Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

T

T,
der harte zungenlaut, der zwanzigste buchstabe unseres alphabets (vor der scheidung des I und J der neunzehnte Hederich 2189), über den schon bei d theil 2, 641—646 gehandelt worden ist, wozu hier nur einige ergänzungen kommen.
1)
zur aussprache: d t th sein auch gleich auf der zungen anainander, vertritt ainer den andern, wie dan auch bei den Kriechen gewonlich ist. Aventin. 4, 22, 31; das d mit seinem gleichen t dringt die zunge oben an den gumen, rürend die untern zene mit der spitzen, und so man den athem mit gewalt herrausz truckt wirts ein t, so mann aber lind truckt, wirts ein d. P. Jordan leyenschul (1533) A 7ᵇ; das t ist ein harter mitlauter .. wan man ihn ausspricht, so eröfnet man die zähne ein wenig und stöbbelt die zunge wider die unterzähne, und mus ihn gleichsam mit kraft heraus stoszen. Zesen rosenm. 100 f.
2)
echtes t ist die verschiebung der gemein-germanischen media d, doch dauert altes t unverschoben fort in den verbindungen cht, ft, st und tr (ter) in treu winter lauter otter bitter zittern. vgl. Weinhold mhd. gr. § 192. 196. bair. gr. § 141. alem. gr. § 171. 176.
3)
über das schwanken im anlaute (zwischen t und d) s. theil 2, 641 f. Weinhold mhd. gr. § 184. 187. 192. bair. gr. § 140. alem. gr. § 169. 179. Kehrein gr. des 15.—17. jahrh. 1, § 238. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 101 f. Seiler Basler mundart 68ᵃ.
4)
über das schwanken im inlaut s. theil 2, 642 f. Weinhold bair. gr. § 185. 193. alem. gr. § 140 f. 145 f. und Seiler a. a. o. der grammatische wechsel von d zu t hat sich nhd. nur noch (als tt) erhalten in leiden schneiden sieden (litten gelitten, schnitten geschnitten, sotten gesotten).
5)
über das schwanken im auslaute s. theil 2, 643 f. die mhd. regel, dasz inlautendes d im auslaute zu t wird (tôdes tôt, leides leit, mîden meit u. s. w.), ist nhd. nur noch gewahrt im prät. singular. der unter 3 genannten verba: litt schnitt sott.
6)
vortritt eines unorganischen t kennt die kärnt.-tirol. mundart im numerale tachzig Lexer 3. Schöpf 733. vgl. dazu mnd. tachertich Schiller - Lübben 4, 503ᵇ. altfries. tachtich Richthofen 1062ᵇ.
7)
über den ein- und anschub eines unorganischen t s. Weinhold mhd. gr. § 193—199. 200. 375 f. 403 f. bair. gr. § 142 f. Schmeller mundarten § 680. s. allenthalben, deinet-, meinet-, unsertwegen oder -halben, namentlich, öffentlich, ordentlich, wöchentlich u. s. w., gewohnt und ungewohnt (mhd. gewon ungewon wie noch in gewohnheit), axt, habicht, obst, palast u. s. w., wundert miraculum Widmann Regensb. chron. 55, 17, wassert aqua 56, 5, werkt opus Basler chron. 1, 455, 12, gmacht gemach F. Platter 193, licht leiche 287, zinst Ayrer 1196, 2, arzt erz, senft senf, teicht teich, seift seife u. a. Schmeller mundarten § 680 f. Lexer kärnt. wb. xiv. Schöpf 732; ellent elle, markt medulla Birlinger schwäb.-augsb. wb. 104ᵃ; ein solcher anschub fand früher auch statt in der 3. plur. prät. ind. sie rittent chroniken d. deutschen städte 4, 57, 2, erstachent 314, 27, schluͦgent 315, 8 u. s. w.
8)
über den aus- und abfall von t s. Weinhold mhd. gr. § 193 f. 199. 200. 403 f. bair. gr. § 143. alem. gr. § 174. 177; ältere beispiele mark mark chroniken d. deutschen städte 4, 281, 1, haupman 13, 23, zunfmeister 145, 5, nich nicht 38, 9, nach nacht Widmann Regensb. chron. 118, 14, fruchbar Basler chron. 1, 130, 37, houplüt 136, 35, lupriester 33, 15, zechen zehent Basler chron. 1, 439, 7, forch furcht F. Platter 178, brach brachte 316, dreg trägt 321, dorf durfte 171, tak takt Neubauer die fremdwörter im Egerländer dialekt 17, trakieren tractieren ebenda, pulpret theil 7, 2216. abgefallen ist das t auch in der 3. pl. präs. ind.; nur die oberdeutschen mundarten halten daran fest: sie nement, gebent u. s. w.
9)
der artikel die wird im anschube an eine präposition abgeschwächt zu t, so oft bei H. Sachs: ant, int, untert, an die, in die, unter die, theil 2, 974.
10)
über die (in der neueren orthographie theilweise beseitigte) verbindung dt s. theil 2, 644 ff. Kehrein gr. des. 15.—17. jahrh. 1, § 243 ff.: unrecht und ungeschickt ists auch, das man das t allweg an das d henkt, auch inn den wörtern, die gantz weich und linde lautent und auszgehen, als sein mund, wund, tod u. s. w., da schreibt man mundt, wundt, todt. Ickelsamer gr. C 8ᵇ.
11)
über die doppelung tt s. Weinhold mhd. gr. § 193. 199. bair. gr. § 141. 143. alem. gr. § 172. 176. Kehrein gr. des. 15.—17. jahrh. 1, § 242.
12)
sprichwörtlich: drei T sind des menschen gröszte feinde: teufel, tod und trübsal. Wander 4, 985.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1, Z. 1.

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Zitationshilfe
„t“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t>, abgerufen am 02.04.2020.

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