Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

türkenbund, m.

türkenbund, m.,
dasselbe wie türkenhut (s. d.), verdeutschung für den charakteristischen türkischen turban; vgl. türkischer bund, unter türkisch 3 b α, sp. 1867.
1)
eigentlich: zwei Albanesen, wildfremde kerle mit türkenbunden Vischer altes u. neues (1881) 3, 310. als beteuerung: potz himmelblau und türkenbund J. Gotthelf ges. schr. (1856) 10, 205.
2)
die eindrucksvoll-fremdartige form der türkischen kopfbedeckung hat zahlreiche übertragungen veranlaszt.
a)
volkstümlicher name für zwei heimische pflanzen, ihrer auffälligen form wegen.
α)
eine lilienart, lilium martagon, goldwurzzwiebel; türkenbund für das freundliche lilium martagon: die wirklich auffallende ähnlichkeit der blumenkrone mit einem türkischen bunde, d. h. turban hat ihn (den namen) erzeugt Franz Söhns unsere pflanzen (1899) 62; türkenbund die blumenkrone gleicht einem türkischen bunde d. i. dem um den kopf gebundenen tuche, turban Prahn pflanzenn. (1909) 149; verzeichnet bei Holl pflanzennamen (1833) 227ᵃ; Fechner volksth. pflanzenn. (1871) 7; Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 3, 79; G. Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236; zur volkskundlichen bedeutung vgl. hdwb. d. dt. aberglaubens 8, 1209-12: die türkenbund-lilie an den cammerrath nebst einem brief gesendet (1817) Göthe III 6, 74; die ebenen ... mit den vortrefflichsten kräutern geziert: ... anemonen, hohe delphinen, türkenbund (lilium martagon) Ritter erdkde (1822) 2, 1077;
aus dem kelch des türkenbundes
kommt ein neger stolz gezogen;
licht auf seinem grünen turban
glüht des halbmonds goldner bogen
Freiligrath ges. dicht. (1877) 1, 43.
β)
eine kürbisart: cucurbita melopepo L. ... türkenbund, turbankürbis Holl wb. dt. pflanzenn. 215ᵃ; Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1260; Oken naturgesch. 3 (1839) 831; Metzger pflanzenkde (1841) 695; K. G. Anton gesch. d. teutschen landwirtsch. (1799) 1, 216; vgl.türkenkopf 3.
b)
eine schneckenart: turbo cidaris Oken naturgesch. 5 (1835) 441.
c)
zuckergebäck in form eines turbans; weit verbreitet; synonym gugel-hopf, s. schweiz. id. 4, 1361: mein befinden ist heut vorzüglich: mittag schweinefl. mit hirse ... und dann eine mehlspeise: türkenbund oder so etwas von gebackenem teig (1890) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 532.
d)
fachsprachliche sonderbedeutungen: türkenbund wird mit einer höchst übel gefundenen bezeichnung in älteren diplomen und wappenbeschreibungen der 'wulst' mitunter genannt Querfurth krit. wb. d. herald. termin. 160; türkenbund, türkischer bund eine kranzartige umflechtung eines gegenstandes mit tauwerk, wobei sich die einzelnen kardeele wie bei einem turban übereinanderlegen C. Eichler v. bug z. heck (1938) 439.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1856, Z. 66.

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Zitationshilfe
„türkenbund“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCrkenbund>, abgerufen am 11.07.2020.

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