Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

türkenglocke, f.

türkenglocke, f.
1) diejenige kirchenglocke, deren regelmäsziges geläut zu bestimmten tagesstunden die gemeinde zum türkengebet (s. d.) ruft: den 6. december (1568) ist erkant worden von dem raht, dasz man die türckenglock, so man zu mittag leutt, ... in allen pfarrkürche (n soll) leuten Imlinsche familienchron. in: Alsatia 10 (1873) 439; J. Feinler geistl. türcken-glocke (1663) buchtitel; wurde verordnet, im ganzen römischen reich deutscher nation ..., wie schon vor zeiten, die türkenglocke mittags zu läuten Cosack gesch. d. evang. ascet. lit. 200. dieser terminus bleibt in historischen darstellungen noch jahrhundertelang nach beseitigung der türkengefahr lebendig: lütet d'türkeglocke an allen enden Hebel s. w. (1838) 2, 56; auf den türmen (von Magdeburg) läutete man (anno 1559) die bet- und türkenglocke W. Raabe s. w. I 2, 324. daneben in allgemeineren bezügen auf die türkenkriege: die Grosz-Halderner glocke, die sie die türkenglocke nannten, weil sie von geschützen gegossen war, die Matthias von Haldern aus dem türkenkriege mit heimgebracht hatte Fontane ges. w. (1905) I 5, 108. — 2) bei Jean Paul für einen gewürzmörser: dadurch, dasz er diese schand- und türkenglocke mit der ganzen hand ... umgriff w. 11/14, 164 Hempel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1858, Z. 4.

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Zitationshilfe
„türkenglocke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCrkenglocke>, abgerufen am 11.07.2020.

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