Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dummel, tummel, m.

dummel tummel, m.
rausch, taumel von wein oder bier, schwindel, tummel Schmid Schwäb. wörterb. 147, niederd. tümel, tumel Brem. wörterb. 5, 128. Strodtmann Idiot. osnabr. 253; s.dummeln, ↗dümmelich.
du prahlst 'ich saufe viel, krieg aber keinen dummel,
und söff ich auch das bier bei halb und ganzen ein,
so werd ich doch nicht voll'.
Neumark Lustwäldchen 224.
als ich den tummel davon (vom wein) im kopf empfand Simpliciss. 1, 281. demnach man aber abgessen und ich einen zimlichen tummel hatte 1, 314. mein man wird den dummel wohl ausgeschlafen haben Gespenst 211. das bier macht einen tummel Stieler 2361. er hat einen dummel bekommen Rädlein 204ᵃ. dummel, wenn einem der kopf vom trinken schwer ist Nieremberger Deutsch-lat. wörterb. Kk 2. vom gestrigen schmaus noch einen dummel haben das. sobald ich einen halben tummel bei ihm verspürete Felsenburg 2, 134. in der meinung dasz wenn ich etwa eine kleine halbe stunde in der freien luft herum gienge, sich der dummel wohl verlieren würde Cavalier im irrgarten 106. den tummel ausschlafen edormiscere crapulam Frisch 2, 394. Steinbach 2, 880. Frommann Mundarten 3. 274, 23.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1515, Z. 42.

tummel1, m.

¹tummel, m.,
sonus, tumultus.
herkunft und form. postverbale zu ²tummeln (s. d.); vgl. ferner gedümmel teil 4, 1, sp. 2051; getümmel ebda 4, 1, 3, sp. 4570; getümmer ebda 4588 sowie tümmer unten sp. 1750 zu präfixlosen neutralen kurzformen von getümmel s. teil 4, 1, 3, 4575, 3 a. im vergleich mit dem verb überwiegen die umgelauteten formen, wohl unter einwirkung der kollektivbildung getümmel: (1483/89) dok. z. gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 2, 447; Keisersberg schiff d. penitentz (1514) 83ᶜ; Petri bibelglossar (Basel 1523) sowie die von ihm abhängigen glossare von Knoblouch (Straszburg), Steiner (Augsburg) und Farkall (Hagenau), vgl. Dauner d. obdt. bibelglossare d. 16. jhs. 9; 135; (1529) Kessler Sabbata 311; trunkenmette A 3ᵃ; (um 1550) Kaspar Scheit frölich heimfart v. 449 Strauch; (1535) Binder Acolastus in: schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 259 v. 2065 Bächt.; Pinicianus Scanderbeg (1561) 165ᵇ; Endinger judenspiel (1616) 685; Rebmann naturae magnalia (1620) 171. — umlautlose formen: (anf. 12. jh.) Rolandslied 6058; (12. jh.) spec. eccl. 80 Kelle (tumil); (1523) Zwingli 1, 324 Schuler-Sch.; (1534) Schmidel reisen 33 lit. ver.; (1644) S. Bürster schwed. krieg 123 Weech; wunderhorn, s. A. v. Arnim s. w. 14 (1846) 80; G. Keller w. (1889) 9, 125; nd. nur bei Th. Kantzow chron. v. Pommern 43 Böhmer (um 1540); Voss ged. (1803) 6, 43; lexikalisch Campe 4, 909; mundartlich Fulda allg. dt. idiot. (1788) 559; Schmid schwäb. 147; Fischer schwäb. 2, 451; Reiser Allgäu 2, 742; Pennsylvania-wb. 46; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 261; Jensen nordfries. 646. — umlautlose neben umgelauteten formen Montanus schwankbücher 11 (u); 51 (ü); Schmeller cimbrisch 179; neben umgelauteten und entrundeten formen Aventin 1, 190 (u); 4, 178; 320 (ü); 4, 59; 61 (i). — entrundung (1564) S. Schertlin briefe 167 Herberger; Autenrieth pfälz. 33. — eingeschobenes b bairisch (s. Weinhold bair. gramm. § 126) Aventin 1, 190; 4, 59; 61.
bedeutung und gebrauch. tummel ist schon in einem der frühesten belege unmittelbar neben und gleichbedeutend mit getumel als sonus bezeugt (s. u. 1 a). beide worte haben ihren bedeutungsbereich erweitert zu 'tumultus', vielleicht unter einwirkung des lat. worts, doch vgl. die entsprechende entwicklung von geschälle 3, teil 4, 1, 2, sp. 3832. ein bedeutungsunterschied zwischen simplex und kollektivbildung (so Petri bibelglossar [1523]: 'tümmel gethön, geschrey; getümmel ungestimb, auffrur' s. Frommanns zs. f. dt. maa. 6, 42 u. 44; vgl. auch Schütt Petris bibelglossar 47; Dauner d. obdt. bibelglossare d. 16. jhs. 135; 9) ergibt sich nicht aus den literarischen zeugnissen. in der schriftsprache hat sich durch und seit Luther die kollektivbildung durchgesetzt, vgl. teil 4, 1, 3, sp. 4572 getümmel I b. tummel und tümmel ist fast nur obd. bis zur mitte des 17. jhs. bezeugt (vgl. jedoch Th. Kantzow unten 1 b; J. H. Voss unten 2; schweizer. 19. jh. G. Keller s. u. 1 c; vgl. auch tummelgetose).
1)
sonus.
a)
von elementaren geräuschen, 'sausen', 'rauschen', auch 'donnern': alin gahis wart ein tumil und ein chradim von himele. do chom der heilige geist, und erschein den herin botin mit viwerinin zungin (12. jh.) specul. ecclesiae 80 Kelle (et factus est repente de caelo sonus, tamquam advenientis spiritus vehementis), vgl.getumele als übersetzung d. gleichen stelle ebda 86;
davon (von einem see) man allzeit wunderbar
ein tümmel höret rauschen har
J. R. Rebmann naturae magnalia (1620) 171;
mundartlich 'donner' Autenrieth pfälz. 33; Schmeller cimbrisch 179, s. u. tummelschlag.
b)
von geräuschen, die durch instrumente, durch menschliche oder tierische stimmen, durch ungestüme bewegung von mensch oder tier hervorgerufen sind, oft von 2 'tumultus' schwer zu scheiden:
(Roland bläst sein horn)
ther scal wart sô grôz,
ther tumel unter thie heithenen thôz,
thaz niemen then anderen mahte gehôren
(anf. 12. jhs.) Rolandslied 6058 Bartsch;
so hebt sich in der stuben ein dümmel,
von stülen und bencken ein grosz gerümmel
(16. jh.) trunkenmette A 3;
on underlasz ... eileten die Teutschen der stat Rom zue, liessen ander stet underwegs unpekümmert unangefochten, ruckten für und für mit einem groszen geschrai, g'rümpl und tüml, schriern nur schlecht Rom zue Aventin 4, 320 Lexer; (überfall des Gideon) da ein solchs gerümel und tümel war, rumpleten die feind urbering (plötzlich) im schlaf auf, hörten ein solchs pusaunen und plasen und geschrai, sahen die liechter ebda 4, 178;
losz, heb still, ich ghör ein tümmel!
(1535) G. Binder Acolastus, s. schweiz. schauspiele d. 16. jhs. 1, 259 v. 2066 Bächtold:
nachdem nun das eisen genugsam gelitten,
kömmt wagner Franz vor die schmiede geritten,
er bringt mit sich der räder drei:
'die müssen flugs beschlagen sein!'
giebt wieder ein rummel, gemummel und tummel
wunderhorn, s. A. v. Arnim s. w. 14 (1846) 80.
im niederdt. einmal bezeugt: alse die lude nhu den tummel und wrinschent der perde horeden, wusten se nicht anders, jd weren ere hern hertoch Bugslaff und hertoch Casemir gekhamen (um 1540) Th. Kantzow chron. v. Pommern 43 Böhmer.
c)
vom leeren äuszeren schall, dem eine innere beteiligung nicht entspricht (vgl.geschälle 1, teil 4, 1, 2, 3832): disz volk êret mich mit den lefzen und maul, aber ir herz ist weit von mir, si êren mich vergebens mit menschentand, und nur weit von mir mit irem grumpel und tumpel. ir geigen und pfeifen will ich nit mêr hören Aventin s. w. 1, 190; nur weit hindan von mir mit dem grimpl und timpl deines plerren ebda 4, 61; damit wir uns selbs nit triegen mit unsern ... aufgeplasnen unnützen titl und nämen, lieblosem gefert, lären plossen worten, unandächtigem grimpl und timpl, ungotsforchtigem prangen und angenumer weis, welchs alles wir uns selbs fürgenomen und aufgesetzt haben ebda. 4, 59. 'leerer lärm und betriebsamkeit': sich hie, was ist der tummel aller örden anders, weder dasz sy anders leerend, weder gott geleert hat Zwingli dt. schr. 1, 324 Schuler-Sch.; hierher wohl im gedicht 'die zweifellosen', d. i. 'von sich überzeugten':
bei euch ist nichts als lärmendes geschiebe,
in wildem tummel trollt ihr euch herbei,
meszt aus und schlieszt den zirkel sonder scheu,
als ob zu hoffen kein Kolumb mehr bliebe
G. Keller ges. w. (1889) 9, 125.
2)
tumultus. lärmende bewegung, verwirrung, menschenauflauf, auch gefecht. das moment der bewegung ist mit dieser bedeutung des substanivs enger verbunden als mit der entsprechenden des verbs.: ich sihe wie der guͤtig her Jesus also gewaltigklich und graussamklich von den juden ist angefallen worden, mit so groszem geschray, tümmel und ungestümigkait jn angriffen, strick geworffen an seinen hayligen halsz, gebunden sein hayligen hend, also auff jn gefallen und getobt Keisersberg schiff d. penitentz (1514) 83ᶜ; iederman fiel in die götzen. man reisz sy ab den altär, wenden und sülen; die altär wurden zerschlagen, die götzen mit den axen zerschitet oder mit hämern zerschmettert; du hettest gemaint es geschech ain feldschlacht. wie war ein thümmel! wie ain gebrecht, wie ain tosen in dem hochen gwelb (1529) Kessler Sabbata 311 Egli u. Schoch; darzu verprenten sie unnsz auch 4 grosze schieff, welche auf ein halbe meil vonn unnsz auff dem wasser stunden. das folckh, so drauf gewesen unnd kein geschiz hette, als es solchen groszen tumeln der Inndianer sahen, flôch es aus diesen 4 schieffen in anndere 3, so nit weit darvon stunden und darinen geschiz war (um 1550) Ulr. Schmidel reisen 33 lit. ver.;
in solchem tümmel sich bereit
zur newen fart fraw Adelheit
(um 1550) Kasp. Scheit frölich heimfart v. 449 Strauch;
die braut iren breütigam fraget, was doch den morgen vor der kirchen für ein geschrey und tummel gewesen were (streit, hader) (1557/66) Montanus schwankbücher 11 lit. ver.; (bei einem tanz entsteht streit) yederman von läder gezuckt und frid gemacht. als solchs die mädlin gesehen, allsamen geflohen; dann sie geforcht, sie in solchem tümmel sterben müssen ebda 51; es seind schier mehr zertretten in selbem thümmel und zanck ... von jren eigen leüten und waffen, dann von feinden Pinicianus Scanderbeg (1561) 105ᵇ; (überfall des klosters durch soldaten) indeme würd man desz tummels in dem closter gewahr, schluog sturmb Seb. Bürster schwed. krieg 123 Weech. anders, 'gefecht': (1564) wir haben heut mer erfarn, weder (als) jch gestern im timel gewist, sonst het jchs dem statschreiber auch anzaigt Seb. Schertlin briefe an d. stadt Augsburg 167 Herberger. vereinzelt 'lärmende geselligkeit': (gedicht 'die häusliche')
mir freude des lebens
ist garten und haus.
man lockt mich vergebens,
ich gehe nicht aus.
im tummel da zwing ich
so dumm mich und stumm;
hier sing ich und spring ich
im garten herum
J. H. Voss s. gedichte (1802) 6, 43.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1717, Z. 49.

tummel1, m.

¹tummel, m.,
sonus, tumultus.
herkunft und form. postverbale zu ²tummeln (s. d.); vgl. ferner gedümmel teil 4, 1, sp. 2051; getümmel ebda 4, 1, 3, sp. 4570; getümmer ebda 4588 sowie tümmer unten sp. 1750 zu präfixlosen neutralen kurzformen von getümmel s. teil 4, 1, 3, 4575, 3 a. im vergleich mit dem verb überwiegen die umgelauteten formen, wohl unter einwirkung der kollektivbildung getümmel: (1483/89) dok. z. gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 2, 447; Keisersberg schiff d. penitentz (1514) 83ᶜ; Petri bibelglossar (Basel 1523) sowie die von ihm abhängigen glossare von Knoblouch (Straszburg), Steiner (Augsburg) und Farkall (Hagenau), vgl. Dauner d. obdt. bibelglossare d. 16. jhs. 9; 135; (1529) Kessler Sabbata 311; trunkenmette A 3ᵃ; (um 1550) Kaspar Scheit frölich heimfart v. 449 Strauch; (1535) Binder Acolastus in: schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 259 v. 2065 Bächt.; Pinicianus Scanderbeg (1561) 165ᵇ; Endinger judenspiel (1616) 685; Rebmann naturae magnalia (1620) 171. — umlautlose formen: (anf. 12. jh.) Rolandslied 6058; (12. jh.) spec. eccl. 80 Kelle (tumil); (1523) Zwingli 1, 324 Schuler-Sch.; (1534) Schmidel reisen 33 lit. ver.; (1644) S. Bürster schwed. krieg 123 Weech; wunderhorn, s. A. v. Arnim s. w. 14 (1846) 80; G. Keller w. (1889) 9, 125; nd. nur bei Th. Kantzow chron. v. Pommern 43 Böhmer (um 1540); Voss ged. (1803) 6, 43; lexikalisch Campe 4, 909; mundartlich Fulda allg. dt. idiot. (1788) 559; Schmid schwäb. 147; Fischer schwäb. 2, 451; Reiser Allgäu 2, 742; Pennsylvania-wb. 46; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 261; Jensen nordfries. 646. — umlautlose neben umgelauteten formen Montanus schwankbücher 11 (u); 51 (ü); Schmeller cimbrisch 179; neben umgelauteten und entrundeten formen Aventin 1, 190 (u); 4, 178; 320 (ü); 4, 59; 61 (i). — entrundung (1564) S. Schertlin briefe 167 Herberger; Autenrieth pfälz. 33. — eingeschobenes b bairisch (s. Weinhold bair. gramm. § 126) Aventin 1, 190; 4, 59; 61.
bedeutung und gebrauch. tummel ist schon in einem der frühesten belege unmittelbar neben und gleichbedeutend mit getumel als sonus bezeugt (s. u. 1 a). beide worte haben ihren bedeutungsbereich erweitert zu 'tumultus', vielleicht unter einwirkung des lat. worts, doch vgl. die entsprechende entwicklung von geschälle 3, teil 4, 1, 2, sp. 3832. ein bedeutungsunterschied zwischen simplex und kollektivbildung (so Petri bibelglossar [1523]: 'tümmel gethön, geschrey; getümmel ungestimb, auffrur' s. Frommanns zs. f. dt. maa. 6, 42 u. 44; vgl. auch Schütt Petris bibelglossar 47; Dauner d. obdt. bibelglossare d. 16. jhs. 135; 9) ergibt sich nicht aus den literarischen zeugnissen. in der schriftsprache hat sich durch und seit Luther die kollektivbildung durchgesetzt, vgl. teil 4, 1, 3, sp. 4572 getümmel I b. tummel und tümmel ist fast nur obd. bis zur mitte des 17. jhs. bezeugt (vgl. jedoch Th. Kantzow unten 1 b; J. H. Voss unten 2; schweizer. 19. jh. G. Keller s. u. 1 c; vgl. auch tummelgetose).
1)
sonus.
a)
von elementaren geräuschen, 'sausen', 'rauschen', auch 'donnern': alin gahis wart ein tumil und ein chradim von himele. do chom der heilige geist, und erschein den herin botin mit viwerinin zungin (12. jh.) specul. ecclesiae 80 Kelle (et factus est repente de caelo sonus, tamquam advenientis spiritus vehementis), vgl.getumele als übersetzung d. gleichen stelle ebda 86;
davon (von einem see) man allzeit wunderbar
ein tümmel höret rauschen har
J. R. Rebmann naturae magnalia (1620) 171;
mundartlich 'donner' Autenrieth pfälz. 33; Schmeller cimbrisch 179, s. u. tummelschlag.
b)
von geräuschen, die durch instrumente, durch menschliche oder tierische stimmen, durch ungestüme bewegung von mensch oder tier hervorgerufen sind, oft von 2 'tumultus' schwer zu scheiden:
(Roland bläst sein horn)
ther scal wart sô grôz,
ther tumel unter thie heithenen thôz,
thaz niemen then anderen mahte gehôren
(anf. 12. jhs.) Rolandslied 6058 Bartsch;
so hebt sich in der stuben ein dümmel,
von stülen und bencken ein grosz gerümmel
(16. jh.) trunkenmette A 3;
on underlasz ... eileten die Teutschen der stat Rom zue, liessen ander stet underwegs unpekümmert unangefochten, ruckten für und für mit einem groszen geschrai, g'rümpl und tüml, schriern nur schlecht Rom zue Aventin 4, 320 Lexer; (überfall des Gideon) da ein solchs gerümel und tümel war, rumpleten die feind urbering (plötzlich) im schlaf auf, hörten ein solchs pusaunen und plasen und geschrai, sahen die liechter ebda 4, 178;
losz, heb still, ich ghör ein tümmel!
(1535) G. Binder Acolastus, s. schweiz. schauspiele d. 16. jhs. 1, 259 v. 2066 Bächtold:
nachdem nun das eisen genugsam gelitten,
kömmt wagner Franz vor die schmiede geritten,
er bringt mit sich der räder drei:
'die müssen flugs beschlagen sein!'
giebt wieder ein rummel, gemummel und tummel
wunderhorn, s. A. v. Arnim s. w. 14 (1846) 80.
im niederdt. einmal bezeugt: alse die lude nhu den tummel und wrinschent der perde horeden, wusten se nicht anders, jd weren ere hern hertoch Bugslaff und hertoch Casemir gekhamen (um 1540) Th. Kantzow chron. v. Pommern 43 Böhmer.
c)
vom leeren äuszeren schall, dem eine innere beteiligung nicht entspricht (vgl.geschälle 1, teil 4, 1, 2, 3832): disz volk êret mich mit den lefzen und maul, aber ir herz ist weit von mir, si êren mich vergebens mit menschentand, und nur weit von mir mit irem grumpel und tumpel. ir geigen und pfeifen will ich nit mêr hören Aventin s. w. 1, 190; nur weit hindan von mir mit dem grimpl und timpl deines plerren ebda 4, 61; damit wir uns selbs nit triegen mit unsern ... aufgeplasnen unnützen titl und nämen, lieblosem gefert, lären plossen worten, unandächtigem grimpl und timpl, ungotsforchtigem prangen und angenumer weis, welchs alles wir uns selbs fürgenomen und aufgesetzt haben ebda. 4, 59. 'leerer lärm und betriebsamkeit': sich hie, was ist der tummel aller örden anders, weder dasz sy anders leerend, weder gott geleert hat Zwingli dt. schr. 1, 324 Schuler-Sch.; hierher wohl im gedicht 'die zweifellosen', d. i. 'von sich überzeugten':
bei euch ist nichts als lärmendes geschiebe,
in wildem tummel trollt ihr euch herbei,
meszt aus und schlieszt den zirkel sonder scheu,
als ob zu hoffen kein Kolumb mehr bliebe
G. Keller ges. w. (1889) 9, 125.
2)
tumultus. lärmende bewegung, verwirrung, menschenauflauf, auch gefecht. das moment der bewegung ist mit dieser bedeutung des substanivs enger verbunden als mit der entsprechenden des verbs.: ich sihe wie der guͤtig her Jesus also gewaltigklich und graussamklich von den juden ist angefallen worden, mit so groszem geschray, tümmel und ungestümigkait jn angriffen, strick geworffen an seinen hayligen halsz, gebunden sein hayligen hend, also auff jn gefallen und getobt Keisersberg schiff d. penitentz (1514) 83ᶜ; iederman fiel in die götzen. man reisz sy ab den altär, wenden und sülen; die altär wurden zerschlagen, die götzen mit den axen zerschitet oder mit hämern zerschmettert; du hettest gemaint es geschech ain feldschlacht. wie war ein thümmel! wie ain gebrecht, wie ain tosen in dem hochen gwelb (1529) Kessler Sabbata 311 Egli u. Schoch; darzu verprenten sie unnsz auch 4 grosze schieff, welche auf ein halbe meil vonn unnsz auff dem wasser stunden. das folckh, so drauf gewesen unnd kein geschiz hette, als es solchen groszen tumeln der Inndianer sahen, flôch es aus diesen 4 schieffen in anndere 3, so nit weit darvon stunden und darinen geschiz war (um 1550) Ulr. Schmidel reisen 33 lit. ver.;
in solchem tümmel sich bereit
zur newen fart fraw Adelheit
(um 1550) Kasp. Scheit frölich heimfart v. 449 Strauch;
die braut iren breütigam fraget, was doch den morgen vor der kirchen für ein geschrey und tummel gewesen were (streit, hader) (1557/66) Montanus schwankbücher 11 lit. ver.; (bei einem tanz entsteht streit) yederman von läder gezuckt und frid gemacht. als solchs die mädlin gesehen, allsamen geflohen; dann sie geforcht, sie in solchem tümmel sterben müssen ebda 51; es seind schier mehr zertretten in selbem thümmel und zanck ... von jren eigen leüten und waffen, dann von feinden Pinicianus Scanderbeg (1561) 105ᵇ; (überfall des klosters durch soldaten) indeme würd man desz tummels in dem closter gewahr, schluog sturmb Seb. Bürster schwed. krieg 123 Weech. anders, 'gefecht': (1564) wir haben heut mer erfarn, weder (als) jch gestern im timel gewist, sonst het jchs dem statschreiber auch anzaigt Seb. Schertlin briefe an d. stadt Augsburg 167 Herberger. vereinzelt 'lärmende geselligkeit': (gedicht 'die häusliche')
mir freude des lebens
ist garten und haus.
man lockt mich vergebens,
ich gehe nicht aus.
im tummel da zwing ich
so dumm mich und stumm;
hier sing ich und spring ich
im garten herum
J. H. Voss s. gedichte (1802) 6, 43.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1717, Z. 49.

tummel2, m.

²tummel, m.,
'rausch'. s. a. dummel teil 2, 1515; junges postverbale zu ³tummeln. lexikalisch bezeugt von Stieler (1691) 2361 bis Adelung 4 (1780) 1101 und Campe 4 (1810) 909; heute auf mundartlichen gebrauch beschränkt: Martin-Lienhart elsäss. 2, 684; Fischer schwäb. 2, 452; Strodtmann Osnabrück 253; brem.-nieders. 5, 128; Müller-Fraur. obers. 1, 261. literarisch: im 17. jh. zuerst und sehr häufig belegt, auch im 18. noch lebendig; 'rausch' (vgl.tummelchen (3) und tummelein): sind wir früh vor 4 uhr aufgestanden, da uns dann die köpfe von dem vergangenen tummel schwer und unlustig gewesen (1627) Z. Allert tagebuch (1887) 15; Grimmelshausen 2, 216; 406 Keller; bei vollem sadtem bauch und halben tummel gibts schlechte meditationes Joh. Schmidt christl. gott wolgefäll. busz (1671) 206; er bekam einen tummel im kopff und schlieff sanfft darauff F. F. v. Troilo oriental. reisebeschr. (1676) 564; sie sein von dem gestrigen tummel so eingenommen, dasz sie nicht eher ein auge aufthun können, bis die nacht wieder heran kommet S. v. Butschky rosenthal (1679) 1101; della Valle gestehet, dasz er so bezecht gewest ... dasz er auf keinem fusz stehen können, also, dasz er sich an die stricke desz zelts anhalten müssen. endlich vergieng ihm der tummel ein wenig, dasz er wieder gehen und auf sein pferd steigen können E. Francisci lufft-kreis (1680) 248; soldaten, die lieber haben tummel als trummel, sind nichts nutz (1680) Abraham a s. Clara w. 1, 155 Strigl; vgl. Judas der ertzschelm (1686) 1, 88; 4 (1691) 306; etwas für alle 2 (1711) 735; frantzös. Simplicissimus (1683) 1, 79; Michael Kautzsch d. polit. u. lust. tobacksbruder (1684) 177; Lolivetta das teutsche gespenst (1684) 211;
steh auf und komm ins haus
da schlaff den tummel aus
Chr. Weise überfl. gedancken (1692) 2, 204; liebesalliance (1708) 57;
Tranio trunck seiner Sorellen so offte zu gefallen, dasz er einen halben tummel bekahm Celander verliebter student (1713) 1, 129; neue schauspiele (1771) 12, stück 4, s. 35; spukereien des teufels (1788) 22; redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten ... er hat einen tummel Lichtenberg verm. schr. (1800) 3, 38; Körte sprichw. (1837) 529. vereinzelt mit erotischer färbung:
haben wir uns nicht zuletzt
erst ergetzt,
und den tummel ausgelassen?
als wir neulich, weiszt du wo?
auf dem stroh
adams-äpfel aszen
Günther gedichte (1746) 913;
von Stefan George wohl aus der ma. übernommen:
ihr fahrt in hitzigem tummel ohne ziel
ihr fahrt im sturm ihr fahrt durch see und land
stern des bundes 36. —
offenbar gelehrte konstruktion nach tummeln B 3 ist die nur von Stieler bezeugte bedeutung vexatio, exagitatio, insectatio, vexamen stammbaum (1691) 2361, vgl. u. tummelung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1720, Z. 1.

tummel3, m.

³tummel, m.,
bergmännisch: runde, gewölbeartige erweiterung der strecken bei dem sogenannten tummelbau, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1720, Z. 59.

dümpfel, m.

dümpfel, m.
wasserstrudel, tiefe stelle im flieszenden wie stehenden wasser, schlund, lache, sumpf, pfühl, pfütze, ahd. dumphilo gurges Graff 5, 428, mhd. tumpfel Vocab. von Wenzeslaus Brack Haupts zeitschr. 5, 416. poln. topiel. im niederd. und niederl. wird das wort nicht gebraucht (Brem. wörterb. 1, 271), auch nicht im ags. schwed. und dän. es gehört zu dummeln, dumpeln, da im strudel sich das wasser umtreibt, sich wirbelt.
1.
tumpfel gurges, profunditas aquae, reuma Voc. incip. teut. yᵃ. Diefenbach Gloss. 1470 sp. 144. 238. ders. Gloss. lat. germ. 271ᵇ. 497ᵇ. dumpfel reuma Melber Variloquus, caribdis meerschlunt, ein dumpfel oder gumpfel oder kunkel Eychmann Voc. praed. c 5ᵃ, gurges ein dumpfel, ein wirbel, tiefe des wassers das. i 5ᵃ, tumpfel als in wasser gurges Voc. theut. 1482. dümpel gurges Alberus, dümpfel strudel, tiefer ort in seen oder bächen Rädlein 204ᵇ. Frisch 1, 210ᶜ, tümpfel tümpel 2, 394, tümpel gurges, vorago, stagnum, trübetümpel vorago turbida, wassertümpel compluvium Steinbach 2, 881. tümpfel vertiefung wo sich das wasser gesammelt hat Reinwald Henneb. idiot. 1, 175. dümpel und kümpel ein tiefer pfuhl Schmitz Eifler idiot. 221. tümpel, wasserpfuhl, im bache eine besonders tiefe stelle Weinhold Schles. wörterb. 101ᵇ. die stelle wo sich bei Passau der Inn in die Donau ergieszt und wo sich die lendstatt befindet, wird von den schiffern seit undenklichen jahren der dümpel genannt Schmeller 1, 374.
und wat aus den sieben tümpfeln tief.
Rosenblüt in den Fastnachtsp. 1100.
sollen wir die tümpfel all durchwatten
1118.
tiefer dumpfel abgrund
Melissus Psalme N 4ᵇ.
da ein fall oder tumpel in einem flieszenden wasser in der sicherung viel stein hat, ist ein starke vermuthung, es sei eln gang oder fletz in der nähe Mathesius 99ᵇ. die dumpei zu Berningen von Lumda (in Oberhessen) herab bis gegen Geilshausen in den schwemenpfuel hat m. g. f. (mein gnädiger fürst) und herr zu fischen Saalbuch des amts Grünberg vom j. 1591 in Wagners Wüstungen im groszherzogthum Hessen 78. darauf hab er sie auf die kotlache gefüret, hab sie getauft in seinem namen aus einem dumpfel Büdinger (ungedruckte) hexenacten vom j. 1597 Weigand. des flusses grund (wo man brücken baut) soll nicht von trüb- (trieb) sand und tümpfeln sondern laimen und festen (so) boden sein Hohberg 1, 67ᵇ. die waldbäche nun sind ganz unterschiedlich, etliche trocknen bei dürrem sommerwetter fast ganz aus, dasz nur etliche wenige dümpfel davon übrig bleiben 2, 466. 489 und öfter. die hirschen süln (wälzen) sich in prudeln und tümpeln Fleming Teutscher jäger 94ᵇ. unsre romantischen tümpel Tieck Nov. 5, 118.
2.
uneigentlich und bildlich.
a.
das brausen hoher pracht, der tümpel von dem neid.
A. Gryph. 2, 24.
wir werden in den dümpfel des elends gleichsam versenkt Schuppius 775.
b.
ein falscher, tückischer mensch, homo subdolus Steinbach 2, 881. der wasserschlund nemlich zieht die menschen die hinein geraten, in den abgrund.
c.
in Franken ein gefüllter schweinsmagen und eine blut wurst Schmeller 1, 374. im Renner auch der angefüllte menschliche magen, tempfsac 9711, dempfsac 22775, tempfelsac 9759: die Frankfurter handschr. hat in allen drei stellen dumpfsac.
3.
engbrüstigkeit, rheuma Diefenbach Gloss. 1470, ders. Gloss. lat. germ. 497ᵇ. vergl. das subst. dumpf 1, dumpfig 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1525, Z. 52.

tümpel, m.

tümpel, m.
herkunft und form: ahd. tumphilo (9. jh.) ahd. gl. 1, 55 St.-S. (aus dem ahd. entlehnt scheinen aprov. tomplina, prov. toumple und ital. tonfano, s. Mackel d. germ. elemente i. d. frz. u. prov. spr., frz. stud. 6 [1888] 23, 158, 181; Meyer-Lübke roman. etym. wb. [²1935] 8980 [wonach aus dem langobard.], sowie Zaccaria elemento germ. nella ling. ital. [1901] 514 u. Bertoni l'elemento germ. nella ling. ital. [1914] 209); seit dem mhd. bzw. frühen nhd. in mehreren formvarianten (mit früher apokope des -e und übertritt in die starke deklination, s. Wilmanns dt. gr. 3, 2 [1909] 378; schwach flektierte formen finden sich vereinzelt noch im 12. jh. [s. unter b], gelegentlich auch in moderner mundart [s. unter B 1]).
a)
tümpfel mhd. wb. 3, 130; Lexer 4, 1567. in dieser form literarisch bis ins 19. jh. nachweisbar: H. Sachs s. u.A 1 a; Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 264; Ch. Fr. Schulz (1795) s. u.A 2 a; Naumann (1822) s. u.A 2 b; Rückert ges. poet. w. 8 (1882) 457. mit verschobenem labial noch mundartlich im fränk., henneb., thür., vogtl., egerländ., wien., bair., schwäb., elsäss., tirol., kärnt. u. steir. (s. u.).
b)
formen mit unverschobenem p (s. Paul dt. gr. 1, 269 u. V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 [1951] 127); zuerst md. bezeugt, von da in die schriftsprache gedrungen (s. Kluge-Götze [¹⁵1951] 813): dumpele als mittelrhein. grenzname (1169) bei J. Kehrein slg. alt- u. mitteldt. wörter aus lat. urk. (1863) 42; literar.: tuͤmpel Luther 34, 2, 396, 10 W. (neben dumpffel 2, 64 W.); G. Forberger wahrhafftige beschreibungen (1570) 38; G. Klee berümter ... leute leben (1589) 1, 379. lexikalisch zuerst in einem lat.-dt. voc. aus Nordwestböhmen, Lausitz, Mähren nachweisbar: lacuna tumpil (1420) 21 Schröer, sowie bei Er. Alberus, s. u.c γ; danach erst seit dem 18. jh. gebucht (tuͤmpel Steinbach wb. [1734] 1, 305 u. 2, 881; Hederich dt.-lat. lex. [1777] 1, 864), noch bei Adelung 4 (1801) 721 daneben tümpfel. — erst im 19. jh. ist tümpel allgemein schriftsprachlich durchgedrungen, nun auch von obd. autoren gebraucht (K. Stieler, s. u.A 2 a; Rosegger, s. u.A 1 a; G. Keller ges. w. [1889] 10, 197; 4, 108).
c)
gelegentlich auftretende formbesonderheiten.
α)
umlautlosigkeit des stammvokals (s. Wilmanns dt. gr. 1, 263 [§ 204]; Lessiak anz. f. dt. altert. 32, 126), besonders in einzelnen ostmd. u. obd. quellen (s. auch die im mhd. wb. und bei Lexer a. a. o. angeführten spätmhd. bzw. frühnhd. formen ohne umlaut): dumpele (1169) s. u.b; tumpil (1420) s. u.b; tumphel mlat.-hd.-böhm. wb. (1470) 238 Diefenbach; tumpel Mathesius Sarepta (1578) 99ᵇ (daneben tuͤmpel Syrach [1586] 122ᵃ); tumphl österr. weist. 8, 582; dumpffel Castelli dizz. (1709) 1228. — in heutiger mundart nur vereinzelt (s. u.).
β)
entrundung des ü (hierzu vielleicht schon timmel Oswald v. Wolkenstein 200 [85, 25 ] Schatz, s. auch Lexer 2, 1439 u. Schatz gl. 102ᵃ): timpfel österr. weist. 1, 85 anm.; Musäus märchen (1826) 5, 131; timpel Fr. Seidel türck. gefängn. (1629) B 1ᵇ; Döbel jägerpract. (1754) 4, 99ᵃ, anh. 74. auch in heutiger mundart besonders md. u. südostdt. bezeugt (s. u.).
γ)
anlautende lenis (s. auch unter dümpfel teil 2, 1525): dumpele (1169) s. u.b; dũpffel Melber voc. pred. (1482) s. v. gurges; duͤmpel Er. Alberus dict. (1540) A a 3ᵃ; dumpffel Luther 2, 64 W. (neben t: 34, 2, 396); dümpffel Schupp (1663) s. u.C 2; dümpel, dümpfel Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 251ᶜ; dümpfel Adelung 1 (1793) 1572 (neben tümpfel, tümpel ebda 4 [1801] 721); Reithard (1853) s. u.A 1 a. mundartlich besonders nd. und md. vertreten. in heutiger mundart über das ganze sprachgebiet verbreitet; im nd. wohl nicht von alters her bodenständig (mnd. nicht bezeugt; noch 1767 heiszt es im brem.-nieders. wb. 1, 271: 'dümpfel oder tümpfel, welches wort bey uns nicht im gebrauch ist', ein befund, der durch die beschränkung des grundwortes tump, tumpf auf das md. und obd. gestützt wird, s. u.); im obd., besonders alem., weitgehend von gumpe, gumpf, gümpel, gümpfel (s. teil 4, 1, 6, 1097) zurückgedrängt: tümpel Mensing schlesw.-holst. 5, 203; dümpel, dömpel (neben nasallosem döpel) ebda 1, 783; tümpel (entlehnt) Frederking Hahlen (b. Minden) 147; dümp'l Kück Lüneburg 1, 390; dümpel Woeste westfäl. 63 (als ortsname); Mi mecklenb. 18; dimpl Teuchert neumärk. 142; tümp'l Danneil altmärk.-plattdt. 229; tümpel Bernd Pos. 325; tümpel, dümpel Ziesemer pr. 2, 128; dümpel, dömpel Frischbier pr. 1, 156; dümpel Hönig Köln 39; dumpel, dympel, dempel rhein. wb. 1, 1561; 4, 1723; dömpel luxemb. ma. 66; Follmann lothr. 95; dümpel Schmitz Eifel 1, 223; tümpel (als ortsname: Dimpelbrunnen) bad. wb. 591; Vilmar hess. 419; dimpel, dempel, tempel Crecelius oberhess. 1, 309; dembəl Hofmann niederhess. 243; tümpel, dimbl Albrecht Leipzig 225; tümpel Müller-Fraureuth obers. 1, 262; Weinhold schl. 101; timpala Knothe schl. ma. i. Nordb. 196; dissim. tirpel (nordböhm.) bei Frommann zs. 2, 239; timpel Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 44. mit verschobenem p: tümpfel (fränk.) ebda; Reinwald henneb. 1, 175 (ebda für Koblenz auch kümpel, s. teil 5, 2613); tümpfel, dèmpfl Hertel thür. 249; tümpfl Neubauer Egerl. ma. 53; dimpfl̥ Gerbet Vogtland 183; Loritza Wien 35; dümpfel, dîmpfl bayr. wald, in: Bayerns maa. 1, 80; dümpfel Schmeller-Frommann bair. 1, 512; dümpfel (als ortsname: Dimpfelwiesen) Fischer schwäb. 2, 455; tümpfel Birlinger schwäb.-augsb. 127; tìmpfl Martin-Lienhart elsäss. 2, 686 (vgl. auch schweiz. tuͤmpfi Stalder 1, 326); timpfel, dümpfel, dümmel Schöpf tirol. 94; tümpfl Hintner tirol. 36; Lexer kärnt. 75; Überfelder 71; tümpfel, tümpferl Unger-Khull steir. 182. daneben lebt in md. u. obd. maa. die suffixlose grundform (s. Kluge-Götze a. a. o.) gleicher oder differenzierter bedeutung: tump Müller-Fraureuth obers. 1, 262; Knothe schl. ma. i. Nordb. 196; Blumer nordwestböhm. 32; domp Follmann lothr. 95; dumpf bad. wb. 591; Fischer schwäb. 2, 455; Schmeller- Frommann bair. 1, 512; Schöpf tirol. 94; tumpf Martin - Lienhart elsäss. 2, 686; Stalder schweiz. 326; Schmid id. Bernense 68; Schild Brienzer ma., in: PBB. 18, 323; s. ferner bei Zinsli grund u. grat (um 1946) 78 (auch als flurname bezeugt); Hintner Deferegger dial. 36; Unger-Khull steir. 182; Überfelder 85; Lexer kärnt. 75. vereinzelt auch als fem.: tumpe Anton oberlaus. 13, 20; dumpfe Fischer a. a. o.; Reiser Allgäu 1, 97 u. 2, 695; und im schweiz. mit diminutivem i als neutr.: tuͤmpfi Stalder a. a. o.; Zinsli a. a. o.; tümpf(f)i Schmid Entlebuch 27; 83; 170; dümpfi Baumgartner Berner Seeland 59; aus älterer zeit nur vereinzelt bezeugt: tumpff Hartlieb dial. mirac. 398, 35 Drescher; S. Roth dict. (1571) J 5ᵇ; pl.: die tuͤmpf Paracelsus op. chir. (1566) 668; s. auch teil 2, 1523 s. v. dumpf. tump und tümpel sind verwandt mit tief (s. dort) und gehen wie dieses (vgl. auch topf 'trichterförmige vertiefung' teil 11, 1, 1, 819) — jedoch nasaliertauf eine idg. wurzel * dheub- 'tief, hohl' zurück (s. Walde-Pokorny 1, 847; Feist vgl. wb. d. got. spr. [³1939] 121; Wilmanns dt. gr. 1 [1911] 145; Wissmann in: zfda. 76 [1939] 7 u. vgl. schlesw.-holst. döpel neben dömpel Mensing 1, 783). im weiteren germ. stellen sich dazu: engl. dump 'tiefes, mit wasser gefülltes loch', dimple 'wangengrübchen', dän. mundartl. dump 'höhlung, niederung', norw. dump, dumpa 'vertiefung in der erde' (über schwed. timpel s. u.B 3 b γ) und mnd. dumpeln 'untertauchen' (so noch nnd.: schlesw.-holst. dümpeln Mensing 1, 789; ostfries. dumpeln Doornkaat-Koolman 1, 359; rhein. u. mecklenb. dümpeln rhein. wb. 1, 1560 u. Reuter 1 [o. j.] 109 Knaur; hierzu wohl auch hd. dumpeln 'umrühren', s. teil 2, 1522, sowie bei Fischer schwäb. 2, 455 u. Birlinger schwäb.-augsb. 149); ndl. dompeln 'ins wasser tauchen'. auszerhalb entspricht am nächsten lit. dumburỹs (neben duburỹs) 'einsenkung, vertiefung, grube, mit wasser gefülltes loch', dum̃blas 'schlamm', dum̃bres 'morast, sumpf'.
bedeutung und gebrauch: nach vereinzeltem auftreten im ahd. (s. u.A 1 b) wird tümpel seit spätmhd. und frühnhd. zeit der schriftsprache in der bedeutung 'wasserstelle' geläufig. die ursprünglich damit verknüpfte vorstellung der tiefe (A 1 a) hält sich besonders in einzelnen maa. und mundartlich gefärbter sprache; sie ist in modernem sprachgebrauch im allg. der vorstellung der kleinheit (s. u.A 2 a und B 1) bzw. der unreinheit (s. u.A 2 b) gewichen.
A.
tiefe wasserstelle.
1)
tiefe stelle eines baches, flusses oder meeres.
a)
meist mit der vorstellung des abgründigen: dieselben man furten sy dann so lang um, bis sye kamen in die tewfen tümpfel des wassers, darin teten sy die man ertrenken qu. v. 1465 bei Birlinger schwäb.-augsb. 127; da padet ein pekenkneht pei der Pair mülnerin mül (vor dem austritt der Pegnitz aus Nürnberg, s. bd. 1, 400 anm. 4) in eim tiefen tümpfel und kund nit hinüber geschwimen und er ertrank (1501) städtechron. 11, 638 (Nürnberg);
als er (der auf eine öde insel verschlagene Menelaus)
... seinen angel ein thet sencken
ins meerwasser, mit schwern gedencken
in einen tümpffel sam grundtlos
H. Sachs 7, 405 lit. ver.;
(gott,) der du die tewff unnd dumpffel des mers beschlossen ... hast (qui conclusisti abyssum) Luther 2, 64 W.; welcher (strom) nicht allein tieffer tuͤmpel, sondern auch vngleiches vfers und grosser steinwacken halben ... durchzukommen verhinderung hatte Georg Klee berümter ... leute leben (1589) 1, 379; zur Nessa reiten zween gute gesellen mit jhren rossen ins wasser, weil sie nun die gelegenheit nicht gewuszt, sind sie in einen timpel gefallen Friedr. Seidel türck. gefängn. (1629) B 1ᵇ; drauf wurden leute mit störstangen ausgeschickt, die alle tiefen und timpfel längs der Tauber untersuchen muszten Musäus volksmärchen d. dt. (1826) 5, 131; ward der todte in einen tiefen dümpfel der Rhone geworfen Reithard gesch. u. sagen a. d. Schweiz (1853) 536; der (wasserfall) springt thurmhoch von einer felsenrinne nieder, macht zwei grosze absätze ... und stürzt sich in einen tümpel Rosegger schr. I 1 (1904) 30; rechts (im watt bei ebbe) hob sich eine grosze, flache schlickbank ... aus den wellen heraus, eine öde fläche, die sich nach norden in tümpeln und prielen verlor M. Hausmann Abel (1932) 238; so auch mundartlich, für das lothr., luxemb., oberhess., schles., egerländ., elsäss., bair., kärnt. und ungr. bergl. bezeugt (s. die entspr. wörterbücher a. a. o. und vgl. pfälz. timmerloch 'tiefe stelle im bach' Autenrieth 140). im bair.-österr. wird tümpel speziell für 'die stelle, wo sich bei Passau der Inn in die Donau ergieszt' (s. Schmeller a. a. o.) gebraucht; so schon frühgleichsam als eigennamebezeugt: von Lauffen gen Passaw in den tümpfel (1426) österr. weist. 1, 89, 34 u. ö.; die, so die regierung unserer schiffung von Lauffen aus niden hin bis gen Passau in dem tuͤmpfel haben qu. v. 1581 bei Lori bair. bergr. (1764) 315; bereits zu 2 überleitend in der besonderen anwendung für eine tiefe (zuweilen künstlich angestaute) stelle im bach als 'fischteich': mon sol auch nicht tumphl auszschephen sonder mit aim vischper oder mit den henten (um 1450) österr. weist. 7, 469, 42; item ... soll ... den pach kainer swellen, tumphl ausschephen noch die gestettn herab hawen (1512) ebda 8, 582, 21 u. ö.; so bald der frost eintritt, sollen in denen bächen die tümpfel ausgefischet werden allg. haushalt.-lex. (1749) 1, g 4ᵇ; man geht nehmlich (zum forellenfang) in den bach oder flusz, wo sie in den tiefen timpeln ... zu stehen pflegen Döbel jägerprakt. (1754) 4, 99ᵃ; es zeigte sich, dasz Wächter der ... Illritz ... ein eigenes bette abgegraben hatte, in welchem zwei sanddämme das wasser in stiller gestauter ruhe erhielten. in diesem künstlichen tümpel wimmelte es von ... karpfen Gutzkow ges. w. (1872) 2, 201. im schwäb. hat tümpfel geradezu die bedeutung 'wehr, damm' erlangt (vgl. obers. tump 'angestaute stelle' u. elsäss. tumpf 'wehr').
b)
mit dem moment der bewegung, 'strudel, wirbel'; so schon vereinzelt ahd. bezeugt: gurges tumphilo (9. jh.) ahd. gl. 1, 55 St.-S.; gurges tumpfel qu. d. 14. jhs., md., bei Diefenbach gl. 271ᵇ; sahe (Cyrus das pferd) in einem wirbel oder tuͤmpffel desselben flusz mit dem reutter darauff undergeen G. Alt buch d. cronicken (1493) 7ᵇ; dannenhero geschach es unter andern, dasz das schiff ... auf einen tuͤmpffel oder wasserwirbel geriet J. Menhof gesantschaft (1666) 87ᵃ; ein gefährlicher dümpel un pericoloso gorgo Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 251ᶜ; tümpel ein tiefer ort im wasser, strudel, gurges Hederich dt.-lat. lex. (1777) 1, 864; túmpfel oder dúmpfel ein wasserstrudel oder wirbel in einem flusse Braun dt. wb. (1793) 260; so noch vereinzelt in moderner mundart: tempel wasserstrudel Crecelius oberhess. 1, 309.
2)
tiefes stehendes gewässer (s. auch u. tümpelchen).
a)
kleiner see, teich: lacuna eyn tumpil lat.-dt. voc. v. 1420 (nordböhm.) 21 Schröer; vnnd wardt darnach ... in einen tuͤmpffel oder einer pfuͤtschen also versencket, das sein leichnam nindert gefunden wardt G. Alt buch d. cronicken (1493) 119ᵃ; duͤmpel lacus, stagnum Steinbach wb. 1 (1734) 305; man mag halbwege einen timpel haben, so kan man karauschen hinein setzen Döbel jägerpract. (1754) 4, 74; bis an den kleinen see, der ... eigentlich blosz ein tümpel ist Fontane ges. w. I 2 (1905) 141; hier und dort finden sich auf den höhen kleine wasserbecken, 'tümpl' oder 'gümpl' genannt K. Stieler natur- u. lebensbilder a. d. Alpen (1886) 159; so noch für das schlesw.-holst., rhein., thür. und nordböhm. bezeugt (s. die wörterbücher a. a. o.). ironisch: aber wer fährt gern auf dem tümpfel Ostsee? Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) vorr. IV.
b)
sumpfiger see, pfuhl, morastige lache: lama tumpffel voc. theut. (Nürnberg 1482) pp 1ᵇ; (die bösen geister) kriechen jnn die sumpffe und tuͤmpel, das sie die leute erseuffen Luther 34, 2, 396 W.; bey änderung des wetters kämpffen die hirsche mit dem gehörn, rennen und jagen einander herumb und sühlen sich im prudel oder tümpel Fleming vollk. teutsch. jäger (1719) 94ᵇ;
da stank der koth im dimpel
Seume ged. (⁴1815) 228;
so ist er (rohrammer) ... in ... wiesen, wo es ... tuͤmpfel giebt ... gemein Naumann vögel (1822) 4, 287; ein dunkler tümpel stehenden wassers, der in der mitte des platzes zwischen hochaufgewehten haufen gelber tannennadeln stockte, spiegelte nichts zurück Immermann w. 2, 142 Hempel;
der tag mit trübem flore
sich auf die tümpel legt,
ein storch am nahen moore
steht still und unbewegt
M. Greif ges. w. 1 (1895) 113;
tümpel ... stehendes gewässer, das zu faulen beginnt Mothes ill. baulex. (1881) 4, 379; auch in Westfalen habe ich noch ausgeblickt nach moosgrünen strohdächern und entengrünen tümpeln unter blühendem holundergesträuch Timm Kröger eine stille welt 109; überall (im urwald) absterbende ... riesenbäume, ... dazwischen metertiefe modermassen, worin der fusz versinkt, und als unterbrechung nur sumpfige tümpel und undurchdringliches gestrüpp R. Gradmann bei Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 30; so noch für das lüneb., altmärk., neumärk., rhein., eifel., hess., schl., wien. und kärnt. gebucht, rhein. auch für ein feuchtes stück land (s. die entspr. wörterbücher a. a. o.).
B.
abgeblaszt, in verschiedener einzelanwendung.
1)
von flüssigkeitsansammlungen geringerer art: der dümpfel ... 'zuweilen auch ein jedes wasserloch, eine tiefe pfütze' Adelung 1 (1774) 1436; dümpfel ou dümpel 'die pfütze, kothlache' Schwan dict. 1 (1783) 362; so schon früh nachweisbar: wer in den gassen wissentlîchen thumpffel oder grueben hât, dâ von die wegen mugen schaden nemen (um 1387) Würzb. polizeiordn. bei Lexer 2, 1567; ähnlich in moderner mundart für das schlesw.-holst., mecklenb., altmärk., pos., leipzig., henneb. u. kärnt. bezeugt (s. die entspr. wörterbücher a. a. o.); literarisch nur vereinzelt belegt: da er (Diederich) zu plötzlich anhielt, glitt er aus und setzte sich mit wucht in einen tümpel ..., umspritzt von schmutzwasser H. Mann d. untertan (1950) 66; früh auch auf flüssigkeiten anderer art bezogen: da waren grosz tümpffel von zerlasznem metall, das muͦsten si trincken der seelen würtzgarten (1515) G 6ᵇ; ich spiste einen bissen an das messer und wolte gerades weges damit in einen gelben butter-timpffel hinein marschiren kleideraffe (1685) 21; er (der junge fuchs) machte einen tümpel Siedel wildtiere unter menschen (1951) 81 u. ö.; in moderner mundart: do gobs kaͤoͤne biertümpeln (bierlachen) ged. u. gesch. i. erzgeb. ma. (1880f.) 18, 40.
2)
in anschlusz an 1 vereinzelt geradezu als mengenbegriff: do kriegt mer aͤn orntling tümpfel (schnapsmenge) fer vier pfeng Riedel 9, 101 bei Müller-Fraureuth a. a. o.; tümpel heiszt auch eine sammlung von leuten oder thieren, die auf einem fleck dicht beisammen stehen, 'ein haufen' (Anton oberlaus. [1825] 5, 8, ähnlich bei Danneil a. a. o.): es war ein ganzer tümpel menschen oder pferde da Anton a. a. o.; im niederhess. findet sich tümpel auch im sinne von 'ein groszes gefülltes gefäsz': ən dembəl fol sǫbə 'ein t. voll suppe' Hofmann 243 (vgl. lothr. domp napf, topf Follmann 95).
3)
gelegentlich für eine vertiefung schlechthin gebraucht.
a)
in allg. sprachgebrauch: flache tümpel und pfannen, die sich ... im märz mit regenwasser füllen müssen qu. a. d. jahre 1927; auch mundartlich in verschiedener anwendung: dumpel 'beule im geld' rhein. wb. a. a. o. (vgl. schweiz. tümppfi, dümpfe 'beule in einem gefäsz' Schmid Entlebuch 27, 83; Baumgartner Berner seel. 59; tuͤmpfi, tumpf 'einbug' Stalder 326; tumpf kleine, durch einen schlag oder stosz entstandene vertiefung; kleine, runde narbengrube Schild Brienzer ma., in: PBB. 18, 323; dumpf, dumpfe 'flache, muldenartige vertiefung, bes. durch beschädigung' Reiser Allgäu 2, 695 und bad. dumpf 'durch druck oder stosz entstandene einbuchtung, beule, vertiefung' bad. wb. 591); tümpfel (alt) 'grübchen im kinne oder backen' Überfelder kärnt. 71 (vgl. schwäb. dumpf, dumpfe 'flache muldenartige vertiefung, grübchen in kinn und wangen' Fischer 2, 455 u. engl. dimple 'wangengrübchen').
b)
als fachwort im älteren verhüttungswesen (zuerst bei Minerophilus: tümpel ist ein zum hohen ofen gehoͤriges werckstuͤcke bergw.-lex. [1730] 672).
α)
'muldenförmiges becken in der sohle des hochofens' (s. u. tümpelstein [1] und vgl.sumpf teil 10, 4, 1087 [3 a γ]): jeder hohe ofen (hochofen) bestehet demnach aus der gicht (gueulard), dem schacht (fourneau), der rast (l'évasement du creuset) und dem gestelle oder tümpel (creuset). lezterer ist der unterste theil des ofens, unmittelbar über dem bodensteine Hoyer allg. wb. d. artillerie 1, 2 (1805) 235; dem entsprechen die definitionen der übrigen fachwörterbücher: 'tuͤmpel der boden des herds oder tiegels in einem hohenofen, darinnen sich das ausgeschmolzene metall sammlet ... cavum foci ... le creux du foyer' bergmänn. wb. (1778) 564; ähnlich bei Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; Karmarsch grundr. d. mech. technol. (1837) 1, 23; Mothes ill. baul. (1881) 4, 379; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 782.
β)
im besonderen bezeichnet tümpel 'denjenigen langen schmalen stein, welcher übers auge, aus welchem bei suluöfen die schlacke in den vorherd flieszt, gelegt wird' (s. u. tümpelstein [2] u. vgl. engl. tymp, timp, timp-stone [˂ tympan Murray 10, 553 ], dessen einflusz hier wirksam scheint; frz. tympe hingegen ist wohl aus dem dt. entlehnt, s. Meyer-Lübke roman. etym. wb. 2 [1935] 747 und Behrens über dt. sprachgut i. frz. [1924] 83) Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; ähnlich: tümpel 'bei dem hochofen mit offener brust jene mauer (theil der brust, des kernschachtes, gestelles), der unmittelbar über dem vorherde steht' Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. (1856) 246.
γ)
als einzelbuchungen finden sich: tümpel 'diejenige aus roheisen, mit einem sandsteine belegte, bestehende platte, welche unter der abstichbrust über den damm eines hohofens [!] gelegt wird' (vgl. engl. tymp-plate Murray a. a. o.) Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; um nun die vordere seite des gestelles zuzumachen, legt man ein starkes geschmiedetes stück eisen so auf die beiden untern gestellsteine, dasz es ... gegen den gegenüberstehenden stein der windseite anliegt. dieses stück eisen heiszt der timpel oder tuͤmpel Blumhof eisenhüttenkde. 2 (1817) 664; vgl. auch das aus dem dt. entlehnte schwed. timpel 'järnbalk som upptill begränsar en viss av masugnens öppningar' Hellquist svensk etym. ordb. (³1948) 1186.
C.
in anschlusz an A findet sich besonders in älterer zeit ein mannigfaltiger metaphorischer gebrauch.
1)
im vergleich, wobei tiefe, grundlosigkeit oder unsauberkeit als tertium comparationis dienen: geytikait ... wirt gleichet der hell oder aim tünpffel des wassers Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) B 5ᵃ; o hettestu auff meine gebott achtung gehabt, dein frid waͤr wie ain flieszendes wasser worden, vnd dein gerechtickait wie die duͤmpffel des moͤrs Spalatinus klage d. frids (1521) A 3ᵃ; also vergleichet er da entgegen falsche lehr, jrthumb und verfuͤrung, menschentandt und satzung, stehenden, stinckenden und unfletigen kolcken, tuͤmpeln und pfuͤtzen M. Christophorus Irenaeus wasserspiegel (1566) P 3ᵇ; vereinzelt noch in moderner sprache: in seiner grüblerischen, weltscheuen art kam er mir oft vor wie ein regloser tümpel moorigen wassers Auguste Supper holunderduft (1910) 201.
2)
bildlich:
seiner eren tumpfel wurd nimmer lere auszgest
hist. volksl. 1, 517 Liliencron;
vnd wat aus den siben tümpfelln (der sieben todsünden) tieff,
so tilgest du gantz ab den prieff,
da all dein sünd an geschriben ist
fastnachtsp. 1100 Keller;
erstlich soltu dich deszhalb bekümmern, dasz du dich sehend unnd wissend, in disen dümpffel (der liebe) gestürtzet hast Chr. Bruno de institutione christ. foeminae (1566) 36ᵇ; wir werden ... in den dümpffel desz elends gleichsam versencket Schupp schr. (1663) 1, 775;
so frasz in dem tümpfel des kriegs der wüthende spiesz des Aradi
Naumann Nimrod bei Schönaich ästh. i. einer nusz (1754) 356 ndr.;
unsre romantischen tümpel Tieck nov. 5 (1823) 118; dasz ihr nöthigenfalls vor seiner (des diskussionspartners) verfolgung könnt fliehen auf die tümpel des leugnens Harms verm. aufs. (1853) 119. redensartlich: die tümpel durchwaten schwierigkeiten überwinden:
wann solt wir alles das offenbern
vnd auch mit worten gantz erclern,
wie, wo vnd wann jm an gang
der judisch glaub nem sein anfang ...
sölten wir die tümpffel all durchwatten
...
eins monats würden wir nit vereint
fastnachtsp. 1118 Keller;
ähnlich:
er solle schweigen still,
sich selbst und mich dartzu beileibe nicht verrahten,
wir wuͤrden muͤssen sonst sehr tieffer duͤmpffel waten
W. H. v. Hohberg habspurg. Ottobert (1664) S 7ᵇ.
3)
übertragen; als bezeichnung eines menschen in verschiedener sinnesfärbung: ein tumphel der lebendigen wasser (puteus aquarum viventium, hohes lied 4, 15) qu. v. 1417 bei Schmeller-Frommann 1, 512; meist verächtlich gebraucht (s. auch Lexer 2, 1567): schaw die nackende tümpel, was sie über ir scham gespannen hat! qu. v. 1485 bei Schmeller-Fr. 1, 510; im ostmd. findet sich: truͤbe tuͤmpel 'ein mensch, der sich verstellt und tückisch ist, homo subdolus' Steinbach wb. (1734) 2, 881; trübe tümpel trüber stiller mensch, nd. dröves drumpel, dreves drumpler Weinhold schl. 101; tumpel langsamer, träumerischer mensch Müller-Fraureuth obers. 1, 262; redensartlich: a isz a rechter trübe tümpel Bomolcke sprüchw. (1734) A 5ᵃ; ein timpel war ich doch nich Stehr abendrot (1916) 15; wohl an B 2 anschlieszend im schwäb. dümpfel 'kleiner dicker mann' Fischer 2, 455; ebenso im bair. dumpfel 'dicker mensch' (dort auch 'gefüllter schweinsmagen, blutwurst') Schmeller 1, 512.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11,12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1755, Z. 35.

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tüle
Zitationshilfe
„tümmel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCmmel>, abgerufen am 15.06.2021.

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