Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tollwurm, m.

tollwurm, m.
1)
was hundswurm (th. 4, 2, 1942), taubwurm (th. 11, 187), eine wurmförmige sehne unter der zunge der hunde, die man für die ursache der tollwut hielt und deshalb ausschnitt: vor der wuth oder tolle, ist das sicherste mittel die hunde zu präcaviren, wenn man ihnen den wurm nimmt. selbigen haben sie unter der zunge, ist fast wie ein spuhlwürmgen anzusehen, doch wie ein strohhalm starck, an einem ende nach der zunge forne hinauswärts hat er ein langes dünnes fäszgen, wie eine flechse ist. Döbel neueröffnete jägerpractica 2² (1754), 110ᵇ, vgl. Krünitz 185, 629. Höfler deutsches krankheitsnamenb. 833ᵇ; tollwurm, lytta (1669) Dief.-Wülcker 384; dollwurm Crecelius oberhess. wb. 1, 280; nd. dullworm brem. wb. 1, 269. Schütze 1, 268. Dähnert 95. Danneil 42; die jäger unterhalten den glauben an den tollwurm, um ihn den hunden der bauern für geld zu schneiden. Möser verm. schriften 1, 333; können sie französisch, können sie rechnen, können sie tanzen, können sie den hunden den tollwurm schneiden? diesz sind künste, die ihren mann ernähren. Nicolai Sebaldus 2, 47; und sollen gegen das unterlassene todtschlagen des (tollwutverdächtigen) hundes gar keine entschuldigungen, auch nicht, dasz ... ihm der sogenannte tollwurm genommen worden, ... gelten. annalen der preusz. innern staatsverwaltung 2 (1818), 444. darnach übertragen auf das pferd (Höfler 834ᵃ):
lasz sehn, ob wir den tollwurm nicht
durch magre kost und arbeit zwingen.
Schiller 11, 20.
auf den menschen: den dullworm hebb'n, leicht in heftigen zorn geraten. Danneil 42; ich (habe) ihm den wohlgemeinten ... rath geben lassen, nie wieder verse zu machen. dadurch habe ich ihm wohl schwerlich den tollwurm genommen. Stolberg bei Bürger 489ᵃ; nur hat er (der gastfreie ritter) einen tollwurm im kopf, der ihn bisweilen zwickt und plagt, dasz er keinen wandersmann ungerauft von sich läszt. Musäus volksm. (ausg. 1805) 4, 72; könnte man ihnen (den gegnern der Götheschen farbenlehre) aber allen den tollwurm aufregen, das wäre mein grösztes vergnügen. Zelter an Göthe 161 (1, 438).
2)
furia infernalis, name eines wurmes, der die brandwut oder milzbrandwut verursachen soll; auch brandwurm, mordwurm, zirkelwurm, höllendrache. Nemnich 2, 1683. Höfler 834ᵃ. s. furie 3 (th. 4, 1, 751).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 647, Z. 56.

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Zitationshilfe
„tollwurm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tollwurm>.

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