Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tollwuth, f.

tollwuth, f.,
junge, erst bei Campe (1810) gebuchte zusammensetzung; früher getrennt tolle wut (vgl. tolle sucht oben sp. 647 unter tollsucht):
was ist ein weib, das sich der tollen wuth ergiebt?
Boxelana und Caesonia (1727) titelbl.;
tolle wuth, ist eine krankheit derer hunde. Heppe wohlred. jäger (1763) 296. bei Döbel tolle oder wuth: unter den kranckheiten (der hunde) ist wohl eine der schlimmsten die tolle oder wuth. neu eröffnete jägerpractica (1754) 2, 110; tolle oder wuth der hunde. 4, register. dafür bei Göthe dumme wuth: wolln sie beissen, ist es in einem anfall von dummer wuth, den kopf gesenckt, den schwanz zwischen den beinen. 39, 122 Weim. (Gottfried v. Berlichingen 4).
1)
höchster grad der wut, raserei: der mensch übertrifft an tollwut die hiäne. Voss bei Campe; mit der tollwuth eines verzweifelnden zerrisz er die karten mit den zähnen, raufte sich die haare aus. Bretzner leben eines lüderlichen (1790) 3, 229; sie (die neue zeitschrift) erschrickt nicht vor der tollwuth der herrschenden aufklärungsbarbarei. Hoffmann Wiener zeitschr. (1792) 1, 5 (mitgetheilt in den schriften der Göthegesellschaft 8, 124 f.);
nein, das nenn' ich zu arg! kaum weicht mit der tollwut die eine (Penthesitea)
weg vom gerüst, so erscheint der gar mit beulen der pest.
H. v. Kleist 1, 63 Muncker (epigramme 1, 14: Robert Guiscard 1808);
doch die noch nie vernommnen schrecken
nur wild're tollwuth noch im volke wecken.
Meiszner Ziska 26;
seine jähzornrasereien steigerten sich ... zu völliger tollwuth. J. Scherr Blücher 2, 343.
2)
bezeichnung einer krankheit: die tollkrankheit, hundswuth, auch tollheit, wuthkrankheit, tollwuth, wuth-, beiszsucht, wasserscheu genannt, ist diejenige eigenthümliche, in der regel tödtliche krankheit, welche sich bei thieren meist durch eine grosze neigung zu beiszen, bei menschen aber besonders durch einen unbezwinglichen abscheu vor flüssigkeiten (wasserscheu) charakterisirt. gesetzsammlung für die preusz. staaten 1835, anhang s. 49; hundswuth (tollwuth, hundetollheit, wuth-, beiszsucht, wuthkrankheit). Ersch und Gruber encycl. 2. sect. 12 (1835), 79; hundswuth, tollwuth, wuthkrankheit, lyssa, hydrophobia, rabies ist eine besonders dem hundegeschlechte eigenthümliche, aber auch auf andere thiere und den menschen übertragbare specifische ansteckende krankheit. Eulenburg realencycl. der ges. heilkunde³ 11, 5; man unterscheidet bei den hunden die rasende wuth (tollwuth) und die stille wuth. Strümpell lehrb. der spec. pathologie¹² 1, 177; in mehreren provinzen von Ruszland (ist) der wasserwegerich (alisma plantago, L.) .. mit erfolge gegen die tollwuth angewendet worden. annalen der preusz. innern staatsverw. 2 (1818), 437.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 648, Z. 24.

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Zitationshilfe
„tollwuth“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tollwuth>.

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