Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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thürmen, türmen, verb.

thürmen, türmen, verb.
ahd. nur vereinzelt turrôn, spätmhd. türnen, turnen, turmen, tormen, mnd. tornen, turnen. die oberdeutschen mundarten kennen das wort nicht.
1)
mit einem thurme, mit thürmen versehen, ahd. giturrôt, turritus Graff 5, 447, md. und spätmhd. geturmet, -tormet, -turnet, -dirnet, Dief. 603ᵃ, nhd. gethürmte städte, schlösser u. s. w., vgl. hochgethürmt, bethürmen.
2)
wie einen thurm emporragen machen, thurmähnlich aufbauen, erheben oder aufhäufen. vgl. auf-, ↗emporthürmen.
a)
transitiv:
thorheit, die berg und felsen thürmt.
Günther 648;
wenn es (das glück) auch die wellen thürmt.
729;
(berg,) den ein verjährtes eis dem himmel gleich gethürmt.
Haller die alpen v. 342;
obelisk, den die eitelkeit thürmte. Schiller 9, 98; wo man den teich (deich) durchstach und die brustwehr thürmte. 9, 71;
(der meergott bricht) die granitnen säulen
aus dem erdgerippe los, ...
und mit Hermes dem behenden
thürmet er der mauren wall.
11, 298;
(dort) thürme deines ruhmes monument.
Körner leier u. schwert 12.
partic. gethürmt: die gethürmte staatsperücke. Zachariä hinterlassene schriften (1781) 25;
mit deinen gethürmten wogen.
Klopstock Mess. 13, 908;
wenn die wolken gethürmt den himmel schwärzen.
Schiller 14, 106 (braut von Mess. 4, 4).
thürmen auf:
die marmel, gold und perl .. haben
auf ihre gruft gethürmt.
schles. Helik. 52;
knoten auf knoten gethürmt.
Göthe 1, 327.
b)
reflex. sich in die höhe türmen, attollere sese in altum Stieler 2365;
(hügel,) auf welchem sich die last des hohen tempels thürmt.
Pyra u. Lange 107 neudruck;
lasz den schnee sich thürmen
um mein sichres dach!
Willamov 237;
welche herrliche stadt wird
... dein auge noch thürmen sich sehen!
Bürger 244ᵇ,
welch eine stadt seh ich ...
... o schwester, sich erheben!
Schiller 6, 387;
thürmten sich oft wolken über die entfernten berge. Göthe 26, 31;
es thürmen sich die gipfel.
Rückert Hamasa 2, 326;
wo sich thürmt der dürre sand.
Geibel ged. 242;
(wanderer,) dem schroff die wand sich thürmt.
250.
c)
intransitiv, in der poetischen diction statt des reflexivs:
es sinkt der schnee, die winde stürmen,
die wasser brausen, die schollen thürmen.
Kretschmann klage Rhingulphs 45;
als ob felsen
thürmten.
Klopstock od., krit. ausg. 2, 18;
aber sie (die stadt) lag, .. so hoch sie
thürmte, gehüllt in traurende .. dämmrung.
Mess. 9, 56;
besonders als partic. präs.: ein thürmender fels heiszt einer, der sich wie ein thurm erhebt. Klopstock br. 218 Lappenb.;
wollte jetzt von den höhen des throns der thürmenden felsen
einen gegen ihn schleudern.
Mess. 2, 697;
jetzt schienen die felsen
seines thürmenden grabes vor ihm sich nieder zu senken
11, 703;
rings ertönte die thürmende stadt.
7, 625, vgl. 763. 14, 923. 15, 709;
aus dem felsigten kern hebt sich die thürmende stadt.
Schiller 11, 85;
bis wir gewonnen des Priamos thürmende veste!
Voss Il. 2, 332;
stadt mit thürmender mauer.
15, 737;
vor Troja's thürmenden mauern (sub moenibus altis).
Än. 3, 321;
zwei (erdgürtel) deckt thürmender schnee (nix alta).
Ovids verw. 1, 46;
Auror' erstieg den thürmenden Olymp.
Bürger 150ᵃ;
sein muthiges ross
enteilt, wie ein adler, dem thürmenden schlosz.
Stolberg 1, 309;
(ich sah) die thürmenden alleen.
Wieland Idris 3, 99;
dort auf thürmenden eichen ...
lauschen andere.
Lenz ged. 56 Weinhold;
weiche nebel trinken
rings die thürmende ferne.
Göthe 1, 86;
bahnlos liegt's hinter mir, und eine mauer
aus meinen eignen werken baut sich auf,
die mir die umkehr thürmend hemmt.
Schiller 12, 215 (Wallenst. tod 1, 4);
als wollten zu grabe sie tragen
des elends thürmenden wust.
Lenau neue ged. 124;
wie naht das finster thürmende
gewölk so schwarz und schwer!
G. Keller ged. 1, 71;
comparativisch thürmender erheben sich die felsenberge in wechselnden gestalten. Stolberg 6, 153.
3)
türnen, turnen, in einen (gefängnis-) thurm setzen, werfen Lexer 2, 1584, mnd. tornen, turnen Schiller-Lübben 4, 381ᵇ: einen unverlümbdeten mann .. weder fahen, thürnen. weisth. 4, 414 (v. j. 1403); so soll in ain herr oder aman nit türnen. 1, 282 (v. j. 1432); etliche der unsern (wurden) gefangen, getürnt. städtechron. 2, 72, 11 (v. j. 1444); das man dich bekeren solt und türnen. Keisersberg narrensch. (1520) 15ᵇ; er hat .. Rulanden nit fessern oder thürnen wöllen. Aimon V 4; wie si ire landlüt .. hart hieltind, türnetind. Tschudi 1, 232; furet si mit ime in sein schloss ..., da thurnet er si. L. Fries Würzb. chron. (handschr.) 313; oft wird ein mensch verdampt (verurtheilt), gethürnt und bestraft. Lehmann 1, 857.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 470, Z. 41.

türmen1, vb.

¹türmen, vb.,
s.thürmen teil 11, 1, 1, 470.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1871, Z. 45.

türmen2, vb.

²türmen, vb.,
schwindlig werden, vgl.durmen teil 2, 1734 und die germanischen verwandten: nordengl. dial. dorm 'im halbschlaf sein' Murray 3, 604; schwed. dial. dorma dass. Hellquist ³151; norw. durma, dorma 'schlummern, linder, still werden' Torp 66; nisl. dorma 'schlummern' Blöndal 136; schetl. dwarm dass. Jakobsen 130; färöisch durva 'mit dem schlaf kämpfen, nicken, schlummern' Jacobsen-Matras 61, ferner nhd. (nd.) dösen, dösig usf. weiteres bei Walde-Pokorny 1, 845:
des ritterschaft ist also muͤnc (mutig)
in wik herten stuͤrm
daz do manigem tuͤrm (türmen)
mag in sinem kopf
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 8024 Regel.
'duseln, schlummern': durmen schlummern ..., halb schlafen, halb wachen (unter einflusz des frz.-lat.) Fischer schwäb. 2, 500; Ochs bad. 1, 612.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1871, Z. 46.

türmen3, vb.

³türmen, vb.,
reiszaus nehmen, abhauen, weglaufen; rennen; gaunersprachlich, von neuhebr. thârám 'entfernen', s. E. Bischoff wb. d. wicht. geheim- u. berufsspr. 89, vgl. auch ³stiften teil 10, 2, 2890; dann in der soldatensprache des ersten weltkrieges nachweisbar: 'man sagt auch (vom reiszausnehmen) sie ... gehen türmen, türmen ab' Imme soldatenspr. (1917) 127. das wort hält sich im bereich drastisch-burschikoser ausdrucksweise; der abwertende sinn tritt zurück: ich sehe meine leute an, erspähe gerade noch, dasz sie sich zublinzeln, was soll das? denke ich. wollen sie türmen? qu. v. j. 1930; doktor, hören sie, hebe ich an. ich will türmen ... er bleibt stehen. 'flüchten?' fragt er leise ebda; mit einer handvoll jäger greift dieser verfluchte kerl ... an, rollt den halben Majo auf, und die bande türmt qu. v. j. 1933; 'neulich is eine getürmt (ohne die zeche zu bezahlen)' sagte er. 'unsre letzten wiener hat sie aufgegessen, und durst hatte sie wie ein mann' H. W. Seidel Krüsemann (1935) 221; 222; als er zurückkam, um die gesellschaft (kinder) ins bett zu jagen, waren die zwillinge getürmt C. v. Bremen d. schifferwiege (1936) 96. laufen, rennen: aber so als strippenflicker. na, wie ist das? da türmst du durch das blödeste feuer, flickst deine strippe, türmst wieder los, flickst wieder und nochmal und dann ... Fr. Knapp strippenflicker (1938) 26; türmen fliehend laufen Ochs bad. wb. 1, 612.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1871, Z. 63.

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Zitationshilfe
„türmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCrmen>, abgerufen am 11.07.2020.

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