Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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teig, adj.

teig, adj.,
ahd. mhd. teic teig, mnd. deech (Schiller-Lübben 1, 493ᵃ), weich wie teig, besonders von birnen bei beginn der fäulnis, farcidus Dief. 245ᵃ:
die helme von im nider riren,
reht alsô gar teige piren.
Lichtenstein 93, 12;
dar zuo schenke ich mîner teigen birn.
Neidhart L, 5;
man siht wol an dem sack, wa die teigen biren ligen oder gelegen seind. Keisersberg brösaml. 1, 68ᵃ;
do die taigen pirn stan
dort auszen uf jener haide.
Uhland volksl. 253;
dieweil thet faul Fritz in dem garten
der öpfl und deigen biren warten.
H. Sachs 17, 281, 37;
und etliche teige holtzbirn
die fast wolten den schmack verliern.
Rollenhagen froschm. I, 1, 9 (G 1ᵃ);
ausz teigen bieren werden sie böhmische feigen machen. Fischart groszm. 133; die früchte des sperberbaumes werden auf stroh oder heu gelegt, bis sie teig werden, so isset man sie wie die nespeln. Tabernaemont. 1426ᵃ. vgl. Schm.² 1, 595. Schöpf 735ᵇ. Stalder 1, 275. Tobler 129ᵃ. Schmid 249. Spiesz 253. Albrecht 222ᵃ. übertragen auf personen, faul, träge, feige:
werdet ihr nicht teig oder feige,
sondern thut euch mit ernst erzeige.
Liliencron volksl. 544, 214 (vom j. 1546);
du teiger helt!
Hayneccius schulteufel 1, 3;
nicht ausgebacken, teige semmel u. dgl. Stalder 1, 275: teiger kuchen Rothe dür. chron. s. 452; jetzt wird sich vetter Matz Hutfeld, die teige bürgermeistersemmel, obenan auf das bret schieben. Freytag ges. werke 11, 29.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 236, Z. 70.

teig, m.

teig, m.,
goth. daigs, ahd. teig teik teich (pasta, massa), mhd. teic teig, md. auch deig; mnd. deech, nd. deeg, mnl. deegh; ags. dâg, engl. dough; altn. deig n., schwed. deg, dän. dej deig. — goth. daigs ist gebildet aus dem prät. des starkformigen verbs deigan (aus thon formen, kneten), von einer indogermanischen wurzel deigh, wozu sanskr. dih bestreichen, griech. τεῖχος und τοῖχος (für θεῖχος, θοῖχος), lat. fig- in figulus töpfer, figura, fingere gehört. s. Curtius grundz.² nr. 145. Fick² 102. 171. 174. Meyer goth. spr. § 113. Feist nr. 124. vgl. tiegel.
1)
eine aus mehl geknetete weiche masse, mehl-, brot-, semmel-, kuchenteig u. s. w.: mhd. den teic kneten, slahen, dünne breiten u. a. Lexer 2, 1413; nhd. brot von wol gearbeitem taigk. städtechron. 2, 305, 17 (vom jahre 1449); do der taig gekneten ward. Steinhöwel (1487) 94ᵇ; sie nam einen teig und knetet. 2 Sam. 13, 8; und das volk trug den rohen teig, ehe denn er versewret war, zu irer speise ... auf ihren achseln. 2 Mos. 12, 34; und sie buchen aus dem rohen teig ... ungesewrte kuchen. 12, 39; ein wenig sawrteig versawret den gantzen teig. Gal. 5, 9 (ain luczel hefel zepricht allen samung. cod. Tepl., zerstoret den gantzen teig. bibel von 1487, goth. leitil bistins allana daig distairiþ); da gieng Ulenspiegel in die bachstuben und macht den deik zuo ytel eulen und merkatzen. Eulensp. 28 (19) neudruck; die wirthin holete die bachmulte ... und machte bereitschaft, den taig anzumängen. Simplic. 2, 443, 1; die becken ... nehmen mehl genug, aber zu wenig taig zu den semmlen. Abr. a S. Clara 1, 102; da ihre tröge voll teig stehen. rockenphil. 48 (1, 33); wenn eine magd teig zu brode knetet. 74 (4, 26); ein gesell wirkte den teig, ein anderer formte ... ihn zu kringlen. Göthe 28, 64;
den zähe gewordenen teig nun
drückt er glatt.
Voss Virg. das mörsergericht v. 47.
Oft in vergleichungen, bildern und redensarten: das sy selber arbeiten und die hend in den deick stoszen. Keisersberg bilg. 106ᶜ; wiltu einen schatz uberkommen und den behalten, so muͦstu groszen ernst und flisz ankeren, .. muͦst die hend in den deick stoszen. 177ᵃ;
darumb seind nit so treg und feig,
und stoszt die hend bas in den teig,
greift uwer sachen frölich an.
Murner badenfahrt 10, 71;
maint ir, wir sein als gar erloschen,
oder wir sein ausz taig gemacht?
fastn. sp. 208, 20;
wir müssen mit im für einen kuchen und teig gerechnet werden. Luther 4, 19ᵃ; die r. kirch knett ausz dem teig der schrift aller hand kuchlin, wie sie ihr gefallen und einfallen. Fischart bienenk. (1580) 40ᵇ randgl.;
wir sind von éinem teig gebachen (s. ↗backen 8).
Scheidt Grobian. v. 334;
ob ihr ausz einem bessern taig gebacken. Philander (1650) 1, 404; der alte kerl trägt den kopf wie ein edelmann, und meint wahrhaftig, er sei aus einem andern teig gebacken als wie unsereiner. Kurz sonnenw. 16;
sie (eiche) dünkte sich von besserm teige (als die ulme),
weil Zeus der eichen schutzherr war.
Pfeffel 1, 401 Hauff;
(wenn ich) seh', aus welchem teig von trug und heuchelei
und stolz die kleine welt, der mensch geknetet sei.
Thümmel reise 5 (1794), 191,
im grunde ist beides (freundschaft und liebe) doch éin teig: aber formen können sie es wie sie wollen. Hermes Soph. (1776) 2, 83; wenn päbste in dem einzigen Benediktinerorden teig zu fünfundfunfzig tausend heiligen antrafen. J. Paul komet 3, 155; jetzt zürnt er mit dem pfaffen, der den teig zum gotte knetet. Gervinus⁵ 5, 138; nachdem sie in einen teig von lächerlichkeit .. eingeknetet waren, .. legte man ihnen plötzlich längst begangene geheime verbrechen .. zur last. G. Keller Seldw.⁴ 2, 296; der alte vernahm so viel, dasz er so ziemlich klar sah, wie tief mädi die finger im teige gehabt. Gotthelf erz. 1, 301; 'das kind ist schier oder glatt, als wäre es aus dem teige gewelzt d. i. von rundem aufquellendem wuchs, ein niedersächs. sprichwort' Voss ged. 1, 226 (nd. dat kind is wî ût den deik erweltert Schamb. 41ᵇ, ut'n deeg wöltert Dähnert 73ᵇ).
2)
sonst eine teigartige masse (vgl. teiglein): sie hatten in einem napf mit wasser kreide eingerieben, und trugen den teig mit einer bürste auf ihre westen und beinkleider. Göthe 18, 315.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 235, Z. 74.

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Zitationshilfe
„teig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/teig>, abgerufen am 26.05.2020.

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