Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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strollen1, vb.

¹strollen, vb.,
(ziellos) umherstreichen, -schwärmen, (herum)strolchen. vgl. alem.-bair. stroll, m., engl. stroll, vb. und subst. sowie ¹trollen, teil 11, 1, 2, sp. 801. mundartl. nur im (bair.-)alem. (meist mit vokaldehnung vor l, s. Staub-Tobler 2, 214 s. v. gol) bezeugt: stroleⁿ Staub-Tobler 11, 2233; strolen (auch strâlen) Schmeller-Fr. 2, 813. lexikalisch als obd. mundartwort neben strolchen gebucht bei Heynatz antibarb. 2 (1797) 458; Campe 4, 718ᵇ. literarisch nur vereinzelt: wann nun die knaben ... auff der gasse herumb strolte (1673) Grimmelshausen Simpliciana (Teutscher Michel) 187 Scholte;
so hab ich den Kilâber (mann aus Kilâb) bewirtet, als ers wollte;
und so einst deine (eines hirten) mutter, als sie zu mir strollte
Rückert Hamâsa (1846) 2, 198.
dazu stroller, m., vagabund, strolch, s.stroll, m. sowie gleichbedeutendes engl. stroller. nur bei Kluge rotwelsch (1901) 341 und in den formen strōler, ströller bei Staub-Tobler 11, 2233 bezeugt: (die stadtrichter) habend ihne anfangs nur gespillt (verspottet, nicht ernst genommen), ihme nit gehör geben und gesagt, er sei ein ströller, habe seines vaters mantel an qu. v. 1681 bei Staub-Tobler a. a. o.vgl. auch die nur im schweiz. bezeugte form strolig, adj., (s. strolchig) 'herumstreichend; liederlich, unstet' Staub-Tobler 11, 2233; auch gebraucht als 'superlativ der bösen beschaffenheit eines dinges': strolige noth, strolig viel Stalder schweiz. id. 2, 410.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1688, Z. 17.

strollen2, vb.

²strollen, vb.,
von flüssigkeiten, die (in strahlen) geräuschvoll strömen, flieszen: nebenform zu vornehmlich nd. strullen, teil 10, 4, sp. 109; vgl. auch stripp, strapp, strull sp. 1622 sowie strahlen 5, teil 10, 3, sp. 800. überwiegend mundartl.; auszer bei Mensing schlesw.-holst. 4, 902 nur im alem. bezeugt: strollen, strolen stark herausströmen (blut aus der wunde, milch aus dem euter), stark, heftig regnen Fischer schwäb. 5, 1876; letzteres auch bei Staub-Tobler 11, 2233; strole flieszen (wasser etc. aus gefäszen) Meisinger Rappenau 187. so auch lexikalisch als schwäb. wort verzeichnet bei Campe 4, 718ᵇ; s. hierzu die flurnamen stroll, m., 'flut' (im württemb. Schwaben) Buck obd. flurnamenb. 272 und ströller 'quelle' Fischer schwäb. 5, 1876. literarisch nur vereinzelt in komposition: man vernahm keinen sterbenslaut als den des eigenen fusztritts und den regen, der von den dächern niederstrollte Mörike w. 2, 108 Maync.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1688, Z. 45.

strullen, verb.

strullen, verb.,
von flüssigkeiten: mit geräusch und in gestalt eines strahles hervorspritzen Campe 4, 721. durch ganz Niederdeutschland verbreitet, auch in niederl. maa. (stroelen, struilen): streulen v. d. Schueren Teuth. 382ᵃ Verdam. auf md. gebiet verzeichnet von Hertel Thür. 238; Hentrich Eichsfeld 14; Liesenberg Stieger ma. 208. entstehung aus strudeln, worauf die bedeutung führt (Frisch 2, 349ᵇ; brem.-ndsächs. wb. 4, 1071; Doornk.-Koolm. 3, 346), recht wahrscheinlich, vgl. die unabhängige entwicklung von strudele zu strulle 'eilen' im pfälz. Autenrieth 139. vom regen:
regen, regen, rull,
regen, regen, strull!
sang meine mutter in Dithmarschen Hebbel briefe 7, 360 Werner; et schtrult fon'n dâke der regen strömt vom dache Damköhler Nordharzer wb. 181; et blêf am strullen asse wann de hiəmel smulten wær Woeste westf. 259ᵇ. gemeinhin für das beim urinlassen und beim melken entstehende geräusch, vgl. die idiotika. als neckender zuruf an die magd begegnet in vielen varianten der vers:
strip strap strul,
is de emmer balle vul?
Deiter Hastenbeck, hannöversch. gesch. bll. 22, 148;
stripp, strapp, strull'!
hess din emmer no' ne vull?
Wisser plattdt. volksm. 179;
kind. u. hausmärchen nr. 45, schallnachahmender ablaut wie schnipp, schnapp, schnurr vgl. deutsche gramm. 1³ (1840) 562. — hierzu postverbal strull, m., strulle, f., strahl: 'n strul water, melk, blôd u. s. w. Doornk.-Koolm. 3, 345; brem.-ndsächs. wb. 4, 1071; vgl. oben ¹strudel A 1 d;
dat bloot sall di rullen
von vieruntwintig strullen
Wossidlo meckl. volksüberl. 2, 153 nr. 1127.
strulle speciell der wasserstrahl aus einer röhre Bauer-Collitz 100; Schambach 215; Liesenberg 208. auch die röhre selbst, die rinne Bauer-Collitz 100; schon alt:
boven dem borne in der strullen
de koker v. 328 (nd. jb. 42, 79). —
strullbecken, n., struylbecken, strullbecken matula Kilian (1605) 539; ein pissepott edder strüllebecken Chyträus (1585) 408. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1931), Bd. X,IV (1942), Sp. 109, Z. 59.

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Zitationshilfe
„strollen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/strollen>, abgerufen am 28.11.2020.

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