Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

tüpfchen, n.

tüpfchen, n.,
kleiner tupf, pünktchen; dim zu tupf; vereinzelt schon im 16. jh. bezeugt, tritt es mit beginnendem 18. jh. in der schriftsprache gegenüber der bis dahin herrschenden diminutivform tüpflein (s. d.) hervor. vgl. auchtüpfelchen. mundartliche formen: tippken wb. d. Elberf. ma. 163; tüppken ebda 166; so vereinzelt auch bei Göthe IV 22, 187 W.; mit eingeschobenem s: tupsgen ders. IV 5, 14 W. in der bedeutung tüpflein allgemein entsprechend; 'künstlich aufgetragener farbfleck' (vgl. tüpflein 4): ohngeachtet hundert pinselstrichen und tupsgen ists immer noch nicht fertig (das portefeuil) Göthe IV 5, 14 W. 'punkt, farbfleck in natürlicher färbung' (vgl. tüpflein 5): wenn ... das rosz ins achte jahr gehet, fänget das rosz die schwartzen tipffichen auff die fördersten zweene zähne wegzufressen M. Böhme roszartzney (1618) 1; es bestehet diese frucht in einer schönen corallenrothen erbsen, die ... ein schwartzes tüpffgen hat Zincke ökon. lex. (1753) 29; die tüpfgen ... sind auf dem kopfschilde (einer eidechse) am grössten allg. dt. bibl. (1765) 117, 467; kein tüpfchen roth, kein striemen war daran (an den äpfeln) Mörike schr. 2 (1878) 72. der diminutive charakter tritt besonders redensartlich hervor; kein tüpfchen 'nicht das geringste' (vgl.tüpfelchen): das ... wir von der empfengnis an, als eine sündliche massa, nichts haben thun können, und also des unsern alhier kein tipgen, noch fünckgen, darzu kömpt H. Roth catech.-predigt (1573) 1, 162ᵃ; Ganymedes ist in der mache, und sie sollen ihn haben, sobald er so ausgemacht ist, dasz kein tüpfgen mehr daran fehlt Wieland ausgew. br. 2, 233 Geszner. — das tüpfchen auf's i als beliebte redewendung bei Göthe (vgl. tüpfelchen); zur bezeichnung des letzten schrittes, der zum angestrebten ziele führt:
indessen ich ein stückchen welt durchwandre
entdeck' ich wohl das tüpfchen auf das i.
dann ist der grosze zweck erreicht ...
Göthe I 15, 109 W. (Faust II);
die letzte zutat, die einem werk die gewünschte vollkommenheit verleiht: ich schreibe ein supplement-capitel zu meiner farbenlehre als ein tüpfchen auf's i ebda IV 27, 225; 31, 12; ins konkrete spielend: alles war hell in hell gemahlt, so dasz die schäumende welle und die blitzlichter darauf nöthig waren, um die tüpfchen auf's i zu setzen (schilderung der umgebung Venedigs bei hellem sonnenschein) ebda I 30, 133 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1817, Z. 31.

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Zitationshilfe
„tüpfgen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCpfgen>, abgerufen am 11.07.2020.

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