Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tholen, verb.

tholen, verb.
was dolen, pati (theil 2, 1227): die boͤsen tholen die guͦtten selten. Daniel (1545) R 3ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 389, Z. 24.

dole, f., selten m. oder n.

dole f., selten m. oder n.
ahd. dolâ Graff 5, 133. vergl. dolde. das wort hat verschiedene bedeutungen.
1.
kleine vertiefung in einer mauer, wand, einem kessel, in dem erdboden, wie dälle (oben 699), auch an einem körper, besonders wenn sie durch verwundung entstanden ist. dule mit fingern eingedrückte vertiefung in das weiche Schmid 147. bair. dueln dieln deln Schmeller 1, 366, der noch anführt das kupfer kriegt gleich dueln, von der harten arbeit kriegt man düeln (schrunden) in die hände, einem ein deln anhängen einen am leib beschädigen, bildlich am guten namen, wie einem ein blechlein anhängen oben 85. 86. in der Schweiz dole Stalder 1, 287. tola Tobler 144ᵇ. niederd. dole eine kleine grube Brem. wörterb. 1, 223. du solt ihn auf ein sack legen und thun im frisch sprewer von fräsen oder geschnittenen stro darein. mache ihn nicht gar zu voll, mache auch in der mitten ein dolen und lege ihm sein fusz und kniebieg darein, nach dem es im gelegen ist Würtz 229. dolen, ein lachen (lacuna), heimlich gemach, darin sich das regenwasser und aller unrat samblet Henisch 724. aschendole feuerfeste grube, worin die glühende asche verwahrt wird Stalder 1, 238. dolenkessel, worin man die lauge kocht das. Henisch erklärt s. 723 dohlen auch durch wildbad, darunter versteht man aber eine nicht künstlich gegrabene, sondern natürlich entstandene geringe vertiefung, auf deren boden das mineralische wasser hervor quillt, und in welche sich der badende setzt; vergl. Schmeller 4, 62.
2.
loch, höle in bergen oder felsen; vergl. Stalder 1, 287. aber es hetten sich zwo frawen verkrochen in döler oder löcher S. Frank Chron. 486ᵇ.
3.
verdeckter abzugsgraben, wasser oder unreinigkeiten abzuführen, rinne, canal, cloaca; dann eine röhre zu gleichem gebrauch. so schon im ahd. aqueductus ein dole, ein wasserducke, wasserrind, ein wasser rore durch das die wasser flieszen (Eichmann) Voc. predicantium (Nurnb. 1483) 64ᵇ. cloaca, ein dolen oder verdeckter graben, oder känel, dardurch der unflat hinweg fleuszt Dasypod. 35ᶜ, wuͦstgrab 319ᵃ. tolen, tulen und dalle dale Frisch 2, 376, der auch bemerkt dasz man in Nürnberg tolen sage. in Schwaben und Elsasz dölen duhlen, dohle und dol n. Reinwald 1, 20. dole grenzgraben Brem. wb. 1, 223. in der Schweiz dole und tolgraba katzadole unter der eine katze laufen kann. eingeworfene dole ein mit kleinen steinen ausgefüllter canal, oben mit erde oder mohr überdeckt, damit das wasser über die steine herabsickern kann Stalder. dol oder erdhöhl, eine mine ein schlosz einzunehmen Voc. 1482. ein dolen die brunnen in die stadt zu führen Stumpf 645ᵇ. Tobler 144ᵇ. Stalder 1, 288. dol m. den gröszesten dol cloacam maximam in Rom Rihel Livius 51. durch eine dohle nimmt das überflüssige wasser dieses bassins seinen ablauf, während aus den quellen wieder neues zuströmt Justin. Körner Beschreibung von Wildbad 39. damit der platz stäts trocken und reinlich ist, werden häufig dohlen zum ungehinderten raschen abflusz des regenwassers angebracht das. uneigentlich, darumb auch alsbald der armen kindbetterin darvon (von einem verstopfung bewirkenden arzneimittel) gleich alle däuchel, furen, runsen, klafegen, dolen und riolen verstopfet Fischart Garg. 104ᵃ. vergl. wasserdole, wasserdeuchel.
4.
dolen gewölb testudo Henisch 723. tholus dholen θόλος, locus concameratus et aere inductus, in quo aqua igne suppositio, dum lavatur, calefit Goldast Script. rer. alam. 1. 1, 127.
5.
die buschige krone eines baums. tollen apex Alberus. dolle apex arboris Frisch 1, 200ᶜ. dollen an der Eifel Schmitz Idiotikon 223, bair. dolln dojn Schmeller 1, 366. schwed. tull summitas arborum Ihre 974.
6.
blumenbüschel dollen oder holländischer klee Würzb. landbautabelle von 1771.
7.
quaste, zwei schnier mit rot und weiszseidin dolln. ein herrnspiesz daran ein doln mit rotseidem gefrens Anordnung zur fronleichn.-procession von 1580 in Westenrieders Beiträgen 5, 168. in Franken die dolln Weikert Gedichte in Nürnb. mundart 1, 15, ebenso in Östreich, wo auch das dimin. döllarl n. Castelli 111. daher auch der helmbusch,
also sprach er (Menelaus) in zornes grollen,
lief dar und beim roszhärin dollen,
den Paris auf dem helme trug,
ihn niderrisz mit starkem zug
Spreng Ilias 58ᵇ.
8.
ast eines baums, ramus. schaw wie die dolle an dem baum so voller apfel hengt Henisch 724. 725. doll dolle, pl. dollen ramus ramulus ramale Stieler 323. Steinbach 1, 279.
9.
dolle scalmus, lignum teres, cui struppis alligantur remi Chyträus cap. 33. dollen dullen pl. pflöcke, zwischen welchen die ruder gehen, scalmi Brem. wörterb. 1, 269. niederl. dolle Kilian. dagegen bedeutet nach Ihbe das schwed. tull foramen scalmi in cymba, würde also der bedeutung von loch, vertiefung zufallen. Wie verschieden, sogar entgegengesetzt die bedeutungen von dole und dolde sind, so lassen sie sich doch aus einander entwickeln. ob vertiefung, grube oder wölbung und spitze die ursprüngliche sei, mag dahin gestellt bleiben, aber die umgekehrte grube bildet eine wölbung, die umgekehrte spitze eine vertiefung. jene kann leicht die bedeutung von baumwipfel, blumenwipfel, quaste annehmen, einer rundung, wie in der Schweiz döli m. die schiesznusz bei einem knabenspiele Stalder 1, 288. oder die wölbung kann in eine röhre, rinne auslaufen, wovon ein baumast, ein pflock nicht weit abliegt: ohne zwang kann spitze zugleich eine stechende waffe bezeichnen, aber auch das ziel beim schieszen, scheibenschieszen, altfries. dole (Richthofen 689), niederl. doel m., doelpin nagel, zweck an der schieszscheibe. für ein hohes alter des worts zeugt noch mehr als das schwanken im anlaut, der wechsel des geschlechts, des wurzelvocals und der kürze und länge desselben, dann auch die erscheinung in slavischen sprachen, polnisch dol grube und loch, böhmisch duͦla duͦle niederung, vertiefung. es musz einem verlorenen, weit verzweigten zeitwort angehören. nahe steht dälle und thal vallis, wie man statt wasserdole auch wasserthal sagt (Frisch 2, 376), wobei das ahd. tuollâ f. vallicula und toalle barathrum (Graff 5, 397) zu erwähnen ist, wie das altnord. doela locus depressus. zu dem begriff von gewölbe stimmt θόλος tholus, und letzteres wird in mittellateinischen, bei Ducange angeführten glossaren erklärt durch fastigium templi rotundum, cerebrum camerae, culmen tecti. der bedeutung von baumast entspricht θάλος θαλλός und das latein. talea schöszling surculus. als spitze erinnert es an die ultima Thule Thyle, das äuszerste ende der bekannten welt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1226, Z. 40.

tole, töle

tole, töle,
s. dole 3 th. 2, 1226 und Lexer 2, 1459:
hetten sich vor desz mordes sorgen
in ein tholm (var. dolm, tholn) untert erd verborgen.
H. Sachs 16, 383, 33;
doch sein ettlich känel oder tölen da verfasset, die das wasser entpfahen. S. Frank weltb. 164ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 631, Z. 17.

dole, f., selten m. oder n.

dole f., selten m. oder n.
ahd. dolâ Graff 5, 133. vergl. dolde. das wort hat verschiedene bedeutungen.
1.
kleine vertiefung in einer mauer, wand, einem kessel, in dem erdboden, wie dälle (oben 699), auch an einem körper, besonders wenn sie durch verwundung entstanden ist. dule mit fingern eingedrückte vertiefung in das weiche Schmid 147. bair. dueln dieln deln Schmeller 1, 366, der noch anführt das kupfer kriegt gleich dueln, von der harten arbeit kriegt man düeln (schrunden) in die hände, einem ein deln anhängen einen am leib beschädigen, bildlich am guten namen, wie einem ein blechlein anhängen oben 85. 86. in der Schweiz dole Stalder 1, 287. tola Tobler 144ᵇ. niederd. dole eine kleine grube Brem. wörterb. 1, 223. du solt ihn auf ein sack legen und thun im frisch sprewer von fräsen oder geschnittenen stro darein. mache ihn nicht gar zu voll, mache auch in der mitten ein dolen und lege ihm sein fusz und kniebieg darein, nach dem es im gelegen ist Würtz 229. dolen, ein lachen (lacuna), heimlich gemach, darin sich das regenwasser und aller unrat samblet Henisch 724. aschendole feuerfeste grube, worin die glühende asche verwahrt wird Stalder 1, 238. dolenkessel, worin man die lauge kocht das. Henisch erklärt s. 723 dohlen auch durch wildbad, darunter versteht man aber eine nicht künstlich gegrabene, sondern natürlich entstandene geringe vertiefung, auf deren boden das mineralische wasser hervor quillt, und in welche sich der badende setzt; vergl. Schmeller 4, 62.
2.
loch, höle in bergen oder felsen; vergl. Stalder 1, 287. aber es hetten sich zwo frawen verkrochen in döler oder löcher S. Frank Chron. 486ᵇ.
3.
verdeckter abzugsgraben, wasser oder unreinigkeiten abzuführen, rinne, canal, cloaca; dann eine röhre zu gleichem gebrauch. so schon im ahd. aqueductus ein dole, ein wasserducke, wasserrind, ein wasser rore durch das die wasser flieszen (Eichmann) Voc. predicantium (Nurnb. 1483) 64ᵇ. cloaca, ein dolen oder verdeckter graben, oder känel, dardurch der unflat hinweg fleuszt Dasypod. 35ᶜ, wuͦstgrab 319ᵃ. tolen, tulen und dalle dale Frisch 2, 376, der auch bemerkt dasz man in Nürnberg tolen sage. in Schwaben und Elsasz dölen duhlen, dohle und dol n. Reinwald 1, 20. dole grenzgraben Brem. wb. 1, 223. in der Schweiz dole und tolgraba katzadole unter der eine katze laufen kann. eingeworfene dole ein mit kleinen steinen ausgefüllter canal, oben mit erde oder mohr überdeckt, damit das wasser über die steine herabsickern kann Stalder. dol oder erdhöhl, eine mine ein schlosz einzunehmen Voc. 1482. ein dolen die brunnen in die stadt zu führen Stumpf 645ᵇ. Tobler 144ᵇ. Stalder 1, 288. dol m. den gröszesten dol cloacam maximam in Rom Rihel Livius 51. durch eine dohle nimmt das überflüssige wasser dieses bassins seinen ablauf, während aus den quellen wieder neues zuströmt Justin. Körner Beschreibung von Wildbad 39. damit der platz stäts trocken und reinlich ist, werden häufig dohlen zum ungehinderten raschen abflusz des regenwassers angebracht das. uneigentlich, darumb auch alsbald der armen kindbetterin darvon (von einem verstopfung bewirkenden arzneimittel) gleich alle däuchel, furen, runsen, klafegen, dolen und riolen verstopfet Fischart Garg. 104ᵃ. vergl. wasserdole, wasserdeuchel.
4.
dolen gewölb testudo Henisch 723. tholus dholen θόλος, locus concameratus et aere inductus, in quo aqua igne suppositio, dum lavatur, calefit Goldast Script. rer. alam. 1. 1, 127.
5.
die buschige krone eines baums. tollen apex Alberus. dolle apex arboris Frisch 1, 200ᶜ. dollen an der Eifel Schmitz Idiotikon 223, bair. dolln dojn Schmeller 1, 366. schwed. tull summitas arborum Ihre 974.
6.
blumenbüschel dollen oder holländischer klee Würzb. landbautabelle von 1771.
7.
quaste, zwei schnier mit rot und weiszseidin dolln. ein herrnspiesz daran ein doln mit rotseidem gefrens Anordnung zur fronleichn.-procession von 1580 in Westenrieders Beiträgen 5, 168. in Franken die dolln Weikert Gedichte in Nürnb. mundart 1, 15, ebenso in Östreich, wo auch das dimin. döllarl n. Castelli 111. daher auch der helmbusch,
also sprach er (Menelaus) in zornes grollen,
lief dar und beim roszhärin dollen,
den Paris auf dem helme trug,
ihn niderrisz mit starkem zug
Spreng Ilias 58ᵇ.
8.
ast eines baums, ramus. schaw wie die dolle an dem baum so voller apfel hengt Henisch 724. 725. doll dolle, pl. dollen ramus ramulus ramale Stieler 323. Steinbach 1, 279.
9.
dolle scalmus, lignum teres, cui struppis alligantur remi Chyträus cap. 33. dollen dullen pl. pflöcke, zwischen welchen die ruder gehen, scalmi Brem. wörterb. 1, 269. niederl. dolle Kilian. dagegen bedeutet nach Ihbe das schwed. tull foramen scalmi in cymba, würde also der bedeutung von loch, vertiefung zufallen. Wie verschieden, sogar entgegengesetzt die bedeutungen von dole und dolde sind, so lassen sie sich doch aus einander entwickeln. ob vertiefung, grube oder wölbung und spitze die ursprüngliche sei, mag dahin gestellt bleiben, aber die umgekehrte grube bildet eine wölbung, die umgekehrte spitze eine vertiefung. jene kann leicht die bedeutung von baumwipfel, blumenwipfel, quaste annehmen, einer rundung, wie in der Schweiz döli m. die schiesznusz bei einem knabenspiele Stalder 1, 288. oder die wölbung kann in eine röhre, rinne auslaufen, wovon ein baumast, ein pflock nicht weit abliegt: ohne zwang kann spitze zugleich eine stechende waffe bezeichnen, aber auch das ziel beim schieszen, scheibenschieszen, altfries. dole (Richthofen 689), niederl. doel m., doelpin nagel, zweck an der schieszscheibe. für ein hohes alter des worts zeugt noch mehr als das schwanken im anlaut, der wechsel des geschlechts, des wurzelvocals und der kürze und länge desselben, dann auch die erscheinung in slavischen sprachen, polnisch dol grube und loch, böhmisch duͦla duͦle niederung, vertiefung. es musz einem verlorenen, weit verzweigten zeitwort angehören. nahe steht dälle und thal vallis, wie man statt wasserdole auch wasserthal sagt (Frisch 2, 376), wobei das ahd. tuollâ f. vallicula und toalle barathrum (Graff 5, 397) zu erwähnen ist, wie das altnord. doela locus depressus. zu dem begriff von gewölbe stimmt θόλος tholus, und letzteres wird in mittellateinischen, bei Ducange angeführten glossaren erklärt durch fastigium templi rotundum, cerebrum camerae, culmen tecti. der bedeutung von baumast entspricht θάλος θαλλός und das latein. talea schöszling surculus. als spitze erinnert es an die ultima Thule Thyle, das äuszerste ende der bekannten welt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1226, Z. 40.

toll, adj. und adv.

toll, adj. und adv.,
ahd. tol, mhd. tol dol (inlautend mit einfachem l), alts. ags. dol, mnd. dul, nd. dull (düll Stürenburg 91ᵃ), nhd. toll, früher auch doll; dazu (wahrscheinlich) ahd. tala in talamasca, altn. dul (einbildung, wahn Möbius 66), östr. tell, m. (s. qualm 2) von einer germ. wurzel dul, deren nebenform dwal im ahd. twëlan twal, alts. dwëlan, ags. dvëlan erhalten ist, entsprechend einem goth. dvilan, aus dessen prät. sing. das goth. adj. dvals (toll) und dvalmôn (toll werden), ahd. mhd. twalm (s. qualm 2 und tolm) abgeleitet wird. vgl. sanskr. dhvar täuschen, beschädigen und Dief. 2, 646 ff. Fick³ 3, 155. Feist 28. als grundbedeutung kann wol 'betäubt, bewusztlos' angenommen werden, woraus sich dann die übrigen (ähnlich wie bei taub) entwickelt haben.
I.
adjectiv.
1)
des oder wie des verstandes und bewusztseins beraubt und darnach sich geberdend, benehmend, unsinnig, wahnsinnig, tobsüchtig (s. tollhaus), wütend, rasend, unbändig, ausgelassen, leidenschaftlich, zornig, heftig, thöricht, närrisch, unvernünftig, verrückt, stumpfsinnig, wirre, dumm, wunderlich u. dergl. je nach dem zusammenhange.
a)
von personen, ahd. tol, stultus, pruriens Graff 5, 401; mhd. und nhd. oft mit einem synon. adj. verbunden:
ein vil tumber getelinc,
trezzig und ouch dol,
der mir all mîn vröude
an der lieben brach.
minnes. 3, 252ᵇ;
ist er ze vrevel und ze dol, er wirt unfrô gemachet.
Konrad lieder 32, 155;
mischent sich alle doll oder dum.
altd. wälder 1, 253;
doll und thöricht und nimmermehr klug,
die welt die führt ein thummer mut.
Ambras. liederb. 125, 1;
dankest du also dem herrn deinem got, du tol und thöricht volk? 5 Mos. 32, 6; da dis der könig höret, ward er toll und thöricht. 2 Macc. 7, 39; das sie so toll und unsinnig gewesen sein. Luther streitschriften (1521) 2, 70 neudr.; kinder, denen ihr eltern doll odder wansinnig sein worden. von den guten werken 83 neudr.; und (Nebucadnezar) wird leiblicher weise tholl und unsinnig, das er sieben jar grasz frist wie ein ochse. Mathesius Sar. 83ᵇ;
wenn du der tolle rasende wütrich bist.
Hans Phriem v. 2242;
(sie) wirt endleich doll und unbesint.
H. Sachs 13, 108, 26;
die darinn (in den sünden) gar verstocket sind,
als ob sie gar sind toll und blind (vgl. tollblind).
18, 156, 27;
und ist das grobianisch gsind
so ungesaltzen, doll und blind.
Scheidt Grob. v. 2284;
du schwetzest uns wol all taub und doll.
1301;
du bist unbescheiden, dol und thumb.
H. Sachs fastn. sp. 1, 129 neudr.;
weil sie (die bauern) tholl und einfeltig sind.
werke 17, 101, 20;
was tolle, unverstendige leut
mit iren kindischen anschlegen
anheben, brengen nichts zu wegen.
Waldis Esop. 3, 97, 76;
weil du der ding bist unerfahrn,
gar viel zu toll und jung an jarn.
4, 95, 184;
ein doller ungeschickter pfaff. Wickram rollw. 80, 18; sein weib ... lieffe ihm alle ränke ab, also dasz er vermeinte, er müsse doll und thöricht darüber werden. Simpl. 1, 207, 24 Kurz; dieser war ... eben so grob und toll gewest als die andern. Waiszel chron. (1559) 12ᵃ;
der stoltz, toll und grob ist beidsamen.
Ganskönig H 4ᵇ;
wann niemand schon so toll und grob,
der deinen namen nicht wolt preisen.
Weckherlin 369 (33 Göd.);
er schreit, als wenn er toll und töricht wäre, insaniae fuisse detonat Stieler 2282; hier (beim röm. carneval) wird vielmehr nur ein zeichen gegeben, dasz jeder so thöricht und toll sein dürfe als er wolle. Göthe 29, 229; toll und thörig 4, 49; ich bin so wild! so toll! dasz ich gar nicht weisz, was ich anfangen soll. 11, 96;
Meph. zu Faust. an dir gesellen unhold, barsch und toll,
ist wahrlich wenig zu verlieren.
12, 171 (Faust 3259 Weim.).
noch öfter steht toll allein und zwar
α)
attributiv, z. b.: die tolen engele Karajan sprachdenkm. 42, 8; ein toller narr Sir. 31, 37; weh den tollen propheten, die irem eigen geist folgen. Hesek. 13, 3;
die leben hin nach fleisch und blut, ...
on zaum, geleich der tollen jugent.
H. Sachs 7, 340, 16;
recht thut man noch, dasz man die bawren
zu Fünsing nennt die thollen lawren.
17, 101, 7;
die tollen leut zu Dölpelbach.
Waldis Esop. 4, 90, 76, vgl. 63;
welcher (Minos und Numa) ein jeder mit tandtmeeren die tollen gemein hat regiert. Frank mor. enc. 45, 2 Götz.; dasz tolle heiligen gefunden werden, welche vermeinen, dasz das sein ernst gewesen sei. Schuppius 649; doller bischof Weckherlin 151 Göd.; es gibt ein überaus tolles (ehe-)paar. kunst über alle künste 117, 9; das ist ein tolles völkchen. 126, 7; diese tolle zigeunerin. Simpl. 3, 169, 10 Kurz; ich glaube, liebe Louisse, dasz ihr undt ich dolle generals sein würden. Elis. Charl. (1871) 37;
es rannten die tollen verwandten herbei.
Göthe 1, 215;
der tollen jugend anmaszliches wesen.
3, 248.
β)
substantivisch der, die tolle, ein toller, eine tolle, z. b.: einen tollen aber erwürgt wol der zorn. Hiob 5, 2 f.;
den tollen macht der wein noch töller.
H. Sachs 19, 133, 12. 136, 23;
die tollen handeln unfürsichtig.
284, 21;
der koch handthieret wie ein toller herum. kunst über alle künste 158, 15;
doch redet ein toller in freiheit
weise sprüche, wenn ach! weisheit in sklaven verstummt.
Göthe 1, 215;
ist vielleicht nur die welt ein groszer kerker? und frei ist
wohl der tolle, der sich ketten zu kränzen erkiest.
382;
sag', welch ein muthwill
tolle! dich treibt?
11, 110.
γ)
prädicativ toll sein, werden, machen, z. b.: ie stöltzer (seiend) ie töller. Keisersberg post. 3, 45ᵃ; o ir Preuszen, wenn ir nich toller weret denn eure bienen, so dürftet ir darumb keinen zank haben. Waissel chron. (1559) 12ᵃ; aber mein volk ist toll, und gleuben mir nicht. Jer. 4, 22;
dann niemand ist doch also doll,
der solche gottslestrung glauben woll.
Fischart nachtrab 1809;
bistu kerl toll (tobsüchtig), so musz man dich mit ketten umfangen. kunst über alle künste 186, 10;
jene menschen sind toll, so sagt ihr von heftigen sprechern,
die wir in Frankreich laut hören auf straszen und markt.
Göthe 1, 364;
B. ha, bist du toll? R. toll, aber klug!
10, 220;
sind sie toll, Philine? rief Wilhelm aus —, die öffentliche strasze zum zeugen solcher liebkosungen zu machen. 18, 211; wie? noch unschlüssig? seid ihr toll? seid ihr wahnwitzig? Schiller 2, 268 (räuber, trauersp. 2, 16). — toll werden:
die blasen dir sonst den kopf so voll,
dasz du davon würdst gleichsam toll (betäubt).
Ferber armbrustschieszen (1610) P 3ᵇ;
toll werden, hebescere Maaler 404ᵇ; toll werden von zorn, ira in rabiem verti Stieler 2282; endlich ... werde ich tolle (aufgebracht, zornig), .. und frage den kerl, ob er mich äffte. Ellner unw. doct. 781;
(es ist) kein mensch so klug, dasz er nicht eben toll
bei der gemeinsten sache werden könnte.
Göthe 10, 221;
seitdem bin ich ganz toll geworden über das toll gewordene volk. Börne 1, 310; ist es nicht zum toll werden! Klinger 1, 397. toll, wie toll (seiend, werdend): von solcher redt gieng er (der im letzten augenblick vor der hinrichtung begnadigte) halb todt und doll (betäubt) hinab. Zimm. chron.² 4, 202; ich rief, vor freuden toll: ach prächtig! J. Paul Kampanerthal 22; sie lag ohnmächtig nieder und das ganze haus war wie toll. Göthe 11, 51;
und alles tanzte schon wie toll.
12, 54 (Faust 953 Weim.);
toll sein, werden auf: ich war auch so tolle auf die kerl, dasz gar keiner von den schurken mit hand anlegen wolte. Schelmufsky 77, neudruck der vollst. ausgabe; personen .., die auf den freund toll werden, wenn er ausplaudert. J. Paul Hesp. 1, 105; mit genitiv:
des mustu mir versprechen,
das sy ist mannes dol (vgl. mannes-, manntoll, männertoll).
liedersaal 2, 587, 91;
sie war noch nicht so klostertoll
um das, was ihrem herz entquoll,
aus heiligkeit zurückzuschlürfen.
Thümmel d. heil. Kilian 11.
toll machen, amentare Dief. 29ᶜ, hebetem facere Maaler 404ᵇ, stupefacere Stieler 2283:
das pucken (bücken nach den beeren im walde) het mich machet tol (betäubt, wirre),
das ich verfelt im wald der strasz!
H. Sachs 3, 573, 7;
oftmals voll macht endlich toll (vgl. 1, c).
Logau 1, 2, 13;
er macht die richter toll. Hiob 12, 27; dergleichen reden ... können mich toll machen. Göthe 19, 94; dem einen hat sie einen schnippischen korb gegeben, dem andern hat sie einen sohn toll gemacht. 11, 14; sich toll machen, stellen. Denzler 288ᵃ. toll machen auf: sieben neuntheile von meinen lieben schreibenden landsleuten auf mich toll und rasend zu machen, das ist alles, was ich mir vornehme. Lessing 12, 206. mit andern verben: sich toll reiten (im reiterkampfe, beim endlosen hin- und herreiten). Wilw. v. Schaumburg 59;
erzeig dich so gerecht, als sie sich zeigen doll.
Weckherlin 124;
er lachte sich toll. J. Paul uns. loge 2, 55.
b)
von thieren:
der man kan wol von unglück sagen,
der mit eim solchen weib ist erschlagen,
gantz ohn verstandt, vernunft und sin,
geht als ein dolles viech dahin.
H. Sachs 14, 83, 5;
ir seit vorwar gar tolle thier.
Waldis Esop. 3, 49, 17;
denn Israel leuft wie ein tolle kue. Hos. 4, 16; ein toller (wütiger) hund. Kirchhof wendunm. 268ᶜ. Waldis Esop. 4, 96, 109. rockenphil. 643 (4, 69); ein toller hund laufet nicht uber sieben tag. Pistorius thesaur. 10, 21; wenn mich kein toller hund gebissen hat. Arnim schaub. 1, 60; er ist von einem hund gebissen worden, von dem er nicht weisz, ist er toll oder nicht. Gotthelf erz. 3, 335;
zu morgens geht er wie ein toll schaf
oder schleffet auf mittag hinein.
H. Sachs fastn. sp. 1, 79 neudr.;
die rosz .. wurden toll und schellig. eselk. 295; sprichwörtlich er reitet ein tolles pferd, er hat sich eines gefährlichen handels unternommen. Frisch 2, 37ᵇ;
wie oft hab ich mit einem wort
verjaget manche dolle katzen.
Weckherlin 176 Göd.;
und stelt' er (der gefangene spatz) sich auch noch so tol (: wol),
und flög' er ewig kreuz und queer
nach allen fenstern hin und her.
Bürger (1778) 126;
der vogel schosz wie toll in zickzackzügen um die schüler. Immermann Münchh. 3, 169; tolle hummel Stieler 2282, bienen Waiszel chron. 12ᵃ.
c)
im engern sinne, toll aus trunkenheit, aus schlemmerei:
und solt ich werden taub und toll (ganz betrunken).
Ambras. liederb. 164, 11;
wein und most machen tolle Hos. 4, 11; die trunkenheit macht einen tollen narren noch töller. Sir. 31, 37; sie führn ihn zur tabern so doll. Fischart Garg. 50ᵃ;
wann sie (vom trinken) schon dolle köpf gewinnen.
Scheidt Grob. v. 2046.
namentlich in der reimverbindung toll und voll, ebrietate insanus Weismann lexic. bipartit. 2, 377ᵃ (nd. dull und vull Dähnert 95ᶜ. Danneil 42ᵇ): so wurden sie zu Rom merken, das die Deutschen nit alletzeit tol und vol sein. Luther an den adel 32 neudr. (werke 1, 298ᵇ);
wie seit ir nu so vast doll und vol.
Murner schelmenz. 41ᵃ;
welcher .. tag und nacht im sausz lebte und ohn underlasz toll und voll zu finden war. Kirchhof wendunm. 120ᵇ; dieser kam einmal in den tempel toll und voll, singend und springend. pers. baumg. 4, 6; er gar oft toll und voll heim kam. ehe eines weibes 293; er ist toll und voll. Lichtenberg 3, 74; sich toll und voll saufen, fressen:
ja, fressen sich hie doll und voll.
Fischart Domin. v. 3503;
hast du dich schon toll und voll gesoffen?
Gryphius 1, 642;
sich toll und voll trinken Pierot 2, 58; seltener voll und toll: bistu abends voll und toll, so sauf dich morgens wider voll, vertreib den gestrigen rausch mit dem heutigen. Lehmann 758, 41.
d)
toller kopf, verstand, sinn u. s. w.: toler muot kindheit Jesu 101, 37;
des was mîn herz sô do dol.
Rubin 4, 10;
doller verstand, obtusum, retusum, plumbeum ingenium Dasyp. (1556) C 2ᶜ. Maaler 91ᵇ. 404ᵇ; also thut im auch ein reuter, der gibt sich dahin in krieg, .. hat auch keine verheiszung, der er sich trösten köndte, denn allein seinen tollen sinn. Luther 5, 314ᵃ; wo ein herr nach seinem tollen kopf regiret (vgl. tollkopf) von den guten werken 88 neudruck;
entblöszt die tolle brust, drinn keine redligkeit
je einen sitz erkohr!
Gryphius trauersp. 576 P.;
einem die ohren toll machen, aures alicui obtundere Weismann lexic. bipartit. 2, 277ᵃ; es wird mir toll ums herz! Klinger theater 2, 368; schon so oft hast du mir (mit vorwürfen) den kopf so toll gemacht. Göthe 11, 9; du darfst mir den kopf nicht toller machen. 112;
kluge vorsicht mehr als toller muth
den feldherrn ziert.
Schiller 6, 146 (Phöniz. 2, 4);
es ist dein bild besudelt und entehrt,
das er in seinem tollen hirne nährt.
Lenau 2, 53.
tolle sucht, s. tollsucht.
e)
in bezug auf gedanken, anschauungen und handlungen eines oder wie eines tollen: die tollen gedanken ires ungerechten wandels. weish. Sal. 11, 16; mit ewrn tollen, nerrischen, unnutzen gesetzen. Luther streitschr. (1521) 2, 105; das ist doch gar ein dolles fragn. Gilhusius gramm. 35; ein doller spot Frank mor. enc. 69, 32 Götz.; der toll zorn thut mehr schaden als drei dreschflegel. Lehmann 926, 54;
gott wöll in behüten
vor der gottlosen tollen wüten.
H. Sachs 18, 157, 1;
das tolle lieben ist, im steten tode leben.
Philander (1650) 1, 111;
wie gut ist es, in kurzer zeit
bei seinem dienst gar reich zu werden,
und doch noch dolle wort ausgieszen,
wie man dabei musz vil einbüszen.
Weckherlin 76 Göd.;
für einen rasenden wäre meine rede zu klug, und für einen träumenden zu toll. Lessing 1, 334;
(echo) schreiet im posaunentone
die tollste schmeichellüge nach.
Tiedge 35, 69;
es ist war, das sie ein doll leben zu Strasburg geführt hat. Elis. Charl. (1867) 294; die genialisch tolle lebensweise unserer kleinen gesellschaft. Göthe 26, 344; tolle laune 20, 296; ich würde ... einen tollen streich machen. 15, 13;
löblich wird ein tolles streben,
wenn es kurz ist und mit sinn.
3, 174;
die .. dich mit der tollen sucht zum grosen mann ansteckte. Schiller 2, 123;
tolle zeiten hab' ich erlebt, und hab' nicht ermangelt
selbst auch thöricht zu sein, wie es die zeit mir gebot.
Göthe 1, 363;
kein tolleres versehen kann sein,
gibst einem ein fest, und lädst ihn nicht ein.
2, 250.
tolle sachen u. dergl.: das seind mir tolle sachen. kunst über alle künste 181, 9;
schlaffen, spielen, schertz und lachen
und kein kummer toller sachen.
Günther 79;
ich glaube nicht, dasz man jemahlen dollere sachen erlebt hat, als die, so in unsern seculo vorgehen. Elis. Charl. (1871) 35;
mir widersteht das tolle zauberwesen.
Göthe 12, 114 (Faust 2337 Weim.);
das tolle zeug, die rasenden geberden ...
sind mir bekannt, verhaszt genug.
124 (2533).
substantivisch das tolle: endlich erscheint ein weibliches ding, ... lustig bis zum tollen. Lessing 7, 147; ich weisz nicht, ist es das tolle dieses einfalls, aber er fängt an, mich zu reizen. Schiller 14, 137 (neffe als onkel 1, 4); man musz oft etwas tolles unternehmen, um nur wieder eine zeit lang leben zu können. Göthe gespr. 911 (4, 333) Biedermann; denn sie kannten mich beim theater und wuszten, dasz ich in solchen dingen keinen spasz verstand, und dasz ich verrückt genug war, mein wort zu halten und das tollste zu thun. 928 (5, 35);
dreister griff gebührt dem dreisten,
doch ins tolle stürmt ein toller.
F. W. Weber Dreizehnl. 150.
f)
der tolle koller, wie der rasende, wütende koller eines pferdes (th. 6, 1617): der tolle koller zeigt sich, wenn das pferd wütet und tobt und sich selbst mit den zähnen beiszt, mit der brust an die krippe und mit dem kopfe an die mauer läuft u. s. w. Jacobsson 6, 305.
g)
von lebend gedachten sachen und abstractionen: ich sprach zum lachen, du bist toll, und zur freude, was machestu? pred. 2, 2; das tolle liebesfeuer. Schuppius 649;
entblöszt das tolle schwerdt!
Gryphius trauersp. 443 P.;
ach! hätte dich ... die tolle see bedeckt.
459;
wenn nicht der tolle nord sich um die segel müht.
581.
die tollen flammen
er (Zeus) regnete sie all zusammen.
Lenz ged. 192 Weinh.
2)
übertragen auf sachen.
a)
toll machen, in rasche bewegung setzen, verschwinden machen, entwenden: die erste wahr, die ich einkramte, war ein rantzen, den ich einem seckler toll machte. Simpl. 3, 323, 18 Kurz; demnach einer aus uns erdappt ward, als er einer vornehmen frau auf dem alten markt ihren schweren beutel doll machen wolte. 1, 432, 4.
b)
von wunderlichen, auffallenden oder verdorbenen dingen: der cattun ist mir zu toll, zu bunt Schmidt westerw. idiot. 256. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 405; man ... frisiret ihm die tollsten perücken auf den kopf. Göthe 57, 231; vom holze: anfaulend, morsch Schambach 50ᵇ; von der butter, wenn sie hart und ungeschmeidig wird. Heyse 2, 1243.
c)
von gliedern, ohne gefühl und empfindung (vgl. dumm 2, taub 2): werden ihm die füsz und schenkel dumm, dol und unempfindlich (vgl. tollfusz). Ryff thierbuch 50. 244.
3)
toll drückt aber auch gute eigenschaften aus, indem der begriff des ausgelassenen und lärmenden übergeht in den von lustig und fröhlich, der des wunderlichen und auffallenden in den von bewundernswert, zum verwundern gut, grosz und schön gewachsen, stattlich, tüchtig, gewandt, wacker, brav u. dergl., s. Schm.² 1, 602. Höfer 3, 231. Schöpf 746. Lexer kärntn. wb. 63 f. Schmid 131. Stalder 1, 289. Tobler 145. Schmidt westerw. idiot. 256. Schütze 1, 267.
a)
von personen: mhd.
ûf sînem helme zimet wol
ein kranz von reines wîbes hant,
dâ von er mac wol werden tol.
Winsbeke s. 57;
ich hân dich gemachet dol,
daʒ du ein biderp man bist worden.
lieders. 2, 21, 86;
nhd. ich glaub wol, dasz es sehr verdriesz,
die landsknecht und manch dollen reuter,
weil sie die münch vertringen leider.
Fischart nachtrab 855.
mundartlich ein toller bue, ein tolles mensch, tolle leut u. s. w. (s. die angeführten wörterbücher): einen hübschern und töllern sehe. man nicht bald. Gotthelf erz. 2, 191.
b)
von thieren: eine tolle (schöne, wohlgewachsene) kuh, ein tolles kalb u. s. w. Stalder, Lexer und Schöpf a. a. o.
c)
von sachen: ich war so kühn, meinen hut mit einem dollen (schönen) federbusch zu zieren wie ein officier. Simpl. 1, 229, 31 Kurz; doch brachte ich ... so viel zu wegen, dasz er mir ein doll kleid machen liesze auf die neue mode. 3, 22, 19; e tolls bettli Tobler 145;
isch Basel nit e schöni tolli stadt?
Hebel (1843) 1, 154;
wixe, waxe meinen faden,
mach ein tollen (guten, festen) knopf daran.
Lexer kärntn. wb. 290ᵃ;
ein tolles haus, eine tolle (hübsche) predigt. Schmid 131. Schm.² 1, 602. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 405; ein tolls (groszes) glas. Schöpf 746.
4)
endlich hat toll auch active bedeutung, toll machend:
aszen wir
von jener tollen wurzel, die die sinne
bethört?
Schiller 13, 16 (Macb. 1, 5).
s.tollapfel-, -beere, -kirsche, -kraut, -trank u. a.
II.
Adverb.
1)
auf tolle weise:
sprich auch nit also tholl und thumb.
H. Sachs 19, 65, 34;
es gieng toll und bund über die eck her. Simpl. 3, 328, 4 Kurz; den andern tag gieng es noch töller her. 272, 22; es müszte toll hergehen, wenn .. H. L. Wagner die kindermörderin 9, 18 neudr.; aber wie ich sehe, so geht die post noch doller bei euch, weillen ihr in einem tag 4 von meinen brieffen entpfangen habt. Elis. Charl. (1871) 686; um wohl französch zu schreiben, musz man die sprache gar wohl können, sonsten kompts doll heraus. 325; dull denken, sich wunderliche gedanken machen Richey 45.
2)
auf lustige weise: auf der hochzeit gings toll her. Schmidt westerw. idiot. 256; auf schöne, wackere, tüchtige weise (s. I, 3): zuletzt ward ich auch heimlich geneidet, .. dasz ich mich so doll hielt. Simpl. 1, 249, 8 Kurz; der pfarrer hat toll (schön) gepredigt. Lexer kärntn. wb. 63;
(du) predigst für dich doll (kräftig, stark) hinweg.
Fischart nachtrab 2921;
sehr, stark, viel: toll essen, trinken, schlafen u. s. w. Schöpf 746.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 631, Z. 69.

dölle, f.

dölle f.
tollheit, unverstand. dölle, stumpfe hebetudo metaph. Dasypod. 92ᶜ. 319ᵃ. tölle unverstendigkeit stupiditas, inertia Maaler 403ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1228, Z. 61.

tolle, f.

tolle, f.,
s. dolde th. 2, 1224 und dole th. 2, 1226. nachzutragen ist zu dolde 3, dole 7: tolle, f., demin. tollchen, kleine quaste von wolle, seide u. s. w. die tollen an einer pfeifenschnur. die quastenförmigen warzen am halse des schweines. Frischbier 2, 405ᵃ. dolle, eichelartiges gehängsel. gewöhnlicher und edler ist in dieser bedeutung tolle. tollchen, kleines eichelartiges gehängsel. Gutzeit wörterschatz der deutschen sprache Livlands 1, 191. — zu dole 9, das mit unrecht hier eingereiht ist (s. über die etymologie Kluge-Lutz english etymology 210ᵇ s. v. thole): tollen, m. [pl.] die zapfen vorn am nachen, um welche die seile befestigt werden. Kehrein 405. Pfister nachtr. zu Vilmars idiot. 296. dolle, f. pflock in dem borde eines ruderbootes als stütze und halt des ruders. Frischbier 1, 142ᵃ. dolle, ruderzapfen Gutzeit 1, 191ᵃ. Stürenburg ostfries. wb. 35ᵇ. dullen, pl. Richey 46. Schütze 1, 269. in Hessen ist dolle, f., dollnagel ein starker hölzerner nagel, welcher halb in dem durchzug und halb in dem balken befestigt wird. Vilmar 75. doll, dollen, m. pflock oder nagel aus holz. Crecelius 1, 279. — neu anzuführen ist:
1)
tolle, krause an der halsöffnung des frauenkleides. Frischbier 2, 405ᵃ. vgl. dollen th. 2, 1228 und tollen, feine wäsche fälteln.
2)
tolle, dolle, haarfrisur (aus dem begriff 'büschel, quaste' übertragen). tolle, haartracht. richt. Berliner⁴ 100ᵇ. barbiertolle, aufwärts gebürstetes haar. 11ᵇ. dolle, f. eine grosze, wulstige, gebauschte locke, haartour. Albrecht Leipz. mundart 102ᵇ. grosze locke, hochgekämmte haarfrisur. Hertel Thür. sprachsch. 83: der agent stand vor ihm mit aufgesträubter tolle. Mügge verloren und gefunden (1859) 2, 1; das kerlchen hatte immer eine blanke wohlgekämmte haartolle. Storm ges. schriften 12, 194; verwechselung mit tülle 'röhre' liegt wol vor: dreht sich die tülle über der stirn noch um ein paar zoll höher. E. Willkomm Banco (1857) 2, 40. — tolle auch von dem federbusch gewisser vögel, vgl. federtolle th. 3, 1409: der wiedehopf, wenn er seine tolle aufsträubt. Spielhagen Clara Vera (1857) 21.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 637, Z. 29.

tolle, m.

tolle, m.
schlag, streich (vgl. ahd. tollôn, klopfen, streicheln? Graff 5, 401): ein schuͦler so der geboset het, so gyt man im ein tolle in die hand, gyt im ein streich, ein kind so das etwas unrechtes gethan het, so würd der vatter zornig und gyt im ein streich, ein tolle mit einem deller oder holtz, so erwüscht die muͦtter den rock und deckt in über des kindes hend, uff das es den tolle dester basz mög erlyden. Keisersberg bilger 105ᵇ, vgl. 105. 106ᵃ. 108ᵇ. 108ᵈ. — Schmid schwäb. wb. 132 verzeichnet einen plural dolles, schläge, besonders schulstrafen, und die redensart ein tolle bekommen; Kehrein 405 tollê, n. verweis, er bekommt sein tollê. der letztgenannte sieht darin das lat. tolle, hebs auf! also ein schulausdruck?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 637, Z. 62.

tölle, tolle, f.

tölle, tolle, f.,
s. dölle th. 2, 1228: tölle, unverstand, stupiditas Calepin (1570) 1471; dein pracht und grosze tölle ist auch zur hell gefahren. Züricher bibel (v. j. 1530) 326ᵃ, detracta est ad inferos superbia tua. Jes. 14, 11; wuth oder tolle (der hunde). Döbel neu eröffnete jäger-practica (1754) 2, 110. das wort wird von Heynatz im Antibarbarus 2 (1797), 474 getadelt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 637, Z. 74.

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Zitationshilfe
„toll“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/toll>.

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