Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

todtenvogel, m.

todtenvogel, m.
1)
name verschiedener vögel, deren ankunft oder geschrei für einen vorboten des todes gehalten wird (s. todteneule, -krähe): unsere weidleut heiszen disz vögelein (muscipela) ein todtenvögelein, vielleicht darum, dasz es zur zeit der pestilentz nahe bei der statt gesehen wirt. Heuslin Gesners vogelb. 504. schweiz. id. 1, 697; der steinkauz, die zwergeule, strix noctua, passerina Höfer 3, 230 ('so genannt wegen ihres rufes tod! tod! oder kiu-tod-tod-tod! oder wegen sonstiger beziehung dieses rufes auf bevorstehende todesfälle' schweiz. idiot. a. a. o., 'fliegt auch nach dem licht an die fenster, besonders wenn kranke im hause sind, welche er riecht und wodurch er viel schrecken erregt' Oken 7, 117), s.sterbkauz; der seidenschwanz, ampelis garrulus Nemnich 1, 237, s. pestvogel; der mauerspecht, certhia muraria 957; das braunkehlchen, motacilla rubetra 2, 619; kennst du mich? ich bin (sagt der schwarze papagei) der todtenvogel, der den tod andeutet. J. Paul leben Fibels 49.
2)
der schmetterling, sphinx atropos (s. todtenkopf 2) Nemnich 3, 599.
3)
nach arabischer vorstellung wohnte die seele eines getödteten in vogelgestalt (als todtenvogel) in der wüste oder im grabe und schrie so lange um rache, bis der getödtete gerächt worden. Rückert Hamasa 1, 375; durstschrei des todtenvogels der seele nach tränkung mit blut der rache. 2, 63, vgl. 98.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 625, Z. 18.

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Zitationshilfe
„todtenvogel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/todtenvogel>.

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