Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

tünteln, vb.

tünteln, vb.,

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flechten, verwirren; zaudern. im nd. und md. verbreitet; auch fries.: tüntele Outzen fries. 368; tontali Schmidt-Petersen nordfries. 137; tontlin Johansen nordfries. 55. iterativbildung, vermutlich von nd. tûnen, tünen 'zäunen, flechten' (s. o. tünen sp. 1789), vereinzelt auch 'stricken' Schambach Göttingen 236, auf die dann in form und bedeutung nahestehende wörter wie tudeln, ²tüdern (s. o. sp. 1540, 1543) einwirkten; zum nebeneinander der formen tünneln, tündeln, tünteln, vertünneln, vertünteln, vertüddeln, vertüdern vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 205; 5, 444. im md. ist das wort mit tändeln (s. teil 11, 1, 105) sekundär vermischt, vgl. tentelen, tüntelen bei Stieler (1691) 2255; tönteln Waldbrühl rhingscher klaaf 214. tenuis und media wechseln in zweiter silbe wie bei tändeln; dabei herrscht t- vor, formen mit -d- verzeichnen Fromme Hohenbostel 86 Alpers; Schambach Göttingen 236; Böning Oldenburg 119; Mensing 5, 205. der stammvokal ist in der regel umgelautet; formen ohne umlaut bei Brendicke berlinisch 185; brem.-ns. wb. 5, 132; Frischbier 2, 416; Hennig 281. — nur zufällig klingen an schweiz. dünteln, tündeln 'klöppeln' Stalder 1, 327; döntla dass. Tobler Appenzell 145, die vielmehr von düntel, tünde- bzw. döntel 'klöppel' abgeleitet sind, das von Hotzen- köcherle ma. v. Mutten (1934) 101 mit tɛndələ 'schlecht tönende schelle' (ɛ = umgelautetes o) zusammengestellt wird.
1)
flechten, winden, ineinander schlingen: he tüntelt de band um de spiker herum Doornkaat-Koolman 3, 447; verwickeln, in einander schlingen Stürenburg ostfries. 291; Frischbier 2, 415; Hennig 281; speziell: 'litzen machen' brem.-ns. wb. 5, 132; Campe 4, 911; litzen klöppeln Mensing 5, 205; die groben wollnen litzen knüppeln Schütze Holst. 4, 289; allgemeiner auch 'verwirren', 'durcheinander bringen': dat gaarn verwirren Böning Oldenb. 119; dat tüntelt in kluun gerät durcheinander, verwirrt sich zu einem knäuel Mensing 5, 205.
2)
von der bezeichnung der tätigkeit übergehend zur bezeichnung des verhaltens: sich bei der arbeit ungeschickt benehmen, langsam arbeiten, die arbeit nicht aus den händen loswerden können Mensing a. a. o.; du tuntelst und tuntelst un fertig krijst de nischt Brendicke berlinisch 185; langsam arbeiten Bauer-Collitz Waldeck 106ᵇ; Fromme Hohenbostel 86 Alpers; nicht vorwärts kommen Flemes Kalenberg in: Hann. geschichtsbl. 20, 371; wo tuntelst du so lange? warum machst du nicht fort? brem.-ns. wb. 5, 132. nur auf das verhalten bezogen 'zögern', 'zaudern': schon bei Stieler (1691) morari, plumbeum esse, torpere, ... cunctari, tardare, diem ex die expectare a. a. o. 2255; zögern Krüger Emden 70; Böning Oldenburg 119; Schambach Göttingen 236; Hennig 281; Frischbier 2, 416; zaudern, zögern Stürenburg ostfries. 291; zaudern, ehe man auf den weg kommt; andere auf sich warten lassen Dähnert plattdt. wb. 498. schlieszlich auch die ursache des verhaltens anklingen lassend: sachte und behende thun, sich zieren Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1393; langsam und behende tun, delicate et cum mora agere Richey Hamburg (1755) 317.
3)
zusammensetzungen mit vorsilben, die sich an die abgeleiteten bedeutungen unter 2 anschlieszen:
betünteln
eene betüntelte deern ein mädgen, das gern zart und vornehm thun will, une precieuse affectée Richey a. a. o.; Schütze Holst. 4, 289; betünteld verwickelt, verwirrt, verlegen Stürenburg ostfries. 291; betunteln sich heimlich verloben Frischbier 2, 416.
vertünteln
sie hat sich vertuntelt heimlich versprochen Hennig 281; sik im slaap vertünteln nicht munter werden können; sik mit en deeren vertünteln sich mit einer dirne aufs heirathen einlassen Schütze Holst. 4, 289; durch nachlässigkeit vergessen, verlieren oder verzögern Mensing 5, 444; he fertünteld sin geld un tid Doornkaat-Koolman 3, 447.
4)
mit tändeln vermischt: tüntele tändeln, verzärteln Hönig Köln 183; tünteln, tönteln tändeln Waldbrühl rhingscher klaaf 214; vgl. tentelen bei Stieler (1691) 2255 (s. o.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1813, Z. 27.

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Zitationshilfe
„tünteln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCnteln>, abgerufen am 11.07.2020.

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