Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tomate, f.

tomate, f.,
die eszbare frucht von solanum lycopersicum L., auch die pflanze selbst. ursprünglich in Mexico, Peru heimisch, wurde sie im 16. jhrh. nach Europa gebracht und verbreitete sich hier im süden sehr schnell. auch in Deutschland sofort unter den namen goldapfel, liebesapfel (s. d.) bekannt, aber nur alz zierpflanze; als küchenpflanze erst seit dem 19. jhrh., liebesapfel, paradiesapfel, oder tomate genannt. in Oesterreich herrscht noch heute der name paradeiser, in Baiern paradiesapfel. tomate, aus franz.-span. tomate, f., von gleichbedeutendem mexikan. tomatl entlehnt; von der frz. academie 1835 erst zugelassen (vorher pomme d'amour, vgl. Hatzfeld-Darmesteter dict. gén. 2, 2157), dringt in Deutschland erst spät ein: in Regel gartenflora noch bis 1864 immer liebesapfel, noch 1882 in Rümpler gartenbaulexicon 501ᵃ unter liebesapfel in der form tomato. vgl. noch C. Klöppen franz. reallex. 3, 584ᵃ, Pritzel-Jessen 381.
1)
in älterer zeit nur zierpflanze und liebesapfel genannt: Amoris poma, sindt auch ein frembder gast in Deutschlandt, werden in gärten vnnd scherben gezielet lustshalben ... im Welschlandt zielet man dieser öpffel vil, wachsen auch vil eher dann im Deutschlande. man isset sie auch daselbst ... vnd ist nicht ein vnliebliche speisz, wie wol sie dem leibe böse nahrung geben ..., dann so man ir offt isset, bringen sie böse cholerische feuchtigkeit, blähung, hauptwee, schweermutigkeit, vnd verstopffung Matthiolus new kreüterbuch (1563) 467ᵃ. in der auflage von 1590 sagt Camerarius bereits: goldöpffel, poma aurea, .. auch amoris poma, sind in allen gärten gemein worden, darumb es nit vil beschreibens bedarff ... in Welschland pflegen diese frücht etliche zu essen mit pfeffer, œl vnd essig gekocht, aber es ist ein vngesunde speisz, vnd die gantz wenig nahrung geben kan; ist ein sehr übel gewächs von geruch, und wird nur wegen der ansehnlichen rothen und gelben früchte, die doch ebenfalls zu nichts können gebrauchet werden, gepflantzet Hessen teutscher gärtner (1710) 1, 126; zieret mit seiner anmuthigen frucht, sowohl die gärten zur sommerzeit, als auch die zimmer, wohin man sie des winters stellet, nicht wenig ... (es) wird das kraut sowohl wie die frucht vor ungesund gehalten, wie wohl sie in Indien und Italien in scheiben geschnitten und mit pfeffer, saltz, oel und eszig, wie etwan ein gurkensalat, zur kühlung genossen werden (folgen zwei weitere recepte) Zedler univ.-lex. 17 (1738), 1451 f.; bey uns nur als zierpflanze in gärten ... in heiszen ländern werden die früchte mit pfeffer, öl und salz gegessen, in Europa aber durchgeschlagen und als schmackhafte suppen und brühen benutzt, tomate, pomme d'amours Oken allg. naturgesch. 3, 2, 989 (1841!).
2)
als küchenpflanze. im norden lange als giftig verschrieen (vgl. die belege oben), findet sie seit der revolution eingang in die französische küche (vgl. Larousse grand dict. univ. 15, 277ᵇ), und hier wie im deutschen drängt der name tomate den älteren pomme d'amour, liebesapfel allmählich zurück: liebesäpfel, welche man in Westindien der würze halben den saucen hinzuthut und dort tomaten nennt. aus den tropenländern gieng diese frucht zur consumption in küchen nach Frankreich über, und wird dort, wie in Italien, als ein kühlender salat verzehrt Hübner zeitungslexicon ³¹ 2, 537ᵃ. in den fünfziger jahren wird die tomate wiederholt als 'neues gemüse' bezeichnet (vgl. E. Regel gartenflora 2, 248; 6, 54; verh. d. ver. z. befördrg. d. gartenbaues in d. kgl. pr. staaten 5, 294) und seit dem beginn des vorletzten jahrzehnts, wo sie nun auch in kochbüchern erscheint, ist dann tomate der feststehende ausdruck.dazu: tomatenreis, m.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1913), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 677, Z. 9.

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Zitationshilfe
„tomate“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tomate>.

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