Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

türkis, m.

türkis, m.

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1)
ein edelstein; it. turchina, adj. turchino, frz. turquoise, span. turquesa, portug. turqueza; ndl. turkoois; dt. türkis, engl. turquoise; 'so benannt, weil die Europäer ihn zuerst durch die Türken erhielten' K. Lokotsch etym. wb. (1927) 165ᵃ; vgl. J. E. Polak d. orient. türkis in: österr. monatsschr. f. d. Orient (1877) 175 -77: türkis ... ist ein edelgestein, der zwar undurchsichtig, aber sehr hart, schatticht und himmelblau fällt, wird in Persien oder Indien sehr häuffig gefunden, und bey den Türcken sehr hoch gehalten Minerophilus bergwerckslex. (1730) 672; allg. haush.-lex. (1749) 3, 556ᵃ. das wort ist aus dem frz. übernommen und sprachlich verbequemlicht; die lautgestalt in Luthers bibelübersetzung (s. u.) erst hat ihr zum siege verholfen. mhd. begegnen allerlei nicht immer ganz durchsichtige formen: do hoyt man us deme gebirge di edile gesteyne, di do heysin turchicases in grozer obirvlussikeit md. Marco Polo 8 Tscharner;
ain halsband, darinne lag ain karfunckelstain,
... da nieben manig edel diemant,
rubin unnd thüris tur erkannt
Friedrich v. Schwaben 6802 Jelinek;
unmittelbar frz. turkoyse (pl.) Wolfram Parz. 791, 24; 741, 6; vgl.türkoas bei H. Heine s. w. 2, 481 Elster, auch turkoisenblau ebda 6, 489; ferner türkos; Türke 2 d; türkel, m. beliebtes lexikonwort, oft dem saphir gleichgesetzt: Maaler teutsch spr. 411ᶜ; Frisius dict. (1556) 360ᵇ; Siber gemma (1581) 191; Golius onomast. (1585) 81; Ruland lex. alchim. (1612) 259; nomencl. lat.-germ. (1634) 59; Schönsleder prompt. (1647) Kkk 5ᵃ; vgl. ferner Diefenbach gl. 602ᵇ; Calepinus XI. ling. (1598) 365ᵃ; Reyher thes. (1668) 1, 817; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163ᵇ; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 882; Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 226. der ansatz zu weiterer eindeutschung durch vokalabschwächung in der zweiten silbe und die dadurch bewiesene anfangsbetonung haben sich bei dem nicht volksläufig gewordenen wort auf die dauer nicht behauptet: mit spongrün zu grünem agstein, dem türckes gleich Paracelsus opera (1616) 1, 902; Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 96; güldene ringe voll türckessen Meyfart d. himml. Jerusalem (1630) 1, 297, und in den aufzählungen bei M. Rolando lex. alch. (1612) 258; Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 355. manchmal begegnet sogar einsilbigkeit: aver den torksringk geve ik mynem brodere urkunde v. 1471 v. St. Blasien in Braunschweig; da sieht man amathyst, smaragd, türcks und jaspinen wohlausgeführte jungfernanatomie (o. j.) B 2ᵇ;
er praalet hie und da mit türksen und safiren
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 279.
für gewöhnlich in der dem frz. nahebleibenden lautgestalt mit dem ton auf der zweiten silbe: ein türkis, onich, jaspis, in gold sollen sie gefasset sein (2. Mos. 28, 20) Luther; Zürcher bibel (1531); (dagegen vor Luther: crisolitus, onichinos vnd berillinus 1. dt. bibel 3, 314 Kurr.; entsprechend Hes. 10, 9; 28, 13; Dan. 10, 6; statt dessen crysolitus Claus Cranc prophetenübers. [passim] Ziesemer; hyacinckt Wormser propheten [1527] passim); dürfen ein türkis um fünf hundert gülden achten (1533) Luther tischr. 3, 132 W.; einem edlen hochferbigen türckisz ... gleich Thurneysser magna alchymia (1583) 45; seyn es gewesen etlich stümmel türckis, vngeleutert vnd vngeseubert Schweigger reyszbeschr. (1619) 79; item nimm gecalcinirten vitriolum ungaricum, der fein blau ist wie lasurstein oder turckis Walther pferde- u. viehzucht (1658) 34. wegen seiner kostbarkeit und seiner farbe beliebter schmuckstein: ein auszdermassen schönen ringe, darinn war ein blawer türckysz versetzt (1559) V. Schumann nachtbüchlein 313 Bolte; mit guten edelen diamanten, wolfärbigen rubinen, hellen türckis, klaren smaragden vnnd persischen perlin Fischart Garg. 175 ndr.; ain geschirr von lauterem türckis aines stückhs Ernstinger raisbuch 44 lit. ver.; der Juno palast ... aus türkisen, auch sonst von allen andern köstlichkeiten und reichtümern glänzte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 896;
Dieterich, was führst du viel über meine hoffart klage,
weil ich, wo es sich gebürt, einen kleinen türkis trage
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 81;
es ragt' ein prächtiger pallast,
erbauet aus türkisen
Hölty ged. 24 Halm;
seine hände goldringe mit türkisen besezzt Göthe I 37, 307 W.; kaufte er der baronin einen schmuck von türkisen G. Freytag ges. w. 4 (1887) 81; an der linken glänzt manchmal hellblau ein türkis A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 379. zur volkskundlichen bedeutung, die ebenfalls aus der Türkei überkommen ist, s. hdwb. d. dt. abergl. 8, 1212/13 (ferner unten sp. 1869 s. v. türkos Schmidt):
noh der eiter varwe turggis,
der hat vur vallen hohin pris
Hugo v. Langenstein Martina 50, 81 lit. ver.;
dazu adj.-zusammensetzungen zur bezeichnung eines besonderen blaugrünen farbtons, vgl.
türkisblau
ein grünliches blau auf wolle, das bei künstlichem licht denselben grünlichen schimmer zeigt wie bei tageslicht Karmarsch-Heeren techn. wb. 9, 714; türkoiszblaue gebrandte steine Olearius persian. Rosenthal (1696) 85ᵇ; die strahlende sonne, als der helle jaspis des türckis-blauen himmels v. Glaubig pistophile (1713) 2, 77; die schwanzdeckfedern sind ... türkisblau Brehm tierl. 5, 44 P.-L.; land und himmel waren von sanftem türkisblauem lichte umflutet, als ich um drei uhr morgens in die vollmondnacht hinaustrat A. Steinitzer a. d. unbekannten Italien (1911) 22; die ausgabe altprovenzalischer lieder in silberschrift auf türkisblauem grund Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 265; um des metrums willen viersilbig:
der blaue himmel zeigt türkisenblau
ganz schmale streifen
O. J. Bierbaum ges. w. (1913) 1, 184.
türkisgrün
ein anderes nüancirtes grün, türkisgrün Muspratt chemie (1888) 4, 1464.
2)
mhd. eine art kleiderstoff, vermutlich dasselbe wie frz. draps d'or de Turquie A. Rosenquist d. frz. einflusz a. d. mhd. sprache (1932) 245. mit deutscher betonung:
was ain samit von Pliant,
rot recht als ain plüt.
ir halfften warn parten (= borten) güt
von turkis, vier vinger praitt
Heinrich v. Neustadt Apollonius 4150 Singer;
er trug an im so reiche claid
von samit und von talit (hs. A.: turkis) rot
ebda 16 345;
es war ain tüch von golde gar,
es was von turkysz pracht dar
ebda 19 877.
mit abschwächung des endsilbenvokals:
sy wurcket plia und samit,
turckes porten und capit,
da claidt er dann sein ritter mit
und sich: das sind desz mores sitt
ebda 19 339.
3)
schmetterlingsart: draconita Diefenbach gl. 191ᵃ; zygaena stutices Oken allg. naturgesch. 5 (1835) 1369.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1862, Z. 45.

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Zitationshilfe
„türkis“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCrkis>, abgerufen am 11.07.2020.

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