Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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düttel, n.

düttel n.
brust, brustwarze wie duttlein, ahd. tuttili Graff 5, 382, mhd. tüttel Ben. 3, 154ᵇ. tutli mamilla Voc. opt. 12ᵃ, düttle Schmid Schwäb. wb. 146, duteln pl. grosze frauenbrüste Castelli Östr. wb. 118. die kind lüllend an dem düttle Maaler 93ᶜ.
Gerdraut pin ich ein diern,
ich han zwei tüttel als zwo pirn
Fastnachtsp. 399, 13.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1771, Z. 44.

tüttel1, n., (vereinzelt m. und f.

¹tüttel, n. (vereinzelt m. und f.,
s. u.), papilla; ahd. tuttilin, tuttuli papillę (11. jh.) ahd. gl. 2, 503, 21 St.-S.; tuttili, tutili papillas (11. jh.) ebda 507, 54; mhd.-frühnhd. tüttelîn Wolfram v. Eschenbach Parz. 111, 5 Lachmann; tüttlin liederb. d. Hätzlerin 256 Haltaus; tittlin Pinicianus voc. rer. (1521); tütlein M. Beheim s. u. 1 und Reuaus s. u. 2; tüttli Heinr. Wittenweiler ring 126, 15 (v. 3456) Wieszner, daneben tüttel (über rückbildungen auf -el ˂ elīn s. Henzen dt. wortbildg. [1947] 148) ebda 226, 40 (v. 6406), Parz. 113, 7; tütel Konrad v. Megenberg buch d. natur 240 Pfeiffer; tittel bruder Hans marienl. 2104 Minzloff; tüttl fastnachtsp. 399, 14 Keller; vereinzelt noch umlautlos: tutlin gemma gemmarum (Augsburg 1512, s. u. 1); tutli voc. opt. bei Diefenbach gl. 345ᶜ; tutle Keisersberg s. u. 4. über formen mit anlautender lenis s. teil 2, 1771f. unter düttel und düttlein sowie ahd. gl. 3, 72, 30. 32 St.-S. (dutilín, dittelin, 13. jh.). in heutiger mundart besonders obd. bezeugt: düttel (m.) Crecelius oberhess. 1, 318; düttli, didl(i) bad. wb. 1, 619; titl (pl.) Lenz Handschuhsh. 73; düttle, düttel Martin-Lienhart elsäss. 2, 728; düttlein Fischer schwäb. 2, 519; düttlein, düttel Schmeller bair. 1, 554; duttel (m. u. f.); dutterl (n.) Unger-Khull steir. 181; tüttl Lexer kärnt. 79; düttli, tüttle Stalder schweiz. 1, 333 (daneben tütti, n.); töttli, tüttli Tobler appenzell. 142; duttel Jakob Wien 52; duttln, tuttln (pl.) Schranka Wien 42. — diminutivum zu tutte (s. dort u. vgl. mhd. brüstel, brüstelîn mhd. wb. 1, 272; Lexer 1, 372).
1)
zu tutte (1): papillę tuttilin (11. jh.) ahd. gl. 2, 503, 21 St.-S.;
und er wart in der selben weil
da geschassen mit ainem pfeil
ober seinem rehten tütlein
Mich. Beheim buch v. d. Wienern 76, 12 Karajan;
ein mans tutlin gemma gemmarum (Augsburg 1512) bei Diefenbach gl. 345ᶜ;
wie raun send uyra ditla, ja ditlo
Weckherlin ged. 1, 72 lit. ver.;
die bedeutung 'brustwarze' ist moderner mundart durchaus geläufig, s. bad. wb., Martin-Lienhart, Fischer, Schmeller, Lexer u. Stalder a. a. o.
2)
zu tutte (2):
diu rôten välwelohten mâl,
ich meine ir tüttels gränsel (spitze)
Wolfram v. Eschenbach Parzival 113, 7 Lachmann;
dû scholt auch wizzen, daz der unvernünftigen tier milchwäppel aigenleichen äuter haizent, aber an der frawen haizent si prüstel oder tütel Konrad v. Megenberg buch d. natur 25, 19 Pfeiffer;
daz sie an schau ein ieder knab,
wie sie hübsche tütlein hab
meister Reuaus 55 Schönbach;
so noch im bad., elsäss., schwäb., bair., steir., schweiz. u. wien.
3)
zu tutte 3; nur vereinzelt mundartlich nachweisbar, so im oberhess. (erbachischen): der düttel 'euter' Crecelius 1, 318 (vgl. auch ahd. gl. 3, 72, 30 St.-S.: vbera ... dutilín [13. jh.]); elsäss. düttle, düttel 'zitze' Martin-Lienhart 2, 728; s. auch bad. wb. 1, 619.
4)
metaphorisch: darumb so schmeckt dir nit die milch der tugent, du hangst noch an dem tutle zeitlicher lüst der vnküscheit (1520) Keisersberg narrensch. (1520) 219. in moderner mundart findet sich (s. auch s. v. tutte 4): düttle, düttel 'kinderflasche, muttermilch' Martin-Lienhart elsäss. 2, 728; ähnlich im bad. (s. bad. wb. 1, 619). verbreitet ist auch die bedeutung 'kleinigkeit, pünktchen' (s. bad. wb. a. a. o. sowie s. v. ²tüttel).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1948, Z. 12.

tüttel2, m., (vereinzelt n.

²tüttel, m. (vereinzelt n.,
s. u.), pünktchen, tüpfel; in älterer sprache finden sich auch i-formen, die teils unmittelbar an lat. titulus anschlieszen (s. u.), teils jüngere entrundung zeigen: tittel, titel titellus Diefenbach gl. 585ᶜ; titel (neben tütel) Luther 32, 359 W.; Wieland (s. u.); tittel Tilo v. Kulm, Bode und Hebbel (s. u.); mit anlehnung an die engl. form (s. Murray 10, 1, 81): tittle (1781) Leisewitz br. in: Herrigs arch. 31, 407. ferner: tuttel, tutel (15. jh.) Diefenbach a. a. o.; Luther 6, 302 u. 305 W. (neben tüttel 18, 114; tütel u. titel s. o.). mnd. als tuttel, tytel bezeugt (s. Schiller-Lübben 4, 634), worauf dän. tøddel zurückgeht (s. Falk-Torp 1314). — tüttel ist wohl ebenso wie gleichbedeutendes ndl. tittel, mndl. titel, tittel, tuttel (s. Franck-van Wijk-van Haeringen etym. wb. suppl. 169; Verwijs-Verdam 8, 375), engl. tittle, title (s. Murray a. a. o.) und anord. titull, adän. titul, titel, aschwed. titil (s. Cleasby-Vigfusson 633; Kalkar 4, 398 u. Söderwall 2, 1, 660; über die neudän. form tøddel s. o.) aus lat. titulus entlehnt, jedoch schon früh in volksetymologischer umdeutung (?) mit ¹tüttel, n., 'kleine brustwarze' (s. o.) vermischt worden (kaum von vornherein damit identisch, wie noch Kluge-Götze annimmt, den genus- und bedeutungswandel unerklärt lassend) und daher im frühnhd. vereinzelt auch als neutrum belegt: das kleinste titel Luther 32, 355 W. — 'kleines schriftzeichen, pünktchen, tüpfel' (gegenüber pünktchen und tüpfel[chen] jedoch nicht allgemein im sprachgebrauch durchdringend; bereits Adelung 4 [1780] 989 bezeichnet es als 'veraltet, ausser dasz im gemeinen leben und bey gemeinen schreibmeistern das punct ... noch zuweilen ein titel und nach einer unrichtigen schreibart tüttel genannt wird'): iuweri (verzierten) buecher habent niut dester minder tütlen (14. jh.) altdt. pred. 207 (70, 238) Wackernagel; titellus ... tutel in der geschrifft voc. v. j. 1515 bei Diefenbach gl. 585ᶜ (ähnlich in md. u. nd. glossaren d. 15. jhs., s. ebda); das(z) xps, das ist, ix pe es tütel, Christus haisse (hier 'abkürzungszeichen' wie lat. titulus, s. Habel mlat. gl. [1931] 402) Ickelsamer gr. ³24 Kohler; apex ein tuͤttel nomencl. (1634) 295; Zehner nomencl. (1645) 8; der punkt ist ein tuͤttel, welcher unten an der letter also (.) gezeichnet wuͤrd Bellin hd. rechtschreibg. (1657) 94. insbesondere für den i-punkt bzw. die umlautzeichen über a, o, u: apices literarum die tuͤttel oder tuͤpffel uͤber den buchstaben, als uͤber dem i und u etc. Corvinus fons. latin. (1646) 62; ob der buchstabe i allemahl den tüttel habe Claudius w. (1819) 1, 2, 23;
nun aber wäre ohne titel
dies hochgeborne excellenzen-vieh
so ziemlich das, was ohne tittel
der buchstab i
Hebbel s. w. 8 (1891) 123;
de tüddel ö̧wer 't i i-punkt Mensing schlesw.-holst. 5, 212 (ähnlich bei Dähnert plattdt. 498 u. Schmidt-Petersen nordfries. 143ᵇ); 0 ist eine unterscheidung von o in der art der tüttel unseres ö oder der punkte, die im alten schriftwesen unter einzelbuchstaben deren tilgung anordnen Baesecke frühgesch. d. dt. schrifttums (1950) 25; für das oberhess. bezeugt Crecelius der düttel 'punkt, tintenklecks' 318. — mit tüttel (wie mit sinnverwandtem jota, stüpflein und tüpfel, s. dort sowie unter buchstabe teil 2, sp. 481) verband sich früh der beisinn 'geringste kleinigkeit', der in neuerer sprache von tüttelchen (s. dort) übernommen worden ist: so geen wir auch eins tutels nicht weyter, dann wie die schrift innen wird halten (3. 1. 1474) markgr. Albrecht Achilles br. in: fontes rer. Austr. II 46, 252; bis das himel vnd erde zurgehe, wird nicht zurgehen der kleinest buchstab, noch ein tuͤtel vom gesetze Matth. 5, 18 (im gegens. zur fassung der ersten dt. bibel: ein punckt oder ein buͦchstap vber geht nit von der ee 1, 18 Kurr.); nehmen auch keinen brieff ... an, wo der geringste tuͤttel im titel versehen oder ihnen unbekandt ist Olearius verm. reisebeschr. (1696) 96; kennten im Homer jeden tüttel Voss antisymb. 1 (1824) 363; er ... brachte den gantzen schatzprozess, vom anfang bis zu ende, treulich zu papiere, damit ihm kein tüttel davon aus dem gedächtnis entschwinden möchte Musäus volksmärchen 5 (1826) 123; der könig hatte versprochen, keinen tüttel nachzulassen von seinen forderungen, die er an die kammern gestellt Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 7, 40; die vorstellung eines schriftzeichens ist völlig geschwunden:
Moysi, dem manne reyn,
got in vlammes vur erschein
in eines pusches mittel,
dem ni gebrach ein tittel.
er sach, als er bekante,
daz der pusch lichte brante
und der pusch doch ni verbran
Tilo v. Kulm 7 ingesigel 1550 Kochendörffer;
auff ... das vnseelige critisiren, grüblen in worten, geben sie (die weiber) nicht ein tüttel, nicht ein dudenierel Moscherosch gesichte (1650) 1, 154; ich (hatte) alles, was sie gesagt, bis auf den letzten tittel vergessen Bode Yoricks empf. reise 1 (1768) 137;
und als sie ihm hierauf, dasz nicht ein titel fehlt,
was ihr begegnet war, erzählt
Wieland s. w. 21 (1796) 330;
so besonders in nd. ma. noch lebendig: d'r is gên tüttel fan to sên Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 454 (vgl. den gebrauch von nordfries. tyttel Jensen 649); ni'n tüddel! keen tüddel! nicht ein biszchen, nicht Mensing schlesw.-holst. 5, 212 (ähnlich bei Leithäuser Barmen 158; s. auch im brem.-nieders. wb. 2 nachtr. 380); im sinne von 'überflüssiges, nicht mitzählendes ding': he is man'n tüddel ö̧wer't i ebda.; im bad. findet sich düttli, didl(i), n., 'kleinigkeit, pünktchen' bad. wb. 1, 619, im henneb. tüttel, tüttelein (döttele) 'eine kleinigkeit' Spiess 261.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1949, Z. 5.

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Zitationshilfe
„tüttel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCttel>, abgerufen am 11.07.2020.

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