Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dappen

dappen,
s.tappen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1856), Bd. II (1860), Sp. 750, Z. 23.

tappen, verb.

tappen, verb.,
früher auch dappen (schweiz. tâpen und täppen), mit den tappen plump auftreten oder schreiten, damit ungeschickt oder blindlings greifen, tasten u. s. w.; mhd. nicht nachweisbar (im 15. jh. betappen, betasten in Rosenblut spiegel mit dem pech, fastn. sp. 1179, vgl.ertappen).
1)
zunächst von thieren.
a)
intransitiv:
hinter drein tappt nun der .. zottige bär.
F. Müller 1, 22;
halb von sinnen tappte der (geblendete) wolf.
Göthe 40, 215;
wir fürchten, sie (die krone) möchte noch endlich platzen,
wenn wir (die thiere) drauf tappen mit unsern tatzen.
Arnim schausp. 2, 50.
auch mit dem schnabel blindlings stoszen, picken:
der storch thet mit dem schnabel tappen,
kund von der speise nichts erschnappen.
Waldis Esopus 1, 27, 11;
die henne die nur tappet,
oft das beste korn erschnappet.
E. Chr. Homburgenis schimpf- und ernsthafte Clio 1, 6.
b)
transitiv, mit den tappen treten:
wie nun der herr kam heim gegangen,
wolt in der esel auch empfangen,
mit esels füszen in beschritt ...
dappet in, das er greulich rief.
Waldis Esopus 1, 13, 37.
2)
übertragen auf einen plump auftretenden und einhergehenden, oder etwas plump angreifenden, betastenden menschen: das klopfen oder tappen mit den füszen auf dem boden. Calepini dict. (1570) 1, 507; md. tappen stark, hart, plump auftreten Spiesz 352. Albrecht 221ᵇ, tirol. plump einhergehn, auch wie ein tapp sich benehmen Schöpf 737;
unsere reihen störtest du gern, doch werden wir wandeln,
und du tappe denn auch, plumper geselle! so fort.
Schiller 11, 123, s. forttappen;
(die schwärmer) wolten gerne tappen und fülen. Luther 3, 377ᵃ; weder vom wein noch vom tappen (betasten) der weiber sich enthalten. S. Frank 51. an jede schürze tappen. Hauff werke (1869) 3, 120; tappen in: mit allen vieren drein tappen, omni impetu in quid irruere. Aler 1873ᵇ;
er tappt auch gleich recht täppisch drein.
Göthe 2, 118;
ins mus tappen, plump in die speise greifen, ungeschickt über etwas herfallen. Schönsleder Ff 5. Schm.² 1, 612 (vom jahre 1618);
liebe lappen
meint ir alle ins musz zu dappen.
Murner luth. narr 2761;
davon der tappinsmus, ein plumper ungeschickter mensch Frank sprichw. 1, 50ᵇ. Garg. 197ᵇ. Wiedemann mai 67. eselk. 123, sieh mus 4; ins wasser tappen Schiller 11, 341; nach etwas tappen (mit), aliquid tentare, palpare, manibus attrectare Aler 1873ᵇ; da werden inen erst die augen aufgethan, das sie in ein ander welt sehen, und umb sich tappen nach dem, was sie gesamlet haben. Luther 5, 413ᵇ;
bald aber der wirt den (löffel) ersach,
da dapt er mit der hand darnach.
H. Sachs 17, 362, 34.
3)
als oder wie ein blinder oder im finstern unsicher und ungeschickt sich fortbewegen oder umherfühlen, tasten, greifen, eigentlich und übertragen.
a)
intransitiv: wir tappen als die kein augen haben. Jes. 59, 10; der glaube, der nicht sihet noch tappet, sondern sich an das wort helt. Luther tischr. 89ᵃ;
und wie er (im finstern) tappt und wie er fühlt,
sich unter ihm die erd erwühlt.
Göthe 10, 250;
drein greifen, packen ist das wesen jeder meisterschaft ... jetzt versteh' ichs, thue die augen zu und tappe. br. 85 (2, 17) Weim.; die tappende neugier der sterblichen. Lessing 10, 222. — das tappen: ich zog mich, noch früh genug um die thür des tempels ohne tappen zu finden, zurück. Wieland 27, 151; es ist wahr, dasz alle geburthen des genies, so zu reden, ihr tappen haben, bis sie zu ihrer vollkommenheit gelangt sind. Lessing 4, 120; eine populäre philosophie, die nicht weiter geht, als sie durch tappen vermittels der beispiele kommen kann. Kant 4, 33;
die kunst bleibt kunst! wer sie nicht durchgedacht,
der darf sich keinen künstler nennen;
hier hilft das tappen nichts; eh man was gutes macht,
musz man es erst recht sicher kennen.
Göthe 13, 159.
Mit näherer bestimmung
α)
durch präpositionen: aber so gehts, wenn das licht des evangelii unterm scheffel steht, da tapt man in der kirchen wie ein blinder an der wand, und ein blinder fuͤrt den andern, das sie beid in die gruben fallen. Mathesius Sar. 42ᵇ (vgl. antappen);
und tappet und grapst an den grüften.
Göthe 1, 230;
armer Tobias, tappst am stabe.
56, 89;
die vernunft mag nun am psychologischen leitfaden tappen oder ... Kant 4, 324; ehemals tappte er .. auf allen vieren nur so durch die welt hin und sah weder rechts noch links und gehorchte mir blindlings. Göthe 11, 309; im finstern tappen, in tenebris ambulare Stieler 2257; und wirst tappen im mittag (in klaren sachen irren und fehlen), wie ein blinder tappt im tunkeln. 5 Mos. 28, 29; das sie des tags im finsternis lauffen, und tappen im mittag, wie in der nacht. Hiob 5, 14. 12, 25; und also gehets wenn man gottes wort und die schrift verleuret, da dapt man im finstern. Mathesius Sar. 164ᵃ; mein fassungsvermögen und meine urtheilskraft tappen im blinden, schwanken, straucheln und stolpern. Bode Montaigne 1, 281;
ein liebender tappt, wie bekannt, im blinden.
Göckingk 2, 172;
hie sihet man, wie die blinde vernunft tappet in gottes sachen, und trost suchet in eignen werken. Luther 6, 517ᵃ; das kind kommt (im finstern) in den saal getappt. Göthe 15, 6; du dappest mit dem stab der hoffnung. Keisersberg bilg. 35ᵈ; mit der hand tappen, attrectare, scrutari manibus Stieler 2257: welcher aber solchs (die voraus genannten tugenden) nicht hat, der ist blind und tappet mit der hand. 2 Petr. 1, 9 (grift mit der hand cod. Tepl.); mit den fingern tappen. Luther 3, 455ᵃ;
wo sind wir? flüstert er und tappt mit beiden händen.
Wieland Oberon 11, 46;
wir tappen nach der wand, wie ein blinder. Jes. 59, 10;
solt ich auch im tiefen schnee
nach dem wege tappen.
Göckingk lieder zweier liebenden 19;
zum willkomm' tappt ihr dann nach allen siebensachen,
um die ein andrer viele jahre streicht.
Göthe 12, 400 (Faust 2031 Weim.);
wenn ich dann noch halb im taumel des schlafes nach ihr tappe. 16, 77; wie sie .. im finstern nach ihren röcken tappten. Schiller 2, 80 (räuber, schausp. 2, 3);
(der du) doch um ein blindenleiter tapst.
Kirchhof wendunm. 1, 442 (1, 2, 1) Öst.;
auch so das glück
tappt unter die menge,
faszt bald des knaben
lockige unschuld,
bald auch des kahlen
schuldigen scheitel.
Göthe 2, 87.
β)
mit adverbien:
(er) fährt mutter-nackt ausz dem betth,
und hin und wider dappen thet.
H. Sachs 17, 283, 11;
so er in der finsternusz nit weiszt wo oder wie er in (gott) suͦchen sol, so tapet er hin und här. Frank sprichw. 2, 68ᵇ;
er tappte hin und wieder
verrenkte fast die glieder.
Göthe 1, 10;
man tappte (im finstern) hin und schlug zugleich,
der gegner fiel vor jedem streich.
41, 287 (Faust 10843 Weim.);
als er eines abends spät nach dem schlosse ging, und in dem dunkeln engen wege herum tappte. 18, 296, s.herumtappen; in verbindung mit tasten: die liebe jugend tastet und tappt umher. an Zelter 6, 115;
tief in kerkers nacht ...
stöhnt mein geist nun, tappt und tastet
ohne rath und that umher.
Bürger 44ᵃ.
b)
reflexiv (im finstern) tappend den weg suchen, schreiten:
ihr werdet nicht hinaus euch tappen
aus dieser bangen finsternisz.
Lenau 2, 188;
er tappte sich vorwärts in dem öden hallengang. P. Heyse ges. werke 5, 338.
4)
transitiv,
a)
tappend fühlen oder greifen: hindern kanstu sie (die sonne) wol, das sie nicht scheine zum fenster ein, aber tappen und greiffen kanstu sie nicht. Luther 3, 355ᵃ; die welt sol solchs nicht achten, weil sie es nicht sihet noch tappet. 5, 413ᵃ; solch blindheit und finsternis, die auch ... schier unvernünftige thier tappen und greiffen können. 8, 88ᵃ; wenn eine kue vernunft hette, würde sie es greiffen oder tappen können. 190ᵃ; wolt ir nu gott kennen, sehen, ja tappen. 325ᵃ; ich wollte zur tühr hinaustappen, und kam einen schritt zu weit rechts, tappte papier — es war Lottens silhouette. Göthe br. 114 (2, 45) Weim.; das war jene einfache allgemeine sprache, die aufzufinden mancher grosze kopf vergebens gerungen. in der einschränkung unsrer menschlichkeit ist nicht mehr als eine ahnung davon zu tappen. werke 56, 241.
b)
den weg tappen, tappend suchen und schreiten:
(ich blinder) kann den weg nur tappen in den finstern ländern.
A. Meiszner Ziska 145.
c)
ein gemälde tappen, mit furchtsam unsicherer hand malen oder copieren. Jacobsson 4, 371ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 140, Z. 58.

tappert

tappert,
s.tapphart.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 142, Z. 80.

tappert, m.

tappert, m.,
zusammengezogen aus tapphart, ein plump auftretender, ungeschickter mensch Stieler 2257.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 143, Z. 1.

vertappen, vertappeln, vertapern, verb.

vertappen, vertappeln, vertapern, verb.,
zu tappen 'tastend, unsicher, plump schreiten oder greifen' (th. 11¹, 140). das präfix verleiht transitive bedeutung.
1)
'mit plumpen füszen zertreten': elsäss. vertappeⁿ; das land (beet) isᵗ ganz vertappt; eine spinne vertappen Martin-Lienhart 2, 700ᵃ; im Odenwald fətapə zeitschr. f. d. mundarten 3, 269. 'durch betasten mit den händen schmutzig machen, fingerabdrücke zurücklassen': schwäb. des fenster ist ganz vertappet Fischer 2, 1374. übertragen bair.: du vertappst àbə dó' àlls, 'verunschickst alles, lässest die beste gelegenheit vorübergehen' Schmeller 1, 612. dazu ein reflex. 'sich durch ungeschick verirren' bei Tieck: sie meinen nämlich im stillen, ich vertappe mich hier in die allegorie hinein 9, 176.
2)
vereinzelt steht eine fair-type da: schwäb. 'ertappen, erwischen'; disem ... hat man nachgesetzt und gleich wol verdappet und gefangen ältere quelle bei Fischer; seit dem 17. jh. nachgewiesen, noch modern.
3)
im bair. tritt dazu die frequentativform vertappeln: 'etwas in unordentlicher geschäftigkeit verlegen' Schmeller 1, 613; steir. auch 'dümmer machen'; intrans. und reflex. 'dümmer werden, verdummen' Unger-Khull 221ᵃ. vgl. damit ein norddeutsches vertapern, verteppern 'durch ungeschick verderben' Meyer Berlin 128ᵃ; auch preusz.; schles. sich vertapern 'fehlgreifen' Weinhold wb. handexemplar 97.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1914), Bd. XII,I (1956), Sp. 1862, Z. 62.

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„tappen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tappen>, abgerufen am 27.10.2020.

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