Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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turse, m.

turse, m.,
gemeingerm., bes. im nord. als mythol. bezeichnung geläufiges wort; ahd. thuris gl. 3, 686 St.-S., thures in thuresa ebda 2, 492, duris ebda 2, 681; mit verschiebung zur unasp. tenuis (s. Wilmanns dt. gr. 1, 112) u. synkope des i: turs in tursa Notker(s. glossator) 2, 53 Piper; mhd. dürse, türse, turse (in die sw. dekl.-klasse übergegangen, s. Weinhold mhd. gr. [1883] 493 u. Paul mhd. gr. [1944] 98); gelegentlich mit stimmlosem, nach r verschärftem s, s. Paul a. a. o. 29: dürsch Lexer 2, 1587; mhd. wb. 3, 153; frühnhd. türse liederb. d. Hätzlerin 261ᵃ; mit epithet. t (bes. schweiz.): türst Wittenweiler ring 9240; ae. þyrs Grein-Köhler 734; Bosworth-Toller 1086; me. þürs Stratmann 641; ne. thurse Murray 9, 2, 397; anord. þurs, þuss (r an s assimiliert) Fritzner 3, 1055; als runenname (þ) vereinzelt unsynkopiert þuris (s. Noreen aisl. gr. 133); nisl. þurs, þursi, þus und bes. þussi 'riese, querköpfige und törichte person, barbar' Blöndal 991; norw. tuss 'gnom, wichtelmännchen', tusse 'tor, dummkopf' Torp 819; schwed. dial. tusse 'riese', tuss 'dummkopf', (schriftsprachl.) tossa, f., 'läppische und törichte frau' Hellquist ³1249, 1211; dän. tosse 'dummkopf', ädän. tosse, tusse, tuss 'berggeist, tropf' Falk-Torp 1275 (in der bedeutung 'tölpel' auch ins schlesw.-holst. gedrungen, s. Mensing 5, 135); im ostgermanischen als erstes element in personennamen: Thorismodus (5. jh.), Thurismudus (6. jh.), Thurismundus (5. jh.), Thorisarius (5. jh.), Thorisin (6. jh.) Schönfeld wb. d. agerm. personen- und völkernamen (1911) 236 f., Bach d. dt. personennamen (1943) 188, Schwarz dt. namenforschg. 1 (1949) 23f., Holthausen etym. wb. d. awestn. 322. — in heutiger mundart nur schweiz. nachweisbar: türst (mit epithet. t) Stalder schweiz. id. 1, 329; s. auch die hist. belege bei Schmeller bair. 1, 623 ff. und Fischer schwäb. 6, 2, 1794 u. vgl. türsenblut ebda 2, 511 sowie türschenöl bei Schmeller.als germ. grundform erscheint *þur(i)sa- und *þur(a)sa- (vgl. den runennamen þuris, ostgot. Thorismod, sowie das finn. lehnwort tursas), das im allg. neben aisl. þori 'menge, masse' und þyrja 'mit lärm hervorbrechen' gestellt und auf die idg. wurzel tu̯er — in ahd. dueran 'schnell herumdrehen' — zurückgeführt wird (s. Walde-Pokorny 1, 749; Falk-Torp 1275 u. Hellquist ³1249); verwandt ist vielleicht auch ai. turá-s 'stark, kräftig', s. Walde-Pokorny 1, 710; afda. 18, 49; Schrader-Nehring reallex. d. idg. altertumskde 2 (²1929) 709; Schlenther german. myth. (1925) 70 und Müller-Bergström in: hwb. d. dt. abergl. 9, 1121 f. — turse tritt spätahd. als glossierung von daemonium Notker(s. glossator) 2, 53, 18 Piper; dis (Pluto) ahd. gl. 2, 645, 28 und orcus (Pluto, vgl. ae. orc-þyrs Bosworth-Toller 1080) ebda 3, 429, 20. 36; 686, 45 auf, vereinzelt auch als wiedergabe von cyclops ebda 2, 695, 66; in dieser letztendem ae. und anord. geläufigenbedeutung ('riesenhaftes, trollartiges wesen') wird es erst im mhd. üblich, dann jedoch gegenüber synonymem riese (s. teil 8, sp. 930) nicht im sprachgebrauch durchdringend und nhd.von vereinzelter anwendung in wissenschaftssprache (mythologie) und hist. dichtung abgesehennur in eigen- und ortsnamen erhalten, s. Müller-Bergström in: hwb. d. dt. abergl. 9, 1122; Schmeller bair. 1, 623 s. v. Türschenreuth; Schöpf Tirol 744 s. v. Tischenbach und dem familiennamen Türšt bei Winteler Kerenzer ma. 65:
zwelf schâcher zeines türsen hûs in einem walde quâmen:
der fraz er einlif sunder wer, die schiere ein ende nâmen
Konrad v. Würzburg kl. dicht. 3, 59 Schröder;
... tursen huenengroz,
di da van sinnen warin vrat (verschlagen)
(14. jh.) historien der alden e 326 lit. ver.;
niemant was vor im gewiss:
er wär eim türsten gnuog gewesen
Heinr. Wittenweiler ring 9240 Wieszner;
ein andrer ris der türs genant zu Seefelt wonung het da noch das heylthum ruht und steht, und ist auchs ort (wo er erschlagen wurde) von thürschn gnant Andr. Spängler (1634) bei Schmeller 1, 625, s. ebda auch über Turse als bei- und familienname. seit der romantik von der sprache der wissenschaft und hist. dichtung vereinzelt wiederaufgenommen: damals standen die türse (stark flektiert), an deren stelle hernach riesen getreten sind, noch in den märchen fest J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 104;
den zwölften (bruder), der halb auszen hing,
den warfen sie ihm dar.
der türse fing das arme ding
und speist's mit haut und haar
Herm. Kurz w. 1 (1874) 94.
im schweiz. noch für den 'wilden jäger' gebraucht (s. Stalder a. a. o.): wann der sturm nachts im walde heult und tobt, sagt das volk im Luzerngau: 'der türst, oder der dürst jagt!' Grimm dt. sagen (1891) 1, 184; ebenso: der rottmeister Gyr reitet wie der wilde türst durch die dörfer G. Keller ges. w. 6 (1889) 402; da höret man von thürstos wilder jagd H. Nydegger Hans der chüjer (1894) 29; s. auch ebda 18.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1902, Z. 62.

türse, subst.

türse, subst.,
lautliche eindeutschung des lat. (gr.) thyrsus, tirsus (vgl. die geläufigere nebenform dorse teil 2, sp. 1304), vereinzelt im frühnhd.: tirsus v. türse od. stengel an kruth od. dutekolbe Niger abbas 4870 Flohr in: Straszburger stud. 3 (1888) 80.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1904, Z. 7.

turse, m.

turse, m.,
gemeingerm., bes. im nord. als mythol. bezeichnung geläufiges wort; ahd. thuris gl. 3, 686 St.-S., thures in thuresa ebda 2, 492, duris ebda 2, 681; mit verschiebung zur unasp. tenuis (s. Wilmanns dt. gr. 1, 112) u. synkope des i: turs in tursa Notker(s. glossator) 2, 53 Piper; mhd. dürse, türse, turse (in die sw. dekl.-klasse übergegangen, s. Weinhold mhd. gr. [1883] 493 u. Paul mhd. gr. [1944] 98); gelegentlich mit stimmlosem, nach r verschärftem s, s. Paul a. a. o. 29: dürsch Lexer 2, 1587; mhd. wb. 3, 153; frühnhd. türse liederb. d. Hätzlerin 261ᵃ; mit epithet. t (bes. schweiz.): türst Wittenweiler ring 9240; ae. þyrs Grein-Köhler 734; Bosworth-Toller 1086; me. þürs Stratmann 641; ne. thurse Murray 9, 2, 397; anord. þurs, þuss (r an s assimiliert) Fritzner 3, 1055; als runenname (þ) vereinzelt unsynkopiert þuris (s. Noreen aisl. gr. 133); nisl. þurs, þursi, þus und bes. þussi 'riese, querköpfige und törichte person, barbar' Blöndal 991; norw. tuss 'gnom, wichtelmännchen', tusse 'tor, dummkopf' Torp 819; schwed. dial. tusse 'riese', tuss 'dummkopf', (schriftsprachl.) tossa, f., 'läppische und törichte frau' Hellquist ³1249, 1211; dän. tosse 'dummkopf', ädän. tosse, tusse, tuss 'berggeist, tropf' Falk-Torp 1275 (in der bedeutung 'tölpel' auch ins schlesw.-holst. gedrungen, s. Mensing 5, 135); im ostgermanischen als erstes element in personennamen: Thorismodus (5. jh.), Thurismudus (6. jh.), Thurismundus (5. jh.), Thorisarius (5. jh.), Thorisin (6. jh.) Schönfeld wb. d. agerm. personen- und völkernamen (1911) 236 f., Bach d. dt. personennamen (1943) 188, Schwarz dt. namenforschg. 1 (1949) 23f., Holthausen etym. wb. d. awestn. 322. — in heutiger mundart nur schweiz. nachweisbar: türst (mit epithet. t) Stalder schweiz. id. 1, 329; s. auch die hist. belege bei Schmeller bair. 1, 623 ff. und Fischer schwäb. 6, 2, 1794 u. vgl. türsenblut ebda 2, 511 sowie türschenöl bei Schmeller.als germ. grundform erscheint *þur(i)sa- und *þur(a)sa- (vgl. den runennamen þuris, ostgot. Thorismod, sowie das finn. lehnwort tursas), das im allg. neben aisl. þori 'menge, masse' und þyrja 'mit lärm hervorbrechen' gestellt und auf die idg. wurzel tu̯er — in ahd. dueran 'schnell herumdrehen' — zurückgeführt wird (s. Walde-Pokorny 1, 749; Falk-Torp 1275 u. Hellquist ³1249); verwandt ist vielleicht auch ai. turá-s 'stark, kräftig', s. Walde-Pokorny 1, 710; afda. 18, 49; Schrader-Nehring reallex. d. idg. altertumskde 2 (²1929) 709; Schlenther german. myth. (1925) 70 und Müller-Bergström in: hwb. d. dt. abergl. 9, 1121 f. — turse tritt spätahd. als glossierung von daemonium Notker(s. glossator) 2, 53, 18 Piper; dis (Pluto) ahd. gl. 2, 645, 28 und orcus (Pluto, vgl. ae. orc-þyrs Bosworth-Toller 1080) ebda 3, 429, 20. 36; 686, 45 auf, vereinzelt auch als wiedergabe von cyclops ebda 2, 695, 66; in dieser letztendem ae. und anord. geläufigenbedeutung ('riesenhaftes, trollartiges wesen') wird es erst im mhd. üblich, dann jedoch gegenüber synonymem riese (s. teil 8, sp. 930) nicht im sprachgebrauch durchdringend und nhd.von vereinzelter anwendung in wissenschaftssprache (mythologie) und hist. dichtung abgesehennur in eigen- und ortsnamen erhalten, s. Müller-Bergström in: hwb. d. dt. abergl. 9, 1122; Schmeller bair. 1, 623 s. v. Türschenreuth; Schöpf Tirol 744 s. v. Tischenbach und dem familiennamen Türšt bei Winteler Kerenzer ma. 65:
zwelf schâcher zeines türsen hûs in einem walde quâmen:
der fraz er einlif sunder wer, die schiere ein ende nâmen
Konrad v. Würzburg kl. dicht. 3, 59 Schröder;
... tursen huenengroz,
di da van sinnen warin vrat (verschlagen)
(14. jh.) historien der alden e 326 lit. ver.;
niemant was vor im gewiss:
er wär eim türsten gnuog gewesen
Heinr. Wittenweiler ring 9240 Wieszner;
ein andrer ris der türs genant zu Seefelt wonung het da noch das heylthum ruht und steht, und ist auchs ort (wo er erschlagen wurde) von thürschn gnant Andr. Spängler (1634) bei Schmeller 1, 625, s. ebda auch über Turse als bei- und familienname. seit der romantik von der sprache der wissenschaft und hist. dichtung vereinzelt wiederaufgenommen: damals standen die türse (stark flektiert), an deren stelle hernach riesen getreten sind, noch in den märchen fest J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 104;
den zwölften (bruder), der halb auszen hing,
den warfen sie ihm dar.
der türse fing das arme ding
und speist's mit haut und haar
Herm. Kurz w. 1 (1874) 94.
im schweiz. noch für den 'wilden jäger' gebraucht (s. Stalder a. a. o.): wann der sturm nachts im walde heult und tobt, sagt das volk im Luzerngau: 'der türst, oder der dürst jagt!' Grimm dt. sagen (1891) 1, 184; ebenso: der rottmeister Gyr reitet wie der wilde türst durch die dörfer G. Keller ges. w. 6 (1889) 402; da höret man von thürstos wilder jagd H. Nydegger Hans der chüjer (1894) 29; s. auch ebda 18.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1902, Z. 62.

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tüle
Zitationshilfe
„türse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCrse>, abgerufen am 11.07.2020.

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