stulle f.
Fundstelle: Lfg. 3 (1933), Bd. X,IV (1942), Sp. 368, Z. 13
nd. form neben stolle.
1)
'bestrichenes stück brot', seit mitte des 18. jhs. als mundartlich bezeugt: wie man an einigen orten noch der kinder butterbrod eine butterstolle nennet Frisch t.-lat. (1741) 2, 339; ähnlich Adelung (1780) 1, 1159; heute mundartlich, immer mit u, bezeugt in der Mark, in Halberstadt und Eisleben, s. Kretschmer wortgeogr. 511; Danneil 215ᵃ; Teuchert neumärk. 223; Brendicke Berliner wortsch. (1897) 180ᵃ; Schambach Götting. 216ᵃ; Hertel Thüring. 239; schon in Salzungen fehlend, vgl. Hertel Salz. wb. 46. literarisch selten: groszmutter, die ihnen ihre stullen schnitt und die suppe einbrockte H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 43; er erbot sich gegen uns, auf seiner 'stulle' eine recht fette kreuzspinne zu verzehren G. Parthey jugenderinnerungen (1907) 1, 125 Friedel; vgl. weiter bei Sanders 3, 1224; erg. wb. 528ᵇ, wo auch ältere zeugnisse aus Berliner zeitungen; vereinzelt mit o: hätt es mir ja sagen können, der herr Tysz, wenn er hungrig war, hätt ihm ja gern meine ganze stolle gegeben — mit verklärtem blick einen bissen des butterstollenrestes ... nehmend E. T. A. Hoffmann w. 12, 120 Grisebach; in der composition: stullenpapier, in Berlin allgemein; im zweiten gliede: butter-, honig-, käse-, musz-, schmalz-, semmelstulle.
2)
brodförmig gebackener kuchen von besonderem teig: stolle eine art weiszbrod, eine christstolle Frisch t.-lat. (1741) 2, 339; in der form stulle nur vereinzelt verzeichnet: stolle, stulle ein groszes weiszbrod mit butter und gewürzen Dähnert pomm. und rüg. 465ᵃ; dagegen stolle, f., schon im 14. jh., s. teil 10, 3, 199 und heute z. b. im obersächs., s. Kretschmer wortgeogr. 511; auch als masc. stollen, z. b. im elsäss., s. teil 10, 3, 207. beachtenswert in besonderer nähe zu 1: butterstolle, ein gebackenes, darauf man butter streicht, wenn es aus dem ofen kommt Adelung 1, 1159.
3)
herkunft. dasz übertragung des masc. stolle 'stütze, pfosten' (teil 10, 3, 200) vorliege (so Weigand-Hirt⁵ 2, 977; 998) ist zumindest für 1 unwahrscheinlich; schon von Paul d. wb.³ 528 angezweifelt. vielleicht gehört 1 zu dem westl. nd. stulle stück, brocken, unförmliches stück, klumpen, boterstul butterklumpen Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 352ᵃ; Kern-Wilms Ostfriesland 131; de Bo westvlaamsch idiot. 973ᵇ, nl. stul nl. wb. 16, 377; schon alt bezeugt: stulle, stolle, stuck, lap Kilian (1605) 540; eine solche bezeichnung des butterbrotes als abgeschnittenes teilstück würde den weit verbreiteten synonyma schnitte, scheibe, stück, s. Kretschmer wortgeogr. 511, genau entsprechen.
Zitationshilfe
„stulle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stulle>, abgerufen am 17.08.2019.

Weitere Informationen …