taglied, tagelied n
Fundstelle: Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 80, Z. 72
mhd. tageliet, morgenlied des wächters, womit er den tagesanbruch und die zeit zum aufstehen verkündigt (auch die liebenden warnt und zum scheiden mahnt), sodann ein lied, das von dem scheiden zweier geliebten bei anbruch des tages handelt s. Lachmann zu Wolfr. s. Ⅷ. Diez troub. 151. 256. Weinhold die d. frauen² 1, 264 f. Schultz höf. leben² 1, 609. Scherer deutsche studien 2, 57. das deutsche tagelied von W. de Gruyter (Leipzig 1888) und dazu Giske in der zeitschr. f. deutsche philologie 21, 242 ff. vgl. tageweise:
der wechter ûf der zinnen saʒ,
sîne tageliet er sanc.
Herbort troj. krieg 4179;
frouwe, eʒ ist zît ..
daʒ ich von hinnen ger,
der wahtære diu tageliet
sô lûte erhaben hât.
Walther 89, 35;
diu tageliet maneger gerne sanc ..,
die sang ich bî des winders zît.
Lichtenstein 513, 27;
wem solte daʒ niht wol gevallen,
daʒ ein abte von sant Gallen,
tagliet machte sô rehte schône?
Renner 4247;
guͦt ritter der reit durch das riet,
er sang ein schönes tageliet.
Uhland volksl. 141 (74, 1).
das wächterlied übertragen auf das morgenlied der lerche:
noch klang der lerche taglied nicht,
das in des morgens dämmernissen
dem knaben ruft: nun thu verzicht
auf deines mädchens weiche kissen!
P. Heyse ges. werke 2, 30.
Zitationshilfe
„taglied“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/taglied>, abgerufen am 16.09.2019.

Weitere Informationen …