Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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strohfiedel1, f.

¹strohfiedel, f.,
volkstümliche bezeichnung für das xylophon, auch holzharmonika, hölzernes gelächter, s. gr. Brockhaus ¹⁵20, 506; engl. strawfiddle, vgl. nl. strooviool: crotalum, barbitum ein strofeddel Trochus voc. rer. (1517) L 4ᵃ; lignea craticula ein strohfidel Orsäus nomencl. meth. (1623) 210; organum pastoritium Stieler stammb. (1691) 490; baurenfidel, strohfidel ribecca Kramer t.-ital. 1 (1700) 368ᶜ; ein musicalisches instrument, welches aus 17 viereckichten stöcken von buchen-, ahorn- oder anderm wohl ausgetrocknetem holtze besteht Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1732; ein unbedeutendes musikalisches werkzeug, welches aus dünnen hölzern bestehet, die, wenn sie auf gebundenes stroh gelegt werden, einigen klang von sich geben, wenn man mit kleinen hämmern darauf schlägt Adelung 4 (1780) 833; Campe 4 (1810) 717. die mit einfachen mitteln herstellbare strohfiedel fand in früherer zeit als primitiv-volkstümliches musikinstrument weitere verbreitung (als herkunftsland wird Flandern genannt, music. lex. [1749] 366); wort und sache scheinen im 16. und 17. jh. besonders im ostmd. gebräuchlich gewesen zu sein: und ist fast so ein spil wie mit der strohefidel, so man viel in Diringen gebrauchet Lubenau beschr. d. reisen 2, 25 Sahm; der gaͤrtner konnte ein wenig auf dem hoͤltzernen gelechter oder wie mans in Sachsen heisset, auf der strohfidel (aufspielen) Zendorius winternächte (1682) 89. in den meisten zeugnissen ist eine gewisse geringschätzung dieses oft der volksbelustigung dienenden instruments zu erkennen: nos laudamus deum mit strohfiddeln, tauben schellen vnd kue schellen Luther tischr. 2, 169 W.; dann welche got vormeynen nach ... erdichten weysen zuͦ loben, ... die seyn nit anderst den strofidelen, huͤltzen gelechter, fasznacht possen vnd spotter gottes W. Linck d. letzsten drey psalmen (1523) A 3ᵃ; weil sie von dem comitibus palatinis, so iede strohfiedel pro lyra Horatiana angenommen haben, ... unwuͤrdigerweise zu esel- oder edel (wie mans heisst) gekroͤnten poeten sind ernannt worden Chr. Gryphius helic. reichstag (1673) 122; wann einer die ungereimte verse hoͤher als die andern halten wolte, were es eben, als wann einer einen strohfidel vor einer wollgestimmten geige den vorzug gebe Morhof unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 569; (ein) pickelhering ..., welcher auff der strohfiedel geschlagen hat J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 189; die sachen (die Strauszwalzer) sind ohne spur von genie; ein ... zusammenwirken aller möglichen hascheffecte. denkt man sie sich in einem hell erleuchteten Wiener tanzsaale, ... so mag dies schlittengeläute, ... die nachtigallflöte und die strohfiedel sich ganz amüsant machen Immermann w. 19, 127 Hempel. in anlehnung an die redensart alte leier: der papisten alte strohfiedel vnd logica Rinckhart christl. ritter 49 ndr. sinnbildlich für eine einfache, unkomplizierte ausdrucksweise: wenn ich mit meiner deutschen strohfiedel den reinen flüchtigen weltton unserer nachbarn nicht zu erreichen vermag Thümmel reise (1812) 5, 357. übertragen auch von einer schlecht klingenden geige: mein meister nahm die geige aus dem kasten; kaum strich er aber stimmens halber die saiten an, als der baron ... wie auszer sich schrie ... ich bitte euch um gottes willen, wie könnt ihr nur mit eurer erbärmlichen schnarrenden strohfiedel euer ganzes spiel verderben E. T. A. Hoffmann s. w. 8, 236 Gr.; die elendste bratsche und strohfidel schreit meines bedünkens lauter Jean Paul w. 7/10, 406 Hempel. so vielleicht auch schon qei Fischart (zur form vgl. ²strohfiedel):
er awer trat har auff tem stro,
hat ein strofitel an dem kropff,
vnd spilet for sein vnmut to
Fischart Garg. 44 ndr.
mundartlich: 'bezeichnung einer futterstroh - schneidmaschine' Unger-Khull steir. 584ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1659, Z. 1.

strohfiedel2, strohfitel, f.

²strohfiedel, -fitel, f.,
liederliche, unzüchtige weibsperson:
strohfidel eene ligtvink, hoerägtig vrouwmensch
Kramer-Moerbeek dt.-holl. (1768) 332ᵃ.
das grundwort ist urspr. mit fiedel, f. (wie in ¹strohfiedel) identisch; vgl. 'niedersächs. fiddel unzüchtiges weibsbild' Adelung 4 (1780) 1580; das bestimmungswort erklärt sich aus dem anwendungsbereich von stroh 1 c α:
derhalben vnnd dieweil er mercket, dasz die strofitel Venus zu einem widerschein gern stuͤnde an der sackpfeiffen Bauchus, vnnd neben der bauchfuderigen Zeres
Fischart Garg. 88 ndr.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1659, Z. 72.

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Zitationshilfe
„strohfiedel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/strohfiedel>, abgerufen am 29.11.2020.

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