streich m.
Fundstelle: Lfg. 8 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1153, Z. 60
ictus, plaga, hieb, schlag. verbalnomen zu streichen, dessen bildungsweise (m. geschlecht und 2. hochstufe; mhd. strîch nur Nicolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinlant 24, 975 Strehlke und leben d. hl. Elisabeth 1675 und vielleicht ebda 2118 lit. ver.) auf urspr. a-stamm deutet ( v. Bahder d. verbalabstracta d. germ, sprachen 44). obwohl das wort erst seit dem mhd. zu bezeugen ist und auf das hd. sprachgebiet beschränkt bleibt, ist es vielleicht doch von höherem alter, da mengl. strāk, nengl. stroke genau und russ.-ksl. stregъ 'das scheren' (Trautmann baltoslav. wb. 289) formal entspricht. der stammvokal zeigt mundartlich die üblichen schwankungen; geschlossenes e herrscht im mitteldeutschen, vgl. Albrecht Leipzig 10; Rovenhagen Aachen 142; Gangler Luxemburg 438; nach süden tritt allmähliche senkung über offenes e (ä), Sartorius Würzburg 119, bis zu a ein, vgl. Gebhardt Nürnberg § 81; Hügel Wien 158; Lexer Kärnten 244. diphthongierte formen ŏĕ bei Fischer schwäb. 5, 1841; oa bei Zingerle Lusern 53ᵇ; Schmeller cimbr. 175ᵇ. das alemannische behält vorwiegend ai. auslautendes k im grenzgebiet der ik/ich- bis zur appel/ apfel-linie verzeichnen Martin Waldeck 272; Meisinger Rappenau 186ᵃ; Lenz Handschuhsheim 69ᵃ. das nd. übernimmt verschiedentlich, zumal in festen verbindungen, die hd. form, vgl.: he hett em n' streich spelt Mensing schlesw.-holst. 4, 880; düsse jungens heppt luter dumme streiche in'n koppe Frederking Hahlen 136ᵇ.
A)
der hieb; in lexikalischen glossierungen häufig neben dem als synonym empfundenen schlag: ictus slach, ein streich Diefenbach gl. 283ᶜ; flagrum streich, schlag ebda 238ᵃ; cussus streich, slag nov. gl. 125ᵇ; ein streych od. schlag gemma gemm. (1508) k 4ᵃ; percussio schlag oder streich Frisius dict. (1556) 974ᵇ; plaga ein schlag, oder streich Zehner nomencl. (1645) 286; streich ... das ist ein schlag Gueintz dt. rechtschreibg. (1666) 140.
1)
ein mit ausholendem schwunge geführter hieb mit einer waffe; häufig abgegrenzt gegen stosz oder stich:
du hest verdient minen zorn
vnd must von ganzen schulden
stoͤsz vnd straich dar vmb dulden
liedersaal 1, 149 Laszberg;
da jhr starck auff dem Pragerfeldt
erobert habt das fersengelt,
den schusz, straich, stich entloffen seit
lieder a. d. winterkönig 8, 112;
den zweien herren geschach nye, weder stich noch streich d. summerteil d. heyl. leben (1472) 79ᵃ;
zusamen stachen die zween man
mit manchem starken stich und streich
Teuerdank 186 Goedeke;
der Spanier schwert war nicht minder tauglich zum stich als zum streich Xylander Polybius (1574) 190;
dann dieser riese, wie ihr wist,
vor streich und stich gantz sicher ist
(1606) Spangenberg ausgew. dichtg. 143 Martin.
a)
der hieb mit dem schwert, säbel oder degen (caput ense deiectum das haupt in einem streich mit dem schwärt abgeschlagen Frisius dict. [1556] 381ᵃ):
dô vâhten si in dô an,
beide der lewe untter man,
und heten in vil schier erslagen,
und doch unglîch eime zagen:
wander gap in manegen herten streich
Hartmann v. Aue Iwein 6789 Benecke;
er sluͦg aber Rennewarte
einen so ungefuͤgen streich
daz im nahe diu kraft entweich
Ulrich v. Türheim Rennewart 1227;
also schluͦg der Frantzosz Manlium den ersten streych mit dem schwerdt, das er straucht Carbach Livius (1551) 66ᵃ; da namen sie jhre schwerdt in die faust ... vnnd versetzten einander solche starcke vnd wundersame streych (1561) Amadis 1, 77 lit. ver.; (der trunkenbold) ligt zu boden on schwerdt vnnd streych Ambach v. zusauffen u. trunckenh. (1544) D 1ᵃ; Herrmann will dem Segesthes einen streich versetzen Lohenstein Arminius (1689) 1, 3; der Engländer ... wollte einen streich mit dem degen thun Schiller 4, 216 G.;
er trifft den feind mit seinem degen schwer.
er schlägt verächtlich nur mit flachen streichen
Immermann w. 15, 115 Hempel;
der ritter verlebte eine fürchterliche nacht ... bald kämpfte er mit Löwenau um tod und leben und sah ihn unter seinen streichen fallen Tieck schr. (1828) 8, 339; der student ... parirte künstlich ... und versetzte dem prahlhans ... einen streich über den rechten arm, dasz ihm der degen auf die erde klirrte Eichendorff s. w. (1864) 3, 239; verzweifelt wehrten sie sich, und manch guter mann des hochstifts sank unter ihren streichen Raabe s. w. I 6, 206.
b)
der geschwungene hieb mit einer stumpfen waffe: Herculis keule hat kaum so viel streich gethan, als David gewonnen schlachten Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 370; allein, diese (spiesze) sprangen durch die gewaltigen streiche, die die Schweitzer mit ihren hellebarden darauf thaten, leicht entzwey Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 18; ein ... Tyroler jäger, der in der schlacht von Brienne im handgemeng mit dem flintenkolben einen streich auf den kopf erhalten hatte (1814) Jacob an Wilhelm Grimm briefw. aus d. jugendzeit (1881) 281;
der hellebarten streich
musz band und angel, rost'ge gitter sprengen
Fr. Kind ged. (1817) 2, 74.
c)
vereinzelt auch bei stichwaffen, sobald diese geschwungen werden: sicas uibrare erschüttlen, einen streich oder stich mit dem sticher oder tolchen thun Frisius dict. (1556) 1375ᵃ; goldnes messer trägt er und tödtet mit einem streich das thier J. Grimm kl. schr. (1864) 2, 92.
d)
in pluralischen wendungen verschiedentlich für das fechten, den waffengang: er ... ohn vnterlas an der spitzen stehe, vnd der streiche gewarte Dedekind d. christl. ritter (1590) A 8ᵇ;
das lob,
so man von nun an wirt durch die straich unsrer wöhren
under dem firmament täglich erschallen hören
Weckherlin ged. 1, 25 lit. ver.
ähnlich vom schnellen wechsel der hiebe in der verbindung streich um (auf) streich: vices uitare die streyt meyden, darin ye streich vmb streich gadt Frisius dict. (1556) 1376ᵃ; von alters ... giengen inn kaͤmpffen nit so schwerdstreich vmb streich: sondern sie handelten fein gemachsam Nigrinus v. zäuberern, hexen (1592) 316;
anstürmt der feind, sie führen streich auf streich;
sie müssen kämpfen, bis die eigne schwelle
ihr blut gefärbt
Freiligrath ges. dichtg. (1870) 5, 16.
bildlich: und haͤuffest streich auf streich, und haͤuffest sieg auf sieg Pietsch geb. schr. (1740) 4; dergleichen geschöpfe sind nicht zu verwunden. man darf sie nicht eher angreifen, als bis man sie streich auf streich erschlagen kann Heinse s. w. 3, 1, 237 Schüddek.; so fall ich streich auf streich, sturm auf sturm dieses zerbrechliche leben an Schiller 2, 59 G.
e)
redensartlich sowohl in konkreter als auch bildlicher bedeutung: der erste streich ist eines guͤlden wehrt Kirchhof militaris discipl. (1602) 5; man musz nicht allzeit den streich mit der schneyd fuͤhren Lehmann floril. polit. (1662) 2, 754; wer dem spiel zusiehet, der kans am besten, kan besser sehen, wie die streich gehen, als die spieler selbst ebda 2, 746; der ist verzagt der desz streichs erwart ebda 1, 251; man musz ... den ersten streich thun, der ist besser als sonst zween ebda 1, 471; der erste streich gilt zween, der erste streich ist eines monats sold werth ebda 1, 482.
f)
der tödliche streich (mit schwert oder beil) der hinrichtung: dann der scharpfrichter den fünfften streich gethan hat Stumpf Schweizerchron. (1606) 17ᵇ; darauf schlug der scharffrichter dem guten manne mit einem streich den kopff ab Rätel Curäi chron. (1607) 368; vnter des scharffrichters streich Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 123;
den hals entblöszt, kniet ich auf meinem mantel,
den streich erwartend
Lessing 3, 29 L.-M.;
der henker führte den streich Klinger w. (1809) 3, 190; (er) sasz auf dem armensünderstuhl nieder, und bot seinen nacken dem streiche dar Ranke s. w. (1867) 3, 353; als sie nun niederkniete und eben den streich empfangen sollte, sprach sie noch einmal: 'ich bin ... unschuldig' J. Grimm dt. sagen (1891) 1, 179; kalter streich, streich des scharfrichters schweiz. id. 11, 1963. vereinzelt auch vom 'hieb' des fallbeils: der streich (der guillotine) fiel Holtei erz. schr. (1861) 2, 51.
2)
heftiger schlag, um bei dem betroffenen körperliche schmerzen hervorzurufen.
a)
mit der hand oder faust (punzone, percossa del pugno fauststreich Hulsius [1618] 2, 316ᵇ):
er gab ir ainen groszen straich
vor in di dütten
Heinrich v. Neustadt Apollonius 9570 Singer;
der held zuckt sein faust in zorn,
wolt im geben einen streich
Teuerdank 58 Goedeke;
da schluͦg er ir die faust in halsz
und sprach: 'wolst dusz erkeiben als?
was leg dir doch an disem wort?'
die fraw schrey mord über mord;
dann sie was von dem streich entricht,
sprach: 'du bizt ein rechter boͤszwicht'
Montanus schwankbücher 556 lit. ver.;
gab ihm Martinus mit der faust ein solchen streich an kopff Schütz hist. rer. prussic. (1592) 1, H 2ᵇ. bei tieren ein hieb mit dem huf oder der pranke: und hat das pferdt ainen starcken straich nach ir gethon (Augsburg 1561) städtechron. 33, 124; ich bekahm auch nicht den geringsten schaden, als nuhr einen streich, welchen er mihr mit der pfoten uͤber den arm gahb Zesen adriat. rosemund 68 ndr.;
der loͤwe sucht umsonst die muͤcke zu erreichen,
und wird, nach langem streit, nach misgelungnen streichen,
ermuͤdet und an kraͤften schwach
Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 298.
backenstreich (streich, maulschellen boffetto, schiaffo, guanciata Hulsius [1618] 242ᵇ):
dô sie ir den streich gebôt
ir wange wart harte rôt
Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 3713 Bechstein;
so dir jemand einen streich gibt auff deinen rechten backen, dem biete den andern auch dar Matth. 5, 39 (wann der dich slach erste dt. bibel; ein streych Zürcher bibel; einen slach Lübecker bibel; so dich jemandt schlahet Eck); gab ich ihm eine solche dichte maulschell auf seine unbescheidene gosche, dasz ihm vier zähn darvon auswurtzelten, er selbst aber den langen weg rücklings zu boden fiele. es darff sich aber niemand darumb verwundern, dasz dieser streich von so kräfftiger würckung gewesen Grimmelshausen 2, 359 Keller; aber Otto risse sich nicht allein von ihm los, sondern gabe ihm noch seiner künheit wegen, einen streich ins gesicht A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 158;
er hält die wangen ihren streichen,
den rücken ihren schlägen dar
Ramler lyr. ged. (1772) 375.
b)
der hieb mit einem züchtigungsinstrument wie geiszel, rute, stock o. ä., besonders auch im sinne der prügelstrafe als mittel der erziehung oder als entehrende obrigkeitliche masznahme; stare ad uerbera der streichen erwarten, gerüst mitt ruͦten gestrichen zewerden Frisius dict. (1556) 1360ᵃ; ictu uerberis increpuit equos er hat die rosz zwickt, oder ein streich mit der geisslen geben ebda; streich mit der ruthe sferzata, un coup de fouet Rädlein (1711) 851ᵃ:
er ward och sere übel geschlagen
mitt gaisslen, daz ain blüttes bach
von schuldren uff die füsse brach
also ward im menig bitter straich
Göttweiger Trojanerkrieg 6183 Koppitz;
ich hab gelent dört an die wand
ain prügel, den nymm in die hannd.
gibt deinem herren guͦt straich
in den ruggen vnd in die waich
liederb. d. Hätzlerin 292 Haltaus;
die streich vff sinen sun vollfuͤrt, waͤrend ... fuͤr ein schuldig vaͤtterlich straff vnd zuͤchtigung zeachten Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) c 4ᵃ; die weil er ruͦten hat, zu slahen, so lang hab ich ainen rucken, straich zuͦ leiden Albrecht v. Eyb dt. schr. 2, 20 Herrm.; der knecht aber, der seines herrn willen weis, vnd hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem willen gethan, der wird viel streiche leiden müssen Lucas 12, 47;
wie kan doch Rutilus die knaben sanfftmuth lehren,
der keinen lautenklang noch spiel so gern mag hören,
als der karbatschen streich
Rachel satyr. ged. 41 ndr.;
gibt aber einer einem ain streich mit einem stecken oder knütl (17.-18. jh.) österr. weist. 6, 96; ein junger wolf, ... ward fuͤr koͤnig loͤwens richterstuhl gezogen, und ihm von dem erzuͤrnten monarchen zwoͤlf streich und der verlust eines ohres zuerkannt Meissner skizzen (1778) 1, 174;
also haben meine jungen
zärtlicher mich nie umschlungen
als wann sie in streich und hiebe
recht gefühlt die vaterliebe
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 8;
zur eröffnung der sache wurde dem angeschuldigten ein halbes hundert streiche auf die fuszsohlen zuerkannt Hauff s. w. (1890) 4, 147; die streiche des haselstocks regneten auf den entlarvten betrüger M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 27; 'frecher bub!' rief sie, griff nach ihrem stock und gab ihm damit einen streich auf jede schulter M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 71. im sprichwort: mus picem gustans schleck wil streych haben Franck sprichw. (1541) 2, 89ᵃ; gnäsch wil streich haben Lehmann floril. polit. (1662) 3, 130; die jugent, so durch liebe des lobs und der scham sich zu der tugent nit zeucht, da seind alle streiche verloren Friedrich Wilhelm sprichw. reg. (1577) e 1ᵃ; mit streichen macht man niemand klug oder from Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Pp 3ᵇ; kein streich verloren, als der nebenab fällt Binder sprichwörtersch. (1873) 190.
c)
im plural häufig im allgemeinen sinne für hiebe, prügel: (er) gieng mit uns (pilgern) ylends von dannen und liesz uns sagen, wa wier uns lenger da gesumpt heten, so wären uns straich worden (1486) bei Röhricht pilgerreisen (1800) 157; nit weniger sollen die maͤnner auch mit guter vnd glimpfflicher manier ihren weibern begegnen, dann sie also mit glater vnd freundlicher ermahnung mehrer nutzen schaffen, als mit harten straichen vnd pruͤglen Abraham a s. Clara Judas (1686) 37; das zog mir dann scheltwort oder gar streiche zu U. Bräker s. schr. (1789) 1, 40; wir kriegen nun schelten und streich bis aufs blut Göthe I 1, 206 W.;
was guckst du so erschrocken?
denkst wohl, es gäbe streich?
Mörike w. 1, 38 Göschen.
in der wendung trockene streiche für schläge, die keine blutende wunde hinterlassen (gegensatz nasse streiche): man vermaint, es haben in die papeirergesellen also mit drucknen straichen abgebleut (Augsburg 1563) städtechron. 33, 220; so aber ainer ain mit trucken straichen schlecht, ist auch funfzehen pfenning, so aber ainer ain plutrustig schleht, so ist er verfallen funf pfund quell. z. gesch. d. bauernkrieges aus Rothenburg 132 lit. ver.; mit drucknen oder nassen straichen (16. jh.) österr. weist. 4, 85 Zingerle; wann einer mit trucknen streichen geschlagen wuͤrdt, dasz jm das blut vnder die haut geschossen ist Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 281.
3)
abgewandelte anwendungen im anschlusz an 1 u. 2.
a)
in älterer zeit bezeichnet streich bisweilen jede art eines hiebes oder schlages:
des hab ich im vil manchen straich
mit einem schuech, was nicht gar weich,
nach seiner heut gesmissen
Oswald v. Wolkenstein 63, 77 Schatz;
als ich das ay aufmachen wolt,
det ich ein straich drey oder vier
Hans Sachs 22, 297 lit. ver.;
hub den schweren cesthaͤndschuch hoch auff, vnnd schlug jhn mit solchem geschrey nider, dasz einer vom ruff mehr als vom streich geschlagen ward Fischart Garg. 280 ndr. vereinzelt auch für den schnitt mit dem messer: wa jm (beim aderlasz) auch der erst streych felet oder missriete, ist besser das er ein ander eisen nem, vnd also abwechssle Ryff spiegel u. reg. d. gesundth. (1544) 135ᵃ; und werden sy östlin (d. i. die ästlein des faulbaumes) gemachsam in der hand gebogenn oder abprochen, dann in den ersten zway jaren furcht er den straich des messers Österreicher Columella 1, 310 lit. ver. ein leichter schlag mit symbolischer bedeutung: darnach stellt der profosz den armen mann für sich, vnd gibt jm drey streich auff die rechte achsel, im namen desz vatters, sons, vnd desz heiligen geists Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) 18ᵃ. mit dem schwert für 'ritterschlag': empfange diesen adelnden streich, und stehe als ritter wieder auf Tieck schr. (1828) 11, 58. in fester wendung ein blinder streich für die wirkungslosigkeit eines schlages; dextera certa die kein blinden streich thut, die dess streichs nit faͤlt, ein hand gewüsser streichen Frisius dict. (1556) 213ᵃ; einen blinden streich thun andabatarum more pugnare Dentzler clav. ling. lat. (1716) 278ᵇ:
nach vielen blinden streichen
wird einem ungefehr die nas' ein wenig wund
Rachel satyr. ged. 70 ndr.
in ähnlicher bildhafter bedeutung für die nutzlosigkeit eines tuns: hilfft soviel, als wan man ein straich ins wasser thuet Schwabe volleingesch. tintenfässl (1745) B 6ᵇ. mundartlich noch heute: das is a strach in's wasser ohne zweck Hügel Wien (1873) 158.
b)
als kollektivbegriff im plural (vgl. auch 1 d und 2 c) für (waffen-)kampf, schlägerei, handgemenge; contendunt uerbis inter se, non pugnis sy zanckend mit worten, nit mit streichen oder füsten Frisius dict. (1556) 319ᵇ: spottred ... merend zwuschen finden hass vnd geberend streich Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) a 3ᵇ; wan sy erlagen in kunst, so wendeten sy sich zuͦ schmachworten, vffruͦr vnnd guͦten streichen Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 10 ndr.; deszgleichen die lanndsknecht und poxenmaister, so bey inen zu Poxberg in besetzung gewest, bey zwaintzig starckh, abgezogen, der belegerung und der straich nit erwartten wollen Thomas v. Absberg 78 lit. ver.; dann on zweiffel die da kommen sind, haben von so groszen streichen vnd sieg gesagt, das die andern nit wol haben moͤgen bleiben Franck Germ. chron. (1538) 136ᵃ; sie kehren wieder zu erneuten streichen Gries Bojardos verl. Roland (1835) 1, 85. so auch in der verbindung zu streichen kommen: es kumpt zuͦ streichen res uenit ad pugnam Maaler teutsch spraach (1561) 392ᵃ; es ist zun streichen kommen res venit ad pugnam, ad verbera Dentzler clavis ling. lat. (1716) 278ᵇ; (vgl. die parallele verbale wendung zum streichen kommen unter streichen B 7 c): uf vergangen sunntag sind die Lamparter, Engelschen und Burgenden uneins worden und sind zuo streichen komen und fünffzechen erstochen qu. v. 1476 in: schweiz. id. 11, 1962;
und kamen zu streich beidesander,
da der ein den andern erschlug
Hans Sachs 6, 89 lit. ver.;
vnd kamen also schier zu streichen,
doch must der pfarrherr letzlich weichen
Fischart w. 2, 208 Hauffen;
nach Herodiani bericht ist es auch mit den Teutschen ... würcklich zu streichen gekommen Mascou gesch. d. Teutschen (1726) 159; dabei ist es mit Lunsford und dessen bewaffnetem gefolge ... zu streichen und thätlichkeiten gekommen Ranke w. 16 (1875) 98. auch 'in den fall kommen, thätig zu seyn' Schmeller bayer. 2, 805; 'zum handeln, eingreifen kommen' schweiz. id. 11, 1962: gemeynigklich ists also, das die bocher und schnarcher vil auszrichten mit dem maul, und wens zun streychen kömpt, so werden sie geschlagen Agricola 750 teut. sprichw. (1534) D 4ᵇ; ein guter gesell konte nirgends mit den jungfern zu streiche kommen, sondern wo er sich nur angab, bekam er den korb Veroander baurenstandslasterprob (1684) 137; (ich) besuchte ... meinen landsmann ..., dessen ganzes schulelend meist daher kam, dasz er sich nicht auch für die tertia gemeldet hatte, wo er mit seinem schlechten volksschulsack eher zu streich gekommen wäre Hansjakob ausgew. schr. (1910) 2, 67; man verspricht dir alles schöne und gute, wenn's aber zu den straichen kommbt, ist niemand dahaimb bei Schmeller 2, 805.
c)
in der wendung mit (in) einem streiche als heftiger hieb in rascher, unmittelbarer wirkung.
α)
mit einem einzigen schlage die beabsichtigte wirkung (kampfunfähigkeit oder tötung) erzielen; einem den kopf in einem streich niderfällen spiccare, troncare la testa di primo ò in un colpo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1002ᵇ; einem ochsen mit (in) einem streich niderfällen atterrare, abbattere un bue di primo colpo ò in un sol colpo ebda 1002ᵇ: da man im den ochsen pracht, do schlug er in mitten von ainander in ainem streych Schiltberger reiseb. 37 lit. ver.; send das haupt von einem ... lamm ... vnd das soll nicht gestochen, sonder jhm der kopff in einem streich abgeschlagen, vnnd gleich gesotten werden Gäbelkover artzneybuch (1596) 1, 70; wette gott, ich könd mit einer acks die bäpstlichen recht eins streichs zerschiten N. Manuel 101 Bächtold; die poeten fabulieren, dasz ein mahl ... Mars einem ... menschen ... den kopf auf einen streich habe abgehaut Abraham a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 503.
β)
das gewöhnliche resultat eines hiebes (wider erwarten) übertreffen, auf einen schlag mehreres erreichen: syben auff ein streich zuͦ todt geschlagen Montanus schwankbücher 19 lit. ver.; ihre (der hofnarren) regl ist, dasz sie ... vil schlösser vnd festungen stuͤrmen, vnnd allemhal jhrer sieben mit einem streich darnider schlagen Albertinus zeitkürtzer (1603) 57; in der hast schnitt sich das schneiderlein einen gürtel, nähte ihn und stickte mit grossen buchstaben darauf 'siebene auf einen streich' br. Grimm kinder- u. hausmärchen 1 (1888) 81;
er trifft des Türken pferd so gut,
er haut ihm ab mit einem streich
die beiden vorderfüss zugleich
Uhland ged. (1898) 1, 255;
das hasz i' mit an strach zwa fliag'n derschlag'n Hügel Wien 158. vor allem in übertragener verwendung, 'auf einmal', '(mehreres) gleichzeitig'; duas res simul nunc agere decretum est mihi eins mals, samentlich, mit einanderen, eins streichs Frisius dict. (1556) 1214ᵃ:
dis fewer wird durch einen streich
mit hitz anzuͤnden gantz zugleich
die waͤlder, berge
Dietrich v. d. Werder buszpsalmen (1632) C 1 a;
keines weges aber wird sich die langbejahrte und gleichsam wurtzelvest auffgewachsne gewonheit, auff einen streich ... aus räiten lassen Harsdörffer secretarius (1656) 1, 167; Jehovah, welcher in einer nacht, als er aus Egypten zog, mit einem streiche die erstgebohrnen söhne dieses landes ... umgebracht Bodmer slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 29; was sagt denn dieser so fürchterliche logische satz des widerspruchs uns, durch den mit einem streiche unser system zu boden gestürzt werden soll? Fichte s. w. (1845) 1, 496;
und was hält mich nun noch ab,
dir den langgedehnten stahl
gradaus in die brust zu stoszen,
übend so die eigne rache,
des zertretnen landes sache
eines streichs mit einemmal?
Grillparzer s. w. 7, 206 Sauer;
dies ereignisz schien doch ein groszes glück zu sein für den junker Hans. mit einem streiche befreite es ihn von widersachern, nebenbuhlern H. Laube ges. schr. (1875) 11, 96.
γ)
bei einigen ausdrücken und redensarten in rein zeitlichem sinne, 'was so schnell verläuft wie ein schlag, kleine weile' schweiz. id. 11, 1966; stroach bedeutet auch einen augenblick, einen sehr kurzen zeitraum, alle stroach sind des nachbars hühner in unserm garten, d. i. in sehr kurzen zwischenräumen Delling beitr. z. baier. id. (1820) 2, 177; im streich im augenblick schweiz. id. 11, 1966; im nu Fischer schwäb. 5, 1843; kaən straəhh nicht einen augenblick Schmeller 2, 805; alli strach, alle streiche allemal, jedes mal Frommann zs. f. ma. 2, 423; Schmeller 2, 805; all streich jeden augenblick Fischer schwäb. 5, 1843; all streich alle augenblicke, oft schweiz. id. 11, 1966. prägnanter das 'mal': das salz wurde vom hällein auf drei streich, d. h. zu dreyen malen oder an drey tagen, mit 27 schiffen versendet Schmeller-Fr. bayer. 2, 805.
d)
gelegentlich wird zwischen der bewegung (schwung, bahn) und dem ergebnis (treffer, wunde, kerbe) eines hiebes unterschieden.
α)
der geschwungene hieb als sich dahinziehende bewegung durch die luft: zuckt damit den stecken, und wolt jm selbs weisen wie er ... so hart schlagen ... wolt, vnd traff im streich sein unschuldigs krüglin, dasz es zu scherben zerfuhr Fischart Garg. 357 ndr.;
und hett er mich dess streichs getroffen,
do hett er mir den kopff zerspalten
Hans Sachs 17, 25 lit. ver.;
als er aber, dasz es Segesthes sey, erkennet, zeucht er den streich zurücke und läszt den degen fallen Lohenstein Arminius (1689) 1, 3. die zielstrebige, gelenkte bahn eines hiebes in wendungen wie den streich meiden, dem streich entgehen, d. i. aus der bahn springen oder deren lauf oder richtung abwehrend verändern: abducere caput ab ictu den kopff ausz dem streich zucken Frisius dict. (1556) 4ᵃ; (er) erwitst ein schwär ficht brett ... und will miers mit beden henden uff den kopff schlan. do luͦgen ich naͤbend sich und gsich den streich, stand uff und schlan im den streich usz mit dem arm Thomas Platter 90 Boos;
der riese wagt den fürchterlichsten streich, —
der ritter fällt, — nein, er springt aus dem streiche
Tieck schr. (1828) 1, 269.
in ähnlichem sinne für eine weisende oder beschwörende handbewegung: da aberglöubig leut und onholden vermeinen wellen, man könne über ein hell feur, weisz was henken und dazuͦ etliche wort sprechen und streich tuͦn, dardurch ein mentsch etwas zu tuͦn oder ze lassen gezwungen werde J. v. Watt dt. hist. schr. (1875) 1, 57.
β)
das resultat eines hiebes; im älteren nhd. konkret für 'verletzung, wunde', vgl. uulnus ein streych, einn schlag Alberus nov. dict. (1540) c 3ᵃ:
viewol ich bin voll streich und stich,
zermorscht, verwundet iämerlich,
Gersdorff wundarzney (1517) 18;
für den streich vnd verletzung dess augs, waͤsch es Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 2, 167ᵃ; etliche getroffen, unverletzt, verletzt, beschädiget, gehackt, voller streich, zerschlagen Becher organon phil. (1674) 806. bei bäumen: wann den baum entweder mit eynem messer oder eynem handsäglin abgeschnitten hast, soltu die wunde oder den streych mit sägmäl oder sägspän oder aber sonst anderem ding abwischen Sebiz feldbau (1580) 327. gelegentlich der 'treffer': den ersten gang (fechtgang) blieb es ohne streich (1601) Kirchhof wendunmuth 2, 361 Ö. auch für 'streichmal, striemen'; dorsum plagosum voller streichen oder schnatten, es seye von geisslen oder von ruͦten Frisius dict. (1556) 1009ᵇ; en blouwer streich striemen auf der haut schweiz. id. 11, 1965. ähnlich für einkerbung, signifikation; durch schlagen entstandenes zeichen: volgents an ain grosze feichten, an der zwerch bezaichnet mit ainen creüz unten un ainen gespizten straich (1565) österr. weist. 6, 87.
e)
das ausschlagen des pferdes als übung im kunstreiten: der bertige uf dem blaz ein hohes braunes pferdt uf dem sattel stehend und sitzend gerieden, und es auch also ohne stegreif getumlet, daz es hohe lufftspring (oder straich) mit allen vieren gethan, und er doch steths sitzend geblieben (1612) Aschhausen gesandtschaftsreise 62 lit. ver.; schlaͤgt es (das pferd), so kanstu schluͤssen, dasz es auch faͤhig sey zu lernen sprung und streich Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. 5 (1645) Pp 3ᵇ;
es (das pferd) hube sich in schwanken sprüngen, schlank als ein wurm.
er aber sasz in solchen schwüngen, steiff wie ein thurm.
die sätz und streiche ihm allzugleiche
kein haar bewegen konden nicht
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 375;
also wirdt es auch dahin gebracht, das es (das pferd) den arsch in die höhe gibt, und sich in streich erstrecket Fayser hippokomika (1623) 53.
4)
als arbeitsvorgang.
a)
der hieb oder schlag mit einem schwungvoll geführten werkzeug; saucia securi trabs ein baum dem ein streich mit der ax geben ist jn zefellen Frisius dict. (1556) 1318ᵇ: es gefallen im (gott) dy streych, di der drescher thut, eben als woll allsz eyns pfaffens gebet Luther 9, 536 W.; Maseto, der ein jung starck mann was, mit wenig streichen die plöck zerspalten hett (1557) Montanus schwankbücher 57 lit. ver.; dasz er ... eine wand abbrechen muͤssen; da habe er fast in denen ersten streichen einen stein hervor gezerret Prätorius d. abenth. glückstopf (1669) 59; ein schmied einen streich uͤber den andern thut Hartmann fluchspiegel (1672) 202;
vater ists wahr, dasz auf dem berge dort
die bäume bluten, wenn man einen streich
drauf führte mit der axt?
Schiller 14, 350 G.;
bis ihr (der schar d. knappen) fleisz den tauben wust
des gesteins bezwingt,
und entgegen erzgekrust
ihren streichen springt
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 26.
im sprichwort reich bezeugt: es fellt kein eych von einem streych schöne weise klugreden (1548) 228;
es faͤllt kein baum von einem streich,
es ist keiner kein meister gleich
Fischart w. 2, 41 Hauffen;
kein wald fällt von einem streich Herder 24, 365 S.; ein eych so von einem streych nit fellt, die felt von vilen Franck sprichw. (1541) 1, 12ᵃ;
von einem streich
fällt kein eich,
von vielen streichen
fällt die eich
Lehmann floril. polit. (1662) 1, 29;
Binder sprichwörtersch. (1873) 41. mit vil streychen würt der stockfisch lind Franck sprichw. (1541) 1, 12ᵃ; Schellhorn sprichw. (1797) 115; Binder sprichwörtersch. (1873) 190; der ambosz fuͤrcht sich nicht vorm streich Lehmann floril. polit. (1662) 1, 153; ein groszer ambosz achtet schwere streiche nicht Schellhorn sprichw. (1797) 17.
b)
eine schwungvolle, zügige arbeitsbewegung; mit der sense (vgl.schlagen II 1 b 'mähen' teil 9, sp. 367 und gleichbed. hauen II 1 teil 4, 2, sp. 575 sowie hieb 6 a teil 4, 2, sp. 1307):
ob aber wol der tod dir, unbefloͤckte blum,
durch seiner sichel straich den fall zu früh gegeben;
so blühet allzeit doch frisch deiner tugent ruhm
Weckherlin ged. 1, 438 lit. ver.;
grass und blume fellt dahin
durch der sense scharffen streich
Logau sinnged. 399 lit. ver.;
wäre ein wald voraus gewesen, hätten die bäume sich (unter dem artilleriefeuer) wie gräser unter den streichen einer riesigen sense umgelegt Plivier Stalingrad (1948) 21. schweizerisch: der ruderschlag heiszt der sträich Friedli Bärndütsch 5 (1922) 25; (es) betrug dem alten schiffer ... die entfernung von Twann nach Gerolfingen so und so mänge sträich ebda 25. als arbeitsphase bei erdarbeiten, das umwerfen der scholle, der spatenstich und -hub: ein mann kann per tag ein fläche von 400 quadratmeter roggenstoppel 'hauen' ... die umarbeitung geschieht in zwei streichen: zuerst wird die obere erdschichte mit der stoppel umgekehrt und dann die tiefere lage, so dasz die stoppel unten zu liegen kommt Stebler in: schweiz. id. 11, 1961; man miesse solchs (wurzel) an unser frauwen tag im augsten am morgen, ob die sonnen an die grädt schine, usgraben, und das in drei streichen ebda.
c)
in verschiedenen mundartlichen wendungen steht streich für die verrichtung einer arbeit überhaupt: in den streichen sein, im schwunge, in starker tätigkeit sein, z. b. der föhn war letzten sommer fast immer in den streichen schweiz. id. 11, 1961. zu streichen kommen für 'etwas fertig bringen, zustande bringen, zurecht kommen mit etwas', vgl. Woeste westf. 258ᵃ; Müller-Fraureuth 2, 573; Christa Trier 201; Bauer-Collitz Waldeck (1902) 100; Gangler Luxemb. 438; Fischer schwäb. 5, 1843; Lexer Kärnten 244; Schöpf Tirol 717. meist in negativer wendung: keinen streich tun nichts arbeiten Heyne wb. (1895) 3, 862; hai brenget nicks te sträichᵉ er trödelt herum Woeste westf. 258ᵃ; nét ən straəhh, kaən straəhh nicht das mindeste z. b. thun, arbeiten Schmeller bayer. 2, 805; a gonza wocha umha treiba mit joga, und kuan stroach nit thien Schöpf Tirol 717; er tuet eke streich er arbeitet gar nicht Hunziker Aargau 259; kein streich schaffeⁿ, tueⁿ wercheⁿ nicht das geringste, kain streich gar nichts schweiz. id. 11, 1961;
du tust nicht einen streich, und gibst am meisten aus
Göthe I 9, 40 W.;
mein vater ... verschwor sich, keinen streich mehr auf diesem hofe zu arbeiten Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 29.
5)
'wetterschlag'. blitzschlag: vmbzohe die haid ein schwartzer wolck, vnd fieng an zu haglen, als welt himel vnnd erd vndergehen, vnd thet vor jm ein straich in die erd etlich klaffter Franck Germ. chron. (1538) 267ᵃ; es gieng der straich so stark an, sampt dem dunst, der sie gar nahe het ersteckt Zimm. chron. 3 (1881) 109 Barack; schlug das wetter in den kirchenturen ... der streich kam an zweyen orten bey dem fronaltar herausz, ging ach durch die behaltnus quellen z. gesch. d. bauernkr. i. Oberschwaben 61 Baumann; kam ein grosz wetter in der nacht und schlug 4 groser streich Fischer schwäb. 5, 1843. vgl.auf einmal empfanden wir alle zugleich einen streich wie vom blizze Schiller 4, 215 G. kalter streich blitz, der einschlägt ohne zu zünden Fischer schwäb. 5, 1843. entsprechend auch vom donner: mit der weiss gewoͤnten sie sich, weder vor dem plitz, noch vor dem streich zu schewen Fischart Garg. 388 ndr.; der blitz gehet vorm streich Lehmann floril. polit. (1662) 1, 153; vgl. dazu die zusammensetzung:
du traͤgest einen crantz von lorbeern um die schlaͤfe,
den nie kein donnerstreich des unfalls schmettern kan
Joh. Chr. Günther ged. (1746) 1058;
drauf zerfahrt's mit ein'm knall wie ein donnerstreich und steigt ein schwarzer mann daraus hervor Anzengruber ges. w. (1896) 4, 59. ohne erkennbare unterscheidung 'der gewitterschlag':
wan auch dan werden je zu mahl
die warme wolcken brommen,
und rother blitz und donnerstral
gen unsz mit kräfften kommen,
von Jesu will ich spielen gleich,
die schäfflein jhm befehlen;
so werd ich ihrer nach dem streich
wol eben viel noch zehlen
Spee trutznachtigal (1649) 210;
so niderschlecht er fewrig stral,
mit groszem donner ab zu thal,
dasz da ausz forcht ein jeder glaubt,
er hab der streich auff seinem haubt
Scheit frölich heimfart C 1 b;
doch nur getrost, es kann nicht immer währen,
des wetters macht nimmt ab bei jedem streich
Haller ged. 57 Hirzel.
hagelschlag: istria (stiria) hagel straich Diefenbach nov. gl. 223ᵃ; so ist auch ... ein sehr vngestuͤmer wind gewesen, der auch grosze schlossen geworffen het, vnd wo derselbige streich aingegangen, da ist kein fenster gantz blieben Binhardus thür. chron. (1613) 295. vom anprall des windes:
gleich wie ein sturm, oder windsbraut
ein schif mit ungestüm zuschmeisset,
mit straichen stoltz, schnell, streng, starck, laut,
mast, segel und sailer zureisset
Weckherlin ged. 1, 122 lit. ver.
6)
in unterschiedlichen anwendungen für den tönenden oder rhythmischen schlag. zum übergang vgl.: so schlug der ring vnanbewegt von sich selber wider den becher mit vorbestimpten streichen Nigrinus von zäuberern (1592) 51. vom regelmäszigen schlage des pulses: der pulsz laszt sich ... mercken ... wenn man acht nimpt, vff den schnellen oder schwachen streych Eppendorff Plinius (1543) 220.
a)
schlag auf die glocke; glockenschlag, uhrschlag; streich schlag der uhr, sonus, auf den streich da seyn ad horae sonum vel signum adesse Dentzler clavis ling. lat. (1716) 278ᵇ: wann fürter uf dem münster gestürmet würt, ... das dann ein yeglicher, so balde der erste streich des sturmens geschicht, ... verbunden sin sol sich fürderlich zu weffenen (1551) bei Schmoller Straszburger tucher- u. weberzunft 194;
geh nimmer heim, und hab dann schon,
zwen streich langst auff die glock gethon
Scheit Grobianus 3777 ndr.;
in welcher groszen fewersnoth und gefahr dann damals sechsz und zwentzig streich (welches bisz auff diese zeit unerhört gewesen) an die sturmglocken ... gethan worden W. Hartmann Augsp. chron. (1595) 167; so offt ... die uhr schlegt, lauffen oben auff der tafel zwei bilder oder geharnischte reuter zusammen, die stossen so offt zu einander, als manchen streich die uhr thut Uffenbach atlas minor (1609) 120; und so harrete er bey seiner arbeit, bis er den lezten streich seiner feyerabendstunde ausgehoͤret hatte Abbt verm. w. (1768) 4, 235; willst du — so brich auf, wenn die gloke den zwölften streich thut auf dem karmeliterthurm Schiller 3, 476 G.; die grosze glock'n lass ich ihr läuten; und wenn jeder streich an taler kost' Schönherr glaube u. heimat (1910) 61; es schlägt jeweils um halbi je einen streich schweiz. id. 11, 1965.
b)
trommelschlag; 'bei einigen armeen ein einzelner schlag auf die trommel, welchem der wirbel voranging, als signal zum einstellen des feuers. auf den streich traten die zugführer wieder auf ihre plätze in der front' Rüstow milit. hwb. (1858) 2, 292: da schlüegen sy uf einer trummen den straich, wie in unserm land sitt und gwonhait (1525) in: schweiz. id. 11, 1965; so ein trummenschläger ..., der ... thun soll den streich Kirchhof militaris discipl. (1602) 35. der bedeutungsübergang von zapfenstreich 'schlag auf den zapfen des schankfasses' zu einem militärischen trommelsignal (s. teil 15, 272) konnte sich daher ohne schwierigkeit vollziehen. vgl. auch: kirchenstreich ein signal als versammlungszeichen zum gottesdienst Meyer konvers.-lex. (1907) 11, 58ᵇ.
c)
in der musik der taktschlag: incondita carmina vbel gerympte gsang, die vnlieblich gond, oder peurische die übel gesetzt sind, oder nit inn streich oder schlag gond Frisius dict. (1556) 192ᵇ; ludere in numerum in streich oder in schlag dantzen ebda 784ᵃ. in der neueren schriftsprache nicht gebräuchlich; mundartlich: up streek beim tanz im takt Möller Sylt 254.
d)
arbeitstakt (im anschlusz an 4 b und c): im gemeinsamen gleichen takt aber mit dem anerkannt vormähenden: im streich schwingt die ganze reihe ... der mähder und mähderinnen die rauschende sense Friedli Bärndütsch (1905) 1, 78; frisch stellen sich die söhne hinter den vater, der voormeejt, in eine reihe und mähen im takt: halteⁿ striich ebda 3 (1911) 205.
e)
in wbb. als terminus für die pendelbewegung (den einzelnen 'hingang' eines pendels; der auffassung kann die vorstellung des rhythmischen schlages zugrundeliegen, doch ist auch unmittelbare anknüpfung an das bewegungsverb streichen denkbar): die bewegung eines pendels, indem es sich von einem puncte zu dem andern schwinget ... zwey solcher streiche machen eine schwingung aus Adelung 4, 432; streich, wenn der perpendikel in einer uhr einmal hingehet, im gegensatz der schwingung, wenn solcher hin- und her gehet Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 314ᵇ.
B.
bildlicher und übertragener gebrauch.
1)
bildlich 'der hieb, der schlag'.
a)
ein 'hieb', der jemandem zu seinem schaden oder zu seiner vernichtung 'versetzt' wird: ungeacht aber er uͤber seine neider ... sich bei dem kaͤyser haͤtte beschweren, und ihnen einen groszen streich versetzen koͤnnen Arnold unpart. kirch. u. ketz. hist. (1699) 162ᵇ; der elende soll noch einen neuen streich von der list seines alten feindes leiden Herder 3, 49 S.; seine tochter, die vermuthete, woher der streich käme Klinger w. (1809) 3, 230. besonders mit beiwörtlichen charakterisierungen; ein empfindlicher streich: die seminarien der jesuiten zu Rom und Freskati wurden verschlossen. ein empfindlicher streich für sie! v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 8 (1778) 39; nach meiner denkungsart ist das der empfindlichste streich, den Götze unserm ehrlichen Alberti hätte versetzen können Lessing 17, 337 M.; hätten die hanseatischen ihren willen, ... den ... verkauf aller englischen waaren in Deutschland zu verbieten, erreicht, so möchte ihnen der streich noch empfindlicher gewesen sein J. Möser s. w. (1842) 3, 184; ein tödtlicher streich un colpo mortale Kramer t.-ital. 2 (1702) 1002ᵇ: dasz von den guͤtern der jesuiten in Baiern eine neue Malteserzunge gestiftet worden ist, sehen viele als einen toͤdlichen streich fuͤr jenen orden an Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 6, 734; verschrien den als lehrer der tyranney, der sie ärger als ein sterblicher hasste, und ihr durch sein werk einen tödtlichen streich beyzubringen suchte Klinger w. 3 (1815) 223; durch ihre feinheit trennte sie (Margaretha) zwar den bund des adels, aber erst nachdem durch seine innere zwietracht der tödtliche streich schon an seiner wurzel geschehen war Schiller 7, 328 G.
b)
in ähnlichem sinne von einer als 'schlag' empfundenen niederschmetternden lebenssituation: es (das herz) wirrt nitt erschreckt durch tröwenn. es wirrt ye hertter von straichn Keisersberg pred. teutsch (1508) 54ᵈ;
bewar, herr, gnedigleiche
die menschen hie auff erd,
das sie nicht fuͤrchten streiche,
denn also wirdts bewert
bergreihen 5 ndr.;
dein augen lasz nicht weichen,
wann noth mit ihren streichen
mich hat in schrecken bracht
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 484;
nur muthig angefangen,
die zeit bringt linderung, verjaget furcht und grausz,
und haͤrtet unsern leib zu allen streichen aus
Opitz opera (1690) 3, 313;
ihr götter! lenket mich, mein unglück kömmt von euch;
mein ungewisses herz verzagt bey diesem streich
Cronegk schr. (1771) 1, 183;
was für ein neuer streich auf mein gebeugtes haupt! Lessing 2, 351 L.-M.;
nun ist's geschehn! dir hat ein herber streich
das schöne lebensglück entrissen
Göthe I 4, 253 W.;
aber iezt mit diesem abgestumpften herzen, müde und zerfleischt von den streichen des elends, verargst du mirs, wenn ich klage? Schubart br. 2, 63 Strausz. ähnlich auch:
in meinem schwachen leib ist kein gebein, glid, glaich,
das dises schmertzens zwang nicht seines diensts beraubet,
ja meines leydens stehter straich
mir kaum die klag erlaubet
Weckherlin ged. 2, 69 lit. ver.
genitivverbindungen bezeichnen eine überirdisch waltende macht als urheber des ereignisses; eine harte fügung des schicksals, schicksalsschlag:
als du den knaben umfiengst, so kam mir der schwarze gedanke,
mitten in einer syssen empfindung befiel mich-sein schrecken
wie wenn ein plözlicher streich des schicksals den jyngling dir nähme?
Wieland I 2, 133 akad.;
der feigherzige, der unter jedem streich des schicksals winselt Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 201; eine blosze abhärtung und unempfindlichkeit gegen die streiche des schicksals Schopenhauer s. w. 2, 183 Gr.; der mensch, von einem jähen streich des ungerechtesten geschicks betäubt Mörike w. 3, 142 Göschen; ich scheide aus einer welt, wo das verdienst unter den streichen des hämischen schicksals erliegt Raupach dram. w. kom. gattg. (1829) 3, 8. des todes:
den besten kopff trifft auch der parzen streich,
die bahre macht uns alle gleich
Günther ged. (1735) 230;
welcher streich des todes
erwartet dich!
Schiller 12, 270 G.;
ich möchte, wenn ich sterbe, wie die lichten
gestirne schnell und unbewuszt erbleichen,
erliegen möcht' ich einst des todes streichen,
wie sagen uns vom Pindaros berichten
Platen w. 1, 179 Hempel;
des unglücks: ist fehig, solches (... als der zur prob wider des unglükkes stich und streiche dinet) zu verrichten Butschky hochdt. kanzelley (1659) 676; einige streiche des unglücks Abbt verm. w. (1768) 2, 2, 9; unter einem unglücke ... dessen streiche wir schon oft aufgehalten J. E. Schlegel w. (1761) 3, 356. des glücks (im sinne von tyche, fortuna): warum ich keine andere arzney ... meine natürliche neigung wider di streiche des glükkes zu befestigen, einig dises, wi einen christlichen ehrlibenden menschen gehöret und zustehet zu leben, erfinden kan Butschky hochdt. kanzelley (1659) 654; der dummkopf sitzt nur da, und nimmt mit einem fühllosen lachen die streiche des glücks an, oder läszt sich von ihm von ort zu ort peitschen C. F. Weisze trauersp. 5 (1780) 134. etwas anders ('akt des zufalls'): es ist ein blinder streich des glückes gewesen, dasz uns Xenophon, Plutarchus ... übrig geblieben sind discourse d. mahlern (1721) 3, 20.
c)
die bildhafte bedeutung eines überwältigenden oder heftigen schlages weicht der schwächeren vorstellung eines unvorhergesehenen, fatalen ereignisses (verwandte auffassungen s. unter 2 d):
zum teufel! so'n verdammter streich!
zerfetzt mir der verfluchte zweig
das gesicht, dasz das feuer aus den augen mir stiebt
Goekingk ged. (1780) 3, 18;
indessen begegnete mit waͤhrend dieser zeit ein fataler streich U. Bräker s. schr. (1789) 1, 99; gerade passirt mir mit den guten exemplaren meiner werke ... der alberne streich, dasz sie incomplet ankommen Göthe IV 20, 204 W.; und besonders bitte ich, die Piccolomini zu sich (Göthe) ins haus zu nehmen; denn es wäre doch ein fataler streich, wenn die sachen in der welt herum liefen Schiller br. 6, 12 Jonas.
d)
gelegentlich im sinne einer züchtigung (entsprechend A 2): eine neue gottesgeissel! deren streiche das koͤnigreich Hungarn nun uͤber 280 jahr her, haͤrtiglich gefuͤlet S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 128;
(ein verliebter ist)
ein arm gefangener, der seine feszel liebt,
und seinen hencker ehrt, wenn er ihm streiche giebt
Hoffmannswaldau auserl. u. ungedr. ged. (1697) 2, 71.
e)
der 'hieb' im sinne scharfer äuszerungen, eines polemischen vorgehens in wort oder schrift:
die straich (vorwürfe) gand pillich vber mich
liederbuch d. Hätzlerin 165 Haltaus;
dise schlacht aber beschahe nicht mit leiblichen, sonder geistlichen straichen vnd mit der vernunfft Albertinus Lucifers königreich 8 Liliencron; jeden streich (der satire) ... fühlen sie auf ihrem rücken Rabener s. schr. (1777) 1, 88;
und wenn die kritiker nicht gleich
durch einen unbarmherz'gen streich
auf ewig ihn (den jungen autor) zu boden schmeiszen:
so glaubt er schon, dasz sie ihn scheun
J. A. Ebert ep. u. verm. ged. (1789) 30;
nun fing ich diese streiche (scheltreden) ein wenig auf, zuckte mit dem kopfe und sagte: verzeiht, madame, verzeiht Göthe I 45, 48 W.;
dem schwerte gleich solls wettern
das wort gewaltigen streichs
mod. dichterchar. (1885) 89 Arent-C.-H.
2)
von der vorstellung eines gegen jemanden geführten 'schlages' ausgehend bezeichnet streich den militärischen handstreich, den staatsstreich und weiterhin eine handlung, die einen anderen überraschend zu treffen, ihm etwas auszuwischen bestimmt ist, den streich, der jemandem gespielt wird (vgl. einen streich spielen teil 10, 1, sp. 2382). zur rückführung auf den konkreten gebrauch vgl. u. a.:
nun sag an du vil junger,
den streych leret dich ein weyb
d. liede v. d. alten Hiltebrand A 2ᵇ Zwick. facs.;
dieser luͦgt hindersich wer im helffen wolt, vnd dieweil er hindersich luͦgt, da sprang der meister herzu, vnd schluͦg im den kopff ab, vnd sprach, den streich hab ich dich noch nit gelert Pauli schimpf u. ernst 199 lit. ver.
a)
eine kühne und überraschende militärische oder politische unternehmung, ein handstreich (vgl. handstreich 3 teil 4, 2, sp. 419): dieser ... gluͤckliche streich wieder die Lotthringer kam dem koͤnige in Franckreich sehr wol zu passe Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 204; doch wenn nur die spanische, gegen England geschickte flotte zum anlanden auch zum wenigsten in Irland kommen, hätte vielleicht alles anders ablaufen mögen, und dann, wenn dieser streich gerathen, wäre die monarchie ... so viel als gemacht gewesen Leibniz dt. schr. (1838) 1, 220; die Franzosen ... versuchten im rücken (der alliierten) einen unvermutheten streich; sie näherten sich Trier in bedeutender anzahl, sogar mit kanonen Göthe I 33, 150 W.; allein das römische corps ... hatte genug zu thun die Kelten im zaum zu halten und dachte nicht daran, die Alpenpässe zu besetzen, deren bedrohung man auch erst ... im august ... in Rom erfuhr und vielleicht selbst damals noch wenig beachtete, da ja der tollkühne streich allein an den Alpen scheitern werde Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 563. ein politischer streich, staatsstreich Kramer t.-ital. 2 (1702) 1002ᵇ; Ludwig teutsch-engl. (1716) 1890; ein staatskluger streich Campe 4, 569: andere solche offenbahre politische streiche zugeschweigen G. Arnold unpart. kirch. u. ketzerhist. (1699) 2, 197ᵃ;
das erbrecht schuͤtzt des kaisers sohn,
nur list und macht bestimmt den thron
dem prinzen von Bourbon, dem jeder streich gelinget
Gottsched ged. (1751) 1, 18;
wenn dem listigen, ränkevollen, dem intriguanten ein rechter politischer streich gelingt Klinger w. (1809) 12, 189; wenn ihr also lust habt, diese nacht einen streich zu wagen, so findet ihr die wachen besoffen Schiller 3, 91 G.; beide heckten den plan aus ... einen streich gegen die parlamente zu führen Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 127.
b)
ein mit list oder heimtücke ausgeklügeltes unternehmen; insbesondere eine aus rachsucht oder böswilligkeit verübte handlung zum schaden oder spott eines anderen: die Italiaͤner sind gar schlaue und verschlagene leute ... in ihrem ehestande ungemein eifersuͤchtig, tuͤckisch ihren feinden auf eine geheime art einen gefaͤhrlichen streich zu versetzen Fleming d. vollk. teut. soldat (1726) 40; ich will nicht weitläuftig erinnern, dasz es oftmals ein kunstgriff der buchhändler ist, dasz sie, um einem buche abgang zu verschaffen, den verkauf desselben durch die obrigkeit untersagen lassen. mir kömmt es indessen vor, als wenn man mit den belustigungen einen fast gleichen streich spiele Schwabe belust. (1741) 3, 177; er war ein mann, der seine auszerordentlichen talente groͤsztentheils anwandte, niedertraͤchtige streiche zu spielen Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 174; er spielte uns tausend streiche; mit lust vernichtete er unsre freude, und vermehrte dadurch die leidenschaft, die er zu zerstören suchte Göthe I 22, 266 W.; der heimliche streich (die intrigue) geht durch das stück, wie der rothe faden durch die englischen schiffstaue Börne ges. schr. (1829) 1, 128; der spiel ich ein' streich, dasz s' an mich denken soll Nestroy ges. w. (1890) 1, 53; gern hätte er diesem den fürsten spielenden jüngling einen streich gespielt und eine lehre erteilt H. Hesse glasperlenspiel (1946) 2, 356.
c)
in gemilderter auffassung 'possen, schabernack'; ein lustiger streich, ein artiger possenstreich a pretty jeer; a merry prank; a fine sport Ludwig teutsch-engl. (1716) 1890; es ist ein artiger streich jocus est gratus Steinbach dt. wb. (1734) 2, 743: du wolltest aber, teuͤtscher lieber leser, wie ich bitte, diesen anderen theil ... noch von mir goͤnstig auff- vnd annehmen; mir noch diesen streich zu gut halten: ich verspriche, dasz ich fürter hien nicht mehr kommen, noch dich, wer du auch sein magst, durch die hechel ziehen wolle Moscherosch gesichte (1650) 2, 8;
hinterm offen sitzt und heckt
schelmerey die streiche
Overbeck verm. ged. (1794) 241;
er ...
zankte und neckte auch oft beim spiel
und machte der losen streiche viel
Kortum Jobsiade (1799) 1, 19;
indem sie sich einander neckten, aufweckten und sich wechselweise allerlei streiche spielten Göthe I 21, 260 W.; Karl ... beschlosz dem Adrian ... einen lustigen streich zu spielen A. v. Arnim s. w. 1, 152 Grimm;
da kommt der lenz ..
und schickt sich gleich mit frohem necken
zu all den streichen an,
die er auch sonst dem alten recken,
dem winter, angethan
Lenau s. w. 26 Barthel;
wie die von aller anmassung freie sicherheit des auftretens ihr in keiner lebenslage versagte, so war ihr auch bei allen harmlosen streichen der erheiternde erfolg gewisz Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 154; sie lachte pfiffig, wie wenn ihr ein streich gelungen wäre A. Supper holunderduft (1910) 270.
d)
im sinne von b oder c wird ein erlittenes miszgeschick als streich einer schicksalsmacht oder der eigenen menschlichen unvollkommenheit aufgefaszt: die nachstellungen des Satans sind vielerley, da ihme biszweilen ein streich gelücket, aber auch offte durch fleisziges gebeth abgehalten wird d. wohlgeplagte priester (1695) 103; fast jeder sterblicher, dem madam Fortuna nicht schon in der wiege einen falschen streich spielt Knigge roman m. lebens (1781) 1, 21; wenn alles das unglück, und nicht schuld ist: wahrlich, freund, so spielet ihnen ihr schicksal einen harten streich Lessing 10, 65 L.-M.; deshalb vermelde dasz, wenn die dämonen nicht wieder grillenhafte streiche spielen, ich den eilften september hoffe in Weimar zu seyn Göthe IV 27, 150 W.; die blumen und gelben schmetterlinge denken sie, deren gab es schon! müssen alle erfrieren; das ist ein perfider streich von unserm herrgott A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 134 Schulte-K.; dagegen (gegen d. menschl. elend, das den mitleidigen rührt) sind die streiche, die das wetter dem witterungskundigen spielt, gar nichts W. Raabe Horacker (1876) 103. eine seelische regung oder die unzulänglichkeit der sinne spielen einen streich und führen zu einer handlung oder tat, die der sorgfältigen überlegung entbehrt: denn auch die, welche ihn sonst für einen sehr glaubwürdigen mann halten, erkennen einmütig, dasz ihm hier sein gedächtnis müsse einen streich gespielt haben Lessing w. 21, 92 Olshausen; das herz spielt auch würklich weniger streiche, als die vernunft Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 68; hrn. Kl. gedächtnisz musz ihm den ärgsten streich gespielt haben Herder 3, 257 S.; seit mir meine vorsicht einen so unartigen streich gespielt hat, mag ich mit dem zeuge nichts mehr zu thun haben Göthe I 19, 64 W.; damit mir diese verrätherischen sinne keinen streich spielen H. Beck quälgeister (1806) 8; überhaupt spielt mir zu groszer eifer manchmal übele streiche Lachmann an J. Grimm, s. briefw. 1, 186 Leitzmann; der junge mann kam ihr entgegen, voll feuer und leidenschaft — die romantik hat ihr einen streich gespielt. sie ist in ihn verliebt Bauernfeld ges. schr. 3 (1871) 208; die zunge spielt uns wohl einen streich im kleinen, dasz wir ein wort oder zwei höchst komisch verdrehen und in das lachen der hörer einzustimmen genötigt sind Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 94.
3)
losgelöst von der vorstellung eines schlages bezieht sich streich sodann auf eine aus dem rahmen des gewöhnlichen fallende, überraschende handlungsweise, die mit den vorausgehenden auffassungen des wortes den charakter des verwegenen, tollen, pfiffigen oder übermütigen gemeinsam hat.
a)
eine handlungsweise, die sich durch ihr unerwartetes, überraschendes resultat als bedeutsam oder beachtenswert erweist:
ha! meckerte der bock, nichts kann gescheiter sein
bey meinem bart! mir fiel der streich nicht ein.
die klugen köpfe sollen leben!
(eine gewitzte auskunft aus einer schwierigen situation)
Eschenburg beispielslg. z. theorie (1788) 1, 47:
euch ist geniestreich ein schimpfname? bildet ihr euch etwa ein, dasz, als ihr den namen ersannet, ihr selbst einen solchen streich machtet? Herder 22, 202 S.; ich mache manchen streich, der ganze familien glücklich macht Klinger w. (1809) 1, 174; Göthe rief dann ganz triumphirend, wenn sie lange bewundert hatten: nein, die frau, die kleine frau hat das gemacht! solche streiche macht sie Göthe gespräche 2, 145 Biedermann; ich machte einen klügeren streich, als du in vier wochen aushecktest, während du in Eichenbach warst: ich verlobte mich Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 46.
b)
eine handlung aus übermut und leichtsinn ('übermütige handlung', düsse jungens heppt luter dumme streiche in'n koppe Frederking Hahlen 136ᵇ); das affekthaltige motiv wird oft durch charakteristische adjektive festgehalten: was mir die wirthin alles von den suͤssen naͤchten, und noch andern streichen, so dieser fleckschreiber soll vorgenommen haben, erzehlet hat Stranitzky ollapatrida 162 ndr.;
dencke nur, wie wir zugleich
manchen streich
heimlich list- und lustig spielten
J. C. Günther ged. (1735) 913:
wir trieben indessen lose händel in menge in der schule, besonders erinnere ich mich unter andern folgenden streichs Leipziger avanturieur (1756) 1, 17;
schon immer hab' ich dich geliebt;
als knabe, unter deinem schutze,
des Argus augen selbst zum trutze
so manchen losen streich veruͤbt
Goekingk ged. (1780) 3, 165;
den freunden erzähl ich mit freuden
nun manchen lust'gen streich
A. v. Arnim s. w. (1856) 22, 313;
unser freund (Wilhelm), der ... bald selbst in den geschmack kam, einige tolle streiche zu befördern und anzugeben, war von dem angenehmsten, frischesten, ritterlichsten humor Göthe I 52, 173 W.; er (Schubart) erlaubte sich nach der einen seite hin spöttereien und leichtsinnige streiche, die dem theologen übel anstanden Gervinus gesch. d. dt. dichtg. (1853) 5, 126; diese gesichter erzählen von tausend übertollen streichen Spielhagen s. w. (1877) 1, 258; ich hörte in der nächsten halben stunde noch von manchem tollen streich W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 52; dasz einst der sohn des einen geschlechts mit seinen begleitern den übermüthigen streich ausführt, verkleidet in ein maskenfest einzudringen G. Freytag ges. w. (1886) 14, 29; die tollen streiche seiner jugendjahre wurden aufgewärmt W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 2, 322;
trug er wenig lust zum schaffen,
desto mehr zu kecken streichen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 86;
wenn einer von ihnen durch einen neuen streich von sich reden machte, ging ein frohes wetterleuchten über die faltigen, braunen gesichter der söhne Nimikons Hesse Peter Camenzind (1925) 16. im besonderen auch für mit übertriebenem eifer veranstaltete unsinnige unternehmungen: Krähwinkel, der durch seine lächerlichen streiche bekannte ort in Kotzebues lustspiel 'die deutschen kleinstädter' Euler bei Jahn 1, 132 Euler; die dummen streiche, die man den kleinstädtern nachsagte, wurden am ausgange des jahrhunderts im 'Lalebuch' verewigt, dessen ruhm das plagiat von den 'schildbürgern' verdunkelt hat Scherer lit. gesch. ⁷901.
c)
für eine artige, possierliche handlungsweise, deren liebenswürdige durchführung vom wohlwollen des sprechers begleitet wird; bossenstreich, ein artiger, lustiger bossenstreich un colpo, tratto ridicoloso Kramer t.-ital. 2 (1702) 1002ᵇ:
damit der storch vielleicht noch treuer
durch die bewuste feuer-mäuer,
(es wäre ja ein lieber streich!)
so mir, als euerem geschlechte,
auch einen kleinen vetter brächte!
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 370;
(Serlo, als kind) entwickelte sich als harlekin aus dem ei, und machte als kleiner essenkehrer schon früh die artigsten streiche Göthe I 22, 112 W.; ein kleines zierliches knechtchen meines vaters ..., welches wegen seiner abenteuerlichen und bajazzischen streiche, schnurren und einfälle jahre lang auf dem hofe gehegt und etwas verhätschelt war Arndt s. w. (1892) 1, 27; in der zweiten hälfte, da, wo die streiche der 3 kinder erzählt werden, will ich noch einen kleinen zusatz von humor. farbe suchen, der die naschvergehen liebenswürdig machen hilft (1889) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 327. einen bösartigen unfug und die scherzhafte, possenartige auffassung des vorgangs zugleich bezeichnend:
dieses war der erste streich
doch der zweite folgt sogleich
W. Busch Max und Moritz (1865) 8.
in erneuter metapher für das springen und hüpfen elektrisierter kügelchen: als wenn sie den tollen streichen des anderen blos zusähen Lichtenberg br. (1901) 2, 35.
d)
handlungen, die der vernunft oder dem allgemeinen gesellschaftlichen empfinden zuwider laufen, werden als unüberlegt oder töricht ausgeführte dumme streiche betrachtet: freund, nicht zwey dumme streiche für einen! Lessing 2, 177 L.-M.; o du armer mann! dacht' ich, was hast du da aber vor einen hundsdummen streich gemacht, der dir vollends den rest geben musz U. Bräker s. schr. (1789) 1, 211;
gesteht, bei so bewandten sachen
hätt es euch selbst, so klug ihr seyd,
begegnen können, aus menschlichkeit
wohl einen dummen streich zu machen!
Wieland s. w. 21 (1825) 100;
Herder hat vor einiger zeit einen unverzeihlich dummen streich gemacht Schiller br. 2, 339 Jonas; die liebe hat ein privilegium für dumme streiche H. Beck d. quälgeister (1806) 3; soviel ist gewisz, dasz vernunft nichts anders heiszt, als die fähigkeit ... keine dumme streiche zu machen E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 16 Gr.; ein unbedachter dummer streich, der ihn jetzt auszerordentlich reuete Chrysander G. Fr. Händel (1858) 1, 129; war der vater (Mozart) schon mit dem langen aufenthalt in ... Straszburg (W. Mozarts) unzufrieden gewesen, so erschien ihm die reise nach Mannheim als der dummste streich, den Wolfgang machen konnte O. Jahn Mozart (1856) 2, 325; als er seinen dümmsten streich beging und gegen sich selbst prozesz führte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 429. in gesteigertem sinne für handlungen, die der sitte und moral widersprechen und als gesellschaftliche entgleisungen angesehen werden: der mann kahm bald hinter die streiche seiner frauen Wendt ein roman ohne roman (1730) 275; doch muszte er das consilium unterschreiben, dasz er also weg musz, sobald er wieder einen schlechten streich macht Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 126; als er näher kam, sah er, dasz es seine zwei brüder waren, die allerhand schlimme streiche verübt und alles verthan hatten br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 268; der junge mann musz irgendwo dumme streiche gemacht haben, die ihn verhindern, eine früher begonnene laufbahn mit ehren zu verfolgen Holtei erz. schr. (1861) 2, 69; meine wut über den obszönen streich ... kannte keine grenzen Th. Mann Faustus (1948) 231.
e)
in der wendung sich groszer streiche rühmen, von groszen streichen sagen geht streich schon früh in die bedeutung 'prahlerei' über; von groszen streychen sagen schöne weise klugreden (1548) 9ᵃ; sich groszer streichen auszthun magna crepare, jactare, de se praedicare Dentzler clav. ling. lat. (1716) 278ᵇ; strach das groszthun, aufschneiden, aufsehen machen, prahlerei Hügel Wien 158; mach kani solch'n strach brüste dich nicht so ebda: zuͦm andern sagt er grosze straich von ainem münch, der ain hültzes bild lieb gehabt hab J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, vorr. 5ᵃ; also mit dem purgiren, da saget jhr grosz streich: was ist so viel allein von dreck zusagen Paracelsus opera (1616) 1, 728ᴮ Huser; allein seine wercke ... wiesen, dasz die, welche von der tugend und der unempfindligkeit die groͤsten streiche machen, meist ... der strudel aller laster sind Lohenstein Arminius (1689) 1, 538ᵇ. in ähnlichem sinne:
er meint, die welt könnt' nicht bestehen,
wenn er nicht thät drauf herumergehen;
bild't sich ein wunderliche streich'
von seinem himmlisch geist'gen reich
Göthe I 16, 72 W.
landschaftlich: streiche sagen zoten reissen Fischer schwäb. 5, 1843.
4)
einen streich haben nicht ganz richtig im kopf sein Sanders 2, 2, 1235 (s. in gleicher verwendung hieb 5 teil 4, 2, sp. 1307, stich A 4 c teil 10, 2, 2, sp. 2686 und schusz II 3 d teil 9, sp. 2095); besonders im obd. verbreitet: er hat ein' stroach einen schuss, coup de hache Fischer schwäb. 5, 1843; en streich han ein rädchen zu viel schweiz. id. 11, 1967; en straehh haben einen sparren zu viel haben im kopf Schmeller- Fr. 2, 805; straich, streich sparren im kopf Bayerns maa. 2 (1895) 259 Brenner-Hartm.; straich, stroach üble laune, grille Schöpf Tirol 717; vgl. hi is fan streek of er ist irrsinnig geworden Möller Sylt 254. auch 'angetrunken sein' Heyne 3, 862: zum morgenessen dorft es seinethalben nit vil drinkens, er het vorhin den straich Zimm. chron. 3 (1881) 67 Barack. vereinzelt schlieszlich als bezeichnung grillenhafter personen; ein streich sein heiszt ein manchmal im kopf etwas unrichtiger mensch, ein sonderbarer sonderling seyn Westenrieder (1816) 565; streich ein mensch, der etwas sonderbares, phantastisches in seinem betragen äuszert, z. b. der mensch ist a streich Delling beitr. z. baier. id. (1820) 2, 177; ə straəhh sein einen sparren zu viel haben im kopf Schmeller 2, 805; straich, stroach launenhafter mensch Schöpf Tirol 717; mensch, der unbesonnene, leichtsinnige dinge tut Fischer schwäb. 5, 1844.
C.
im älteren nhd. steht streich in einigen fällen für den vorgang einer bewegung, also als direkte ableitung zum bewegungsverb streichen, jedoch überall nur spärlich bezeugt neben dem gebräuchlicheren strich; vgl. streichen A.
1)
für den vogelflug: also wie ein vogeljaͤger achtung gibt auf die zeit, wann ein jede sorth der vögel ihren streich hat Abraham a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 377.
2)
für das laichen der fische (vgl. streichen A 2 e): daraus mache eine salben, und bestreich die karpffen bey den windlöchern, so förderts den streich desto ehe (ca. 1660) fischbüchl. 111; strich, streich oder brut, wird der junge saamen der fische, insonderheit der karpfen genennet Noel Chomel, öcon.-phys. lex. (1750) 8, 1720.
3)
flatus:
gleich flux darauff so leszt ihr ein
vor groszem lachen, welchs sie fein
vertrucken wollt, auch einen streich,
dasz er im sahl erklunge gleich
(1556) J. Frey gartenges. 204 lit. ver.
4)
im sinne der räumlichen erstreckung (vgl. streichen A 5).
a)
strecke, weg: dat si hoften ind meinden, he were ein goiden streich weges van Coellen, dae he sicher were (Cöln 1499) städtechron. 13, 492; nun sahen wir Bethlehem ein weiten streich umbhin, ehr wir darzu kamen Fabri eigentlich beschreibg. (1557) 64ᵃ; nachdem sie (die Mosel) mit vilen zufallenden fluszlein und baͤchen gemehrt, feld sie alhie mit solcher geschwindigkeit in den Rein, das mann auch einen gar langen streich beide wasser ungleicher farb halben, erkennen ... kann G. Braun beschr. u. contrafactur (1572) 1, 37ᵃ; das obgemelt meer ... ist auff ettlichen streichen ettliche hundert maill so vast mitt grunem kraut bewachsen A. Ortelius schaupl. d. erdbodems (1572) 1ᵃ; denn es ist ein guter streich voneinander, ziemlich uber 200 teutscher meile Rauw cosmogr. (1597) 145; fuͦllen allgemechlich den canal oder bette, flieszen einen langen streich, und erreichen nach etlichen monaten — die ägyptische landschafft de Acosta, America (1605) 39.
b)
'bahn, weg, wegrichtung' (zu streichen A): da nun die Egypter mercken, dasz jrer einer ausz dem wasser spacieren zogen, graben sie behend ein tieffe grub an seinem (des krokodils) streich, legen denn naͤst von den bäumen drauff Heyden Plinius (1565) 148; unsern spur konten wir nicht mehr sehen ... und mit den henden suchten wir, aber den streich hatten wir verloren qu. v. j. 1556 bei Fischer schwäb. 5, 1844;
o schöne sonn du klares goldt
magst wol den schöpffer preisen,
der jmmer dir sich zeiget holdt,
auf deinen circkelreisen.
er weiset dir den rechten streich,
all örter zu beschleichen
Fr. Spee trutznachtigal (1649) 186;
einen andern streich gehen als sein gefährte, woher die ra. in streich fahren schweiz. id. 11, 1967.
c)
bergwerksader: also werden auch viel wunderbarlich figuren und bilder in felsen und steinklüfften erfunden, sonderlich an orten, da man zum aller wenigsten hinkomt, welches nuhn die gäng, streich, vnd adern anzeigen, durch jhre chiromantiam Paracelsus opera (1616) 2, 305 Huser.
d)
landstrich, gebiet: bisweilen ist auch in dem besten lande ein streich erdreichs vor den andern beqvem gute wolle zu zielen Marperger kaufm.-magazin (1708) 1403; wenn jemand güter hat, die an die allment stoszen, so soll man ihm bei vierzehen klaftern nicht zu seinen zäunen hauen noch rieden, sondern dieser streich soll im bann liegen schweiz. id. 11, 1967. ähnlich: zona ein streich oder theil des himmels oder erden zwischen zweyen circkeln nomencl. lat.-germ. (1634) 327.
Zitationshilfe
„streich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/streich>, abgerufen am 20.11.2019.

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