Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gethürmt, participiales adj.

gethürmt, participiales adj.
zu thürmen (theil 11, 470). da schon das verbum selbst eine jüngere und mundartlich beschränkte bildung ist, so setzen die isolierten verwendungen des particips erst spät ein. althochdeutsch begegnet zwar eine nachbildung des lateinischen turritus: giturrotun chiolin Prudentiusglossen Steinmeyer-Sievers 2, 471; aber die ableitungen von turm treten erst spät mittelhochdeutsch auf, erstmals im könig vom Odenwald Germania 23, 303, vgl. Lexer nachtrag 378; geturnet, turnet noch im vocabular von Altensteig (Hagenau 1516), vgl. auch getornet bei Verwijs und Verdam 2, 1751, aber getormt im Macer de herbis (1394), gethormet, geturmet in vocabularien des 15. jahrh. Diefenbach 603ᵃ.
1)
in der grundbedeutung:
a)
sie zeiget uns bebüschte berge, beblühmte thäler, grüne wälder,
begraste wiesen, klare bäche, mit korn bedeckte fette felder,
sie ziehet vor gethürmte städte den sie verhüll'nden vorhang
weg.
Brockes (die morgenröhte) irdisch. vergnügen 7, 204;
stehe du selber mir bei und hauche mir mut und entschlusz ein,
wie vordem, da wir Troja die prächtig gethürmte zerstörten.
Voss Od. 13, 386 (ὅτε Τροίης λύομεν λιπαρὰ κρήδεμνα) abdruck der ersten ausg. von 1781 Bernays;
so wie einst, da wir Troja's gethürmte pracht hinstürzten.
dasselbe in der ausgabe von 1806;
und die gewaltthat mit eisernen klauen
malmet gethürmte palläste zu sand.
Schubart (zeichen der zeit 1789) 3, 11.
b)
ihm tödtete der göttersohn Achill,
als er die hoch gethürmte königstadt
Ciliciens, die volle Theben, einst
in trümmer warf.
Bürger Ilias in jamben 6, 529;
und, reich wie ein emir in seinem sinn
steu'rt er, mit flügeln an jedem schuh
zur hochgethürmten hauptstadt hin.
Wieland (fischer und geist) 18, 227;
betrete dann das hochgethürmte (aus hochgebaute verändert) fürstenhaus
und mustre mir die mägde, die ich dort
zurückgelassen.
Göthe Faust 8549.
vgl. theil 4, 2, 1621.
c)
in ihre kühne schlanke gestalt hab' ich die geheimniszvollen kräfte verborgen, die jene beiden thürme hoch in die luft heben sollten, deren, ach, nur einer traurig da steht, ohne den fünfgethürmten hauptschmuck, den ich ihm bestimmte, dasz ihm und seinem königlichen bruder die provinzen umher huldigten. Göthe (vom Straszburger münster) altdeutsche baukunst, werke 39, 346.
d)
als terminus der heraldik: gethürmt, mit thürmen, donjonné, terme de blason Rondeau-Buxtorff (1746) 253.
2)
übertragen auf entsprechende gebilde der natur; die übertragung geht aus von verwendungen wie: den herrlichsten an blick der kaiserpaläste, die sich in mannigfachen über ein ander getürmten mauern und wölbungen auf jenen hüge hinüberziehen. Grillparzer (tagebuch auf der reise nach Italien) 19, 214.
a)
und so wie rein' und reinre luft umgieszet
der berge höher stets gethürmte spitze,
bis wo kein grün die stumme klipp' umlaubt.
W. Humboldt (an A. v. Humboldt) 1, 373;
diesem ungewissen schein der hoffnung
folgte kühn das brüderpaar, entschlossen,
über's hochgebirg hinweg zu steigen
das vor ihnen wolkenhoch gethürmt schien.
Platen Abbassiden 1
b)
bald sieht man die gethürmte wellen
ergrimmt sich heben, bäumen, schwellen,
und bald in die geheîme kammern der tiefen wieder plötz lich schieszen,
da des bestürmten meeres fluht
laut über ihren häuptern donnert.
Brocker Thomsons jahreszeiten (hilly wave) winter 145;
legten sich die gethürmten wellen.
Chamisso 4, 220;
ungewiszheit! du warfst sie mit jeder gewaltigen unruh,
welche du hast, mit deinen gethürmten wogen, mit allen
deinen stürmen herum.
Klopstock Messias 13, 908;
seen, meere, ströme sieden!
gethürmte wasserwogen wüthen
wild auf dem alten ocean.
Schubart ged. (der jüngste tag).
c)
wenn die wolken gethürmt den himmel schwärzen,
wenn dumpftosend der donner hallt,
da, da fühlen sich alle herzen
in des furchtbaren schicksals gewalt.
Schiller (braut von Messina 4, 4) 14, 106;
und ich fürchtete mich zitternd, dasz irgend ein seltsam gegliederter oder gethürmter schatten, oder irgend ein fliegender wiederschein mir mit einem beweise und bilde des mörderischen gedankens begegne. J. Paul fata 2, 96.
d)
du siehst wie glanzhell steht in gethürmtem schnee
Sorakte, kaum noch unter der flockenlast
der wald sich aufringt.
J. H. Voss Horaz oden 1, 9 (alta nive).
3)
übertragen auf kleinere gebilde der menschenhand.
a)
von denen schnell die tafel
reich mit früchten, reis und wein besetzt ward:
jener schön gethürmt in silberschüsseln,
dieser perlend aus krystallenen flaschen.
Platen Abbassiden 3;
auch nahm sie eine tüchtige handvoll salbeiblätter, tauchte sie in einen sauerteig und buk sie in heiszer butter zu sogenannten mäuschen ... sie gingen prächtig auf, dasz es eine getürmte schüssel voll gab. G. Keller (fähnlein der 7 aufrechten) 6, 294.
b)
die gethürmte staatsperrücke.
Zachariä hinterl. schr. (1781) 25;
mit seiner kegelgleich gethürmten tiare.
Rückert Brahman. erz. 277.
c)
gethürmte krystalldinse, crystallus imbricata Scopoli Jacobsson 5, 662.
4)
von der sinnlichen erscheinung aus auf geistiges gebiet übertragen: diese hochgethürmte weise hoffahrtsdame. Tieck Vittor. Acc.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4385, Z. 72.

thurm, turm, m.

thurm, turm, m.
turris und daraus entlehnt: ahd. turri turre n. und turra turra f.; ags. tor tur m. (Leo 616, 37), vgl. altroman. tur Zeusz 1123. — formen mit auslautendem n, m: alts. turn, mnd. torn, md. turm torm torn, spätahd. mhd. turn und so noch oberd. (Göthe schrieb noch 1805 thurn, s. Bernays br. Göthes an Fr. Aug. Wolf 68, s. auch Schiller 2, 254. H. L. Wagner die kindermörd. 76, 23), mit svarabhakti turen, thuren B. Zink 154, 20. Tucher baumeisterb. 257, 32. 258, 11. Keisersberg pred. (1508) 4ᵃ. H. Sachs 9, 333, 8 (s. Weinhold mhd. gr.² § 86), plur. thürme, thürne, nur vereinzelt schwachformig die thürnen Götz v. Berlich. 54 neudruck, genetiv der thürnen Wurstisen 365. — auf entstehung des noch unerklärten auslautenden m, n hat vielleicht doch die lateinische accusativform eingewirkt, die in den nominativ vorgedrungen sein kann, vgl. einen turrem cod. Tepl. Matth. 21, 33, turem Luc. 14, 28.
1)
im allgemeinen: einen turn bûwen pass. 2, 50 K., bawen Matth. 21, 33. Luc. 14, 28, aufführen Göthe br. 2543 (8, 105) Weim.;
owê eʒ kumt ein wint, ..
boume, türne ligent vor im zerslagen.
Walther 13, 16;
gleichwie wan ein sturmwind ..
höcken, bäum und thürn .. umbwehet.
Weckherlin 627;
sprichwörtlich grosze hohe thürne fallen hart, excelsis multo facilius casus nocet. Frank 1, 68ᵃ; nach den hohen türnen zilet der donner mit seinen keilen am meisten. Butschky Patmos 700 (483).
2)
der thurm zu Babylon (Bel-tempel) Milstätter gen. 32, 17. 1 Mos. 11, 4; der thurn Babel Micrälius a. Pr. 1, 37;
fragt man, wo Babels stolz und wo dein stolz geblieben?
so fällt die antwort drauf: der giebel sucht den grund.
Günther 670;
der tempel der philosophen und der thurm zu Babel bleiben beide nur fragmente. Klinger betracht. (1803) 1, 190; übertragen: Lavater trieb sich immer mit groszen entwürfen um, er wollte erfinder und erbauer babylonischer thürme sein. Gervinus⁵ 5, 311; zoologisch eine art thurmschnecke, murex babylonius Oken 5, 489.
3)
als befestigung (burg-, schlosz-, festungs-, mauer-, thor-, wartthurm u. s. w.):
turne unde mûre ..
muose zuo der erde.
Rolandslied 11, 32;
sus riten zuo der bürge   die helde küene unde guot.
sehs und ahzec türne   si sâhen drinne stân.
Nib. 388, 1, vgl. Gudrun 138, 4;
eʒ rageten für die zinnen
türne von quâdern grôʒ.
Erec 7849;
(die hauptstadt) mit mûren und mit graben
und mit manegem turne hôch erhaben.
Parzival 681, 14;
dô si die vesten türne guot
der Hiunen künege muosten geben.
Biterolf 1642;
die türne umb die stat (Nürnberg). städtechron. 2, 285ff.; und Usia bawet thürne zu Jerusalem .. und befestiget sie. 2 chron. 26, 9; zur zeit der groszen schlacht, wann die thürme fallen werden. Jes. 30, 25; Ninive hat anderthalbtausent türn gehabt, ist ainer zweihundert schuech hoch gewesen. Aventin. 4, 75, 31; wir bedachen ein alten spitzigen turn, den die Römer vor zeiten gebuwen hatten. F. Platter 183 B.; das Münstererthor (in Wesel) hat gar keinen thurm, sondern ist eine offene lücke. Haller tageb. 65 Hirz.; das alte schlosz ist von stein und besteht aus drei thürmen mit einigen zwischengebäuden. 72;
seht thurm und mauer (Jerichos) wankt.
Pyra u. Lange 136 neudruck;
der thore
wart' und thurn.
Göthe 5, 274;
als er die thürme der alten Wartenburg .. erblickte. Moritz A. Reiser 380, 15; der minister des auswärtigen gleicht dem wächter auf dem thurme einer immer von feinden bedrohten stadt. Klinger betracht. 1, 273; auf dem thurme hielt der wächter seinen umgang. Freytag ges. werke 18, 147; um das auszenthor steht ein festes werk, ein dicker thurm oder ein wighaus. 122, vgl. 121; der mächtige steinbau einer königsburg, hohe mauern, dicke thürme mit zinnen. 8, 116; eine feste ringmauer mit thurm und thor umschlosz das ganze (kloster) .. der sicherheit wegen. Scheffel Ekk. 13; drei-, vier-, fünfeckige thürme. Schultz höf. leben² 1, 42.
4)
die burg- und stadtthürme (mauer-, thorthürme) wurden im unteren geschosse zu gefängnissen benutzt, s. gefängnis-, straf-, schuldthurm, thurmkerker und Schultz höf. leben² 1, 44ff.: do fieng ich den Frantzen und seinen brueder den Marcus, und legt die auf den thurn ... und verschlosz sie in ein kemmerlein. Ulr. Stromer 79, 20 (vom j. 1390); der gevangen und in den turn gelegt wirt umbe so getan tat. Nürnberger polizeiordn. 15 (14. jh.); die weil er (der richter) ainen dieb in einem thuren het ligen. Keisersberg pred. (1508) 4ᶜ; do man einen in ein turn wirft. post. 1, 4ᵃ; du hast uns lassen in den thurn werfen. ps. 66, 11; da leget in der künig in den turn. Aventin. 4, 244, 10;
so wil ich dich drei wochen
zu unterst in den thuren legen.
H. Sachs 9, 333, 8;
dieb, der ligt in unserm thurn.
17, 97, 8;
er sitzet in dem thurn gar hart,
der mit schlössern wol verwahrt.
B. Krüger spiel (1580) v. 1675, vgl. 1622;
will mich ehe in thurn legen lassen. Götz v. Berlich. 64 neudruck; solt ich wissen, dasz sie mich zu unterst in thurn werfen. 96 (thurn Göthe 8, 25. 116. 126. 42, 150. 157. 189 u. s. w.); er hat müssen in turm kriechen, in carcerem ductus, conjectus est Stieler 2365; er that sich im thurn mit eigner hand ein leids an. H. L. Wagner die kinderm. 76, 23 neudr.; strick und leiter sind schon an den thurn gebracht worden. Schiller 2, 254 (räuber, trauersp. 2, 8); wenn du nicht gewärtig sein wollest, im untersten gewölb seiner thürme mit wasser und brod ... traktirt zu werden. 38 (1, 2); einst sasz ich als gefangener in eurem thurm. Freytag ges. werke 9, 240; führ ihn in den thurm für die steuerschuldner. F. Dahn Felicitas 78.
5)
kirchen-, glockenthurm: an diser kirchen (St. Stephanskirche in Wien) ist zu sehen der hohe und schöne thurn, alles von stückwerk aufgefüert, .. das höchste thail des thurns ist spizig und hat ain knopf darauf (s.thurmknopf), .. darein acht mezen trait oder sechs eimer wein gehen. Ernstinger raisbuch 57;
der höchst zu Landshut ist der hon,
dar auf sanct Martins thuren steht.
H. Sachs 17, 285, 27;
printz aller hohen thürn (der thurm des Straszburger münsters).
Opitz (1637) 1, 266;
denn wie ein glock ...
der (genetiv) klöpper ausgefallen ist,
ob man sie gleich im hohen thurm
beweget, macht gar kleinen sturm.
Ringwald laut. warh. 212;
das maurwerk der kirche und des thurms. Felsenburg 2, 72; dieser thurm war .. in gothischer bauart, von rothen backsteinen aufgeführt. Moritz A. Reiser 188, 3; der hängende thurm, der schiefe thurm von Pisa. Göthe tageb. 1, 310 Weim. P. Heyse ges. werke 1, 252;
hoch auf des thurmes glockenstube.
Schiller 11, 306;
ave Maria! ...
von allen thürmen (Venedigs) hallt der glocke ton.
Geibel ged. 108;
das kreuz auf den thurm setzen (s.thurmkreuz). Auerbach ges. schriften 8, 73.
6)
als belagerungswerkzeug: er gewan ein heuszlin am graben, ... darausz ruckte er mit thürmen und schantzkörben bisz an graben und des schlosses maur. Forbiger Guicc. 282ᵇ; als sie (die heidnische heldin) unternahm, den groszen thurm der belagerer anzuzünden. Göthe 18, 34; dann kamen sie (die belagerer Karthagos) mit hölzernen thürmen an die mauern gewackelt. Grabbe 2, 160. — thurm auf schiffen (s. thurmschiff), auf elephanten: viertausend helfentier mit türn und pastein. Aventin. 4, 405, 36, daher der thurm im schachspiel, s. Maszmann gesch. des schachspiels 37.
7)
sonst ein thurmähnliches gebäude oder etwas thurmartiges: die könige pflegen viel unnützes gebewde zu bawen, wenn sie viel geldes haben, als die in Egypten mit iren groszen spitzen türmen und grebern. Luther 3, 250ᵃ (vgl.thurmgrab); Mäcen baute sich auf den Exquilien einen palast, .. der, vermuthlich von seiner höhe, gewöhnlich der thurm des Mäcens genennt wurde. Wieland Hor. br. 1, 12; es ist ein ziemlich hoher hölzerner thurm an der Themse ... das wasser steigt aus der Themse hinauf, solches wird hernach durch röhren in verschiedene häuser geleitet u. s. w. Haller tageb. 138 Hirz.; er hat in seinem garten einen thurm von etlichen stockwerken aufrichten lassen, den er in zimmer abgetheilt u. s. w. 43; ein chinesischer thurm von holz (im garten). 73; thurm als feuer-, leuchtthurm (s. daselbst); doch wurde nicht der thurm (vorher pulverthurm) gezündet. Lichtenberg 6, 72; am hochofen das auf die futtermauer von backsteinen aufgeführte viereckige gemäuer. Chemnitzer bergm. wb. 554ᵃ; eine abtheilung von orgelpfeifen, die im äuszeren gehäuse stehn. Jacobsson 4, 399ᵇf.; zoologisch buccina turrita, die thürne, thurnhörner Nemnich 1, 693. 596; scherzhaft ein übertrieben hoher kopfputz, s. galgenthurm.
8)
übertragen und bildlich.
a)
in bezug auf die höhe, stärke und festigkeit: ich richtete mich .. auf diese mein marmörne schenkel ... dieses meines fleischlichen thurms. Gryphius horrib. 48 neudruck;
(berge,) ohn' händ' erbaute thürne (: stirne).
Brockes 1, 270;
was .. für schwarze felsrücken, zähne, thürme und mauern in vielfachen reihen vor ihnen aufsteigen! Göthe 16, 236. — denn du bist meine zuversicht, ein starker thurn für meinen feinden. ps. 61, 4;
denn du sankst, ihr thurm in der feldschlacht.
Voss Od. 11, 556;
der ein thurm war in der schlacht.
Schiller 11, 393;
er nannte mich der freiheit thurm und hort.
C. F. Meyer Hutten 132;
sie (die geliebte) ist ihm hort und sichrer thurm.
Geibel ged. 325;
die ehr ist wie ein thurm.
Logau 2, 2, 34.
b)
in bezug auf den festen grund des thurmes (s.bauen 4, c):
solt man hoh durn buwen
uf ein gedruwes wib.
meister Altswert 248, 34;
ich hätte thürn auf dich gebauet,
so fest war deiner liebe grund.
S. Dach 750 Öst.;
das du deinen freund himmelhoch erhebest, und türne auf ihn, so zu reden, zu bauen gedänkest. Butschky kanzl. 316.
c)
in bezug auf den angriff durch den belagerungsthurm: pesorgten, es wär ein angelegter turn (wie eine gelegte falle). Aventin. 4, 321, 33; si meinten, es wär .. ein angelegter turn wider si. 5, 110, 9.
d)
in bezug auf den leucht-, feuerthurm:
(die augen sind) ein thurm, an welchem sich die schiffenden vergnügen,
wenn ihre sehnsucht hier die liebesampel schaut.
Hofmannswaldau ged. 4, 6;
(die brüste sind) ein thurm, auf dessen höh' ein feuerzeichen stecket.
4, 11.
e)
eine art kartenspiel:
auch nennt man ein spiel, heist in thurn.
H. Sachs 5, 357ᵇ;
wir wollen spielen ein und dreiszig,
sonst wirds der kleine thurm genant,
in aller welt itzt wol bekant.
J. Römoldt ein fein christl. u. nützl. spiel (1564) E 8ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 466, Z. 72.

turm1, m.

¹turm, m.,
s.thurm teil 11, 1, 1, sp. 466.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1869, Z. 71.

turm2, m.

²turm, m.,
wirbel, schwindel, rausch; vereinzelt in den mundarten: Lexer Kärnten 78; Schöpf Tirol 777; Ochs bad. wb. 1, 612. rückbildung aus ²türmen; vgl. turmmischung, f., mischung alkoholischer getränke: und sie setzten ihm eine turmmischung aus wein und kognak vor, von der er das heulende elend bekam qu. v. j. 1936.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1869, Z. 72.

thürmen, türmen, verb.

thürmen, türmen, verb.
ahd. nur vereinzelt turrôn, spätmhd. türnen, turnen, turmen, tormen, mnd. tornen, turnen. die oberdeutschen mundarten kennen das wort nicht.
1)
mit einem thurme, mit thürmen versehen, ahd. giturrôt, turritus Graff 5, 447, md. und spätmhd. geturmet, -tormet, -turnet, -dirnet, Dief. 603ᵃ, nhd. gethürmte städte, schlösser u. s. w., vgl. hochgethürmt, bethürmen.
2)
wie einen thurm emporragen machen, thurmähnlich aufbauen, erheben oder aufhäufen. vgl. auf-, ↗emporthürmen.
a)
transitiv:
thorheit, die berg und felsen thürmt.
Günther 648;
wenn es (das glück) auch die wellen thürmt.
729;
(berg,) den ein verjährtes eis dem himmel gleich gethürmt.
Haller die alpen v. 342;
obelisk, den die eitelkeit thürmte. Schiller 9, 98; wo man den teich (deich) durchstach und die brustwehr thürmte. 9, 71;
(der meergott bricht) die granitnen säulen
aus dem erdgerippe los, ...
und mit Hermes dem behenden
thürmet er der mauren wall.
11, 298;
(dort) thürme deines ruhmes monument.
Körner leier u. schwert 12.
partic. gethürmt: die gethürmte staatsperücke. Zachariä hinterlassene schriften (1781) 25;
mit deinen gethürmten wogen.
Klopstock Mess. 13, 908;
wenn die wolken gethürmt den himmel schwärzen.
Schiller 14, 106 (braut von Mess. 4, 4).
thürmen auf:
die marmel, gold und perl .. haben
auf ihre gruft gethürmt.
schles. Helik. 52;
knoten auf knoten gethürmt.
Göthe 1, 327.
b)
reflex. sich in die höhe türmen, attollere sese in altum Stieler 2365;
(hügel,) auf welchem sich die last des hohen tempels thürmt.
Pyra u. Lange 107 neudruck;
lasz den schnee sich thürmen
um mein sichres dach!
Willamov 237;
welche herrliche stadt wird
... dein auge noch thürmen sich sehen!
Bürger 244ᵇ,
welch eine stadt seh ich ...
... o schwester, sich erheben!
Schiller 6, 387;
thürmten sich oft wolken über die entfernten berge. Göthe 26, 31;
es thürmen sich die gipfel.
Rückert Hamasa 2, 326;
wo sich thürmt der dürre sand.
Geibel ged. 242;
(wanderer,) dem schroff die wand sich thürmt.
250.
c)
intransitiv, in der poetischen diction statt des reflexivs:
es sinkt der schnee, die winde stürmen,
die wasser brausen, die schollen thürmen.
Kretschmann klage Rhingulphs 45;
als ob felsen
thürmten.
Klopstock od., krit. ausg. 2, 18;
aber sie (die stadt) lag, .. so hoch sie
thürmte, gehüllt in traurende .. dämmrung.
Mess. 9, 56;
besonders als partic. präs.: ein thürmender fels heiszt einer, der sich wie ein thurm erhebt. Klopstock br. 218 Lappenb.;
wollte jetzt von den höhen des throns der thürmenden felsen
einen gegen ihn schleudern.
Mess. 2, 697;
jetzt schienen die felsen
seines thürmenden grabes vor ihm sich nieder zu senken
11, 703;
rings ertönte die thürmende stadt.
7, 625, vgl. 763. 14, 923. 15, 709;
aus dem felsigten kern hebt sich die thürmende stadt.
Schiller 11, 85;
bis wir gewonnen des Priamos thürmende veste!
Voss Il. 2, 332;
stadt mit thürmender mauer.
15, 737;
vor Troja's thürmenden mauern (sub moenibus altis).
Än. 3, 321;
zwei (erdgürtel) deckt thürmender schnee (nix alta).
Ovids verw. 1, 46;
Auror' erstieg den thürmenden Olymp.
Bürger 150ᵃ;
sein muthiges ross
enteilt, wie ein adler, dem thürmenden schlosz.
Stolberg 1, 309;
(ich sah) die thürmenden alleen.
Wieland Idris 3, 99;
dort auf thürmenden eichen ...
lauschen andere.
Lenz ged. 56 Weinhold;
weiche nebel trinken
rings die thürmende ferne.
Göthe 1, 86;
bahnlos liegt's hinter mir, und eine mauer
aus meinen eignen werken baut sich auf,
die mir die umkehr thürmend hemmt.
Schiller 12, 215 (Wallenst. tod 1, 4);
als wollten zu grabe sie tragen
des elends thürmenden wust.
Lenau neue ged. 124;
wie naht das finster thürmende
gewölk so schwarz und schwer!
G. Keller ged. 1, 71;
comparativisch thürmender erheben sich die felsenberge in wechselnden gestalten. Stolberg 6, 153.
3)
türnen, turnen, in einen (gefängnis-) thurm setzen, werfen Lexer 2, 1584, mnd. tornen, turnen Schiller-Lübben 4, 381ᵇ: einen unverlümbdeten mann .. weder fahen, thürnen. weisth. 4, 414 (v. j. 1403); so soll in ain herr oder aman nit türnen. 1, 282 (v. j. 1432); etliche der unsern (wurden) gefangen, getürnt. städtechron. 2, 72, 11 (v. j. 1444); das man dich bekeren solt und türnen. Keisersberg narrensch. (1520) 15ᵇ; er hat .. Rulanden nit fessern oder thürnen wöllen. Aimon V 4; wie si ire landlüt .. hart hieltind, türnetind. Tschudi 1, 232; furet si mit ime in sein schloss ..., da thurnet er si. L. Fries Würzb. chron. (handschr.) 313; oft wird ein mensch verdampt (verurtheilt), gethürnt und bestraft. Lehmann 1, 857.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 470, Z. 41.

türmen1, vb.

¹türmen, vb.,
s.thürmen teil 11, 1, 1, 470.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1871, Z. 45.

türmen2, vb.

²türmen, vb.,
schwindlig werden, vgl.durmen teil 2, 1734 und die germanischen verwandten: nordengl. dial. dorm 'im halbschlaf sein' Murray 3, 604; schwed. dial. dorma dass. Hellquist ³151; norw. durma, dorma 'schlummern, linder, still werden' Torp 66; nisl. dorma 'schlummern' Blöndal 136; schetl. dwarm dass. Jakobsen 130; färöisch durva 'mit dem schlaf kämpfen, nicken, schlummern' Jacobsen-Matras 61, ferner nhd. (nd.) dösen, dösig usf. weiteres bei Walde-Pokorny 1, 845:
des ritterschaft ist also muͤnc (mutig)
in wik herten stuͤrm
daz do manigem tuͤrm (türmen)
mag in sinem kopf
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 8024 Regel.
'duseln, schlummern': durmen schlummern ..., halb schlafen, halb wachen (unter einflusz des frz.-lat.) Fischer schwäb. 2, 500; Ochs bad. 1, 612.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1871, Z. 46.

türmen3, vb.

³türmen, vb.,
reiszaus nehmen, abhauen, weglaufen; rennen; gaunersprachlich, von neuhebr. thârám 'entfernen', s. E. Bischoff wb. d. wicht. geheim- u. berufsspr. 89, vgl. auch ³stiften teil 10, 2, 2890; dann in der soldatensprache des ersten weltkrieges nachweisbar: 'man sagt auch (vom reiszausnehmen) sie ... gehen türmen, türmen ab' Imme soldatenspr. (1917) 127. das wort hält sich im bereich drastisch-burschikoser ausdrucksweise; der abwertende sinn tritt zurück: ich sehe meine leute an, erspähe gerade noch, dasz sie sich zublinzeln, was soll das? denke ich. wollen sie türmen? qu. v. j. 1930; doktor, hören sie, hebe ich an. ich will türmen ... er bleibt stehen. 'flüchten?' fragt er leise ebda; mit einer handvoll jäger greift dieser verfluchte kerl ... an, rollt den halben Majo auf, und die bande türmt qu. v. j. 1933; 'neulich is eine getürmt (ohne die zeche zu bezahlen)' sagte er. 'unsre letzten wiener hat sie aufgegessen, und durst hatte sie wie ein mann' H. W. Seidel Krüsemann (1935) 221; 222; als er zurückkam, um die gesellschaft (kinder) ins bett zu jagen, waren die zwillinge getürmt C. v. Bremen d. schifferwiege (1936) 96. laufen, rennen: aber so als strippenflicker. na, wie ist das? da türmst du durch das blödeste feuer, flickst deine strippe, türmst wieder los, flickst wieder und nochmal und dann ... Fr. Knapp strippenflicker (1938) 26; türmen fliehend laufen Ochs bad. wb. 1, 612.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1871, Z. 63.

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tüle
Zitationshilfe
„türmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCrmen>, abgerufen am 18.06.2021.

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