stufe f., selten m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1932), Bd. X,IV (1942), Sp. 292, Z. 6

Unterbegriffe in diesem Artikel

vestigium, gradus.
form und verbreitung.
1)
westgerm. bildung. ahd. stuofa (oder stuof, m.?); mhd. stuofe; alts. stôpo; mnd. stôpe; altfries. mit anderer bedeutung in geldstōpe beisteuer zum wergeld, s. van Helten zs. f. dt. wortforschung 7, 284 f.; neufries. stoepe Dijkstra friesch wb. 3, 212. bedeutungsmäszig nahe liegt das zum selben stamm gehörende, auf derselben ablautstufe stehende ags. stôpel 'a footstep, mark left by the foot' Bosworth-Toller 924, im suppl. 712 auch als 'treppenstufe' belegt. zu einer mit idg. stēb, stəb variierenden wurzelform step gehört altkirchenslav. stepenь treppe, stufe, stopa fuszspur Walde-Pokorny 2, 625 mit der zugehörigen slavischen sippe Miklosisch 321.
2)
stufe gehört zu dem verbalstamm stap-, stōp 'auftreten, schreiten', der im ags. afries. altsächs. als starkes verb erhalten, im hd. aber zu dem schwachen verb stepfen, stapfôn : stapfen weiterentwickelt ist, vgl. teil 10, 2, 864; Braune ahd. gram. § 347, 6; Paul dtsche gram. II § 247, 4; Wissmann nom. postverb. 1, 190. die schwierigkeit, die s. v. staffel (teil 10, 2, 515) darin gesehen wird, dasz stufe mit stapfen nur auf grund der 'ungewöhnlichen' bedeutung 'steigen' zusammenzubringen sei, besteht nicht, da diese bedeutung im ahd. geläufig ist und auch später nicht fehlt, vgl. 10, 2, 865 sowie Notker 2, 545, 19 ff. und die compos. uberstephet unde ubersprungen transiliente 2, 140, 21; kantemo instephentemo ascendente (eo in naviculum) ahd. gl. 1, 711, 24; uzstafti desiliat 2, 469, 22. vgl. zudem tritt zu treten, treppe zu trappen und das verwandte stapf als gradus, teil 10, 2, 860.
3)
das wort stufe zeigt für die verschiedenen bedeutungen keine einheitliche verbreitung; sein hauptgebiet ist das mitteldeutsche, wo auch die hauptbedeutung gradus 'treppenstufe' zu hause ist; einzelne weniger entwickelte bedeutungen erscheinen auch auszerhalb dieses bezirks, im nd. 'stufe vor dem hause' (s.B 2 b), im obd. 'vertiefung im erdboden' (s.A 2); hier tritt in ahd. zeit vereinzelt auch die bedeutung 'gradus' auf: Notker 1, 10, 29, s.B 1 a; diese geht dann aber dem obd. verloren, vgl. v. Bahder wortwahl 9, während sie mhd. für das sächs. und nordböhm. bezeugt ist bei Frauenlob und Peter v. Reichenbach, s. u.A 1. von hier dringt sie durch Luther in die schriftsprache C. Franke schriftspr. Luthers 2, 56ᵇ; H. Byland wortschatz d. Zürcher alten testaments 65. gebucht wird stufe vom 15. bis ins 17. jh. fast nur von lexikographen dieses gebiets und von unmittelbaren nachbarn: trames (i. lignum in scala) trepp vel stuff Diefenbach gloss. 592ᵇ (15. jh.); prepugilium ein stuffe 456ᵃ, vor allem in der bedeutung gradus: stuff gradus Alberus c 2ᵃ (neben staffel und steig); Bas. Faber 911ᵇ; nomencl. lat.-germ. (Hamb. 1634) 442; Corvinus fons latinit. 394; gradus treppe, tritt oder stuffe Zehner (1663) 514; Reyher (1668) 2, 2893; stafel ... dicitur etiam die stufe Stieler stammb. 2110; erst seit dem ende des 17. jhs. werden die grenzen weiter; neben staffel verzeichnen es: stuffen gradus Weismann lex. bipart. (Offenb. 1698) 2, 366; Kramer 2 (1702) 1023ᵃ; Ludwig teutsch-engl. (1716) 1911; Steinbach 2, 756; Frisch teutschlat. 2, 215, der staffel als veraltend 'im saubern stilo', aber oberdeutsch gebräuchlich nennt; Eggers kriegslex. 2, 971; dann allgemein, auch bei Adelung 'für das mehr oberdeutsche staffel' 4, 469. negativ ist für die abgrenzung bemerkenswert, dasz noch Dentzler clav. ling. lat. (Basel 1716) stufe nicht kennt; vgl. auch v. Bahder a. a. o. die heutigen maa. bestätigen das bild: reicheren, z. t. nicht auf nur 'gradus' beschränkten gebrauch haben das sächsisch-erzgebirg.-nordböhmische: Müller-Fraureuth 2, 583; Knothe 522; auf der anderen seite das ostfriesische: ten Doornkaat-Koolman 3, 327; gebucht ist stufe fernerhin für das moselfränkische in Pennsylvania: pennsylv.-germ. dial. (1924) 145; bei Block id. von Eilsdorf (ostfälisch) 94 und bei Fischer Saml. 88. jedoch wird man das sonstige schweigen der nicht obd. idiotika nicht durchaus auf unbekanntheit deuten dürfen, wenn auch in einem teil der md. maa. das obd. staffel (s. teil 10, 2, 516), in andern treppe (s. d.) concurrieren (bei Askenasy Frankf. ma. 112, Lenz Handschuhsh. dial. 69 ausdrücklich vermerkt). vereinzelt, aber in hinsicht auf die Notkerstelle (s. o.) bedeutsam ist die obd. notierung stueffe 'stufe einer treppe' Hunziker Aargauer wb. 263.
4)
das genus ist masc. und fem.; nicht mit sicherheit zu bestimmen sind der ahd. nom. pl. stuofa Notker 1, 10, 29 und die mittelhochd. belege (s. u.); am masculinen genus ist kaum zu zweifeln bei as. nom. pl. stôpon Heliand 2399; das masc. neben sonstigem femininum einmal bei Luther: wenn du zum andern stuffen des glaubens kompst 32, 137 W.; sonst deutlich nur noch: da ieder stuffen ein marmelstein ist Lohenstein Armin. 1, 641ᵇ; gebucht: der stuffen (neben die stuffe) Steinbach 2, 756; der stufen vestigium Knothe schles. 522.
5)
die flexion ist stark bei Notker und wohl auch bei Peter v. Reichenbach (dat. stuof: ruof: geschuof Kolm. liederhs. 232 Bartsch), während der as. nom. pl. stôpon Heliand 2399 und der für die nhd. schriftsprache entscheidende mitteldeutsche gebrauch schwach ist: acc. pl. stuofen Frauenlob 113, 11 Ettmüller. die zeugnisse für den schwachen singular reichen über das 17. jh. nicht hinaus: dat. sing.: zum andern stuffen Luther 32, 137 W.; auff der obern stuffen Kirchhof wendunm. 3, 498 lit. ver.; an dem obristen grad und stuffen theatr. amoris h 3ᵇ; von einer hohen stuffen D. v. d. Werder ras. Roland 3, 63 (23. ges.); von der ersten stuffen Harsdörfer secretarius 1, 705; von einer stuffen auf die ander Faber 363ᵃ; acc. sing.: eine gute stuffen 1. Thimoth. 3, 13; auf die erste stuffen Butschky Pathmos 79.
6)
zur schreibung anzumerken ist ein stupf nomenclator (Hamburg 1634) 442, wohl durch niederd. einflusz zu erklären; deutlicher stuffe, stupfe, stuppe bei Wachter 1637 (vgl. auch staffel — stapfel th. 10, 2, 516).
bedeutung und gebrauch.
A.
stufe 'die getretene stelle', vgl.stapfen II 3.
1)
vestigium, fuszstapfe:
an êna starca strâtun, thar stôpon gengun,
hrosso hôfslaga endi heliđo trâda
Heliand 2399,
durch das ags. stôpel gestützt (s. oben form 1), im deutschen in nur wenigen sicheren spuren erhalten. die mhd. belege sind wegen ihres uneigentlichen gebrauchs nicht eindeutig:
ei (wächter) tue sie hœren schier den ruof
des herren clâr der sie geschuof.
der sie bring ûz der sünden stuof,
daz sie ze lange iht dar inne slâfen
Peter v. Reichenbach in: Kolm. liederhs. 232 Bartsch;
die mîner hilfe genzlîch gern,
die mich an ruofen
in riuwe stuofen,
die wil ich friuntlîch gewern
Frauenlob ib. 214;
nhd. in deutlich ausgeprägter bedeutung nur auf schlesischem boden:
kommt, seyd ihr männer, hohlt den raub!
wir reiszen aus, verfolgt die stuffen;
was säumt ihr denn? was steht ihr da?
Günther ged. 125;
mich deucht, es hört mein ohr
die angenehme stimme rufen;
mich deucht, ich sehe deine stuffen
mit mir spatzieren gehn
ib. 364;
die hand, so alles trägt, erhalte deinen fusz,
und lasz ihn nimmermehr in Jacobs stuffen treten
ib. 660;
vgl.stufen machen sichtbare (besonders nasse) fuszspuren hinterlassen Knothe wb. d. schles. ma. i. Nordböhmen 522; hierher vielleicht noch:
was hoffest du auch noch von deinen dreyen söhnen?
von welchen einer schon auf deine stuffen tritt
Besser schr. 1, 77 König;
(und befahl) dasz jeder ja sey dahin bemüht,
stets zu gehn der eintracht stufen
Reinicke fuchs (1650) 43.
2)
vertiefung im erdboden: stuff, ein loch, das man macht, pflantzkraut darein zu stecken Hulsius-Ravellus 314ᵇ; ebenso Stör (1663) 2, 470; agricolis stufe ... est porca (furche) Stieler stammb. 2110; vgl. Rädlein 1, 857ᵇ; Steinbach 2, 756, sowie stuffen hacken 'in gut bearbeitetes land kleine löcher hacken zur aufnahme von saatkartoffeln oder krautpflanzen' Pfister 2, 39; stufe 'vertiefung in der erde zum setzen von kartoffeln u. a.' Lenz Handschuhsh. 69; Fischer schwäb. wb. 5, 1905; da man den mais im Elsasz weit von einander zu pflanzen pflegt, es daher auf dem sand nicht wirtschaftlich sein würde, den ... untergepflügten mist der verflüchtigung preiszugeben, ... so düngt man in die gruben oder stufen Schwerz prakt. ackerb. 374; vgl. dazu ¹stufen 1, vb., löcher für pflanzen graben.
B.
stufe 'gradus', die am meisten entwickelte und ausgebreitete bedeutung entsprechend der im ahd. vorwiegenden bedeutung von stepfen als 'steigen' s. oben form u. verbreitung 2.
1)
der hauptgebrauch ist zu allen zeiten stufe als teil einer treppe, leiter u. dergl., vgl. gradus sunt ex quibus scalae consistunt stuffen Faber 363ᵃ.
a)
in verbindung mit dem übergeordneten begriff und als dessen teil gekennzeichnet; schon ahd.: samo so leitersprozen ... alde stegon stuofa quidam gradus in modum scalarum Notker 1, 10, 29; es ist eine stiegen, die hat 100 stuffen, auf der ersten sitzet 1 taube, auf der zweyten 2 ... Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 8, 34; auf den untern stufen der schlosztreppe Körte sprichw. 338; im bilde: doch dermaszen, dasz beyde practiken solche ihre stuffen auff der leiter zum galgen haben Prätorius abenth. glückstopf 163; Hans Unwirsch setzte den fusz auf die unterste stufe der leiter, welche an dem fruchtreichen baum der erkenntnis lehnt Raabe hungerpastor (1864) 1, 44; oft als hilfsbegriff für den bildlichen gebrauch von leiter: die leiter der ergröszerung hat nur drey sprüssel oder stuffen Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 5, 79; man wird den unterschied zwischen dem dümmsten menschen und dem schlausten thier sehr klein finden, von da erhebt sich die leiter nach und nach, eine unendliche menge stuffen steiget über einander hinauf Bodmer v. d. wunderbaren 9; diese bestimmung führt durch eine beständige leiter vermittelst aller möglichen stufen ... von den planeten zu den kometen Kant 8, 282 Hart.; vgl. auch C.
b)
der plural stufen häufig collectivisch für die gesamtheit der stufenanlage: dazu (baute er) die mauren am teich Seloah bey dem garten des königs bis an die stuffen, die von der stad David herabgehen Nehem. 3, 15 (gradus vulg.; untz zuͦ den staffeln erste dtsche bib. 6, 300); die (Albaner und Thracier haben) geglaubet die sonne were nur eines tellers grosz und dasz man durch leitern und stuffen himmel auffsteigen könte Schupp schr. 523; der prätor ... eilte ... die stufen des hügels hinunter Niebuhr röm. gesch. 2, 510; die halle vor der kirche fällt gut in die augen, da man zu ihr auf neun stufen steigt Nicolai reise d. Deutschl. 12, 92; appellativ:
sie hatten Rom gesehn, und gut darin gegessen,
die heilgen stuffen auch gezählet und gemessen
Zachariä poet. schr. 2, 13.
gern in verbindung mit verben wie steigen, springen, betreten u. ä., wobei die aufmerksamkeit vom ziele weg stärker auf das object gelenkt wird: ich ... sprang die stufen hinauf und rief in die hausthüre Göthe 24, 30 W.; sie steigt die stufen hastig hinab Droysen Äschylus 120. der treppe gegenüber können die stufen als ein ausdruck gehobener sprache empfunden werden:
eilend stieg sie hinab die hohen stufen der wohnung
Voss Odyssee (1781) 13;
da führte der wirth seine gäste vor die halle, feierlich betraten sie im zuge die stufen G. Freytag ges. w. 8, 26; die seltenheit des wortes in den maa. begünstigt den literarischen charakter dieses gebrauchs, vgl.: (statt staffel) den im nhd. geltend gewordenen, gleichsam vornehmern ausdruck die stufe Weigand syn. 3, 753.
c)
wenige stufen rufen die gesamtvorstellung der treppe nicht hervor: es war eines jener zum entzücken unregelmäszigen häuser, wo man, um aus einem zimmer ins andere zu gelangen, stufen auf- und abgeht Holtei erz. schr. 5, 7; vgl. die geläufige warnung: achtung! stufen!
2)
ohne beziehung zu einem übergeordneten begriff.
a)
stufen als unterbau für erhoben vorgestellte gegenstände, zumeist auf den rand des abgestuften unterbaus, den anstieg, beschränkt; selten einfach feststellend im sinne eines gegliederten untergestelles: den deckel eines sarges, der auf stufen ruht Solger nachgel. schr. 1, 30; die stufen des schaffots Schiller 12, 440 G.; sie machen euch das blut von den stufen der guillotine lecken G. Büchner nachgel. schr. 133. in der regel wird die räumliche erhöhung als ausdruck einer inneren wertung empfunden:
drey männer von gesetztem geist,
die man mit wahrheit gründlich heiszt,
besteigen der katheder stuffen
Gottsched ged. (1751) 1, 158;
es steigt der stolze candidat
mit gröszerm trotz auf Themis stuffen
ib. 1, 178;
die obere fläche trug den gewaltigen auf einem unterbau von sechzig stufen ruhenden tempel Mommsen röm. gesch. 2, 30; der chor war um einige stufen erhöht H. Steffens was ich erlebte 1, 148; in der kirche ist ein erhabener schauplatz von dreyen stuffen auffgebauet Olearius persian. reisebeschr. 125; als zeichen eines rangunterschiedes: allda finden wir sitzen ... die drei bürgermeister und obersten der stadt in der session neben einander, dreier stufen höher Schweinichen denkwürd. 100. typisch geworden sind in diesem sinne die stufen des thrones und die stufen des altares. stufe des thrones u. ä.: und der stuel (des königs) hatte sechs stuffen 1. könige 10, 19; auff dem marckt hat sich der könig einen herlichen stuel mit dreien graden oder stuffen lassen zurichten Henr. Dorpius warh. hist. (1536) f 2ᵃ;
besteige denn behertzt des vaters festen thron!
die rosen werden dir um seine stuffen blühen
Pietsch gebund. schr. 51;
bildlich, von der sonnenbahn: mit jedem augenblick ersteigt sie eine neue stufe zu ihrem mittägigen thron F. Th. v. Schubert verm. schr. 3, 39. uneigentlich:
weil kleine herrn
die gröszern heben
und ihrem thron
mehr stuffen geben
Blumauer ged. 79.
auch sonst uneigentlich in mannigfachem sinne: den thron, um dessen stufen zehntausend aufrührische sclaven krochen Kotzebue s. dram. w. 1, 36; oft noch ins eigentliche hinüberspielend:
und festlich ward an die geschmückten stufen
die huldigung der künste vorgerufen
Göthe 16, 165 W.;
sieh, göttin, mich an deines thrones stufen
(sc. als bittenden)
Schiller 4, 23 G.;
so liesz allda der herr, von einer hohen stuffen,
für das gemeine volck ein new gebot auszruffen:
wie dasz er geben dem wolt einen groszen lohn,
wer den kunt thet, der ihm hett umbgebracht den sohn
D. v. d. Werder ras. Rol. 3, 63 (23. ges.);
was jetzt hier von den stufen des thrones dem ganzen volke zugerufen wird Bismarck red. 1, 15 Kohl; auch die autoritative besonderheit von thron theilt sich der fügung mit:
und vor des thrones stufen,
wenn ihr nach meinem rechte fragt,
will ich mit Hutten rufen:
ich habs gewagt!
Herwegh ged. e. lebendigen 109;
im bildlichen bleibend wird dieser gebrauch in der mitte des 17. jhs. ein ansatz zu übertragener verwendung, indem das wort thron (wie auch leiter s. oben b 1 a) ein hilfsmittel für die wertvorstellung abgibt, vgl.C 2, 3; so wird sich alsdann leichlich absehen lassen, auf welchen stuffen zu solchem thron der ehren aufzusteigen Harsdörffer teutsch. secretar. 1, 641; Salomon säzzet auf die erste stuffen zu dem throhne der weisheit das erkänntnüs des eitelen weltwesens Butschky Pathmos 79. stufe des altars: du solt auch nicht auff stuffen zu meinem altar steigen, das nit deine schame auffgedeckt werde 2. Mos. 20, 26; besonders als stelle des cultes: an einem heiszen nachmittag des sommers lag auf den stufen des hochaltars ein fremder mönch in stillem gebet G. Freytag ges. w. 9, 5; (der) altar ..., an dessen stufen sich der ... feierlichkeitsakt vollziehen sollte Fontane I 6, 207. im volksglauben infolgedessen als ein ort, wo sich wunder vollziehen: als sie (die mutter) in den tempel trat, wurde das bündel (mit dem toten kinde) immer schwerer, und endlich, als sie es auf die stufen des altars legte, fing das kind zu schreien an W. Grimm sagen 1, 41; wie altar selbst ein ausdruck geheiligter unverletzlichkeit: das laster auch an den stufen des altars zu strafen theater d. Deutschen (1768) 7, 221;
seis an den stufen des altars,
verfallen ist er meinem arm
R. Wagner ges. schr. 1, 79;
so formelhaft gelegentlich für altar in uneigentlichem sinne überhaupt: keine kleine aufgabe, sich zwischen den stufen des altars und den büchern der philosophie durchzuwinden Dahlmann gesch. d. frz. revolut. 24. auch sonst sind derartige umschreibungen in diesem anwendungsbereich gebräuchlich:
und zeuch mich auf die stufen
der andacht und der freudigkeit
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 412;
ähnlich schon mhd.:
bose lute werden rufen
und scrien zu gotes stufen
durch ir bosheit, durch di man si
sere quelet und geiselt hi
Hiob 13287 Karsten;
undeutlicher:
es ist schon lange zeit, dasz ich von diesen stuffen (d. hofleben),
die du betreten wilst, zurücke bin gerufen
v. Canitz ged. 100.
b)
die steinerne treppe vor dem hause aus einer oder mehreren stufen: prepugilium id, quod ante fores ein stuffe Diefenbach gl. 456ᵃ (15. jh. md.); stuffe, stupfe, stuppe limen ante fores Wachter 1637; stoop, stope, stupe erhöhter vorplatz eines hauses, zu welchem eine treppe hinanführt Stürenburg ostfries. wb. 267, vgl.stoepe stoep voor em huis Dijkstra 3, 212, nl. stoep freitreppe van der Meer gramm. d. nl. spr. 52; sicher aus dem nl. das ostfries. stupe 'feststehende leiter mit trittbrett am ufer eines kanals, zum wasserschöpfen' Stürenburg a. a. o., vgl. Verdam mnl. hwb. 578; Franck et. wb. 668.
c)
fuszschemel, niedrige bank: anabathrum, gradus scansilis, subsellium ein stuffen, eine erhabne banck, ein öberbank Faber thes. 50ᵇ; erhabne bänck, eine stuffen, anabathrum, subsellium Henisch 182; Decimator (1608) 82ᵇ; einem juden, der eine sabbathsmagd hält, die ... auf ihrer stuffe sitzt und zum zeitvertreib einen vers singt Zinzendorf ein und zwanzig discurse (1748) 225. auch diese bed. im niederl.: stoepe, stoepbancke holl. sicamb. exedra, sedile pro foribus, sedile vestibuli Kilian 532ᵇ.
d)
auch von sonstiger für einen schritt berechneten anstiegshilfe, wobei in der regel eine gesamtvorstellung im sinne von B 1 b mitschwingt: dort (an einer mauer) fanden sie einen alten strebepfeiler, ... dessen verwitterte backsteine ... einem gewandten kletterer als stufen dienen konnten Moltke ges. schr. 1, 62; so vor allem in der alpinistik von stufen im eise: um die passage (über den gletscher) zu erleichtern, hat man stufen in das eis gehauen Ritter erdk. 2, 331; dann hob der alte plötzlich seinen pickel ... und begann wie rasend stufen in den eishang zu hauen Stratz d. weisze tod 11; vgl.(er) begann die mühsame arbeit des stufentretens H. v. Barth Kalkalpen 64.
3)
in erweiterter anwendung auf grund einer formähnlichkeit von abgestuften gebilden, die nicht mehr der function des steigens dienen.
a)
meist von der form der im ganzen der treppe gesehenen stufen aus (vgl.B 1 a u. b):
pyramiden ...
steigen in stufen empor und enden in ebene gipfel
Bodmer Noah 77;
die stufen oder sitze (des amphitheaters) scheinen fast alle neu Göthe III 1, 206 W.;
da hört man auf den höchsten stufen
auf einmal eine stimme rufen
Schiller 11, 245 G. (kraniche des Ibykus).
bes. in der geologie von berg- u. gebirgsformationen, vor allem in der compos., vgl.D 2: dann bin ich mit ihm den Tessenberg hinan ... von einer stuffe des gebürges auf die nachfolgende gestiegen J. v. Müller s. w. 4, 253; ohne stufe, ohne absatz, wie aus der form gegossen erscheint das gebirge H. v. Barth Kalkalpen 84; das gebirge erhebt sich übrigens an dieser stelle in drei sehr sichtbaren stufen Steub wanderungen 120; aus dem alten plateaumassiv ist ein terassenland geworden mit theilweise sanft geböschten, theilweise steilen stufen v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens 18; vgl.stufe 'landstufe mit scharfer biegung in eine tiefer gelegene fläche' Kende geograph. wb. 115ᵃ. in dichterischem bild:
sie horcht, wenn ihrem schäfer
ihr süszer nam entfällt,
ihn von der berge stufen
dir, echo, zuzurufen
Tiedge w. 5, 164;
in fügungen mit eigennamen oft appellativ: nächst den stufen des Kaiserstuhls Thümmel reise (1853) 7, 24; über getrümmer zur stufe des Karlbodens H. v. Barth Kalkalpen 89; noch fester: damit war die steile der unteren Watzmannstufe überwunden ib. 11. mit verblassen der grundvorstellung zu einer bloszen lagebezeichnung (vgl.D 2): stufe oder etage schichten mit überresten gleichartiger lebewesen, unterabtheilungen der serien, die wieder unterabtheilungen der formationen sind Kende geogr. wb. 195ᵃ.
b)
von der form der einzelstufe geht aus: sie stützt den arm auf eine stufe des felsen A. W. Schlegel s. w. 9, 38;
leget, schwestern, euer ohr
an des ufers grüne stufe
Göthe 15, 124 W.;
es sonnt sich auf den stufen
der seebespülten schwelle
ein greis am rand der welle
Platen w. 1, 19 Redlich;
c)
in der heraldik ist stufe 'eine schildeintheilung, welche durch drei linien ... geschieht' Querfurth wb. d. herald. terminologie 153.
4)
bei stufe können vorstellungen mitschwingen, wie sie zum teil auch den bezeichnungen für die übergeordneten begriffe treppe, leiter u. a. eigentümlich sind und die zu einem besonderen uneigentlichen und bildlichen gebrauch zum teil in mehr oder weniger festen wortverbindungen geführt haben. die stufe wird als weg oder ausgangspunkt zu einem meist erstrebten ziel gesehen, öfters mit dem begriff des mühseligen:
wer die stufen zählt zum thurm hinauf,
macht noch einmal so schwer den lauf
Wander 4, 936;
lasse deinen geist kühn jede stufe erklimmen Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 118; damals ... wurden die niedern curulischen würden noch nicht als stufen zur höchsten betrachtet Niebuhr röm. gesch. 3, 175;
so manches buch, so mancher schatz,
so manche stufe nach dem himmel
Günther ged. 141;
die thaten deiner groszen ahnen
als stuffen dir den weg zur folge bahnen
Lohenstein Sophonisbe (1680) 129;
denkst du der stunde noch wohl, wie auf dem bretergerüste
du mich der höheren kunst ernstere stufen geführt?
Göthe 1, 282 W.;
solche bemerkungen im tagebuch sind als stufen zu betrachten, auf denen man emporstieg Hebbel tagebücher 2, 55 Werner. selten mit der vorstellung des hinuntersteigens:
dein fusz betritt bereits die stufe deines falles
Gottsched dtsche schaubühne 4, 237;
sein fusz berührte schon des grabes jähe stufen
Pfeffel poet. versuche 3, 16.
öfters enthält in diesem gebrauch stufe die vorstellung eines absatzes, eines ruhepunktes auf dem wege zum ziel, die auch in der verbindung mit verben wie verweilen, stehen, sich befinden u. ä. zum ausdruck kommt: und wurde nochmals durch ein erschwertes ziel zurückgeworfen, statt dasz ich ... ein weilchen auf den lorbeeren einer erreichten stufe ausruhen konnte G. Keller 2, 26; weitere belege s. u. C 4, 6 und 8. die erste und die letzte stufe werden in diesem zusammenhang fast formelhaft: das (todesurteil) ist der erste grad oder stufe zum tode Luther 32, 364 W.; dieses ist meine ringfügige meinung von der ersten stufe oder dem antritt zu der tugend Harsdörffer secretarius 1, 705; (in dem common council) zu sitzen war für die gewählten ... die erste stufe zu der magistratur selbst Ranke² 16, 95;
in die erhabne geisterwelt
wart ihr (künstler) der menschheit erste stufe
Schiller 6, 267 G.;
die falschen götter stürz ich; neuer gottesdienst,
die erste stufe meiner (Mohamets) grösze, lockt
die herzen an
Göthe 9, 304 W.;
so gehts, falln auff der obern stuffen,
der liegt bald unten überm hauffen
Kirchhof wendunm. 3, 498 lit. ver.;
aller anfang ist leicht, und die letzten stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen Göthe 24, 50 W. bei unklar gewordenem bilde erscheint in formelhafter anwendung die oberste, höchste stufe als das ziel selbst, vgl. auch unter C 9 b β: in jeder kunst giebts eine höchste stufe, dann wandert sie wieder bergab H. P. Sturz schr. (1779) 1, 97; der mensch ist das wesen, welches die oberste stufe in der sichtbaren schöpfung einnimmt Nestroy 1, 238.
C.
übertragungen. die fülle des übertragenen gebrauchs, der stufe als abschnitt eines continuums in beziehung zum ganzen setzt, ist in seinen anfängen in engem zusammenhang mit dem von grad (s. d.) zu verstehen, zu dem stufe hier ebenso wie zu staffel (s. d.) vielfach in parallele steht.
1)
in anlehnung an grad oder als lehnübersetzung mit ihm zusammen auf lat. gradus bzw. ital. grado zurückgehend, bezeichnet stufe bes. im 16. u. 17. jh.
a)
die maszeinheit einer kreisteilung, den 'grad'; so die gradeinteilung an der sonnenuhr: da rieff der prophet Jesaja den herrn an, und der schatten gieng hinder sich zurücke zehen stuffen, am zeiger Ahas, die er war niderwerts gegangen 2. kön. 20, 11 (decem gradibus vulg.; staffeln erste dtsche bib. 5, 436); mit beziehung auf diese stelle:
wenn nur euer (e. alten jungfer) lebenslauf wie des Ahas zeiger ginge!
dieser rückte, wie wir lesen, zehen stuffen hinder sich.
könt ihr disz zu wegen bringen, dan so seid ihr auch für mich
Grob versuchgabe 76;
weiter die geographischen breitengrade: zehlen soviel gegenden als am horizont stuffen (oder grad) und minuten vorhanden Fr. Francisci lufftkreis (1680) 1036; die höhe des pols ist daselbst 40 stufen l'elevatione del polo vi è di 40 gradi Kramer 2 (1702) 1023ᵃ; ich habe diesen baum (die tanne) noch unter der 40ᵗᵉⁿ stufe nördlicher breite ... angetroffen Popowitsch ma. v. Teutschland 567; ebenso von den graden des tierkreises:
der sonne gleich ...
die wenn sie stuffenweis bis an den krebs gegangen,
gantz einen neuen lauff beginnet anzufangen
Besser schr. 1, 8 König;
vgl. denselben gebrauch von gradus und grad oben 10, 2, 522. am ende des 18. jhs. wird der gebrauch von stufe als grad eines kreises ausdrücklich abgelehnt von Stosch gleichbed. wörter 1, 308; Eberhard syn. 6, 150; vgl. noch 'in einigen oberdeutschen gegenden werden auch die grade eines zirkels stufen genannt' Adelung 4, 470.
b)
ähnlich von temperaturgraden: denn die bäume richten sich nicht nach der ausmessung der himmelsstriche (d. i. den breitengraden), sondern nach den stufen der kälte Popowitsch ma. v. Teutschland 568; in anderm sinne schon bei Prätorius: sie (die schwalben) haben eine seele, aber weil sie (die seele) keine gewisse stufe der wärme alsdenn besitzet, so unterlässet sie daher zu der zeit die bewegung winterflucht der sommervögel (1678) 306.
c)
tonleiterintervall: von der chromatischen tonleiter: grado ... stuffe ... wenn nemlich die noten von einer linie in das nächste spatium, oder aus diesem in die nächste linie gehen Walther mus. lex. (1732) 287; von der diatonischen tonleiter: jede scala sieben stuffen hat Ph. E. Bach art das clavier zu spielen 1, 28.
d)
als verwandtschaftsgrad: gradus, grad, stuffe z. e. die gradus consanguinitatis Wächtler manual (1703) 147; li gradi d'affinità die grad, stuffen der verwandtschaft Castelli ital.-teutsch (1741) 1, 21ᵇ.
e)
als grammatischer terminus in der steigerung: bey der stuffe (gradus) ist in acht zu nehmen der satz (der positiv) und die stuffe ... die stuffe ist entweder die mittlere (der comparativ) oder die oberste (der superlativ) Gueintz dtsch. sprachlehre entwurf (1641) 51; man ... den nahmen der grade für unterabtheilungen des zweyten standes sparet, welches wahre grade, stufen oder staffeln sind (der positiv dagegen ist kein grad) Adelung umständl. lehrgebäude d. dtsch. spr. 2, 93. isoliert als prosodische bezeichnung: die stuffen (pedes) unserer worte meistentheils bestehen in doppellängen (–– spondaeis) oder langkurtzen (–˘ trochaeis) Harsdörffer gesprächspiele 2, 201.
f)
auch andere zweige des später selbständigen gebrauchs scheinen sich zunächst an grad zu entwickeln: (Christus hat) so offte den gelindesten vorsichtigsten weg und die gewisse stuffen in zurechtbringung (bekehrung) vorgeschrieben Arnold kirch. u. ketzerhist. 8ᵇ (zu vergleichen etwa: der erste grad (der liebe zu gott) haysst ain verwunte lieb ... Tauler serm. [1508] l 2ᵈ); wenn du zum andern stuffen des glaubens kompst Luther 32, 137 W.; welche aber wol dienen, die erwerben jnen selbs eine gute stuffen und eine grosse freidigkeit im glauben (vulg. gradum bonum; erst. dtsch. bib. wirdigkeit 2, 215) 1. Thim. 3, 13.
2)
unter den selbständigen übertragungen sind diejenigen begünstigt und daher verhältnismäszig früh bezeugt oder zu erschlieszen (vgl. ¹stufen 2 a), die sich auf continua beziehen, denen an sich schon die vorstellung der höhe, des ansteigens anhaftet. von der stellung innerhalb einer beruflichen oder gesellschaftlichen ordnung, 'rang'; deutlich aus dem bildlichen kommend und anscheinend zunächst oft mit leichter sonderfärbung als hoher rang: dasz uns die gelehrsamkeit nicht zu den stufen der ehre ... erhebt Gellert w. 5, 91;
so tritt er endlich heut auf die geweihten stufen (d. h. er erlangt die doctorwürde),
wohin ihn sein verdienst und fleisz vorlängst gerufen
Triller poet. betracht. 2, 256;
vgl.ehrenstufe grado d'honore Kramer 2 (1702) 1023ᵃ, aber bald alle rangstufen unter einander beziehend:
die einsame tugend,
von niedrigen stufen erhöht
Dusch verm. w. 9;
um schnell über die niedern stufen der ehre wegzuspringen Klinger w. 4, 91. das synonyme staffel behält jedoch diese specialisierung: (der musketier) musz eine noble ambition besitzen, um mit der zeit von dieser niedrigsten stufe durch seine meriten sich auf eine höhere staffel zu schwingen Fleming vollk. teutscher soldat 145; staffel figürlich für stufe, höherer grad, gradus altior dignitatis Frisch 2, 315ᵇ. in anwendung auf die mannigfachsten gebiete: von dem kaiser gehn die befehle durch stuffen von immer niedrigern staatsbedienten bisz zum gemeinen landmann Haller Alfred 110; nach art weltlicher abtheilungen entstanden itzt höhere und niedere stufen geistlicher würden Raumer gesch. d. Hohenstaufen 1, 19; die stufen von lehrling, gesell und meister müssen aufs strengste beobachtet werden Göthe 25, 221 W.; auch von den etappen einer berufslaufbahn: das amt eines auditors beim staatsrathe galt damals für ein besonderes glück und führte leicht zu höheren stufen J. Grimm kl. schr. 1, 10; (prälaten) welche sich gestehen müssen, dasz sie ihre jetzige stufe nicht mehr überschreiten werden Justi Winckelmann 2, 1, 102; dagegen soll ihnen ... erlaubt sein, ... alle stufen im soldatenstande rühmlichst anzuführen briefe die neueste litt. betr. 13 (1762) 49. weiterhin: allergelehrteste, hochgelehrte, gelehrte, und den stuffen der hohen schule nach, immer weniger, doch gleichwohl gelehrte männer v. Petrasch s. lustsp. 1, 165; die candidaten aller stufen Pfeffel poet. vers. 7, 69; das war das schönste bei diesem heiligen eifer und fröhlichen gewimmel, dasz alle unterschiede von ständen und klassen, von altern und stufen vergessen und aufgehoben waren E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 335. ähnlich von socialen unterschieden: jeder vater sucht das glück seiner tochter — man steigt wohl lieber eine stufe hinauf, als — als — wollt ich sagen Bauernfeld ges. schr. 2, 68; ich habe nicht unter den komtessen des landes gewählt und bin, von unserm standpunkt aus angesehen, eine gute stufe herabgestiegen Fontane ges. w. I 5, 63; sprichwörtl.: eine stufe hinauf soll man den freund und eine stufe hinab die frau wählen Wander 4, 936; in diesem sinne häufig stufe des glücks: das gewisseste mittel, zu den höchsten stufen des glücks empor zu steigen Wieland Agathon (1766) 1, 120; da ich ... mich, weib und kind zu erheben, auf hohe stufen von glück und ehre zu bringen träumte Iffland theatral. w. 4, 10; der eine kann alle stufen äuszern glückes ersteigen Ludwig ges. schr. 5, 333.
3)
von geistigen eigenschaften und fähigkeiten, unter denen graduelle unterschiede gesetzt werden: ob man auf dieser ersten stuffe der weisheit stehe Lessing 10, 83 L.-M.; nach und nach bin ich in der klugheit so fortgeschritten, dasz ich jetzt diese stufe einnimm Bäuerle kom. theat. 6, 14; auch negativ: sie ist in ihrem hochmuth auf eine solche stuffe gerathen, dasz ich glaube ... Gottsched vern. tadlerinnen 1, 227; in dieser verwendung mit allgemeiner wertungskraft:
auf welcher stufe der geister
steht, wer den gottesleugner
nicht für rasend hält?
Klopstock oden 2, 62 Muncker-Pawel;
unser geliebter Göthe ersteigt hierin vielleicht eine höhere stufe des anpreisens, wenn er von werken verschiedener ... art ... das beste zu sagen sucht Jean Paul 52-53, 3 Hempel. mit einer charakterisierung der qualitäten durch mehr oder weniger entsprechende vertreter: er sollte den haushofmeister spielen und stand kaum auf der stufe des portiers Gutzkow ritter vom geiste 3, 86; wenn einem in der kunst untergeordneten manne, der nur auf der stufe des liebhabers steht, ein rath erlaubt ist Stifter s. w. 14, 100; ohne solche attribute ist der inhalt der ergänzten reihe oft nur der ausdruck einer allgemein gehaltenen hoch- oder geringwertung: ich fühl, dasz ich von einer viel niederen stufe, zu dir hinanrufe, ob dies und das so ist Bettine die Günderode 1, 149; meine rächende antwort ..., die mich just auf eben die niedere stufe setzte, auf welcher mir meine tante den unedlen vorwurf gemacht hatte S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 1, 183;
gros o Rieger, gros war deine stufe,
gros ein geist, zu deinem grossen rufe,
grösser war — dein herz!
Schiller 1, 357 G.
4)
ähnlich auch von sonstigen vorzügen, auf persönliche und unpersönliche subjecte bezogen; allgemein gefaszt, vgl. auch 9 b β: und da sie die sprache zu der gröszten stufe ihrer vollkommenheit gebracht Morhof unterr. v. d. dtsch. sprache (1682) 1, 78; die stufen der vollkommenheit li gradi della perfettione Kramer 2 (1702) 1210ᶜ;
doch dieses stille, friedliche entsagen
ist der vollendung nahe stufe schon
Zach. Werner söhne d. thales (1803) 1, 2;
näher bestimmt: seine recitation (stieg) ... zu einer hohen stufe von wahrheit, freiheit und offenheit Göthe 22, 119 W.; dieses sind die ... wahrheiten, welche die offenbarung ... durch ihr göttliches ansehen zur höchsten stufe der gewiszheit erhebt J. A. Cramer d. nord. aufseher (1758) 1, 71; unter ihm gelangte Athen zur höchsten stufe der macht und des reichthums J. v. Müller w. 1, 142; einzelne kühnheiten ... erheben ihn zu einer bewundernswürdigen stufe der kraft Solger nachgel. schr. 1, 102; stufen der schönheit v. Cronegk schr. (1771) 1, 262; beide erklommen ... die höchsten stufen menschlichen ruhms und glücks bei Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 265.
5)
die das einzelne aus dem ganzen heraushebende aussagefähigkeit macht das wort geeignet zur bezeichnung von gradweisen unterschieden irgendwelcher qualitäten, nicht notwendig mit wertvorstellung: die lautverschiebung ... hat es nur mit den stufen der stummen consonanten zu thun, deren grundbeschaffenheit dadurch nicht angegriffen wird J. Grimm kl. schr. 5, 438; und zwar sind die stufen der deutlichkeit folgende, gelb, grün, blau, gelbroth und blauroth Göthe II 2, 108 W.; die stufenlehre, dasz Matth. 5, 3-10 stufen von tugenden und seeligkeiten seyn Lavater schr. 2, 180; unter den witzigen köpfen giebt es stufen Gerstenberg br. über merkwürdigk. i. d. literatur 232 lit. denkm.; freundschaft ... hat verschiedene stufen der vertraulichkeit Gottsched beob. 142; und dasz die menschengattung über den thieren nicht an stufen des mehr oder weniger stehe, sondern an art Herder 5, 27 S.; sehr selbständig: aber die vaterlandsliebe hat keine stufen; wer nicht alles thut, hat nichts gethan, wer nicht alles hingiebt, hat alles verweigert Börne ges. schr. 3, 147. in der anwendung auf vorgänge wird dieser bedeutungsgehalt zum ausdruck des allmählichen (vgl. auch unten C 9 von stufe zu stufe und stufenweise): alle änderungen in der menschlichen natur geschehen durch stufen, nach und nach Rabener s. w. 1, 15; weil jede realität ihren grad hat, der bei unveränderter extensiver grösze der erscheinung bis zum nichts (dem leeren) durch unendliche stufen abnehmen kann Kant 3, 156 akad., oder er dient zur steigerung der intensität eines ablaufes: er kann sich nicht genug thun in der schilderung seiner heldin, er jagt sie durch alle stufen der erniedrigung hindurch Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 100.
6)
stufe als einzelner schritt in einem methodischen prozesz: jede höhere stufe im prozesz der induktion ist der untersten an und für sich ähnlich Schleiermacher w. 3. abt. 4, 2, 348; der alte ging (im unterricht) jetzt um eine stufe weiter vor Hauff s. w. (1890) 4, 161; seine blödigkeit ... und der mangel an sprachkunde hatten ihn jedoch leider gezwungen, auf dieser ersten stufe des kourmachens stehen zu bleiben Gaudy s. w. 13, 85; beachtenswert ist die vorbereitung im bildlichen: man musz auff der trepffe von einer stuffe zur andern schreiten Petri d. Teutschen weish. 2, O 1ʳ; stufe für stufe kommt man auf den thurm Wander 4, 936. ohne jedes moment einer intensitätssteigerung nur von der aufeinanderfolge der einzelnen zugeordneten vorgänge: sie hatten sich getreu an ihrem lebensgange gehalten, dagegen mir das wunderbare loos beschieden war, durch manche stufen der prüfung, des thuns und duldens durchzugehen Göthe 33, 187 W.;
(er) fiel in 'ne traurigkeit; dann in ein fasten;
drauf in ein wachen; dann in eine schwäche;
dann in zerstreuung, und durch solche stufen
in die verrücktheit, die ihn jetzt verwirrt
Shakespeare 3, 202.
7)
stufe als unterabteilung einer übergeordneten einheit: sieben glieder der philosophischen naturkette, davon jedes, um die heilige zahl herauszubringen, wieder sieben stufen hat allg. dtsch. bibl. anh. zu bd. 25-36, 1985; fachsprachlich als fester specialbegriff: erscheint ... die untereinheit für die bedürfnisse des kleinen verkehrs zu grosz, so wird eine weitergehende teilung (des münzsystems) erforderlich. man erhält dann mehr stufen, so beim englischen pfund sterling L. v. Ebengreuth münzk. u. geldgesch. (1926) 193; in der bilanz sind ersichtlich zu machen ... die zahl der zur deckung der hypothekenpfandbriefe bestimmten hypotheken und deren vertheilung nach ihrer höhe in stufen von hunderttausend mark hypoth.-bankges. v. 13. juli 1899 § 28; in der elektrotechnik die durch schaltung gleichmäszig regulierbaren strommengen: stufe sectionnement Blaschke wb. d. elektrotechn. 1, 121ᵃ.
8)
stufe als abschnitt eines zeitlichen continuums:
a)
zunächst allgemein im hinblick auf den ablauf eines vorgangs: wie eine jede handlung und begebenheit fünf theile und gleichsam stufen hat, den anfang, den fortgang, den stand, die abnahme und das ende Winckelmann (1812) 5, 210; seit dem 17. jh.: so fertiget auch Franckreich die meisten perigrinanten mit keinem andern künsten ab, als dasz sie ... die stuffen der Frantzosen oder neapolitanischen sucht erzehlen können Butschky Pathmos (1677) 28; manchmal ist er mager und zusammengefallen wie ein kranker auf der letzten stufe der schwindsucht Göthe 45, 4 W.; was die menschen hierbey nicht wenig verwirren muszte, war, dasz sie eben dieses ab- und zunehmen (des mondes) nach allen seinen stufen zuweilen in einer zeit von wenigen stunden vorgehen sahen Lichtenberg verm. schr. 6, 249; die völkerwanderung ist die erste stufe der zerstörung ... der blüthe Italiens Niebuhr röm. gesch. 2, 454.
b)
speciell mit bezug auf das menschliche leben (vgl.stufenjahr); in ausgeführter bildlichkeit vorbereitet:
dein muntrer fusz betritt die stuffen hoher jahre,
doch grünet kraft und muth im schnee der grauen hare
Weichmann poesie d. Niedersachs. 5, 40;
halte dich an die züge, die einer jeden stuffe des menschlichen lebens natürlich sind Ramler Horazens dichtk. 63; so wie sich das alter nach seinen verschiedenen stufen in der stimme des menschen abbildet Schubart leb. u. gesinn. 2, 151.
c)
seit dem späten 18. jh. gern mit dem begriff der entwickelung verbunden.
α)
oft mit einem wertungsaccent, wenn es sich um historische entwickelung cultureller zustände handelt, so in den überaus häufigen verbindungen stufe der kultur, der bildung u. ä.: Brabanter und Böhmen, Siebenbürger und Lombarden, stehen sie auf einer stuffe der cultur? Herder 17, 59 S.; preisaufgabe die stufen der cultur betreffend Göthe III 3, 12 W.; alle völker auf den ersten stuffen der bildung sind liebhaber von räthseln Herder 12, 192 S.; negerhorden, die auf den mannigfaltigsten stufen der civilisation gefunden werden A. v. Humboldt ansicht. d. nat. 1, 41; auf der ersten und niedrigsten stufe der menschheit Lessing 13, 431 L.-M. die zugrunde liegende anschauung zeigt die seit dem anfang des 19. jh. belegte verbindung stufe der entwickelung: mehr aber hat es auf sich, solche meinungen in ihrem zusammenhange zu begreifen und ihre nothwendige gründung in anlagen der menschlichen natur und auf gewissen stufen der entwickelung einzusehen Europa (1803) 2, 66; mit einer einrichtung ..., die auf einer gewissen stufe der geistigen entwicklung mit innerer nothwendigkeit zu tage getrieben wird Jhering geist d. röm. rechts 3, 288; vgl. auch β. weitergreifend in verbindung mit einer fülle von begriffen, die irgendwie unter die vorstellung einer geschichtlichen entwickelung gestellt werden: dasz jene sprachen noch garnicht die stufe grammatischer bildung erlangt haben W. v. Humboldt br. an Welcker 54; so steht die germanische poesie im wesentlichen noch auf arischer stufe Scherer gesch. d. dtsch. lit. 13; eine stufe der naturerkenntnis du Bois-Reymond ü. d. grenzen d. naturerk. 5; in dem raschen aufsteigen jener jahre bezeichnet dieser gedanke vielleicht die höchste stufe der kirchlichen politik Nitzsch dtsch. stud. 17; in der frühern stuffe der wissenschaft Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 59; (ein) sogenanntes kopfgeld — die niedrigste stufe der classensteuer Bismarck pol. red. 4, 236. diese vorstellungsverbindung wird so eng, dasz absoluter gebrauch von stufe als cultur-, entwickelungsstufe sich einstellt: Karl Ritter erklärte die niedrige stufe seiner bewohner aus der geringen entwickelung der küsten im verhältnisse zu seinem äuszerlichen umfang Peschel völkerk. 223; ähnl. die nation hat der stufen zu erreichen noch vor sich; andere nationen sind ihr in diesem, in jenem stücke zuvorgekommen; sie ist auf gutem wege J. J. Engel schr. 3, 150.
β)
einen zustrom erhält dieser gebrauch durch die anwendung von stufe auf organische entwickelung in der naturwissenschaft; mit bezug auf den einzelorganismus: ein fünftes ei, welches sich auf der hier besprochenen stufe der entwickelung befunden haben soll Sömmerring bau d. menschl. körpers 7, 98; vor allem durch die annahme einer graduellen entwicklung der organismen bis zum menschen: in allen übergängen der organischen natur, die aus einer stufe der metamorphose in die andere tritt Göthe III 4, 120 W.; auf den höher entwickelten stufen der schöpfung Ritter erdk. 1, 9; unser geist steht noch auf der stufe der amphibien Bettine dies buch geh. d. könig 2, 460, auch hier der gebrauch von stufe schlechthin als entwicklungsstufe: die empfindsamkeit, die fähigkeiten und triebe der tiere nach ihren arten und stuffen Herder 5, 24 S.; eine instanz aus dem thierreich der niedrigsten stufe führen wir ... hier vor Göthe II 6, 13 W.; die hypothese, dasz die seelen verschiedene stufen durchmachen Lange gesch. d. materialism. 224; auch verschlägt es nichts, wenn diese urzeugung nicht auf der erde, sondern anderswo angenommen wird und man dann mit Arrhenius keime irgendwelcher stufe sich durch den weltraum fortbewegen und die erde befruchten läszt Lämmel die mod. naturwissensch. u. d. kosmos (1929) 107.
9)
die immer stärkere erweiterung des anfänglich bildlichen gebrauches zu solchen inconcreten übertragungen erlaubt vereinzelt schon in der zweiten hälfte des 18. jh., allgemein im 19. jh. eine reihe adverbieller verbindungen, die nurmehr beziehungsfunction haben:
a)
vergleichend; ausdrücke der gleichheit: mein geschmack blieb auf eben der stuffe stehen, worauf sein genie stehen blieb Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 1, 105; mit meinen körperlichen leiden blieb es ... auch hier beinahe immer auf derselben stufe Kerner bilderb. 218; ich weisz wohl, dasz wir beide nicht auf einer stufe stehen Bauernfeld ges. schr. 5, 53; vor allem auf einer, der gleichen stufe mit: mit den frauen steht nicht einmal der teufel auf gleicher stufe Düringsfeld sprichw. 1, 247ᵇ; sie finden sich ... auf einer stuffe ... mit einander Herder 23, 60 S.; mit recht verlangt er (der gebildete) von dem dichter, ... dasz er im intellectuellen und sittlichen (leben) auf einer stufe mit ihm stehe Schiller 6, 316 G.; das gewissen steht nie und nirgends auf einer stufe mit der fähigkeit zu essen, zu trinken und zu verdauen P. de Lagarde dtsch. schr. 52; dort hatte man ihn auf eine stufe gestellt mit dienstboten Polenz Grabenhäger 1, 233. ausdrücke der ungleichheit: es ist ... zur mode bei den schrifftstellern geworden, dasz sie sich allzeit um etliche stufen über ihren gewöhnlichen vortrag erheben Lichtenberg nachlasz 7, 24 Leitzmann-Schüddekopf; der unfreie dienstmann stand in dieser beziehung nur eine stufe unter dem vollkommen freien Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch. 1, 458; der mensch erholt sich, er beginnt, vielleicht auf einer höheren stufe, sein altes spiel Göthe 42, 1, 91 W.; da Abdias bei jedem neuen fehlgeschlagenen versuche seine hoffnung auf eine tiefere stufe herabstimmte Stifter s. w. 3, 84; vor allem als masz bei höher, tiefer u. ä.: auf der bühne soll der mensch eine stufe höher stehen, als im leben Börne ges. schr. 1, 34; was den ackerbau betrifft, merkte man jetzt, dasz die nation um eine ziemliche stufe weiter gekommen, als sie zu Tacitus zeiten war M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 356; eine stufe niedriger Thümmel reise (1791) 8, 245.
b)
in quantitativ unterscheidenden aussagen: so dasz wir endlich ihre revolution überwältigten, die aristokratie bei ihnen bis zu einer gewissen stufe wiederherstellten H. Heine w. 3, 465 Elster;
α)
besonders in der verbindung von stufe zu stufe, für die allmähliche entwicklung eines vorgangs (vgl.stufenfolge): nothwendig wird unsre existenz von stuffe zu stuffe immer freier ... werden Herder 15, 325 S.;
wodurch wir uns durch die betrachtung
dieser erschaffenen ding um uns her von stufe zu stufe
höher noch schwingen zu gott
Zachariä poet. schr. 7, 163;
lockerer: die pilgerin führte ihn unmerklich von einer stufe der lust zur andern Klinger w. 3, 89; als audruck geordneten fortschreitens zu einem ziel (vgl.stufengang): denn ich wollte sie von stufe zu stufe ihm zuführen, und ihrem zarten geiste nur langsam das merkbar machen Klinger w. 8, 227; er wuszte im bau der erdoberfläche ... fast auf jedem schritte von stufe zu stufe eine merkwürdige thatsache in der natur aufzudecken Ritter erdk. 1, 35; zur bezeichnung der reihenfolge zugehöriger dinge (vgl. stufenfolge):
so vernimm von stuf zu stufe
ihren (der heiligen) sieggekrönten streit
Brentano ges. schr. 1, 217;
leider ist es uns nicht vergönnt, die innere entwickelungsgeschichte des merkwürdigen volkes ... von stufe zu stufe zu verfolgen Mommsen röm. gesch. 3, 215. bei starker zielbetonung drückt die verbindung eine steigerung innerhalb des vorganges aus (= 'immer mehr'): deine gedanken werden bleiben, und du wirst sie deinem geschlecht von stufe zu stufe mehr enthüllen Herder 13, 11 S.; ein umstand, der mich hernach von stufe zu stufe, bis an die gränze der verstockung brachte Schubart leb. u. ges. 1, 69; willst du mich durch immer neue geburten und immer neue schauplätze des elends von stufe zu stufe — zur vernichtung — führen? Schiller 2, 163 G.
β)
als summarischer ausdruck für gesteigertheit, vgl. auchB 4 u. C 4; noch bildhaft: ihr spraach ... stehet ja beynah an dem obristen grad und stuffen theatr. amoris (1626) x 3ᵇ; in der that hatten die leistungen der Wiener bühne damals eine hohe stufe erreicht O. Jahn Mozart 3, 33; der physikalische unterricht in Österreich (steht) auf einer weit höheren stufe L. Boltzmann popul. schr. (1905) 99; formaler: Plautus und Terenz, welche die lateinische comödie auf die höchste stufe brachten, die sie jemals erreicht hat R. W. Ramler einl. in d. schön. wiss. 2, 373;
es musz ja deine lust auf höchsten stuffen stehen
Weichmann poes. d. Niedersachs. 2, 122;
so darf man im grunde nichts im auge haben, als jene völlige lossagung von der gesetzlosen kunst ..., (die) hier und da auf die niedrigste stufe geführt hat Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 89; ganz unanschaulich (wohl durch grad beeinfluszt): persönlich kann er auf höchster stufe jenes züchtige und ehrbare geschlecht vertreten Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 59; ähnl.: vor einigen tagen rühmte er eine übersetzung ... von einigen oden des Horaz, die bis zu der untersten stufe schlecht ist J. H. Voss in W. Herbst J. H. Voss 1, 73.
D.
stufe in der composition. in zusammensetzungen, denen ausschlieszlich die bed. 'gradus' zugrunde liegt, erscheint das wort in seinem mitteldtsch. verbreitungsherd und im ostd. colonialgebiet vereinzelt schon im 14. u. 15. jh., vgl. stuphennail (d. i. stufennagel) 1399 cod. dipl. Lusatiae sup. 3, 331; sthuffenholz Marienb. treszlerb. 161 Joachim (s. u.); auch das 16. jh. hält sich mit den lehnübersetzungen stufenlied Luther 15, 363 W. und stufenjahr (1586) B. Quinos disce mori 17; stufenweise adv. J. Barth weiberspiegel (Lpz. 1565) c 2ᵃ in diesen grenzen. erst in der zweiten hälfte des 17. jh. erscheinen die compositionen allmählich häufiger: stufengerüst Reyher thes. (1686) 34; -gesang (lehnübers.) Scheräus spr. schule (1619) 58; -haar Corvinus fons lat. (1646) 394; -ziel Francisci eröffn. buszhaus (1676) 1387; im 18. jh., besonders in seiner zweiten hälfte, werden fast alle andern gebildet, sodasz das 19. nur noch gewisse technische erfindungen wie stufenanker, -batterie zu benennen hat, vgl. Blaschke wb. d. elektrotechnik 121. das compositionselement ist fast ausnahmslos der schwache genitiv stufen-; stuff- nur in stuffnail 1429 cod. dipl. Lus. sup. 2, 40 und stuffjahr Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 24 belegt, einmal stuffens- in stuffensweise Harant christl. Ulyss. (1678) 117.
1)
die eigentliche bedeutung von stufe B 1 u. 2 erscheint in den zss. seit dem 14. u. 15. jh., häufig in zum teil rein technischen bezeichnungen, die mit dem treppenbau zusammenhängen:
stufenansicht
vorderseite einer stufe Mothes baulex. 4, 286;
stufenantritt
in dem kleinen erker, zu dem ein niederer stufenantritt führte H. Hart liebesmusik 73;
stufenaufgang
(er) erstieg den thurm, dessen stufenaufgänge noch wahrnehmbar sind Ritter erdk. 10, 263;
stufenauflager
eiserne träger ..., zwischen denen dann flache kappen das stufenauflager bilden Schönermark-Stüber hochbaulex. 839;
stufenausschnitt
ebda 842;
stufenbasis
man wird sich ... kaum enthalten, diese stufenbasis den cothurn der griechischen tempel zu nennen Böttiger kl. schr. 1, 284 Sillig;
stufenbau
(s. d.);
stufenbreite
Schwan nouv. dict. (1783) 2, 740; in beiden fällen werden die stufenbreiten von innen nach auszen kleiner Karmarsch-Heeren 11, 100;
stufenbrücke
laufbrücke mit treppenartigen stufen Mothes baulex. 4, 286;
stufenende
die eingemauerten stufenenden sind dabei rechteckig Schönermark-Stüber 836;
stufengang
(s. d.);
stufengerüst
genus machinae scansoriae ein stuffengerüste Reyher (1686) 34; Hermann erblickte auf einem stufengerüste in der nische einen sarkophag in ägyptischem geschmack Immermann 7, 83 Hempel;
stufenhals
schmales ende einer wendelstufe Mothes 4, 286;
stufenhöhe
Karmarsch-Heeren 8, 553;
stufenholz
3 firdung an 8 pfenge den bretsnydern vor sthuffenholz zu treppen zu snyden Marienb. treszlerb. 161 Joachim;
stufenkante
bei glatteis war er ... mit dem schlaf ganz dicht an eine scharfe stufenkante gefallen L. Richter lebenserinn. (1909) 469;
stufenlager
in die schmalen schlitzständer (der leiter) wird ein lagerholz, stufenlager oder wange ... eingesetzt Kregenow u. Samel gerätkunde 68;
stufenleiter
(s. d.);
stufennagel
vor 1⁄2 sch. stuphennail 4 gr. (1399) cod. dipl. Lusatiae sup. 3, 331; stuffnail 2, 40 u. ö.; Mothes baulex. 3, 425;
stufenpfad
auf dem steilen stufenpfade,
eingehauen dem granite,
heben sich in scheuer windung
nach dem gipfel ihre schritte
Lenau s. w. 256 Barthel;
stufenplatz
die kellnerin, die auf den stufenplatz vor der pforte getreten war Steub drei sommer i. Tirol 1, 358;
stufenreich adj.
(ich) stieg am steilen, aber stufenreichen felsen jenseits wieder hinan H. v. Barth Kalkalpen 431;
stufenschacht
(bergm.) 'ein in einen felsen gehauener schacht, welcher statt der fahrten mit stuffen versehen ist' Jacobsson 4, 343ᵃ; Zappe miner. handlex. 3, 31; Beil technol. wb. 1, 587 und andere;
stufenstütze
Schönermark-Stüber hochbaulex. 847;
stufenthron
(vgl.B 2 a):
wer muth sich fühlt in königlicher brust,
er zaudert keineswegs, betritt mit lust
des stufenthrones untergrabne bahn
Göthe 13, 1, 177 W.;
stufentreppe
es finden sich ... schichten (in einer gesteinsart) ..., die einer stuffentreppe ganz gleich sind allgem. dtsch. biblioth. 100, 473;
stufentritt
in den fels gehauene stufen Ritter erdk. 3, 802; anabathron ... treppchen, stufentritt Mothes baulex. 1, 93;
stufenunterbau
der das hieron erhebende stufenunterbau archäol. ztg. 3, 189 E. Gerhard;
stufenuntersatz
stufenuntersatz eines postamentes Mothes baulex. 2, 17;
stufenuntersicht
der über die stufenansicht hinausragende teil der stufe: wenn eine stufenuntersicht möglich ist, können die unteren kanten profiliert werden, um der untersicht ein gefälligeres aussehen zu geben Schönermark-Stüber hochbaulex. 836;
stufenweg
sie eilte ... den stufenweg hinan und ging in das kirchlein G. Keller ges. w. 2, 211;
stufenzahl
Ritter erdk. 14, 573.
2)
die anwendung von stufe B 3 liegt der composition zugrunde in einer fülle von bildungen auf grund verschiedenartigster formähnlichkeit; eine besondere gruppe bilden die seit dem 19. jh. mehr oder weniger festen geologischgeographischen formationsbezeichnungen; zss. mit adj. u. adv. umschreiben diese beziehung:
stufenabfall
wir halten diesen bergzug, ... für einen der mehrern subordinierten stufenabfälle der Nubischen Terrasse gegen norden Ritter erdk. 1, 576;
stufenabsatz
H. v. Barth Kalkalpen 409; die eine derselben (pyramiden) erhebt sich in breiten stufenabsätzen Pückler-Muskau aus Mehemed Alis reich 2, 21;
stufenarm
die plattige, stufenarme beschaffenheit des felsens H. v. Barth Kalkalpen 442;
stufenartig
(s. d.);
stufenbahn
stufenweise angeordnete plattformen zum personentransport, die sich mit verschiedener geschwindigkeit in derselben richtung drehen Lueger 7, 581;
stufenberg
links blickt Gernrode unterm Vorderharz hervor, und lockt mit seinem vielversprechenden stufenberg jeden lebenslustigen herbei Novalis schr. 1, lxvii Minor;
stufendach
das runde stufendach des Pantheons K. Ph. Moritz reise e. Deutschen in Italien 1, 203;
stufenfalte
es soll ... die hangstreife (der lange streifen, welcher an den frauenhauben zu beiden seiten rückwärts hinabsteiget) in dem günstigen ebenmasze in drei auch vier verlorne stufenfalten gelegt seyn Sonnenfels ges. schr. 2, 216;
stufenferse
eine strickart der ferse beim strumpf Dillmont encyclopädie d. weibl. handarb. 246;
stufenflusz
der bei sammelflüssen häufige, über niedrige stufen sich vollziehende wechsel von berg- und flachlaufstücken O. Kende geograph. wb. 115ᵃ;
stufenförmig
(s. d.);
stufengefäsz
man lasse ... stufengefäsze aus weiszen porcellan machen, und fülle das eine mit einer reinen gelben feuchtigkeit, so wird diese von oben herunter ... stufenweise immer röther ... erscheinen Göthe II 1, 211 W.;
stufengiebel
L. Wächter sagen d. vorzeit 4, 143;
stufengitter
aus einer anzahl genau gleichdicker, stufenartig übereinandergelegter planparalleler glasplatten bestehendes (beugungs-) gitter G. Berndt physikal. wb. 163;
stufengleich
fällt ihr von ungefähr
ein birnbaum ein mit stufengleichen ästen
Wieland w. 5, 90 Hempel;
stufenglück
hier sollen gatten an einander wandeln,
ihr stufenglück in wohlgerathnen kindern
entzückt betrachten
Göthe 10, 248 W.;
stufenhaar
(s. d.);
stufenhügel
(s. d.);
stufenkleid
weil ... jede falbel die vorige ... bedeckt, ziemlich wie an den stuffenkleidern der frauenzimmer Oken allgem. naturgesch. 5, 1234;
stufenland
von dem obern stufenlande des Indusstromes Krünitz 227, 273; Ritter erdk. 1, xix; durch das vielfach zerklüftete stufenland des westlichen Jura Moltke ges. schr. u. denkw. 3, 376;
stufenlos
im süden ein steiles felsblatt, stufen-, absatzlos H. v. Barth Kalkalpen 491;
stufenmäszig
(s. d.);
stufenpfeife
syrinx Heinsius wb. 4, 902;
stufenpyramide
in Indien treffen wir nun ... ebenfalls die stufenpyramide unter dem namen pagode Fr. Th. Vischer ästhetik 3, 2, 279;
stufenrad
1) eine horizontalhaspel Karmarsch-Heeren 4, 280; 2) ein aus scheiben zusammengesetztes rad, deren jede mit einem zahn versehen ist ebda 11, 99;
stufenrost
in stufenrostfeuerung Muspratt chemie 8, 516;
stufenscheibe
riemenconus, enthält zwei bis sechs bahnen für den treibriemen mit abstufungen Lueger 7, 583;
stufenschwänzig
von den ... bäumen spinnen die stufenschwänzigen ziegenmelker ihren nachtgesang Brehm thierl. 1, 449;
stufental
dieser engpasz, welcher den obersten ... trockengelegten seeboden, oder das oberste stufenthal Oberägyptens ... begrenzt Ritter 1, 702; das sechs stunden lange Gasteinthal ist ein sogenanntes stufenthal Rosegger Alpensommer (1908) 332;
stufenturm
Fr. Th. Vischer ästh. 3, 2, 285;
stufenventil
zu etagen- oder stufenventilen mit übereinanderliegenden ... nach oben hin kleineren ringen Lueger 6, 889;
stufenwalze
ebda 7, 843;
stufenwehr
nach der form unterscheidet man die hölzernen wehre in solche mit senkrechtem abfall, in stufenwehre und in wehre mit schiefem abschuszboden Karmarsch- Heeren techn. wb. 10, 258;
stufenweise adv. u. adj
(s. d.);
stufenwuchs
dagegen schaut sie mit entzücken,
wie grün der neue halm sich bläht
und auf der berge festem rücken
ein stufenwuchs den wald erhöht
Göthe 16, 304 W.;
stufenzahn
zahn eines stufenrades Mothes baulex. 4, 286; Hoyer-Kreuter techn. wb. 1, 748;
stufenzinne
Mothes baulex. 4, 516.
3)
der übertragene gebrauch von stufe C hat nach vereinzelten ansätzen seit dem 16. jh., vgl.stufenweis, besonders seit dem 18. jh. eine grosze anzahl von bildungen entwickelt, z. b. stufenalter, -erhöhung, -plan, -wesen u. s. w., die an alphabetischer stelle verzeichnet sind, ebenso wie die composita, die den gesamten bedeutungsbereich von stufe umfassen, z. b. stufenfolge, -gang, -kette, -leiter, -reihe, -weis u. s. w.
stufe f.m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1932), Bd. X,IV (1942), Sp. 307, Z. 19

Unterbegriffe in diesem Artikel

stück eines erzes, minerals. die etymologie ist unsicher; ²stufen vb., nach Minerophilus bergw. lex. 650; Adelung gramm.-krit. wb. 4, 469 das ursprungswort, ist wohl abgeleitet. eine frühe nebenform, wenn nicht gar das ursprüngliche wort, ist stuff (stueff) mit masc. geschlecht: es sol chain gruebmaister, schaffer noch arbeiter dhainen stuef, es sei werch oder ärzt, von perg heimtragen (14. jh.) öst. weist. 1, 199; den stuff Thurneisser v. prob. d. harnen (1571) 6; an einem stuff ders. v. kalten wassern (1612) 44; ein stuff Albinus meiszn. bergkchron. 30 und immer in der form stueff bei Lori bair. bergr. 211; 217; 259 (16. jh.). vereinzelt noch im 18. jh.: kobolt stuff das centner 18. rthl. Cass. ztg. (1731) 64, weitere belege s. bei H. Veith bergwörterb. 480; vom ende des 17. jh. an allgemein stufe Junghans gräubl. ertz (1680) f 1ᵃ; v. Schönberg berginform. 2, 94. nur die zusammensetzungen zeigen bis heute beide formen (s. u.). als ursache der vereinheitlichung ist der einflusz der seit dem 17. jh. an boden gewinnenden ¹stufe zu vermuten. die flexion scheint ursprünglich stark zu sein: acc. sg. stuef öst. weist. a. a. o.; stuff Albinus meiszn. bergkchron. a. a. o.; stuff Thurneisser v. prob. d. harnen a. a. o.; dat. sg. stuff ders. v. kalten wassern a. a. o.; nom. pl. stüeff nach Schmeller-Fr. 2, 737; daneben vom 16. jh. an schwache formen: nom. sing.: das ist ein stuffen von einem ertz Paracelsus op. (1616) 2, 202ᶜ; nom. pl. stueffen (1548) bei Lori bair. bergr. 249. ursprungsgebiet und verbreitung entziehen sich dem blick; die ältesten belege (meisznisch und bairisch) sind nicht einheitlich. heute ist das wort auch für die siegerländische bergmannssprache notiert P. Gerhard Siegerl. bergm.-spr. 166. — in ders. bed. auch als deminutiv stüf(f)chen, stüf(f)lein, s. u. 2, vgl. auch stüfel.
1)
das nichtformierte, die abbauproducte in verhältnismäszig reiner form enthaltende mineralische muttergestein: deren (der mineralien) vilerley an einem stuff wachsen Thurneisser von kalten wassern (1612) 44; wenn ihr ein ertz probirn wolt, werdt ihr erstlich den stuff stoszen ders. von probierung der harnen (1517) 6; ferner bricht dise art silberertzes nicht allein in groszen stuffen und glebis Albinus meiszn. bergkchr. 40; der (steiger) hatte einmal, als der gewinn grosz war, ein paar reiche stufen bei seite gelegt, um, wenn der bau ... ärmer sein würde, damit das fehlende zu ersetzen W. Grimm dtsch. sagen 1, 80; die stuffen, die sie puchen A. v. Arnim w. 13, 235 Gr. bildlich: sonst aber, wer denken, wer in einem berge stufen wählen will, um gold erst selbst zu schmelzen ... der findet materie genug Herder 5, 321 S.; sollte dieses (unsere leistung) auch nichts gediegenes seyn, nun so ist es auch vielleicht nicht ganz taube stufe Bürger 341ᵇ Bohtz.
2)
hauptsächlich ein einzelnes natürlich formiertes, gediegenes stück des abbauprodukts: nemen sie ausz irem schiff etliche stück oder stuffen salpeter Mathesius Sarept. 1ᵇ; so das eine stüfflein (schwefel) grosz, das ander aber ... klein ... ist Thurneisser magn. alchym. 18; ein stuff ... gediegen silbers Albinus meiszn. bergkchr. 30; gediegene stufflein oder zänlein gold ebda 84; ich bringe ihnen schöne stufen gewachsnen schwefels mit Göthe IV 9, 227 W.; vorzüglich sehenswürdig ist in dieser abtheilung eine stufe gediegenes eisen Pückler briefw. u. tageb. 2, 25. mit der vorstellung eines kleinen, aber wertvollen stücks von mehr oder weniger bestimmter grösze: ferner sieht man ... einen mit reichen stufen und edelsteinen besetzten pocal Gottsched neuest. a. d. anmuth. gelehrsamk. 5, 757; gleichwol empfinde ich, dasz ich von der höhe, tieffe und breite dieser unmäszigen ... weiszheit ... kaum etliche kleine stüfflein und bröcklin ... hab erlangen und ans liecht bringen mögen Luther tischr. (1567) 80ᵇ.
3)
als technische maszbezeichnung: 'in der erzaufbereitung sind stufen stücke von bestimmter korngrösze, etwa von 30-60 mm' Lueger lex. d. ges. techn. 7, 581.
4)
die zusammensetzungen, fast ausschlieszlich bergmännische fachausdrücke, zeigen die doppelform des simplex in den elementen stuf(f)-, das hauptsächlich das einheitlich gedachte erzmaterial bezeichnet, und stuf(f)en-, bei dem mehr an die einzelnen, meist bestimmt formierten stücke gedacht wird; vereinzelt mit dem s des masc. starken genitivs stuffsweis (s. u);
stufenerz
neben stufferz als besonders reines erz im gegensatz zu pocherz; so häufig gebucht bis heute. sonst im gegensatz zum halden- oder klauberz: doch soll unserm lieben vettern und pflegsun ... in denselben zwelf jaren gewondliche fron, das ist der zehent khubel von dem stuefärzt vollgen, aber von halden oder klaubärzt und waschwerck ... sollen sy derselb zeit die fron zegeben nit schuldig seyn 1509 bei Lori bair. bergr. 142; stufenertz Besold thes. pract. (1697/99) 2, 713ᵃ; Karmarsch-Heeren 8, 655; jene (derben massen) nennt der hiesige bergmann, nachdem sie gefördert sind, stufenerze Zöllner br. über Schlesien 1, 375;
stufenhammer
'ein kleiner hammer zum losschlagen von gesteinstücken' Veith bergwb. 480;
stufenhandel
so wie jetzt der ganze stufenhandel in händen der bergakademie ist G. Forster s. schr. 7, 353;
stuffkies
Muspratt chem. 1, 1608;
stufenpochwerk
Krünitz 177, 197;
stuffprobe
probe von einem stück erz G. R. Lichtenstein entdeck. geheim. 216; Beil techn. wb. 1, 587;
stufensammlung
allg. dtsche bibl. 110, 449; übertragen: die literarische stufensammlung seines bücherbrettes Jean Paul w. 3, 73 Hempel;
stufenschläger
mann der stufen schlägt: stuffensleger (14. jh.) bei Ermisch sächs. bergr. 12;
stuffschlich
'das von stuffwerk abgegangene, klare, gewaschene erz' bergmänn. wb. (1778) 540; Mothes baulex. 4, 287;
stufentaxe
die früher seitens des bergamts besonders festgestellte taxe für einzelne stufen Veith bergwb. 480;
stuffsweis
in form von stufen: welche (zinnerze) ... im geschütt, grieben, korns- oder stuffsweis (sie seien gross oder klein) ... gefunden werden Thurneisser magn. alchym. 140;
stuffwerk
von natur ganz reines zum schmelzen geschicktes erz Mothes baulex. 4, 287; derbes erz Veith bergw. 480.
stufe f.
Fundstelle: Lfg. 2 (1932), Bd. X,IV (1942), Sp. 308, Z. 55
eine bergmännische, in das gestein gehauene grenzbezeichnung; wahrscheinlich von ²stufen abzuleiten. auch als stupfe, s. u. im sing. anfänglich noch schwache formen: dat. stuffen entscheidungen d. oberhofes Iglau nr. 53, 4 Zycha; acc. ein stuffen Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 68 neben den starken: dat. stufe Ermisch sächs. bergr. 58; acc. stuffe Mathesius Luther (1576) 10ᵃ. belegt ist das wort zuerst für Sachsen und Böhmen (s. u.), nicht viel später auch für Baiern Schmeller-Fr. 2, 737 und Schwaben Fischer 5, 1905; heute auch in der Siegerländer bergmannsspr. Gerhard 166.
1)
stehendes grenzzeichen (vgl.erbstufe, markscheidestufe): do di siben lehen wenden (aufhören) zu Send Andres (e. bergwerk), do schol auch sein ein stende stuff czwischen derselben gruben ... und ... den vorgenanten sechslehen entsch. d. oberhofes Iglau nr. 53, 4 Zycha; nicht nur im bergbau: albereit mit stuffen undermarckte waldungen Tübingen, stadt u. oberamt 1616 bei Fischer schwäb. wb. 5, 1905. hierher auch das rechtssprichwort vor stuff zäunet man nicht Graf-Dietherr 84, indem stuff wohl ein nur durch gezeichnete steine abgegrenztes landstück bedeutet, vgl. '(es) stand ... bei solchen ländereien, die sich auszerhalb der dorfgemarkung befanden und mit dem worte stuff bezeichnet wurden, dem landmann frei, sie einzufrieden oder nicht' Wander 4, 936.
2)
in dem ausdruck stufen schlagen, auch stupfen schlagen (s.stupfe) einmaliges grenzzeichen, das beim einteilen einer arbeitsstrecke geschlagen wird (vgl. gedingstufe): das die geswornen die stufen, so der schichtmeister vordingt had ... slahen sullen Ermisch sächs. bergr. 94; Lori bair. bergr. 169ᵃ; alle geding am bergk sollen im beysein der geschwornen hingelassen werden, die sollen die örther besichtigen und behawen und den stuff selbst schlagen churtrier. bergordn. 1564 bei Brassert bergordn. 136. speciell 'die geleistete arbeitsstrecke vor dem aufhören durch ein zeichen anmerken': über das so der herr des stollens ein stuffen schlecht, und hört auf den stollen treiben, so mag er ... erhalten Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 68; ist wann der stöllner denselben (stollen) nicht weiter treiben will, so wird eine stuffe geschlagen Junghans gräubl. ertz e 4ᶜ; bildlich: hiemit wollen wir diesmal ... beschlieszen und eine 'stuffe' allhie schlagen; aufs nächste wollen wir wieder ansitzen Mathesius Luther 10ᵃ. vgl. auch s. v. stufengeld.
3)
als bergmännische maszbezeichnung: beym salzwerk zu Hallein hat die (berg-) ellen 6 stüef, ein stuef 32 punckt Lori bair. bergrecht 640ᵃ, s. Schmeller-Fr. 2, 737; Veith bergwb. 480.
stufe m.; f.,
Fundstelle: Lfg. 2 (1932), Bd. X,IV (1942), Sp. 309, Z. 29
rest, besonders eines zeugstückes; gleichen stammes wie stuf, adj.; vgl. anord. stufi, stúfr, m., der stumpf Heggstad gamalnorsk ordb. 663; neunorw. stûv, m. dass. A. Torp nynorsk et. ordb. 736; schwed. stuv m., zeugrest Hellquist svensk et. ordb. 891; griech. στύπος stock, lett. stups stumpf und in weiterem zusammenhang stubben, m., s. oben sp. 154. das wort ist auf das niederdeutsche beschränkt, urkundlich seit dem 13. jh.: ok moghen se lenewand unde stuven wandes bi repen vorkopen (1365) urkundenbuch der stadt Lübeck 3, 576; dat nymant, die neyn wantsnyder is, vorkopen schule ... stuuen ader stuken, si enhebben denne twey heyle enden (1447) cod. dipl. Brandenb. I 16, 80; sexdecim integros Gandavenses pannos et 26 stuven Gandavenses ... et 5 stuven Yprenses (werden als sicherheit gegeben) (1287) hansisches urkundenbuch 1, 1036 Höhlbaum; von der längede der stuven und reiszend ... so fern ... einer zu kleidern etwas notig hette ... und wolte deswegen einen stuven (ein stück, das nicht die gesetzmäszige länge hat) an ein stück scheren lassen ..., so soll er denselben nicht länger machen alsz 8 brabandsche ellen (1613) Hamburger zunftrollen 218; weitere belege bei Schiller-Lübben 4, 456. als demin.: 1 kyste, do was inne ... 2 stuvechen gewandes rot unde grun, item 1 stuvechen weis gewand handelsrechn. d. dtschen ordens 471 Sattler. heute noch mundartlich, auch in weiterer anwendung: 'stuve der rest von einem stück zeuge, wovon das andere verschnitten und verbraucht ist, it. der rest von einer jeden andern waare' brem.-niedersächs. 4, 1075. als feminin. stufe, demin. stufchen, comp. stufende' der rest von einem stücke zeug, auch rest eines der länge nach meszbaren gegenstandes überhaupt' Frischbier 2, 384ᵇ; stufchen 'überrest, sonderlich von sachen, die mit der elle gemessen werden', stufendchen 'kleiner überrest z. b. vom talglichte' Hupel Lief- u. Ehstland 232; 233. vereinzelt sonst lexikalisch: stufende vom zeuge Schrader dt.-frz. 2, 1332. in anderer anwendung: ein fetzen landes ... der dann stuf, das will sagen ein stümmel landes hiesz Dahlmann gesch. v. Dänem. 1, 138.
Zitationshilfe
„stufe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stufe>, abgerufen am 20.08.2019.

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