Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

tüpfeln, vb.

tüpfeln, vb.,
punktieren, sprenkeln, kleine flecken machen; ableitung von tüpfel, daneben vielleicht auch iterativum von tupfen. mundartl. nur im obd.; im nd. und md. entspricht in der bedeutung tippeln (zu tippen teil 11, 1, sp. 504): tippeln Stürenburg ostfries. wb. 283; Frischbier 2, 402; Gutzeit 3, 3, 26; Schambach Göttg. 231; Müller-Fraureuth 1, 265; Liesenberg Stiege 91; tippele Rovenhagen Aachen 146; tipele Schön Saarbr. 213; dibbele Crecelius 311; dippeln Albrecht Leipzig 102; Jecht Mansfeld 16; vereinzelt auch obd.: gedippelt qu. v. 1629 bei Fischer schwäb. 2, 476. in der bedeutung tupfen 2 nahestehend, wobei bisweilen neben dem iterativen auch ein diminutiver sinn mitspricht; wie tupfen 2 vorwiegend als part. perf.
1)
punktieren; mit der schreibfeder punkte auf dem papier machen, eine punktierte linie ziehen; ich tüpfele punctulis noto Steinbach dt. wb. (1734) 2, 882: dise geng wil ich in dem nachfolgenden platten grund mit getupfelten linien anzeygen Dürer befestig. d. stett (1527) C 2ᵃ; wan man die striche des mitteltüpfels machen wil, so ziehet oder tüpfelt man im weissen ... gantz lange gerade striche mitten durch die ekken des vielekkes Zesen kriegsarbeit (1672) 1, 21; in der miniaturmalerei: 'ein gemälde in punktirter manier ausführen, was bes. bei kleinen miniaturbildern geschieht' Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 946ᵃ.
2)
von der künstlichen oder natürlichen färbung eines einfarbigen grundes mit meist regellos verstreuten, oft verschiedenfarbigen punkten oder farbfleckchen: guttatus getröufft, hin vnd här gedüpfflet, gefläcket Frisius dict. (1556) 615ᵃ; nobiles variis maculis columnae mit mancherley fläcken vnd strymen vnderscheiden, getüpfflet ebda 253ᵃ; mensa apiata ein tisch von getüpffletem holtz, gleych als ob die bynle darauf geschmeiszt hettind ebda 104ᵃ; pantherae pictae tüpfflet oder gefläcket von mancherley farben ebda 1005ᵇ; guttatus, notatus gedüpfelt Frisch (1741) 2, 395ᵃ: der marmor ist, als wann er mit gemahlenem silber gedippelt qu. v. 1629 bei Fischer schwäb. 2, 476; das mit braunen linien getüpffelte saffranfärbige martagon ... blühet gar gern Hohberg georg. cur. (1682) 1, 663; von denen weissen picotirten oder gedipfelten, item von drey-, vier- und fünfffärbichten nelcken ebda 3, 580; die eine brachte ihr kostbares kopfzeug herbey, auf dasz sie dafür von dem Vertumnus einen welschen-hennen-kopf erlangen mögte, der fein roth und weisz getüpfelt und gezipfelt wäre Lindenborn Diogenes (1741) 2, 174; es sind solche runde und ordentliche reihen weisz getüpfelte seegeschöpfe, die wie rockknöpfe aussehen anmuth. gelehrsamk. 4, 891 Gottsched;
und schau, o schau das äpflein, gar
wie gold und incarnat;
gestreift, getüpfelt wunderbar
und würzig, wie muscat
Kind ged. (1817) 2, 96;
diese (samen) sind ... von glänzendglatter oberfläche, die auf hellgrauem grunde rothbraun getüpfelt erscheint Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 6, 410. von sommersprossen und blatternarben, vgl.tupfen 2 b: auch sieht man in keinem bilde oder gemälde, dasz David oder Salomon davon getüpfelt im gesicht gewesen (von den blattern) Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 13, 29; sein kleines gesicht war allzu getüpfelt von sommersprossen, um etwas düsteres auszudrücken A. Seghers das siebte kreuz (1950) 220; ttöpflet ... ttüpflet ... blatternsteppig, pockennarbig, zum unterschiede von ruch tiefnarbig Tobler Appenzell 141; von pockennarben verunziert Seiler Basel 91; Schmeller 1, 615.
3)
als fachausdruck der gewebelehre, vgl.tüpfel 5a: äussere zellen behöft getüpfelt Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 6, 569; ihre (der ahornholzzellen) wände sind entweder ... getüpfelt oder spiralig verdickt Muspratt chemie (1888) 6, 1459; s. auch tüpfelkanal.
4)
mundartlich in verschiedenen sonderbedeutungen; in anlehnung an das lautlich anklingende tüfteln, tifteln (vgl. o. tüfteln 2, sp. 1556): hin und her denken, sinnen Unger-Khull steir. 180; tüfteln Martin-Lienhart 2, 704; tüfteln, ausklügeln bad. wb. 1, 598; etwas austüpfeln, genau berechnen, entziffern Schöpf Tirol 776; nachsinnen und rechnen Schmeller 1, 615; genau sein, nachdenken, spekulieren Lexer Kärnten 77; untersuchen, überlegen, austippeln, ausfindig machen Jecht Mansfeld 16. — herumtüpfleⁿ 'herumtasten, nörgeln' Fischer schwäb. 2, 473; in diesem sinne vereinzelt auch schriftsprachlich: an diesem verdienste soll nicht getüpfelt noch gemakelt werden Przibram erinn. (1910) 1, 269. — steine über eine wasserfläche hüpfen lassen bad. wb. a. a. o.
5)
auszergewöhnlich in poetischer sprache:
in dicken tropfen, einzeln und zerstreut,
des reichern segens bothen — tüpfelts nun
sanft in den teich
Harries Thomsons jahreszeiten (1796) 13.
vom würfelspiel: dasz ein schönes kind puncte über puncte tüpfelt, nachschlägt und sucht, was ihr für ein gatte werden möchte? ob der liebhaber treu ist? und so weiter, das find ich wohlgethan Göthe I 17, 6 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1822, Z. 20.

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Zitationshilfe
„tüpfeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCpfeln>, abgerufen am 11.07.2020.

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