Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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dolm, tolm, m.

dolm tolm, m.
betäubung, sopor, bei H. Sachs. ahd. mhd. twalm Graff 8, 552. altsächs. dualm. bair. delm und das adj. delmig delmisch Schmeller 1, 369. twalben oblivio vel oppressio cerebri Voc. incip. teut. y 4. twalbung oder twalben suchtig letargius das. dat dwalendt delirium Chyträus Nomencl. es stammt von duëlan torpere, sopiri, wohin auch toll gehört und das niederd. dwalen irre gehen, thöricht handeln Brem. wörterb. 1, 280. dasselbe wort scheint unser qualm vapor und verhält sich zu twalm wie quer zu dem mhd. dwerch twerch, wiewol das ahd. qualm nex, pernicies (Graff 4, 654), ags. cvealm cvelm von quëlan abgeleitet wird; im mhd. ist es selten, in folgender stelle kann es auch die bedeutung von twalm haben,
wart sîn menscheit freuden lazzer
von des tôdes kwalme
MS. 1, 134ᵇ.
zu vergleichen ist das ahd. mhd. walm fervor, ags. välm, das Graff (1, 799) unter wallan bullire, fervere stellt. twalm gebraucht von den höfischen dichtern nur Hartmann und nur einmal im Erek, die übrigen, auszer Stricker, lassen es nicht mehr zu, bis es in der zweiten hälfte des 13ten jahrh. von Ulrich vom Türlein, Konrad v. Würzburg, dem verf. des jüngern Titurels und andern wieder aufgenommen wird. wir müssen die bedeutung des worts aus dem mhd. entwickeln.
1.
betäubung die sinne und kräfte raubt. betäubender dunst.
mache dînen trâgen knecht munder
ûz dem lastere tôtlicher twalme
Litanei 752.
ern was tôt noch enlebete,
in einem twalm er swebete
Klage 2096.
er lag in einem twalme
und erschrihte von ir galme
als der dâ wirt erwecket
von swærem troume erschrecket
Erek 6593—96.
mir hât vil dicke süezen twalm
dîn minne her gefüeget
Ulrich vom Türlein Wilhelm bl. 199ᶜ.
in drin persônen ein starker got,
vertrîp den leiden Bêhemot
von mînes herzen twalme
Mariengrüsze 4.
der vogel in den lüften nôt
leit von des heres galm,
unz in nider lie der twalm,
daz man in mit der hende vie
Helbling 15, 770.
in unkreftigem twalme
sach man noch die süezen
Jüng. Titurel 2512.
ez flôz in twalmes henge das bild schwebte in betäubendem dunst
Frauenlob s. 26 Ettm.
swâ sie vant brœde sinne
dar warf sie nâch gewinne
der brœdekeit gelîchen twalm.
swâ denne der twalm erkante
sîn art, gelîch dar sante
diu forme ir stricken sunder galm
s. 26.
wer kan nâch ungemaches bade
ûz senftikeit mit blanken armen süezen twalm erlusten?
s. 28.
swer Minnen schilt wil füeren,
dâ von sîn art den twalm enpfâ
s. 183.
dem argen ist sie (diu milde) wilde,
si welzet vor im alse ein twalm
s. 186.
swâ diu driu fröuwent sich, dâ kumt der Minnen schâch
mit twalmes vart
s. 179.
er (der gefangene) ist verzwivelt und verwegen,
verborgen in eim dolm gelegen
H. Sachs 3. 1, 231ᵇ.
2.
schlaf, traum. im dän. heiszt dulme abnehmen, schwinden, sanft schlummern.
des troumes ich intspranch. dô ne stuont iz porlang
ê mir was sam ich sâhe dâ ûzze an der sâte
in dem twalme wahsen an einem halme
siben eher sconiu unde volliu
Genesis 60, 10.
sam sie lægen in einem twalme
Kaiserchr. bl. 96ᶜ.
daz hôrte ich von dem stæten
engel in dem twalme
Engelhart 6013.
man hôrte in klaffen bî dem tage
in eime lûten galme,
als der ûz eime twalme
unsinneclîche schallet
Konrad v. Würzb. Troj. krieg bl. 172 Straszb. hs.
dô lag ich in slâfes twalm
Liedersaal 1. 375, 5.
die (zehn jahre) habt ir al geschlafen gar,
sam der dâ leit in einem twalm
Suchenwirt 30, 83.
3.
das mittel welches schlaf auch wol tod bewirkt, auch das getränk dem es beigemischt ist. twalmes anderhalbiu dragme Fundgr. 1. 323, 25.
ze trinken hiez er dar tragen
mete und ouch den wîn:
twalm hiez er tuon dar în.
dô sie dô getrunken,
swie balde se nider sunken
Laurin 30 Nyerup.
mich hât gemachet im sô zam
der degen ûz Spanjelant.
het ir hie twalm an der hant,
den trunke ich, unde gebüte er daz
Dietleib 12651.
er schancte im einer hande tranc,
dâ was der twalm zuo getân.
er ward es niemer erlân,
der sîn enbeiz, der muoste slâfen.
der tranc was sîn wâfen,
der twalm der was der tôt
Stricker Daniel bl. 77ᵃ Dresd. hs
dem einen gap man trinkens vil,
des ich iu niht sagen wil:
twalm man im vil in gôz,
daz ez im in den lîp flôz
Enenkel in Haupts zeitschr. 5. 271, 121.
der heiden der bracht trinken,
het twalben thun derein.
die tochter tet im winken,
sie sprach 'nit, vater mein.'
der wolts dem gast han geben,
wär seim leben ein stoz,
sie nams dem vater eben
und an ein want sies goz.
Kaspar v. d. Röhn Wolfdietrich 268.
bildlich.
des leides twalm von angest trinken.
Ulrich vom Türlein Wilhelm bl. 175ᵇ.
trinken des todes twalm
bl. 270ᵇ.
s. dolltrank. dolmtrank. dolmwasser.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1229, Z. 55.

tolm, m.

tolm, m.,
s. dolm th. 2, 1229, qualm th. 7. 2309 und weiter unten twalm. Schm.² 1, 505,: dwalm, dolm Dief.-Wülcker 384. häufig in drucken von H. Sachs, obwohl der dichter selbst nur twalm schrieb (s. anm. zu 13, 244, 14).
1)
betäubung, schlaf (s. dolm 1 und 2):
der ist verzweivelt und verwegen,
verborgen in eim dolm gelegen
H. Sachs 11, 341, 2;
wenn er denn vom tholm aufferwacht.
14, 241, 27.
2)
betäubendes mittel, getränk (s. dolm 3), vgl. tolmtrank, tolmwasser:
kurtz als er diesen tolm auszdranck,
so in ein dieffen schlaff hinsanck,
das ich in nit erwecken kundt
13, 259, 32;
da will ich im den geben ein
ein tolm in einem süssen wein
14, 238, 14.
ein andres tholm, dolm s. unter tole sp. 631.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 649, Z. 44.

tolm, dolm, m.

tolm, dolm, m.
ein fischname, cottus gobio. s. tolp.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 649, Z. 60.

tolm, dolm, m.

tolm, dolm, m.
ungeschickter, dummer mensch. s. tölp.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 649, Z. 61.

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Zitationshilfe
„tolm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tolm>.

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