Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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tünch, m.

tünch, m.,
tritt als jüngere durch kalk, kalch beeinfluszte nebenform zu tünche, f. (s. dieses und tünchen). ausgangspunkt der entwicklung sind durch apokope entstandene kurzformen, wie sie schon aus früher zeit überliefert sind (litura tunich [13. jh.] ahd. gl. 5, 10, 13 St.-S.). wann das masc. genus eindrang, läszt sich nicht mit sicherheit sagen; die erste eindeutig masc. form gehört dem jahre 1448 an: in nassen tünich bei Birlinger schwäb.-augsb. 127. in der überlieferung des 15., 16. u. 17. jhs. erscheint das masc. gegenüber dem fem., das im frühen nhd. lediglich lexikalisch nachweisbar ist, als durchaus vorherrschend; die aus dieser zeit ohne sichere genuszeichen überlieferten formen ohne endungs-e wird man daher mit groszer wahrscheinlichkeit als masc. ansetzen dürfen: tünich S. Hüttel s. u.A 2 b; dünich Augsb. qu. (1614) bei Fischer schwäb. 2, 464; dünch Maaler teutsch spraach (1561) u. Riemer (1681), s. u.A 2 a; tÿnch (1524) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 1, 575. im 18. jh. stehen masc. u. fem. nebeneinander, so bei Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162ᵇ: die (der) tünch; bei Göthe: der tünch (s. u.A 1) u. die tünche (s. u.tünche A 2 a); im 19. jh. hingegen tritt tünch, m., völlig gegenüber tünche, f., zurück.daneben findet sich im schweiz. vereinzelt auch das genus neutrum: das dünch Rivius Vitruv (Basel 1575) 137 (neben: der dünch ebda 140). — wie bei tünche (s. dort) variiert die qualität des anlautenden dentals bis ins 17. jh. zwischen lenis und fortis; ebenso bleibt der umlaut des stammvokals nur ausnahmsweise unbezeichnet: tunch Frisius dict. (1556) s. u. B 2 b.
A.
als (bau-)technischer ausdruck.
1)
allgemein im sinne von 'verputz, bewurf' (vgl.tünche A 1): also, das von gedachtem erdbeben die kirche erschuͤttet und der tuͤnch abgefellet worden S. Suevus spiegel d. menschl. lebens (1588) 289ᵃ; doch ist wenig des dünnichs am gewölb hangendt geblieben G. Widman chron. 125 Kolb; tuͤnch abschlagen delere tectorium Calvisius thes. (1666) 847; wenn ich ein gebäude ansehe, so kan ich die figur und die groͤsze der fenster und thuͤren von einander unterscheiden ... allein den tuͤnch und die materie der steine und des holtzes ... erkenne ich nicht deutlich Chr. Wolff vern. ged. v. gott (1720) 454;
es war am vordertheil, zu ihrem aͤusseren grauen,
vollkommen leserlich allda,
dasz durch den leichten tuͤnch die dunkle mauer sah,
mit einem meiszel eingehauen:
von bauernschweisze reparirt
Arist schilderungen f. d. frauenzimmer (1764) 154;
weil ich alle obelisken von jeher verwünscht habe, die nicht aus einem granitstück gehauen waren: wie denn z. b. in Schönhof ein ungeheurer zusammengesetzter dasteht, den der abgefallne tünch jedem ästhetischen auge verdrieszlich macht Göthe IV 24, 271 W.
2)
mehr in hinblick auf diegewöhnlich durch kalkmilchanstrich hergestellteweisze, glatte fläche der obersten putzschicht (s.tünche A 2).
a)
im sinne von 'weiszer überzug, anstrich' (s. auch unter B 1 u. vgl.tünche A 2 a): dünch oder verweyszgung, es seye gypsz oder pflaster tectorium Maaler teutsch spraach (1561) 93ᵃ; die gebrechlichsten hauser kan man mit dünch überziehen und die vorbeigehenden augen damit betrügen Riemer polit. stockf. (1681) 73; sieht man freilich den so leicht sich bröckelnden muschelkalk der säulen und mauern, so wundert man sich, dasz er noch so lange gehalten. aber die erbauer ... hatten deszhalb vorkehrung getroffen: man findet noch überreste eines feinen tünchs an den säulen, der zugleich dem auge schmeicheln und die dauer verbürgen sollte Göthe I 31, 162 W.; sie (die mauern) sehen aber schlecht aus, besonders da es in England gar nicht gebräuchlich ist, den häusern von auszen einen tünch zu geben Johanna Schopenhauer reise d. Engl. u. Schottl. (1818) 2, 86.
b)
von der noch feuchten obersten kalkschicht, in die bei der freskotechnik gemalt wird (vgl.tünche A 2 b): das man die capellen zu St. Bartolome, zu St. Ulrichskirchen nach dem besten tünichen und in nassen tünnich wol malen laszen solle urk. v. 11. 9. 1448 bei Birlinger schwäb.-augsb. 127; anno domini im 1570 den 20. tag septembris hat der her Albrecht Sygler seine steinerne gibel lassen aufbauen und in tünich mit gemehl lassen drauf abreissen Simon Hüttel chr. d. st. Trautenau 193 Schlesinger.
c)
für anstrichmaterial, insbesondere die stark verdünnte kalkmischung, die sog. kalkmilch (s. auch unter B 2 u. vgl.tünche A 2 c): aber darnach hat er die mit dem tünche und steinfarbe uberstrüchen (1498) urk.-b. d. st. Heilbronn 2, 642 v. Rauch; aber das best ist, das man den duͤnch abruͤre mit oͤltrusen, welches alles vngezyfer verderbt Michael Herr feldbau (1551) 48ᵃ.
3)
in erweiterung des anwendungsbereichs gelegentlich auch für 'schminke' (vgl.tünche A 3 b): dann was magstu gutes hoffen oder halten von einem solchen man, dem ein weiszer tünnig besser gefelt, dann ein from weib Barth weiberspiegel (1565) X 3ᵃ; der tuͤnch ist ihr weidlich abgefallen pulcritudo ejus ... defloruit Stieler stammb. (1691) 350; ähnlich bei Ludwig: es ist ihr der tünch, oder die schmincke, ziemlich abgefallen, sie hat nunmehr ihre schönheit schon verlohren her painting could not save her faces from wrinkling teutsch-engl. (1716) 2039; im tode musz vollends aller tünch hinweg G. Cober cabinetsprediger (1715) 1, 25; schöner! dein tünch musz in das übertünchte grab ebda 1, 405.
B.
metaphorisch.
1)
im vergleich (vgl.tünche B 1):
gleich als der schöne tünch schneeweisz
an einer schlechten wand mit fleisz
nit kan bestehn wider den regen,
und ein zaun auff eim berg gelegen
wider den wind nit kan bestehn,
sonder musz bald zu trümmern gehn,
also steht auch das hertze blöd
desz narrn in seim fürnemen schnöd
wider kein schreckn in keiner sach
H. Sachs 19, 92 lit. ver.;
ähnlich bei Luther: gleich wie der schoͤne tuͤnch an der schlechten wand wider den regen und ein zaun auff hohem berge wider den wind nicht kan bestehen Syrach 22, 20; an diese gottes-kirche nun hat der boͤse feind seine capelle so nahe gebauet, dasz von dem darzu gebrauchten koth der warsagerei alle pfeiler und waͤnde dieser kirchen gantz besudelt, und gleichsam als von einem losen tuͤnch beschmitzet worden E. Weigel zeitspiegel (1664) 87.
2)
bildlich.
a)
zu tünch A 2 c: wie wol Musca Turrianus ... sich unterstanden hat, solchs gedechtnisz der unglucklichen geschicht mit frischem tuͤnch mehr zu beschmieren als auszzutilgen G. Klee berümter leute leben (1589) 1, 26.
b)
zu tünch A 2 bzw. 3, im sinne von 'glänzende oberflächliche verhüllung, falscher aufputz, scheinwerk' (vgl.tünche B 2 b β): fucus nit nur der weyber angestrichne farb, sunder yeder tunch vnd angestrichne verblendung Frisius dict. (1556) 589ᵇ; was hat wohl die welt, die da im argen liegt, ... meisterlicher gelernt, als ihrem thun und lassen, wenns den befehlen gottes zuwider, einen tünch anzustreichen, um etwa dadurch der schande und strafe, die auf die sünde folgt, zu entgehen Gottfried Büchner bibl. real- u. verbalconcordanzien (1757) 512ᵃ; wer ... seine handlungen mit dem tünch einer scheinheiligkeit überstreichet, der ist ein heuchler ebda 149ᵇ; ihr heuchler, warum heiset ihr euer thun gut? da doch alle euer tünch gar leicht abgewischt wird? ebda 2, 1442ᵇ.
c)
zu tünch A 1 bzw. 2 a (vgl. auch tünche B 2 b α): die neger haben unter einem tünch von Christenthum ihren fetischdienst bewahrt Bücher in: nat.-zeit. 12, 215 bei Sanders 2, 2, 1402.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1772, Z. 49.

tunch, m.

tunch, m.,
vereinzelt statt des üblicheren thun bzw. thunfisch (s. teil 11, 1, 1, sp. 456): der tunch ... lat. thunnus vnnd thynnus, franz. thon ou thennine, ital. tonno ... ist ein grosser meerfisch Lonicerus onomasticon plant. (1555) 701.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1772, Z. 44.

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Zitationshilfe
„tünch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCnch>, abgerufen am 11.07.2020.

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