Hoffmann v. Fallersleben schr. 2, 63; W. Waiblinger die Britten in Rom 35);
da sie die strahlenaugen aufgehoben,
da sie die süszen blicke kundt gethan
Tieck schr. 2, 72;
str. der sonne J. Görres schr. 1, 133; auch: das str. der vorsehung charakteristiken (1804) 35; eines engels A. v. Droste-Hülshoff 2, 219 (Walther 3). —
strahlenäugig adj.
(entspr. oben 4): das strahlenäugige mägdelein Bürger 186ᵃ Bohtz (Pröhle volksl. 49, 3). —
strahlenausflusz m.:
kräftige strahlenausflüsse (der sonne) Th. Abbt w. (1768 ff.) 4, 209.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1929), Bd. X,III (1957), Sp. 754, Z. 1.

strähl, m.

strähl, m.,
pecten; wahrscheinlich im hinblick auf die gesammtheit der zähne eines kammes begriffl. collect. zu oben strahl (die durchführung des umlauts wohl im anschlusz an strählen verb. s. dort), so in der bedeutung unter 1 'spitze'; für diesen zusammenhang wichtig vereinzeltes erscheinen des begriffs 'widerhaken, zacke' auch für unser wort: (sie) schieszen mit flützschen. die haben zinken oder sträl S. Franck weltbuch 215; zerzerret ir ire lenden mit eisernen strälen H. Fabricius auszug bewährter historien (1599) 396; vgl. auch oben strahl 1 a (sp. 755) und noch hierher gehörig: dann die eisen daran (an den pfeilen) hatten stral und widerhacken, dasz sie on heftig zerreiszung des geäders nicht möchten ausgebracht werden Xylander Plutarch 285ᵃ; mhd. stræl (einmal auch strell: hell liedersaal 3, 409; vgl. schwäb. strell Stalder 2, 405); ganz vereinzelt ohne umlaut strâl mhd. wb. 2, 2, 673ᵃ; Lexer 2, 1222. so auch in dem voc. von 1420 (Schröer): stral creagra; im übrigen strel pecten Diefenbach gloss. 418ᶜ (Nürnb. voc. v. 1482; gemma gemmarum; Straszb. voc. v. 1515; hierzu Straszb. hausrat b 2ᵃ Hampe; J. Altensteig voc. 1516); Frisius 388ᵇ (Maaler 391ᵈ); Hulsius (1616) 311ᵇ; Saurus-Melanchthon (1591) C 7ᵇ; Kramer dict. 2 (1702), 996ᵇ; ein hauptsächlich obd. wort, vgl. Stadler a. a. o.; Schmeller-Fr. 2, 813; Seiler 281; Bühler Davos 1, 146; 2, 13. bisweilen mit begriffl. sonderbestimmung, so der allgäuische enge sträl im gegensatz zum weiten kampel K. Reiser sagen, gebräuche 2, 739; sträl und kampel nebeneinander auch Moscherosch gesichte (1650) 1, 273; henneb. sträl wie unten strählbürste 'kleine runde bürste mit einem stiele zum bürsten des haupthaares' Spiesz 245.
1)
von seinem material: die horn (der rinder) zuͦ strälen Herold-Forer Gesners thierb. 122; aus buxbaum ist vil nutzlicher sträle und kämme (zu machen) Sebiz feldbau (1579) 260 (Petrus de Crescentiis 92ᵃ); die, welche die würffel, streel, beine und hölzerne (machen) W. Hartmann augspurg. chron. (1595) 115; von der stellung der zähne: ein thyer ... hab drei schicht zen, die wie ein sträl oder kamp zusammengeen Eppendorf Plinius (1543) 8, 57; sich ineinander fügen, als wenn man zween sträl zusammen schleuszt Forer fischb. 132ᵇ. als kaufgegenstand: andere schlechte ding, als löffel, strel, nadlen, spiegeln ... S. Münster cosmogr. 709; auf den märkten hutschnur, nästel, hosenbänder, streel. anzügel und kalender Mangold marckschiff D 3. als reliquien in der heiligenverehrung: Marien sträl zu Rom bey S. Martin Fischart bienenkorb 61ᵃ; vgl. 190ᵇ und: von unser frauwen, der mutter Marien heiligtumb rhümen sie sich zu haben ihren sträl theatr. diabolorum 81ᵇ; die zwölf sträl der apostel (bei Leon zu st. Maria Insulana) Fischart bienenkorb 61ᵇ.
a)
im gebrauch: woltestu die für müszig schetzen, die under dem sträl und spiegel so unmüszig seind M. Herr sittliche zuchtbücher (1536) 214ᵇ; (abenteuerlich:) unterdesz er sich mit eim helfenbeinen sträl, von ganzen helfanten zänen zusammengefügt, kämmet und mit eim höltzinen reiszbürstlein das haupt kratzet und rib Fischart Gargantua 273 ndr., vgl. dazu: (nachdem Gargantua) nun angefangen sich mit eim sträl von hundert und etwa mehr ungeraden zänen ... zu kemmen und zu reiben 374 ndr. und unten strählbürste;
ich nem myn trütlin by dem hor
und wolt die zöpf im also flechten,
das nit ein jeder strel kündt schlechten,
als ich in myner kunst wol kan
Murner narrenbeschwörung 242 ndr.
insbesondere zum reinigen von ungeziefer: ein döchterlin, das steig uff ein bank und wolt im lüsz suͦchen uff dem kopf mit dem str. Pauli schimpf u. ernst 190 Österley;
wir weltend im grad mit dem strel nissen!
N. Manuel ablasskrämer 523 Bächtold.
vgl. ich fräsz ihren einen ganzen str. voll umb einen geringen solt, wenn es schon leusz für leut wären Fischart Gargantua 359 ndr. bildlich:
die prediger lusend ouch im grindt,
wann sy zu viel barmhertzig sindt
und sagend vil, wie gott sy guͦt,
wie er dem menschen früntlich thuͦt,
grosz barmherzigkeit und gnad,
der strel nun oben über gadt
Murner narrenbeschwörung 151 ndr.
b)
scherzhaft von den fünf fingern: folgends strält er sich mit eim böhmischen sträl, der war vier finger und der daumen, welchen er warlich nicht umb dein halb reich geben hett, viel weniger umb einen pleienen sträl, damit man die grauwen haar dunkel macht Fischart Gargantua 252 ndr.
c)
auch gelegentlich benutzbar als blasinstrument (ähnlich der schnarre): durch den sträl schalmeien Fischart Gargantua 266 ndr.
d)
neben der hechel (th. 4, 2 sp. 735): diesen baum nennen die Latiner pinum, weil er spitzige, stachelechte schmale spitzlein anstatt der bletter hat, die da gleich seyn den strählen und hecheln anmütiger weisheit lustgarten (1621) 615;
ain hacheln gab der zäch,
ain alten sträl der wäch
Hätzlerin liederbuch 262 (67).
2)
kamm im webstuhl; weberstrel o. -blat pecten Diefenbach gloss. 418ᶜ (W. Brack vocab. ende d. 15. jahrh.); auch sonst in diesem umkreis: dann dieses ist vast breuchlich bei dem faden, dasz man ihn mit einem strel zertheilet und demnach zuͦ einem gewüp ordnet H. Frölich offenbarung der natur (1591) 114.
3)
als backgeräth: (sie haben) ein eisen gleich wie einen sträl, damit machen sie die kuͦchen voller löcher Anthonius Margaritha der ganz jüdisch glaub (1531) D 3ᵃ.
4)
als pflanzenname neben kardenkraut (s. kardendistel u. s. w. th. 5 sp. 210): zuͦ tütsch kartenkrut oder buͦbenstrel, ist ein krut Braunschweig buch der rechten kunst zu distilieren (1500) 64ᵃ.
5)
in uneigentlicher zusammensetzung strählsweise pectinatim Frisius 962ᵃ (Calepinus 1039ᵃ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1929), Bd. X,III (1957), Sp. 793, Z. 1.

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Zitationshilfe
„strahl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/strahl>, abgerufen am 03.08.2021.

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