Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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strippe, f.

strippe, f.,
schlinge, schlaufe; riemen, strick, bindfaden. nd. entsprechung des hd. strupf(e), strüpfe. die unter strupf, teil 10, 4, sp. 137 gegebene germ. etymologie wird von Frings Germ. Romana 159 f. wenigstens für ags. engl. strop und dt. strop aus geographischen gründen abgewiesen; sie müssen aus lat. roman. struppus, stroppus 'gedrehter riemen, ruderstrippe' entlehnt sein. immerhin bleibt für die jan- und jō-bildungen nd. strüppe, obd. strüpfe, strupfe die möglichkeit oder wahrscheinlichkeit einheimischer herkunft bestehen.in strippe sind jedenfalls zwei verschiedene wörter zusammengefallen: einerseits das mit streifen etymologisch verwandte mnd. strippe 'schlinge, schlaufe', das in nhd. zeitauch mundartlich zumeistdie bedeutung '(stiefel-)schlaufe' (s. u. 1 b) übernommen hat; andererseits das aus dem ostmd. strüppe entrundete strippe, das in der bedeutung 'riemen; gedrehter strick, bindfaden' (s. u. 2) im 19. jh. vor allem von Berlin aus sich weiterverbreitete (s. Kluge-Götze etym. wb. ¹⁵774ᵃ) und dem das mnd. strop 'gedrehter strick' (Schiller-Lübben 4, 441) entspricht, vgl. A. Lasch berlinisch 211. zur mundartl. verbreitung vor allem der formen strupf(e), strüpfe, struppe sowie der formen strop(p), stro(e)p und zu deren z. t. verschiedenartiger bedeutungsentwicklung s.strupf 1 und 2 sowie Frings a. a. o. und Kretschmer wortgeogr. 504. die i-formen haben ihre stärkste verbreitung im md. und nd. gebiet: Müller-Fraureuth obersächs. 2, 577ᵇ; Jecht Mansfeld 109ᵇ; Frischbier pr. 2, 381; Mensing schlesw.-holst. 4, 895; Frederking Hahlen 137ᵃ; Martin Waldeck 272ᵇ. vgl. hierzu Kretschmer a. a. o.
1)
schlaufe, schlinge; mit seinen enden an einem gegenstand befestigtes oder mit sich selbst ösenartig verknüpftes (leder)band.
a)
von dem zug(-band), der schlinge an einem geldbeutel; mnd.:
vorwar, Claws, umb' den drunk bistu en rive (verschwenderischer)
gast,
men schaltu offern, so sitten di de strippen fast
bei Schiller-Lübben 4, 438.
ähnlich in den maa.: strupp, stropp vorrichtung zum zusammenziehen mit einer schnur (an kleidern, etc.), s. Kehrein Nassau 397; Crecelius oberhess. 820; Schmidt Westerwald 245; Stürenburg ostfries. 269ᵃ.
b)
auf hd. gebiet zufrühest von der schlaufe am stiefelschaft. zunächst nur lexikalisch nachweisbar: stripp (m.) von einem stieffel vne attache de botte Duez germ.-gall.-lat. (1664) 2, 501ᵃ; strippen dicuntur ligamenta ocrearum intus assuta, pro induendis ocreis Stieler (1691) 2193; strippe, struppe tirante da stivale, stiefel-strippen oder struppen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1014ᶜ; strippen oder struppen ... die beide handgriffe, womit einer seine stiefeln anziehet, the boot-straps Ludwig teutsch-engl. (1716) 1900; strzemionko die strippe am stiefel dt.-poln. wb. (1775) 465; Adelung 4 (1780) 831. literarisch erst im 19. jh. nachweisbar: dasz dieser stiefel (Italien) zwei strippen haben musz, Welsch-Tyrol und Istrien, giebt Deutschland nicht zu Jahn w. (1884) 2, 1019; wir können keine strippe am stiefel herzhaft anziehen, ohne den kraftversuch zu bereuen B. Goltz hinter d. feigenblättern (1862) 2, 194; alles in ordnung: strippen und schäfte, oberleder, spanne, hacken und sohle? W. Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 10; die hohen stulpstiefel ..., aus denen die strippen vierfach ihre steifen ohren herausspitzten E. Frommel ernstes u. heiteres (o. j.) 4. mundartl. vorwiegend für den md. sprachraum bezeugt, doch vgl. auch Frischbier pr. 2, 381; Mensing schlesw.-holst. 4, 895; Woeste westfäl. 259ᵃ; Martin-Lienhart elsäss. 2, 634; Seiler Basel 282ᵇ.
c)
von jeder art (band-)schlaufe, schlinge; strippe eine schleiffe oder zusammen gelegtes band, welches an einen andern körper befestigt wird, denselben daran zu ziehen oder fest zu machen ...; schleiffen von bindfaden oder band ... an die leinwand genähet, sie auf der bleiche daran mit pflöcken zu befestigen Adelung 4 (1780) 831. literarisch: am besten werden diese tücher an den vier enden mit strippen versehen, durch welche zwei stangen zum tragen durchgeschoben werden Schwerz prakt. ackerbau (1882) 589; die soldaten tragen halbstiefeln mit weiten pantalons ohne strippen (s. u. strippenhose) Pückler-Muskau südöstl. bildersaal (1840) 1, 363; aus dem zeitalter der hosen mit strippen, ... der vatermörder in das mittelalter ... zu flüchten, ... das ... war groszen und kleinen kindern erlaubt Lagarde dt. schr. (1886) 12. 'gürtelschlaufe': wie man ihn (den gürtel) anbringt, zeigt die hose ..., an der rings um den hüftenteil sich strippen befinden M. Heyne körperpflege u. kleidung (1903) 262. vgl. auch: strippe auf die angel eines seitengewehrs geschobene lederstrippe zum besseren festhalten der waffe mit der hand Stenzel dt. seemänn. wb. (1904) 408ᵇ.
2)
'riemen; (geflochtener oder gedrehter) dünner strick; bindfaden, schnur'. bei Frisch dt.-lat. (1741) 2, 348ᵇ als striepe 'riemen' (auch strippe, struppe); strippen 'riemen an den satteln, felleisen, reit-küssen u. s. f. ..., womit man dieselben zusammen schnallet oder gürtet' Noel Chomel öcon.-physic. lex. 8 (1757) 1725; fachsprachlich bei sattlern die riemen für gurte eines sattels Heinsius 4, 895ᵇ; ähnl. Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 747ᵃ. — literarisch zunächst allgemein 'riemen, band, strang': strippen oder riemen, so hinten am bunde desz buchens rücken hervorgucken Prätorius glückstopf (1669) 130; (die Hottentottenfrauen) haben an der schaam zwey fleischriemen oder strippen herunter hangen Olearius orient. reisebeschr. 2 (1696) 4. 'strähne': über den achseln (der statue) herunter hängen auf jeder seite vier lange geschlängelte strippen haare Winckelmann s. w. 3 (1809) 193 u. ö.; vgl. in den westmd. maa. strupf, strupp, schdrobb (büschel) haare Crecelius oberhess. 820; Schmidt Westerwald 245; Kehrein Nassau 397; Heinzerling-Reuter Siegerland 249ᵃ; strippsel haarsträhne Schön Saarbrücken 204ᵃ. — seit dem 19. jh. umgangssprachlich vorwiegend im Berliner raum für jede gedrehte oder geflochtene schnur; band, strick: guckkästner: ... kommen se näher, meine herren musjes! einen sechser das loch! sie werden sich amüsiren. so, treten se näher! Dorothea, zieh de strippe los! Glassbrenner Berlin (1833) 6, 2, 5; den Bologneser der kommerzienrätin an einer strippe führend Fontane ges. w. (1905) I 8, 97; nu rede nich erscht und hol deine strippe (zum karrenziehen) Gerhart Hauptmann biberpelz (1893) 33; auch muszten die enden der trageriemen als strippen geflochten werden Wilhelm I. militär. schr. (1897) 1, 109; erst nach dem ersten anziehen (des wagens) ... konnte überschlagen werden, wieviel stricke und strippen reiszen und wieviel halten können Gräfin Sophie Schwerin vor 100 jahren (1909) 53 Romberg; zur schleuderschnur nehmen wir eine lange strippe doppelt, knoten sie am ende zusammen, so dasz eine schlingenstrippe entsteht daheim (12. 4. 1934) 9ᵃ. — ebenfalls umgangssprachlich in festen, z. t. bildlichen redewendungen: et rejent (regnet) strippen Brendicke Berliner wortschatz 179ᵇ; (vom abfeuern der geschütze:) sie ziehen an der strippe Imme soldatenspr. (1917) 127. auf den draht der telefonleitung übertragen: Liselotte hängt jetzt sicher an der strippe und telephoniert Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 228. vgl. u. strippenjunge 2. übertragen: (mit) freude am loslassen der strippen, an denen die gesetzte logik die gedanken bewegt Mühsam namen u. menschen (1949) 194. so in den redewendungen jemanden an der strippe haben 'in der gewalt und unter seinem einflusz haben' und jemanden an die strippe nehmen: die hat se alle an de schtrippe Brendicke Berliner wortschatz 179ᵇ; in der dämmerung laszt ihr (frauen) euch von uns (männern) führen, am hellen mittag nehmt ihr uns an die strippe H. Löns d. zweite gesicht (1915) 104; jetzt hätte er sie (die jungen) zu hause an der strippe, wüszte, dasz sie aufpaszten, und lernte selber noch einmal mit daheim (7. 12. 1933) 9ᵇ; jetzt aber, wo sie (die nazis) den jungen gerade fest an der strippe hatten, ... jetzt konnten sie ihn zu ihren tollsten streichen verwenden A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 481.
3)
fachsprachlich beim fischfang die schürzschnur an einer bestimmten art von wurfnetzen, s. A. Seligo fanggeräte (1914) 93. vgl. auch stripp schlinge, meist aus pferdehaar, zum hechtfang Mensing schlesw.-holst. 4, 895 f. (strippen hechte mit der stripp fangen ebda); ströpp, f., zugnetz der fischer luxemb. ma. 431ᵃ.
4)
schtrippe das zu einem glase weiszbier gehörige glas kümmelbranntwein Brendicke Berliner wortschatz 179ᵇ: ich muszte mit von seiner weiszen trinken, und er bestellte mir eine strippe dazu H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 55; vgl. voll wie eine sackstrippe völlig betrunken Müller-Fraureuth obersächs. 2, 577ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1618, Z. 7.

strippen1, vb.

¹strippen, vb.,
'schlaufen annähen', denominativum zu strippe 1 c; vgl. ²strupfen 'nodare, ligare', teil 10, 4, sp. 140; nur mundartl. im nordwestdt. raum: een stukk linnen strippen brem.-niedersächs. wb. 5, 1061; Doornkaat Koolman ostfries. 3, 340ᵃ. vgl. unter ²strupfen die mundartl. zeugnisse für ströppen 'wild in schlingen fangen'.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1620, Z. 53.

strippen2, vb.

²strippen, vb.,
gleich nld. strippen im ablaut mit ²streifen ob. sp. 1264 wie ³strupfen teil 10, 4, sp. 140 mit straufen ob. sp. 997.
1)
umgangssprachlich und mundartl. '(ab)streifen, (wiederholt) durch die finger ziehen', z. b. beeren, laub; vorwiegend nd. undzumeist in den formen ströppen, streppen — westmd. bezeugt, z. b. Böning Oldenburg 110ᵃ; brem.-niedersächs. wb. 5, 1061; Hennig pr. wb. 267; Kehrein Nassau 1, 396; Schmidt Westerwald 244; Kisch vgl. wb. 2, 18ᵃ; doch auch älterer schwäb. mundart geläufig, vgl. Fischer schwäb. 5, 1868: das land abgefretzet, dass die bäume da gestanden als wann sie gestrippet Conrad Dieterich erkl. üb. d. proph. Nahum (1658) 1193. bisweilen auch für 'jem. ausziehen, entblöszen' Doornkaat Koolman ostfries. 3, 339ᵇ; Christa Trier 202; Autenrieth pfälz. id. 138; refl. 'sich umziehen' Schön Saarbrücken 204ᵃ; Follmann Lothr. 507ᵃ. 'die haut abziehen' (tätigkeit des fleischers) Jacobsson technol. wb. 7, 476ᵇ; Follmann Lothr. 507ᵃ; schinden Doornkaat Koolman ostfries. 3, 339ᵇ. hier ist vielleicht anzuschlieszen die in der soldatensprache übliche wendung gestrippt werden für 'gedrillt werden', s. Horn soldatenspr. (1899) 9; Imme soldatenspr. (1917) 77 (oder zu ³strippen und ¹stripsen?) sowie strippen 'jem. überfordern; übervorteilen', z. b. bei zahlungen (dazu vgl. ²streifen II A 1 d, sp. 1274): Böning Oldenburg 110ᵃ; Follmann Lothr. 507; Reuting Höchst 44; Kehrein Nassau 1, 396; ebenso strüpfen Vilmar-Pfister Hessen 291. 'betrügen, ausplündern, beschädigen': strippen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 577ᵇ; stripfa Sartorius Würzburg 120. vgl. stripert, schtröppert beutelschneider, gelderpresser, wucherer; leuteschinder Follmann Lothr. 507ᵃ; luxemb. ma. 431; ströpper leute, die sich ihre dienste doppelt bezahlen lassen Schmidt Westerwald 244. literarisch begegnet ein ausstrippen in mundartlich gefärbter sprache: die (geldfürsten) rede von menschlichkeit, aber sie wisse net, was das eigentlich is, die strippe ein'm aus, um ein'm nachher im hospital ei bett zu stifte Val. Traudt d. winkelbürger (1917) 178.
2)
mundartlich und umgangssprachlich 'kleinigkeiten (obst u. dgl.) entwenden, stehlen' (wohl vom eiligen abstreifen, abreiszen des obstes her zu verstehen). bisweilen euphemistisch: aber in des nachbars garten äpfel strippen, pflaumen stritzen, galt ... als verdienstliche that hess. qu. v. 1881 bei Sanders erg.-wb. 535ᶜ (vgl. ¹striezen sp. 1613; gestohlen wurde nicht, aber 'gestrenzt' oder 'gestrippt' C. Vogt aus m. leben (1896) 71; vgl.auch war das obststrippen, wie wir (die schuljugend) es nannten, eine lieblingsbeschäftigung im sommer und herbst (1910) Bebel aus m. leben (1946) 1, 25. sonst nur in einigen westmd. maa.: Schön Saarbrücken 204ᵃ; Follmann Lothr. 507ᵃ; Waldbrühl rhingscher klaaf 211; Martin Waldeck 272; ströppen Gerhard Siegerl. bergmannsspr. 166; ebenso strüpfen Crecelius oberhess. 820. ostmd. dafür stripsen, s. ²stripsen 1, sp. 1623.
3)
'melken' (s. ²stripsen 2, sp. 1623): strippen, striepen Mensing schlesw.-holst. 4, 895; 893; Doornkaat Koolman ostfries. 3, 339ᵇ; brem.-niedersächs. wb. 5, 1063; Böning Oldenburg 110ᵃ; Mi Mecklenburg 88ᵃ; Deiter Hastenbeck 148; Flemes Kalenberg 367. so auch mundartl. in den nord. sprachen: dän. strippe, schwed. strippa, norw. stripla, s. Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 1181. vgl. unten stripp strapp strull.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1620, Z. 60.

strippen3, vb.

³strippen, vb.,
nur mundartlich in der bedeutung 'schlagen, hauen, peitschen'; s. dazu ¹stripsen (sp. 1622): Doornkaat Koolman ostfries. 3, 339ᵇ; Schön Saarbrücken 204ᵃ; Schmeller-Fr. 2, 818.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1621, Z. 50.

strippert

strippert,
genus?, rumex acutus L., spitzblätteriger ampfer, pferdeampfer (stripplattig) Campe 4, 716ᵃ; vgl. u. stripplattich. rumex acuta, oxylapathus ... strupfflattich, strippert Alberus (1540) FF 3ᵃ; Cholinus-Frisius dict. (1541) 621ᵇ; rumex acutus strippert Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 312; Nemnich (1796) 5, 581; ampfer, spitzblättriger, ... streifwurz (s. d.), strippert Holl pflanzenn. (1833) 14ᵇ; Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 349; die ander wild rumex (wie z. b.) ... strippert ... steht in der ersten zal Dios. (d. i. Dioscorides), das nent er oxylapathon Bock kreutterb. (1539) 1, 91.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1621, Z. 54.

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Zitationshilfe
„strippen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/strippen>, abgerufen am 29.11.2020.

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