Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tollen, verb.

tollen, verb.
1)
feine wäsche fälteln, s. dollen th. 2, 1228: dollen, tullen Weinhold 15ᵃ; dollen, kräuseln, fälteln Hertel Thür. sprachsch. 83. Albrecht Leipz. mundart 102ᵇ; tullen, tüllen Frischbier 2, 415ᵃ; statt des kranzes trug sie nach damaliger sitte eine kleine fontange von spitzen, welche auf ein goldenes läppchen getollet waren. Klenke lebenslauf der Karschin 41.
2)
die haare tollen, zur tolle (haarfrisur) formen Hertel Thür. sprachsch. 83. Albrecht Leipz. mundart 102ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 638, Z. 19.

tollen, verb.

tollen, verb.
1)
intransitiv, auf tolle, unbändige, lärmende weise sich benehmen und geberden, ausgelassen sein, toben: tollet ... und tobet datzu, bisz das yhrs gnug habt. Luther streitschriften 2 (1521), 112 neudr.; man darf dem pöfel nicht viel pfeiffen, er tollet sonst gerne. werke 3, 319ᵃ; er tollet noch immer fort, nec ruere demens, nec furere desinit. Stieler 2282;
wir brüder wöllen tollen,
wir wöllen saufen zu halben und zu vollen.
Uhland volksl. 2, 576;
er hatte sich also wieder auf seinen behemoth gesetzt und las, derweile seine gesellen allesamt im gehurste so herum tobten und tollten und hausten, dasz die ganze umliegende gegend hätte mögen furcht und entsetzen ankommen. Mylius märlein (1777) 332; ist das kein mitleiden, wenn ich dich zu zerstreuen suche? wenn ich mehr tolle, als mir selbst um das herz ist, um dich von grillen abzuhalten? Lessing 2, 564; wer wohl ... an dem ewigen schmausen und tanzen und tollen in dem hause schuld gewesen ist? Engel 12, 249 L. Stark;
du hast getollt zu deiner zeit mit wilden
dämonisch genialen jungen schaaren.
Göthe 56, 115;
wir tollten fort in jugendlicher hitze.
41, 138 (Faust 7562 Weim.);
und ist ein groszer zweck erreicht,
so sollt ihr nicht von land zu lande tollen.
4, 62;
die kinder tollten über mir. briefe 301 (2, 242) Weim.; das weint und lacht, klagt und tollt durcheinander. Hauff werke (1869) 3, 99; sie lachte und tollte. 269; so tollte der knabe umher. Auerbach dorfgesch. 1, 165;
seht nur den Kurt an, wie er tollt,
er dreht die dirne unter küssen.
Lenau 3, 186 (Cotta'sche blibliothek der weltlitteratur);
wohl oftmals schon mir widerfuhr,
wenn ich zu sehr getollt,
dasz philisterthum und philisternatur
mich fangen und hängen gewollt.
Strachwitz ged. 31;
nicht aber, als ob er viel lärm gemacht, getobt und getollt, allein oder mit seiner kameradschaft; nein ich habe selten einen so ordentlichen und ruhigen, gesetzten menschen gesehen. Höfer aus der weiten welt 1, 10; ein affe, der mit einer meerkatze zusammen an einer kette durchs leben tollte. Scheffel Ekkeh. 42; sind sie müde vom tollen, so setzen sie sich zusammen. Rosegger sonnenschein (1902) 415. — dolle, tollen, irre reden Autenrieth pfälz. idiot. 34; tollen und teebsen (jubeln) Albrecht Leipz. mundart 223ᵇ; dollen, tollen Frischbier preusz. wb. 1, 142ᵇ; dullen Schiller-Lübben 1, 593ᵇ. Dähnert 95ᵃ. Schambach 50ᵃ. Mi 18ᵃ. ten Doornkaat Koolman 1, 357ᵃ. — tollend, adj. dumm, stumpfsinnig, blöde: wurde ein alter fleischhauer gantz kindisch und tollend. Chr. Lehmann historischer schauplatz derer natürlichen merkwürdigkeiten in dem meisznischen Ober-erzgebirge (1699) 906 (vgl. Göpfert 'aus dem wortschatz eines erzgebirgischen chronisten' in der zeitschr. f. hochd. mundarten 1, 64).
2)
transitiv, toll machen: nd. torn dullet den mann, zorn macht den mann toll. richtsteig landrechts cap. 4; zusammen tollen, auf tolle weise zusammen bringen. Klinger 12, 300; betäuben (s. die grundbedeutung von toll sp. 631): hechte tollen, s. unter tollkeulen; nl. een os dollen, einen ochsen schlachten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 638, Z. 27.

tolter, m.

tolter, m.,
tölpel (s. auch tolterjan), zu toltern, taumeln, torkeln. Hertel thür. 245.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 676, Z. 45.

tolter, f.

tolter, f.,
schlag. tolter ohrfeige, schlag .., stosz Hertel thür. 245; schub, stosz, nordthür. talter Jecht mansfeld. 112ᵇ; die vielgebrauchte tolter (= ohrfeige) Söhns parias unserer sprache 70 anm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 676, Z. 47.

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Zitationshilfe
„tolter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tolter>.

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