tenne f
Fundstelle: Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 253, Z. 29
area, pavimentum. ahd. tenni denni tenne n., mhd. tenne n. und f. m., nhd. tenne f., früher und noch mundartlich auch n. m. (wetterauisch das denn Alberus dict. Hh 4ᵃ; der und das tenn Kehrein volksspr. in Nassau 1, 403, schweiz. das tänn, tenn Maaler 397ᶜ. Stalder 1, 275, bair.-östr. der tenn tennen Schm.² 1, 608. Lexer kärnt. wb. 57), ursprünglich wol ein boden von dielen zum dreschen und worfeln des getreides (vergl. das zweite tann und diele 2); geschichte der d. spr. 405 wird damit griech. θείνειν, sanskr. dhan schlagen verglichen und darnach als ursprüngliche bedeutung ein ort, wo geschlagen, gedroschen wird, angenommen, vergl. Curtius grundz. nr. 312. Fick² 774. Schade² 926ᵃ.
1)
der als dreschplatz dienende geebnete (lehm-, bretter-)boden im freien oder in der scheune (dresch-, scheunen-, stadeltenne), auch die scheune selbst
ob ich etewenne
korn ûf dem tenne
mit drischeln ûʒ gebieʒ.
meier Helmbrecht 316;
wenn ich hett ein hennen,
die mir all tag an meinem tennen
zwei solche eir legen tet.
fastn. sp. 212, 20;
die heben im heu zu obirst an,
fassen sich in die arm gar schan,
walgen herab pisz an den tennen.
386, 11;
das (heu) mag abgeschätzt werden auf einem tenn oder auf einem stadel, wo es ligt. östr. weisth. 1, 293, 39 (vom j. 1498); ein stadel mit ain tenn. 6, 288, 9 (1542); so soll er viech und wagen hinein stellen auf den then. 357, 8; swenne er das fuder an den tennen bringet. weisth. 1, 307 (vom jahre 1500); man tröschet das korn im tenn. Maaler 409ᵃ, in den dennen. Dasyp. 249ᵇ; ein thenn soll an eim hohen und trucknen ort gemacht werden, damit es frei den wind entpfahen künde. Herr feldbau 26ᵇ; wie man die tenne machen und zubereiten soll. Colerus 2, 161ᵃ (in der überschrift vom tenne); eine thenne schlagen, aequare aream Weismann lex. bipart. 2, 373ᵇ; das die tennen vol korns, und die keltern uberflus von most und ole haben sollen. Joel 2, 24; (du sollst ihm geben) von deiner tennen, von deiner kelter. 5 Mos. 15, 14; die Philister .. berauben die tennen. 1 Sam. 23, 1; der ein stig zu obrist auf den kornstock und warf garben rab auf das thenn. Wickram rollw. 170, 3 Kurz; das brinnendt liechtlin fiel .. uf das stro und zünt das an, das der tenne und auch das haus in alle macht bran. Zimm. chron.² 4, 54, 28;
wie die sprewer vom thennen eben
ein starker ostwind thut verweben.
H. Sachs 15, 240, 21;
auf dem tenne kann man gut dreschen. Steinbach 2, 812; auf dem tenne in der scheune. Stoppe Parnasz 515;
(der schatzgräber) durchbricht der scheuern harte tennen,
durchgräbt den garten und das haus.
Gellert 1, 112;
sie war mit dem stillen begleiter
durch den garten gekommen, bis an die tenne der scheune,
wo die wöchnerin lag.
Göthe 40, 311;
auf, dir die tenne zuerst mit mächtiger walze geebnet,
und mit knätender hand aus zähem thone gehärtet.
Voss Virg. landbau 1, 178;
wie der wind hinträgt die spreu durch heilige tennen.
Il. (1793) 5, 499;
wie von der breiten schaufel herab auf geräumiger tenne
hüpfet der bohnen frucht.
13, 590.
Bildlich (biblisch): da die kirche vergleicht wirdt einem tennen, darin die engel das gute korn von den sprewen sondern. Luther 5, 96ᵃ; und er hat seine worfschauffeln an der hand, er wird seine tenne fegen und den weitzen in seinen schewren samlen, aber die sprew wird er verbrennen mit ewigem fewr. Matth. 3, 2 (und er gereiniget seinen tennen. cod. Tepl., ahd. inti gisûbirit sîn tenni. Tat. 13, 24, sîn denni Otfrid 1, 27, 65);
derselbig hat auch an dem endt
die werfschauffel in seiner hendt,
und wirt den seinen tennen fegen.
H. Sachs 11, 200, 36;
es kann wohl sein, dasz der mensch durch öffentliches und häusliches geschick zu zeiten gräszlich gedroschen wird; allein das rücksichtlose schicksal, wenn es die reichen garben trifft, zerknittert nur das stroh, die körner aber spüren nichts davon und springen lustig auf der tenne hin und wieder, unbekümmert ob sie zur mühle, ob sie zum saatfeld wandern. Göthe 49, 82. — tenne in sprichwörtern:
es ist gar ain bœse henn,
die kosen wil bi ainem tenn
und wonen wil bi ainem han
und sich nit wil füglen lan.
teufels netz 2218;
man sagt, wie das ein han im dennen
kan versehen wol zehen hennen.
Ayrer 1305, 18;
im lehrn thenn, frisch gworffen auf,
findt man selten ein ameiszhauf.
Waldis Es. 4, 78, 95;
wer auf der tenne drischt, dem wachsen schwielen in die hand. Freytag ges. werke 8, 86; nicht durch éinen wurf fällt auf der tenne die spreu aus dem weizen. 201.
2)
hausflur, hausgang, haustenne (weil in alter zeit auch am eingang des hauses auf der diele gedroschen ward, s. drischaufel theil 2, 1420) Schm.² 1, 608. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 115ᵇ:
der pfaff der kam und thet lang ausen
am tennen vor der kammr ummausen.
H. Sachs 9, 279, 17;
bleibt da am thennen stille stahn!
17, 12, 5;
(ich) musz fegn stuben, stiegn und dännen.
Ayrer 781, 2;
hausflur als lager-, packraum: so sackten sie die wolle auf dem tenne und sollen sie morgen gen Liegnitz führen. Schweinichen 1, 372; eine tenne, grosz, geräumig wie wir sie in alten kaufhäusern sehen. Göthe 23, 27; kärnt. der über der hausflur befindliche raum des ersten stockwerkes Lexer 57; schweiz. das tenn, der erste und geräumigste ort einer sennhütte Stalder 1, 275.
3)
der fuszboden in den pochwerken Adelung.
4)
überhaupt ein (abgegrenzter) boden, platz, fläche: si setzten sich unden an die tennen (auf den marktplatz) auf helfenpainen sessel. Aventin. 4, 321, 27; da sie nun an die tenne des dornbusches kamen, welche jenseit dem Jordan lieget, hielten sie eine sehr grosze und bittere klage. Zesen Assenat 322; so habe ich denn auch das meer mit augen gesehen, und bin auf der schönen tenne, die es weichend zurückläszt, ihm nachgegangen. Göthe 27, 139.
tenne f
Fundstelle: Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 254, Z. 60
eine art felsenschlange, python sebae Brehm thierl. 5, 209 ff.
Zitationshilfe
„tenne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tenne>, abgerufen am 15.10.2019.

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