Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

tütsche, f.

tütsche, f.,
nominalbildung zu tütschen (s. dort), die gegenüber synonymem tunke im sprachgebrauch nicht durchdringt und im wesentlichen auf md. maa. beschränkt bleibt (s. Anton Oberlausitz, stück 5, 8; Gerbet Vogtland 428; Müller-Fraureuth obers. 1, 223; Keller Thür. 46, sowie teil 11, 1, 1, sp. 526 s. v. titsche u. bei Schmeller bair. 1, 634, der die tütschen 'sauce' für Nürnberg bucht); in wörterbüchern des frühen nhd. finden sich vielfach noch nebeneinander: titsche oder tuncke, brühe oder suppe, das brodt darin zu tuncken une sauce, intinctus, embamma Duez dict. (1664) 517; tuncke, tütsche condimentum, intinctus, embamma Stieler stammb. (1691) 2263; tütsche, brühe oder tuncke a sauce, ragoo or kickshaw Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; Adelung jedoch erklärt bereits: in den niedrigen sprecharten wird eine tunke titsche oder tütsche genannt 4 (1780) 1104.
1)
'alles dasjenige, was man an statt des sallats in einem absonderlichen commentlein (schüsselchen) zum kalten oder warmen gebratens zum tütschen und eintuncken auffzusetzen pfleget, ... als z. e. kirsch-tütsche' (Amaranthes frauenzimmer-lex. [1715] 2053; so noch im frauenzimmerlex. 2 [1773] 3673; s.tunke 1): bey den braten werden in schüsselchen auffgesetzet die tütschen oder duncken, der salat vndt andere sachen appetit zu machen ... assaturis superadduntur in scutellis embammata (intinctus) acetaria et alia appetitus irritamenta Comenius janua (1644) 170; er mache sich eine bruͤhe oder tuͤtsche zu seinen [!] abend-essen Chr. Thomasius leben Socratis (1693) 69; der anfang im essen solle von tuͤtschen und kraͤutern, oder salat ... gemacht werden, worauf man alsdann das fleisch geniessen kann Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 113ᵃ.
2)
'diejenigen abgewürtzten, und mit allerhand sachen schmackbar angemachten brühen, so über das gekochte fleisch, oder gesottene fischwerck angerichtet werden' (Amaranthes a. a. o.): die köche gieszen über das verderbte eszen eine saure zwiebeltütsche her Chr. Weise überfl. ged. (1692) 2, 120. bildlich:
F.: er fällt warhafftig von der hütsche
('schemel', s. teil 4, 2, sp. 1580),
wo er das mädgen mehr begehrt.
B.: mein freund, er koste nur die tütsche
er ist des fleisches doch nicht werth
ebda 149 ndr.;
wer seine liebes-historien allzeit an die grosze glocke schriebe (laut damit prahlt), der fabulirte meistenteils einen groszen handel daher, und haͤtte kaum die tuͤtsche genossen ders., die drey klügsten leute (1675) 280; im sinne von 'mitgift': eine wittfrau laͤsset sich alle tage bey mir anbieten, und mich duͤnckt, die alte henne mag eine gute tuͤtsche haben ebda 66.
3)
vereinzelt auch als verächtliche bezeichnung für ein schlechtes getränk: für solche tuͤtsche dank' ich Anton Oberlausitz 5, 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1944, Z. 60.

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tüle
Zitationshilfe
„tütsche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCtsche>, abgerufen am 11.07.2020.

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