Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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striegel1, m., f.

¹striegel, m., f.,
lehnwort aus lat. strigilis, f., ahd. mehrfach belegt, s. u. 1. ahd. und mhd. masc. im anschlusz an die gerätenamen auf -el, vgl. Wollermann dt. gerätenamen (1904) 30, so stets in den obd. maa.; als fem. bei Duez dict. (1664) 2, 500ᵇ; masc. u. fem. bei Stieler stammb. (1691) 2199; so schon bei J. Walther s. u. 1. das vordringen des fem. läszt sich seit dem 17. jh. beobachten und mag zunächst gelehrten erwägungen entsprungen sein (angleichung an lat. strigilis); vgl. Heyne dt. wb. 3, 876. das bedürfnis, das wort durch das genus von ²striegel zu unterscheiden, spielt mit hinein: die striegel ein eiserner kamm ..., im berg- und hüttenbaue bedeutet der striegel einen zapfen Adelung 4 (1780) 830. neben striegel erscheint (wohl angelehnt an streichen, s. Pr. Lessiak konsonantismus 272) striechel Fischer schwäb. 5, 1868; Hentrich Eichsfeld 71; Jensen nordfries. 589; ferner mit kurzem stammvokal: der strichel (angelehnt an strich und streichen) Crecelius Oberhessen 818. diese form bereits im 17. jh.: were desz kläfters zung ein spiesz, so hett er viel hingericht, doch braucht er sie zur hechel vnnd strichel Chr. Lehmann floril. polit. (1662) 2, 720. — striegel ist über den ganzen deutschen sprachraum verbreitet, im nd. vornehmlich als instrument bei der tierpflege, obd. in mannigfacher übertragung, vgl. Fischer schwäb. 5, 1868; Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2145.
1)
instrument zum reinigen von tieren, in der regel von pferden, daher auch roszkamm genannt; gewöhnlich aus einem holzgriff mit einer metallplatte bestehend, die metallstreifen (gezähnt oder glatt) trägt. schon in den ahd. gll.: strigilis, serra unde equvˢ mundatur. i. strigil (10./11. jh.) ... strigel (10. jh.) 2, 370, 51 St.-S. in den sachlich geordneten glossaren gibt die umgebung des wortes seine bedeutung zu erkennen: strigilis ... strîgel (12. jh., Heinrici summarium, de instrumentis eqvorum) ahd. gl. 3, 162, 48 St.-S.; sella satel, submentile chinneraif, capistrum halfeter, strigilis strigel (12. jh., im abschn.: de utensilibus selle) ebda 3, 641, 30; vgl. auch ahd. gl. 2, 373, 14; 2, 373, 13; 4, 161, 26; 4, 99, 3, wo neben strigil als glosse für strigilis auch scerra, s(c)herra auftritt.epipium ross zovn, iugum ioch uel comat, strigilis strigel, falera ross teckin (14. jh.) voc. optimus 30ᵃ Wackernagel. eyn perdes stregel (1414, md.) Diefenbach gl. 556ᵇ; rosz streel oder strigel Brack voc. rerum (1495) 36ᵃ; striegel etiam dicitur pferdestriegel Stieler stammb. (1691) 2199; striegel ... roszstriegel Kramer t.-ital. 2 (1702) 1014ᵃ. liter. belege: mit rosses strigele Heinrich v. Hesler apokal. 10 874 Helm;
im gantzen stall war nit ein strigel;
die pferdt warn staubicht wie die igel
Waldis Esopus 1, 401 Kurz;
dasz man den schweisz mit einem striegel von ihm (dem pferde) schrapen musz J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 139; so musz es (das pferd) mit der striegel nicht wund oder verletzt werden ebda 27; der maurergesell brauchte nur die reitpferde des grafen zu sehen und schon griff er nach der striegel und dem wassertrog Gutzkow ges. w. (1872) 1, 39; der troszknecht ... holte den striegel und begann schluchzend zu reinigen Sperl söhne d. hr. Budiwoj (1927) 115. sprichwörtlich: schäbiger gaul will kein striegel leyden Lehmann florileg. polit. (1662) 2, 815; striegel und streu thun mehr als heu (westf.) Wander dt. sprichwb. 4, 913; dies auch bei Fischer schwäb. 5, 1868 und mit geringer abwandlung bei Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2145. seltener im gebrauch zum putzen anderer tiere: man soll aber auch die kühe rein und sauber halten und zu weilen mit einer striegel den unflath abkratzen Hohberg georg. cur. aucta (1682) 3, 2, 238; milchvieh musz ebenfalls täglich mit striegel und kardätsche geputzt ... werden Schwerz ackerbau (1882) 806; auch musz man sie (die hunde) ... mit striegeln und kartätschen absäubern Döbel jägerpract. (1754) 1, 119; was, bekommen sie (esel) keine striegel zu sehn? Bode Tristram Schandi (1774) 6, 4.
2)
übertragen auf dinge und personen, die in ihrer funktion und ihrem aussehen einem striegel ähneln; vgl. auch striegel penis bei Lexer 2, 1239.
a)
auf geräte und dinge, die gerätcharakter haben. so von züchtigungs- und folterinstrumenten:
auch sach ich neben an den wenden
viel tausend eytel alter frawen,
thet man mit scharpffen striglen krawen,
und das ir blut seer von in flosz,
ir klag und jamer war sehr grosz (in der hölle)
H. Sachs 3, 597 lit. ver.
man gesegnets jm nit wie dem Salust mit peitschen oder dem schweitzerischen amptmann mit der achszt im bad, vnd dem domherren mit dem strigel (1575) Fischart Garg. 89 ndr.; er (ein kaufmann) het sich uf die sach (seine frau beim ehebruch zu überraschen) gerüst und im ein groszen hülzin strigel zurichten lassen Zimmer. chron. ²2, 485 Barack. fachsprachlich als fem.: werkzeug zum putzen der felle beim waschen Haltrich siebenb.-sächs. id. (1865) 91; ein kammähnliches instrument, dient z. b. zum aufrauhen der lehmwände vor aufbringung des putzes Mothes baulex. (1881) 4, 282. dialektisch '(grober) kamm':
chind, bis stil und fri
oder es chunt d'frau Vrīⁿ,
die het en groszeⁿ strigel
und zert diᶜʰ chech am rigel (zopf)
(kinderlied) bei Staub-Tobler schweiz. id. 11, 253 (s. v. stil);
mueˢᶻ -n-iᶜʰ mit ᵈem strigel hinder dīn burst? ebda 2145. nach briefl. mitteilung bezeichnet haarstriegel bzw. läusestriegel in Anhalt-Dessau einen kamm.vereinzelt: striel 'kleiderbürste' Müller-Weitz Aachen 238.
b)
vom volksmund auf die pflanzen nepheleum lapaceum L., ranunculus arvensis L. und caucales daucoides L. angewandt, deren stachelige früchte diese bezeichnung veranlaszten; näheres bei Campe 4 (1810) 715; Pritzel-Jessen pflanzen 324 und Marzell-Wissmann wb. d. dt. pflanzenn. 1, 868.
c)
im schwäb.-alemannischen sprachraum auch auf menschen angewandt; nach Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2146 auf einen schlottrigen menschen mit zerzausten haaren (er sieht einem striegel ähnlich), auf einen knauserigen, habsüchtigen raffer, geizhals (vgl. striegeln 4), auf ein aufgewecktes, arges weibsbild (vgl.hechel, teil 4, 2, sp. 736) und auf böse kinder (die den striegel 'prügel' — s. o. unter 2 a — verdienen? vgl. dazu strick 5ᵇ, sp. 1572). Fischer schwäb. 5, 1868 kennt fauler strigel 'fauler geselle', strigeljörg 'widerborstiger gesell'.
3)
in bildlicher verwendung (anschlieszend an den gebrauch 'instrument zum reinigen' ob. unter 1): das der mensch vestigklich sitze in dem sattel der taufflichen würckung dartzu sein notturfft zwen strigel (strigiles), daz ist zwifache merckung in dem gepet offenb. d. hl. Birgitte (1502) 4, 74. namentlich instrument des kritikers und satirikers: Thurnmeyer widerholte ... dasz ich einmahl für alle jetzo dem reformations-rath zu gehorsam mich und meine gesichte, die der hechel und des grossen strigels von nöthen hätten, demütig zu untergeben ... hätte Moscherosch gesichte (1650) 2, 857; und würde ich diesen punct (des aberglaubens) nicht einmahl meiner strigel gewürdiget haben Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 192;
(wenn unrecht geschah)
so schrie mein satyr gleich: die schärffste striegel her!
und wenn auch rad und schwerdt darauf gestanden wär;
so hätt' ich dennoch nicht den vorwitz zwingen können,
mir nicht das freye maul in schrifften zu verbrennen
Günther ged. (1735) 485;
(wenn Horaz und andere satiriker auferstünden)
so wär es gut für diese (lasterreiche) welt;
denn sie bedarf der schärffsten striegel
(1724) Triller poet. betracht. (1750) 2, 529;
wenn ich die kindische und läppische, niederträchtige und schlammichte poesie der märischen unität meiner striegel würdigen werde S. G. Lange geh. Siegfried (1747) 14. vgl. aus der gegenwart 'unkraut-striegel' als titel einer kritischen dorfzeitung, in Berliner ztg. v. 1954. — im polit. bereich: in Sardinien hat die freiheitskräze ... mehrere gegenden angestekt. der könig ist aber mit dem strigel (d. h. wohl: mit den truppen) hinter ihnen her, um ihnen das juken zu vertreiben Schubart chron. (1790) 158; dasz d'hitzig obrigkeit geg'n d'vorherige ein härtern striegel führt (dasz sie strenger regiert) Anzengruber ges. w. (1890) 8, 129.
4)
nur im hinblick auf antik-römische verhältnisse gibt striegel seit dem 16. jh. gelegentlich lat. strigilis 'zum abreiben der menschlichen haut gebrauchter schaber' wieder (auch der erste engl. beleg hierfür stammt aus dieser zeit [1581]; vgl. Murray 9, 1, 1125ᵃ): strigilis ein strigel, ein rybstein, wie mans (bei den Römern) in bäderen hat oder schaberle Frisius dict. (1556) 1247ᵃ; (die alten) auch sonderliche strigel oder kratzerlein hetten, den schweisz abzukratzen Rivius Vitruv (1575) 399; haben auch die alten Römer ... ihre strigiles, aber nicht mit scharffen zähnen, wie man die pferde strigelt, sondern gantz glatt, etwas krumm, ... und jeder hat, was vornehm war, seine eigne solche strigel gehabt, damit sie nach dem bad von ihren sclaven oder den badjungen sind bedienet worden Hohberg georg. cur. (1682) 1, 167. i puer et strigiles Crispini ad balnea defer aus Persius' fünfter satire gibt Herder wieder mit:
junge, geh hin und trage den striegel
in das bad des Krispins ...
26, 297 S.
zur abgrenzung von 1 entsteht das kompositum badestriegel: strigilis, quâ homines in balneis stringuntur Stieler stammb. (1691) 2199; striglia da bagno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1014ᵃ.
5)
nomen actionis (vgl. striegelung), wohl rückbildung aus dem vb. striegeln: dasz man bei den unterthanen den grundsatz der stallbedienten handhabe, welche die striegel für die halbe fütterung des pferdes halten Jean Paul w. 11/14, 470 Hempel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1593, Z. 1.

striegel2, m.

²striegel, m.,
'zapfen', nur vereinzelt als starker ansatz oder haken an maschinenteilen usw., s. Dannenberg-Frantz bergmänn. wb. (1882) 453; vornehmlich zapfen, um einen wasserausflusz zu verschlieszen oder stufenweise zu öffnen, auch die vorrichtung dazu. von ¹striegel durch bedeutung und verwendungsbereich unterschieden, gelegentlich ihm als masc. gegenübergestellt, so bei Adelung (beleg im kopf von ¹striegel). neben der herrschenden form striegel auch als striechel: 'striegel heiszt bei dem bergwercke derjenige zapfen, der auf dem bloszen heerde unter dem gefälle steckt, und vermittelst dessen man nach belieben mehr oder weniger wasser in das andere gefälle geben kan' Noel Chomel öcon.-physical. lex. 8 (1757) 1725; vgl. auch bergm. wb. (1778) 538ᵇ; zapfen im wasserbau Schaffer dt.-frz. wb. 2, 3 (1838) 307; 'auch die ganze ablaszvorrichtung' Mothes baulex. (1881) 4, 282; 'vorrichtung, um das wasser der teiche ablassen oder aufhalten zu können (Nordhausen)' Hertel thür. sprachsch. 238. — dazu striegelgerinne, n., wie teichgerinne 'ein gerinne oder eine röhre zum regelmäszigen abflusse des wassers aus einem teiche' Gätzschmann bergm. ausdrücke (1859) 78; —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1595, Z. 39.

striegel3, m.

³striegel, m.,
wie lat. striga 'der strich, die lange reihe des abgeschnittenen getreides oder grases, ein streifen land': vnd hat Sixt Kreytmair ... ein strigel aine holtzmarch mitten darin (zwischen zwei anderen grundstücken) (1531) mon. Boica 17 (1806) 484; 'man hat ... sehr viel ... worte, das feld-maasz anzuzeigen, als: nösel, gelenge, ... striegel, gehren, ... stücke, joche' Noel Chomel öcon.-physical. lex. 3 (1750) 1494; 'die einzelnen grundstücken, aus welchen diese gröszern flächen bestehen, haben ... besondere namen; man heiszt sie in einzelnen gegenden striegel, streil oder strick ein grundstück von unbestimmter länge und von einer breite einer ruthe zu 14 oder 16 schuh' Schilling landwirthsch.-recht (1828) 115; 'schmaler streifen, z. b. beim mähen: 'n strigel stauⁿ lauⁿ. strich landes, feldes, waldes' Fischer schwäb. 5, 1868; 'enger, steiler weg' Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2146. — als orts- und flurname, auch im kompositum, bei Fischer schwäb. 5, 1868 und Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2146 (hier für das jahr 1550: hus und hofstatt zuo Höngg am strigelgeszli gelegen); lehenstriegel Buck flurnamenb. 272.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1595, Z. 68.

striegel4, f.

⁴striegel, f.
(für lat. striga) in der botanik 'steifes haar, borstenförmiger teil auf der oberfläche von pflanzen'; näheres s. bei Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 422; desgl. bei Röhling flora (1823) 1, 86 u. Bischoff wb. d. botanik (1839) 198, die daneben a. a. o. in gleicher verwendung striegelhaar verzeichnen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1596, Z. 15.

striegel5, f.

⁵striegel, f.,
'kanüle', anknüpfend an lat. strigilis 'chirurg. werkzeug, etwas ins ohr zu tröpfeln': darnach nimm ohngefehr auff ein mahl anderthalb käse-näplein (von der bereiteten arznei) und geusz es dem vieh durch eine striegel in den halsz Walther pferde- u. viehzucht (1658) 68.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1596, Z. 21.

striegeln, vb.

striegeln, vb.,
mhd. strigelen. abl. von ¹striegel: '(etw.) mit dem striegel bearbeiten'. neben dem eigentlichen steht ein verbreiteter übertragener und bildlicher gebrauch.
1)
vom pferd, selten von anderen thieren (vgl. ¹striegel 1):
wan es (das pferd) wart vür wâr
nie gestrigelt noch begangen
Heinrich v. d. Türlin diu crône 19 810 lit. ver.;
Hansz, hastu mir daz rosz gestriglet Keisersberg brösamlin (1517) 1, 76ᵃ; wan der jungling das pfert kemmen und striglen wolt Wickram w. 2, 355 Bolte;
(ich will) mit fleisz versehen im sein pferd,
mit strewen, strigeln, füttern und trencken
Hans Sachs 21, 104 lit. ver.;
die rösser im stall ... gestrigelt werden müssen Guarinonius grewel (1610) 823; ich ... muste pferde strigeln Grimmelshausen Simpl. 135 Kögel; wenn man ... bey vierjährigen pferden erst anfangen will, selbige zum ... striegeln zu gewöhnen allg. dt. bibl. (1765), anh. z. bd. 25/36, 2318; wann wir die pferde striegeln Göthe I 8, 11 W.; den namen gottes führte er selbst beim striegeln seiner pferde im munde Gutzkow ritter v. geiste (1850) 6, 110; hinter dem zelt wollt ich dir das rosz striegeln W. Raabe s. w. I 4, 307 Klemm; ich ha'n 's ferd gestriegelt Gerh. Hauptmann weber (1892) 34; ein dienstknecht damit beschäftigt war, das schimmelpaar zu striegeln El. Langgässer d. unausl. siegel (1946) 163. bildlich: de hawersack striegelt am besten reichliches futter macht die pferde am glattesten (Ostholstein) Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 889. von anderen tieren. das rind: des kühirten ampt ist ... morgens sie zustriglen Sebiz feldbau (1579) 123;
wo teufel steckt der knecht im haus?
und gibt den ochsen futter;
legt frische streu und striegelt sie
Schubart s. ged. (1825) 3, 115;
dann ... striegelte A... die ochsen B. Auerbach schr. (1892) 9, 5; er hatte ... die kühe gestriegelt Paul Ernst d. glück v. Lautenthal (1933) 233. anderes:
kanst nit mer dann mülthier striglen,
den stal bewaren vnd verriglen
(1512) Murner narrenbeschw. 141 ndr.;
ich binn schon dran vnd strigel sie (die eselin)
Gengenbach 322 Gödeke;
da striegelten die treiber
die dampfenden kamele
Freiligrath ges. dicht. (1871) 1, 123
2)
übertragen auf verschiedene tätigkeiten, die dem eigentlichen striegeln (ob. unter 1) verwandt sind.
a)
vielfach dienen sie wie eigentliches striegeln zum putzen, säubern und ordnend glätten: Lenette, strähle und striegele jetzo nicht mit deinem besen — er lässet mich nicht denken Jean Paul w. 11/14, 134 Hempel. auf personen angewandt: und striegelte den beiden kindern mit schwamm und bürste den staub des weges von gesicht und kleidern Freytag ges. w. (1887) 12, 96. 'mit bezug auf das haar, statt gewöhnlichem strǟlen': ... ier strubbelchöpf, wend er iᶜʰ strigleⁿ loⁿ? Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2148. in bildlichem gebrauch: das soldatenleben striegelt und putzt den mann Auerbach schatzkästlein d. gevattermanns (1857) 325. sich striegeln, von tieren: nach eingenommenem frühstück nahmen sie (ein taubenpaar) in dem auf dem fuszboden aufgestellten gefäsz ein bad, striegelten und putzten sich und machten dann einen spazierausflug Göthes gespr. (1889) 7, 287 Biedermann; die schwarze katze hatte sich die pfoten geleckt und dann fein säuberlich die ohren und den bart gestriegelt Emil Ertl d. leute vom blauen guguckshaus (15.—19. taus.) 407. auch von personen: doch das hinderte ihn nicht, nach vollbrachter arbeit sich zu striegeln und zu putzen, wie er nur ... konnte, und sodann im kleinen stübchen der alten den möglichst eleganten kammerdiener zu spielen Holtei erz. schr. (1861) 24, 51; die flüchtlinge (in Frankreich) in dem fenster sahen neugierig zu, wie er (der deutsche soldat) sich mit der geliehenen bürste (beim waschen) striegelte A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 494. substantiviert: wenn sie (christl. frauen) einander wollen ... wieder die schand, hoffart vnnd vbermuth in schmücken, schmincken, striegeln vnnd spiegeln vermahnen Mathesius Syrach (1586) 2, 62ᵇ; in verbindung mit dem reimwort schniegeln:
du glättest und bügelst,
du schniegelst und striegelst
F. Frey ges. dicht. (1899) 50.
üblicher in partizipialem gebrauch nach dem muster geschniegelt und gebügelt (s. schniegeln teil 9, sp. 1331): der könne freilich nicht nebenbei geschniegelt und gestriegelt gehen, wie ein ladendiener Hebbel s. w. (1904) 8, 155 Werner.
b)
'streichen', ohne säubern zu wollen (vgl. dagegen ob. a): derowegen strigelt ich ... mein kleid mit beyden händen dermassen, dasz es schimmerte Grimmelshausen Simpl. 139 Scholte; (ein geistlicher) striegelt die backen, dasz sie nicht zu voll aussehen sollen Alexis die hosen (1846) 2, 1, 98. 'streicheln':
schicks, das ich dein leut so erman,
das ich spür, es sei gewendet an
basz, als strigeln am katzenpalg
vnd wasser am vngleschten kalk
Fischart w. 3, 11 Hauffen;
heut' geprügelt,
morgen gestriegelt
Immermann w. 16, 327 Hempel;
wo man de katt striegelt, dar is se ge̦rn ... je mehr (länger, düller) man de katt striegelt, umso höger bö̦rt se den ste̦rt (Holstein) Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 889.
c)
im späten mittelalter wie ¹striegel (s. d. 2) auch in obscönem sinne; s. die belege bei Lexer 2, 1239; ferner aus späterer zeit:
nun du ein eigen pferd an deine krippe führst ...
wie wirst du immerhin den strengen dienst verwalten?
denn dieses glaube nur, dasz solch ein klepperlein (die junge frau)
will teutsch gestriegelt und französch gefüttert seyn
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 6, 260 Neukirch.
3)
'prügeln, plagen' (vgl. ¹striegel 2 a). 'in pöbelreden' Frisch dt.-lat. (1741) 2, 348ᵃ; 'im gemeinen leben' Adelung wb. 4 (1801) 451; Campe 4 (1810) 715.
a)
'prügeln, schlagen': das weib (eines kaufmanns, das dieser beim ehebruch ertappt hatte) entlief im, aber den Moser (seinen schreiber) strigelt er mit dem hilzin strigel, in maszen er in im badt vor todt ligen liesz Zimmer. chron. ²2, 485 Barack;
meister, das ist der Eulenspiegel,
der wol verdient, dasz man jn striegel
Fischart w. 2, 220 Hauffen;
ihme einer unter ihnen mit einer peitsche den rükken in etwas striegelte S. v. Birken Pegnitzschäferey (1645) 56; bald darauf fiel ihm (einem gegeiszelten) ein, sein unbarmherziger oheim, der ihn also durch seine eigene leute hatte strigeln lassen, würde von ihr ... geliebet werden Buchholtz Herkuliskus (1665) 517; striegelten sie (bauern, tagelöhner) die commissarios mit besemen, die man militarische execution nennete Grimmelshausen Simpl. 44 Scholte; (sie) peitschten und strigelten ihn nun zum fünfften mal so unmenschlich, dasz das fleisch hie und da herabfiel E. Francisci traursaal 3 (1677) 729;
bin ich ein mönch, so wird ich hart gestriglet;
bin ich ein soldat, so wird ich offt gebrüglet
Abraham a s. Clara Judas (1686) 1, 213;
die andern buebn kommen alle zusammen, die haben mich gestriglt und so grausam geprüglt Stranitzky reisbeschr. 17 W.;
der kerl will mich durch knechte lassen prügeln?
ich noch ein schüler? ha! ich will den praler striegeln,
dasz er, so lang er lebt, an mich gedenken soll
dt. schaubühne (1740) 6, 460 Gottsched.
in den obd. maa., so in Österreich, Bayern, Schwaben, im Elsasz und der Schweiz, ist striegeln im sinne von 'schlagen, verprügeln' durchaus geläufig, s. die mundartl. wbb.von tieren: darumb er seinen leib hiesz bruͦder esel, als der ein schlechtes fueter soll essen, schwere pürdt tragen und offt mit der gaissel gestrigelt werden legend d. hl. vatters Francisci (1512) 26ᵇ;
dachten, den fuchs feindlich zu strigeln
mit zweien dicken, grossen prügeln
B. Waldis Esopus 2, 289 Kurz;
den Minotaurus half sie mir zu tode striegeln Kotzebue s. dram. w. (1827) 3, 287.
b)
in einem weiteren sinne 'hart mitnehmen': in deme ... die spanische von den herrn stadten der vereinigten Niederlande zu wasser derogestalt gestriegelt worden, dasz sie über drittehalb tausend todte ... verlohren Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 264. mundartl.: chumᵐ, verzell, wiᵉ händ s' diᶜʰ g'striglet z'Länzbiʳg ëneⁿ (im zuchthaus)?; unpersönl. es hät eⁿ g'striglet stark mitgenommen, z. b. durch eine krankheit Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2149; vgl. auch Fischer schwäb. 5, 1868. wiederholt die bauern striegeln: strapazzare, aspreggiare; placken, plagen, pressen, schinden etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1014ᵇ; vexare rusticos Frisch dt.-lat. (1741) 2, 348ᵃ; 'plagen' Adelung 4 (1801) 451: ihr edelmann hatte sie gestriegelt und geschunden (die bauern), dasz sie ihm sein schlosz wieder aufbauen muszten Alexis Woldemar (1842) 1, 122. anwendung auf die gerichtliche bestrafung verzeichnen Martin-Lienhart elsäss. 2, 628ᵇ und Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2149. 'streng bestrafen' Fischer schwäb. 5, 1868.
4)
bildlicher gebrauch; häufig von der tätigkeit des kritikers: wenn Melanchthon ... und andere, welche vom Scaligero und Jonstono in Constantiâ Naturae, gestrigelt und wacker übern kamm geputzet werden, recht haben Prätorius glückstopf (1669) 110;
(die tollen spötter) die, wie ein frecher gaul, den, der sie striegelt, schlagen
(1718) J. C. Günther ged. (1735) 411;
dasz diejene, welche besser verstehen den Pegasus zu striegeln (dichtung zu kritisieren) ..., als zu lesen und buchstabiren Lindenborn Diogenes (1742) 2, 259;
sehet auch, wie ihr (xenien) in S. den groben fäusten entschlüpfet?
die Berenices haar striegeln mit eisernem kamm
Schiller 11, 107 G.;
die schlechten grammatiker sind ihm (Frischlin) alte dürre gäule, die durch striegeln gereinigt ... werden müssen Scherer kl. schr. (1893) 2, 64; ich bin auch seiner meinung, und sehe es recht gern, dasz er die kerls (eine behörde) mit geschmackloser, aber empfindlicher bürste striegelt Pückler briefw. (1873) 5, 242. mit abgeschwächtem bildgehalt: diesen pater hat bereits ein gelehrter Franzose ... wohl gestriegelt Leibniz dt. schr. (1838) 2, 485;
wie wird es, spricht Paszquin, dir nun von statten gehn!
man wird die halbe welt von dir gestriegelt sehn;
denn willt du weiter noch von thorheits-mustern schreiben,
so werden wenige hier unerwehnet bleiben
(1729) Hagedorn vers. 54 ndr.;
ein boͤser scribent, der, wenn er mit vernunft gestriegelt worden, sich auf diese art wehren will (dasz er sich an die obrigkeit um bestrafung seines gegners wendet), vergrössert nur sein unglück Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 312; die offensive kritik hat wirklich ihre kunstwoͤrter im deutschen: ... einem den bart waschen, einen versohlen, bürsten, kämmen, striegeln, durch die hechel ziehen u. s. w. Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 274; sie haben mich in ihrer rezension ein wenig gestriegelt Pückler briefw. (1873) 6, 4. in ungewöhnlicher konstruktion:
man critisiert zu sehr ...
vnd striegelt über jeden her
Stoppe Parnass (1735) 233;
das striegeln richtet sich auf ein sachliches objekt: die gestriegelte rocken-philosophia, oder auffrichtige vntersuchung derer von vielen super-klugen weibern hochgehaltenen aberglauben (titel) J. G. Schmidt rockenphil. (1706) 1, (a) 1. namentlich auf literarische erzeugnisse: man war auch schon begriffen abrede zu nehmen, wie der 'hamburgische patriot' nach verdienst könnte gestriegelt werden Bodmer poet. schr. (1741) 2, 159; so will ich (Goethe) ihm (Gellert) etwas durch eine dritte hand schicken, er soll es öffentlich striegeln, ich will zuhören und euch alles schreiben (1767) Göthe IV 1, 89 W.; haben sie (Herder) denn den Sebaldus Nothanker nicht gelesen, dasz sie mir nicht ein wort von ihm schreiben? ... in dem deutschen Mercur ist er angenehm gestriegelt worden (1773) Hamann schr. (1821) 5, 43. deutlich anknüpfend an den gebrauch unter 3 a: habe ich (die personifizierte kritik) dir (einem kunstrichter) nicht längst die geiszel in die hand gegeben, die poeten und die prosaischen schriftsteller zu züchtigen? ... besinne dich, wie du den Arminius und Herkules, den Hofmannswaldau und Amthor gestriegelt hast J. J. Schwabe belust. (1741) 1, 56; (der marschall Vieilleville) wollte das sprüchwort: 'erst musz man den hund und dann den löwen schlagen', umkehren, und er habe es sich geschworen, die löwen (d. i. die führer der aufrührerischen truppe im gegensatz zu den einfachen soldaten) recht zu striegeln, damit die hunde zittern ... möchten Schiller (1834) 1131ᵇ. laster striegeln:
nicht dasz ich thöricht mich vor einen engel halt',
wenn ich mit kühner hand manch scheuszlich laster striegle
Wernicke poet. vers. (1704) 295;
der anfang der griechischen schaubühne war satirisch, erstlich zwar allgemeine laster, hernach aber besondere personen zu striegeln neuer büchersaal (1745) 1, 269. — dagegen wird wieder das bild des säuberns mit dem striegel mundartlicher verwendung zugrundeliegen: '(äpfel) haufenweise schütteln, abwerfen, stehlen, (obst, feldfrüchte) freveln' Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2150; die bueweⁿ hän die kirscheⁿ gᵉstrigᵉlt Martin-Lienhart elsäss. 2, 628ᵇ; die bäume striegeln 'das obst herunterschütteln': de gunge ham die baamer gestriegelt, asz se de äpfel kaam nei de taschen gebracht ham Müller-Fraureuth obersächs. 2, 577ᵃ. dasselbe bild wird auch dem folgenden gebrauch zugrundeliegen: '(jmd.) zum zahlen nötigen, betrügen, ihm geld abnehmen' Fischer schwäb. 5, 1868; 'einen übervorteilen, unnachgiebig, geizig sein im handel': dër hed er eⁿmāl wider g'strigglet Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2150; 'betrügen, überfordern': diᵉ hän eineⁿ awer gᵉstrijᵉlt in dem wirtshus Martin-Lienhart elsäss. 2, 628ᵇ.
5)
zu ¹striegel 4 gehört wohl: so der künig zu gericht sitzt die klagenden zu verhören, pflegt er, die weil sy klagen, seins leibs vnd laszt sich yr drey striglen, das sy für gsund vnd ein artzney bey yn halten (bei den Indern) S. Franck weltbuch (1534) 193ᵇ. s. auch badegestriegelt teil 1, sp. 1071.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1596, Z. 69.

verstriegeln, verb.

verstriegeln, verb.,
zu striegel, striegeln (s. d.): durchstriegeln, verstriegeln, perfricare .., metaphor. fuste dedolare Stieler 2199.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1913), Bd. XII,I (1956), Sp. 1806, Z. 38.

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streitig stromähnlich
Zitationshilfe
„striegel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/striegel>, abgerufen am 24.11.2020.

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