Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tön, m.

tön, m.
s.Tone, m.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 752, Z. 20.

ton1, m.

¹ton, m.
sonus. herkunft, allgemeine entwicklung, formen. zwei wurzeln lassen sich bloszlegen, aus welchen im mittelalter die gebrauchsweisen des deutschen worts erwachsen sind, und beide können nicht in gleicher weise unmittelbar auf lat. tonus zurückgeführt werden. mhd. und mnd. dôn, dône (mhd. wb. 1, 381ᵇ, Lexer 1, 446, Schiller-Lübben 1, 539ᵇ und 6, 102ᵇ) begegnet einerseits als 'schall' im allgemeinen und vorzugsweise gerade als unmusikalisches 'geräusch', dessen dynamische kraftentfaltung gern hervorgehoben wird, andrerseits als die musikalische, kunstmäszige 'melodie', als 'musikstück' und 'lied' überhaupt. in der erstgenannten bedeutung wird man das wort zum guten theil als die fortsetzung eines altgerm. aufzufassen haben: neben an. duna 'dønne, brage' (Fritzner 1, 274) und dynja 'dønne, skjœlve' (1, 277), ags. dynian 'to make a noise, fragorem edere, sonare, perstrepere, clangere' (Bosworth-Toller 221) stehen an. duna 'dønnen, bragen', dynr 'støj, larmende bevœgelse', ags. dyne engl. din 'noise, sonus, fragor strepitus'. vgl. die idg. wz. dhwen bei Fick 3⁴, 208. das mnl. kennt dȫnen, dōnen und dȫne, das nnl. deunen und deun in entsprechenden bedeutungen (Verwijs-Verdam 2, 283 und Franck etym. wb. 177). das verbum begegnet auch auf niederd., mitteld. und oberd. boden: as. dunian 'dröhnen' im Heliand, mitteld. dünen, dunen 'dröhnen, donnern' (mhd. wb. 1, 383ᵇ, Lexer 1, 476ᵇ), oberd. tunen (Lexer 2, 1570); vgl. auch erdünen 'tönen machen' und erdinen 'ertönen' (Lexer 1, 623 und 622). es ist von vornherein wahrscheinlich, dasz vor allem im niederd. und mitteld., wie in den verwandten dialecten ein entsprechendes substantiv vorhanden war; und dasz dieses durch das spätere dôn fortgesetzt wird, ist schon aus dem durchaus analogen bedeutungsgebrauch zu erschlieszen: im Heliand bezieht sich dunian auf das 'beben, dröhnen' der erde, das eine übernatürliche erscheinung begleitet:
thuo thar suôgan quam
engil thes alouualdon oƀona fan radure,
faran an feđerhamon, that all thiu folda ansciann,
thiu erđa dunida
5799 Behaghel;
vgl. auch im Annolied:
derde diruntini diuniti
diu helli ingegine gliumiti
453 Roediger;
in entsprechender verwendung begegnet später don beim bruder Philipp und in der ersten deutschen bibel; vgl. die belege im folg. 1, b, α. das oberd. tunen in dem heldengedicht Dietrich und Wenezlan wird vom waffenlärm gebraucht:
howen si begunden.
bêdiu brunne unde schilt
daʒ alleʒ wart enzwei gezilt.
si sluogen daʒ eʒ tunte,
ob in der luft sich enzunte
und ouch daʒ diu erde hal
deutsches heldenb. 5, 271;
und ebenso ist dôn schon bei Wolfram das 'waffengetöse' und dann auch später; vgl. die belege im folg. 1, b, β. auch noch die buchungen des 16. und 17. jhs. verzeichnen solche synonymen, die der bedeutung des altgerm. wortes durchaus nahe stehn: 'strepitus, crepitus, fragor', krachung, brastlung usw.; vgl. die belege im folg. 1, a, α. die annahme, dasz hier übertragungen aus der musikalischen bedeutung vorliegen, die sich rasch durchgesetzt hätten, liesze sich kaum rechtfertigen, und die unmittelbare herleitung dieses gebrauchs aus dem lat. würde vollends auf schwierigkeiten stoszen, da tonus in der allgemeinen bedeutung von 'schall' und 'geräusch' in den alten romanischen volkssprachen überhaupt nicht begegnet; weder Diez noch Ducange verzeichnen das wort in solchem sinn. schon Adelung 4, 675 hat zu ton engl. din verglichen, und auch von andern ist dieser zusammenhang angedeutet worden; vgl. ten Doornkaat-Koolman 1, 313 und Kuhns zs. 2, 238. eine gewisse berechtigung wird man der alten etymologie zugestehn müssen, zumal da sie sich auch unter bestimmten voraussetzungen lautlich wohl rechtfertigen läszt: es ist anzunehmen dasz das wort als allgemeine bezeichnung von geräusch- und schallwirkungen vom mitteld. und niederd. ausgegangen ist, wo die unverschobene dentale lenis geltung hatte, wo dann auch die brechung eines u zu o dialektisch verständlich ist (Weinhold mhd. gr. §§ 63 u. 64, Lübben mnd. gr. § 13), wo also der altgerm. i-stamm als dun pl. düne (dune) und don pl. döne (done) auftrat. dasz aber o als stammvocal fest wurde, deutet darauf hin, dasz andre beeinflussungen stattgefunden haben, die doch unschwer zu begreifen sind: da seit dem ausgang der ahd. periode auch im mitteld., im niederfränk. und theilweise im niederd. die alte spirans th und die alte lenis d zusammenfielen, konnten bildungen wie mhd. mnd. doner, donren eingewirkt haben. begrifflich muszte das ungemein nahe liegen; so stellt der bruder Philipp dôn und donerslac unmittelbar zusammen und eine alte volksetymologische auffassung mag sich unbewuszt oder bewuszt schon in früher zeit durchgesetzt haben, die dann noch im 17. und 18. jh. lebendig war: don, vetustissimum vocabulum gothicum ... scribendum est per d non per t, quia dicitur non a latino tonus, sed tonus a don, cujus derivatio a graeco τονόω, intendo, nimis remota et dura esse videtur. quis enim rusticos, quibus don, doͤn, donnern, et similia notissima sunt, docuit, hanc vocem ab extensione graeca dici? Stieler 324; dohn ... dunur, sonitus, fragor, ein grosz geprassel ... daher ist donner, tonitru, doͤnen, personare. Danubius und Tanais sind in uhralten zeiten beyde genannt worden Don und Doͤn, welches auch noch bey den einwohnern der ohrte gebräuchlich, von dem scytho-gothischen worte dona, sonare, tonare, strepere tumultuari: daher auch der Dyna-flusz in Liefland, den nahmen hat Stade erl. u. erkl. der vornehmsten wörter, deren sich doct. M. Luther gebrauchet 160. dann ist in diesem sinn doch auch eine einwirkung der lat. wörter tonus und tonare wohl denkbar, die ja schon im alterthum in der bedeutung 'donner' und 'donnern' erscheinen und auch in den roman. volkssprachen theilweise entsprechend vertreten sind (vgl. Diez etym. wb.⁵ 330); glossare des 15. jhs. übersetzen tonare bald mit luten, hellen, inschellen, donen, bald mit donern (vgl. Diefenbach gl. 587). durch die annahme dasz das deutsche wort in dieser bedeutung vom norden ausgegangen ist, erklärt sich auch theilweise das festhalten an dem unverschobenen dental im anlaut; dasz aber diese annahme berechtigt ist bestätigt die herkunft der älteren belege: der Hesse Herbort v. Fritslar spricht vom grôʒen dôn der stimme (vgl. im folg. 3, d, α) und hier ist sicher von der bedeutung 'schall' auszugehn, dessen kraftwirkung hervorgehoben wird; später verwendet der westmitteldeutsche bruder Philipp das wort in diesem sinn, und dasz auch das collective gedôn(e) im mnl., mnd. und mitteldeutschen vorzugsweise den unmusikalischen schallerscheinungen galt, ist schon th. 4, 1, 2 sp. 4390 hervorgehoben worden. freilich hat sich dann dieser gebrauch rasch verbreitet und fortentwickelt. in seiner musikalischen bedeutung steht dôn als 'melodie' zunächst vielfach in synonymer verwendung mit mhd., mnd. wîse. wie wort und wîse so ist auch dôn und wort stehende verbindung, vgl. die belege im folg. 2, a; bei Seifried Helbling begegnen neben einander:
der Wîsær, der Dœnel,
die dœnent ûf ein hœnel
II 1403 Seemüller.
wîse und dôn haben auch den ursprung ihres gebrauchs in diesem sinn gemeinsam in der lat. terminologie der mittelalterlichen musiktheorie. tropus, modus, tonus werden schon auf die antiken octavengattungen bezogen, und auch Boethius, dessen darstellung die spätere musiktheorie des mittelalters stark beeinfluszt hat, nennt sie zusammen: ex diapason igitur consonantiæ speciebus existunt, qui appellantur modi, quos eosdem tropos vel tonos nominant inst. mus. IV, 15. die späteren theoretiker suchten die melodischen formeln des Gregorianischen gesangs, die das abendland aus dem orient übernommen hatte, mit der antiken theorie in übereinstimmung zu bringen, was freilich nicht ohne zwang und vielfache miszverständnisse sich durchführen liesz. vor allem aber wurden die antiken benennungen auf die verhältnisse des kirchengesangs übertragen, auf die 4 hauptgattungen melodischer formation, deren zahl dann durch scheidung in authentische und plagale auf 8 verdoppelt wurde. es erscheinen wieder tropus, modus und tonus neben einander, so schon im 9. jh. bei Aurelianus Reomensis und Hucbald. freilich war die verwendung nicht immer ganz gleichbedeutend, und tonus wurde offenbar erst später im selben sinn gebraucht. Hucbald spricht von den quatuor modis vel tropis quos nunc tonos dicunt (Gerbert 1, 119), und bei dem etwa gleichzeitigen anonymen verfasser einer 'alia musica' begegnen nur tropus und modus; vgl. Riemann gesch. der musiktheorie im 9.- 19. jh. s. 14. ein gewisser gegensatz ist auch sonst gelegentlich erkennbar, indem modus mehr als ausdruck für die octavengattungen gebraucht wurde und tonus besonders auf die stehenden formeln der modi bezogen wurde; vgl. auch Hucbalds 'commemoratio brevis de tonis et psalmis modulandis' und s. Haberl magister choralis 48. die enge beziehung der von den mittelalterlichen theoretikern aufgestellten octavengattungen zu den formelhaften melismen des Gregorianischen gesangs ist jedenfalls hervorzuheben, da durch sie die verwendung von wîsa und dôn im sinne von melodie unmittelbar verständlich wird. wîsa, das dem lat. modus bereits im gewöhnlichen sinn von 'art und weise' entsprach, wurde nunmehr auch zur verdeutschung des lat. terminus in der musik gebraucht, und auch das lat. tonus wird in diesem sinn zunächst durch wîsa wiedergegeben, so bei Notker: quę quidem graues pulsus modis raucioribus personabat. tér geróbe lûta. in héisa uuîs ráhta 1, 722 Piper; dulcique modulatu. ióh in déro lústsami déro vuîsun 1, 788; probare. s. solita. melos. i. tropos. ac tonos. s. musicos et crusmata. i. pulsus chordarum. quuóniu zechîesenne. dîe uuárbâ des sánges. únde dîe uuîsâ. únde dîe rûorâ dero séiton 1, 793. nicht sehr viel später wird dann tonus selbst ins deutsche übergetreten sein, denn schon in der Milstäter genesis ist das wort im deutschen dativ nachweisbar, ja es begegnet hier bereits in einer übertragenen verwendung, die wohl eine vorgeschichte zur voraussetzung hat; vgl. den beleg im folg. zu 8. die allmähliche eindeutschung des worts läszt dann die überlieferung von Lamprechts Alexander erkennen, wo es auch in seiner musikalisch technischen bedeutung klar zu tage tritt. die Vorauer hs. bietet noch die lat. form:
der ander meister, den er gewan,
der lêrtin wol mûsicam
unt lêrtin seitin ziehen,
daʒ alle thôni dar in giengen,
roten unt ouch der lîren chlanc,
unt von ime selben heven daʒ gesanc
180 Kinzel 40;
vgl. dazu den text des Alberic de Besançon:
li quarʒ lo duyst corda toccar,
et rotta et leyra clar sonar,
et en toʒ tons corda temprar,
per semedips cant ad levar
und die wohl zutreffende interpretation Kinzels: 'damit die richtigen weisen darin waren oder erklangen'. in der Straszburger hs. steht aber bereits die deutsche pluralendung, noch ohne umlautbezeichnung:
und lartin di seiten zîhen,
daʒ alle tône dar inne gîhen.
allgemach geht das wort in die technische kunstsprache der höfischen lyrik über, nunmehr in reindeutscher form, mit umlautendem plural und charakteristischer erweichung der anlautenden dentalen fortis. vielleicht darf ein nordalemannisches oder oberdeutsch-fränkisches gebiet als der ausgangspunkt weiterer verbreitung vermutet werden; vgl. hierüber weiter unten. auch in das niederd. hat das wort in dieser bedeutung unter dem vorbildlichen einflusz der oberd. litteratur eingang gefunden, und alsbald ist es hier mit don als 'schall' und 'geräusch' zusammengefallen. dieselbe einwirkung auf das altgerm. wort ist im mnl. anzunehmen, wie dies schon Franck etym. wb. 177 hervorgehoben hat. es ist zu betonen, dasz die entlehnung aus dem mittellat. ins deutsche originell erfolgte; im altfranz. und altprovenc. gilt son in ganz entsprechender bedeutung (vgl. Diez die poesie der troubadours² 229 und 237), und erst später und nur vereinzelt weisen franz ton, ital. tono, engl. tune anklänge an die bedeutung 'melodie' auf, ebenso an. tóni, tónn. im deutschen aber wird dôn in diesem sinn mit dem aufblühn höfischer dichtung ganz allgemein. Heinrich v. Veldeke und Hartmann meiden es wohl noch; es begegnet aber bereits bei Albrecht v. Johannsdorf, Heinrich v. Morungen, bei Walther und Wolfram, im Nibelungen- und Kudrunlied, dann bei Gottfried und später besonders bei Konrad v. Würzburg. von den minnesängern haben dann die meistersinger den technischen ausdruck übernommen, und noch im 17. und 18. jh. ist ton in den bedeutungen 'melodie' und 'lied' lebendig, doch sie beginnen nunmehr zu verblassen und zurückzutreten. der mittelalterliche sprachgebrauch hat auch schon eigenartige gebrauchsübertragungen aus der bedeutung 'melodie' entwickelt, die zum theil neuere verwendungen des wortes vorbereitet haben; vgl. im folg. zu 8 und 12. früh schon muszten don als 'schall' und 'geräusch' und dôn als 'melodie' sich berühren und kreuzen, so besonders wenn vom dôn eines musikinstruments die rede war, der einerseits als dessen schallwirkung im allgemeinen, andrerseits als die auf diesem vorgetragne weise aufgefaszt werden konnte. zudem war später auch hier das lat. wort vorbildlich. tonus gehörte schon dem classischen latein an und war hier lehnwort aus dem griech. τόνος, das sich zur idg. wz. ten 'dehnen, spannen' stellt (Fick 1⁴, 58). als grundbedeutung ist anzunehmen: 'das womit etwas gespannt, straff angezogen oder was selbst angespannt werden kann'. das griech. und lat. wort wurde dann auf das gespannte seil, auf die spannung einer sehne, einer saite bezogen, schlieszlich auf die klangwirkung eines instruments, die durch diese spannung erzeugt werden konnte, und in diesem sinn begegnet es auch später in allen modernen europäischen sprachen; ebenso wird es überall von der anspannung der stimmbänder, vom ton der stimme beim singen und sprechen gebraucht, vgl. 3, a und 7, a im folg. aus der antiken überlieferung stammt ferner tonus im sinn von 'intervall' in der musik, während der einzelne musikalische laut an sich als sonus bezeichnet wurde. in der lat. - ital. kunstsprache der musiktheorie wurde aber in späterer zeit sonus in diesem sinn durch tonus verdrängt, und etwa seit dem frühnhd. wirkt dieser gebrauch auch auf das deutsche ton. aber erst zu beginn des 18. jhs. setzt sich diese verwendung des worts als dessen grundbedeutung im deutschen durch, die uns als solche noch heute geläufig ist; vgl. im folg. zu 4. auch als grammatische termini in der bedeutung von 'accent' waren schon das griech. und lat. wort üblich, und seit dem 15. jh. ist deren einflusz auf das deutsche erkennbar; vgl. im folg. zu 6. eine bedeutsame einwirkung haben dann etwa seit dem späteren 17. jh. die gebrauchsweisen des franz. ton ausgeübt. seit früher zeit wurde dieses auf den ausdruck der sprechstimme bezogen, und nunmehr wird auch das deutsche wort in diesem sinn als technischer terminus der redekunst gebraucht; vgl. im folg. zu 7, b. dann begegnen im franz. die übertragungen dieses gebrauchs auf ausdruck und inhalt der rede in wort und schrift, in verkehr und umgang, das wort bezieht sich weiter auf die art und weise des benehmens, auf denkart und empfindungsweise. im deutschen wird ton in solchen verwendungen seit etwa dem 18. jh. lieblings- und modewort, doch ist nicht zu übersehen, dasz bereits mittelalterliche übertragungsweisen aus der bedeutung 'melodie' diesen gebrauch vorbereitet haben; vgl. im folg. 8, 9, 10, 11. endlich wurde das franz. ton wie schon von Plinius das lat. tonus auf die farbenstimmung in der malerei angewandt, und darnach hat seit der mitte des 18. jhs. auch das deutsche ton diese function übernommen; vgl. im folg. ²ton. diese allgemeine entwicklung spiegelt sich auch theilweise in den überlieferten formen und lautungen. ton ist seit alter zeit als masc. i - stamm mit langem stammvocal regelmäszig. als eine einwirkung des in der bedeutung melodie synonym gebrauchten wîse mag es gelten, wenn mnd. dôn, dône zuweilen als fem. erscheint, zumal da dieses meist in solchen fällen begegnet, die deutlich erkennen lassen, dasz hier dôn dem schwesterwort auch in der allgemeinen bedeutung 'art und weise' gefolgt ist; vgl. die beispiele im folg. 12. — die länge des stammvocals, die für das altgerm. wort in der bedeutung von 'schall, geräusch' zunächst nicht anzunehmen ist, wird durch die alte entlehnung aus dem mittellat. erklärt. sie ist wie in mhd. trôn aus lat. thronus zu beurtheilen und erscheint schon in der überlieferung der beiden ältesten reindeutschen belege für das entlehnte wort, in der Milstäter genesis und im Straszburger Alexander, graphisch bezeichnet (tône); sie wird dann in späterer zeit des öftern durch den einschub eines dehnungs-h zum ausdruck gebracht: so bietet die Jenaer liederhs. dhon und die bei Luther geltenden wortformen sind dhon und dohn; die letztere lautung begegnet auch bei Serranus, Henisch, Stade und neben don und thon bei Dasypodius. dasz auch das h nach der fortis als dehnungszeichen aufgefaszt wurde, bezeugt im 17. jh. Gueintz: demnach schreibet man ... thon, der laut, weil das o lang ist, dan sonsten were es kurtz, wan es hiesse ton, und ist nicht th die deutsche rechtschreibung 16. — vom ende des 12. jhs. ab ist im mhd. der umlaut im plural durchaus vorherrschend, und man wird dies vielleicht damit in zusammenhang bringen dürfen, dasz in der bedeutung 'schall, geräusch' ein altgerm. i - stamm wirksam war, der auch das wort im sinne von 'melodie' beeinfluszt hat. der umgelautete plural ist meist regelmäszig erhalten, nur im schlieszenden 17. und beginnenden 18. jh. erscheint eine umlautlose form weiter verbreitet. dies beruht klärlich auf dem erneuten einflusz des lat. worts in seiner grammatisch- und vor allem in seiner musikalisch-technischen bedeutung, die sich nunmehr als die grundbedeutung von ton durchsetzt; vgl. besonders im folg. zu 4. die formen thone und tone begegnen auch vorzugsweise bei solchen autoren, die der grammatischen und musikalischen theorie nahe stehn, bei Schottelius, dann bei Mizler, Mattheson, Kuhnau, aber auch sonst gelegentlich z. b. bei Steinbach, Stoppe und regelmäszig auch in Zedlers universallexicon s. v. ton. in der zweiten hälfte des 18. jhs. ist aber die alte umlautform wieder allgemein durchgedrungen. auch der französische einflusz wird auf das zeitweise aufgeben des umlauts mit eingewirkt haben; deutlich zeigt sich dies in Sulzers theorie der schönen künste, der den plural des worts im musikal. sinn wohl wieder umlautet, aber für die jüngere entlehnung aus dem franz. von ton in der bedeutung 'farbenstimmung' noch die umlautlose pluralform verwendet. die sprache der classiker hat den sieg zu gunsten der umlautform dauernd entschieden.mannigfachen schwankungen war auch die wiedergabe des anlautenden dentals unterworfen. dasz bei der entlehnung aus dem lat. zunächst die fortis gewahrt wurde, zeigt die form tône in den beiden frühesten belegen aus dem 12. jh. wenn nun später in der guten mhd. zeit d im anlaut regelmäszig wird, so mag das wieder zum theil auf dem einflusz des vom norden eindringenden worts im sinn von 'schall, geräusch' beruhen. als vollkommen ausreichend wird jedoch diese erklärung kaum gelten dürfen, vor allem da schon im späteren mittelalter die schreibungen mit t und th sich mehren. als wahrscheinlich läszt sich wohl die vermuthung aussprechen, dasz ein zusammenhang mit der mundartlichen erweichung der alten fortis besteht, die sich in gewissen gebieten schon sehr früh durchgesetzt hat, so vor allem im schwäbischen und niederalem. und dann im ostfränk.; vgl. bes. Kauffmann gesch. der schwäb. ma. § 165 und Michels mhd. elementarbuch² § 90 anm. 3. vielleicht ist überhaupt die weitere verbreitung von dôn als ausdruck in der kunstsprache der höfischen lyrik zum theil von diesen gegenden ausgegangen, deren orthographischen gepflogenheiten in der blütezeit mhd. poesie eine gewisse vorherrschende geltung zuerkannt werden darf (vgl. Behaghel gesch. der deutschen sprache³ § 59). dazu würden auch die formen des worts in der heutigen schwäb. mundart stimmen und der umstand, dasz gerade hier mundartliche gebrauchsweisen erhalten sind, die als eigenthümliche übertragungen aus der bedeutung 'melodie' auf höheres alter schlieszen lassen; vgl. weiter unten. der gebrauch der lenis hat sich bis ins 17. jh. fortgesetzt, sie wird theilweise von den glossaren des 15. jhs. festgehalten (Diefenbach gl. 7 und 542, mittellat.-hochd.-böhm. wb. 7, voc. theut.), im 16. und 17. jh. von Altenstaig, Serranus, von Luther, Stieler und noch von Stade, neben der fortis von Dasypodius, Schönsleder und noch von Rondeau. früh begegnet die fortis t neben der lenis in der überlieferung des meister Ingold und des Heinr. Seuse, bei den tonangaben von meisterliedern in der Colmarer, der Donaueschinger, der Heidelberger hs. 392. auch anlautendes th erscheint bald, zunächst neben der lenis, so bei Ingold, in der meisterlieder hs. cod. germ. 351, in glossaren des 15. jhs., bei Dasydodius, Schönsleder, Rondeau. im 16. und 17. jh. ist das anlautende th überhaupt vorherrschend und auch noch im anfang des 18. jh. wird es gebraucht: thon bieten Pinicianus, Golius, Frischlin, Maaler, Hans Sachs, Hulsius, Duez, Stoer, Opitz, Schottelius, Wilhelmi, Pomai, Kramer, Hübner, Aler, Steinbach, Haym, das teutsch-engl. lex. seit dem ende des 17. jhs. gewinnt aber die blosze fortis wieder an verbreitung, thon und ton stehn nebeneinander bei Kramer, Hederich, Kirsch, Rondeau, mit bevorzugung von ton bei Frisch und Nieremberger. der gebrauch von ton bei Gottsched und den classikern, bei Adelung, Campe, Heynatz und andern haben diese form dauernd durchgesetzt. zweifellos ist die verdrängung der lenis und der endliche sieg der bloszen fortis zum groszen teil auf den einflusz des lat. und franz. worts zurückzuführen, deren stetige einwirkung, wie schon gezeigt wurde, deutlich nachweisbar ist. in den deutschen mundarten ist ton wohl im allgemeinen gebrauch, doch wird oft spätere entlehnung aus der schriftsprache anzunehmen sein, zumal wenn das wort als der bestimmte ton in der musik, als musikalischer 'sonus' auftritt. auch schon im mittelalter hat dôn als 'melodie' jedenfalls mehr dem wortschatz der litteratursprache als dem der volksmundart angehört. in breitere schichten ist ton in diesem sinn vielleicht auf schwäbischalemannischem boden gedrungen. Fischer 2, 255 verzeichnet die formen dȭ, dãõ, dõã in der bedeutung 'melodie' und in übertragenen gebrauchsweisen; vgl. im folg. 2, a und bes. 8, c, β, 8, h, ζ, 8, b, ζ. im Elsasz gilt tón im gewöhnlichen sinn der neueren schriftsprache, der plural tén auch in der bedeutung 'gedanken, späsze'; s. Martin-Lienhart 2, 688 und vgl. im folg. 2, d und auch 8, l, ζ. das Lothringische hat die formen tóən, toun pl. tén téən s. Follmann 956 und im folg. 8, l, ζ. im Algäu ist nach Reiser sagen gebr. u. sprichw. 2, 491 die formim gebrauch, in Basel und im Aargau nach Seiler 78 und Hunziker 65 ton als 'schall, laut' im allgemeinen, vgl. im folg. 1, c, α. für das bairisch-österreichische ist eine auf alter grundlage beruhende tradition kaum anzunehmen; vgl. nur aus Wien die kecken tön bei Mareta, proben 13 und die tiafen tön' im folg. 4, i, α. die fränkischen formen dȭ, dũ nennt Fischer a. a. o. in der Eifel und in Köln bedeutet der plural tön 'wunderliche dinge, späsze'; vgl. im folg. 2, d. die bedeutung 'lied' ist für das niederd. wort noch im 18. jh. gut nachweisbar, besonders aber für das deminutiv; vgl. im folg. 2, c.
bedeutung und gebrauch.
1)
ton ist das 'geräusch' und der 'schall' im allgemeinen.
a)
in diesem sinn wird das wort seit dem mittelalter verwendet, besonders tritt die bedeutung im frühnhd. hervor, und sie gilt auch noch in neuerer und neuester zeit, wenn eine unmittelbare beziehung zur musik nicht im vordergrund steht.
α)
glossare und wörterbücher verzeichnen ton seit dem 15. jh. mit entsprechenden synonymen in allgemeinster bedeutung: don, hal, laut sonus, sonitus voc. theut. f 1 a; cruma, sonus thon, laut Frischlin nomenclator 207; sonus don vel scal Diefenbach gl. 542; thon, schall suono, tuono Hulsius (1605) 139; Maaler 410ᶜ; Golius onomast. 239; thon sonus Haym 1226; Aler 2, 1906ᵃ; schall, welcher im teutschen auch thon und im lateinischen sonus genennet wird Zedler 34, 825. unmusikalische geräuscherscheinungen werden besonders hervorgehoben: crepitus krachung, brastlung, don, klapff, thon, hal Diefenbach gl. 157; crepitus eyn knal, don, furtz Dasypodius F 7 c; thon, knall, wenn etwas bricht rumore, suono di cosa che si frange Hulsius (1605) 139; don sonus, clangor, fragor, tinnitus, sonor, fremitus Stieler 324; son, bruit thon Pomai 2, 299ᵇ. dann erscheinen auch musikalische schallwirkungen deutlich mit einbezogen: ton, sonus der klang eines lautenden dings auszer oder nach der musik Frisch 2, 376ᵃ; ursprünglich scheinet dieses wort eine art eines klanges bedeutet zu haben, und zwar einer solchen art, welche durch dieses wort und das zeitwort tönen genau nachgeahmet wird. noch jetzt gebraucht man es zuweilen für klang Adelung 4, 624. hierher gehört es auch, wenn der ton als 'echo' bestimmt wird, das jede schallerscheinung wiedergibt: don, widerklanck, widergalm echo, sonus galm, schalle voc. theut. (1482) f 1 a; echo wedderklanck, don, galm, clanc i. sonus Diefenbach nov. gl.; don vocis repercussio Henisch 726; suonanza der thon, der wiederschall, der wiederklang son, resonnement Rädlein 3, 409.
β)
noch im 18. jh. erfolgt die begriffsbestimmung von ton im sinne von 'schall': überhaupt entsteht der ton, schall, von einer zitternden bewegung der kleinsten theilchen der luft und umstehenden vesten körpern, welches in den gehörwerkzeugen eine gewisse empfindung verursacht. der ton geht langsamer fort, als das licht Jacobsson 4, 412.
γ)
ton in diesem sinn wird auch als allgemeiner begriff gebraucht: wenn sie gleich dasselbige erstritten, das dennoch gleichwol sein leib ym abendmal sein kan durch göttliche krafft, weil solchs wol geringern creaturn, als der stym und dohn odder hall ist, nicht allein müglich, sondern auch natürlich und gewonlich, dazu greifflich und empfindlich ist Luther 26, 338 Weim.;
donner rauschen schon:
meerkristall
wird ton und schall
Schubart ged. 1, 14.
δ)
es ist in diesem sinn ganz allgemein von tönen als akustischen phänomenen die rede:
luft ist fähig anzunehmen
licht und töne
Brockes irdisches vergnügen in gott 2, 253;
was auch, in irdischer luft und art,
für töne lauten,
die wollen alle herauf
Göthe 6, 255 Weim.
b)
der ton wird durch vorgänge in der natur und durch mechanische thätigkeit erzeugt. man spricht vom ton des windes, des donners, vom ton des falles, stoszes, schusses u. s. w., ebenso vom ton des schallerregers und vom ton der dinge und körper, die träger der schallerscheinung sind, vom ton des meeres, der wälder, vom ton des fasses, der kugel, der sense, des hufes u. s. w.
α)
der ton wird durch vorgänge in der natur erzeugt: an sich selbst ist ein jeder ton entweder natürlich oder künstlich. jener ist, den wir an allen lebendigen und natürlichen körpern wahrnehmen, als wenn die winde brausen, der donner donnert Jacobsson 4, 412. beim wind:
daʒ stoup von in als molte von windes dône,
ê sie mit den swerten pfat zesamne ervâhten beide
Lohengrin 542;
und ein don wart gemacht gechlich vom himel, als eins starcken geists des zuͦkumenden (et factus est repente de cęlo sonus) erste bibel apost. 2, 2 Kurrelmeyer, vgl. dazu: und es geschach schnelle ein brausen vom himmel, als eines gewaltigen windes Luther; weil der wind beim blasen durch die parallelen canäle vermuthlich auch eine reihe töne vernehmen liesz, die unsrer modernen äolsharfe ähnlich, in einer natürlichen harmonie stehen mochten Ritter erdkunde 1, 747. beim donner: die tone des donners Zedler 44, 1185;
an dem zehenden tage ein dôn geschach
sam ein grôʒer donerslac,
des al diu liute wunder nam.
der heilig geist von himel kam
Philipp marienleben 8314; vgl. auch 9317.
bei der bewegung des wassers: das meer macht einen thon durch schlagen auff das gestad mare litora plangit Aler 2, 1892ᵇ; jhre ohren (der trinker) aber sind mit thönen und rauschen wie das wütende meer erfullet Ambach vom zusauffen C Iᵃ; wann die nacht was so finster, und der don und platz von dem regen so grosz das man die Römer weder sahe noch hort Carbach Livius 135ᵃ; bildlich:
doch pfuschte mir der bach in's handwerk schon
mit seiner leichenred' im nassen ton
W. Müller ged. 22 neudr.
beim rauschen des waldes: die wälder geben ein thon von sich nemora plangunt. Virgil Aler 2, 1892ᵇ.
β)
der ton wird durch mechanische thätigkeit bewirkt: wie denn diese sonderbare art und eigenschafft unsere teutsche sprache hat, dasz man den thon etwa eines falles, schusses, schlages, sprunges, stosses, klanges, stimme oder eines jeden anderen thuns mit einem zustimmenden lautworte auszreden kan Schottelius haubtsprache 828. beim waffenlärm:
ich hôrte ie gerne solhen dôn,
dâ von tjoste sprîʒen sprungen
unt dâ swert ûf helmen klungen
Wolfram Parzival 814, 28;
es gab ein thon und hellen klang
vom spiesz der auff die waffen trang
Spreng Aeneis 23ᵃ.
beim schusz: die tone des geschützes Zedler 44, 1185; ich war nun vollkommen in die region gelangt, wo die kugeln herüber spielten; der ton ist wundersam genug, als wär' er zusammengesetzt aus dem brummen des kreisels, dem butteln des wassers und dem pfeifen eines vogels Göthe 33, 73 Weim. beim schlagen: wenn man in verjagen wil oder vorhtig machen, sô nimt man ain aufgeplâsen plâtern und sleht dar auf mit coralleinn gärtleinn; den dôn oder daʒ kläppern fürht er und entweicht und wird gehôrsam Konrad v. Megenberg buch der natur 270. beim graben: sie ... hielten die ohren hinzuͦ, ob sie den laut und thon derjhenen die do gruͦben vernemen moͤchten Carbach Livius 366ⁿ; bemerkenswerth schien mir ein schwer zu erklärender ton, ganz nahe bei mir; ... bei näherer aufmerksamkeit entdeckte ich, dasz es unter der erde und das arbeiten von kleinem gethier sei Göthe 29, 58 Weim.;
und der schaufeln ton verstummet,
stille wird's im gotteshause
Platen könig Odo.
beim gehn:
seiner tritte ton
rieselt daher, wie der bach, rauscht, wie der strom
Klopstock oden 1, 195;
den führer nur verrieth des hufes ton
Droste-Hülshoff 2, 109.
beim fallen: von der wachskerze fiel eine metallene kugel, deren faden durchgebrannt war, in die grosze tülle; der eherne ton klang scharf durch das zimmer Freytag 9, 87.
c)
α)
ton und töne werden in diesem sinn ganz allgemein als gehörseindrücke empfunden und beurtheilt: i ha no kai don g'hört noch gar nichts Seiler 78 (Basel); Hunziker 65 (Aargau). wir horchten vergebens, weder gestalt noch ton war zu vernehmen Göthe 33, 95 Weim.; von dem thon sind mir die ohren taub worden hoc sonitu completae aures mihi obsurduerunt Aler 2, 1892ᵇ; les oreilles jugent des sons, omnium sonorum judicium natura in auribus nostris collocavit die ohren urtheilen von den thönen Pomai 1, 876ᵃ; denn die stimme ist ein thon, den alle lebendige geschöpffe von sich geben; der thon aber, oder schall, alles dasjenige, was durch die ohren empfunden wird Zedler 34, 825;
manche töne sind mir verdrusz, doch bleibet am meisten
hundegebell mir verhaszt; kläffend zerreiszt es mein ohr
Göthe 1, 256 Weim.
β)
thon machen (vom schallerreger) tinnitum ciere, sonitum -efficere Aler 2, 1892ᵇ, ebenso auch auf den träger des schalls bezogen. im selben sinn: einen thon hören lassen sonum edere Steinbach 2, 822; ein thon geben, toesen strepitum edere Stoer 128 a; thon von sich geben plangere Aler 2, 1892ᵇ; Adelung; Campe. ohn thon, das keinen thon hat atonus Aler 2, 1892ᵇ.
d)
der ton wird nach der stärke und art des schalles im allgemeinen beurtheilt.
α)
in alter zeit besonders als groszer ton:
hey endete zo hant bereyden
eyn groes her wael gestalt ...
ind quam zo Beione
vur de stat mit groessem done
Karlmeinet 343, 35;
leere fässer geben grossen thon Seb. Franck sprüchwörter 1, 106ᵃ; Schottelius haubtsprache 1145; Wander 1, 931.
β)
dann als starker, heftiger ton: sonor, un son fort ein starcker und hefftiger thon oder getösz Pomai 2, 299ᵇ; sonor ... starcker ton, getös, gesumse, gebrumme, geräusch Kirsch 1⁵, 1075ᵃ.
γ)
der helle, dumpfe, süsze, rauhe ton: ein häller thon tonus clarus Steinbach 2, 822; son aigu, sonus acutus, subtilis, clair & perçant, acutus et excitatus ein subtiler thon, oder heller durchdringender thon Pomai 1, 876; son cassé, sonus fuscus, raucus ein verdumpffener thon ebenda; süsser, scharffer ton ton doux, aigu Rondeau 2, 591; ein scharffer oder unangenehmer ton a shrill, a sharp sound teutsch-engl. lexicon 1968; ein rauher ton dem es an sanftheit und anmuth überhaupt fehlt, im gegensatz eines angenehmen, zärtlichen Campe 2, 552; leere fässer geben den hellsten ton Schellhorn sprichw. 139;
und gegen meine seufzer bringt die welle
nur dumpfe töne brausend mir herüber
Göthe 10, 3 Weim.
δ)
der schläfrige, seltsame ton:
durch die quelle, die mit lullendem ton
oft dich gesungen in träume schon
Freiligrath 5, 122;
mit schläfrigem ton der urwald
raunte um den schwülen wigwam
6, 175;
und liesz damit einen grossen starcken fortz, das es in der kirche erschal. die bawren erschracken ob dem elenden anblick, und seltzamen thon Bernh. Hertzog schiltwache H; vor einem jahre erregte ich durch einige ... allzuleichtsinnig ausgesprochene worte, wie durch panische töne, eine gewisse verwirrung in ihrem kreise Göthe IV 38, 118 Weim.
2)
dôn, ton ist die 'melodie', dann jedes vorgetragene und gesungene 'musikstück', besonders das 'lied'.
a)
dôn ist die 'melodie', die auf einem musikinstrument vorgetragen oder zu einem text gesungen wurde; der begriff umfaszt die kunstmäszige gliederung der melodie, ihren rhythmus und überhaupt alles, was etwa im gesungenen lied als dessen musikalisch metrischer theil dem text, dem wort gegenüber steht. lehrreich für die begriffsbestimmung sind daher besonders solche beispiele, in denen dôn und wort gerade so wie wort und wîse einander gegenüber und zusammengestellt erscheinen (vgl. bei den troubadours mot et so 'text und melodie'; s. Bartsch bei Diez, die poesie der troubadours² 71 anm. 1):
mit der pfafheit gâbens suͤʒ gedœne,
der engel schar gelîche dôn sunder wort; jâ was ez dannoch schœne
der graltempel 80 Zarncke;
vgl. dazu gedœne ane wort minnes. 3, 99ᵇ und th. 4, 1, 2 sp. 4391;
er muoʒ wol berihtet
sîn alle zît und alle stunt, des munt rehte slihtet
dœn unde wort, diu krumbes bar die werden meisᵗer lâʒen
Frauenlob 172, 6 Ettmüller;
ich tuon iu kunt
mit worten unt mit dœnen
165, 9; vgl. auch 165, 19;
ir wort, ir dôn sint ze kranc
wider der alten meister sanc
Seifried Helbling II 1329 Seemüller;
und nennet ... musicam scientiam bene modulandi eine solche kunst, da man dem ton und den worten gepürliche maasz und weyse zugeben wisze Cyr. Spangenberg von der musica 4 Keller. auch dœne und rede, mære und dœne:
wie man den meisterlichen strit mit rehter kunst entstrikken siht,
mit dœnen und mit guoter rede, dar wære ein tumber leie gar ein wiht
Hinneberger minnes. 3, 40ᵇ;
in mæren und in dœnen
hôrt ich nie singen oder sagen
Heinr. v. Neustadt Apollonius 5780 Singer.
die bedeutung 'melodie' begegnet auch in späterer zeit, und sie ist noch im 18. jh. lebendig, wie die buchungen zeigen: don modulus Henisch 726; thon melodia Steinbach 387; thon melos, melodia Kirsch⁵ 1731; thon, singthon toon, zing-toon, zang-wyze Kramer 2, 212; eene wyze te zingen eine weise (thon, melodie) zu singen, singweise 1, 520. in verbindung mit melodie und text:
sag's nicht, gevatter Klaus! das liederwesen,
ich meine so der ton, die melodei,
das thut uns, mein' ich, noth, wie brot und wasser
Zach. Werner Martin Luther 3;
(er) versuchte, ein trinklied mitzusingen, das angestimmt wurde. er kannte aber weder text noch ton Frenssen Jörn Uhl 167. doch schon Adelung und Campe empfinden diese verwendung als veraltet und nur noch dem gemeinen leben angehörend, vgl. im folg. g. für die schwäbische mundart wird das wort in der bedeutung 'melodie' von Fischer verzeichnet.
b)
in mehr allgemeinem sinn bedeutet ton dann auch 'musik' und 'gesang' überhaupt:
swaʒ uʒ sueʒem done erklinget, ...
dast gegen wiben ungereit
Kanzler minnes. 2, 391ᵇ;
da vil schone
in sueʒem done
sungen vogel' ir stimme manikvalt
Püller minnes. 2, 69ᵇ;
dar so wart vornomen en grot sote roke unde enen soten done der engele Lübecker passional fol. 277ᶜ bei Schiller-Lübben; do er kam und genachent dem haus er hort den don vnd die stymme (audivit symphoniam et chorum) erste bibel Lucas 15, 25 Kurrelmeyer; Luther übersetzt: höret er das gesenge, und den reigen (ἤκουσε συμφωνίας καὶ χορῶν); vgl. auch: melodia gesang, thon Garthius 452ᵇ.
c)
der ton ist ferner jedes 'musikstück', besonders das gesungene, strophische 'lied' bei den minne- und meistersingern:
wie die dœne schœne lœne
schenken ûʒ der armonîen
Frauenlob unser frouwen leich 18, 1 Ettmüller;
al ten werden verachte
es sey dan das gemachte
die zwelff in han
Folz 336 Mayer;
theilweise wird in der mundart die alte bedeutung 'lied' noch in neurer zeit festgehalten, so besonders im niederd.: döne, die, und dönchen, das. diese schönen wörter hörte ich vor etwa 20 jahren aus dem munde eines alten mannes im sinne von arie und liedchen Gutzeit 192; das deminutiv im sinne von 'liedchen' kennen aus dem niederd. auch Adelung und Campe; vgl. ferner ten Doornkaat-Koolman 1, 313 und th. 2, 1220. vielleicht gehört hierher auch aus Wien: und singen haͦn i' kinnen, ein' arie haͦn i' ghaͦbt und ein'n ton! Moser das Wiener volksl. 3, 45 bei Mareta, proben 13ᵃ.
d)
die musikalische bedeutung erscheint abgestreift, wenn das wort im sinne von 'lustige, spaszhafte geschichte', dann 'posse, schnurre, schalkhafter streich' begegnet:
Reinhart kunde manegen dôn
Reinhart Fuchs 1979;
bes. mundartlich: ton ... pl. gedanken, spässe. du hasᵗ wiᵉder bᵉsundere tön im kopf; lŭeg, was sëlleⁿ narr für tön macht! Martin-Lienhart 688; vgl.nareⁿtön narrheiten ebenda; tön seltsame wunderliche dinge, streiche Schmitz 232; tön späsze, witze, auch schwierigkeiten, umstände Hönig 155; hierher gehört auch die studentische redensart rede doch keine töne 'mach doch keine geschichten, umschweife' (nach Edward Schröder). sonst begegnet im niederdeutschen wieder das deminutiv auch in diesem sinn, vgl. Schambach 44ᵇ; ten Doornkaat-Koolman 1, 133 und th. 2, 1220.
e)
in der prosa und umgangssprache des 18. jhs. wird ton in der bedeutung 'lied' bereits als veraltet empfunden und mehr in historischem sinn von den liedern der meister- und minnesinger gebraucht: ehedem ward es auch häufig für ein gedicht, ein lied gebraucht. die schwäbischen dichter und ihre enkel, die meistersänger, pflegten ihre lieder oder singebaren gedichte häufig döne oder töne zu nennen Adelung; Campe; er (Hadlaub) war jetzt seiner töne sicher, und herr Rüdiger bereits im besitze einer ansehnlichen sammlung seiner lieder G. Keller 6, 75;
der meister tön' und weisen,
gar viel an nam und zahl,
die starken und die leisen,
wer die wüszte allzumal
Rich. Wagner 7, 161.
f)
in der poetisch gehobenen sprache des 17. und 18. jhs. wird die alte bedeutung 'lied' wohl noch fortgesetzt, doch hat dabei auch die antike vorstellung vom leierspielenden dichter eingewirkt, der ursprüngliche musikalische sinn ist oft ganz abgestreift, und ton ist überhaupt das 'poetische gedicht':
Celadon sprach: keine seiten
keiner süssen lieder kunst
mindert, Damon, deine brunst,
wann der Orpheus unsrer zeiten
dein berümbter meister schon
her liesz hören seinen thon
Königsberger dichterkreis 134 neudr.;
lächelt, muntre schönen,
unsern ernst zu höhnen;
singt in süssen tönen,
jeder ton entzückt!
Hagedorn 3, 130;
lasz die töne,
lasz die wohlgestimmten seyten
Friedrich Augusts lob ausbreiten,
seinem feste heilig seyn
Gottsched ged. 2, 267;
spräch' die stimme den blick aus:
o, so würde sie süszer seyn,
als mein leisester laut, als der gefühlteste
und gesungenste ton, wenn mich die junge lust
von dem zweige des strauches
in die wipfel des hains entzückt!
aug', ach, auge, dein blick bleibt unvergeszlich mir!
und wie nennet das lied, singen die töne dich?
Klopstock oden 1, 53.
g)
der ton eines liedes und eines musikstückes überhaupt ist seine melodie, singweise: der don eines liedes modus cantionis alias die weise Stieler 324; thon eines lieds aria, tuono, melodia Kramer 1043; ein lied in seinem eigenen ton a song that has a tune of his own, a peculiar tune or a tune by it self teutsch-engl. lexicon 1968; der ton ... die melodie eines musikalischen stückes; eine gröszten theils nur noch im gemeinen leben übliche bedeutung. der ton eines liedes, dessen melodie Adelung; vgl. auch Campe; dazu, wo und wenn man will, mag man eyn alleluia daran hencken in seynem thon Paulus Speratus ein weyse christlich mess zu halten l 1ᵇ;
deiner tochter hochzeitkerzen
schreckten meine muse nur;
weil ich, mit bestürztem herzen
beszrer lieder ton erfuhr
Gottsched ged. 1, 175;
silbern weht von oben
deines liedes ton
Geibel 2, 31.
ebenso thon des gesangs melodia Hulsius 139; underschiedliche thon des gesangs flieszen ein in das gemüth ohn beschwärnus nihil tam facile in animos teneros atque molles influit, quam varii canendi soni Aler 1892ᵇ;
... obgleich ihrer gesänge ton
ein sirenenton ist, ihre beredsamkeit
gleich dem bache der Suada flieszt!
Ramler lyr. ged. 104.
h)
der ton eines instruments ist die weise, die auf diesem vorgetragen wird. vgl. horndôn, gîgendôn:
in fremedem horndône
ein ander wîse huob er an
Gottfried Tristan 3246;
die snuere mueʒen brechen wol,
swa der esel klenket gigen dœne
minnes. 3, 452ᵃ;
der tag erlischt beim ton der weidenflöten
Salis ged. 92;
danser au son de la flute, saltare ad tibiam, ad tibiae cantum nach dem thon der flöten tantzen Pomai 1, 876 a; ein bär, der in gesellschaft von affen und hunden an der kette herumgeführt und geprügelt wird, um bei dem tone eines dudelsacks vor kindern und pöbel zu tanzen Göthe 21, 79 Weim.;
wie glücklich ist der tag,
daran wir dich, gepriesner mäcenat!
in unsrer Philuris erblicken,
die längst nach dir geseufzet hat ...
die oft, bey deiner seyten ton,
sich selbst, wie Kastalis den eignen lauf, vergessen
Gottsched ged. 2, 286.
die bedeutung 'melodie' ist freilich in diesem zusammenhang bald verblaszt, und der ton eines instruments wird meist als dessen schallwirkung im allgem. verstanden. vgl. 3 im folgenden.
i)
der ton einer person ist der ton, den diese zum vor trag bringt, den sie gemacht hat:
Tristan sîn hornelîn dô nam ...
und alle ir horn nâmen
und hürneten vil schône
mit ime in sîme dône
Gottfried Tristan 3216;
wie zucker süsz ist maniges don
do er puͦlt umb ain maid
Hätzlerin 93;
er gebe den pfaffen ir dœne wider, und singe, swaʒ er welle
Gervelin minnes. 3, 38ᵇ;
wan in leib, gut dran stunde,
keiner sie nenen kunde
nach ire ton,
gult es den minsten singer,
wer die zwelff meister sint gesin
Folz 336 Mayer.
die weisen der meistersinger werden oft ausdrücklich nach den autoren benannt: des ernpoten don meisterlieder 131 Bartsch; carmina magistralia. hie volget gesang der meister geticht zum ersten in meister Heinrich Frauwenlobes tönen die nach einander gent 4. in neuerer zeit ist der alte sinn meist verblaszt, vgl. f im vorigen; der ton eines autors ist sein gedicht, seine poesie im allgemeinen:
wol euch, herr (Opitz), was für ein lohn
hat sich hie mit eingedinget?
dasz von hie ab ewer thon
bisz in jenes leben dringet
Königsberger dichterkreis 66 neudr.;
die Spree stund still, als Kanitz sang
und als sich Bessers reiner klang
um ihre stillen ufer regte:
die Oder lobte Neukirchs ton;
und Meiszen pries nur seinen sohn,
der alles durch sein lied bewegte
Gottsched ged. 2, 185.
daraus entblühn nun hie trostlose zwitter, wie
poetische prosa und prosaische poesie.
und der sie rügt, mein ton, bist du nicht auch ein zwitter?
aus zweien nicht gemischt, einst du die zwei als dritter
Rückert 8, 88.
ebenso ist vom ton der vögel die rede, deren gesang mit dem des menschen verglichen wird:
lieber meie, nu ist din schœne
aber leider gar zergan;
unt der kleinen vogelin dœne
Reinman v. Brennenberg minnes. 1, 335ᵃ;
ach dasz wir menschen nicht wie die waldvögelein,
ein jeder seinen thon mit lust zusammen schreyn!
Scheffler cherub. wandersmann 37 neudr.
k)
α)
töne klingen, sie wirken auf das gemüth:
darzuo ist siu überschœne.
ir lieplich wort ist über tœne,
die mögent von seiten klingen
und man mag von kelen bringen
Altswert 4, 18.
vergnügte braut, vergieb dem tone,
der noch so rauh und traurig klingt
Gottsched ged. 1, 252;
wie ist mir denn? und welch ein ton
entzückt mich hier von ganzen chören!
44;
bildlich:
sîn leiche lûtent übele, sîn züge sint rôt:
jâ vellent sîne dœne manegen helt tôt
Nibelungen 1939 Lachmann.
vgl. auch dônes grif und dônes vanc bei Konr. v. Würzburg troj. krieg 19 a, 669 Keller; lieder 348, 137 Bartsch.
β)
in dem ton singen:
die eʒ lesen oder horen.   oder in dem done singen
Titurel 5986 Hahn;
wan ich ein lied nun sunge,
in einem don erclunge
den nieman het
gehort
Folz 338 Mayer;
aus dem ton:
die fogelîn im walde sin,
die singen schon uͦsz suessem don
Muskatblut nr. 3, 5 Groote;
die nechtegal furt yren schal
usz suessem don
nr. 5, 20.
nach dem ton: dasz solches ... nach gewiszem ton, und bewertter melodia gesungen werde Cyr. Spangenberg von der musica 4 Keller.; nachdem er nun mit dieser arie fertig, ... nahm er seine laute zur hand und sang sie nach einem bekandten thon, als nach welchem er sie gemacht Melissus Salinde (1718) 12. in den ton kommen: endlich kömmt er in den ton in die rechte melodie; ingleichen, figürlich, er kommt auf die spur, er spricht, wie er sprechen sollte Adelung; Campe. aus dem tone kommen aus der melodie Adelung. auch in überlegenem sinn 'die fassung verlieren':
unde hôw it (das pferd) sere mit den sporen,
das it vil gerne hedde enboren,
went it is was vil ungewone.
to lest do it quam ût der done,
do sprak it: 'holdet, leve here, ...
Gerhard v. Minden 61, 78 Seelmann 95.
einen aus dem ton bringen auszer fassung, einem seine maszregeln vereiteln, den platz verrücken Wander 4, 1265. vgl. auch um den ton bringen um das ansehen bringen: der mensch fängt ordentlich an schlecht zu werden, nachdem man alle triebe der ehre erstickt, alle freuden um ihren ton gebracht, und sich auf den plan gestützt hat, alles mit befehlen und strafen, lehren und predigen von ihm zu erzwingen J. Möser 2, 72. den ton verlieren in den folgenden beispielen gleichfalls in übertragener verwendung: den ton verloren haben auszer fassung sein, sich nicht mehr zu rathen und zu helfen wissen Wander 4, 1265; sein ringen war umsonst. nun hatte das leben ton und haltung für ihn verloren, düstern gram in der seele schlosz er sich der armee des erzherzogs Ferdinand an Matthisson 6, 301. es ist jedoch hervorzuheben dasz ton auch in der bedeutung 'stimmung' in ganz entsprechenden wendungen begegnet, die gleichfalls ähnliche übertragungen gestatten; vgl. im folg. 4, f.
γ)
dœne klenken, singen, töne (an)stimmen:
wie klenk ich nu die dœne, sîd ich verlorn hân die hant?
Nibelungen 1901, 4, Lachmann;
walgende in den seiten.
si begunden dœne breiten
Gottfried Tristan 3602;
wan si den dôn nâch singent,
die nâch gotes hulden ringent
Enikel weltchronik 1547 Strauch;
der meie und al sîne dœne
die die vogele singent
Heinr. v. Morungen minnes frühl. 141, 13;
Leander stimmet süsse töne
und singt und seufzet seiner schöne
Hagedorn 3, 20.
δ)
den ton ûfwîsen, lêren, beweren, benamen: sú (vier jünglinge mit schalmeien) soͤltin alle sament uf doͤnen, und wiset (ein jüngling mit einer harfe) in uf neiswaʒ tones, den der selb wol verstuͦnt Heinr. Seuse 323, 13 Bihlmeyer;
da leret ich in schneller eil
der bar und thön ein grossen teil
H. Sachs 21, 338 Keller-Götze;
derselbe meister sol selbst den thon benamen, und ein gesetz darin er in beweret, selbst in ein buͤchlein so ins polpet gehoͤrig, zum gedechtnus einschreiben Puschman gründlicher bericht 28 neudr.
ε)
den ton machen, ein lied auf einen thon stellen:
ir spilleut, machet uns ain süeszen don!
fastnachtspiele 413, 18 Keller;
ein don in schoner weisse
gezirt in meisterlicher art,
war umb wolt man ihn schmehen und verhassen?
Folz 342 Mayer;
wer einen meisterthon machen oder melodiren wil, der mus erstlich mit fleis achtung haben, auff die eigenschafft der sechszerley reimen oder versz des meistergesangs Puschman gründlicher bericht 26 neudr.; genotierte töne vgl. Straszburger studien 3, 197;
der zwoͤlfft, der alte Steffan hiesz,
war viel jahr ein seiler gewisz,
welcher viel thoͤn componirt,
auch sein gesang lustig schoͤn ziert
minnes. 4, 890.
ich bat darauf, er möchte ... mich das betrübte lied, dessen thon ein weitberühmter Orpheus-bruder neulich aufgesetzet, anhören ... lassen Schirmer poet. rosengepüsche 112;
jetz er fur nam mit dichten,
kunt er hofflichen richten
auf schone art
eim jeden lied sein done
Folz 346 Mayer;
eene wyze op een lied stellen eine weise auf ein lied machen, ein lied auf einen thon stellen Kramer 2, 212. auch: das lied steht in einem ton und darnach in übertragenem sinn:
he si starck unde kone,
so steyt syn ruchte in rechter done
Stephan schachbuch 1776 Schlüter.
zu ähnlichen übertragungen konnte dann auch ton als 'stimmungston' den anlasz geben; vgl. im folg. 4, f und der rechte ton 8, h, δ. ebenso hat auch die wendung gegolten das lied geht in, aus, nach einem ton, die gleichfalls oft in übertragenem sinn gebraucht wird; vgl.es geht in diesem, einem andern, einem bessern ton, im alten ton u. s. w. im folg. 8; doch wirkt hier auch die bedeutung 'tonart' mitbestimmend, vgl. 4, e.
l)
der ton wird im allgemeinen bestimmt als
α)
dieser ton, dér ton, éin ton, derselbe ton:
ich beginne an im in diesem done,
der gedrîet stat des namen unt der persone
Sigeher minnes. 2, 362ᵃ;
ein anders in dysem tone meisterl. 51 Bartsch; vor der strophe Walthers ein man verbiutet âne pfliht steht in der gr. Heidelb. liederhs. mit bezug auf eine strophe Reinmars: in dem done ich wirbe umb alles daʒ ein man 512 Pfaff; im thon: Daffnis gieng vor wenig tagen venusgärtlein 79 neudr.; (er) singet unter die baszgeige im thon: resonet in laudibus, folgendes lied pedantischer irrthum (1673) 60; stent ie zwey lied in eym tone und in eim gemesse und sind der töne XXII der lied XLIII meisterl. 4 Bartsch; aber III ym selben ton von unser lieben frauͦwen 15.
β)
der andre ton: bei der 2. strophe des Wernher von Hohenberg steht in der gr. Heidelb. liederhs.: ander ton, bei den strophen 5—7 und 10—13 ein ander 113 Pfaff;
so ward Budorgis angesteckt,
so ward auch Meiszen selbst bethöret,
es ward kein andrer ton gehöret,
als der Apollons ohr erschreckt
Gottsched ged. 2, 184.
γ)
maniger dôn, eine bestimmte anzahl dœne:
und ich ir so manigen don
habe gesungen in den jaren min
Rubin minnes. 1, 317ᵇ;
ich het noch etestlichen dôn ...
her mit mir behalten
Neidhart 12, 28 Haupt;
und nur zun himmelpforten
verweisets allen thon
Spee trutz-nachtigal 3;
zweir minner sehtzig dœne ich hân
gesungen: die stânt gar hier an
Ulr. v. Liechtenstein 592, 11 Lachmann.
δ)
der alte ton: volget Muscatblutz alter ton die wyle der nuwe tone auch hy da vor stet meisterl. 9 Bartsch;
ursprinc bluomen, loup ûʒ dringen,
und der luft des meigen urbort vogel ir alten dôn
Wolfram lieder 7, 11 Lachmann;
meine ruhe ist nun verloren,
meine freude floh davon,
und ich höre vor meinen ohren
immer nur den alten ton
Göthe 1, 21 Weim.;
der wächter aber singet schon
das neue jahr im alten ton
Uhland ged. 1, 247;
wer singt im alten ton,
bekommt nur alten lon
Wander 4, 1264.
der neue ton: Muscat nuwer ton meisterl. 7; Kaspar Pecz newen thon Hans Sachsen H. Sachs gemerkbüchlein 1 neudr.
swaʒ ich in niuwen dœnen ie
dar vor gesanc, daʒ vint man hie
alleʒ an dem buoche stân
Ulr. v. Liechtenstein 592, 19 Lachmann;
wes halben sint die newen don verboten
und nit darzu die worte?
Folz 345 Mayer;
ε)
der guote dôn, der gekrönte thon, der klare, kunstgeübte ton:
her, wâ ist meister Wildunc?
nû solt wir haben einen klunc
sîner guoten dœne
Ottokar reimchron. 679 Seemüller;
wê wer wære unfrô?
sît die vogele alsô schône
singent in ir besten dône,
tuon wir ouch alsô!
Walther 51, 27 Lachmann;
die lerche soll jhr dir, dir, dir
dir herr sey lob, auch für und für
erzwingen in dem besten thon,
und mit uns loben gottes sohn
Scheffler heilige seelenlust 213 neudr.;
nunmehr solt ihr anzeigen schon,
womit doch die meister haben
erlangt solche grosse ehr und gunst,
dasz jeder hat ein krönten thon
Wagenseil 550;
wuͤsst ihr nicht, dasz ins gemein
alle tichter himlisch sein ...
dis tuht unser klahrer tohn,
dasz wihr staͤhn fohr Foͤbus trohne
Ph. v. Zesen adriat. Rosemund 28 neudr.;
hat nicht Weidner schön gesungen?
war nicht Rachel Phöbus sohn?
dessen kunstgeübter ton
ganz Germanien durchdrungen
Gottsched ged. 1, 208;
dagegen der ungevüege dôn:
owê, hovelîcheʒ singen,
daʒ dich ungefüege dœne
solten ie ze hove verdringen!
Walther 64, 31 Lachmann.
ζ)
der süsze ton begegnet als beliebteste verbindung schon seit alter zeit:
er videlte süeʒe dœne und sanc ir sîniu liet
Nibelungen 1643, 3 Lachmann;
in dem walde süeze dœne
singent cleiniu vogelîn
Ulr. v. Liechtenstein 97 Lachmann;
die musica mit suessem ton
die hat mein hercz umfangen schon
Sterzinger spiele 1, 167 neudr.;
unde ere sanck ghink boven alle seyden unde harpenspeel, so zoete was ere done Lübecker passional fol. 145ᵇ bei Schiller-Lübben. als benennung von meistertönen: in des Kanczlers suszem done meisterl. 55 Bartsch. in der geistlichen und weltlichen poesie neuerer zeit:
aber wollen wir singen,
singen ein süszen thon,
von einem weingarten
kath. kirchenl. 542, 1 Kehrein;
wenn unter hohen, jubelvollen zungen
ein süszer ton auch mir gerieth:
triumph! ich hab ein lied dem göttlichen gesungen,
und ihm gefällt mein lied
Ramler lyr. ged. 102.
dazu als gegensatz der ræʒe dôn, der rauhe ton:
der Mîssener hât sanges hort in sînes herzen schrîne,
sîn dôn ob allen ræʒen dœnen vert in êren schîne
Konr. v. Würzburg lieder und sprüche 398, 287 Bartsch;
wo nehmen wir denn rechte lieder?
wer stimmt uns denn den rauhen ton?
Gottsched ged. 1, 186.
m)
andre unterscheidungen begegnen in der kunstsprache der meistersinger, bes. bei der benennung ihrer weisen (vgl. Plate, die kunstausdrücke der meistersinger in den Straszburger studien 3, 185 und s. die beispiele bei Gödeke 1², § 91), so der kurze, lange, zarte, blühende, grüne, schwarze ton, vrou Êren dôn, Düringer herren dôn usw.
n)
der ton wird nach seinem empfindungsgehalt unterschieden.
α)
der hohe (der erhabne, emphatische) ton: der hohe thon, Friedrich Stollens Wagenseil 536;
mit bester stimm laszt klingen
den hoͤchst-, und besten thon
Spee trutz-nachtigal 106;
erhebt euch wie die adler von der erden,
schwingt euch hinauff fuͤr seinen thron:
erscheint fuͤr jhm mit dankbaren geberden;
und singet jhm im hoͤchsten thon
Scheffler heilige seelenlust 220 neudr.;
wan ich mit höherm thon
einmahl sing von dem potentaten
Weckherlin 1, 147;
dagegen niedre töne:
ihr niedern töne schweigt! von pracht und glanz entzücket,
sey ich zun sternen jetzt mir und der welt entrücket.
ein dichtungswürdgrer stof, als liebe, scherz und wein,
soll, voll von kühner glut, des liedes innhalt seyn
Lessing 1, 271.
ähnlich wird auch der laute, der volle ton in übertragenem sinn aufgefaszt:
der sonst mit starcker kunst dein oberhaupt besungen,
so dasz der laute ton in alle welt gedrungen!
Gottsched neueste ged. 5;
der alte sprach zum jungen: nun sei bereit mein sohn!
denk' unsrer tiefsten lieder, stimm' an den vollsten ton!
Uhland ged. 1, 307.
β)
die gemüthsstimmungen, freude und leid kommen zum ausdruck: ein anders in dem frolichen don Muscatblut nr. 48 Groote; der geile thon, Heinrich Frauenlobs Wagenseil 536; daʒ der done der freúden done in der hoch (ut resonaret in excelsis sonitus lœtitiœ) erste bibel 1 chron. 15, 16 Kurrelmeyer;
sîn herze sanc der freuden dôn
Ulr. v. Türheim Willehalm bei Lexer;
o tag, den enkel uns beneiden —
dein anfang sey gebet, dein schlusz ein ton der freuden
Herder 29, 27;
die singent des jâmers dôn
Ulr. v. Türheim Willehalm bei Lexer;
ich schell mein horn in jammers thon
mein freud ist mir verschwunden
Forster frische teutsche liedlein 176 neudr.;
glaubst du, dasz ich zu lang' in traurigen tönen dir singe;
schaue die zeiten an; sind sie die goldene zeit?
Herder 27, 295;
wie aber mag ich dich mein herz versöhnen,
dasz ich im wicht'gen fall dich nicht befrage?
wohlan! komm her! wir äuszern unsre klage
in liebevollen traurig heitern tönen
Göthe 2, 5 Weim.
o)
der ton gehört einer bestimmten nation oder einer bestimmten zeit an: vgl. schon den fremeden horndôn bei Gottfried im vorigen f; dann bei Luther: denn das man ... latinischen don odder notten behellt, las ich geschehen, aber es laut nicht ertig noch rechtschaffen wider die himmlischen propheten L 2ᵇ. besonders dann in neuerer zeit deutsche töne, heimische töne, töne der alten, des altertums:
doch Apoll mit seinen neunen,
der nicht gern sich liesz umzäunen
vom französischen parnasz,
schlieszt den zug mit deutschen tönen
Rückert 1, 182;
der übergang zu Herders leistungen führt uns auf dessen schöne eigenschaft: die stimmen aller völker zu vernehmen und aus ihren heimischen tönen auf die eigenheiten ihrer neigungen, tugenden und fehler zu schlieszen Göthe 16, 238 Weim.; hold und schön klingen mir hierüber die töne der alten Herder 17, 65;
wahrlich, es füllt mit wonne das herz, dem gesange zu lauschen,
ahmt ein sänger, wie der, töne des alterthums nach
Göthe 5, 223 Weim.
3)
ton bezieht sich auf musikinstrumente und die singstimme.
a)
der ton ist die musikalische schallwirkung im allgemeinen, und hier berühren sich bereits die gebrauchsweisen 1 und 2; vgl. im vor. sp. 684. ton wird vom zusammenklingen verschiedener musikinstrumente gebraucht:
die hellen pusînen
mit krache vor im gâben dôʒ. ...
der dôn iedoch gemischet wart
mit floytieren an der vart:
ein reisenote sie bliesen
Wolfram Parzival 63, 7;
die tambours, trompeter und querpfeiffer sind eigentlich die rechten lockvogel, die mit ihrer afficirenden musique, thon und schall manchen ungerathenen sohn ... herbeylocken Fleming der vollk. teutsche soldat 143.
α)
von der glocke:
von irem (der glocken) dône teilten sich die lüfte
Lohengrin 376 Rückert;
nicht das der glocken dohn und weihung der glocken das wetter odder frost vertreibe Luther 26, 234 Weim.; sie läuten so eben mit unseren sonoren glocken das reformationsfest ein. ein schall und ton bey dem wir nicht gleichgültig bleiben dürfen Göthe IV 38, 280 Weim.; ton der groszen glocke der läutenden kühe. schellen der maulthiere III 2, 169;
und nicht veracht der glocken thon
kath. kirchenl. 581, 9 Kehrein;
von allen thürmen hallt der glocke ton
Geibel 1, 63;
β)
vom zimbal, von der pauke:
die siben tagezîte zimbâl ûʒ golde in kunten wol mit dône
der graltempel 48 Zarncke;
man stimmt sie (die pauke) zwar ab, aber nicht, um durch ihren ton die accorde zu füllen, sondern nur, damit sie nicht störend in die übrige harmonie einfalle Helmholtz tonempfindungen 126.
γ)
vom horn und der posaune: vnd der done des horns wuͦchs gemechlich vnd ward gerichtet in merung erste bibel 2 Mos. 19, 19 Kurrelmeyer; vgl. auch 20, 18; 1 chron. 15, 28; 2 chron. 15, 14; wie lieblich überraschte mich daher aus der ferne der ton von einem paar waldhörnern Göthe 27, 336 Weim.; der ton eines jeden posthorns setzte ihn in bewegung 22, 68; da hub sich ein donnern und blitzen, und ein dicke wolcken auf dem berge, und ein dohn einer seer starcken posaunen Luther 2 Mos. 19, 16; ebenso Dietenberger und die Züricher bibel; vgl. auch 19, 19; 20, 18; 1 Cor. 14, 18;
ich höre der posaunen thon,
und seh' auch den gerichts-tag schon
Königsberger dichterkreis 237 neudr.;
laut mischte sich in der posaunen ton
das jauchzende rufen der menge
Schiller 11, 382.
δ)
von andern blasinstrumenten und der orgel: thon ... bombi, der schalmeyen Schönsleder F f 8; thon der trommeten ... clangor tubarum Aler 2, 1892ᵇ der ton oder laut einer trompete the sound of a trumpet teutschengl. lex. 1968; der ton seiner flöte klang wie silber durch die sommernacht Miller Siegwart² 766; do horden se in deme hemmele vnde in der lucht eyne zoete stemme vnd enen zoeten done der orgelen Lübecker passional 226ᵇ bei Schiller-Lübben; der ton oder laut einer orgel-pfeiffe the sound of an organ pipe teutsch-engl. lex. 1968.
ε)
von seiteninstrumenten: in dem selben spannen so doͤnt das selb saytenspil gar ain suͤssen doͤn und der selb doͤn hat siben suͤss stim und klang Ingold das goldene spiel 82 Schröder;
holde braut!   so schön der ton
deiner seyten stets geklungen,
so viel dichter haben schon
deiner tugend lob besungen
Gottsched ged. 1, 174;
ich sehe die rauschende harfe! — durstig
trink' ich mit ohr und blick ihren ton
Kretschmann 5, 15;
ist das klavier erst gebaut, wecken auch kinder den ton
Hebbel 6, 348;
der ton von Orpheus leyer durchschallt die öden felder Dusch 24; ich ging über die stiege immer dem ton etlicher geigen nach Ph. Hafner ges. lustspiele 1, 10.
ζ)
von der singstimme des menschen:
und engelstimmen kann fürwahr
nichts sterbliches im ton erreichen
Gottsched neueste ged. 15;
das meer scheint theil an ihrer klage zu nehmen und Orpheus auf ihren ton zu lauschen Göthe 49, 99 Weim.; hier hört er auf einmal ein helles fröhliches lied singen mit lustiger stimme, er geht dem tone nach B. v. Arnim frühlingskranz 396. ebenso von der stimme der singvögel:
sie (die nachtigall) ist dahin!
sie, deren ton mir in die seele hallte
Hölty ged. 56;
es war der ton der ammer zu hören, oder das zwitschern des zaunkönigs und goldhähnchens Stifter 5, 1, 270.
b)
ton ist die besondere, ausdrucksvolle klangart, die klangfarbe der verschiedenen instrumente und singstimmen. dieser gebrauch ergab sich, wenn die schallwirkung an sich nach der wechselnden klangbeschaffenheit beurtheilt wurde. aber auch lat. tonus wurde schon in solcher verwendung gebraucht und darnach dann das wort im franz. und in andern romanischen sprachen, deren einflusz in späterer zeit anzunehmen ist. doch vgl. schon im mittelalter klanges dôn:
sîn helm was mit zwein hornen
gezieret wol in fürsten wîs,
die lûhten beide silbergrîs ...
und mit ir klanges dône
gefröuten maniger muoter kint
Konr. v. Würzburg turnei 496 Bartsch.
in neuerer zeit liegt theilweise der fremde einflusz vor (vgl.: ton, qualité de son, hic tonus die weise des thons Pomai 1, 921ᵃ): thon ... ist die kunstgemäsze sing- und instrumentalische kling-art, die das abgesungene lied oder vorgespieltes music-stück, um so viel kräfftiger macht, durch ihr anhören die gemüther der gestalt zu afficiren, dasz sie so viel aufmercksamer, freudig oder betrübt, hertzhafftig oder verzaget, lustig oder wohl gar rasend werden Hübner curieuses handlungslexicon 2114; es wäre der mühe wol werth, dasz man versuchte, die verschiedenen arten des tones, nach dem eigenthümlichen charakter jeder art, zu bestimmen Sulzer theorie 4¹, 446. ton und takt: die finalen in der heutigen opera buffa sind das beste, wo alle die verschiednen charakter zusammenkommen, und in melodie, harmonie, ton, takt und begleitung durch mancherley ein buntes ganze machen Heinse 5, 272;
horch' die geigenden zigeuner!
wie vom teufel selbst gepackt!
die gesichter immer bräuner,
immer wilder ton und tact
Hebbel 6, 423.
ton, ausdruck: es ist die partitur der ausgesprochene wille des componisten, so dasz ton, ausdruck, bewegung, körperstellung beynah nicht verfehlt werden kann Göthe IV 27, 357 Weim. von dieser bedeutung des worts ist wohl auch auszugehen in dem franz. sprichwort: c'est le ton qui fait la musique der ton macht die musik aus (nouv. dict. fr. allem. 928ᵃ), das dann bildlich auf ausdruck und inhalt der rede, auf die art und weise des gehabens und handelns überhaupt bezogen wurde; vgl. im folg. 8. der plural ist in solcher verwendung naturgemäsz seltener, es sind dann die verschiedenen klangarten verschiedener instrumente oder singstimmen darunter zu verstehen: die natur jedes instruments kannte er aus dem grunde: wie der grosze maler farben auf seiner pallete mischt, so mischt er töne Schubart ästhetik der tonkunst 81.
α)
von den musikinstrumenten und der singstimme: fürchterlich wimmern die glocken zusammen — das ist kein ton, als wenn man zum gottesdienst läutete Schiller 3, 329; wobei der jüngere den stock mit der elfenbeinkrücke quer vor den mund nahm, zugleich den ton einer zum marsch blasenden pickelflöte nachahmend Fontane I 4, 246; klappenhorn (klappentrompete, ophikleïde) ... der ton aller instrumente solcher art ist unedel und etwas blöckend Riemann katechismus der musikinstrumente 93; der ton einer guten orgel musz dick, schneidend und alldurchdringend seyn Schubart ästhetik der tonkunst 278; blasinstrumente haben offenbar einen ganz andern charakter des tones, als sayteninstrumente, und von diesen ist der ton derer, die gestrichen werden, wieder von dem, der durch anschlagen oder zupfen der sayten hervorgebracht wird, ganz verschieden Sulzer theorie 4¹, 446; ton (in der singekunst) ton, stimme Rondeau 1, 756 a; der ton der menschlichen stimme wird durchgehends mit recht für den vollkommensten gehalten Sulzer theorie 4¹, 446; bey auswahl der stimmen musz man hauptsächlich auf den charakter sehen, ob empfindung im ton ist, zärtlichkeit, adel, heroisches wesen Heinse 5, 23. auch von der stimme der singvögel: auch der ton (der lorbeerlerche) ist durchaus verschieden von dem der deutschen haubenlerche: aber noch schwermütiger Brehm thierleben 4, 230.
β)
der ton eines virtuosen ist die ausdrucksvolle klangart, die seinem spiel eignet: zehn virtuosen können auf einerley instrumente, eines und dasselbe stück spielen: aber ihr vortrag und ton wird sich dennoch merklich von einander unterscheiden Kretschmann 1, 15; sein strich ist gigantisch, und sein ton schneidend und dick Schubart ästhetik der tonkunst 222;
c)
den ton bilden, ändern, tragen, ersterben lassen: die bildung des tones in der flote ist der bildung des tones in der menschlichen luftröhre ähnlich Quantz flöte traversiere 40; um den ton, ohne viel mühe, bald angeben zu können 45; den ton ändern 42; von disem vogel (der nachtigall) ist zu verwundern, dasz in im die vollkommen kunst der music ist, dann er einen feinen gerichten und geregierten ton gibt und den zeucht er jetz mit einem langen athem, jetz krümbt er in, jetzt teilt er den und zerbricht in underweilen Gesner-Heüsslin vogelbuch 170ᵃ ; den ton einer orgelpfeiffe erhöhen to raise the sound of an organ-pipe teutsch-engl. lex. 1968; den ton sinken lassen, herunterziehen. den ton schwellen, heben etc. Campe; unterhalte den ton so lange, bis man ... 1—8 gezählet hat Quantz flöte traversiere 57; in den zärtlichen arien schwächen sie die stimmen ganz unvermerkt, und am ende lassen sie den ton gleichsam ganz ersterben Mattheson critica musica 1, 153;
schöne sirene,
wie du so artig kannst heben und tragen den ton,
schweben ihn lassen und schwinden
Herder 27, 295.
d)
der ton wird nach seiner klangstärke und klangart beurtheilt.
α)
der grosze, kleine, dicke, runde, dünne ton:
diu glocke muoʒ den klüpfel hân,
sol si grôʒen dôn begân
Freidank 126, 15;
daʒ im sin stimme erklanc
von groʒme done
Herbort v. Fritslar 4181;
die vorzüge seines spieles, warmer groszer ton ... stempeln ihn zu einer musikalischen persönlichkeit tägl. rundschau 1901 unterhaltungsbeil. 312ᵃ; der geiger schien indisponirt: wir haben das werk fast niemals mit so kleinem ton und in so kleiner auffassung gehört 1898 unterhaltungsbeil. 1004ᵃ; die dort verfertigten trompeten, posaunen, zinken, clarinets und fagots haben dauer und schneidenden ton Schubart ästhetik der tonkunst 206; orgeln, von dickem metallenen tone ebenda; dann rief die kleine feuerglocke auf dem ratsturm mit gellendem ton die bürger zusammen Freytag 1, 40; eine proportionirliche oeffnung der zähne und des mundes, und ausdehnung der kehle, verursachen einen dicken, runden, und männlichen ton Quantz flöte traversiere 51; sie selbst spielte die prächtige orgel, deren unerwarteter mächtiger ton alle bewohner des schlosses ... dahin zog Arnim 8, 328; die claviere mit schweren und starken widerlagen für die saiten haben deshalb einen weniger durchdringenden, aber viel anhaltenderen ton Helmholtz tonempfindungen 115; der dicke und männliche ton ... der dünne, schwache ton (der flöte) Quantz flöte traversiere 41; denn die laute war ein gar schwer zu erlernendes, vornehmes instrument, das durch seinen magern ton zum tanzaufspielen für die menge sich nicht eignete Böhme gesch. des tanzes 245.
β)
der süsze, helle, dumpfe, rauhe ton:
aller stimme ein crône ist herpfen seiten ziere,
in suͤʒem hellem dône sô clinget dannoch fürbaʒ arzibiere
der graltempel 94 Zarncke;
kaum fühlt sie (die nachtigall) den gesang, so girrt sie schon
in sanftem, süszem, liebevollem ton
Ramler fabellese 1, 25;
der dumpfe ton der sterbeglocken Musaeus volksmärchen 3, 278; feierlichen aber gedämpften tones klangen die weihnachtsmelodien Fontane I 1, 8; um seiner stimme ... einen milden ton zu geben Brentano 5, 39; Apoll ... stimmt seine leyer im sanften ton Gottschedin briefe 1, 187; blosze holzschlägel geben den härtesten, schwammschlägel den weichsten ton Riemann katechismus der musikinstrumente 110; so sagt man z. b. ein instrument habe einen starken, sanften oder rauhen ton u. s. w. Koch musikal. lex. 1537;
der ziegengefüszete pausback
zwingt den heiseren ton wild aus dem schmetternden horn
Göthe 1, 307 Weim.
γ)
der gute, schlechte, der schickliche, natürliche ton: diese glocken hat einen guten odder bösen thon odder laut Agricola musica choralis deudsch D II b; denn man sagt von einem solchen instrument, es habe einen schönen, hellen, vollen, oder einen schlechten, dumpfigen, unangenehmen ton Sulzer theorie 4¹ 446; wo es darum zu thun ist, den menschen durch töne in würkliche leidenschaften zu setzen, kommt es sehr vil auf die gute wahl des instruments an, das den schicklichen ton dazu hat ebenda; (der recitierende) ist mit einem fortepiano zu vergleichen, auf welchem ich in seinem natürlichen, durch die bauart erhaltenen ton spiele Göthe 40, 145 Weim.
δ)
der reine, verstimmte ton:
bis ihm ein fehlerfreyer klang,
das zarte meisterohr mit reinem ton ergetzet.
Gottsched ged. 2, 251;
schwache dichter und poeten,
flieht mit eurer kunst davon!
weiche du verstimmter ton,
der mir vor so süssen flöten
Neukirch ged. 54;
e)
die empfindungen kommen zum ausdruck, der feierliche, innige, schauerliche, wilde ton: sie haben hier eine glocke, die gar keinen feierlichen ton hat Göthe 17, 29 Weim.;
siehst du meinen geliebten: so
sag' ihm an mit dem innigsten
ton: 'es grüszet die deine dich!'
Herder 27, 36 (an die nachtigall);
aber nimmer beschreib' ich dieser kehle
herzgewinnenden ton
Mörike 1, 195;
es giebt instrumente, die einen klagenden ton haben, andre haben einen fröhlichen Sulzer theorie 4, 446; bey dem dumpfen dröhnen von seltsamen hörnern, deren banger, schauerlicher ton marck und gebein durchzitterte Wackenroder herzenserg. 149;
nun rasen aus dem wild'sten ton
die geigen und die pfeifen
Hebbel 6, 194.
4)
ton der musik im besondern ist ein seiner tonhöhe nach bestimmbarer musikalischer klang. diese verwendung des worts hat theils seine älteren gebrauchsweisen zur voraussetzung, theils die bedeutung des lat. tonus in der kunstsprache der musiktheorie. wenn einerseits ton auf die klangwirkung eines musikinstruments und der singstimme im allgemeinen bezogen wurde, so lag es nahe, auch die verschiedenen und unterscheidbaren klänge als töne aufzufassen, und so ist denn auch in der ersten deutschen bibel bereits von der vnderscheidunge der doͤne auf dem horn und der harfe die rede; ferner war ja jede schallerscheinung an sich im weitesten sinn ein ton ein 'sonus', also auch in der musik, und während im franz. z. b. der alte gebrauch von 'sonus' im musikalischen sinn, der in der antike und bei Boethius geltung hat, fortgesetzt wird, gelangt im deutschen ton auch in dieser bedeutung zur herrschaft. deutlich auf den musikalischen zusammenklang als solchen hat der meister Ingold das wort bezogen in seiner abhandlung vom 'saytenspil': (Pythagoras) hies zwen haͤmer zesamen schlahen, den der da zwelf hat an dem gewicht und den der da hat sechs an dem gewicht; und die habent ain thon dyapason, ain octava das goldene spiel 79 Schröder. andrerseits hat aber doch auch die lat.-ital. terminologie der musiktheorie diese verwendung von ton begünstigt; lat. tonus war nicht nur als 'tonart', sondern auch als 'intervall' seit alters her in ununterbrochenem gebrauch (vgl.d im folg.), und schon zu beginn des 16. jhs. läszt sich der einflusz dieser verwendung nachweisen in der deutsch gereimten instrumentationslehre des Martin Agricola. auch er spricht noch im allgemeinen von den musikalischen 'sonis' wie Boethius, und auch bei ihm ist wie bei diesem tonus zunächst ein 'intervall'; doch gebraucht er neben der lat. auch die rein deutsche form, wenn er sagt, die eine seite sei ein ton niddriger gestellt. dann aber begegnet hier bereits der hoch und niddrige ton, und da liegt die verwendung von ton im musikalischen sinn von 'sonus' klar zu tage; dabei ist der einfluss des lat. worts der kunstsprache auch in der lautgebung erkennbar, in der damals sonst ungewöhnlichen bloszen tenuis. noch deutlicher und nunmehr allgemein maszgebend wurde aber diese einwirkung um die wende des 17. zum 18. jh.: die kunstsprache der der akustik und musiktheorie hat das wort wohl nach dem ital. zunächst in lat., dann in deutscher form dauernd in jenem musikalischen sinn durchgesetzt, den wir jetzt noch als seine grundbedeutung empfinden; nunmehr wurde die begriffsbestimmung endgültig festgelegt, und 1745 verzeichnet Zedler: tonus bedeutet in der music manch mahl so viel als sonus oder einen klang 44, 1252. nachdem das lat. tonus selbst im sinne von 'sonus' gebräuchlich geworden war, schlosz sich das deutsche wort an; wieder bestätigen lautliche verhältnisse diesen sachverhalt in ganz unzweideutiger weise: nunmehr wird die blosze tenuis allgemach vorherrschend, und es begegnen jetzt plötzlich die unumgelauteten plurale, die in der ersten hälfte des 18. jhs. weitere verbreitung gewinnen und sicher dem ital. und lat. nachgebildet sind (vgl. im vor. sp. 686). bequem läszt sich diese entwicklung verfolgen in der im jahre 1700 erschienenen musikalischen satire von Joh. Kuhnau der musikal. quacksalber; er verwendet zunächst die lat. form: da doch solches instrument in dem ambitu dieser stimme gar arm ist, und ... die wenigsten tonos hat 42 neudr.; dann steht neben der lateinischen form die deutsche, unumgelautete, die noch wie die andern fremden kunstausdrücke durch antiquadruck hervorgehoben wird: Pan hat wohl dergleichen pfeiffe gehabt: aber wenn er hinein geblasen, so haben alle tone und secunden zugleich gantzbarbarisch und ohne harmonie geklungen ... und würde er die zusammen klingende tonos ohne die anderen secunden alleine nimmermehr haben treffen, vielweniger in der harmonie continuiren können 205.
a)
der begriff von ton wird festgelegt und dem von schall, laut, klang gegenüber abgegrenzt.
α)
ton de musique ein laut, schall oder thon in der music tuono di musica Rädlein 2, 816; wir wissen aber, wie sehr vox articulata cum canora, wie sehr ein wort- oder andrer klang von dem musicalischen ton differire Mattheson critica musica 101; ein ton entstehet von einer zitternden bewegung der luft von gleicher ausdehnung. der ton also, der in der musik statt findet, ist von dem laut oder klange, so nicht vernehmlich und nicht von gleicher ausdehnung ist ... unterschieden Mizler gradus ad parnassum 2; in engerer und gewöhnlicherer bedeutung ist der ton ein klang in beziehung auf andere klänge, ein klang, welcher sich deutlich von andern unterscheiden und mit andern vergleichen läszt; in welchem verstande es besonders in der musik üblich ist Adelung; Campe; der blosze schall musz sich also in den eigentilchen ton verwandeln: jener ist ein unentwirrbares gemisch von diesen, töne aber sind etwas reines und gleichartiges A. W. Schlegel vorlesungen 1, 115 neudr.; zunächst unterscheiden wir zwischen geräuschen (zischen, plätschern, rasseln usw.) und musikalischen klängen oder tönen Joh. Müller lehrbuch der physik 1⁷, 369; ton heiszt ein musikalisch brauchbarer klang; nur klänge von konstanter schwingungsform sind töne Riemann musiklex.⁷ 1142; zum ton veredelt sich der schall, wenn die schwingungen des körpers regelmäszig erfolgen Vischer ästhetik 3, 847.
β)
in streng wissenschaftlichem gebrauch hat Helmholtz den begriff von ton noch weiter eingeengt und als den von all seinen beitönen gereinigten musikalischen klang umschrieben: es ist durchaus nöthig, in der akustik zwischen dem klange, d. h. dem eindruck einer periodischen luftbewegung überhaupt, und dem tone, dem eindruck einer einfachen schwingung zu unterscheiden, tonempfindungen 39; wirklich auf einen ton reducirt sich der klang einer tonquelle nur in sehr wenigen fällen, z. b. bei den stimmgabeln 97; vermittelnd zwischen diesem streng akustischen und den allgemeinen sprachgebrauch sagt Riemann: töne werden aufgefasst als vertreter von klängen handbuch der harmonielehre³ 2.
b)
ton in diesem sinn ist allgemeiner begriff; als akustisches phänomen: in den doxoskopien nimmt am ende der physik der ton und also harmonie nur wenige blätter ein Göthe II 7, 120 Weim.; ton ist luftsubstanz, luftseele, die fortpflanzende luftbewegung ist eine affection der luft durch den ton. im ohre entsteht der ton von neuem Novalis 2, 233. ton und schall: wenn ton nicht schall ist: so ist ton- und nicht schalllehre, melodie und nicht harmonie der haupttheil der ästhetischen musik Herder 4, 114;
jeder höret gern den schall an,
der zum ton sich rundet
Göthe 6, 23 Weim.
als musikalisches ausdrucksmittel: ton ist die sinnlichste darstellung der seele, und gleichsam das wahrste bild ihres reinen sich in sich selbst regenden wesens Heinse 5, 112; denn nicht die unmusik macht den musiker, sondern die musik und die übersinnlichere musik bringt die musik in sinnlichem ton hervor Göthe IV 19, 56 Weim. ton und farbe: wer die physischen wirkungen, die höchsten, die wir kennen, farbe und ton, hinunter ziehen wollte, würde sich sehr verkürzen Göthe II 11, 173 Weim.; der ton scheint nichts als eine gebrochne bewegung in dem sinn, wie die farbe gebrochenes licht ist, zu sein Novalis 2, 236;
wo die natur den ton verleiht, da versagt sie die farbe,
wo sie die farbe gewährt, weigert sie immer den ton
Hebbel 6, 358.
ton wird dann in dieser verwendung als 'musik' überhaupt gebraucht: in vielen melodischen gängen wandelt der ton auf und nieder Herder 23, 21; mit Reichardt, der vor kurzem gestorben, ist Teutschland ein groszer meister des tones verstummt Görres schriften 2, 118.
c)
auf der unterscheidung nach der tonhöhe beruht die normierung und benennung bestimmter töne im musikalischen system. sie wurden in der technischen sprache der alten theoretiker zunächst als soni und voces bezeichnet; seit dem 11. jh. war dann in diesem sinn besonders clavis im gebrauch (vgl. Riemann musiklex.⁷ 261), so noch im 16. jh. und später: volget noch ein ander, besser und gemeine art, wie man die claves nach musicalischer weise, auff diesen pfeiffen blasen und greiffen soll Martin Agricola mus. instr. deudsch 178 neudr. auch hier ist der technische gebrauch von tonus jünger und wie in a aus d übertragen. vgl.: tonus musicus, sonsten auch clavis genannt, deren 7 sind und durch die 7 ersten buchstaben des alphabets unterschie den werden Sperander (1721) 743ᵃ; ebenso Zedler, Hübner, Jacobsson. erst im 18. jh. begegnet die technische verwendung, als unmittelbare entlehnung aus der ital.-lat. kunstsprache, wie der zunächst umlautlose plural deutlich zeigt: C ist hiebey trumpf; doch könte man vermuthlich auch nach andern tonen die gläser einrichten lassen Mattheson crit. mus. 2, 96; die acht tone the eight tones of an octave in music teutsch-engl. lex. 1968; ingleichen, dasz man noch nicht wüste, wie es käme, dasz mancher clavis oder ton eines instruments in einem zimmer stärcker klinge, als in dem andern Kuhnau der mus. quacksalber 103 neudr.; so sagt man: der ton C oder c Sulzer theorie 4¹, 446ᵇ; Guido von Arezzo, ein eifriger reformator der musik seiner zeit, führte im anfang des eilften jahrhunderts ein system von zwey und zwanzig diatonischen tönen ... ein 343ᵇ; nur siben töne hat die tonkunst Herder 27, 192; die sieben töne liegen zwar auch in der kehle der vögel; aber was hat der mensch aus diesen sieben tönen gemacht! Schubart ästhetik der tonkunst 4.
d)
aus dem alterthum stammt die verwendung von ton zur bezeichnung des 'intervalls' in der diatonischen scala; als sich dann die nothwendigkeit ergab, ein kleineres intervall zu bestimmen, wurde dieses als halber ton von dem ton als dem ganzen ton unterschieden. schon griech. τόνος ist im sinn von 'intervall' gebraucht worden, von dessen breite (πλάτος) die rede war; darnach auch lat. tonus im alterthum und im mittelalter: diapason consonantia constat ex quinque tonis et duobus semitoniis, quae tamen unum non impleant tonum Boethius inst. mus. 1, 17; in dem deutschen tractat des 10. jhs. 'de musica' aus St. Gallen: uuir fíndên ûfstîgendo fóne demo niderôsten ze demo óberôsten díse síben únderskéita. tonum tonum semitonium. tonum tonum semitonium tonum Pipers Notkerausgabe 1, 855; so noch im 16. jh.:
sesquoctaff der ander und dritt
ein gantzen tonum brachten mit
Martin Agricola musica instr. deudsch 253 neudr.
hier aber begegnet auch schon die reindeutsche form:
nemlich wenn der underste chor
ein ton niddriger gstelt, dann vor
230.
darnach im 18 jh. allgemein: es ist aber der ton ein harmonischer unterscheid, da man die stimme bald um eine stuffe erhöhet, bald erniedriget Sperander 743ᵃ; ebenso Zedler, Hübner und Jacobsson; halber thon semitonio Kramer (1678) 1043; halbe tone half-tones teutsch-engl. lex. 1968; ein ganzer, ein halber ton Adelung; Campe; der kleinste raum von einem ton zum andern heiszt ein halber ton, uud die verbindung zweyer halben töne heiszt ein ganzer ton Marpurg handbuch bey dem generalbasse 2; ganze töne werden die gröszeren stufen C-D, D-E; halbe töne die kleinern E-F, F-Fis, u. s. f. genannt Sulzer theorie 4¹, 446; im singen einen gantzen oder halben ton herunter fallen to fall, or lower a tone or half a tone in singing teutsch-engl. lex. 1968; diese instrumente haben vier ventile und zwar vertiefen dieselben auf der tenortuba in B um 1⁄2, 1, 11⁄2 und 2 töne, auf der basztuba in F um 1⁄2, 1, 2 und 3 töne Riemann katechism. der musikinstr. 104; auch der grosze und kleine ton wird unterschieden: die harmonische hälfte der octave giebt die reine quinte; ... und die harmonische hälfte der groszen terz den groszen und kleinen ton Heinse 5, 66; die ganzen töne sind wieder zweyerley: der grosze ganze ton, C-D ..., der kleine ganze ton, wie D-E Sulzer theorie 4¹, 446. im übertragenen sprachgebrauch; sprüchwörtlich und bildlich: das geht einen ton zu hoch Wander 4, 1265. in weiter übertragenem sinn: indessen glaube ich doch bemerkt zu haben, dasz der französische schauspieler, durch einen verjährten gebrauch und den verdorbenen geist seiner nation geleitet, selbst für diese nationale art von tragödie noch um einen ton zu hoch beginnt Solger nachgel. schriften 1, 59; der gemeine mann würde sich einen ton herauf, der vornehmere einen ton herab stimmen, und die welt würde mehr väter, mehr brüder, mehr freunde haben Hippel über die ehe 52; dieser ausspruch brauchte nur um einen ton verstärkt zu werden M. Bernays schriften zur kritik und litteraturgesch. 2, 249; mehr bedeutet, dasz jeder vom nächsten sich immer gerade um das fatalste intervall, den halben ton, unterscheidet P. de Lagarde deutsche schriften 27. von der farbe: Hinnerk Schmidts sonnenverbranntes gesicht wurde um einen ton bleicher tägliche rundschau 1908 unterhaltungsbeil. 569ᵃ.
e)
aus der lat. terminologie der musiktheorie ist auch der gebrauch von ton im sinn von 'tonart, tonleiter' herzuleiten. tonus wurde schon zur bezeichnung der antiken tonarten verwendet, und im mittelalter bezog man dann das wort auf die gregorianischen weisen des kirchengesangs; vgl. im vor. sp. 683. in lat. form begegnet es in dem deutschen tractat 'de musica' aus St. Gallen: tíu des êristen toni. únde des ánderen sínt tíu hábent ûʒlâʒ án demo. B Pipers Notker - ausgabe 1, 853. später steht dann neben der lat. auch die reindeutsche form: bey seinen zeitten haben die Griechen nur drey tön gehabt, dorium, lydium und phrygium Cyr. Spangenberg von der musica 69 Keller; da er (Luther) vor 40 jahren die deutsche messe zu Wittenberg anrichten wollte, hat er ... dazumalen von den choralnoten und art der acht töne unterredung mit uns gehalten und beschlieszlich hat er von ihm selbst die choralnoten octavi toni der epistel zugeeignet & sextum tonum dem evangelium geordnet Johann Walther in der Weim. Lutherausgabe 19, 49. in neurer zeit noch in historischer verwendung: er (der verfasser dieser alia musica) ... definiert das verhältnis der plagalen zu den authentischen tönen als das der tieferen quart Riemann gesch. der musiktheorie im 9 -19. jh. 13;
in den sieben tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder,
in den sieben alten tönen, die umfassen alle lieder
G. Keller 9, 53.
α)
im 17. jh. wurden die kirchentöne durch die unterscheidung von dur und moll verdrängt (Riemann musiklex.⁷ 1423); nunmehr wird ton auch mit bezug auf diese gebraucht. zunächst verwendet die kunstsprache den lat. terminus, so noch zu beginn des 18. jhs.: diejenigen toni, welche, aus ihrer natur, die tertiam minorem mit sich führen Mattheson crit. mus. 28. weil er (Caraffa) ein musicus ist, und es vermuthlich mit fa oder der tertia minore, das ist mit denen weichen und mollen tonis hält Kuhnau der mus. quacksalber 29 neudr. alsbald begegnet auch das deutsche wort: der harte don cantus durus der weiche don cantus mollis Stieler 324; nach der sogenannten gleichschwebenden temperatur hätte man in der that nur zwey verschiedene töne, einen nach der groszen oder harten, und einen nach der kleinen oder weichen tonart Sulzer theorie 4¹, 447ᵇ; harte und weiche töne (dur- und molltöne) Campe. der moderne sprachgebrauch bevorzugt in diesem sinn tonart.
β)
ton ist die 'tonart' insofern sie nach der tonstufe bestimmt ist, auf welcher der tonische akkord seinen sitz hat (Riemann musiklex.⁷ 1423), nach ihrem grundton. in diesem sinn hat das wort im 18. und 19. jh. gröszere verbreitung gefunden, doch empfindet das moderne sprachbewusztsein auch hier tonart als die correcte bezeichnung. zunächst bedient sich die kunstsprache wieder des lat. worts: weil die toni aus dem re, fa meistentheils dem affectui tristitiae zustatten kommen müssen Kuhnau der mus. quacksalber 30 neudr. dann begegnet die reindeutsche form: wenn man sagt, ein stück sey aus einem gewissen ton gesetzt, ... so heiszt es so viel, man nehme zur fortschreitung des gesanges nur die töne die in der octave desselben tones nach seiner harten oder weichen tonart liegen Sulzer theorie 4¹, 447ᵃ; jeder ton ist entweder gefärbt, oder nicht gefärbt. unschuld und einfalt drückt man mit ungefärbten tönen aus. sanfte, melancholische gefühle, mit B tönen; wilde und starke leidenschaften, mit kreuztönen ... Esdur, der ton der liebe, der andacht, des traulichen gesprächs mit gott Schubart ästhetik der tonkunst 377. in einen andern ton übersetzen, versetzen: transponiren bedeutet in der musik, wenn man ein stück in einen andern ton übersetzet, als woraus es eigentlich componiret ist Scheibe crit. mus. 415 anm.; die stücke derer, die eine solche sorgfältige wahl getroffen haben, lassen sich deswegen nie ohne schaden in andere töne versetzen Sulzer theorie 4¹, 448ᵃ. aus einem ton spielen in einer tonart spielen Scheibe crit. mus. 415 anm.; man verlanget noch überdies dass ein clavierspieler ... aus allen tönen mit gleicher leichtigkeit spielen ... soll Ph. E. Bach art das clavier zu spielen, vorrede. aus einem ton singen: de quel ton est ce pseaume? aus welchem tone wird dieser psalm gesungen? Rondeau 1, 756; das lied wird in dem ton gesungen ce cantique (cet air) se chante sur un tel ton 2, 591. das stück geht aus einem ton: weil nun eine jede melodie, oder sing- und spiel-weise, jedes stück, jedes lied, einen eintzigen gewissen haupt-klang haben musz, um welchen es sich vornehmlich aufhält, und darin endiget, nach dem sprichwort: am ende des gesanges weiset sich, aus welchem ton es gehet Mattheson generalbaszschule 115; die wahl des tons, aus welchem das stück gehen soll Engel 4, 309; aus welchem tone geht das stück? Adelung; das stück gehet aus einem andern ton Campe. an ton im sinne von 'tonart' knüpfen vielfach bildliche und übertragene ver wendungen an; bildlich vom lied auf diesen ton hinausgehn, in solchem ton auszhalten: doch gehet fast insgemein das lied auf diesen thon hinaus: gunst und geld erhält die welt J. W. Christstein weltmann (1675) 38; ich gedachte wohl, das lied würde in solchem ton auszhalten kunst über alle künste 21. vgl. auch im vor. 2, k, und im folg. 8.
f)
ton ist die 'stimmung', das ist der bestimmte ton, nach welchem die instrumente gestimmt wurden, der früher vielfach verschieden war, bis im jahr 1858 durch die Pariser akademie die normaltonhöhe des eingestrichenen a auf 870 einfache oder 435 doppelschwingungen festgestellt wurde (vgl. Riemann musiklex.⁷ 680). auch in diesem musikalisch-technischen sinn ist der gebrauch des ital. und franz. worts vorangegangen: der ton, in welchem die orchester zu stimmen pflegen, ist nach beschaffenheit der orte und zeiten immer sehr verschieden gewesen. der unangenehme chorton hat einige jahrhunderte in Deutschland geherrschet ... der venezianische ton ist itziger zeit eigentlich der höchste, und unserm alten chortone fast ähnlich Quantz flöte traversiere 241; dasz .. in einer jeden provinz und stadt, eine andere stimmung, oder herrschender ton, eingeführet ist 25; die verschiedenheit des tones in welchem man stimmet, ist der musik sehr schädlich 241; zwey instrumente auf einen ton stimmen accorder deux instruments sur un même ton Rondeau 2, 291.
zwei instrumenten gleich, in zwei verschiednen tönen
gestimmt, wo eines will das andre niederdröhnen
Rückert 8, 115.
im tone halten, erhalten (ital. 'tenere in tono'): eben also ist es einem rechtschaffenen musico und componisten gar nicht genug, wenn er einen choral anzustimmen, und die schüler im ton zu halten weisz Mattheson generalbaszschule 29; aus dem tone bringen: denn es verwirren dergleichen übersteigende und ungewöhnliche sätze den zuhörer, und bringen die sänger sehr leicht aus dem tone Scheibe crit. mus. 184; auch aus dem tone kommen (ital. 'uscir di tono'). beide wendungen werden dann in übertragenem sinn gebraucht: 'aus der fassung bringen, aus der fassung kommen'; vgl. im vor. 2, k, β. der ton steht hoch oder tief: der ton des orchesters mag hoch oder tief stehen, so wird er doch nicht vermögend seyn die verhinderung, so eine ungleiche stimmung an der guten ausnahme machet, zu ersetzen Quantz flöte traversiere 181. im rechten ton stehn (vgl. ital. 'stare in tono'): musicus: mein instrument stehet nunmehr im rechten ton, madame (ist in der richtigen stimmung) kunst über alle künste 96; übertragen: dernach wann es bei ihr im rechten ton stehet, will ich auch gelindere seiten aufziehen 146; vgl. auch im vor. 2, k, ε und im folg. 8, h, δ. in absolutem sinn den (maszgebenden) ton geben, angeben (ital. 'dare il tono' und franz. 'donner le ton'), nach dem die musikanten sich zu richten, zu stimmen haben. ebenso beim singen: canentibus tonum praeire, toni modum praecinere, praemoderari den singern den thon geben Pomai 1, 921 a; vgl. auch im folg. 9.
g)
die töne an sich sind gehörseindrücke.
α)
als akustische und musikalische phänomene: die töne an und für sich genommen, und nach dem bloszen verhältnisz, sind freylich so allgemein, wie das element der luft, woraus sie bestehen Heinse 5, 233; es wohnet inne ein fesselnder, von dem ganzen alterthum gefeierter zauber in der anschaung mathematischer wahrheiten, der ewigen verhältnisze der zeit und des raumes, wie sie sich in tönen und zahlen und linien offenbaren Humboldt kosmos 2, 394; da fuhren lichtstrahlen durch die nacht, und die lichtstrahlen waren töne, welche mich umfingen mit lieblicher klarheit E. Th. A. Hoffmann 1, 15; die erde rollte mit ihrer achse wie mit einer spielwelle nahe an der sonne und schlug aus ihr strahlen und töne Jean Paul 15-18, 535; sie ver mischte die sinneseindrücke in ihren reden auf die seltsamste weise, sodasz sie von tönen behauptete, sie sähe rot oder blau, und umgekehrt von den farben, sie klängen munter oder traurig O. Ludwig 2, 581; der einwurf, über töne dürfe man nicht urtheilen ... verliert alle kraft Schubart ästhetik der tonkunst 2; worte und töne sind wahre bilder und ausdrücke der seele Novalis 3, 216; jeder ton ist die vereinigung einzelner vibrirender theile eines stoffes zu einer gesammtwirkung Vischer ästhetik 1, 148.
β)
töne eines accords, lieds, der musik überhaupt, eines tonmeisters: wer kann den bund zweier herzen lösen oder die töne eines akkords auseinander reissen? Schiller 3, 371;
nimm einen ton aus einer harmonie,
nimm eine farbe aus dem regenbogen,
und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
das schöne all der töne fehlt und farben
11, 50;
versäume nichts, schreib mir alles, wie wenn es gesungen wär, wo du auch keinen ton auslassen darfst, ohne die harmonie zu zerstückeln B. v. Arnim die Günderode 1, 210;
jeder ton kann wichtig sein
in den groszen melodein
Oetker lebenserinnerungen 2, 324;
genau so gut könnte ich mich vermessen, den duft einer rose oder die töne einer sonate — erzählen zu wollen tägl. rundschau 1908 nr. 127, 1. beil. 3; wen die töne des hochamts in dieser kirche zum himmel erheben Justi Winckelmann 2, 1, 27;
ein theures bild, wohl wirkt es wunderkräftig,
wohl mancher kummer weicht des liedes tönen
Uhland ged. 1, 111;
wie durch einen reinen ton der musik uns unzerreiszbar ihre tonleiter in allen tönen und tonarten gegeben ist Herder 22, 60; dieses gemälde, ... welches nur Thomsons und Haydns töne dem ohre malen können F. Th. v. Schubert verm. schriften 3, 43;
und mit wonne lauscht sie wieder
Goethe's liedern, Mozarts tönen
Geibel 4, 86.
γ)
der ton tönt, töne klingen, rauschen, gleiten, glänzen, lachen, schmelzen u. s. w.: weil ein ton nie allein, sondern immer dreifältig tönt, gleichsam die romantik der zukunft und der vergangenheit mit der gegenwart verschmelzend Jean Paul 52-60, 162; wenn mehr als zwei töne zusammen klingen Helmholtz tonempfindungen 348;
rauscht ihr töne, klopft ihr herzen,
dieser festtag macht uns froh
Gottsched ged. 2, 319;
schneller brausen jetzt die töne,
kühner herzen wilde söhne
Lenau neue ged. 30;
ei wie so wundersam durch die nacht
die töne schwellen und gleiten!
Geibel 2, 156;
alle naturgesetze sind durchlöchert ... die farben klingen und die töne leuchten Immermann 2, 155; Tieck läszt nicht nur die farben klingen , .. sondern auch die töne glänzen Jean Paul 49-51, 308;
und dennoch wirst du ewig in mir leben,
gleich wie ein ton lebt in der stillen luft
Hebbel 6, 207;
keine farbe ist so romantisch wie ein ton, schon weil man nur bei dem sterben des letzteren, nicht der ersteren gegenwärtig ist Jean Paul 52-60, 162;
wie kinderjubel und todesqual
lachen und weinen die töne
Geibel 3, 154;
ein musikliebhaber, der wenn er sich vor sein notenblatt setzt, doch töne hervorbringt, die ihm und andern vergnügen machen Göthe IV 8, 240 Weim.; künstler lernen der natur ihre werke ab, töne schmelzen die wilde Schiller 1, 156;
δ)
geschwirr von tönen, sturm, wellen, welt der töne, der töne macht, zauber: ein angenehmes und oft rührendes geschwirr von tönen Heinse 5, 78; wie kann der heilige sturm der töne nur ein stäubchen rücken Jean Paul 15 -18 645;
die orgel wälzt nicht mehr der töue strom
dnrch die gewölbe majestätisch fort
Matthisson ged. (1874) 78;
ein ozean der töne
A. Grün 4, 66;
wie auf den wellen der töne mein ganzes wesen, melodisch durchzittert, in den himmel hineinschwamm Steffens was ich erlebte 1, 151; in dieser weise kann denn die melodiöse bewegung der töne ausdruck werden für die ... gemüthszustände Helmholtz tonempfindungen 413;
und mir entgegnet, was mich sonst entzückte:
der leier klang, der töne süszes licht
Göthe 16, 336 Weim.;
was er hört, das musz er emsig schreiben;
so ersteht der töne dauernd bild
Immermann 11, 246;
du hast im gebiete der kläng' und töne
erforscht das edele, hoh' und schöne
Hoffmann v. Fallersleben 6, 78;
verloren in die welt der töne, vergasz er hier so mancherlei lasten Fr. Rochlitz für freunde der tonkunst 1³, 81;
der töne macht, die aus den saiten quillet,
du kennst sie wohl, du übst sie mächtig aus
Schiller 15, 1, 11;
wer seiner töne zauber hörte,
beklagt, dasz sein geschick ihn rief
Langbein 5, 385.
ε)
keinen ton verstehn, töne setzen, in tönen malen sprechen, denken: hier war ich noch so wenig nutze, als einer, der noch keinen ton verstehet, in einer kapelle der Leipziger aventurier 1, 49;
wer not und ton nicht kennt,
der wird erbärmlich singen
Günther nachlese 134;
das töne setzen will nicht gelingen Schnitzler der grüne kakadu 14; diese töne, denen von anfang her eine sympathie zur menschlichen seele verliehen ist, so zusammenzusetzen, dasz sie das herz rühren Wackenroder herzenserg. 264;
da schwebt hervor musik mit engelschwingen,
verflicht zu millionen tön' um töne
Göthe 3, 27 Weim.;
gewisse bewegungen des herzens, die sich in töne bringen lassen Gerstenberg briefe 338 neudr.; mit tönen zu begleiten Göthe IV 42, 29 Weim.; töne durch töne zu mahlen: zu donnern, zu schmettern, zu plätschern und zu patschen ist detestabel 33, 9; oft musz ichs selbst ihr sagen in tönen B. v. Arnim frühlingskranz 324; wir werden nun in tönen mit einander sprechen Mendelssohn briefe 1, 195;
so singt er seines stammes melodie'n
ihm sacht zur cither, schwermuthvolle weisen,
daraus des volkes seel' in tönen klagt
Geibel 2, 276;
dasz alle pulse zu klängen werden,
dasz alle gedanken in tönen irren
Tieck 2, 115;
süsze liebe denkt in tönen,
denn gedanken stehn zu fern,
nur in tönen mag sie gern
alles, was sie will verschönen
Tieck bei Uhland ged. 1, 120;
eine philosophie in tönen kann man diesen romanzenkranz nennen Bruns vorträge 472.
ζ)
der meister der töne, der maler mit tönen:
heiszet den meister der töne willkommen
W. Müller ged. 1, 372;
studire die werke groszer meister: einen Bach .. Mozart .. Beeke, den maler mit tönen Schubart 6, 73.
h)
α)
die töne werden auf den musikinstrumenten hervorgebracht: es sey das horn, oder die herpffe, nuer sy geben vnderscheidunge der doͤne, in welcher weys wirt zewissen was do wirt gesungen oder was do wirt geherfft? erste bibel 1 Cor. 14, 7 Kurrelmeyer; diejenigen, welche davor halten, dasz die blasinstrumente oder röhren selbst eine zitternde bewegung annehmen und also die tone der blasinstrumente zu der ersten gattung der tone rechnen, werden solches schwerlich beweisen können Zedler 44, 1188; wer erinnert sich ... nicht der im posthorn eingefrornen töne, und — und — o! o! o! — — Immermann 1, 7;
geister jagen mich, wie donner
schallen mir der orgel töne
Schiller 13, 299;
wer hat aus den saiten die thöne geschaffen Zimmermann von dem nationalstolze 126; seine violine sprach; jeder ton ward eine silbe Miller Siegwart² 560.
ist auf deinem psalter,
vater der liebe, ein ton
seinem ohre vernehmlich,
so erquicke sein herz!
Göthe 2, 62 Weim.;
β)
von der singstimme: aber warum wollen wir denn vergessen, dasz töne unsrer stimme ein viel unmittel bareres bild geben, als töne selbst der sprechendsten geige Gerstenberg briefe 30, 341 neudr.;
wie ihre töne lieblich klangen
und heimlich süsz ins herze drangen
Heine 1, 51;
auch von der singstimme der vögel: der vogel, der ganz stimme und ganz liebe ist, erkennt die töne seiner art Abbt 1, 126; in der leeren luft, durch die keine gefiederte töne, keine klopfende herzen mehr flogen, zeigte sich nichts lebendiges als die ewige sonne Jean Paul 1, 267;
der nachtigallen töne
hohlt' er vom wald herzu
Blumauer ged. 58;
γ)
die instrumente geben töne: so gibt jede pfeife (der orgel) nur einen ton, und es sind daher so viele pfeifen wie töne erforderlich Riemann musiklex.⁷ 1024; das weib gleicht einer flöte, die jedem töne gibt, der sie anzublasen weisz Klinger theater 2, 50.
δ)
töne erzeugen, anschlagen, blasen, singen: geregelte töne zu erzeugen und harmonisch zu verbinden Böhme gesch. des tanzes 1;
der frohe Phöbus selbst
ergriff bey dieses festes feyer,
die allmachtreiche leyer,
und liesz bey seiner schwestern singen
die göttlichschönen töne klingen
Gottsched ged. 2, 310;
er brachte wohl einen ton heraus, aber keine note Shakespeare, sommernachtstraum 5, 1; mit dieser übung unterhalte man sich so lange, bis man diese töne alle, nacheinander, sicher heraus bringen kann Quantz flöte traversiere 45; so werden die dreygestrichenen töne, bis an das G, ganz gemächlich zur ansprache gebracht werden können 45; man spiele hierauf, in der ersten oetave, die töne nach einander unterwärts, bis in das eingestrichene D 45; wenn ich zwei klaviere neben einander stelle, und auf einem derselben eine saite rühre, und einen ton angebe Schiller 1, 88; ich ... sang zu den tönen, die die sklavin auf der laute anschlug O. Ludwig 2, 466; die horn-musik, wo jeder sein ganzes leben durch nur einen einzigen ton bläset F. Th. Schubert 2, 253; sie steht vor dem gemälde still, betrachtet es, und greift auf dem klavier einige töne Tieck 2, 275; indem man auf einem instrument einen ton greift, ist unter allen tönen, die es möglicher weise angeben kann, nur dieser einzige wirklich Schiller 10, 312; die töne brechen, reiszen Campe; wie in der musik das richtige, genaue und reine treffen jedes einzelnen tones der grund alles weiteren künstlerischen vortrages ist Göthe 40, 140 Weim.; der ton, den ich singend aushalte, ruht mit dem anfang bereits in der vergangenheit Pückler briefw. und tageb. 1, 376; und wie er die töne (der posaune) aushielt, anschwellen und verklingen liesz, so machte es ihm keiner nach Riehl culturgesch. novellen 62;
welzet die thone die treppe hinunter!
ändert den lauf!
und stolpert die stufen auch rückwerts herauf!
fort schlaget zuweilen ein trillo mit unter!
Stoppe Parnass 70;
hört, wie hier die vögel singen!
wie so hell, wie rein, wie klar!
hört, wie sie die töne kräuseln!
Brockes irdisches vergnügen in gott 5, 36.
i)
die töne werden nach ihrer klanghöhe, klangstärke, klangdauer und klangart im allgemeinen unterschieden.
α)
der vorstellung des musikalischen systems als einer 'tonleiter' entspricht die unterscheidung der töne nach höhe und tiefe. in der lat. terminologie der älteren musiktheorie, so vor allem bei Boethius wird freilich noch der hohe ton als 'sonus acutus', der tiefe ton als 'sonus gravis' aufgefaszt, und darnach können wohl auch im deutschen etwa der helle, dumpfe ton gelegentlich in diesem sinn gegolten haben: die raumsymbolische bezeichnung findet sich aber bei fast allen völkern (vgl. Stumpf tonpsychologie 1, 189 ff.), und sie wird auch im deutschen alsbald durchgedrungen sein; dabei mag auch die entsprechende anordnung der saiten auf den musikinstrumenten eine rolle gespielt haben, vgl. in dem St. Galler tractat 'de musica': sô uuîo dien áltên musicis fínfzen bûochstábo. únde fínfzên séitôn gnûoge dûohtî. únde sie uuóltîn dáʒ tiu citarha sô mánige séiten hábetî. únz ter óberosto demo níderosten ínchâde in quadruplo Pipers Notkerausgabe 1, 853. darnach ist dann auch vom niedrigen, tiefen, hohen ton die rede:
darumb speculirt er (Pythagoras) manche stund
das er erfüre den rechten grund ...
wie es zugienge mit den sonis
und er der sach würd gewis,
nemlich, was für proportion
gibt der hoch und niddrige ton
Martin Agricola musica instr. 251 neudr.;
je kürtzer die röhren, je höhere tone, je länger aber solche sind, je tieffere tone entspringen Zedler 44, 1190; wenn die flöte zu sehr verjünget zugeht: so werden die hohen töne gegen die tiefen zu hoch Quantz flöte traversiere 41; hohe töne weiblicher stimmen Helmholtz tonempfindungen 179. vgl. im sprüchwort: je höher der ton, je feiner zittert die saite gebildete menschen zeigen durch ihr betragen, dasz sie gebildet sind Wander 4, 1264. hohe und tiefe töne drücken gemüths- und gefühlsstimmungen aus; dabei ist zu erinnern, dasz der hohe ton als die 'erhabene melodie' als das 'erhabene lied' schon in früher zeit geltung hatte, vgl. im vor. 2, n, α, und in übertragenem gebrauch hoher ton, hohe töne im folg. 8, l, ε. auch an sich sind hohe und tiefe töne äuszerungen der seelenstimmung: höhere töne sind sthenischer, tiefere töne asthenischer natur ... höhere töne drücken erhöhtes leben, tiefere töne vermindertes leben, mangel aus Novalis 3, 362; Wiener gemüthlichkeit bevorzugt die tiafen tön':
mein wahlspruch ist und bleibt bei jedem lied und beim couplet:
nurr! aussa mit die tiafen tön' und aufikrall'n in d'höh!
Wiener lieder und gesänge von Joh. Schrammet nr. 17, text von W. Wiesberg.
β)
der kräftige, volle, schwache, sterbende ton: die hier beschriebene form der sirene giebt nur einen schwachen ton; ... einen kräftigeren ton giebt die ... sirene nach Cagniard la Tour Helmholtz tonempfindungen 22; den eindruck der langsamen und gleichförmig unterbrochenen bewegung verstärkt besonders der leise, ebenso der fortschreitende und anschwellende ton Vischer ästhetik 1, 249; die läufer glückten ihr nie ganz, aber desto mehr die stehenden und schwellenden töne Schubart ästhetik der tonkunst 156;
der sänger drückt die augen ein,
und schlug die vollen töne
Göthe, 21, 206 Weim.;
ein trompeter, hinter den rittern herreitend, blies abgebrochene gewaltig schmetternde töne dazu Fouqué zauberring 1, 7; (die grenzen) eines sterbenden tons Jean Paul 52-60, 162.
die harfe, die, vom leisen windhauch angeregt,
lang ausgezogne töne traurig wechseln läszt
Mörike 1, 178;
drinnen schlug eine dünne schelle ... etliche mühselige töne an Holtei erzähl. schriften 3, 18; oder noch märchenhafter war es, wenn ... Clarissens harfe plötzlich ertönte ... und wenn die leichten einzelnen töne, wie ein süszer pulsschlag, durch die schlafende mitternachtluft gingen Stifter 1, 262.
γ)
ein heller, dumpfer ton, silberne, goldene töne: da klang aus Lianens harfe ein heller, hoher ton lang in die stille Jean Paul 15-18, 448; starke, dumpfe, wilde töne! Klinger werke 1, 8; die schöne junge frau ... hatte nur einige reine silberne ausgebildete töne, die auch rührten und entzückten, wenn melodien dazu vorkamen Heinse 5, 16; o heiliger meister, ich will sie ihnen schon ans herz legen, deine goldenen töne Storm 10, 34;
o horch! nun tanzt es sanft auf goldner töne leiter!
Mörike 1, 131.
δ)
ein reiner, falscher ton, melodische, abgebrochene töne: ein reiner, ein unreiner ton Campe; bei einem falschen ton hält er inne, stimmt die saite und kneipt sie mit dem nagel, um gewisz zu sein, dasz der ton rein ist Göthe 45, 36 Weim.; wie sollten solche süsze lippen falsche töne singen? Brentano 7, 124; ganz gezähmt folgte es (das volk) seinen melodischen tönen B. v. Arnim dies buch gehört dem könig 2, 334; aus einer menge von unordentlichen strichen bildet man sich leicht eine gegend, aber aus unordentlichen tönen keine musik Lichtenberg verm. schriften 1, 39; gebrochene töne, griffe, solche, die von den übrigen durch kurzen und schnellen bogenstrich oder griff angegeben und gleichsam davon abgebrochen werden Campe 1, 7.
k)
die töne werden ihrem gefühlsinhalt nach unterschieden.
α)
süsze, sanfte, zarte töne, ein harter ton:
doch hört ich durch die unendliche nacht
zu meiner qual die süszen töne
der allbezaubernden sirene
Wieland 4, 71;
nach einiger zeit ging er einmal am ufer des meers allein, und klagte in süszen tönen über seine verlorenen kleinode Novalis 4, 77; vergeblich erschallen aus lydischen flöten schmelzende töne, dein herz in süssen schlummer zu wiegen Wieland I 3, 119 akad.; sein ohr trank gierig die sanften töne aus ihrem melodischen munde Musäus volksmärchen 1, 10; wie das vortrefflichste instrument nicht eher seine wirkung thut, als bis es so meisterhaft berührt wird, dasz seine verborgensten, zartesten töne hervorgehen Forster 9, 166; in der tonkunst ist ein harter ton ein solcher, der keine angenehme zusammensetzung mit andern hat, und bei dem dieser mangel der zusammenstimmung nicht aufgelöset wird Campe 2, 551.
β)
angenehme, freudenvolle, ernste, klagende töne: o freunde, nicht diese töne! sondern lasst uns angenehmere anstimmen, und freudenvollere Beethoven neunte symphonie; zuerst war ihr spiel (am clavier) aufgeweckt und glänzend; dann ging sie zu ernsten tönen über, zu tönen einer tiefen trauer Göthe 24, 78 Weim.; schon lieszen sich von der entfernten Paulskirche herüber einige klagende töne vernehmen Mörike 3, 44;
ach was für töne banger klagen!
ach! worte schreckensvoll zu sagen
Kästner 2, 182.
γ)
belebende, lockende, herzliche, ungefühlte töne: Orpheus, der ... durch die belebenden töne seiner leier den geräumigen marktplatz um sich her bildete. die von den kräftig gebietenden, freundlich lockenden tönen schnell ergriffenen, ... felssteine muszten ... sich kunst- und handwerksgemäsz gestalten Göthe 48, 213 Weim.; kennst du nachstehende reimzeilen? sie sind mir an's herz gewachsen, du solltest sie wohl durch schmeichelnde töne wieder ablösen IV 38, 13; und so kann ich von herrn Zelters compositionen meiner lieder sagen: dasz ich der musik kaum solche herzliche töne zugetraut hätte IV 11, 92;
wenn er, entzückt in ungefühlte töne,
ein welsches ach in zwanzig tacten singt
Zachariae 2, 237.
δ)
anmutige, gute, fromme, unschuldige töne: berg und thal erklang von den anmuthigsten tönen Ulr. Bräker 2, 136; wenn hierbei ihre finger über die tasten gehen, ... und die guten, frommen töne, wie goldene bienen, aus den vier händen fliegen Stifter 1, 109 unschuldige, naive töne Immermann 1, 47; die kirchen glocken tönten wieder friedfertige töne, wenn sie entweder zum gebet riefen, oder zu den heiligen festen der kirche Stifter 5 I 37;
knurre nicht pudel! zu den heiligen tönen,
die jetzt meine ganze seel' umfassen,
will der tierische laut nicht passen!
Göthe 14, 62 Weim.
l)
wohlbekannte, fremde töne: in wilder lustigkeit drangen die wohlbekannten töne zu Anna hinüber Hebbel 8, 234; diese fremden töne machten den geschwistern grosses vergnügen Langbein 31, 8; und er hört, wie in seltsamen, ahnungsvollen tönen die ewigen, unabänderlichen ratschlüsse des schicksals, das selbst die götter beherrscht, verkündet werden E. Th. A. Hoffmann 6, 88;
es schwebet nun in unbestimmten tönen
mein lispelnd lied, der äolsharfe gleich
Göthe 14, 6 Weim.;
in deiner klänge rauschen
mischt sich ein ton — ein laut —
ein klagelaut — ein längst begrabner ton
Hauptmann glocke 137.
5)
ton bezieht sich auf den sprachlaut. dieser gebrauch, der schon aus der verwendung des worts im allgemeinsten sinn als 'sonus' erklärbar ist, begegnet seit dem ausgehenden mittelalter und wird dann häufiger mit der fortentwicklung der grammatisch-theoretischen bemühungen im 16. und 17. jh. neben ton war aber laut seit alter zeit der übliche gramm. terminus, und dieses hat sich als solcher allgemach siegreich durchgesetzt. ton im sinne von laut steht fortan nur in mehr zufälliger und gelegentlicher verwendung, besonders als übertragung aus dem musikalischen sprachgebrauch.
a)
die töne sind die einzelnen sprachlaute: phthongus eyn thon, stimm. hinc fit diphthongus eyn zwifaltiger thon, zwen stimmbuͤchstaben Dasypodius Z VIII; der doppellaut (diphthongus) ist, wan der thon einsilbigerweise, oder in einer silb, verdoppelt wird Schottelius haubtsprache 199; in der aussprache hat man zweyerley töne, selbstlautende und mitlautende Gottsched beyträge zur crit. historie 1, 141; wir haben funfzehn einfache töne, erst die selbstlaute, und dann die mitlaute Klopstock gelehrtenrepublik 232; die unbequemlichkeit, auf diese art zu schreiben (mit hieroglyphen), brachte einen erfindsamen kopf auf den einfall, für die einzelnen töne, aus denen alle wörter zusammengesetzt sein müssen ..., eigne allgemeine zeichen zu ersinnen bibl. älterer schriftwerke der Schweiz II 3, 7; da ein menschlicher geist auf den feinen luftgedanken gerieth, schälle zu bilden und töne zu mahlen, der verfliegenden rede des mundes feszeln anzulegen Herder 6, 67; die sprache, sagte Heinrich, ist wirklich eine kleine welt in zeichen und tönen Novalis 4, 174; buchstaben mögen eine schöne sache sein, und doch sind sie unzulänglich, die töne auszudrücken Göthe 24, 45 Weim.; was du da auf dem papiere vor dir siehest, sind ja nicht töne, sondern nur ihre zeichen! Bürger 342;
mit einem worte, das himmel und hölle
in vier unselige töne vereinigt,
ein weib — ist meines jammers quelle
Wieland 4, 67.
b)
die töne der sprache sind ausdrucksmittel der gedanken und gefühle: die unlehrbare bildung der töne begreift besonders das in sich, was das sanfte oder starke, das weiche oder rauhe, das langsame und langsamere, oder das schnelle und schnellere dazu beitragen, dasz die töne völlig zu solchen gedankenzeichen werden, als sie seyn sollen Klopstock gelehrtenrepublik 137; noch existirt für mich kein wort: sondern nur töne zum wort einer empfindung Herder 5, 10; du kannst deutsch, das ist: du kannst deine gedanken mit tönen ausdrücken, die einem deutschen verständlich sind Lessing 1, 284;
nie wünsch ich meinem feinde solche pein,
als mir aus diesen tönen schien zu klagen
Droste-Hülshoff 2, 113.
c)
der ton eines lauts, die töne eines worts, einer sprache, der natur (der natürlichen sprache): die alten haben allezeit das c aussgesprochen unter dem thon des k Nigrinus von zäuberern, hexen 323; weibliche reime sind richtig, wenn vom letzten vocal der vor letzten sylbe an bis zu ende des wortes alle übrigen töne der beiden wörter völlig überein klingen Bürger 342; welche lebendige sprache läszt sich ihren tönen nach aus bücherbuchstaben lernen? Herder 5, 11; und auch selbst bei uns, wo .... die künstliche sprache der gesellschaft die töne der natur aus ihrem amt setzet 5, 16.
d)
töne der kehle, der lippen, der stimme, einer person, des volks: wären die töne deiner kehle, die worte deiner lippen lieblich anzuhören Göthe 21, 82 Weim.;
ein angelstern ist euer aug; die töne
der lippe süsser, als der lerche lied
Shakespeare sommernachtstraum 1, 1;
der — ihm ähnlich in den tönen
seiner stimme
Müllner dram. werke 1, 58;
wie regenschauer gottes flossen leise die töne (des propheten) Herder 12, 50; sie gehen hand in hand das blutgerüst hinauf ... aus den düstern bewegungen des volks, aus seinen tönen merkt man, was vorgeht Klinger werke 1, 362.
e)
die laute haben, machen einen ton: die diphthongi ... dürffen nur mit dem selblautenden buchstaben geschrieben werden, dessen thon sie haben Opitz poeterei 28 neudr.; ein ider selbstlautender kan für sich alleine eine silb und ton machen Butschky hd. kanzelley 2; es verursachen diese beyde buchstabe ch in teutscher sprache dreyerley tohn Schottelius haubtsprache 206.
f)
töne formen, sprechen: aber es ist eines der höchsten wunderwerke der natur, dasz unser mund so mancherley tohne und aussprüche in sich so kürzlich formen, und ... hervorzugeben vermag Schottelius haubtsprache 57; es können an ihm (dem harten gaumen) ... buchstaben gebildet und töne modificirt werden Sömmering vom baue des menschlichen körpers 5, 27; wird demnach hinter den selblautenden der h deshalber gesetztet, damit der anzusprechende tohn, eine gleichsam etwas hauchende länge an sich nehme Schottelius haubtsprache 201; wie man auch, wenn man englisch oder französisch lernt, aus falscher scham manche töne nicht nachspricht, ob man es gleich könnte Lichtenberg verm. schriften 2, 105.
g)
die töne werden nach ihrer klanghöhe, klangstärke und klangart unterschieden.
α)
hohe, tiefe töne: indem längere und dickere stimmbänder (bei männern) tiefere töne, kürzere und dünnere stimmbänder (bei frauen und kindern) höhere töne bedingen Vietor phonetik³ 8; Darwin meint, es bleibe ein räthsel, warum beim menschen und bei den thieren in gewissen gemüthsbewegungen hohe und in andern tiefe töne verwendet werden Wundt völkerpsychologie 1, 1, 257.
β)
lauter, leiser ton: item p wirt auff teutsch genomenn fur das b von pessers und lautters thans wegen Hueber modus legendi (Landshut 1477) in Joh. Müllers quellenschriften 10; ich ... war so heiser, dasz ich keinen lauten ton hervorbringen konnte Göthe 22, 344 Weim.; wenn ihn seine frau bey dem wort mädgen zupfte ..., so brach er plötzlich in einen leisen unverständlichen ton Lichtenberg nachlasz 14;
kein lispelnder ton unterbrach die rede des helden
Wieland I 3, 97 akad.
γ)
süsze, helle, dumpfe, weiche, rauhe töne: rede du in deinen süssesten tönen zu ihm, wer kann dir widerstehen Brentano 5, 39; in den hellen tönen dieser lieblichen sprache Solger nachgel. schriften 1, 6;
da tritt er an ihr bett heran
und spricht in dumpfen tönen
Rückert 1, 62;
dem holdbewegten mund
entfliehen ungewisse, weiche töne
Droste-Hülshoff 2, 206;
ihre sanftern und gelindern töne mit den rauhen hauchen der Deutschen zu verwechseln Schmidt gesch. der Deutschen 1, 173; eine sprache in ihrer kindheit bricht wie ein kind einsilbige, rauhe und hohe töne hervor Herder 1, 152.
δ)
unarticulirte, heisre, bellende töne: was ist unschreibbarer, als die unartikulirten töne der natur? Herder 5, 14;
ich les' in euren augen, eurer stimme
gebrochnen tönen etwas unglückseliges
Schiller 17, 104;
und worte fallen sonder klang,
als wollten sie in heisern tönen
hervor die müde seele stöhnen
Droste-Hülshoff 2, 123;
wir begrüszten ihn mit wenigen höflichen worten, die er mit bellenden stotternden tönen erwiderte Göthe 31, 42 Weim.; ganz dunkel erinnere ich mich gewisser knurrender prustender töne, die um mich her erklangen E. Th. A. Hoffmann 10, 16.
h)
töne der freude, der zärtlichkeit, des schmerzes, des schreckens: jetzt lallte meine zunge töne der freude maler Müller werke 1, 45;
sie klagen mit den bängsten tönen
die grausamkeit der sarazenen
Novalis 4, 102;
ich begleitete diese worte mit so jämmerlichen gebärden und tönen, dasz sie gerührt schien Göthe 25, 157 Weim.; 'ihr seid dabei gewesen Bruno', rief sie mit den schmerzlichsten tönen ihrer seele Stifter 1, 317; die furchtbaren töne der erzählenden tanzten wie eulengeschrei und alraunengewimmer in ihr ohr Fouqué gefühle, bilder 1, 26; ich will ihm sagen was elend ist ... will es ihm vorheulen in mark und bein zermalmenden tönen Schiller 3, 442; ein wilder ton der raserey ... drängte sich aus seiner brust hervor Klinger werke 3, 135; aber er ... schwebte, ohne nach art der geister ... einen gräszlichen ton von sich zu geben, langsam, langsam über die gräber fort Hebbel 8, 166.
i)
eigne, fremde, deutsche töne: am nothwendigsten aber wird eine allgemeine sprachübung, weil bei diesem festmarkte jeder fremde in seinen eignen tönen und ausdrücken genugsame unterhaltung ... gerne finden mag Göthe 25, 5 Weim.;
selbst wie Rom vor zeiten sprach,
das sind ihr bekannte töne
Gottsched ged. 1, 182;
wer lallte nicht der mutter nach
bevor er fremde töne sprach
neueste ged. 14;
der Preusze, welcher erst die Deutschen deutsch gelehrt, ...
er nimmt sich väterlich der deutschen töne an
Rost verm. ged. 7;
(einen Gallier) bat ich: nenn mir doch auf gallisch Hippocrene;
'herr Deutscher, könnt ihr mich im ernst so seltsam fragen?
der Gallier behält die griechschen töne.'
nun wohl monsieur, wir können Roszbach sagen
Kästner 2, 266.
6)
ton bezieht sich auf das wort und auf worte. dabei ist an die schallwirkung des gesprochenen worts im allgemeinen und auch an die melodiöse bewegung der sprache zu erinnern; besonders ist die schon spätmittelalterliche grammatisch-technische verwendung von ton als 'accent' hervorzuheben; vgl. im folg. b. es wird dann auch dem ton als 'wort' ein gewisser gefühlvoller und bedeutsamer ausdruck beigemessen oder abgesprochen. wirklich lebendig ist aber diese verwendung nur im besondern sinn von 'accent' gewesen und geblieben; die allgemeine schallwirkung eines wortes wie die des gesprochenen einzellautes wird vorwiegend und regelmäszig als laut bezeichnet.
a)
das wort ist ton, wörter sind töne. in der älteren sprache geistlicher poesie werden besonders die namen Maria und Jesus als töne aufgefaszt, denen ein gewisser gefühlsinhalt eigen ist (vgl. auch im folg. h, α):
Maria, werde muter susz,
ich rüff dich an als sonder thon
kleinere mhd. erzählungen 2, 195 Euling;
Jesus Christus gottes sohn,
der thon ist uber alle thon
kath. kirchenl. 151, 2 Kehrein.
aber auch in neurer zeit: jedes wort im griechischen ist ton, der treffend durch das wesen schlägt Heinse 3, 403; aber diese zeitwörter bewahren und bringen uns alte, tiefe, einsilbige töne ... z. b. statt des langweiligen harten doppelten schaffte und schaffte, backte und backte: schuf und schüfe, buk und büke Jean Paul 49-51, 340; sie würden sein letzter gedanke, ihr name der letzte ton seiner sterbenden lippen gewesen seyn Lessing 2, 180; keinen ton reden im sinne von 'kein wort sprechen' begegnet im norddeutschen ganz allgemein, besonders auch in der studentensprache (nach Edward Schröder); ietzt biste stille un red'tst keen ton Hauptmann biberpelz 12; ebenso auch einen ton verraten: wir haben niemals (von deinen streichen) einen ton verraten T. Kröger die wohnung des glücks 49. vgl. auch im sprichwort: von ihm ist auch nicht ein ton da Wander 4, 1765.
α)
der ton des worts, der worte, der rede, der sprache. der ton ist blosze schallwirkung: den thon der teutschen wörter nach ihrer eingebildeten oder angemasseten ausrede zu rechtfertigen oder zu verdammen Schottelius haubtsprache 862; der buchstaben ambt ist, den ton und den klang der wörter zu bilden poetischer trichter 1, 37. der ton drückt einen gefühls- und gedankeninhalt aus: die minnende sele ... batt in alleine, daʒ er mit einem don siner worten in ir hertz erklankti Heinr. Seuse 425 Bihlmeyer;
lieblich und schon
ist ja der thon
in dein zierlichen worten
Jsaac Fröreisen nubes 1714 Dähnhardt 2, 216;
da war's als hüb' er
also seiner rede ton
Rückert 1, 157;
das metrum ist musikalische schönheit, sein ton, wie der ton der sprache, ist sanfte pracht Fr. Schlegel 4, 15;
ton und klang jedoch entwindet
sich dem worte selbstverständlich
Göthe 6, 265 Weim.
β)
der ton einer person ist ihr wort, ihre rede; in älterer zeit liegt diese auffassung oft klar zu tage; in neurer zeit berührt sich die bedeutung von ton in diesem zusammenhang meist mit der von stimme (vgl. im folg. 7, a): bei Wolfram iurs mundes dôn 'euer wort, eure rede' (Parz. 370, 8);
benennet gral in engelischem done (in der sprache der engel)
Titurel 6176 Hahn;
serpens ...
num, wîf, den appel unde love mînem done
der sündenfall 986 Schönemann;
und ernstlich ir done gieng aus auf alle die erde: vnd ir wort in die end deʒ umbrings der erd erste bibel Römer 10, 18 Kurrelmeyer 2, 43.
b)
ton ist die nach dauer, höhe und stärke bestimmt unterschiedene klangart der silbe, des wortes, des satzes, der sprache überhaupt. schon griech. τόνος und lat. tonus waren im alterthum als 'accent' gebräuchlich, das deutsche ton übernahm etwa in der zweiten hälfte des 15. jhs. diese function. sie ist jedenfalls auf rein gelehrtem weg im zeitalter des humanismus ins deutsche gedrungen, auch lat. accentus wurde ja damals als fremdwort entlehnt; während aber dieses in den roman. sprachen, vor allem im franz., allein in solcher bedeutung sich behauptete, begegnen im deutschen fortan die beiden wörter nebeneinander. der gelehrte ursprung von ton als 'accent' ist noch deutlich erkennbar, wenn die älteren theoretiker, deren werke in deutscher sprache erschienen, zunächst das wort in lat. gewand gebrauchen, so noch Titz. auch im sinn von accent begegnen anfangs ton und laut als synonyme; doch während ton als schallwirkung eines einzellautes und als die klangart des worts im allgemeinen vor laut zurückweichen muszte, trägt es in der bedeutung 'accent' alsbald den sieg davon. noch heute ist ton in solcher verwendung durchaus üblich, nur scheint sich zuweilen eine gewisse vorliebe für accent geltend zu machen (vgl. über ton als 'accent' bes. Jellinek, zs. f. d. altert. 48, 228 ff.). neben ton begegnet noch laut: accentus i. sonus proprie don oder laut voc. ex quo (1480); mittellat.-hochd. böhm. wtb. 7; Dasypodius Hh VII; tenor, tonus der thon, der laut im auszreden, do man diese sylben dehnet, die andere fallen laͤsset Corvinus fons latinitatis 87ᵇ; in dem laut oder accent fällt zweyerley vor, das wir hier besehen müssen: nehmlich desselben qualitas und quantitas. derer jene im tono, diese aber in tempore ... bestehet Titz zwei bücher B VI b; schon früh steht ton allein: accentus i. sonus productus don Diefenbach gl. 7; dohn, der die rede weiset tenor Dasypodius C IV. mit rücksicht auf die länge des tons, die quantität: solchen unterscheid der pronomen und artickel haben wir Deudschen auch an dem klang odder dohn, welchs die Latinschen accent nennen, denn es stehet gar viel ein ander 'das', da Christus spricht 'das ist mein leib' und viel ein anders, da er spricht 'das fleisch ist kein nuͤtze', das erste 'das' ist ein pronomen und laütet der buchstab A drynnen starck und lang, ... aber das ander 'das' lautet kurz verhawen Luther 26, 364 Weim.; dann offt ein lautender oder vocalis in einem worte anders ausgesprochen wird, als in dem andern, so wohl dem klange nach, als auch dem thone, darumb solche wörter nicht zusammen gereimet werden sollen ... als zum exempel: glasz und nass Buchner wegweiser 149. mit rücksicht auf die höhe und stärke des tons, den grammatischen accent: das wir aus den accenten unnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch und welche niedrig gesetzt soll werden Opitz poeterei 40 ndr.; ebenso Titz zwey bücher B VI b, der noch die lat. form bietet; die gedichte dieser zeiten waren einfältig und ungehobelt, ... der ton und die silbenlänge wurde auch nicht wahrgenommen A. v. Haller tagebuch 1, 77. ton ist der logisch-emphatische accent: wen man in der leidenschaft so schnel spricht, dasz die bu̜chstaben nu̜r äben gehǫ̈rt wärden, und darüber die lenge beina weniger zeit als sonst die kürze hat, so ist es der tǫn, was als unterscheidend herfǫrschalt Klopstock über sprache und dichtkunst 49. die irrthümliche verwechslung von quantität (tonlänge) und accent im eigentlichen sinne (tonhöhe und tonstärke), die bei den älteren theoretikern besonders seit Schottelius oft begegnet, wurde allmählich erkannt: der ton ist von dem zeitmasze oder der länge und kürze der sylben sehr weit unterschieden, obgleich beyde, selbst von sprachlehrern, häufig mit einander verwechselt werden Adelung; ähnlich Campe.
α)
ton der silben entsprechend dem gebrauch des lat. accentus: accentus, tonus, voculatio die stimm oder don der sylben Dasypodius A II; Frisch 2, 376; die wortsprechung ist ein theil der sprachlehre von der sylben thon Gueintz deutscher sprachlehre entwurf 21;
ia wenn ich noch dazu der sylben ton verletzte,
und bald ein wörtgen hier, das andre dahin setzte
Neukirch ged. 166.
β)
ton des worts: der thon eines worts accento Kramer 1043; Aler 2, 1892; Kirsch 2⁵, 291; ton (einzelner wörter), tonus grammaticus, heiset diejenige art ein wort in jedweder sprache gehöriger maszen auszusprechen, so dasz eine sylbe gebührend erhoben, die andre hingegen gebührend niedergedrückt werde Zedler 44, 1193; wenn man der griechischen sprache die accente nimmt, so sollte man billig durch andre regeln die festsetzung des tones ihrer wörter bestimmen allg. deutsche bibl. 27, 203; 'wortton' kann nur derjenige ton genannt werden, welcher die silben des wortes trifft und dadurch den ton des wortes bestimmt macht Palleske die kunst des vortrags³ 92.
γ)
der ton einer sprache, einer mundart: diese sache aus dem grunde zu untersuchen, musz ich bemerken, dasz der ton, oder wie ihn die Franzosen nennen, der accent der gemeinen sprache eines jeden volks, von dem tone anderer völker ganz unterschieden ist ... durch den ton oder accent verstehe ich nicht die aussprache eines jeden wortes; sondern den klang eines jeden satzes bei Scheibe crit. mus. 738; (es) hatte sich in ihr (der stadt Stralsund) ... ein ganz eigner volksdialekt gebildet, der mit dem umwohnenden lande wenig gemein hat und in seinem ton und accent bis diesen tag sich mit einer gewissen dünnheit und weichlichkeit bricht Arndt 1, 55. Heynatz aber bemerkt: endlich kömmt accent auch für mundart vor. er hat den schwäbischen accent. hier kann es nicht mit ton verwechselt werden synonymen 1, 74.
δ)
auch mit rücksicht auf eine person kann ton als 'accent' gebraucht werden. freilich nähert sich dann die bedeutung des worts der von ton als ausdruck der stimme, s. im folg. 7, b; doch vgl.:
ihr, das weisz ich, seyd ein Wallon,
ihr ein Welscher. man hört's am ton
Schiller 12, 46;
J. D. Michaelis erzählt, dasz ihm aus dem unterricht dieses ... gelehrten ... ganze stellen des Homer ... selbst mit dem ton im gedächtnisz schwebten Justi Winckelmann 1, 55.
c)
das wort hat einen ton, der ton steigt, sinkt: (umb den Bodensee) haben bey nahe alle wasser den thon dess namens ach, als die Luterach Stumpf schwytzerchronik 395ᵇ; dasz eine iedwedere sylbe ihren gewissen ton und quantität hat Titz zwey bücher C III a; vor eins siehet man zwar (beim reimen) auff die syllben, die einen gleichen thon von sich geben Weise curiöse gedancken von deutschen versen 1, 7; im verse macht es wenig, ob 'einen gesang' den ton steigen läszt, oder 'lerchengesang' ihn senkt Voss zeitmessung 140; bei der aussage sinkt der ton ... um eine quarte, bei der frage steigt er um eine quarte Wundt völkerpsychologie 1, 2, 401. in andern wendungen ist die bedeutung 'stimmton' unmittelbar naheliegend; vgl. im folg. 7, d, β.
d)
der ton wird im allgemeinen beurtheilt als der natürliche, rechte, unrechte ton: es musz der radix oder das stammwort in diesen gedoppelten, als: muth, fahrt, setz, lang, allezeit lang verbleiben, und kan mit nichten ohn abbruch des natürlichen tohns. .. kurtz ausgesprochen ... werden Schottelius haubtsprache 837; dasz in einer wolgefasten rede, ein natürlicher der deutung gemässer ton, und wolklingender laut zu finden poetischer trichter 1, 17; wan nur der rechte schlag und thon, im ablesen der versen beobachtet und getroffen wird Spee trutz nachtigal, vorred; er redet mit einem unrechten ton he speaks with a wrong tone or accent, he does not rightly tone, or accentuate the words teutsch-engl. lex. 1968.
e)
der ton wird nach klangdauer, klanghöhe und klangstärke unterschieden.
α)
der lange, der kurze ton, doch werden besonders seit Schottelius quantität und accent im eigentlichen sinn häufig verwechselt: accentus lang doͤne Diefenbach gl. 7; vgl. auch accentus ein lanck laut ebenda; sie haben nur die anzahl der silben ... und nicht die rechte wortzeit, oder den langen und kurzen tohn in acht genomen Schottelius hauptsprache 796; vgl. auch 804.
β)
der hohe, der tiefe ton, zunächst auf den grammatischen accent bezogen, ohne dasz aber klanghöhe und klangstärke unterschieden werden: hingegen wird in geduit, verstand, bewust, gewisz, die erste geschwind, und in einem niedrigen ton, die letzte aber lang und hoch auszgeredet Titz zwey bücher CIV b; unsere spondeen sind also durch den ton theils steigend, entweder vom tiefen zum hohen, oder vom hohen zum überton: frohlockt, singt laut; theils senkend, vom überton zum hohen, oder vom hohen zum tiefen: schnee lag, eisbahn Voss zeitmessung 127; bei den Grichen ka̜m die zeit me̜r in betrachtung, als i̯r weniger erhǫbner tǫn Klopstock über sprache und dichtkunst 48; die silben unserer sprache sind ungleich an dauer und erhebung des tons Voss zeitmessung 9. ebenso auf den logisch-emphatischen accent bezogen: haben sie nie einen menschen im heftigen affect ausrufen hören: gerechter himmel! so dasz er die höhe des tons gerade auf die unbedeutendste vorschlagsilbe ge setzte Moriz prosodie 1; die gewönlich tonlose kürze erhält durch gegensatz manchmal den hohen ton Voss zeitmessung 47. klanghöhe und klangstärke werden erst in neuester zeit consequent geschieden: 'da sperren auf gedrangem steg zwéi mö͏̋rder plötzlich seinen weg' ... mörder wird mit einem etwas höhern oder auch tiefern ton gesprochen, um die fast gleichen tonstärken besser zu sondern Palleske die kunst des vortrags 93; 'sein name ist Poggfréd, hochdeútsch Froschfríeden' ... wie bei der schwebenden betonung überhaupt, so wird man auch hier beim vortrag durch trennung der tonhöhe von der tonstärke auszugleichen suchen, und den accent in der thesis durch den höheren ton zur geltung bringen Minor nhd. metrik² 128; in übertragener bedeutung: er (Lessing) trifft darin mit der gesunkenen kirche des mittelalters überein, die ja auch auf die guten werke einen höheren ton als auf den glauben gelegt .... hat Wackernagel kleinere schriften 2, 470.
γ)
der starke, der schwache ton: diejenigen wörter haben den stärksten ton, welche für den sinn des satzes am bedeutungsvollsten sind Westphal theorie der nhd. metrik² 25.
f)
der ton ist in absolutem sinn die auszeichnung durch klanghöhe und klangstärke.
α)
auf die silbe bezogen: in engerer bedeutung wird in der sprachkunst die erhebung der stimme auf einer sylbe der ton und mit einem lateinischen worte der accent genannt Adelung; Campe. zusagen, wan in der ersten (silbe) der laut oder tohn ist, ist es ein wort, das ist, verheissen Gueintz die deutsche rechtschr. 171; hierzu kommt die schöne abwechslung des tons, des sonst allzu oft die hebung des verses träfe Voss zeitmessung 130; diejenigen sylben sind also bey den Deutschen lang, wo der ton hinfällt Antesberg die kayserl. deutsche grammatik 338; in majestät hat die letzte und nicht die erste sylbe den ton oder accent Heynatz synonymen 1, 74; die dialektische endung énzen zieht den ton auf sich: scherwénzen Minor nhd. metrik² 68; im verse gilt alliteration nur von sylben, die den ton haben Schmeller alliterationspoesie (vgl. quellen und forsch. 100, 28); was der herr kammerrat auf Pümpelhagen is — denn hei läd den ton bi den mann sinen titel ümmer up rat, dat sick dat so anhüren det, as wenn hei un de kammerrat tausamen mal kriegsdeinsten dahn ... hadden Fritz Reuter 2, 43. ebenso auf wörter bezogen: 'mein geliebter' .... die empfindung hingegen giebt diesem mein den ton wieder, den der gedanke ihm geraubt hatte Moriz prosodie 21; allgemeine regeln, ob das verbum oder das objekt, das substantivum oder die apposition u. s. w. den ton hat, lassen sich nicht geben Minor nhd. metrik² 88.
β)
die nicht in solcher weise ausgezeichneten silben und wörter haben keinen ton oder es wird dem vollen, ganzen, merklichen ton, der halbe, unmerkliche gegenüber gestellt: so hat in dem worte vater die erste sylbe den ton, die letzte aber hat keinen Adelung; der ton ist entweder ein merklicher, welchen man auch den ganzen ton nennen könnte, oder ein unmerklicher oder halber. in vaterland hat die erste sylbe den ganzen oder vollen ton, welcher auch der ton schlechthin genannt wird, die letzte aber den halben, weil die erhebung der stimme hier nicht so merklich ist Adelung; Campe; wenn von ihr gesprochen wurde, sagte man blos: es ist eine kluge frau, und legte den vollen ton auf das wort klug J. Möser 3, 25; erz und un haben zwar ihre bestimmte klare bedeutung, und um deswillen auch einen merklichen ton Adelung umständliches lehrgebäude 2, 78.
g)
der ton wird nach seiner klangart unterschieden: der scharfe wortklang ist, wan das wort gleichsam mit einem brechenden thone und haͤrtlichem scharfen schalle uns zu ohren gehet, als: donneren, brummen ... der mittelklang ... kan nach art des verses und durch huͤlfe der beystehenden woͤrter, bald zu dem scharfen, bald zu dem gelinden thone gebracht, und damit vermengt werden Schottelius haubtsprache 832; brausen, krachen, blitz, etc. man durchsinne doch den kräftigen tohn dieser wörter 59; einen harten und scharffen thon haben hingegen diese und dergleichen wörter, als: donnern, knallen Tscherning unvorgreifliches bedenken 66; weil sonst keine consonantes mit eingemischt seyn, die den thon stärcker und heftiger macheten Buchner anleitung zur deutschen poeterei 80. einen offnen, gedehnten und abgebrochnen ton unterscheidet Klopstock: unsre lange silbe hat dreierlei töne, den ofnen den gede̜nten, und den abgebrochnen über sprache und dichtkunst 194; dasz si di angefürte, äben so ware lenge, als es di mit dem ofnen und dem gede̜nten tone sind, zur kürze machten ebenda; ähnlich Bürger: man nennt die ausgänge der verse männlich, wenn sie sich mit betonten sylben schlieszen; es mag nun der ton geschärft oder gedehnt seyn. z. b. wall, oder wahl 342.
h)
der ton wird nach seiner klangart, nach seinem gefühls- und gedankeninhalt beurtheilt.
α)
die namen Jesus und Maria werden in der sprache geistlicher dichtung als süszer, lieber ton angerufen (vgl. im vor. a):
ave junckfraw her von Syon,
du aller vogel suesser don
kleinere mhd. erzählungen 2, 195 Euling;
gesegnete tochter von Syon,
dein nam gibt uns gar suͤssen thon
kath. kirchenl. 403, 4 Kehrein;
mein liebstes Jesulein!
du hast dir vorgenommen,
mein brüderlein zu sein:
ach wie ein süsser thon!
Caspar Ziegler bei Fischer-Tümpel 1, 506;
Jesus ist der liebste thon
den mir alle welt kan singen
Scheffler heilige seelenlust 51 neudr.
aber auch worte der erbauung, des gebets werden als süszer ton aufgefaszt: lossent uns minnen, schŏwen und loben daʒ ewige guͦt, daʒ mit so suͤsseme tone und mit hoher froͤuden alles leit vertriben kan Heinr. Seuse 491, 24 Bihlmeyer.
β)
der klang verräth den ausdruck: aldermann Ekhard pflegt zu sagen, dass er viel lieber eínen troknen ton, ja nur laut von sich geben möge, als eine ganze lange redseligkeit Klopstock gelehrtenrepublik 162;
und noch hallen ihre worte,
horch! da dringt verworr'ner ton
fernher aus des tempels pforte
Schiller 11, 372;
o süsze stimme! vielwillkommner ton
der muttersprach' in einem fremden lande!
Göthe 10, 36 Weim.;
mein harter vater bleibt
auf dem verhaszten ton
9, 112;
wein den verdammten ton, den hasz' ich wie den lebendigen teufel, an einem mann, geschweige an einer frau Bräker 2, 196. der ausdruck wird unmittelbar bestimmt: ich kann wohl sagen, dasz ich in dem ganzen stück nicht einen einzigen wahren ton gehört habe Göthe IV 19, 166 Weim.; die sprachen aller alten und wilden völker sind daher in diesem innern, lebendigen tone für fremde ewig unaussprechlich Herder 5, 10;
das echo eilt durch berg und thal
und bringt auch wirklich jedesmal
den frohen thon vermehrt zurücke
Stoppe Parnass 4;
unser storch ist heimgekommen
hört doch, hört den frohen ton!
klappre du, klappre du klapp klapp klapp!
Hoffmann v. Fallersleben 2, 325;
die not, die ist ein ton, davon die augen rinnen;
nicht viel sind, wann er klingt, die drüber lachen künnen
Logau 52 Eitner;
das ist ein wackrer ton ein edles wort,
so musz ein kühnes blut die welt betrachten
Tieck 1, 60;
der entscheidende ton der bischöfe in glaubenssachen, wurde nach und nach auch auf politische gegenstände ausgedehnt Eichhorn deutsche staats u. rechtsgesch. 1, 298.
i)
dagegen wenn ein solcher gefühls- und gedankeninhalt fehlt ein schallender, eitler, leerer ton, nur ein ton: ita Petrus ist eyn hymmelfurst. das ist wahr, yhm dienets, aber myr nicht. es ist eyn schallender dhon Luther 34, 2, 540 Weim.;
ihr wiszt den grund von diesen dingen,
unfehlbar an den tag zubringen,
wir haben nur gehoͤrt darvon
durch laͤhr geschrey, und eytlen thon
Spreng Aeneis 146 b VII;
Melisande! was ist traum?
was ist tod? nur eitel töne.
Heine 1, 364;
in himmel — frommer wahn! — gott — geister — ewig leben —
vielleicht ein leerer ton den dichter kühn zu heben!
Lessing 1, 265;
die tugenden! vielleicht ein leerer ton!
1, 256;
findet sich bey uns nichts dergleichen; so ist es ein leerer thon, ein wenig wind Wolff gedancken von des menschen thun und lassen 401; das wort glück sey ein leerer ton Kästner 1, 2; seele und geist sind nur lauter leere nichts bedeutende töne Reimarus wahrheiten der natürl. religion 734; eine stadt, die kahlen tönen nachläuft, kann auch hübschen kleidern nachlaufen Lessing 18, 109; die geblüts-liebe wäre nur ein ein einfacher thon Lohenstein Arminius 2, 573 b; dasz erwehnte worte in dem munde der allermeisten blosse thone sind die vernünftigen tadlerinnen 1, 13; der haufe, der die philosophie nicht verstand und blosze töne von ihr ins gedächtnisz gefaszt hatte Justi Winckelmann 1, 73;
ach! namen sind nur töne.
sprach meine holde schöne
Lessing 1, 62.
die freiheit ist ein traum; die seele wird ein ton,
und meint man nicht das hirn, versteht man nichts davon
1, 154.
im folgenden beispiel klingt bereits ton als ausdruck und inhalt der geselligen rede merklich an: was seine liebe anbelangt, da haben sie nun gar nichts zu fürchten, diesz ist nur ton. er denkt, wie viele in seinen jahren denken, dieser ton sey ein nothwendiges verhältnisz der gesellschaft zwischen unserm und ihrem geschlecht Klinger werke 1, 418.
7)
ton bezieht sich auf die sprechstimme. wie die allgemeine schallwirkung der singstimme so konnte auch die der sprechstimme als ton aufgefaszt werden, und ebenso wurde die lautgebung der thierwelt beurtheilt. eine weitere fortentwicklung aus dieser verwendung ergab sich dann theilweise unter fremdem einflusz, indem ton nicht nur auf die stimme an sich bezogen wurde, sondern vor allem auf den gefühlvollen und inhaltreichen ausdruck derselben; vgl. im folg. b.
a)
der ton ist die sprechstimme an sich, deren schallwirkung im allgemeinen: bey dem wort person ist bedeyt ain ding, das an jm hat aygene stymm oder ton Berth. v. Chiemsee tewtsche theologey 134; werden nämlich die stimmbänder ... angespannt, so ist der atmungsstrom im stande, dieselben ... in tönende schwingungen zu versetzen. der so erzeugte ton heisst stimme (stimmton, vox) Vietor phonetik³ 7; und so bestand sein declamieren in einem verdrehten auge und einer affectierten herausworgung des tons Bahrdt leben 3, 142;
also sprach sie, und noch bewegte der liebliche mund sich
weiter zu reden; allein schwirrend versagte der ton
Göthe 1, 286 Weim.
α)
ton der zunge, des mundes, der stimme:
so kom, o herr, die zungen, deren thon
gehöret wirt voll pracht, stoltz, schimpf und hohn,
nach verdienst auszzuschneiden!
G. R. Weckherlin 2, 25;
der ton eures mundes ... ist jetzt verstummt oder in ein lächerliches echo verwandelt Raumer gesch. der Hohenstaufen 4, 118; noch habe ich ja kaum den ton ihrer stimme gehört Hebbel 3, 155; der ton einer kreischenden stimme unterbrach die stille Hauptmann bahnwärter Thiel 19.
β)
der ton einer person und eines thiers:
vil lûte hiulet Îsengrîn.
dô antwurt im der dôn sîn.
sîn stimme schal in daʒ hol
Reinhart fuchs 880.
so sputen sich auf dunkeln wegen
die vom gebirge, meinend schon,
es rausch' und kling' in wind und regen
Girolamos ersehnter ton
Lenau 481;
gute grille, die mich um meine sehnenden sorgen
oft schon täuschte, mir oft brachte den tröstenden schlaf ...
auf, erwecke den ton, der mir das sehnen entnimmt
Herder 26, 32.
b)
der ton ist der nach der besonderen stimmführung, stimmlage und stimmfärbung wohl zu unterscheidende ausdruck, der einen bestimmten gefühls- und gedankeninhalt erkennen läszt. diese bedeutung muszte sich schon früh im mittelalter ergeben, wenn der ton der stimme nach seiner ausdrucksfähigkeit beurtheilt wurde. in mehr allgemeiner und technischer verwendung begegnet aber dieser gebrauch doch erst seit der zweiten hälfte des 17. und dann besonders im 18. jh., und hier bereits ist der einflusz des franz. worts anzunehmen, das, wie schon lat. tonus in diesem sinn, bereits in früher zeit üblich war und in solcher verwendung vor allem seit dem 17. jh. erscheint; vgl. die beispiele bei Littré. ganz dieser gebrauchsweise des franz. entspricht die des deutschen worts: man lernt ja nach und nach auff die cantzel treten, man hört was vor ein thon im reden und beten den besten nachdruck hat Weise curiöse gedanken von deutschen versen² 2, 132; ton ... die art und weise, wie man die stimme im reden erhebet oder sinken lässet Adelung; man erkennt nämlich, wenn man auch in einer unbekannten sprache reden hört, den kläglichen oder muntern, weinerlichen oder freudigen inhalt der rede aus dem ton, womit sie vorgetragen wird Sulzer theorie 4¹, 449; hei hürte äwer sihr düdlich ut den ton de beleidigung herute Fritz Reuter 2, 186. den ausdruck offenbaren ton und blick, ton und gebärde, ton und betragen: ton und blick, womit alles dieses gesprochen ward, flöszten herrn Jones einen argwohn ein Bode Thomas Jones 1, 131;
allein da blick und ton ihm schnell ihr herz gewann
Wieland Oberon 2, 8;
aber der blick auch! der ton,
wenn sie ruft: pipi! pipi!
zöge den adler Jupiters vom thron
Göthe 2, 88 Weim.;
ach meister, mein meister, so sprachst du schon
das war das gesicht, der blick, der ton
Hebbel 6, 166;
welch ein vorzug, welch ein köstliches geschenk des himmels, inneres physisches wohlbehagen ausdrücken zu können durch ton und gebärde E. Th. A. Hoffmann 10, 17; dabei war sein ton und betragen ganz dem pfiffigen und versteckten charakter der rolle gemäsz Göthe 40, 12 Weim. der plural, der naturgemäsz in solcher verwendung seltener begegnet, bezieht sich dann auf die verschiedenen möglichkeiten der stimmlage und stimmführung, die den sprechstimmen des menschen gegeben sind: seine declamation war erbärmlich. er hatte nur wenig töne und war von natur heisch Bahrdt leben 3, 142; denn wechselt er (der declamiernde) die töne zu schnell, spricht er entweder zu tief oder zu hoch oder durch zu viele halbtöne, so kommt er in das singen Göthe 40, 147 Weim.
α)
vor allem wird in diesem sinn vom ton der stimme gesprochen, so schon bei Konr. v. Würzburg:
dô kam ein jungelinc dort her
geriten: den selben gruoʒter
in süeʒer stimme dône
Engelhard 395;
dann in der technischen sprache der redekunst: eine genaue beobachtung wird sie (die redner) überzeugen, dasz in dem bloszen ton der stimme eine sehr grosze kraft liege, ... der ton der stimme ist allein schon vermögend, jede leidenschaft in uns rege zu machen Sulzer theorie 4¹, 450; dem sprechenden helfen seine geberden und der ton der stimme den verstand bestimmen Herder 1, 222; durch den ton unsrer stimme charakterisiren wir am besten das mitgetheilte, als unsre vorstellungen A. W. Schlegel vorlesungen 1, 277 neudr.; denn er lauschte mehr auf den ton ihrer stimme, zu dem sein geist die gebehrden dachte, als auf ihren vortrag Klinger werke 4, 7; es war so viel ... im ton seiner stimme, das ihnen so gleich kommt Schiller 2, 150. auch bildlich: das ist nun gut für Griechen und Römer: aber warum, dasz wir unsre geschichte nicht eben so verkündigen? und den ton unsrer stimme nicht auch würdig unsres vaterlandes und unsrer zeit machen? Herder 3, 462.
β)
der ton einer person ist der ausdruck ihrer stimme: schon hatte sich Wilhelm gefaszt gemacht, das schlimmste von ihr zu hören, als er auf einmal mit verwunderung bemerkte, dasz der ton des alten milder wurde Göthe 21, 178 Weim.;
unmöglich ist er nur
der neffe Ibrahims; in seinem ganzen wesen,
in seinem ton und anstand ist die spur
von dem, was er umsonst verbergen will, zu lesen
Wieland Oberon 12, 3;
sie nahm seine hand; denn sein ton war so bewegt und bewegend Jean Paul 15-18, 503; wat hei mit sine würd' seggen wull, verstunn hei nich, äwer sin ton wir von de ort, dat hei em up en stilles flag dorför woll mal eins äwerstraken müggt Fritz Reuter 2, 186.
c)
α)
mit einem ton sprechen: der name Marinelli war das letzte wort des sterbenden grafen! ... ich verstand es erst auch nicht: ob schon mit einem tone gesprochen — mit einem tone! Lessing 2, 420; 'vetter' sprach er ... zu mir, mit einem ton, der mich erschreckte E. Th. A. Hoffmann 14, 148; der ton, womit sie von diesem dritten bette sprach, war nicht sehr empfehlend Bode Yoricks empfindsame reise 2, 159. auch der genetiv begegnet; vgl. im folg. strömenden tons, lallenden tons, kleinlauten tons u. s. w.
β)
in einem ton sprechen: der name Marinelli war das letzte wort des sterbenden grafen: und in einem tone! in einem tone! Lessing 2, 443; sie ... ermunterte sie zum essen und trinken, doch geschah das in einem tone, wie man bettler zum zulangen auffordert Hebbel 8, 141; eine prüfung? fragte der reisende in einem tone, der vorboten der entrüstung verlautete Jahn 1, 437; ich verzweifelte fast, einen ton zu finden, in welchem ich meine ganze rolle mit allen abweichungen und schattirungen vortragen könnte Göthe 22, 26 Weim.
d)
α)
den ton ändern, steigern, unterbrechen, fortsetzen: bester freund, sagte frau von Trompetta, plötzlich den ton ändernd und mit groszer bestimmtheit Gutzkow ritter vom geist 1, 44; den ton in kälte verändert Schiller 3, 126; er liest mit sinn und weisz den ton abzuwechseln, das leidenschaftliche trägt er mit wärme, und die verse mit einsicht vor Schiller briefe 7, 42; er articulirte gut, sprach gemäszigt aus, steigerte den ton stufenweise Göthe 22, 186 Weim.; zugleich ist zu rathen, im anfange so tief zu sprechen, als man es zu thun im stande ist, und dann abwechselnd immer im ton zu steigen 40, 143; wir sind gewohnt, bei der frage, die der antwort eine wahl läszt, den ton in die höhe gehen zu lassen Palleske die kunst des vortrags³ 100; wenn stellen vorkommen, die durch andere unterbrochen werden ... so musz vor- und nachher ein wenig abgesetzt und der ton, welcher durch die zwischenrede unterbrochen worden, hernach wieder fortgesetzt werden Göthe 40, 148 Weim.; nach obigem würde es daher sehr fehlerhaft sein, wenn ich bei dem vorhergehenden worte söhne auf einmal im tone abbrechen ... wollte 40, 150.
β)
einen ton in, auf ein wort legen, setzen, der ton ruht, verweilt auf einem wort: ich muss aber bekennen, dass zwar die worte jedes mal ziemlich dieselben waren, dass aber ton und sinn, der hineingelegt zu werden schien, mir nicht immer gleich zu sein dünkten Oetker lebenserinnerungen 3, 445; man bereite durch eine weise eintheilung des erhöhten ausdrucks gleichsam den zuhörer vor, indem man schon auf die vorhergehenden wörter einen mehr articulirten ton lege Göthe 40, 149 Weim.; die erste beobachtung ... ist, dasz die declamation auf jede einzelne sylbe niemals mehr, als einen einzelnen ton setzt Gerstenberg briefe 30, 333 neudr.; wir sind das pathetische in unsern versen nicht dem sylbenmasze, sondern den worten und dem tone, den wir denselben geben, schuldig J. E. Schlegel ästhetische und dramaturg. schriften 14 neudr.; man nennet eine sylbe lang, wenn der ton in der aussprache, in vergleichung mit den benachbarten sylben etwas länger darauf ruhet Gottsched deutsche sprachkunst⁵ 590; wenn aber der ton auf einer sylbe verweilt, länger als auf der andern, so ist diese sylbe lang Apel metrik 1, 301.
e)
der ton wird im allgemeinen beurtheilt als
α)
dieser ton, ein solcher ton: da könnt ich ihn nur vor gericht stellen, diesen ton! Lessing 2, 420; es lag etwas bitteres in diesem ton Fontane I 4, 240; lieber hätte ich gewünscht, dich nie lachen zu hören, als in diesem tone Kotzebue menschenhasz und reue 4, 2; ein solcher ton wird zum vortrage einer abhandlung, einer meldung passen Palleske die kunst des vortrags 109.
β)
einerlei ton, derselbe ton: immer einerley ton in der rede monotonia ein grober fehler eines öffentlich redenden Frisch 2, 376. in eínem ton reden: und musz ... mit nichten der vers in einem tohne und athem geschwind hingelesen werden Schottelius hauptsprache 849; ohne monoton zu sein, liesz Herder alles in eínem ton hinter einander folgen Göthe 27, 341 Weim. auch bildlich: beharrt die vox populi wie der frosch auf einem ton, im stehenden sumpf der mittelmäszigkeit, so wird das genie dennoch muth haben dürfen in die tuba zu stoszen B. v. Arnim dies buch gehört dem könig 2, 437. es geht in einem ton: bey dem lesen müssen sie nicht allein lernen alle sylben klar und deutlich aussprechen, ... sondern auch den accent treffen, dasz es nicht in einem thon fortgehe Fleming der vollk. teutsche soldat 14.
γ)
der andre ton, abwechslung des tones: 'unsre gestrenge, die versteht's'. das sagten sie auch, nur in einem andern ton, wenn sie faul oder nachlässig gewesen Alexis hosen 1, 14; ich vor mein theil (der graf fiel in einen andern ton) habe den tod herzlich lieb Hippel lebensläufe 3, 1, 151; ich sinne nach über die ungleichheit eures tones. ihr sprecht bald hoch, bald tief Göthe 45, 16 Weim.; eine geringe abwechslung des tons, wenn verschiedene personen sprechen, wodurch ... der handelnde von dem erzählenden abgesondert wird 27, 341.
δ)
jeder ton, alle töne: ich getraue mir zu behaupten, dasz ein mittelmäsziger redner, der seiner stimme jeden ton geben kann, allemal mehr ausrichten wird, als der beste, dessen stimme troken ... ist Sulzer theorie 4¹, 451; das kind muszte ich wirklich ein weilchen beobachten; es schrie in allen tönen; alle affekte kamen darin vor Mendelssohn reisebriefe 1, 220;
ein dorfpabst von beredter zunge
schalt einst, kraft seiner amtesmacht,
aus allen tönen seiner lunge,
auf ketzer, die er selbst gemacht
Pfeffel poet. vers. 1, 123.
ε)
der natürliche, der falsche ton: sie erlangte bald ein richtiges spiel und gewann den natürlichen ton der unterhaltung vollkommen Göthe 22, 231 Weim.; man spielte vor 50 jahren vielleicht sehr manieriert, man hat ... (jetzt) einen natürlichern ton angenommen Europa 2, 31 Schlegel; nach diesen worten, die er mit festem und unverstelltem tone aussprach Klinger 3, 124; mein guter Mellefont sagt seine höflichkeiten manchmal mit einem ganz falschen tone Lessing 2, 327; sie hat den falschen ton des theaters noch nicht angenommen 9, 248; es ist ... ein ton der falschheit und verstellung, der den kräftigsten beweisgründen alle würkungen benimmt Sulzer theorie 4¹, 450. hier ist mein haus — sagte der mann in sonderbarem ton Hebbel 8, 211; er hatte dabei so einen eigenen ton, ... dass mir war, als spreche er das nur so sinnbildlich Storm 1, 213.
ζ)
der gehörige, gute ton: wenn ich zunächst den sinn der worte ganz verstehe und vollkommen inne habe, so musz ich suchen, solche mit dem gehörigen ton der stimme zu begleiten Göthe 40, 147 Weim.;
bey gott, mein prinz, wohl vorgetragen: mit
gutem ton und gutem anstande
Shakespeare Hamlet 2, 2;
hierauf sagte sie mit edlem tone Göthe 24, 75 Weim.
f)
der ton wird nach seiner klanghöhe, klangdauer und klangstärke beurtheilt, die oft auch ausdruck von empfindungen und gedanken sind.
α)
der hohe, tiefe ton: sie suchen ihrer stimme, wenn sie auch den tiefern ton nicht verändern können, geschmeidigkeit und lieblichkeit zu geben Göthe 47, 271 Weim.; in einem hohen tone reden Adelung; hier ist das wort feuriger ein wort, welches ... mit viel erhöhterem ton declamirt werden musz Göthe 40, 149 Weim.;
'meinen Amalrich erwart' ich', erwiedert mit steigendem tone
freudetrunkenen blicks die edele Thecla
Kosegarten Jocunde⁶ 30.
β)
der strömende, der gedehnte ton:
ich will, o tod, dein barde sein!
gieb du mir selbst des liedes inhalt ein,
dasz ichs, strömenden tons,
tief aus der brust weg spreche
Kretschmann 1, 193;
der ton seines vortrags war schleppend und eintönig, eine silbe so lang wie die andere Justi Winckelmann 1, 36; auch seine rede war diesem gemäsz ... sprach aber im langsam dehnenden ton kühnste gedanken ... aus Arndt 1, 112; 'Viktor!' sagte jemand in langsam gedehntem ton Jean Paul 7-10, 262.
γ)
der starke, leise ton: wenn ... er ihn rasch aufstehen sah und den zitternden in starkem tone rufen hörte Klinger werke 4, 7;
deines halses gewaltiger ton
wird manchen frechen bösewicht schrecken
Kortum Jobsiade 1, 31;
was soll dieser blick bedeuten
und der schneidend laute ton?
Müllner dram. werke 2, 59;
Fiesko. (mit schneidendem ton.) Leonore! Schiller 3, 134; sonst war er ein mann, der einen massiven ton für deutsche freimüthigkeit hielt Laukhard 1, 85; wenn er einmal antwortete, so stand das schleppende zeitmasz, sowie der leise kühle ton seiner rede in seltsamstem gegensatz zu dem ... gekeif seiner frau Hauptmann bahnwärter Thiel 5.
δ)
der feste, entscheidende, kleinlaute, unsichre ton: ich weisz schon bescheid — erwiederte Anna trocken in festem ton Hebbel 8, 232; wenn ich mich des entscheidenden tones noch erinnere, in welchem er seine erhabnen befehle bekannt machte F. L. Schröder irrthum auf allen ecken³ 117; kleinlauten tons versetzte hierauf der sammler nach einer pause, dasz irren menschlich wäre Immermann 1, 138; 'ich stimme für die junge!' ... 'und ich für die alte!' sagte Aglaja mit unsicherem ton G. Keller 6, 243.
g)
der ton wird nach seiner klangart beurtheilt, in der meist auch empfindungen und gedanken zum ausdruck kommen.
α)
der helle, süsze, sanfte, weiche ton:
wie hör ich deine stimm von fern
und vernehm sie von hertzen gern,
die von sich gibt so hellen ton
wie ein ährne posaune schon
W. Spangenberg Ajax 2020, Dähnhardt 2, 64;
(ich) zischelte ihr mit ausgestreckter schlangenzunge in einem süssen, gefälligen tone zu: bemüht euch nicht, gnädige frau Klinger werke 3, 160;
durch den grimmigen teuflischen hohn,
erkannt' ich den süszen, den liebenden ton
Göthe 14, 232 Weim.;
kein überzärtlicher vater hat jemals den namen seiner einzigen tochter in schmelzenderem tone ausgesprochen Ebner-Eschenbach 3, 5; in einem gelinden tone Lessing 2, 419;
so sprach er; doch der edle Hektor schwieg.
und Helena in sanftem ton begann
Bürger 173;
da spricht der könig in mildem ton:
steh auf du schwester mein
Uhland ged. 1, 262;
sie öffnet ihren mund und lieblich flieszt
der weiche ton, der sich um's herz ergieszt.
sie spricht: ...
Göthe 16, 140 Weim.
β)
der rauhe, harte ton:
was, rief der fromme mann in einem rauhen tone,
ich dich bezahlen, dich du sohn der finsternisz
Pfeffel poet. versuche 1, 108;
o dieser ton schneidet mir durch's herz! ... einen rauhen, harten ton für das ohr der verbrecherin Kotzebue sämmtl. dram. werke 2, 95; und er muszte sich förmlich zusammennehmen, als er in hartem ton zu ihr sagte: 'willst du mir antworten, alte hexe?' Hebbel 8, 51; eins, zwei, drei, hurrah! — alle stimmten ein. — so ging es mit der 2., 3., 4. und 5. kompagnie, aber in immer härterem tone Moltke ges. schriften 1, 12.
γ)
der artikulirte, lachende, weinerliche, näselnde ton: wenn ein wort vorkommt, das ... mit stärker articulirtem ton ausgesprochen werden musz Göthe 40, 149 Weim.; alles das sagte sie aber in einem so lachenden tone, dasz wir kaum hoffen durften, es sei ihr ernst Forster 2, 104; 'ich will!' sagte Paul in weinerlichem tone Hebbel 8, 240; ihre stimme hatte den schnupfigen ton, der ein begleiter weinender augen ist O. Ludwig 2, 318;
er beneidet nie die gefeierte schar um ein rauschendes zeichen des beifalls,
wenn lallenden tons sie zu stammeln begann die gestotterte phrase der unkunst
Platen rom. Ödipus act 5;
die stimme Mannas hatte wieder jenen umflorten ton Auerbach landhaus am Rhein (1871) 4, 154; mit hohlem tone wandte sie sich zuerst an den professor Hegner 2, 214; noch einen athemzug, tochter — den letzen! (mit hohlem gebrochnem ton.) wer? Schiller 3, 33; 'du mein sohn?' erwiederte sie in näselndem ton Hebbel 8, 264;
was war's? die weiber abermals. doch nun
in scheuszlicher gestalt.   sie schnitten mir
gesichter und in seltsam-schnalz'gem ton ...
höhnten sie mich: wir haben dich betrogen
4, 214.
h)
der ton wird nach seinem empfindungs- und gedankeninhalt beurtheilt.
α)
der gesetzte, ruhige, der gleichgültige, der emphatische, feurige, schauerliche ton: in einem gesetzten tone Göthe 9, 30 Weim.; sie nimmt die kränze aus den haaren und von der schulter, wirft sie weg, und fährt in gezwungen ruhigen tone fort 9, 25; dein gleichgültiger, dein ruhiger, dein zufriedener ton hat dich verrathen 23, 100; ei, was denn? fragte Jürgen mit einer hast, die von dem gleichgültigen ton, in dem er bisher das gespräch geführt, gar sonderbar abstach Hebbel 8, 128; während er all' diese äuszerungen im tone gleichgiltigen geschwätzes hinwarf Holtei erzähl. schriften 5, 85; er sagte diesz in einem nachlässigen tone Adelung; muss man denn solche armselige begebenheiten mit solchem emphatischen ton sagen? sammlung von schauspielen (Wien 1764—69) 1, 56; dieses sprach er in dem leisen feurigen tone der begeisterung Pfeffel pros. versuche 5, 184; (der recitierende) legt auf das schauerliche den schauerlichen, auf das zärtliche den zärtlichen, auf das feierliche den feierlichen ton Göthe 40, 145 Weim.
β)
der muntre freudige, ernste, klagende ton, der ton des trauerns, des leidens, der verzweiflung: sie brachten im gegentheil die einladung zu dem schmause bey dem bürgermeister mit einem so muntern tone vor, als wenn gar nichts geschehen wäre Klinger werke 3, 71; der muntre ton in dem sie Ludwig gebeten hatte, platz zu nehmen, verwandelte sich ... in einen sehr gedrückten Ebner-Eschenbach 4, 73; dann rief er mit dem tone des entzückens Klinger werke 4, 48; und das alles erzählst du mir in einem tone der entzückung? Lessing 2, 398; in freudigerem tone ... in ernsterm, resigniertem ton Palleske die kunst des vortrags 107; dann sprang er auf und sagte mit ernstem und bedächtigem ton Göthe 45, 28 Weim.; (er) richtete im ernsthaften tone die frage an mich Bismarck ged. u. erinnerungen 2, 114; den mürrischen ton seiner stimme möglichst treu copirend Hebbel 8, 145; im gegenteil schien es der ungemischte ton des verdrusses, in dem sie nun sagte: meinetwegen redet, was ihr wollt O. Ludwig 2, 20; gelinder, bis zum tone der schwermuth Lessing 2, 427; (Gellerts) ermahnungen, warnungen und bitten, in einem etwas hohlen und traurigen tone vorgebracht, machten wohl einen augenblicklichen eindruck Göthe 27, 128 Weim.;
erschrocken sprang der Pelid' auf,
schlug die hände zusammen und rief im tone des trauerns
Bürger 243;
es möge nie
von deiner lippe, die so gutes sprach,
der ton des leidens und der klage tönen
Göthe 9, 70, Weim.;
im ton des tiefsten inwendigen leidens Schiller 3, 437; als sie hörten, dasz er todt sei, schienen sie ganz betrübt darüber und sagten einige wörter in einem klagenden tone her Forster 1, 179; etwas in einem kläglichen tone sagen Adelung; indem er auf sie eindrang, stiessen sie ein geschrei aus, in dem sich das anrufen der gottheit mit dem tone der verzweiflung vermischte Ranke 3, 307.
γ)
der verwundrungsvolle ton, der ton der unschuld, der überzeugung, ruhiger entschlossenheit: ich? und das mit einem so verwundrungsvollen ton Lenz 1, 13; die deutlichsten beweise von der beleidigung, die uns eine geliebte person angethan, könnten durch zwey worte, in dem wahren ton der unschuld vorgebracht, gänzlich zernichtet werden Sulzer theorie 4¹, 450; es ist ein ton der überzeugung, der keinen zweifel statt läszt ebenda; der freiherr sah auf seine uhr und sagte mit dem tone geistiger überlegenheit Immermann 1, 11; um so wirksamer wird die stimme zu dem ton ruhiger entschlossenheit in der antwort zurückkehren Palleske die kunst des vortrags 159; im tone des entschlusses O. Ludwig 3, 43.
δ)
der herzliche, vertrauliche, aufgebrachte, wilde ton: dann strich er das schlichte haar aus seiner stirn und sagte mit dem herzlichen ton seiner mir einst so vertrauten stimme Storm 1, 44; ha, dieser vertrauliche ton sagt mir, dasz sie wieder zu sich kommen, mein fräulein; dasz sie mich noch lieben, Minna Lessing 2, 250;
kennst du mich nicht? sprach sie mit einem munde,
dem aller lieb und treue ton entflosz
Göthe 1, 4 Weim.;
wo ist der zweite jäger?
so ruft der graf in zorn'gem ton
Hebbel 6, 388;
er spricht's im barschen tone
und fügt kein wort hinzu
6, 161;
wer seid ihr? frägt der richter mit ziemlich brutalem ton Schiller 4, 84; Fiesko. (nimmt einen aufgebrachten ton an.) kalt? kalt? 3, 126;
Jerusalem, voll mordlust, ruft mit wildem ton:
'sein blut komm' über uns und unsre söhn' und töchter!'
Ramler lyr. ged. 346.
ε)
der aus dem innern dringende, lieblich einwirkende, bittende, befehlende ton: eine volle tiefe stimme und ein gefühlter aus dem innern dringender ton unterstützen ihn Schiller briefe 6, 4; nur vermiszte ich dabey deinen unmittelbar lieblich einwirkenden ton Göthe IV 38, 278 Weim.; mit beweglichem ton Schiller 3, 125; 'sei still', sagte ein verständiger im tone der beschwichtigung Kröger schuld? 149. wenn ich mir aber den magen verdorben hatte und rhabarber einnehmen muszte, so hiesz es im einschärfendsten tone: 'das ist der bittre trank der lüge' Immermann 1, 43; 'der Angerbauer' bemerkte der alte mit nachdrücklicherm ton Meyr erz. aus dem Ries 1, 10; sein offenes gesicht, sein sanftes auge, sein überredender ton ... rissen mich im ersten augenblicke hin Gotter 3, 36; bedienen sie sich ihres zärtlichen auges, ihres schmeichelhaften tons J. Möser 1, 364; etwas mit, in einem bittenden tone sagen Adelung; Campe; diese im ton herzlichster bitte vorgebrachten worte rührten Leonhard tief Hebbel 8, 38; mit beschwörendem ton Schiller 2, 40; etwas mit, in einem befehlenden tone sagen Adelung; Campe; in einem so gebieterischen ton Hebbel 8, 71.
ζ)
der strenge, tadelnde, verächtliche, spottende ton: 'nun sehen wir, wo der teufel sitzt!' sagte der landvogt in strengem ton G. Keller 6, 229; so sagte er nur in tadelndem tone Ebner-Eschenbach 4, 50; im tone des verweises Hauptmann die weber 74; spazieren! da legen sie so einen verächtlichen ton hinein Schnitzler Anatol 48; es ist bekannt, dasz ... tröstungen durch den spottenden ton zu vorwürfen werden können Sulzer theorie 4¹, 451;
doch du — erwiedert sie leise,
fast in vorwurfs ton — du könntest es lange schon besser
haben, wenn du nur wolltest!
Hebbel 8, 279.
i)
der ton entspricht einer bestimmten poetischen kunstgattung der epische ton, dramatische töne: so kommt man beim vorlesen nicht eher in einen einheitlichen epischen ton, als bis die tragischen motive auftreten Palleske die kunst des vortrags 169; er sollte jedem styl gerecht werden, alle dramatischen töne in seiner gewalt haben Freytag verm. aufsätze 1 (1849), 14.
k)
der ton wird als der bestimmte ton einer person überhaupt und als der bestimmte ton einer typischen standesperson unterschieden:
gut so! gut! — (und nun sein ton!
wie der wohl seyn wird! — Assads ton
schläft auch wohl wo in meiner seele noch!)
Lessing 3, 121;
es war der ton meines vaters 2, 275; in dem ton der protestantischen prediger zu recitiren Göthe 26, 142 Weim.; Böck hatte den ton des feinen weltmanns durchaus in seiner gewalt Iffland meine theatral. laufbahn 31 neudr. ebenso wird der ton auch als der bestimmte ton eines thiers unterschieden:
ich locke wiehernd mit der stute ton
den hengst, den haber kitzelt in der nase
Shakespeare, sommernachtstraum 2, 1;
so sprich mir nach, was ich dir vorsage, aber grimmig, im ton eines bären Hebbel 8, 171; jeder sprach, schnat terte, krähte, blökte, wieherte oder brummte in dem tone der maske, die ihm zu theil geworden Klinger werke 3, 80.
8)
ton bezieht sich auf ausdruck und inhalt der rede in wort und schrift, in verkehr und umgang, in empfindungsweise und denkart. schon aus der mittelalterlichen verwendung von ton als 'melodie' haben sich übertragene gebrauchsweisen von ton ergeben, ja schon der älteste beleg aus der Milstäter genesis berichtet, von den brüdern Josephs: sie sprachen in einem tône um ihre unschuld zu versichern (95, 24 Diemer); klärlich bezieht sich hier ton auf ausdruck, inhalt und sinn der rede. ähnlich spricht Wolfram von des mæres dôn (Parzival 475, 18), er meint den gemüth- und bedeutungsvollen inhalt der erzählung. Frauenlob läszt dann den geist ûʒ beider dône 'im sinne des vaters und des sohns' sprechen (kreuzleich 5, 9 Ettmüller). da der melodie selbst schon im mittelalter ein gewisser gefühlsausdruck zugesprochen wird (vgl. im vor. 2, n), sind solche übertragungen wohl verständlich. die reiche und weit verzweigte entfaltung solcher verwendungsarten von ton im 18. jh. steht aber im zusammenhang mit der bedeutungsentwicklung des franz. wortes, die unmittelbar an jenen gebrauch anknüpft, der sich auf den gefühlsausdruck der sprechstimme bezog. unver merkt erweitert sich der kreis dieser beziehung, und ton ist nicht nur der hörbare ausdruck der sprechstimme, sondern auch der geistig wahrnehmbare inhalt und ausdruck der rede, der sich in der art und weise der wortfügung, des stils und im thatsächlichen gegenstand der rede offenbart. diese geistige wahrnehmung, die nicht mehr durch das sinnliche hörorgan vermittelt wird, kann dann ebenso auf das geschriebene wort bezogen werden; ton ist die schreibart, im weitesten sinn der stil einer jeden prosaischen und poetischen mittheilung, der litteratur und der poesie überhaupt. ton wird ferner die ausdrucksweise der rede im täglichen gespräch der menschen untereinander in der unterhaltung, besonders beim geselligen verkehr. allgemach tritt dann mitunter die beziehung auf sprache und rede selbst zurück, und ton ist auch der bedeutsame ausdruck, der sich im gehaben und handeln spiegelt. meist schimmert doch die ursprünglichere anwendung des worts auf die ausdrucksweise in der geselligen unterhaltung durch; sie tritt nur dann gern ganz in den hintergrund, wenn der gute ton der ton in absolutem sinn, die conventionelle lebensart einer bestimmten gesellschaftsclasse ist, oder wenn in der wendung den ton angeben gleichfalls der absolute gebrauch vorliegt (vgl. im folg. 9 und 10). ton wird schlieszlich auf empfindungsweise und denkart bezogen, die zunächst ebenso im ausdruck gesprochener oder geschriebener worte sich offenbaren; doch ist auch hier später oft die beziehung auf die unmittelbar gesprochene oder geschriebene äuszerung ganz verblaszt, und dem empfinden und denken selbst wird eine besondere ausdrucksstimmung, ein ton zuerkannt (vgl. im folg. 11). — ton als ausdruck und inhalt der rede in ihren verschiedensten anwendungen auf verhältnisse des täglichen und geistigen lebens wird im 18. jh. beliebtes modewort, zweifellos unter dem wirksamen einflusz des franz. wortes, das dieselbe entwicklung durchgemacht hat, mitbestimmt auch durch die musikalischen bedeutungen von ton als 'tonart' und 'stimmung', die naturgemäsz zu solchen übertragungen von vornherein neigen muszten (vgl. im vor. 4, e und f). auf deutschem boden begegnet der ausgebildete gebrauch dieser übertragungen in der sprache der vorclassiker, bei Klopstock, besonders bei Lessing und Wieland; von den stürmern und drängern wird er mit merklichem behagen aufgenommen, in oft kühnen und freien wendungen hat sich vor allem Herder des wortes bedient, und in der poesie und prosa Göthes tritt jene ausgebildete und abgerundete verwendung zu tage, die für die folgezeit maszgebend geblieben ist. dabei steht der poetische gebrauch in gewisser beziehung erst in zweiter linie; ton in diesem sinn ist vor allem gangbares wort in der gebildeten prosa. es ist ein lieblingsausdruck des freiherrn von Knigge, wenn er 'über den umgang mit menschen' berichtet, und die entsprechende verwendung von ton als terminus technicus in der litterarischen kunstsprache wird ausführlich von Sulzer erörtert: darum ist der ton eine der wichtigsten eigenschaften eines werks der redenden künste. wir haben ... beyspiele von solchen oden angeführt, die es gewisz nicht durch ihren inhalt sondern blos durch den ton sind; der also würklich oft wichtiger ist, als der inhalt selbst theorie 4¹, 452; man wird finden, dass der ton hauptsächlich durch die wortfügung, durch den gebrauch der verbindungs- und ausdruckswörter, durch die wahl der figuren, bilder und des ausdruks, und durch den numerus bestimmt wird ebenda. neben dem unmittelbaren einflusz der bedeutungsentwicklung von ton im anschlusz an den franz. gebrauch ist aber auch das fortwirken der aus dem mittelalter stammenden übertragungsweise anzunehmen und zuweilen wohl zu unterscheiden; so vor allem in solchen verbindungen, wo schon im mittelalter ton als 'melodie' erscheint, vgl. im folg. besonders dieser ton, dér ton, eín ton, der andre ton, der alte ton, der hohe ton. die alte tradition hat sich hier erhalten und fortgesetzt, doch wurde sie, mitbeeinfluszt von ton als 'tonart' und 'stimmung', durch den impuls aus der fremde zu neuem leben geweckt. dies zeigt sich wohl auch darin, dasz gerade in solchen fällen, wo der alteinheimische gebrauch mehr in den vordergrund tritt, die verwendung in der poesie häufiger anzutreffen ist; ja auch die alte verbindung ton und wort klingt wieder an:
was schiltst du mich? und wenn auch noch so leise,
und wenn auch noch so schön in ton und wort
Grillparzer 1, 196;
ein edler mann, begierig zu ergründen
wie überall des menschen sinn ersprieszt,
horcht in die welt, so ton als wort zu finden,
das tausendquellig durch die länder flieszt
Göthe 16, 270 Weim.
a)
ton bezieht sich auf äuszerungen des menschen in wort und schrift, in gespräch und umgang, in denkart und empfindungsweise. neben dem häufigen singular begegnet seltner auch der plural: als ich in die nähe von Versailles kam, konnt' ich nichts thun, als worte und redensarten zusammen setzen und auf stellungen und töne sinnen, um mich in die gunst des duc de C*** hinein zu winden Bode Yoricks empfindsame reise 2, 34; die abhandlung nimmt bisweilen, weil sie ihre bedürfnisse kennt, einige töne von der darstellung Klopstock gelehrtenrepublik 1, 13; in Goethens prose bildet — wenn in der vorigen die töne poetische gestalten legen — umgekehrt die feste form den memnons-ton Jean Paul 49-51, 288; Sokrates läszt sich gehen und entwickelt dabei eine auszerordentliche variationsfähigkeit der sprachlichen töne vom leichten tändeln bis zum dithyrambischen schwung Bruns vorträge 210. dabei macht sich leicht eine mehr bildliche auffassung geltend, indem ein vielfach tönender gesammteindruck vorgestellt wird, vgl. bes. im folg. c, α.
α)
der ton der rede, der erzählung: ton ... figürlich, wo es oft von der art und weise des ausdrucks, ingleichen von dem inhalte der rede gebraucht wird Adelung; Campe; und über dem war etwas in dem ton dieser anrede, welches ihm miszfiel Wieland Agathon 2, 48; alles steht auch dem ton der erzählung nach in wunderbarem poetischen lichte Herder 12, 169; ich erinnere mich noch aus diesen mitteilungen an manches, besonders an eben dieses, dasz ich bald aus dem tone der erzählung lernte, das wirklich erlebte von dem erdichteten zu unterscheiden Steffens was ich erlebte 1, 71.
β)
der ton des ausdrucks, des vortrags, der ankündigung, des prologs: du hast dieszmal den ton von Homers ausdruck verändert. er sagte nämlich bey dir nicht, wie er gewöhnlich thut, in einem ganzen verse, dasz einer redete Klopstock gramm. gespräche 241 f.; aus dem tone des vortrags im texte bemerkt man, dasz er sein urtheil in suspenso halten will Göthe II 4, 179 Weim.; es (Laidion von Heinse) ist mit der blühendsten schwärmerei der geilen grazien geschrieben, und läszt Wieland und Jacobi weit hinter sich, obgleich der ton und die art des vortrags, auch die ideenwelt in denen sich's herumdreht mit der ihrigen coinzidirt IV 2, 176; der ton der ankündigung ist völlig Fichtisch IV 15, 110; was sie mir von der ausgabe Taulers durch Cassander schreiben, habe ich nach dem tone der ankündigung ohngefähr so gedacht Görres ges. briefe 3, 10; und mit diesem übergange, — sinnreicher musz er nicht seyn, — mag denn der ton des ernsthaftern prologs in den ton des nachspiels verschmelzen, wozu ich diese letztern blätter bestimmte Lessing 10, 216.
γ)
der ton einer beschreibung, einer fabel, eines romans, der bellestristische ton (der bellestristik): meistens musz der ton der beschreibung (von bildern) das beste thun, um den leser über das wie zu verständigen W. Schlegel Athenäum 1, 46; der ton einer solchen fabel sey ... vertraut und interessant Eschenburg entwurf 59; wisse .. dass jene blätter flüchtige skizzen aus dem umfange jener chronika sind, welche ich noch nicht in die harmonische haltung mit dem tone derselben gebracht hatte Brentano ges. schriften 5, 17; der von Friedrich Schlegel herausgegebene roman Florentin ist höchst wahrscheinlich nicht von ihm. der ganze ton spricht dagegen Solger nachgel. schriften 1, 15; und wie nun die echos der alten classischen zeit allmälig verklangen und der belletristische ton immer dünner ... und schwindsüchtiger wurde Gutzkow werke 12, 7.
δ)
der ton eines stücks, der kritiken: dieser unerwartet hervorbrechende scherz (Prometheus und seine recensenten) fiel mir sehr auf, weil er dem stil und ton nach von jemand aus unserer gesellschaft sein muszte Göthe 28, 330 Weim.; indem Wilhelm und Serlo jeder in seiner art wirkte, jener bei jedem stücke auf den sinn und ton des ganzen drang, dieser die einzelnen theile gewissenhaft durcharbeitete 22, 232; den ton der kritiken überlasse ich ... der eigenen laune eines jeglichen Bürger 184; ich meine damit nicht den ton gegen ihre recensenten, der hätte wohl noch eine beiszendere lauge verdient Lichtenberg verm. schriften 9, 375.
ε)
der ton der gedichte, der poesie: gefühl ist der ton der lieder, und nicht eine charakteristik allegorischer wesen Herder 3, 267; ebenso verschieden sind ton und haltung der einzelnen lieder (Neidharts) Freytag verm. aufsätze 1, 399; wenn meine empfindungen itzt nicht so selten mit dem tone solcher gedichte gleich gestimmet wären Lessing 17, 388; das buch des unmuths enthält gedichte, deren art und ton dem osten nicht fremd ist Göthe 41, 1, 87 Weim.; die poesie näherte sich in ton und inhalt dem charakter der modernen Lange gesch. des materialismus 21. auch im plural poetische töne (töne der poesie): ihnen, ... dem das mittelalter und dessen poetische töne nicht fremd sind, gefällt auch, wie ich weisz, diese bunte dichtung des Octavian Tieck 1, iv.
ζ)
der ton eines briefes, eines buches, eines blattes, eines journals: und der ton ihres letzten briefs war auch noch nicht der, welcher ihre freunde beruhigen durfte Caroline 1, 72; seine nachmahligen briefe, welche im tone immer matter wurden, hätten mich freilich eine vorgegangene veränderung sollen ahnden lassen Bahrdt leben 2, 280; wiewohl es sich für den ton und die absicht dieses buches keineswegs geschickt hätte, mit dem eifer gegen ihn auszubrechen, welcher einen jungen kandidaten treibt, wenn er ... gegen die Tindal und Boling broke zu felde zieht Wieland Agathon, vorbericht von 1766; zweifeln sie jedoch nicht an ... meiner wahren freude, dasz sinn und ton ihres blattes sich so tüchtig und rein erhält Göthe IV 19, 88 Weim.; gar zu genaue übereinstimmung in der denkart könnte den ton dieses journals zu einseitig werden lassen Forster 7, 126; die abschnitte desselben (buches) sind zuerst als journalartikel geschrieben, sie verleugnen in ton und farbe diesen ursprung nicht Freytag verm. aufsätze 1, 324.
η)
der ton der unterhaltung, des umgangs: ich gestehe es, der ton seiner unterhaltung gefiel mir gar nicht Knigge umgang 3³, 87; das mittagsmahl war indessen so wenig prunkhaft und weitläufig und der ton so frei und unbefangen, dasz ich mich bald dem ruhigsten behagen hingab G. Keller 3, 165; der ton an der hoftafel war leicht und gut Jean Paul briefwechsel 148 Nerrlich; dasz die an der Tiber und Neva, an dem Tajo und an der Elbe gebornen vornehmen und gebildeten durch eine gewisse gemeinsamkeit der sitte und des tons sich so abgeschliffen haben, dasz man das ursprüngliche naturgepräge oft kaum im dünnen durchschein noch erkennt Arndt sämmtl. werke 1, 208; immer waren Griechen und Römer in ihrem geschmacke noch wie grob! hatten am wenigsten den ton des umgangs mit dem schönen geschlechte Herder 5, 552.
θ)
der ton einer empfindungsweise und denkart, der ton des geschmacks, der andacht: daher belehren sie nur von dem damaligen ton des geschmacks in Rom Joh. v. Müller sämtl. werke 1, 177; und doch zugleich ist es mir wieder neu, dieses einsame bergthälchen — das eigene völkchen — der eigene ton seiner stillen andacht Ulr. Bräker sämmtl. schriften 2, 141.
b)
ton bezieht sich auf eine person, dann auch auf den inbegriff von menschen, die einer gesellschaftsclasse, einer stadt, einem volk, einer zeit angehören.
α)
der ton einer person: Siegbert Wildungen fühlte sich vom ton des sprechers ... nicht eben angenehm berührt Gutzkow ritter vom geist 1, 19;
'dein ton', erwidert er, 'beweist,
wie wenig dieser schein von güte meinen klagen
mitleidiges gefühl verheiszt ..'
Wieland 4, 34;
schon hat sich ihr ton sanfter gestimmt Klinger werke 1, 177; sich nach sitten, ton und stimmung andrer zu fügen Knigge umgang 1³, 25; vgl. aus Köln die redensart mit ton im plural: dat wäre dinger tön das wäre dir genehm, lieb, willkommen Hönig 155. der ton eines autors: Uhlands ton ist nicht eigentümlich genug und gehört eigentlich den alten gedichten Heine briefe 1, 272. der ton einer bestimmten standesperson:
vornehm nennst du den ton der neuen propheten? ganz richtig,
vornehm philosophirt heiszt wie Rotüre gedacht
Göthe 5, 214 Weim.
β)
der ton einer familie, der gesellschaft: wir sollen ... den ton der familie annehmen, als wenn wir glieder derselben wären Knigge umgang 2³, 179; ich mochte mich nach der beschaffenheit des landes, ... nach dem tone der gesellschaften ... erkundigen Bahrdt leben 2, 270; wenn wir in eine gesellschaft gerathen, deren ton uns gänzlich fremd ist Knigge umgang 1³, 18; bald richtete ich mich nach den sitten der leute, nach dem ton aller unbedeutenden gesellschaften 1³, 31; der gesellige ton hier ist leichtigkeit, anstand und freude Jean Paul briefwechsel 245 Nerrlich.
γ)
der ton einer stadt, einer nation: alles was bey uns auf die bühne kommt, ist noch zur zeit provinciel; und so wenig Wien als Berlin noch Leipzig haben ihren ton zum nationalton erheben können Lichtenberg aphorismen 2, 15 neudr.; schreibe nun auch bald von München etwas, damit man erfahre, wie dort der ton ist Göthe IV 7, 125 Weim.; wenn durch sie (die kaufleute) ... der ton ganzer nationen umgestimmt, und menschen mit geistigen und cörperlichen bedürfnissen ... bekannt werden Knigge umgang 3³, 134; aber die Taciti unter den Römern? sie haben mit ihren einzelnen sylben und stückwerken von den Deutschen uns mehr ton gegeben, als ganze liedersammlungen der barden Herder 3, 464.
δ)
der ton einer zeit: das hängt ab vom ton der zeiten Sturz 1, 83; sobald von lobes-erhebung alter zeiten und heruntersetzung der gegenwärtigen, deren ton sie nie kennen lernen, die rede ist Knigge umgang 2³, 6;
warum sollt' ich nicht an jungen seelen, ...
die noch nicht der ton des tags verstimmte,
mein gemüth erfrischen?
Kosegarten rhapsodien 1², 172;
jeder periode (meines dichterlebens) werde ich sorgfältig dasjenige lassen, wodurch sie vor einer andern sich auszeichnet, ihren ton, ihre manier J. G. Jacobi 1, v.
c)
α)
in mehr bildlicher ausdrucksweise wird der ton in diesem sinn als tönend und klingend vorgestellt: im gang, im schwunge ihrer (der ältesten morgenländischen sprachen) gedichte und der gesänge andrer alten völker tönet der ton, der noch die kriegs- und religionstänze, die trauer- und freudengesänge aller wilden belebet Herder 5, 10; hier wehte ein anderer wind, hier klang ein anderer ton als zu hause Göthe 26, 72 Weim. im plural tritt das bild noch mehr in den vordergrund: einige töne dieser elegie, sagte Theodor, klingen doch wohl in den worten des klosterbruders Tieck 1, 14; dagegen schienen ihm aus dem vierten evangelium töne entgegen zu klingen, die zu seiner christusconstruction aufs beste stimmten D. F. Strausz 6, 29.
β)
einen ton haben: wo — ja wo ist Theocrit? die ganze stelle hat keinen ton Frankf. gel. anz. (1772) 33 neudr. in kühner wendung sagt Herder: nun musz ich bekennen dasz bei den meisten fällen ich weder wahl, noch veranlassung eben zu solchen römischen und griechischen sylbenmaassen, ja wenn ich von den gesängen der wilden überhaupt ton habe, nirgends veranlassung zu einem solchen römischen und griechischen sylbenmaasse sehe 5, 174. ton haben erscheint dann in weiter übertragener bedeutung in Schwaben: es hat wieder eher den ton bei ihm geht wieder besser Fischer 2, 255; es hat keinen ton es hat keinen zweck, ist unnötig ebenda. auf bestimmte verhältnisse bezogen: eine solche kirchweih hatte aber 'keinen rechten ton', jeder ächten bauernnatur muszte etwas dabei fehlen Melch. Meyr erz. aus dem Ries (1861) 371. vom vieh: das vych hat mir übel bey euch thon, oder nit wol truͤyt, ich hab nit ein guͤten kauff bei euch funden male vertit res pecuaria mihi apud vos Maaler 400 d. auch vom essen: das essen hat wieder einen ton bei ihr schmeckt ihr wieder aus Ulm bei Fischer 2, 255; ein wein 'hatt dhain thon noch geschmack' ebenda aus der lebenden mundart und aus Christoph v. Württembergs briefen (1566); dös süpple hat en bittra thue ebenda aus wäckerle bis aufs würzele 149.
d)
α)
in bildlicher ausdrucksweise einen ton singen, vgl. im folg.: einen andern ton singen, süszen ton singen.
β)
ebenso aus einem ton singen, musicieren, pfeifen, vgl. im folg.: aus diesem, aus einem andern, aus einem hohen ton singen, aus einem andern ton musicieren, aus einem hohen ton pfeifen.
γ)
aus einem ton sprechen:
diesz ist der ton, aus dem die männer schmähn
Gellert 1, 211;
vgl. ferner im folg.: aus diesem, aus einem andern, aus einem hohen ton reden, sprechen.
δ)
in einem ton sprechen, schreiben, auftreten: ich sagte es ihm grad heraus ... und sprach ohne allen rückhalt, im tone meiner empfindungen Klinger werke 4, 66; diese erfahrung lehrt den abentheurer und groszsprecher ... in einem tone zu reden, der ihm, wo nichts mehr, doch wenigstens manche freye mahlzeit ... erwirbt Knigge umgang 1³, 34; zur probe seiner insolenz und des tons, in dem die charlatans des 15 ten jahrhunderts ihr publicum anredeten Hufeland kunst das menschl. leben zu verlängern 15; Lehnert ... bat in einem tone, darin sich ernst und gute laune die wage hielten, um entschuldigung Fontane I 6, 12; ihre ketzerischen naivetäten in einem tone vorzutragen, als ob ein appell unmöglich sei I 4, 16; unterdessen ist sie (die vorrede) doch in einem tone abgefaszt, welcher einen Deutschen belustigen kann Lessing 7, 2; das Wittenberger responsum ... war in einem tone geschrieben, wie es die schafsköpfigsten orthodoxen nur schreiben konnten Bahrdt leben 2, 46; so hätte ich wohl nicht in dem ton schreiben können, wie ich zu anfang dieser seite gethan habe Lichtenberg briefe 1, 17; wenn auch die inschrift von Römern herrühret: so ist sie doch gewiss in einem ton gesetzt worden, der dem Ataulf und seinem volk gefiel Schmidt gesch. der Deutschen 1, 192; herr Bercht ist nicht gut berathen, dasz er in diesem ton auftritt Göthe IV 21, 168 Weim.
ε)
in einem ton sein: ich will abbrechen, meine herren, und morgen weiter schreiben, denn ich bin in einem ton, der ihnen vielleicht nicht so erbaulich ist als er mir von herzen geht Göthe 37, 132 Weim.; ich soll befehlen, in was für einem ton ihre briefe künftig sein sollen IV 5, 50; vgl. ferner im folg.: in bestem, groszem, ringem ton sein.
ζ)
aus einem ton gehn, vgl. im folg.: es geht aus dém, aus diesem, aus einem andern ton, aus einem bessern ton, im alten ton.
e)
α)
einen ton, aus einem ton anstimmen, auf, in einen ton stimmen, einstimmen, den ton herabstimmen, verstimmen: diese liedersammlung ist eben so mannigfaltig als charakteristisch, sowohl in bezug auf den gegenstand, ... als in absicht des tons, den sie anstimmt Göthe IV 41, 207 Weim.; wo er mir aus dem ton anstimmet s'il le prend avec moi sur ce ton la Rondeau 2, 591; diejenigen unter den männern zu unterscheiden, welche mit ihnen (den weibern) sympathisiren, sie verstehn, sich in ihren ton stimmen können Knigge umgang 2³, 91; ich behalte es mir auf eine andere gelegenheit vor, mich über den ton, auf welchen sich Posa gleich zu anfang mit dem könige stimmt, ... näher gegen sie zu erklären Schiller 6, 54; Montalto ... findet die ritter sehr aufgebracht über den groszmeister, stimmt in ihren ton ein 15, 1, 127; das hab ich schon gemerkt dasz wir unsern ton nie genug herabstimmen können (beim predigen) Miller briefw. dreier akad. freunde 1, 77; der ton deines letzten briefes, meine freundin, stimmt den meinigen herunter Pfeffel pros. versuche 1, 64; wir sollen ... nicht durch unsre launen den ton verstimmen Knigge umgang 2³, 179.
β)
in einen ton, aus dem ton fallen: in was für einen ton bin ich mit ihnen gefallen! Lessing 2, 204; mit diesem gleichnisz fallen wir freilich aus dem ton, da es staatsrechtliche mit künstlerischen verhältnissen zusammenwirft G. Keller nachgel. schriften 9; wie aber kommt es, dasz Shakespeare in solchen symbolischen szenen nicht aus dem tone fällt O. Ludwig 5, 272;
bleib immer nur dabei, und ist's verstellung,
sieh zu, dasz aus dem ton du nimmer fällst
Grillparzer 8, 241.
γ)
den ton halten: einige kleine undulationen ausgenommen, wo die gedanken nicht straff genug markirt bleiben, ist der ton recht gut gehalten Görres ges. briefe 3, 171; es ist schwer, sagte Anton, zu bestimmen, worin denn ein mährchen eigentlich bestehen und welchen ton es halten soll Tieck 4, 119; der dichter (Tieck) bestrebt sich vielmehr überall den ton des gegenstandes zu halten A. W. Schlegel Athenäum 1, 170.
δ)
den ton treffen: es ist demnach eines der nothwendigsten talente des dichters, oder redners, dasz er den ton, der in jedem besondern falle nöthig ist, zu treffen wisse Sulzer theorie 4¹, 452; auch in dem gedicht des Chrysostomus ist der ton des ganzen sehr gut getroffen Fr. Schlegel Athenäum 2, 325.
ε)
den ton verfehlen: wer von geringen sachen spricht, der verfehlt den ton, wenn er vornehme, hohe worte, feine bilder, lebhafte figuren, dazu braucht Sulzer theorie 4¹, 451; (ich musz) den alten auch darinne folgen worin sie getadelt werden, ... dann nur werde ich einigermaszen sicher seyn, sinn und ton nicht ganz zu verfehlen Göthe IV 13, 141 Weim.
ζ)
einen ton anschlagen: wir hörten's wohl, dasz er mit ihm einen ton anschlug, als sei er sein eigener herr Höfer aus der weiten welt 1, 113; diese lateinische poesie, oder vielmehr was ihren ton zuerst anschlug J. Grimm kl. schriften 3, 35. auch der ton schlägt an: dasz bei einer widrigen stimmung des gemüths oder bei klang- und tonlosen seelen ihr (der lyr. dichtkunst) gesang nicht wiederhalle, oder wie man sagt, der ton des dichters nicht anschlage Herder 27, 194.
η)
einen ton nehmen, annehmen: hat der gute treuherzige alte einen ton genommen der ihnen misfällt? Hermes Sophiens reise (1775) 6, 14; noch erwartet man vielleicht, dasz er sich über den ton erkläre, den er in diesen briefen genommen Lessing 10, 231; auch kann man nicht leugnen, dasz die einkleidung, welche Diderot den beygefügten unterredungen gab, dasz der ton, den er darinn annahm, ein wenig eitel und pompös war 10, 147; der ton, den die jugend annimmt, ... pflegt nicht der sittlichste zu seyn Knigge umgang 2³, 5; so lernt man zugleich nach und nach den ton und die stimmung annehmen, die nach zeit und umständen erfordert werden 1³, 93.
θ)
einen ton geben, angeben begegnet seltener in allgemeinerem sinn, meist steht hier ton absolut als der 'maszgebende ton' (vgl. 9); wo eine allgemeinere bedeutung doch vorliegt, ist diese oft aus der absoluten abgeleitet: die überwiegenden Hellenen bringen endlich einheit ins ganze und geben der griechischen sprache und denkart ton Herder 14, 134; und so gut diese überstarken eindrücke ihrem ersten stosze nach waren, um aufzuwecken, um ewigen ton zu geben 4, 87; der student, wenn etwas liberales aus ihm werden soll, musz einen gewissen ton angeben Laukhard 1, 228; man sieht da die menschen mehr ihrem instincte folgen, statt dasz in einer residenz sich alles nach dem ton stimmt, den der fürst angiebt Knigge roman meines lebens 3, 11.
f)
α)
den ton ändern: da Lothar solchen ernst sah, fieng er endlich an, nachdem er lange genug den hochmüthigen gespielt, den ton zu ändern Schmidt gesch. der Deutschen 1, 462; nein, Flora, den ton ändere ich nicht, nicht jetzt, nie! Deinhardstein 1, 28.
β)
den ton erheben, der ton sinkt: und will er es einmal wagen, den ton zu erheben und etwas ernsthaftes zu sagen, so lacht man ihm gerade in das gesicht Knigge umgang 1³, 50; soll er seinen ton herabstimmen, so erhebt den eurigen, zeigt ihm euren stock Göthe 45, 65 Weim.; damals füllte er mit solchen schilderungen seine ersten römischen briefe! aber wie sinkt dieser ton von dem punkt an, wo die welsche wirtschaft beginnt Justi Winckelmann 2, 1, 8.
g)
der ton wird im allgemeinen unterschieden als
α)
welcher, solch ein ton: seid ihr so jung, um nicht zu wissen in welchem ton ihr und Weislingen von mir zu reden habt? Göthe 8, 56 Weim.; das ist doch unleidlich, was die kerle in Halle sudeln! und in was für einem tone! Lessing 17, 3; da haben wirs, werden sie sagen, man siehet wohl, was diese herren für einen ton einführen wollen Abbt 3, 36; geheimniszvolle hymnen ... feiern die heiligthümer der liebe in solch einem tone, dass man begreift, wie ... wollust und andacht schwesterkinder genannt werden konnten Gervinus gesch. der deutschen dichtung 5, 6.
β)
dér ton. in dém ton sprechen: in dem ton sprach Realis de Vienna weiter Herder 17, 205; und aus dem tone sprachen sie alle J. G. Müller kom. romane 1², 233. aus dém ton gehn: es geht aus dem und dem ton Fischer 2, 255; in dem ton kann's ned furtgeh'n (d. h. es musz ein anderer angeschlagen werden) Hügel Wiener dialect 165;
ah! geht's
aus dem ton? i nu, wart', da musz ich helfen
Bauernfeld 1, 168.
γ)
dieser ton: was scherz und immer scherz! du beleidigst mich mit diesem tone. es ist kein scherz Deinhardstein 1, 14; wie alles, so ist dieser ton des stücks seiner hohen wahrheit und göttlichkeit siegel Herder 7, 132; in diesem tone sprechen: in diesem tone sprach er weiter und gefiel sich darin, sich bittere dinge zu sagen Fontane I 5, 223; in diesem tone fuhr er fort und flickte den bisherigen redensarten noch einige andre an Gaudy 2, 74; ein so verbindliches compliment verdiente wohl eine antwort in eben diesem ton Wieland Agathon 1, 153. aus diesem ton, bildlich es geht aus diesem ton, aus diesem ton singen:
aus diesem ton war's unterwegs gegangen
Wieland Oberon 6, 67;
auch du aus diesem ton? das dacht ich nicht
Immermann 17, 225;
gerade das ungebildete volk wird trotz aller deutschen einigung noch lange aus diesem tone singen Riehl die deutsche arbeit 304. aus diesem ton reden, nehmen: dass eine apologie aus diesem ton nicht geschickt war, mir ein günstiges urtheil auszuwirken Wieland Agathon 1, 370; wer aus diesem ton über die zeiten klagt, der hat recht zur klage Fouqué gefühle, bilder 1, 77;
wenn ihr's aus diesem ton nehmt, sag' ich nichts
H. v. Kleist 1, 229.
diesen ton annehmen, in diesen ton einstimmen: wie wagen sie es, diesen ton gegen mich anzunehmen? Raupach dram. werke kom. gattung 1, 100; seine unterthanen selbst wollten freylich nicht immer in diesen ton mit einstimmen Klinger werke 3, 126;
sie spricht so weinerlich, dasz mir's unmöglich scheint,
in diesen ton jemals gestimmt zu werden
Wieland 4, 35.
δ)
ein ton, einerlei ton. aus eínem, einerlei ton sprechen, gehn, auf eínen ton stimmen, einen ton haben, durchführen: allein dasz so genannte sprachgelehrte und sprachphilosophen mit ihnen aus einem tone sprechen, musz billig einen jeden befremden Adelung magazin 2, 1, 30; um dabei zu erinnern, dasz unsre vorfahren sich mit uns aus einerlei ton beklagt J. Möser 1, 184; da geht's immer auf einen (aus einem) ton Fischer 2, 255; so verschiedenes hanges wir auch waren, so herzlich stimmten wir doch auf einen ton Mylius märlein 52; der kunstrichter, der gegen alle nur einen ton hat, hätte besser gar keinen Lessing 10, 437; er musz nicht nur einen ton durchführen, sondern jede seite des gefühls zu berühren und anzuregen verstehen Fr. Schlegel 2, 70.
ε)
eben der ton, der gleiche ton: ist dieses ihre gefälligkeit? meine frau singt in ihren häuslichen duetten bey nahe aus eben dem tone Straube die spielerin, in Gottscheds schaubühne 1, 84; die äbtissin empfing sie mit allen den frömmelnden klosterbegrüssungen, die der teufel in dem gleichen tone beantwortete Klinger werke 3, 100.
ζ)
der andre ton. bildlich einen andern ton singen: allein schon am dritten (tag) begann Römer einen ganz anderen ton zu singen, indem er urplötzlich höchst kritisch und streng wurde G. Keller 2, 26. ebenso aus einem andern ton musicieren, pfeifen: will bald auch musiziren, aber aus einem andern ton maler Müller 3, 107; alle herren, wenn sie ihrer diener sehr benöthigt sind, geben dergleichen gute worte, aber wenn sie sie weiter nicht brauchen, so pfeiffen sie aus einem andern thon ollapatrida 12 neudr.; ja wüstest du, wie mir zu muthe dabey wäre, du würdest aus einem andern ton pfeiffen der Bremische avanturier 103; sprichw.: aus einem andern tone singen (sprechen) vortheilhaftere, mildere bedingungen, günstigere anerbietungen machen Wander 4, 1264. aus einem andern ton reden parler d'un autre ton, le prendre sur un autre ton, parler ou agir d'une autre maniere Rondeau 2, 591ᶜ; itzt genandte beyde obristen redeten gar aus einem andern thon, wie es bisher gelautet Chemnitz schwed. krieg 4, 1, 92ᵇ; was gilts? rieff er aus, wir wollen in 14 tagen aus einem andern thone mit einander schwatzen Schnabel Felsenburg 4 neudr.; bald werde ich mit dem herrn aus einem andern tone sprechen Lessing 2, 162; ehe ein jahr vorüber geht, wird die moral aus einem andern tone sprechen J. Möser 3, 7. seltener in einem andern ton sprechen: die zeit ist vorbey, da mich solche reden bezaubert hätten. sie müssen jetzt in einem andern tone mit mir sprechen Lessing 2, 284; nun verzweifle ich fast, dasz sie (in ihrem blatte) in einem andern tone reden werden Cramer der nord. aufseher 1, 53. aus einem andern ton gehn: die schluszrede des Demea bey dem Terenz, geht aus einem ganz andern tone Lessing 10, 93; sprichw.: das geht ja jetzt aus einem ganz andern tone Lessing 1, 340; nu gît't ût'n annern tôn, sädde köster, un floit't das evangelium bei Wander 4, 1264; ebenso: dies klingt ja wiederumb aus einem andern ton aus Schlesien ebenda. einen andern ton anstimmen: eingeschüchtert stimmte Drewniak einen andern ton an Ebner-Eschenbach 2, 153; auf musikalische verhältnisse anspielend: und es wird jetzt wirklich eine zu grosze menge claviermusik ähnlicher art componirt; man sollte wieder ein mal einen andern ton anstimmen Mendelssohn briefe 2, 187. die bedeutung 'accent' klingt an: wie er (der dichter) diesen vers hier brauchte, kann er ihn anderswo vielleicht nicht brauchen; empfindung und inhalt geben ihm dort einen andern tritt und ton Herder 27, 279. einen andern ton ausbitten: i bittet mir an andern ton aus (d. h. einen freundlicheren) Hügel Wiener dialekt 165. sprichw.: ander weter, ander ton; ander glück, ander tück Butschky Pathmos 139.
h)
der ton wird ferner im allgemeinen beurtheilt als
α)
der alte ton:
(sie) fängt wieder an im alten ton
den leuten ihren text zu sagen
Ramler fabellese 3, 97;
abscheulich! fallen sie schon wieder in den alten ton? Bauernfeld 2, 182; auch nach der hand muszten Wildmann und Louise ihr ganzes ansehen bey ihm anwenden, um ihn nur einigermaszen wieder auf den alten ton zu stimmen J. G. Müller komische romane 2, 463; von liebe ist nicht mehr die rede, obgleich ich ihre eitelkeit zu vergnügen den alten ton beibehalte Pückler briefw. u. tageb. 6, 317;
... wir fanden
den alten ton nicht mehr
Geibel 4, 66.
es geht im alten ton: Richard: wie gehet es, bäschen? Emerenzia: so, wie der herr vetter weisz, im alten thon pedantischer irrthum 47.
β)
der neue ton: mit jedem kopfe, der neuen ton in die gesellschaft bringt Herder 5, 121; ist das jetzt neuer ton? macht man zu London und zu Paris solche morgenvisiten? Engel 12, 229. auch der plural: 'die nordsee' gehört zu meinen letzten gedichten, und sie erkennen daraus, welche neue töne ich anschlage und in welchen neuen weisen ich mich ergehe Heine briefe 1³, 271.
γ)
ein gewisser ton, der allgemeine ton: es giebt einen gewissen ton, der das leere des verstandes verräth Gellert bei Lavater, physiognomische fragmente 1, 31; ein gewisser ton und schlendrian pflanzt sich leicht fort Göthe IV 12, 292 Weim.; ob es nicht zwang und fessel für unsre barden seyn würde, wenn man ihnen einen bestimmten ton vorschreiben wollte Kretschmann 1, 15; so fahre ich hier blos im allgemeinen tone fort Herder 2, 17.
δ)
jeder ton, alle töne: da es nicht möglich ist regeln zu geben, durch deren befolgung jeder ton zu erreichen wäre, so kann hier nur durch beyspiele gelehrt werden Sulzer theorie 4¹, 452; sie (die männer) sezen uns (mädchen) in den fall, etwas belehrendes von ihnen erwarten zu müssen und gehen dann aus dem lehrton in jeden ihnen gefälligen ton so leicht über Hermes manch Hermäon 1, 158. auch der plural, bildlich: ich habe dich so häufig Theodors lob aus allen tönen singen hören Holtei erzähl. schriften 7, 111; wenn wird es doch geschehen, dasz ich ihnen mündlich durch alle töne einstimmig versichern kann, wie sehr ich ihnen ergeben bin? L. A. Gottschedin briefe 1, 28.
ε)
der gleichförmige ton, mannigfaltigkeit des tons: sein werk besteht streng genommen nur aus novellen, ... dasjenige, was alle verbindet, ist ein gleichförmiger ton lieblichen wohllauts Tieck 4, 121; und es tritt eine kunstvolle gliederung, ... eine mannigfaltigkeit des doch einheitlichen tones ein Scherer gesch. d. d. litteratur 84; weit entfernt dasz ich die aufnahme gewisser arbeiten in den almanach tadle. denn man sucht dort gesellige mannigfaltigkeit, abwechslung des tons und der vorstellungsart Göthe IV 11, 163 Weim.; so grosz ist die verschiedenheit des tons unter zweyerley classen von menschen! Knigge umgang 1³, 22.
i)
der ton wird nach allgemeinen ästhetischen und ethischen werthungen bestimmt.
α)
der eigne, der natürliche ton, der fremde ton: die beschreibung jeder statue hat ihre eigene methode und ihren eigenen ton Justi Winckelmann 2, 1, 46; ohne hauptstadt sollen wir ein eigenes national theater, ... und ohne ein allgemeines oberhaupt unsern eignen ton in der kunst erlangen J. Möser 1, 385; es gibt einen ton der wahren natur zugleich mit anstand und feinheit, des wizes und der herzlichen lustigkeit zugleich mit vernunft briefe von und an Bürger 2, 134; die versicherung dasz ihr mich liebt ... würde mir mehr zufriedenheit erweckt haben; wenn sie nicht in einem so fremden tone geschrieben wäre Göthe IV 1, 16 Weim.; bringen sie (die bekenntnisse einer schönen seele) einen fremden ton in die stimmung, so wird man doch wieder versöhnt, weil durch diese unregelmäszigkeit immer etwas gewonnen ward 29, 231.
β)
der herrschende, weit verbreitete ton: der herrschende ton darinn ist satyre und humor Lessing 8, 33; wer aber endlich viel und immer in der groszen welt lebt, der thut doch wohl, den herrschenden ton zu studiren Knigge umgang 3³, 56; man sah dasz der ton, der hier herrschte, mir neu war Bahrdt leben 2, 9; wo findet sich ehrfurcht für hohe unerreichbare forderungen? ... ob hierin der lebhafte Franzose oder der trockne Deutsche mehr gefehlt, und in wiefern beide wechselseitig zu diesem weit verbreiteten tone beigetragen, ist hier der ort nicht, zu untersuchen Göthe II 3, 240 Weim.
γ)
der schickliche, gehörige ton: weil ich so ziemlich gut an jedem ort augenblicklich den für dasselbe schicklichsten ton zu treffen wuszte Bräker 1, 240; dasz gar manche verfängliche mährchen, ... die eigentliche farbe, den wahren angemessenen ton bei der umbildung meistentheils verloren Göthe 7, 224 Weim.; die begeisterung des krieges, die leidenschaft des liebenden, die vision und das wunder sollte jedes in einem ihm geziemenden tone vorgetragen ... werden Tieck 1, xxix; eine sammlung auserlesener stücke, darin der gehörige ton vollkommen getroffen ist Sulzer theorie 4¹, 452; hier schicke ich das manuscript und wünsche, dasz ich das rechte maas und den gehörigen ton möge getroffen haben Göthe IV 10, 207 Weim.
δ)
der rechte ton:
swer als der kever wirbet,
ob des gewerft verdirbet,
die clage hat vil rechten don
kleinere mhd. erzählungen 3, 108 Rosenhagen;
das ist so just der rechte ton!
er will noch dank, dasz er mich ennuyiert
Göthe 14, 165 Weim.;
der feine griff und der rechte ton
das lernt sich nur um des feldherrn person
Schiller 12, 23.
im rechten ton sprechen: der und der ist mein mann ... spricht mir gerade im rechten ton Bräker 2, 180. den rechten ton treffen: für alle die verschiedenen sachen, wie für die verschiedenen personen trifft er (Luther) den rechten ton und die rechte art Steinhausen geschichte des deutschen briefes 1, 115; jeder betrüger, der nur den rechten ton zu treffen weisz Knigge umgang 3³, 105. vgl. auch im sprichwort: das ist der rechte ton nicht, das war der rechte ton bei Wander und s. im vor. 2, c, β und 4, f.
ε)
der anständige, der feine ton: an keinem hofe kann ein so ungezwungener, froher und doch anständiger ton herrschen als hier Jean Paul briefwechsel 298 Nerrlich; und der edelste ton, in dem man schrieb, war wie Ludwig sprach, anständig, höflich mäszig Herder 23, 69; dasz er darüber für jenen galanten ton, den er neulich mir aufdringen wolte, keine zeit mehr übrig hat Hermes manch Hermäon 1, 127; der bezaubernd angegenehme witz, der feine gefällige ton, den ihr der hof gegeben, verbergen viele moralische fehler La Roche Sternheim 1, 72; bemerktest du den edlen anstand des mannes nicht, und das geistreiche auge, den feinen ton der frau? Pfeffel pros. versuche 7, 17; in unsern glänzenden städten hingegen, wo nach und nach der ton der feinen lebensart allen biedersinn zu verdrängen anfängt Knigge umgang 2³, 173.
ζ)
der schöne, klare ton: man sah die bücher immer mehr für schriftliche gespräche, für unterredungen im schönen ton an Herder 1, 236; man empfindet so etwas im prinzen von Homburg, wo das dem anfang entsprechende traumwandeln am schlusse .... mit dem schönen klaren ton und der breiten ausführung des vierten und fünften aktes durchaus nicht stimmt Freytag 17, 121.
η)
der gute ton wird als solcher zunächst nach allgemein gültigen ästhetischen und ethischen werthungen beurtheilt; vielfach spielt aber schon der gute ton als 'der gute ton der convention' mit herein (vgl. 10): die Asseburg hat im nahmen der vögel, als papagey eine recht artige gratulation gemacht, die einen guten ton hat und überhaupt wohl geraten ist Göthe IV 8, 9 Weim.; ei! da ist der schöne, belesene, gute ton des hrn. Klotz Herder 3, 392; übrigens herrscht in dieser kleinen schrift an vielen orten ein guter ton, aber an noch mehrern beleidigt die affectirte laune Frankf. gel. anz. 12 neudr.; er (der vortrag) erhält dadurch (durch unbefangenheit) ... den besten ton Lichtenberg erklärung der Hogarthischen kupferstiche 1, vii; es herrscht übrigens ein guter ton unter den hiesigen einwohnern, höhern und geringern Hegner 2, 63; wenn eine gewisse feinheit und guter ton bey hof herrscht, lässt sich zwar noch nicht schliessen, dass die nation eben so beschaffen sey Schmidt gesch. der Deutschen 1, 286;
denn freunde gehn auf ihrer reise
von orten nur vergnügt davon,
tractiert man sie nach ihrer weise,
und loben dann den guten ton
Göthe 4, 220 Weim.;
dergleichen aufenthalte in der mitte vollzählig blühender familien mit gutgestimmtem tone G. Keller 7, 320; wie ton als 'der gute ton der convention' absolut gebraucht wird, so auch im folg. in mehr allg. bed.: ich wollte diesem sogenannten manne des jahrhunderts (Napoleon) gern alle kränkungen, unbilden und sünden verzeihen, wenn er nur ton hätte Immermann 16, 521. mehr von den bedeutungen 'melodie', 'tonart' ist auszugehn, wenn es heiszt es geht aus einem bessern ton, in dem besten ton sein: freund, itzt gehets mit dir aus einem bessern thon, als es ehedessen gieng Cober aufrichtiger cabinet prediger 2, 60; denn er 1077 schon floriert, in seinem besten thun gewesen bei Fischer 2, 256; vgl. auch groszer und ringer ton im folg. der gewöhnliche, platte, üble, schlechte ton: wir fallen nun bald, fürcht ich, in den gewöhnlichen ton, in dem man die männer reden hört, besonders wenn sie die pfeifen im munde haben Göthe 18, 308 Weim.; weil alle gesellschaftlichen lieder, die nicht einen poetischen stoff behandeln, in den platten ton der freimäurerlieder verfallen Schiller briefe 7, 44; nur hatte mich der ungeschliffene ton etwas beleidigt G. Müller aus dem Herderschen hause 13; ein pöbelhafter ton ist nicht blos eine schlechte pöbelhafte aussprache, sondern alles in der rede, was uns anschauend die vorstellung des niedrigen und pöbelhaften erweckt Sulzer theorie 4¹, 449; gar zu leicht aber gewöhnt man sich in der sogenannten groszen welt diesen elenden ton an Knigge umgang 1³, 53; es herrscht in manchen städten, besonders in reichsstädten, ein äuszerst steifer und übler ton 2³, 29; legationsrath: was hat euch miszgestimmt? kanzler: der schlechte ton, der jene säle jetzt entweiht Immermann 16, 52.
k)
der ton wird nach seinem empfindungs- und gefühlsgehalt unterschieden.
α)
der empfindsame, leidenschaftliche ton, der ton der gleichgültigkeit, der gelassenheit: wenn ich nicht fürchten müste, in den beliebten und belobten empfindsamen ton zu fallen briefe von und an Bürger 2, 59; jede (poetische landschaftsmalerei) musz ihren eignen einzigen ton der empfindung haben, Jean Paul 49-51, 300; das ist nicht der kalte lehrton, das ist der ton der begeisterung Adelung; dieser kurze, feurige und affektvolle ton, der in dieser vergleichung herrscht allg. deutsche bibliothek 1, 1, 107; seine schreibart auf den ton der begeisterung zu stimmen Wieland Agathon 1, 197; in einen so freundschaftlichen und schwärmerischen ton stimmt der gefällige sophist seine sprache um 1, 228; ihre jugendliche haltung, ihren oft leidenschaftlichen ton wollte und konnte ich diesen bänden nicht nehmen Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 1; wer den ton einer rührenden leidenschaft zu treffen weisz Sulzer theorie 4¹, 457; Agathon beharrte in dem ton der gleichgültigkeit Wieland Agathon 1, 174; er sah ganz braunroth aus von verhalt'nem zorne, doch zwang er seine rede in den ton der gelassenheit Fouqué altsächs. bildersaal 2, 186.
β)
der süsze, milde, grobe ton. bildlich, an ton im sinn von melodie anspielend:
Tyrrel. gebt mir zu ihnen offnen zutritt nur,
so seyd ihr bald die furcht vor ihnen los
Richard. du singst mir süssen ton
Shakespeare. Richard III 4, 2;
der allersüszte ton, den auch ein schäfer hat,
es ist doch nur ein ton, und ton den wird man satt
Göthe 9, 48 Weim.;
mein ton, mein ton! ist freilich keiner von den zuckersüszen, mit butter geschmierten, in dem unsre glattzüngichte herren ihre komplimenten herkrähen H. L. Wagner kindermörderin 48 neudr.; dieser süsse ton, den er bey ihnen annimmt — entweder er braucht sie, oder er will sie zu grunde richten Schiller 14, 234; ich wünschte du, sprächest in einem mildern ton Klinger neues theater 2, 82; der herzog fährt hierauf fort, ihm sein unrecht, in einem etwas gelindern tone vorzuhalten Lessing 10, 43; mir soll jeder ton, der sanfte und der grobe, gleichviel gelten Laukhard leben und schicksale 1, xvi. auch der plural: die herren von Westerhagen und Pöllniz sind noch im tode glüklich zu schäzen, dasz sie von einem Haug in so sanften und rührenden tönen besungen worden sind Strausz Schubarts leben 1, 15; in sanften tönen reden (schreiben) auch in der heutigen studentensprache (nach Edward Schröder).
γ)
der warme, kalte, der trockne ton: wenn ich ihr gegenüber einmal einen warmen, vertrauensvollen ton anschlage Ebner-Eschenbach 4, 89;
sein brief ist kurz, er wünscht in deutschem sande
den gatten sanfte ruh mit frost'gem ton
Geibel 2, 262;
glaub mir, dasz mein herz viel litt, als ich den trocknen und kalten ton annehmen muste Miller Siegwart 1, 259; nun aber genug des trocknen tons; ich bin wahrhaftig wieder fast brummig geworden Mendelssohn briefe 1, 200;
ich bin des trocknen tons nun satt,
muss wieder recht den teufel spielen
Göthe 14, 94 Weim.
δ)
der freudige, traurige, scherzhafte, drollige, ernste, jämmerliche ton: wessen gemüth würklich von freude, oder traurigkeit erfüllt ist, der wird auch den freudigen oder traurigen ton treffen Sulzer theorie 4¹, 452; ich stimmte also einen heiteren ton an Holtei erzähl. schriften 1, 34; die recensionen sind zugleich in einem behaglichen und heitern ton geschrieben Schiller briefe 7, 216; doch verbreitete letztere ... sogleich einen heiteren, vergnügten ton G. Keller 6, 227; besonders übertragen sie den muntern ton ihres geselligen lebens in nachspiel und operetten Europa 2, 24 Schlegel; dieser (brief) geht schon wieder aus einem noch munterern tone Göthe IV 1, 223 Weim.; beynahe möcht' ich sie um den leichten, scherzenden ton der guten gesellschaft, der wie in allen ihren gedichten, also auch in dieser epistel herrschet, beneiden Bürger an Göckingk 1, 225 Strodtmann; Barbara hörte aus ihres bruders erzwungen scherzhaftem tone den gerechten groll ... heraus Holtei erzähl. schriften 7, 16; von herrn Gotter ist eine epistel an madame Hensel eingerückt, ... die wir in dem drolligen ton, womit sie anfängt, fortgeführt wünschten Göthe 37, 236 Weim.; beim nachtessen ... fand ich, dasz der ernste ton in dieser ältlichen mamsell nur angenommen Arnim 7, 206; denn dieser hat bereits, und in einem weit ernstern tone, als man von ihm gewohnt ist, den groszen tag besungen Lessing 8, 34; da bin ich denn in einen ganz griesgrämlichen ton verfallen, der zum geburtstagston nicht paszt Mendelssohn briefe 2, 62; könnte man nicht erfahren ... was das für ein jämmerlicher ton ist, in dem du mit Augusten stehst? Göthe IV 1, 156 Weim.; ich könnte in diesem lamentirenden tone ganze bücher schreiben Gentz 1, 132.
ε)
der leichte, schwere, freie, steife ton: er besann sich jetzt erst, dasz frau von Trompetta, trotz ihres leichten tones und ceriserothen shawls, zu jener gesellschaftlichen fraction gehörte, die man in frivolen kreisen schwanenjungfrauen ... nannte Gutzkow ritter vom geiste 1, 42; leichten ton haben sie (die reisen Thümmels) Schiller briefe 3, 136; vorzüglich wohl gefallen mir die darinn enthaltnen erzählungen sowohl durch die angenehme leichtigkeit ihres tons als durch ihren interessanten und lehrreichen inhalt 4, 61; dass der leichtsinnige und scherzhafte ton von jeher den höfen vorzüglich eigen gewesen ist Wieland Agathon 2, 286; das wunderbare des märchens erhält nie den schweren, ahnungsvollen, ernsten ton des mythus O. Ludwig 5, 103; unterredungen über tausend gegenstände im freiesten tone Schubart leben 1, 171; eine solche lage und blutmischung hätte dann gewisz ... meinen gedichten einen freiern, frischern, kühnern ton geben müssen ged. 2, 9; ein unbefangener und fröhlicher ton herrschte bey der mittagstafel Matthisson schriften 2, 234; viele meinten, man sollte ... einen kühneren ton annehmen Schiller 7, 218; Warbeck ... nimmt gegen die herzogin einen mutigen ton an 15, 1, 223; ihr vertrauter offner ton war blöder und zurückhaltender geworden Kosegarten Ewalds rosenmonde 63; sein ton ist ernsthaft, aber nicht steif Forster 8, 9; Levins frau steht mir viel zu nahe, als dasz ichs auch nur einen brief lang in halbweg ceremoniösem tone mit ihr aushalten könnte Droste-Hülshoff briefe an Louise Schücking 288.
l)
der ton als ausdruck der empfindungen und gefühle kommt besonders im verhalten und gehaben der menschen untereinander zur geltung.
α)
der verbindliche, freundschaftliche, herzliche, vertraute ton, der ton des vorwurfs: er macht in dem verbindlichsten tone die bittersten vorwürfe Lessing 10, 86; wenn s. majestät ... allen in einem gnädigen tone schrieben Schiller 7, 226; die von dem könige ... in dem freundschaftlichsten tone an den kurfürsten gerichtete aufforderung Bismarck ged. u. er. 2, 42; auf einen cordialen ton glaube ich nicht mit ihm kommen zu können Schiller briefe 3, 204; ich fühlte bald, dasz mir der herzliche ton unmöglich war Pückler briefw. u. tageb. 1, 436; discussion, wo sie gern einen scherzhaften, zuweilen einen familiären ton anschlägt Ranke 14, 250; einer der groszen, der zuweilen den vertrauten ton mit dem monarchen annehmen durfte H. v. Kleist 4, 195: den niedrigen vertraulichen ton, in dem sie sich mit ihren frauen unterhält, würde man in Paris kaum einer guten adlichen landfrau angemessen finden Lessing 10, 31; hei redt en por würd französch mit em in en tröstlichen ton Fr. Reuter 3, 398;
umsonst fleht er, als mann, in schmeichelhaftem ton:
verachtung war der liebe lohn
Lessing 1, 5;
ich hab' ne spur von eurer art, frau mutter,
die nicht den ton des vorwurfs dulden kann
Shakespeare Richard III. 4, 4.
β)
der bescheidene, gefällige ton: durch dessen bescheidenen und sehr gefälligen ton gegen ihn in seinen briefen, fest überzeugt Wackenroder herzenserg. 35; sein brief war ... in einem biedern tone geschrieben Bahrdt leben 3, 84; (Shakespeares Jago), der oft in einen groben, biederherzigen ton verfällt, welcher treuherzig klingt Holtei 40 jahre 3, 286; recht treuherziger ton, zuweilen auch kürze und grobheit versüszen dem volke die lectüre dieser trockenen sachen Freytag 15, 26; erst bei der bekanntschaft mit Adelheid im schlosse des grafen von Forcalquier gewinnt die geschichte durch den naiven ton wieder einigen reiz Solger nachgel. schriften 1, 5.
γ)
der geschwätzige, renommistische ton:
nahm die weisze gestalt der anakreontischen taube,
ihren geschwätzigen ton, ihre geselligkeit an
Klopstock oden 1, 37;
dieser durch das ganze stück herrschende wortreiche ton würde dir nicht blosz in einem trauerspiel ... nicht gestattet werden Schiller briefe 3, 102; ich brauche nicht zu sagen, dasz ein anpreisender ton nicht schicklich wäre 6, 31; szenen, in denen der renommistische ton des regiments Gensdarmes nachklang Fontane I 2, 18; der ganze aufsatz geht in einem galimathisirenden und sich in der bereitung von unsinnigkeit gefallendem tone fort Hegel 1, 84.
δ)
der dreiste, befehlende, stolze, erhabne ton: und das alles, vor der armee, verläumdend und lügenhaft, im dreustesten tone Herder 3, 167;
soll? sklav, welch frecher ton?
Grabbe 2, 47;
zwar ist der entscheidende ton und die manier, womit man sich das ansehn eines umfassenden geistes zu geben denkt, in dem kreise unserer kritik nichts weniger als neu Göthe 40, 196 Weim.; der entscheidende, zuversichtliche ton gehört nur für sophisten J. G. Hamann 1, 322; als das gerede doch nicht aufhören wollte, nahm ich den befehlenden ton des gebieters an, gebot allen ... mir schweigend zu folgen Steffens 1, 180; dasz Schlegel ihnen in anmaszendem ton schreibt, ist höchst tadelnswürdig W. v. Humboldt bei Lefmann, Franz Bopp, nachtrag 66; diejenigen unter ihnen, die bloss durch ihren leichtsinn verführt wurden, Wallensteins partei zu ergreifen, werden durch einen ton des ansehens überrascht Göthe 40, 61 Weim.; ich muss lachen ..., wenn ich an den ton der unfehlbarkeit denke, womit er sprach Wieland Agathon 1, 70; der fall, dasz jemand ... aus einem solchen tone von superiorität mit ihm sprach, war ihm völlig neu J. G. Müller kom. romane 1², 322; eine absichtliche arroganz des tones in der unterhaltung Polenz Grabenhäger 1, 23; der französischen unterstützung sicher, stimmte man sich in Spanien wieder zu dem stolzen tone hinauf Forster 4, 80; es bleibt nichts übrig, als den günstigen leser zu bitten, dasz er dem schriftstellerischen kater den etwas stolzen ton dieses vorworts nicht zu hoch anrechnen ... möge E. Th. A. Hoffmann 10, 14; da ihn der herrische ton der chanoinesse gleich anfangs verdrosz Hegner 2, 81; welcher in erhabenem tone seine grossthaten erzählte Bode Montaigne 1, 5; aber hier klingt es in einem erhabeneren ton: gnade euch —! Jung Stilling 3, 23; zwar wenn vom stammbaum die rede wäre, fing der graf in einem hochgebohrnen ton an, möcht ich sehen, wer einen entferntern ersten hätte, als unser haus? Hippel lebensläufe 3, 1, 32; der hochfahrende ton seines briefes gefällt mir nicht Göthe IV 17, 98 Weim. auch der plural:
wer hier zum volke spricht in stolzen tönen,
der sei auch würdig, vor dem volk zu sprechen
Platen gabel act 3;
dasz sie (die seele) von den erhabnen tönen (in Klopstocks Messias), die unaufhörlich in ihr ohr klingen, nicht gerührt und erschüttert wird Moritz Anton Reiser 418 neudr.
ε)
der hohe ton, der tiefe ton:
es ziemt der hohe ton, die rasche gluth
nicht dir zu mir, noch dir an diesem orte
Göthe 10, 158 Weim.
bildlich in, aus einem hohen ton singen, pfeifen:
aus all der weisheit, all dem hohen ton
in dem du singst, hör' ich nur einen miszlaut,
den schlechtesten, 'gesinnungslosigkeit'.
Freytag 2, 100;
je kürzer die bahn oder auch das gesicht eines menschen ist, aus einem desto höhern tone pfeift er Jean Paul 5, 90. in einem hohen tone reden gebieterisch reden, ingleichen fordern, hoch hinaus wollen Adelung. wenn man von einem menschen sagt, er habe in einem hohen ton gesprochen, so versteht man dieses nicht nur von einer lauten festen stimme, sondern auch von dem dreisten oder kühnen, das in gedanken und in der wahl der worte liegt Sulzer theorie 4¹, 449; lachst du etwann närrgen, dasz ich in einem so hohen tone spreche Göthe IV 1, 19 Weim.; das parlament beschwerte sich darüber nicht nur in sehr hohem tone, sondern liesz auch ... sechs royalistischen verbrechern ... sogleich den todesprocesz machen Bürger 423; und prediget fast inn dem höchsten ton, wie Muntzer zu Alstad und hernach zu Mulhausen Alberus widder Jörg Witzeln G 3ᵃ; weil ich mich nicht entschlieszen kann, ihnen amtlich und durch die bureaus in derselben höhe des tones zu schreiben Bismarck ged. u. er. 2, 7; man empfing sie daselbst in sehr hohem tone und mit ausschweifenden anforderungen Bürger 415; vgl. in hohem ton leben bei Göthe im folg. 12. aus einem hohen, bösen ton reden Fischer 2, 255; er redet aus einem gewaltig hohen ton 'he talks big, hi speaks boldly or confidently, he boasts or cracks' teutsch-engl. lex. 1968; aus einem hohen tone sprechen sehr anmaszend, gebieterisch, hoch hinauswollen Campe. bildlich: er singt aus einem höhern ton Wander 4, 1265; op eenen hoogen toon spreeken, schryven ... auf einen hohen thon reden, schreiben Kramer 1, 398. das gespräch, der umgang ist auf einen hohen ton gestimmt: lasst uns, sagte die bescheidne nymphe ein gespräch enden, das die allzugrosse dankbarkeit deines herzens auf einen zu hohen ton gestimmt hat Wieland Agathon 1, 178; in Naumburg ist der umgang auf keinen so hohen ton gestimmt Lenz 1, 105. einen hohen ton annehmen, führen: aus dem hohen tone, den sie so sehr zur unzeit gegen die herzogin annahmen, möchte man beinahe schlieszen, dasz es ihnen mit ihrer forderung wenig ernst gewesen sey Schiller 7, 293;
was führt ihr überhaupt so einen hohen ton
und schämt euch schier. nur noch zu lachen
Mörike 1, 245.
er hets hoch im ton, der herr füehrt e hocheⁿ ton er spielt den groszen herrn Martin-Lienhart 2, 688;
in Frankreich ist marquis von hohem ton
in Welschland graf und anderswo baron
Hagedorn 3, 325.
auch der plural: in hohen tönen reden und schreiben besonders auch in der heutigen studentensprache in der bedeutung 'mit dem ausdruck sittlicher emphase' (nach Edward Schröder); da klagt ich Zittemann mein elend in den allerhöchsten tönen Bräker 1, 121. auch bildlich und in andrem sinn: die höchsten töne singen sehr vergnügt, in heiterer stimmung sein (weil man dabei oft singt) Spiesz 255; wer kann lachen, wo er weinen möchte; ... aufjauchzen in hochgefärbten tönen, wo die stimm' im klagenden weichen F erstirbt!! — Schubart ged. 2, x. neben dem ton von höhe drückt auch der ton von tiefe erhabene stimmung aus: die einheit des urhebers spiegelt sich bis in dem dialecte seiner werke; — in allen ein ton von unermeszlicher höhe und tiefe! Hamann 2, 276.
ζ)
der grosze ton, der geringe ton: (sie) stehen mit ihnen in der vertraulichsten bekanntschaft, nicht nach einem groszen tone, nicht etwa durch hülfe groszer glänzender gesellschaften oder gastereien Kestner in den blättern aus dem Werther-kreis 24. groszen ton führen, vom groszen ton: man verdoppelt den putz, man nimmt eine magd, führt groszen ton Zschokke 40, 262; grade in der natur kann ich eigentlich niemanden gebrauchen, am wenigsten leute vom groszen ton Immermann 10, 125. sich einen groszen ton geben und ebenso sich einen ton geben: wahrhaftig! dies vorurtheil kleidet sie, da sie sich sonst so einen groszen ton zu geben wissen, sehr schlecht H. L. Wagner theaterstücke 19; sich also einen ton auf kosten eines ganz unschuldigen fremdlings geben, der unter eine andere obrigkeit gehöret, ist widerrechtlich Herder 1, 388; der kaⁿⁿ sich e ton gêbᵉⁿ Martin-Lienhart 2, 688; der kann sich e ton gen! Follmann 95ᵇ. mehr an die bedeutung 'melodie' scheint anzuknüpfen in groszem, ringem ton sein: welcher L. domals in groszem thon gewest Fischer 2, 256; soll zu Leipzig gesessen und in groszem thon gewesen sein 1, 286 ebenda; als St. noch in gar ringem thon gewesen ebenda; vgl. auch in gutem ton sein im vor. sp. 736.
m)
der ton entspricht einer bestimmten kunstgattung und geistesrichtung.
α)
der epische, lyrische ton, der ton des volkslieds, der psalmen: die feyerlichkeit des epischen tones wird oft blos durch den gebrauch gewisser verbindungswörter erreicht Sulzer theorie der schönen künste 4¹, 452; so werden sie den ton eines komischen heldengedichts treffen Dusch verm. krit. u. satir. schriften 16; vielmehr verfiel er selber in einen elegischen ton G. Keller 1, 146; sentenzen und blasen und ellenlange worte: das macht ihnen den wahren ton der tragödie Lessing 10, 30; im ton der ode Karschin Göttinger musenalm. (1771) 11; Gleim, der alte kriegessänger, wo er würklich den edlen starken einfältigen ton der ballade hat Herder 5, 337; im tone des herzigen volkslieds ist Deutschland noch von keinem volke übertroffen worden Schubart 5, 243; der ton des bloszen märchens ist abwechselnd — er kann aber auch einfach sein Novalis 3, 20; der ton der psalmen, welchen die empfindungen des herrn Wielands oft annehmen Lessing 8, 17; zuletzt aber tritt der doctor auf, der die reine lehre im tone der predigt verkündigt Ranke 2, 58.
β)
der dichterische, lehrende ton: dasz dieser treffliche mann (Luther) ein in dem verschiedensten stile verfasztes werk und dessen dichterischen, geschichtlichen, gebietenden, lehrenden ton uns in der muttersprache, wie aus einem gusse überlieferte Göthe 28, 74 Weim.; ich weisz nicht, ... woher meine kleine frau die geduld nahm, diesen lehrenden ton zu ertragen J. Möser 1, 91; er fuhr in dem magistralen tone fort Ebner-Eschenbach 4, 20; wenn du den unterrichtenden ton gegen sie annimmst! Knigge umgang 3³, 24; die moralischen züge, welche sie mit unterstreuen, sind gut; ich hätte aber gewünscht, dasz sie ... in einem minder schulmäszigen tone dahertönten Lessing 5, 42; vielleicht hat eben diese abneigung gegen den akademischen ton es auch gemacht dasz seine schreibart etwas zu unakademisch ist Herder 2, 288.
γ)
der erbauliche, religiöse ton: durch den erbaulichen ton einer strengen sittenlehre Wieland Agathon 1, 197; mich selbst ... ermahnte er unaufhörlich, und mit einem so ernsten und religiösen tone, der unwiderstehlich war Bahrdt leben 1, 223; beide beobachteten den ton geistlicher demuth Schiller 3, 548.
δ)
der philosophische, dogmatische, satirische, polemische ton: der allgemeine philosophische, menschenfreundliche ton unsres jahrhunderts Herder 5, 511; der ton der philosophie war nun einmal mode Wieland Agathon 2, 111; wenn ich den dogmatischen ton annehme, geschiehts nicht aus anmaassung Herder 15, 58; in einem dogmatisirenden, affirmativen tone Lessing 18, 271; ein gewiszer laconismus — in so fern er nicht in den ton, nur in sentenzen und aphorismen zu sprechen, oder jedes wort abzuwägen, ausartet — ... ist die wahre kunst der gesellschaftlichen beredsamkeit Knigge umgang 1³, 56; also der spitzfindige ton der aufgabe, und der ingrimm, der darin sichtbar ist, miszfällt ihnen Schleiermacher I 5, 13; der ton der wizeley hat zugenommen Lavater verm. schriften 2, 13; aber er that es in einem buche, in welchem der persifflirende ton so herrschet Lessing 10, 140; es ist schwer, in lustiger stimmung, und wenn man dem witze den zügel schieszen läszt, nicht in einen satirischen ton zu fallen Knigge umgang 1³, 184; so dürfte es nicht die blosze politesse seyn, die den polemischen ton nicht dulden will Lessing 11, 3; soll ich demohngeachtet mich noch über den polemischen ton und inhalt dieses werks rechtfertigen! Haller restaur. der staatswissenschaften 1, lv; durchaus herrschte in der litteratur dieser jahre der oppositionelle ton Mommsen röm. gesch. 3⁴, 317.
n)
der bestimmte ton einer person: aber was ich auch that, im tone des mannes zu bleiben, so wurde ich doch immer von R.s witze ... unterbrochen Bahrdt leben 2, 8; wie ein spitzbübischer lakey weisz der heuchler mit der livree auch jedesmal den ton seines herrn anzunehmen Schiller 14, 212; alles muszte gewissermaszen sich in seinen ton stimmen Heinse 4, 158. eines autors: diese erklärung dünkt mich nach dem tone Homers die beste Herder 3, 122; um aber nicht ganz in den ton des Hafis zu verfallen will ich, in treulichem deutsch, mich ew. excellenz wohlgewogenheit angelegentlichst empfehlen Göthe IV 25, 142 Weim.; Wolfram, als der ton einmal angegeben war, wurde dann nachgeahmt J. Grimm kleine schriften 1, 88; auch der plural wir haben gar nichts dagegen, dasz auch die töne Jean Pauls und Hoffmanns einmal wieder angeschlagen werden Hebbel 12, 213. einer person, die einen stand vertritt: das ist der ton eines manns! Schiller 2, 60; kennst du mich in diesem tone Behrisch? es ist der ton eines siegenden jungen herrn Göthe IV 1, 133 Weim.; ihr väterlicher ton giebt mir vertrauen Iffland theatralische werke 1, 130; Dionys sprach im ton eines asiatischen despoten Wieland Agathon 2, 143; das übel hebt sich indesz leicht, wenn man den ton des amtmanns in Gellerts fabeln zu treffen weisz Thibaut nothwendigkeit eines allgem. bürgerl. rechts 460; Gibbon hat ganz den ton und die manieren eines abgeschliffenen weltmannes Matthisson schriften 5, 283; man kann streiten, ob die philosophie den ton des witzigen gentleman lernen solle Justi Winckelmann 1, 235; in prälaturen und klöstern musz man den ton der herrn patrum anzunehmen verstehen Knigge umgang 3³, 79; in den ton eines predigers verfallen Campe.
o)
der ton einer gesellschaftsclasse, einer nation, einer zeit:
α)
der bürgerliche, adliche ton, der soldatische, kaufmännische ton, der guten gesellschaft, der feinen, groszen welt: heut zu tage, wo sich der bürgerliche ton immer mehr in den adlichen, auch wohl hie und da in den fürstlichen hinaufzieht Engel 12, 225; aus einer anzahl andrer familien vertrieb mich bald der gar zu spieszbürgerliche ton Mohl lebenserinnerungen 1, 104; kann man ... sagen, dasz er (der verfasser) einen ... handwerksburschenartigen ton hat Humboldt briefe an Welcker 37; sein etwas rauher soldatischer ton J. G. Müller komische romane 2², 303; der kaufmännische ton war groszthun durch schmausereien Bahrdt leben 1, 362; von dort aus wurde der studentische ton immer wieder angegeben Kluge studentensprache 3; was auf mich besonders erfreulich wirkt, das ist der gesellige ton, in dem alles geschrieben ist Göthe IV 41, 30 Weim.; der ton der guten gesellschaft stellte sich wieder her Herder 17, 239; die andern dichtarten, die schon zu sehr nach dem tone der feinen welt umgestimmt sind Kretschmann 1, 11; nur werde dieser ton der welt allgemeiner: er miszrathe nicht auch bessern schriftstellern oft Herder 2, 57; (sie) hatte sich mit vieler leichtigkeit den ton der groszen welt angeeignet Steffens 3, 48.
β)
der deutsche, der ausländische ton: endlich würde er (der barde) auch der treuste verwahrer und aufbehalter des ächten männlichen ernstes, des wahren teutschen tones seyn Kretschmann 1, 12; sie stimmten auch jetzt ihr betragen gegen sie mehr nach römischem ton, als nach altdeutschen sitten Schmidt gesch. der Deutschen 1, 318; ich glaubte, dasz der orientalische ton, den ich doch hier und da angeben müsse, in der prose zu sehr auffallen dürfte Lessing 18, 296; und dann wehte durch's ganze gedicht ein unverkennbar heimatlicher ton Holtei erzähl. schriften 24, 256; über den ausländischen ton in Deutschland Knigge roman meines lebens 1, 14.
γ)
der ton der heutigen welt, des jahrhunderts, der vorzeit, der alte ton: sie sind nicht im ton der heutigen welt abgefaszt Wackenroder herzenserg. 6; ist es aber nicht die pflicht eines dichters, den ton seines jahrhunderts anzunehmen? Lessing 4, 17; ist es vielleicht der ton des lustrums, worinn du schreibst Lichtenberg aphorismen 1, 170; er hatte die bildung und den ton jener tage in sich aufgenommen G. Keller 1, 19; die letzte erzählung dieses theils ... ward einem befreundeten herausgeber verschiedener geschichten im ton der vorzeit auf dessen begehren eingesendet Tieck 6, ix; das hauptverdienst dieses stücks ist der alte ton, der gar nicht besser getroffen werden kann Solger nachgel. schriften 1, 8; eine solche (feierliche ankündigung) soll auch hier folgen, und wie abermals der älteste ton will, als geheimnisz, in hohen räthselfragen Herder 10, 127.
9)
den ton geben, angeben. in absolutem sinn wie auch ital. 'dare il tono' und franz. 'donner le ton' erklärt sich aus dem musikalischen gebrauch 'den stimmungston angeben, nach dem sich die musikanten zu richten haben'; vgl. im vor. 4, f. seltener begegnet die mehr allgemeine bedeutung 'eine art und weise des ausdrucks, des gehabens, empfindens und denkens überhaupt angeben' (vgl. im vor. 8, e, θ; meist handelt es sich vielmehr um den bestimmten und maszgebenden ton, der als richtung gebend anerkannt wird. die wendung steht allgemein im sinn von 'maszgebend sein, die richtung bestimmen' im leben überhaupt: allgemein glaubt man doch eine hochtrabende pretieuse zu finden, die ... in einem kreise von schmarozern, durch flache wizeleien den ton giebt Sturz 1, 63; in einer gesellschaft den ton angeben wollen wollen dasz sich andere in der art und weise sich zu benehmen nach ihm richten sollen Campe; er will überall den ton angeben Wander 4, 1265; ich gebe den ton an, die andern werden schon einstimmen Klinger werke 3, 237; kein gutes vorurtheil kann es für die damaligen herren und damen von Erfurt sein, wenn ich sagen muss, dass herr R. zu meiner zeit den ton angab Bahrdt leben 2, 6; (Jarno und Aurelia) sind hauptfiguren, die jede in ihrer masse gleichsam den ton angeben Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 166; der kern und glanz des volkes besteht aus den jungen leuten von etwa zwanzig bis fünf-, sechsunddreiszig jahren, und diese sind es, welche den ton angeben G. Keller 4, 8; alteinheimische geschlechter ... gaben den ton an, dem die meisten in der stadt und der grafschaft folgten Ranke 16, 136; in bildlicher anspielung auf die musik: man sagte öffentlich, der hof sey ein horn, welches laute, wie fräulein Lukrezia den ton angebe Musaeus volksmärchen 4, 209.
a)
in der sprache, im vortrag: auch mögen jene jetzt immer noch, im ganzen, den ton in der sprache des geselligen lebens angeben Adelung magazin 2, 2, 7; auch in gesprächen der gesellschaft gebt ihr bei denen, die euch verstehen und lieben, den ton an Herder 16, 26; indem ... in den griechischen republiken die öffentliche beredsamkeit jeder art des vortrages, selbst der philosophie den ton angab Herder 18, 87.
b)
in der schreibart, in der litteratur, in poesie und kunst: Tasso und Guarini mit ihren schäferpoesien hatten dazu näher den ton gegeben Herder 18, 51; ein dreifach classisches buch, wenn es in bildung und nachahmung des styls den ton gäbe 2, 330; Bayle's nouvelles de la republique des lettres ... hatten dazu den ton angegeben, dem dann chöre von nachsängern folgten 23, 77; zwei neue fabeldichter, ... die in Frankreich und Deutschland vorwiegend ton angaben J. Grimm Reinhart Fuchs, vorrede xvii; die satire ... giebt darin (in der römischen litteratur) gleichsam den ton an Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 38; da diese provinz die besten schriftsteller hervorbrachte, ... so gaben sie bey allen ihren nachbarn den ton an Archenholz England und Italien 2, 92; kurz, die deutsche bühne kann nie einen eigenthümlichen charakter bekommen, wenn eine von den hauptstädten den ton angäbe, oder gar die einzige wäre Herder 2, 214. im selben übertragenen sinn auch in der musik: auch in diesem zeitpunkte zählen die Welschen noch grosze und auszerordentliche meister. Fraetta, Galuppi, und Jomelli gaben den ton an Schubart ästhetik der tonkunst 44.
c)
in der wissenschaft: auch schildert der verfasser hauptsächlich seine umgebung und erziehung in der groszen stadt des nördlichen Deutschlands, die so lange den ton in philosophie, theologie und kritik angab Tieck 6, 5: wenn grade die dogmatik bei dieser fortschreitung vorzüglich den ton angäbe Schleiermacher I 3, 119; Leibnitz hatte für die lehre von der unsterblichkeit der tierseelen den ton angegeben Lange gesch. des materialismus 223.
d)
in dingen des äuszern lebens, besonders der gesellschaftlichen mode: sich von dem vergnügen, in allen gesellschaften zu glänzen, ... und den ton in allen moden zu geben, plötzlich beraubt zu sehen J. Möser 3, 27; der hof von Thüringen ... gab in geselligen und litterarischen moden den ton an Böhme geschichte des tanzes 30; man hat jedoch das leben der englischen stutzer zu oft geschildert, ... in Deutschland geben Wien und Berlin den ton an Gutzkow 8, 25; haben wir eine hauptstadt, die ... den ton angiebt, deren moden gesetze für die ganze nation sind? Sturz 2, 161. auch zu, für ein ganz bestimmtes gehaben und handeln: weil sie vom adel war und mit dem benachbarten adel viel umgang hielt, welchem sie den ton gegeben hatte, den aufenthalt auf dem lande ... nach städtischer etikette mit besuchen, gastmahlen, assembleen, spielpartien und bällen zuzubringen Nicolai Sebaldus Nothanker 1, 186; wodurch fürs ganze leben der ton zum langsam und also lange leben angegeben werden kann Hufeland kunst das menschl. leben zu verlängern 479; der papst war ... so zufrieden, dasz er sich der ausschweifendsten laune überliesz und den ton zu einem bacchanal angab Klinger werke 3, 236; sie giebt für alles den ton an. sie arrangirt die parthieen, sie vermittelt die bekanntschaften Gutzkow 2, 275.
e)
in dingen des öffentlichen lebens: kein wunder also, dasz die französische nation die eitelste von Europa worden ist; fast von entstehung ihrer monarchie an hat sie ... in den wichtigsten veränderungen den ton gegeben Herder 14, 465; Deutschland im verfolg seiner jahrhunderte ist weder Athen noch Rom, weder eine monarchie, noch eine republik, die der ganzen welt ... ton gäbe 3, 466; mit einem solchen erzbischof von Maynz, der von rechtswegen den ton in ansehung der übrigen bischöfe angeben sollte Schmidt gesch. der Deutschen 3, 239; sie geben in allem den ton an: in kleidern — wie in friedenschlüssen Bauernfeld 5, 164; so gaben jetzt Frankreich und England den ton an Europa 2, 78 Schlegel.
f)
in empfindung, denkart, urtheil, meinung, gesinnung, geschmack:
den ton gebe freundschaft, und liebe den takt
Gotter 1, 339;
desto besser für unser vaterland, wenn grosze oder kleine schulweisen nicht mehr andern leuten den ton zu denken geben Gerstenberg recensionen 172 neudr.; wie sich diejenigen betragen, die durch ihr öffentlich urtheil, wonicht den ton, wenigstens den laut geben, bin ich ... gewahr worden Göthe IV 10, 308 Weim.; bei dergleichen urtheilen wird immer von oben der ton angegeben Justi Winckelmann 2, 1, 152; das bürgerthum, welches heutzutage den ton der öffentlichen meinung angibt Riehl freie vorträge 1, 338; der pöbel wurzelt, (unter uns gesagt) weit um, und gibt zum unglück — den ton an Schiller 2, 12; Nicolai und Engel, die so ziemlich den ton angeben Brester an Bürger 2, 134 Strodtmann; auch zu einer bestimmten auffassung, ansicht. sein (Manesses) name lebt, obgleich ein schulfuchs neulich den ton angab, ihm sein verdienst streitig zu machen G. Keller 6, 24.
10)
der gute ton wird als solcher ganz wie der franz. 'bon ton' nicht mehr wie im vorigen 8, h, ζ nach allgemein gültigen ästhetischen und ethischen werthungen beurtheilt, er ist vielmehr der bestimmte ton, der unter bestimmten verhältnissen als gut zu gelten hat, der gute ton der convention einer gesellschaftsclasse, auch der ton schlechthin in absolutem sinn, dem dann der schlechte ton gegenübergestellt wird:
deine wissenschaft sey guter ton!
handle dreist, gebärde dich bescheiden,
lerne leben, werde kein pedant,
tanze zierlich, wisse dich zu kleiden
und vergesse niemals deinen stand
Sturz 2, 291;
hier werden manche leser stutzen und fragen: wie es möglich sey, dasz in einer stadt, wo so viel guter ton, so viel galanterie herrscht, die studenten doch so ein schmutziges leben führen Laukhard 2, 37; man vergiszt (auf dem lande) den guten ton ganz und erfährt die neuen moden immer vierzehn tage später Miller Siegwart² 333; sie hatten ohne zweifel, als sie ihm mangel der gröszern welt, und des guten tons vorwarfen, vergessen, dasz sie gegen mich, sogar die realität des guten tons geläugnet hatten Sonnenfels briefe 335 neudr; damit er ohne verletzung des guten tones alle der reihe nach ansehen konnte G. Keller 6, 236; dasz Nettchen ihrerseits alle formen des bürgerlichen guten tones wahre 5, 60; bildlich mit anspielung auf den stimmton beim singen und sprechen: die gimpel freilich pfeifen blosz, es fehlt ihnen an gutem ton Geibel 7, 142. den guten ton annehmen, treffen: denn ich bin ja wol erfaren genug, um dann und wann den guten ton anzunehmen Hermes Sophiens reise 6, 525;
ihr trefft den guten ton nicht recht:
und doch ist euer ton vielleicht nur darum schlecht,
weil ihr nicht — durch die nase sprecht
J. A. Ebert 5.
der ton schlechthin: das bringt der ton so mit sich Campe; accurat solche figuren hat man in der schönen welt um takt und ton zu lernen Gotthelf 7, 211. dagegen schlechter ton: so war es diesmal entschieden schlechter ton zu Seldwyla, von den wahlen nur zu sprechen G. Keller 4, 201.
a)
ein bestimmtes gehaben heiszt guter ton, ist guter ton: und das alles heiszt urbanität, guter ton, patriotismus Herder 3, 477; das heiszt denn guter ton! darin besteht das feine wesen Laukhard 2, 148; die gesellschaft hat ... eine falsche, conventionelle auf willkürlichen satzungen beruhende ... überlegenheit beliebig angenommen. diese ist es, was der gute ton, bon ton, fashionableness genannt wird Schopenhauer parerga 1, 447 f; bist du so neu in der welt, dasz du nicht weiszt, dasz das freye jetzt der gute ton ist Adelung; die gleichgültigkeit ... ist manchmal ein zeichen von erschöpfung ... immer — guter ton Ebner-Eschenbach 1, 53; in Hannover ist diese kunstrichterliche sprache der gute ton Gleim briefwechsel 1, 163; eine maitresse halten, ist hier wie in Paris, London, Berlin, guter ton Schubart leben 1, 225; in Weimar habe ich durch die Bürgersche recension viel redens von mir gemacht, in allen cirkeln las man sie vor, und es war guter ton, sie vortrefflich zu finden Schiller briefe 3, 136; dämonen und dämonenaustreibungen waren in der zeit ... nicht guter ton Strausz ges. werke 4, 171. es ist gegen den guten ton, der gute ton ist dagegen: es war noch kein verbrechen gegen den guten ton, einzugestehen, dasz man um zehn, elf uhr einigen appetit verspüre Holtei erzähl. schriften 7, 232; man liesz ... die rothe mütze aufkommen, ... und versuche kamen vor, sie ... in die nationalversammlung einzuführen, nur dasz ein gewisser guter ton noch dagegen war Dahlmann gesch. der franz. revolution 404. es ist ton: die mesze war äuszerst mittelmäszig — und unser theater hat wegen der gar zu vielen schnurpfeiereyen auch gelitten — besonders hat der Hanszwurst vielen schaden verursacht — es war thon hinzugehen Elisabeth Göthe briefe (1889) 200; zu Leipzig, wo gelehrsamkeit und gründlichkeit im studiren ton war Göthe 46, 89 Weim.; besser wärs, schweigen. bis das ton wird, was unendlichen vortheil bringen mag, da kann noch viel wasser den Main hinunter flieszen B. v. Arnim Günderode 1, 413; es ist ton vieler sogenannten gebildeten in unseren tagen, leicht zu denken von der sache des vaterlandes Ad. Müller 1, 7; jener gräuelhaften üppigkeit ..., die zu Rom unter den kaisern ton ward Niebuhr röm. gesch. 1, 96; det ist ja keen ton. det paszt sich janich! Hauptmann biberpelz 81.
b)
ein bestimmtes gehaben gehört zum guten ton: es gehöre zum guten tone, nicht einmal zu wissen, wer mit uns in demselben hause wohnt Knigge umgang 2³, 168; es gehörte mit zum guten tone, sich von der jungen künstlerin mahlen zu lassen Pfeffel pros. versuche 9, 85; es gehörte nämlich unerläszlich zum guten ton, wenigstens die ersten fünf bis zehn minuten der eröffnung und versammlung einer gesellschaft hochdeutsch zu radbrechen Arndt 1, 19; übrigens scheint es zum guten ton zu gehören, die oper und überhaupt das theater nach kräften zu tadeln F. Mendelssohn im Göthe-jahrbuch 12, 85. es gehört zum ton: ich schweige von der groszen schaar derer, die das spiel nur mitspielten, weil es einmal zum ton gehörte Biernatzki 5, 70; die übersendung von briefen war nicht nur in fällen, wo man ihrer bedurfte, im gebrauch: sie gehörte vielmehr zum ton Steinhausen gesch. des deutschen briefes 1, 8.
c)
von gutem ton: ein junger mensch der durch den umgang mit personen vom guten ton noch nicht gebildet ist Adelung; sie werden ... den elegant vom guten ton ... klar vor augen sehn Fr. Schlegel Athenäum 3, 127; auch keine dame vom guten tone kann auf gefühle, die nicht bloss sinnlich sind, ... so viele zeit verwenden als auf ihre toilette Zimmermann einsamkeit 3, 108; wo niemand vom guten tone ist, als wer alles gute für dummes zeug hält 1, 77; sie sind von besserm ton, als wir Gellert 1, 203. von ton: so war doch keine lady von ton im ganzen königreiche, die sich ein bedenken gemacht hätte, ihn an ihre toilette zu lassen Mylius Peregrine Pickle 3, 284; (er) machte unter den leuten von ton eine sehr ansehnliche figur 3, 201; es gab einen förmlichen wettstreit unter den männern von ton, jungen wie alten, wer zuerst und zumeist erproben solle, wie weit meine frechheit reiche Holtei erzähl. schriften 12, 124; das ansehn eines mannes von ton und welt Fr. L. Schröder 3, 222; persönlich musz man erscheinen ... sich als mann von welt und ton präsentiren Holtei erzähl. schriften 19, 81;
was hat solch volk bei gott dem herrn zu thun,
wenn unser eins, leute von ton und welt,
sich ihm zu präsentiren suchen? marsch!
Tieck 3, 336.
d)
der gute ton der convention ist der sogenannte gute ton, der von Schiller als ästhetisches gesetz aufgefaszt wird, dem aber sonst entgegengestellt wird der wahre gute ton: der weg zur einförmigkeit und armuth in der kunst, welchen uns der conventionswohlstand, der verfeinerte geschmack und der sogenannte gute ton zeigen J. Möser über die deutsche sprache und litteratur 14 neudr.; gesellschaften von sogenanntem guten ton Lenz vertheidigung des herrn W. 6 neudr.; da ich auf diesem wege natürlicherweise darauf geführt werde, den sogenannten guten ton, wie ihn zeiten und verhältnisse eingeführt haben, nach objectiven principien des geschmacks zu beurtheilen Schiller briefe 4, 28; es ist auffallend, wie sich der gute ton (schönheit des umgangs) aus meinem begriff der schönheit entwickeln läszt. das erste gesetz des guten tones ist: schone fremde freiheit 3, 285; der wahre gute ton für alt und jung, für reiche und arme und für alle fünf welttheile wäre doch der milde ton, der freundliche ton Gotthelf 4, 39; wenn man in der gesellschaft nur erst den aberglauben des ritterlichen ehrenprincips los wäre, und an stelle der nach diesem geltenden überlegenheit die geistige überlegenheit das ihr gebührende primat erlangte; so würde dies den wahren guten ton herbeiführen Schopenhauer parerga 1, 407.
11)
ton und töne als 'empfindungston', 'gefühlstöne', 'stimmungen des gemüts'. auch dieser gebrauch des worts ist unmittelbar aus der anwendung von ton auf den ausdruck, den inhalt der rede hervorgegangen, die ja oft nach dem gefühls- und empfindungsgehalt bestimmt werden; vgl. im vor. 8, k und l. dann wurde dem gefühl selbst ein ton, den empfindungen wurden als solchen töne zuerkannt. als die träger der gefühls- und empfindungstöne gelten das wesen, der charakter, seele, gemüt, herz und geist. in romantisch bildlicher vorstellung wurde ferner eine tonbeseelung des gesammten innern und äuszern lebens gedacht, des menschen, der natur, der ganzen welt.
a)
ton der empfindung, des gefühls: kein bedacht, keine überlegung, das blosze naturgesetz lag zum grunde: 'ton der empfindung soll das sympathetische geschöpf in denselben ton versetzen' Herder 5, 17; vgl.ton der empfindung, gefühlston, empfindungston als kunstausdrücke der psychologie bei Eisler wb. der philos. begriffe 1², 300.
b)
ton des wesens, der seele, des gemüts, geistige töne (geistig wahrnehmbare töne): der ton seines ganzen wesens (ist) voll wahrheit und natur Matthisson 3, 90; wenn bei jenem (Sophokles) éin ton der charaktere herrschet, so bei diesem (Shakespeare) alle charaktere, stände und lebensarten Herder 5, 219; ein solches leben, ein solcher ton der seele ... sind sie nicht traurig? 18, 159; was trauen sie mir für empfindung, für ton und harmonie der seele zu, wenn ich z. e. den kleistischen, den klopstockischen hexameter nicht fühlen sollte? 5, 160; sie wollten es nicht für gut finden, ... dasz unsre psychologisten alle töne und kräfte der seele unterscheiden, und den maszstab an's unendliche legen ...? J. Möser 3, 251; meine jahre sagten den ihrigen zu, ich war der einzige in dem ganzen kreise, an dem sie noch einen wiederklang jener geistigen töne vernahm, an die sie von jugend auf gewöhnt war Göthe 28, 223 Weim.; in Hamlet macht das geistig überlegne des charakters hauptsächlich sein und des stückes glück; die wirklichkeit des vorgangs, durch welche jeder ton, den die menschenbrust hat, hervorgerufen wird O. Ludwig 5, 201.
c)
α)
ein ton klingt, die töne brausen:
ja horchend auf des innern leise zungen,
erschaudert mein gemüt, wenn es ihm deucht,
es kling' ein ton, den tönen nachgeklungen,
mit denen das gemeine mich verscheucht
Grillparzer 1, 322;
doch wenn die töne von dem nahen brausen,
da dränget oft sich in die harmonie
der selbstheit misslaut — stört des hörers wonne
Collin Regulus 12.
β)
den ton der seele stimmen, der seele einen ton geben: aber das weisz ich, dasz manche einzelne stellen aus Klopstock so tiefe eindrücke in mich gemacht, dasz sie tagelang den ton meiner seele haben stimmen können Herder 1, 523; unsere seele wird auf eben den ton gestimmt allg. deutsche bibliothek 2, 2, 10; an jedem morgen werden die nerven der seele auf den ton gestimmet, welchen sie den tag über mehrentheils zu behalten pflegen Martin Crugot der christ in der einsamkeit (1771) 101; durch die sinnliche handlung der taufe, oder des händeauflegens gerührt, gab vielleicht ihr körper der seele eben denjenigen ton, der nöthig ist, um mit dem wehen des heiligen geistes zu sympathisiren Göthe 37, 167 Weim.
d)
ton der empfindung und gefühlstöne werden im allgemeinen beurteilt als guter ton, laute, reine, feindliche töne: mit jeder solcher geschichten wird die seele des knaben in einen guten ton gewiegt Herder 4, 376; wahrscheinlich ... ist das späte essen der alten auch nur vom winter und den angrenzenden jahrszeiten zu verstehen, wo die gütliche mittagswärme körper und geist den besten ton gab zu handeln Heinse 5, 43; die verbündung der ausgewählten, von welcher der anwald der weltweisen sprach, hat ... etwas, das mit lauten tönen zu meinem herzen stimt Klopstock gelehrtenrepublik 447; die heiligen höhn und thale von Morea stimmen oft recht freundlich in die reineren töne meiner seele Hölderlin Hyperion (1822) 2, 27; was musz ein herz nicht ausstehen, in welchem so feindliche töne zusammenkommen Fr. H. Jacobi werke 1, 57;
die stirn ist streng, man sieht's in ihr entstehn,
wo es noch ringen musz mit herben tönen
Hebbel 6, 325.
e)
die töne werden nach den verschiedenartigen empfindungen und gefühlen bestimmt:
fern verhallen die töne des freudigen lebens
Hegner 5, 136;
im busen eines freundes wiederhallend
verliert sich nach und nach des schmerzens ton
Göthe 11, 292 Weim.;
heimlich klangen die töne der lüsternheit in ihre seele, 22, 91; die sentiments zu treffen, die aus den verschiedenen tönen der leidenschaften entspringen Gerstenberg briefe 121 neudr.; wo in den neigungen der liebe das zarte geschlecht mit uns einerlei gewicht in die schaale legt, um den ton der liebe zu bestimmen Herder 3, 293; oft darf ihr (der wahrheit) ton an einem weltende geregt werden, und er erklingt in entlegenen ländern 17, 233.
f)
die anwendung von ton und tönen auf die gemütsstimmungen gab den anlasz zu weiteren bildlichen und poetischen gebrauchsweisen; die empfindungen, erinnerungen, das menschliche leben, der mensch selbst, die welt und die gestirne werden als unmittelbar klingende töne vorgestellt: dasz liebe, lust und andacht töne aus einer vollkommenen harmonie sind Schleiermacher weihnachtsfeier 43 Reclam;
o könnt' ich doch von liebe klingen,
wie liebe süsz von tönen klingt
Arndt 5, 55;
aus deiner wonne nur einen ton! —
5, 82.
diese erinnerung ist ein entfernter ton, der aus dunkeln, tiefliegenden thälern heraufzieht Jean Paul 49—51, 290; man kann sich kaum überreden, dasz im fernen unser andenken noch fortwährt, und dasz gewisse töne voriger zeit nachklingen Göthe IV 5, 143 Weim.; die schwedischen helden waren in meinem herzen nun auch nur andre töne der vergangenheit Arndt 1, 82; fatales tauwetter und so der ganze ton des tags verstimmt, wollen sehn wie wir ihn wieder aufbringen Göthe IV 3, 8 Weim.;
erinnrung auch des dichters, deszen leben
jetzt ein versungner ton ist
Herder 29, 677;
wer fühlt' es nie, dasz bruchstück nur sein leben,
ein ton, nur angeschlagen, zum akkord
Geibel 3, 128;
ihre helle reine seele einem hellen reinen tone gleich, der seinen reiz durch nasse wolkige luft ungetrübt und ungebrochen trägt Jean Paul 15—18, 608; der aufgeklärte mensch der spätern zeit, allhörer nicht blos will er sein, sondern selbst der letzte summenton aller töne! Herder 5, 560;
wohl bin ich nur ein ton
im schönen liede gottes
Lenau 1, 175,
... sieh um dich: deine welt
ist sie nicht ton nur in der melodie
der sonnen-sterne? welch ein kleiner ton!
Herder 29, 559;
...... mich aber treibt's
zum thurm hinauf, denn über mir erklingt's,
und jeder stern hat seinen eig'nen ton
Hebbel 4, 58.
12)
ton ist im sprachgebrauch des späteren mittelalters oft ganz allgemein 'die art und weise überhaupt', doch hat sich diese verwendung in späterer zeit nur ganz vereinzelt und kaum merklich fortgesetzt. wohl ist auch hier an die bedeutung 'melodie' anzuknüpfen, und diese klingt auch gelegentlich mit an, doch erscheint sie meist ganz verblaszt. offenbar ist hier dôn ganz dem schwesterwort wîse gefolgt, so dasz es auch dessen allgemeinere function übernommen hat. dies zeigt sich bes. im niederd., wo dôn in solcher verwendung des öfteren als fem. begegnet, wo also der synonyme gebrauch von wîse wohl auch diesen genuswechsel veranlaszt hat.
a)
ton bezieht sich auf die art und weise eines zustands;
ok scholen de hœdere wesen kone,
dat mene ik al in rechter done
Stephan schachbuch 4619 Schlüter;
bewiset or dat it was
or gelîk an aller dône (das kind der mutter)
Gerh. v. Minden 124 Seelmann;
he sprak ein ape was dîn vader,
du bist ein ape an allem done
162;
he (de vilthot) is ok van menyger done
gel, wit, rot, ofte grone
aus dem nd. jahrbuch bei Schiller-Lübben;
der geseligten lon
ist uber aller maʒen don
Heinr. v. Neustadt gottes zukunft 7771 Singer;
all stunden ärger werden
und gehn nach ihrem thon
Ringwald bei Moscherosch gesichte 2, 923;
sach de roden schone
stan in deme selven done
alsz he de twîe hadde seen
hartebok bei Schiller-Lübben;
die kreuterlein und blumen schon
verbleiben auch bey einem dhon
Ringwald christliche warnung E 1 a;
sant Dominicus brachte bruͦder Heinrich
zegegene ein lúhtende crone,
die spilete in ir blikunge also schone
als die sunne in iren liehtostem done
Mechtild v. Magdeburg offenbarungen 4, 22 Gall Morel;
meister Kricks - über - und - über ist der mond,
er scheint und leucht im höheren thon
Gryphius lustspiele 31 Palm.
b)
ton bezieht sich auf die art und weise einer thätigkeit: in welker wise unde welken done ik dat sulve lant achterwegen let Ludolf v. Suchen reisebuch in das heilige land 17 Kosegarten;
recht als man zwêne ritter sol
zieren harte schône
in einem slehten dône,
daz hæte an si der wunsch geleit
Konrad v. Würzburg Engelhard 4702;
troumgesichte und wârsagunge loufent in einem dône unde sint vil dicke gelogen David v. Augsburg in Pfeiffers myst. 1, 337.
c)
ton bezieht sich auf die art und weise der lebensführung überhaupt:
er (der zecher) heisset ime dar tragen
zwene wurfel wol beschaben
drie wurfel schone
er lebt in eime suͦʒen tone
diutiska 1, 316 Graff;
leben jetzt im hohen ton
redliche gesellen!
Göthe 1, 122 Weim.
d)
des tôdes dôn scheint eine in der poetischen sprache des mittelalters weiter verbreitete wendung zu sein. dôn hat hier offenbar nur mehr rein phraseologische geltung:
dar nâch abir nicht lang
gewan die vrauwe den gedang
daʒ sie mit des tôdes dône
Brangênen wolde lônen
Eilhart Tristan 2865 (D);
des geit si dir vur gotes lon
des immer wernden todes don
kleinere mhd. erz. 3, 180 Rosenhagen;
des hât billich ir beider lôn
des immer werndes tôdes tôn
Stricker die männler, ebenda 204;
im selben sinn und nicht etwa mit Lexer als 'Christi ruf am kreuz' ist dann dôn auch an der folgenden stelle aufzufassen:
daʒ uns züge an heiles port
dînes grimmen endes dôn
Konrad v. Würzburg lieder und sprüche 348, 124 Bartsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4,5 (1913,1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 681, Z. 56.

ton2, m.

²ton, m.,
bezieht sich auf die abstimmung einzelner farben und der gesamtfarbenwirkung in einem gemälde. schon bei Plinius nat. hist. 35, 11 begegnet das lat. tonus in solchem sinn und darnach im franz. ton; noch in der ersten hälfte des 18. jhs. hat das deutsche wort auch diese function aus dem franz. übernommen (vgl. im vor. sp. 685f.).
1)
a)
ton ist die stimmung der farbe an sich und besonders in einem gemälde. der ton einer farbe ist die besonders nach licht und dunkel verschiedenartige abstufung derselben: ton (in der mahlerey) ton de couleur: mäszigung der farben, nach licht und dunkel Rondeau 1, 756ᵃ; endlich wird in der mahlerey das wort ton auch von den farben und deren verhältnisz gegen einander gebraucht, wo es doch nur von einigen neuern nach dem vorgange des französischen ton eingeführt worden Adelung; Campe; ich habe gesucht auf der beiliegenden tafel die töne der farben dergestalt zu wählen, dasz die täuschung in einem hohen grade hervorgebracht werde Göthe II 5, 1, 69 Weim.; übrigens hat er mir, die langen stunden der überfahrt zu verkürzen, das mechanische der wasserfarben-mahlerei ... aufgeschrieben: versteht sich den gebrauch gewisser farben, um gewisse töne hervorzubringen 31, 91; er nannte die erforderlichen töne und die farben, aus denen sie zu mischen seien, ... die töne wurden nun in einem bogen auf der palette neben einander aufgestellt Stifter 1, 27; (er) zeichnete seiner mutter schönen kopf in allen richtungen, von allen seiten und in allen tönen Holtei erzähl. schriften 5, 25.
b)
der ton der farben, des colorits in der malerei ist die art und weise, wie die farben auf einem gemälde gegen einander abgestimmt sind: ton, fr. le ton (malerey), die verschiedenen arten von farben, so in einem gemälde angebracht sind Jacobsson 4, 411; (ton wird) sowohl von einzelnen farben im verhältnis gegen andere, als auch collective von allen farben eines gemähldes gebraucht, in welchem letztern falle der plural ungewöhnlich ist Adelung; Campe; daher manche mahler mit ihren so eigenthümlichen umrissen und fast jeder derselben in seinem ton der farben mahlet Herder 13, 291; wie sehr müszte es ihn (den künstler) reizen, an zwei so vortheilhaften figuren, als geflügelte genii sind (schlaf und tod), alle seine fähigkeit zu zeigen, das ähnliche verschieden, und das verschiedene ähnlich zu machen! gleich an wuchs, und bildung, und miene: an farb und fleisch so ungleich, als es ihm der allgemeine ton seines colorits nur immer erlauben will Lessing 11, 50; der ton des colorits ist wahr und warm Göthe 32, 285 Weim.
c)
der ton eines gemäldes ist die in diesem vorherrschende farbenstimmung: ton. allgemeine farbe die über ein ganzes bild herrscht Göthe II 5, 1, 90 Weim.; die eigenschaft aber, wodurch sich die niederländische mahlerschule hinsichtlich auf das colorit von den andern im allgemeinen unterscheidet ... ist der ton, nicht derjenige, den die kunstsprache localton oder ton der tinten heiszt: ... sondern wir verstehen hier die eine, im ganzen eines bildes vorherrschende farbe, eingemischt oder als lasur überzogen, so dasz die darstellung dem auge wie durch das medium eines gefärbten glases erscheint II 3, 369 Weim.; ist eine vorherrschende farbe oder durchgehender schein von einerlei farbe, den wir ton nennen, ein wirklich nützlicher und nöthiger kunstbehelf ... dann gibt es keinen gültigen grund, warum dieser behelf blosz auf eine einförmige ... weise angewendet werden sollte Meyer bei Göthe II 3, 100f. Weim.
d)
der ton eines gemäldes ist die stimmung des gefühls und der empfindung, die durch die farbenstimmung erzeugt wird: ton. (mahlerey) ist der charakter, das ist das sittliche oder leidenschaftliche des farbichten lichts, das in einem gemählde herrscht Sulzer theorie 4¹ 452; wenn dieses nicht blosze hirngespinste sind, so liegt blos in der farbenmischung etwas, das mit dem sittlichen und leidenschaftlichen in moralischen gegenständen einige ähnlichkeit hat. dieses ist ohne zweifel das, was man in dem gemählde den ton der farben nennt 453; diese allgemeine farbe ... ist es, welche vorzüglich vom licht oder feuer in seiner brechung durch das allgemeine medium der luft hervorgebracht wird. es wird ton genannt. der ton soll mit der bedeutung seiner farbe der stimmung des ganzen entsprechen Vischer ästhetik 2, 52; der ton, der sich darüber legt, stellt erst die einheitliche stimmung zunächst in den theilen des bildes, dann als hauptton im ganzen bilde her 3, 558; der modernste künstler will vorab farbe, ton, stimmung; die fest durchgebildete form hemmt seinen pinsel Riehl freie vorträge 1, 88; man erkennt am ton der landschaft, es war ein heiszer tag im herbste Mörike 3, 19.
2)
in, aus einem ton anstreichen, malen, auf einen ton stimmen, einen ton geben: das mauerwerk soll genau in dem alten ton angestrichen werden tägl. rundschau 1902 nr. 344, 4ᵃ; so sehen wir, um durch beispiele das gesagte deutlicher zu machen ... bilder in sehr gelbem tone gemahlt Meyer bei Göthe II 3, 100 Weim.; wir kennen heute Menzels ölskizzen aus den vierziger jahren, diese direkt impressionistischen sachen, die so streng auf einen ton abgestimmt sind tägl. rundschau 1905 unterhaltungsbeil. 391; man kann eine farbe dadurch mischen, steigern, ihr einen sogenannten ton geben, man macht sie dadurch aber immer dunkler Göthe II 1, 399 Weim.; das leichteste in dieser sache ist die bemerkung der regel, dasz es zur vollkommenheit eines gemähldes nothwendig ist, ihm den ton zu geben, den der charakter des gemähldes fordert Sulzer theorie 4¹, 452.
3)
ton und töne werden im allgemeinen beurtheilt.
a)
mannigfaltige töne, der harmonische ton, ein entschiedener ton, unbestimmte töne: woher dieses lieblichste in den mannigfaltigsten farben und tönen wechselnde Blumenmexiko? Arndt 1, 209; die hügel bei Aqua acetosa sind wunderbar schön ausgeführt, mit wohlbeobachteter übereinstimmung des tons Göthe 48, 128 Weim.; in dem unbestimmten, mehr auf die nerven als auf den geist wirkenden effekt der verschmolzenen oder contrastirenden 'töne' sucht das moderne auge die geheimste poesie der palette Riehl freie vorträge 1, 89; die weichheit des ganzen, das auseinanderweichen der töne, die harmonie von himmel, meer und erde Göthe 31, 91 Weim.; weil ... der harmonische ton eines solchen bildes öfters gerühmt wurde 26, 40; Adrian von Ostade ... hat hingegen bilder geliefert, woran kein entschiedener ton einer im allgemeinen übergreifenden farbe wahrgenommen wird Meyer bei Göthe II 3, 101 Weim.; die farbe soll ... ihre vollere localwirkung in wohlgeordneten massen zusammenhalten, zwischen welchen dann die unbestimmten töne sich in der breite ergehen Vischer ästhetik 3, 566.
b)
ein wahrer, unwahrer, echter, falscher ton: gelang es mir, den wahrscheinlichen ton zu treffen, der unter ähnlichen verhältnissen über der natur selbst geschwebt hätte — was man gleich sah, indem ein wahrer ton immer einen ganz eigentümlichen zauber übt — so beschlich mich ein stolzes gefühl G. Keller 2, 49; (farbige scheiben), welche durch einen unwahren ton die gegend entweder verkälten oder entzünden Göthe 31, 115 Weim.; echter ton ... falscher ton. was man bisher ton nannte, war ein schleier von einer einzigen farbe über das ganze bild gezogen. ... dieser unechte ton ist durch instinct aus unsicherheit dessen, was zu thun sei, entstanden II 1, 348f.
c)
der gute, schöne, angenehme, unangenehme ton: weil er in der that kräftig, mit klaren schatten und überhaupt gutem ton des colorits arbeitete Göthe II 3, 366 Weim.; der schöne ton eines gemäldes hängt sowohl von dem guten gebrauche des helldunkeln, als von der freundschaft und feindschaft der farben ab, welche man anwendet Jacobsson; Adelung; Campe; es sind töne in der landschaft von der gröszten schönheit Göthe 32, 159 Weim.; der marmor aus den Pyrenäen ... hat einen sehr angenehmen ton IV 49, 37; dergleichen sind zinnober und blau, welche einen wunderlichen, oder vielmehr unangenehmen ton machen Jacobsson; Adelung; Campe.
d)
der reine, kräftige, weiche, leise ton:
ihr sollt auf's farbenbrett in reinstem tone
die farben mischen
Rückert 1, 336;
die zarte auf der wange der braut glühende schamröthe contrastirt vortrefflich mit dem kräftigen ton, in welchem der bräutigam gehalten ist Meyer bei Göthe II 3, 98 Weim.; dasz nicht aus dem harmonisch gedämpften da und dort ein greller ton heraus schreie Vischer ästhetik 3, 567; daher seine vielen werke in bleigusz, wegen des weichen tons dieses metalls Justi Winckelmann 1, 345; jedoch freute ich mich, leidlich zu verstehen, was mein begleiter jeweilig meinte, und mit ihm einen kräftigen und doch klaren schatten, einen milden ton oder eine zierliche ausladung eines baumes zu sehen G. Keller 2, 19; überall sieht er die heiligen schwingungen und leise töne, womit die natur alle gegenstände verbindet Göthe 37, 316 Weim.
e)
der warme, der kalte ton: wir sehen nicht blos licht und farbe, sondern auch form im engeren sinn, art der textur, selbst ton der wärme oder kälte Vischer ästhetik 1, 181; die warmen töne des abendhimmels, die durch die feinen, zart und bräunlich umkräuselten birkengipfel auf den höhen der gegenüberstehenden bergwand leuchteten O. Ludwig 2, 586; auch scheint mir der kalte ton des ganzen, die leichten wolken und der gelbliche sonnenschein dahin zu deuten Göthe IV 33, 110 Weim.; die wasserfarben mögen mit mastix und ätherischem öle vermischt worden seyn, wodurch sie ihren kalten ton verloren, und glänzender und wärmer wurden Raumer Hohenstaufen 6, 543.
f)
der geistige, der männliche, der ernste ton: (sein) gesicht, dessen bräunliches roth sich von dem anderer landbewohner durch einen feineren, geistigeren ton unterschied Meyr erz. aus dem Ries (1861) 6; aber es (das gemälde) hat nicht den männlichen ton des Raphaels, des Tizians und ihrer schule Justi Winckelmann 2, 327; der ernste ton eherner statuen Göthe 49, 1, 183 Weim.
4)
der ton wird nach seiner farbe unterschieden.
a)
der helle, dunkle ton: man sagt dumpfigter ton, dunkler, schwarzer, heller ton, welches von einem guten, helldunkeln verstanden wird Jacobsson 4, 411; ein dumpfiger ton, ein heller, schwarzer ton, nachdem diese farben mehr oder weniger herrschen Adelung; Campe; ohne durch abstufung von helleren und dunkleren tönen die wirkung des lichts und schattens nachahmen zu wollen Meyer bei Göthe II 3, 78 Weim.; es entsteht disharmonie, wenn eine arme und öde landschaft in glänzendem ... tone erscheint Vischer ästhetik 2, 53.
b)
der gelbe, blaue, erdige sonnige ton. die bindhaut des dunkeln, feurigen, meist groszen auges (der neger) hat einen gelblichen ton Soyaux Westafrika 1, 148. besonders von bildern: in den besten (bildern) sucht er sich mit einem über das ganze verbreiteten gelblichen tone zu helfen Göthe II 3, 365 Weim.; die übereinstimmung, welche ein gelber ton und sein schmelzender pinsel gewähren können 376; der ihr eigene bräunliche ton war nur kräftiger geworden Meyr erzählungen aus dem Ries (1868) 2, 229; das bild mit dem einförmigen bräunlichen ton darüber G. Büchner nachgel. schriften 215; aber es ist doch als wenn die welt einen gewissen braunröthlichen ton hätte Göthe 33, 73 Weim.; der festsaal erhält einen altgoldigen ton tägl. rundschau 1908 nr. 148 1. beilage s. 2ᵃ; heute hatte der regenhimmel noch seinen grauen ton darüber gebreitet Riehl culturgesch. novellen 14; bringt man aber auf eine gelbe wand weisze papiere, so wird man sie mit einem violetten ton überzogen sehen Göthe II 1, 26 Weim.; wenn es zum untergang neigt, kommen an den höhen seitwärts und zu hinderst am see die blauen töne zuerst zum vorschein Görres briefe 1, 181; wir wünschen zu freudigen und lebhaften scenen warm gelben, zu leidenschaftlichen und fürchterlichen rothen, zu sanften, traurigen, bangen bläulichen, violetten, grünlichen, grauen ton Vischer ästhetik 2, 52; sollte sie gegen die übrigen masken etwas zu blasz erscheinen, so kann man ihr leicht einen fleischfarbenen ton geben Göthe IV 16, 156 Weim.; dieser (Giovanni Santi) ... zeigt dieselben strengen formen in seinen bildern, denselben erdigen ton Grimm Michelangelo 1, 149; die Rheingegenden hatte er ganz in seiner gewalt, so wie den sonnigen ton, der sie in der schönen jahreszeit belebt Göthe 26, 138 Weim.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 749, Z. 1.

ton3, m.

³ton, m.,
'spannung, elasticität', in der technischen sprache der medicin entsprechend der ursprünglichen bed. von griech. τόνος. der lat. terminus wird in dieser verwendung ganz allgemein gebraucht: tonus bei Zedler 44, 1252; jener wechselnde tonus der wangenmuskeln Wundt völkerpsychologie 1, 1, 116. darnach in den modernen sprachen, so z. b. im franz.: ton tonsion des nerfs, des muscles, du corps Hatzfeld-Darmesteter 2159; im deutschen bes. im 18. jh.: die gehörige festigkeit und cohäsionskraft der faser (dasselbe, was die ärzte ton, spannkraft nennen) Hufeland menschl. leben 305; selbst das gesunde und wohllüstige reiben und dehnen des körpers ... erhält den elastischen ton der glieder Herder 13, 294; den erschlafften kräften durch ergötzlichkeiten spannung und ton zurückgeben Engel 3, 40; dasz nach dem genusse einer sinnlichen wollust ... der harmonische ton in ihm (dem körper) hergestellt sey Mendelssohn philos. schr. 1, 79; die kälte ... giebt den von einer zu groszen wärme erschlafften nerven ihren natürlichen ton wieder J. Möser 2, 284; die eingeweide scheinen allen ton verloren zu haben Hamann 7, 368.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 751, Z. 77.

tonen1, verb.

¹tonen, verb.
s. ¹tönen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 759, Z. 29.

tönen1, verb.

¹tönen, verb.,
mhd. dœnen (mhd. wb. 1, 382ᵇ; Lexer 1, 447) wurde als schwaches zeitwort zunächst zu mhd. dôn 'melodie. lied' (vgl. ¹ton) gebildet und in der bedeutung 'spielen, singen' verwendet. allmählich erweiterte sich jedoch der kreis der beziehungen auf alle dem subst. entsprechenden verbalen gebrauchsweisen. auch die formen sind ganz analog denen des subst.: neben den umgelauteten begegnen seit dem späteren mittelalter bis in die erste hälfte des 18. jhs. umlautlose; ebenso wird schon im späteren mhd. das anlautende d gelegentlich durch th und t vertreten, th ist im frühnhd. vorherrschend. etwa seit der mitte des 18. jhs. ist tönen die regelmäszige norm, doch wird die umlautlose form noch für die Schweiz verzeichnet bei Stalder 1, 289.
1)
tönen bezieht sich auf die möglichen schallwirkungen überhaupt, besonders auszer, aber auch in der musik.
a)
die dinge und körper im raum, raum und welt tönen.
α)
die metalle tönen: anders tönt das geschlagene metall Herder 22, 63; voll tönenden metalls 11, 171; seiner herte halb tönet es (das silber) wan man es wirfft oder schleht Münster cosm. ix; es (das gold) schimmert und tönt ganz artig Laroche Sternheim 227; ein donend ertz oder eine klingende schelle 1 Cor. 13, 1;
du bist ein eitel tönend erz
Mildh. liederb. 12 Becker;
den fürchterlichen gott der schlachten,
der, in tönendes erzt eingekleidet,
sich um den Simois zahllos verbreitet
Schiller 6, 190.
β)
die waffen tönen, der mensch in seiner waffenrüstung tönt: an den stiefeln tönten die sporen Stifter 3, 134; in tönender rüstung Schubart 6, 224; von waffen tönende schaaren J. J. Dusch 289;
eh die sonne sinkt,
werden schilde spalten ...
und schwerter treffen,
dasz die helme tönen
Herder 5, 180;
getroffen tönten helm und schilde
Göthe 10, 139 Weim.;
tönend stürzt' er dahin, und schlug mit der stirne den boden
Voss Odyssee 22, 94;
γ)
andre dinge tönen: tönender käs (beim aufschlagen mit den fingerknöcheln) Martiny milchw. 118;
leere fässer tönen laut
volle fässer tönen nicht
Kirchhofer schweiz. sprüchw. 257;
wo im trüben erlenteiche
dürres rohr im winde tönt
Matthisson 1, 27;
die donnernde wage tönet fort und wägt!
Klopstock oden 1, 150;
es rollt ein tönender wagen
Fouqué bildersaal 1, 80;
also schlummerte dort der herliche dulder Odysseus
unter der tönenden hall', im schöngebildeten bette
Voss Odyssee 7, 395.
δ)
erde, luft, wasser tönen: der tönende sand Ritter erdkunde 2, 204; (die untere schicht) eines backsteinharten tönenden lehmlagers 6, 1113; es wurde kalt, das eis tönt Storm 2, 106;
es thoͤnet in derselben grentz
der hohe berg mit starckem prausn
Spreng Äneis 45;
dasz berge tönen, widerhalln abgründe
Tieck 1, 218;
tönt in meinen lobgesang,
wellen, felsen und gestade!
Ramler lyr. ged. 287;
eine wimmelnde tönende stadt
Klopstock oden 2, 95;
es war mir, als hörte ich das land umher tönen Jung-Stilling 4, 676; jetzo tönen die gärten — die luft summt Jean Paul 7-10, 356; am morgen, im tönenden lenz um ihn und in ihm 1, 355; das brausen und tönen der wasser Tieck 4, 8; das wasser fängt an zu rauschen, zu schwellen, zu tönen Allmers marschenbuch 1, 2, 330; eine kleine quelle kam aus einem hügel, sie tönte wie lauter glocken Novalis 4, 162;
in demselben lande, wo die Ilme rauschend thont
Neumark palmbaum 348;
die wogen töneten
Herder 12, 72;
und mädchen wandelten mit krügen
zum brunnen, welcher tönend quillt
Geibel 1, 137.
ε)
die welt, die gestirne tönen: diese farbenglühende, tönende welt du Bois-Reymond grenzen der naturerk. 10;
die pole klingen, sonnen tönen;
alles ein chor, ein gesang der welten
Herder 27, 45;
laszt, himmel, tönen eure morgensterne
Rückert 1, 39;
am himmel kreisen tönend goldne sterne
Geibel nachlasz 29.
ζ)
die ohren tönen: wider das thönen der ohren sol mans einem mit magkolbensafft eintreiffen Heyden Plinius (1584) 147; tinniunt aures .. klingend, tönend Frisius 145.
b)
dem intransitiven gebrauch entspricht von etwas tönen:
die brücke,
die von wagen und menschen tönt
Hölderlin 1, 202;
doch plötzlich tönt die gruft von schrecklichem gebrülle
Zachariae 1, 65;
oft tönete die flur von ihrer sicheln klang
Gotter 1, 135;
hörst du nicht das feld
des Mavors laut von freudenstimmen tönen?
Mastalier ged. 25;
die luft tönte von sturmeshauch und meeresrauschen Storm 10, 81; im januar schon tönt die ganze luft von vögelgesang Geibel bei Litzmann, Hölderlin 49; ganz Warschau tönt jahr aus jahr ein von concerten und hausmusik wieder Schubart ästhetik der tonkunst 249.
c)
bes. in gehobener sprache transitiv etwas tönen:
sie tönen, die lanzen, tönen nun die todestöne
im thale der ernsten schlacht!
Klopstock Hermanns schlacht sc. 4;
und aller sterne harmonien
verstummen. jeder stern erklang
zum lobe gottes: sie entfliehen,
und tönen keinen lobgesang
Cramer nord. aufseher 1, 134;
o so tönen dieses tempels hallen:
'eine veste burg ist unser gott!'
Schubart leben 2, 105;
Wellington, die wellen tönen
wogend dich um Albion
Brentano 2, 364.
d)
die schallwirkung selbst tönt.
α)
ein geräusch, ein schall tönt: eines nachts wache ich von einem sonderbaren geräusch auf, welches aus meiner bibliothek tönt Immermann 1, 100; in den straszenlärm hinein tönte überall schallendes geräusch Seidel Leberecht Hühnchen 21; tönender goldklang auf die laute der natur Schiller 1, 151;
griff der könig zum speer,
schlug zum schilde tönenden schall
Herder 25, 425;
angenehmer wiederhall,
töne, wirble deinen schall!
theater der Deutschen 12, 450;
noch tönt des echo's hall
Pocci komödienbüchlein 6, 84.
β)
der schlag, fall, tritt tönt:
von hohlen bretern tönt des hammers schlag
Göthe 16, 133 Weim.;
da thönet schlag auf schlag, da hört man knall auf knall
König ged. 156;
das tönende herabfallen kleiner kugeln Humboldt kosmos 2, 452; wenn selbst die fusztritte des wanderers tönen Göthe 40, 265 Weim.; das biegen seines fuszes tönte wie donner unter ihm Büchner nachgel. schriften 203.
γ)
das plätschern des wassers, brausen des windes, rollen des donners tönt: von dem springbrunnen her tönte unausgesetzt das angenehme plätschern des wassers Chr. v. Schmid 2, 60; ein leiser wind tönte nur oben in den alten wipfeln Novalis 4, 92;
und sieben donner gottes tönen
durch die bestürzten himmel hin
Cramer nord. aufseher 1, 135;
es blitzen überall die eisernen ballonen,
der wolken donnerstimm beginnt im feld zu thonen
Birken fortsetzung der Pegnitz-schäferey 8.
δ)
unpersönlich es tönt: es tonet donnert Stalder 1, 289; horich, wü dis awer tont wëⁿⁿ mᵉr in dis fass nin grüeft! Martin-Lienhart 688; nur unten schien es, als würden thore zugeschlagen, und als tönte es von davonjagenden hufen Stifter 2, 112;
immer tönt's, wie flug der eulen,
mir um sein unschuldig haupt
Müllner dram. werke 1, 60.
2)
tönen von musikinstrumenten.
a)
die musikinstrumente tönen.
α)
die glocke und schlaginstrumente: wie die glock oder daz seytenspil doͤnet Keisersberg bilgerschaft 8ᶜ; ein glock die thonet nach dem sie guͤt ist brösamlin 2, 37ᵇ;
die glocke, glocke tönt nicht mehr
Göthe 1, 204 Weim.;
Dante sasz in seiner kammer ...,
hörte fern die glocken tönen
Uhland ged. 1, 211;
mit dem letzten schlage zwölf einer aus der ferne dumpf tönenden turmuhr E. Th. A. Hoffmann 6, 110; sein herz ist leer wie eine tönende schelle (= 1 Cor. 13, 1 klingende schelle) Arndt an s. l. Deutschen 1, 280; trommeln tönen von allen enden Schiller 3, 137; wie denn ... nur die lärmtrommel zu tönen und die glocken zu stürmen brauchten Alexis Roland 1, 264.
β)
die blasinstrumente: wenn es (das horn) aber lange dohnen wird 2 Mos 19, 13; höret, wie ihre hörner tönen Schiller 2, 107.
das waldhorn tönt, das windspiel bellt
Gottsched ged. 1, 41;
im tiefen walde mein horn
liesz ich da hallend tönen
R. Wagner 6, 88;
flöte wird für diese tönen
Göthe 3, 123 Weim.;
wenn eine flöte tönt von fern
Uhland ged. 1, 29.
γ)
die orgel, das klavier: das tönen der orgel Rädlein 1, 875; das zerschlagene klavier tönet nicht mehr Schiller 2, 183.
δ)
die saiteninstrumente: die violine ... tönt nur, so lange die saite gerieben wird Hegel 7, 1, 210;
lasz für Nathos deine harfe tönen
B. v. Arnim Günderode 1, 123
der alte rührt die tönende zitter
A. Grün 4, 198;
kann diesz nicht sein, so lasz zuletzt
nur Günthers leyer wieder tönen
Gottsched ged. 1, 185.
die saiten an sich: die seyten schlahen das sy toͤnind oder kyndind Maaler 403;
dô im der seiten dœnen sô süeʒlîch erclanc
Nib. 1772 Lachmann;
tönet, eh der tag sich neiget,
durch den hohen fürstensaal,
frische saiten!
Denis Sined 133;
zärtliche lieder
aus siebenfach tönenden saiten zu ziehn
Ramler lyr. ged. 88;
zerreiszt das tönende saitenspiel
und ergreift die pfeifende klinge!
Strachwitz ged. 28.
bildlich: ach! die natur hat mir die saite des schmerzens allzugut in der seele aufgezogen, als dasz ich eine solche saite, wenn sie an einem andern geschöpfe gerührt wird, nicht sollte sogleich an meiner eigenen zittern und tönen hören Abbt 1, 151; sie ist Mignon, ach ich fürchte sie wird nicht leben, diese zarten saiten haben so früh getönt Caroline 2, 84; eine saite meines herzens, von keinem finger noch berührt, tönte da zuerst Schubart leben 1, 16; da ist keine saite meines wesens, die mit dem ihrigen zusammen tönte Görres briefe 1, 6.
b)
intransitiv von, in einem ton tönen, eines tones tönen:
es tönt an meinem munde
ein silbernes horn von süszem schall
Geibel 1, 6;
es tönt in lieblichem ton das elfenbeinerne horn
Wieland Oberon 1, 2;
tön' andres tones, saite!
Klopstock oden 270.
c)
transitiv etwas tönen: die kirchenglocken tönten wieder friedfertige töne Stifter 5, 1, 37;
von dem dome
schwer und bang
tönt die glocke
grabgesang
Schiller 11, 313;
und die kartaune toͤhnt den groben leichenklang
geharnschte Venus 8;
töne, frohe leyer,
töne lust und wein!
töne, sanfte leyer,
töne liebe drein!
Lessing 1, 61;
höre den rath, den die leier tönt; ...
'was tönt denn die leier?' sie tönet laut:
die schönste das ist nicht die beste braut
Göthe 6, 67 Weim.
die wirkung wird hervorgehoben:
die abendglocke tönt den tag zur ruh
Seume ged. 4.
d)
die klangwirkung selbst tönt.
α)
der klang eines instruments, der schlag der glocke, die stunde tönt: aus dem städtchen heraus tönte mild ein feierlicher glockenklang Holtei erz. schr. 14, 172; im Georgenturme tönte eben der letzte von vier glockenschlägen O. Ludwig 1, 158; dazwischen tönte hie und da einmal der ferne stundenschlag vom kirchturme der stadt 2, 184;
sie tönet, o meister, sie tönet
die frohste der stunden!
Gotter 3 556;
vom thore her tönte dumpfer trommelschlag Freytag 11, 189; dazwischen tönt auch der lebhafte schall wirksamster blasinstrumente Göthe 25, 3 Weim.;
ein flötenhall, der in der luft verzittert,
wenn er getönt zwei selige sekunden
Geibel nachlasz 24;
es tohnt das trarara der lermenden trompeten
Schottelius haubtsprache 63.
β)
unpersönlich es tönt:
vom fernen thurm tönt's mitternacht
Fontane ged. 30;
auch der subst. infinitiv:
süszes tönen entlockt er der flöte
Schiller 14, 48.
3)
tönen vom menschen bei spiel und gesang.
a)
der mensch tönt (spielt, singt):
dô begunde er suoʒe dœnen
und harphen sô ze prîse
Gottfried Tristan 3586;
in dem munster wît, ...
dâ wart gelesen und gedônt
Ottokar reimchr. 69140 Seemüller;
der gleich wie auch thuͤn die Sirenen
im wilden mer so suͤeslich thoͤnen
H. Sachs fabeln u. schwänke 208, 75 Götze;
doch von dem claviere tönt
ganz ein andrer himmel (der musiker Fr. H. Himmel);
Göthe 2, 158 Weim.;
nordwärts der Alpen tönen die völker nicht zur guitarre Herder 24, 263; bald wirst du ... dich wieder muthig auf die gipfel der tannen setzen, und in den wald tönen Bräker 2, 157. ebenso die singvögel:
losâ wie die vogele alle dœnent,
wie sî den meien mit ir sange krœnent!
Neidhart 27 Haupt;
der vogele dœnen
geb der schœnen
wunneklîchen gruoʒ
minnes 2, 266ᵇ Hagen;
also tönt ein schwan im sterben
Brentano 3, 181;
die nachtigallen hüpften tönend zwischen den silberzweigen Jean Paul 15-18, 569.
b)
instrument und singstimme sind mittel der tongebung die zunge, die stimme tönt:
ich wæne Orphêes zunge,
diu alle dœne kunde,
diu dœnete ûʒ ir munde
Gottfried Tristan 4789;
in allen wimmelnden städten
fügt, versammelte menschen, zur tieten donnernden orgel
die weit tönende stimm'
Giseke 23.
α)
mit dem instrument, mit der stimme tönen:
was ruft ihr Hermanns namen so
und tönet mit den waffen?
Kretschmann 1, 174;
wie Diodymene, hoch aus dem heiligthum,
allgegenwärtig niederrauschet
und mit gewaltiger cymbel tönet
Klopstock oden 1, 24;
und so du doͤnst mit den hörnern erste bibel 4 Mos. 10, 3 Kurrelmeyer; er ... thönete mit der trompete A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 947;
o dafür werden alle schönen
dein lied mit süszer stimme tönen
J. A. Ebert episteln 149.
β)
in das instrument, das instrument, die stimme tönen:
töne, schwager, in's horn
Göthe 2, 66 Weim.;
auf, schwager, ins horn getönet!
Voss ged. 5, 246;
und wenn man das halljahrs horn bleset und denet Josua 6, 5; eine jungfraw, die eine schöne stimme hat ..., sie zierlich zwingen, ziehen, thönen und abwechseln kan Moscherosch insomnis cura parentum 65 neudr.
c)
gegenstand der tongebung ist die musik, deren gefühls- und gedankeninhalt.
α)
einen schall, eine melodie, ein lied, ein musikstück tönen:
ûf dem rîse
dœnent wol ze prîse
vogellîn ir schal
Konrad v. Landegg minnes. 1, 356ᵃ Hagen
töne, töne, nachtigall!
meiner klagen wiederhall
neuer freuden wiederhall
Göthe 11, 292 Weim.;
nu tretet ûf den anger, unde dœnet
mit den vogelîn iuwern niuwen süeʒen sank
Wizlaw minnes. 3, 83ᵃ Hagen;
inmittelst wil ich thönen
die weise melodey,
dasz auch das grab der schönen
nicht ohne freude sey
Treuer deutscher Dädalus 1, 170;
die heilge lippe tönt ein wildes lied
Göthe 10, 80 Weim.;
von lieben kindern ist der raum erfüllet,
die mit den harfenzungen hymnen tönen
Tieck 2, 86;
auch sang und tönte sie (die psalmen Davids) das volk unter einer musik, von deren art und würkung wir würklich keinen begriff haben Herder 8, 352; (sonette, die) zur alten leier ... getönt wurden Voss krit. blätter 1, 506. auch im sinne von componieren die worte tönen: dise wort Minuzo in sein geigen tönet in masz als dann soliche materi begern was Arigo decamerone 622 Keller; es sein noch nit drey tag das die wort in den tone getönet warden ebenda.
β)
einen gefühls- und gedankeninhalt tönen:
mînen kumber ich ir dœne,
swar ich landes var
Heinr. v. Stretlingen minnes. 1, 111ᵃ Hagen;
und freude tönte dir das lerchenfeld
Tiedge 2, 170;
das wir ewig gottes lob thönen
H. Sachs 22, 168 Keller-Götze;
(der gesendete)
tönte des weltgerichts entsetzen aus der posaune
Klopstock Messias 5, 334.
γ)
von etwas tönen:
doch wenn die leier an du klingst
und tönst von gram und lust,
dann bist du selber, was du singst,
das lied ist deine brust
Grillparzer 2, 101.
δ)
die wirkung wird hervorgehoben:
thauige blumen der au und vögelchen tönst du in schlummer
Voss 2, 197;
wen soll ich zur ew'gen ruhe tönen?
Immermann 11, 244.
d)
die musik selbst tönt.
α)
ein musikalischer klang, eine melodie, ein lied, ein musikstück tönt:
weh euch ihr stolzen hallen! nie töne süszer klang
durch eure räume wieder, nie saite noch gesang
Uhland ged. 1, 308;
wenn der lerche wirbel tönt
Z. Werner ged. 61;
seines liedes klang nicht mehr durch traute dämmerstunde tönend! Holtei erz. schr. 2, 248; tonica, terz und octave tönen schon für sich allein ... befriedigend Vischer ästhetik 3, 886; aus den telegraphenstangen ... tönten summende akkorde Hauptmann Thiel 26; die süsze sanfte melodie ..., die emphatisch und voll wie die sehnsucht zweyer unschuldvollen, gleichliebenden herzen tönet maler Müller 1, 325;
lerchengesang, nicht nachtigallenweise
tön' aus deiner kehle mir!
Blumauer ged. 12;
schon tönten seine psalmen heiser
Pfeffel poet. vers. 2, 155;
ein munterer marsch tönte von weitem Göthe 24, 163 Weim.; aus einem groszen, hellerleuchteten hause tönte muntere ... tanzmusik Pückler briefw. u. tageb. 2, 326; ebenso tönten die lieder der teutschen barden Kretschmann 1, 10;
wem tönt diesz kühnre lied?
Lessing 1, 146;
und neue lieder
tönen darauf!
Göthe 14, 19 Weim.;
sangen's und die lobgesänge tönten fort im Gotenheere
Platen 1, 6.
β)
unpersönlich es tönt:
es tönt so wunder süsse, wenn sie ihre stimm' erschwingt
Grob dicht. vers. 59;
auch der subst. inf.:
also wirkt ein künstlich tönen,
dass sichs blut bald reg't, bald leg't
Brockes ird. vergn. 2, 316.
γ)
von etwas tönen:
die frohen schläge, die sie thut
erschallen in die nahen wälder,
und tönen nur von lust und muth
Hagedorn 3, 26.
δ)
etwas tönen: eine traurige musik tönt einige laute Göthe 11, 120 Weim.; jetzt müssen wir uns mit einer einzigen sammlung solcher lieder begnügen, die rosenduft athmen und turteltaubengesang tönen Herder 11, 272;
Orpheus spiel tönt die gewohnten lieder
Schiller 6, 25;
tön', o heldengesang, die waffenthaten des kaisers
Pyrker Tunisias 1, 1.
4)
tönen bezieht sich auf die sprachliche lautgebung, auf deren gegenständlichen inhalt und ihren gefühls- und gedankenausdruck.
a)
die sprachliche lautgebung wird vielfach als tönen aufgefaszt.
α)
von der unarticulierten lautgebung des menschen, die auch mit der des thieres verglichen wird: luen oder schreyen oder prullen als die ochssen boare, mugire, reboare, resonare donen voc. theut. (1482) t III a; thoͤnen mit eyner knellenden und gebrochnen stimm clangere ... von zwang thönen gemere Dasypodius R VIIᵇ; dadurch unterscheide sich der mensch von dem thiere, dasz der mensch spreche, das thier nur töne Arndt an s. l. Deutschen 1, 382; was soll für seinen (des menschen) würkungskreis ... die sprache des redendsten, am vielfachsten tönenden thiers? Herder 5, 25; so wenig sind nachrichten aus dieser zeit der sprache möglich, da man noch nicht sprach, sondern tönete 1, 153.
β)
vom unarticulierten freudengeschrei in der bibelsprache: jederman in Juda doͤnet (omnesque viri Juda vociferati sunt) 2 chron. 13, 15; vil aber doͤneten mit freuden, das das geschrey hoch erschal (multi vociferantes in laetitia elevabant vocem) Esra 3, 12; er wird jauchtzen und doͤnen (vociferabitur et clamabit) Jesaia 42, 13. darnach:
da alles thönt und jauchzend ist
Stoppe Parnasz 432.
γ)
in verächtlichem sinn vom gedankenlosen 'schwatzen': also meinen sie auch, sie wollen ein wenig disputiren treiben und die leute mit plaudern und dönen ein treiben Luther 30, 3, 549 Weim. so noch in der mundart: tönen langweilig reden, andern dadurch langweile, überdrusz verursachen Stalder 1, 289; dei dönt dâ wat her der schwatzt da was her Schambach 42. und das übrige tönten sie in einer steifen, strotzenden feyerlichkeit daher, die in jeder sylbe den komödianten verrieth Lessing 9, 248; der ganze schwarm tönender worthelden, überspannter enthusiasten und bilderkrämer Herder 20, 368.
δ)
im sinne von sprechen, bes. von der feierlichen pathetischen rede: aus Schwaben du hast mir nicht gedehnt (gedoͤhnt) geantwortet Fulda idiotikensamml. 549; nochdem als wir leüt seind, nochdem thönen wir Keisersberg postill 3, 40; 'sind bräute hier — eins — zwey' tönte sie jetzt langsam, wie mit einer geisterstimme Hegner 2, 215;
wil mich an dir nitt gar verhönen
sust wett ich dich wol leeren tönen
schweiz. schauspiele 3, 125 Bächtold;
schön tönt vor meinem ohr der fuͤrst Athens
Tieck 3, 225;
nun hob der lieblich gestimmte
Nestor sich empor, der tönende redner aus Pylos
Bürger 188;
wenn völker von lebhaftem geist vielsylbig und tönend ableiten, biegen, steigern A. W. Schlegel Athenäum 1, 38.
b)
zunge, lippen, mund, stimme tönen:
so fern und weit die deutsche zunge tönt
Fouqué held des nordens 1, 22;
wo stets dein auge strahlt, wo deine lippen tönen
Gottsched neueste ged. 106;
die herrlichen fremdlinge
mit den sinnvollen augen
dem schwebenden gange
und dem tönenden munde
Novalis 1, 6;
wie silbersüsz tönt bei der nacht die stimme
der liebenden, gleich sanftester musik
Göthe 9, 200 Weim.;
fast immer tönet diese stimme um mein ohr, wenn ich Friedrichs schriften lese Herder 17, 30; jauchzende stimmen tönten von allen seiten Brentano Godwi 2, 316.
α)
mit der stimme tönen:
was wunder ist es denn, wenn diese lustsyrenen
bey ihrer wiederkunft mit gleicher stimme tönen!
Neukirch ged. 109.
β)
die stimme tönen: zeig mir dein antlitz, tön' deine stimme Göthe 37, 303 Weim.
c)
gegenstand der sprachlichen tongebung sind die worte, alle äuszerungen in prosa und poesie und deren gefühls- und gedankeninhalt.
α)
ein wort, einen namen tönen: alle eingliedige selbständige teutsche wörter ... können kurz- und langgethönet werden Birken rede-, bind- und dichtkunst 5; die sowol einheimische, als fremde, eigennamen, ... sollen im vers ihren natürlichen wort-thon behalten, und werden mit verunformung anders gethönet 56; (der mund) der sonst meinen namen so oft getönt hatte Tieck 7, 156; das eine volk spricht eherne panzer von worten; das andre mit feinern sprachwerkzeugen tönet silberwellen Herder 4, 107; (es) tönt eine grause innere stimme unaufhörlich mir zu: umsonst! Pückler briefw. u. tageb. 1, 457;
gegrüsst, Maria! tönt sein holder mund
A. W. Schlegel Athenäum 2, 137
β)
ein gedicht tönen:
wo sind die sänger, die des krieges
bardiete tönen?
Kretschmann 1, 256;
dasz ich diesz todtenkalte fieber höhne, ...
und hohe säkulärische päanen töne
Ramler lyr. ged. 84.
γ)
einen gefühls- und gedankeninhalt tönen: alle thiere bis auf den stummen fisch tönen ihre empfindung Herder 5, 17; empfinde nicht für dich allein: sondern dein gefühl töne 5, 6; sein mund ist voll schöner klänge und seine lippen tönen prunk Arndt an s. l. Deutschen 2, 57;
oder ist es gefühl,
was er (der dichter) tönet, sinds zärtliche klagen
Klopstock oden 1, 77;
o göttin! deine stimme
tönt der verzweifelung,
in ihrem tauben grimme,
noch oft beruhigung
Bürger 8ᵃ;
deine zunge töne mord,
aber nicht dies heil'ge wort!
Grillparzer 4, 109.
δ)
von etwas tönen:
Cherubim und erstandene tönten vom untergang
Babylons
Klopstock Messias 20, 687.
d)
der laut, das wort, die rede und deren gefühls- und gedankeninhalt tönen.
α)
der sprachlaut, der thierlaut tönt: die ableitunglaute d, de, en, el, ft u. s. f. veralteten, weil sie nur sehr unbestimmt tönen, am ersten Adelung umständl. lehrg. 2, 214; ein so scharf tönender anfang des wortes Kästner 2, 127; denn in den kurzen sylben, wo wir (Griechen) tönende vocale haben, steht bey euch (Deutschen) meistens das unbedeutende e A. W. Schlegel Athenäum 1, 13; kaum tönte hie und da ein miszbilligender laut durch das rufen des volkes Gentz 3, 222;
und wenn das ohr sich erst vertraut,
ihm tönt der muttersprache laut
Göthe 3, 366 Weim.;
ihm tön' entflammt von tausend zungen
der herzen jubelton
J. H. Voss ged. 3, III;
wie willkommen war mir der klang des beifalls, der aus der menge herauf tönte Göthe 22, 96 Weim.; der athem tönte der meyerin, als er das erzählte Pestalozzi 3, 126; in meinem morgentraum tönte pferdegewieher und hundegebell Stifter 3, 205.
β)
ein name, ein wort tönt:
und Hermanns name tönt ins zelt
der götter, wie hier durch die welt
Kretschmann 1, 41;
deinen namen, o Daphne,
der wie silber der saite tönt
Miller ged. 108;
der name klingt prächtig; manchen mag er seiner vielumfaszenden dunkelheit wegen gar erhaben tönen; jahrhundert! Herder 23, 6; (wenn dein name) wie der name des teufels nur zu flüchen und zu verwünschungen tönen wird Göthe 39, 160 Weim.; dieses wort tönte wie die posaune des weltgerichts in meine seele Pfeffel pros. vers. 2, 135; jedes wort tönte noch nach G. Keller 4, 44;
dem unsre worte nicht zum herzen tönen,
kann er ein vater seyn zu seinen söhnen?
Schiller 13, 186;
ein düstres reimwort folgte — tod.
es tönte hohl, gespensterhaft gedämpft
Göthe 15, 307 Weim.;
lasz dir in deinen oren doͤnen dise worte: was geet es dich an? volg du mir nach Keisersberg pred. 106; als daz amen getoͤnet hatt Hedio chron. Germ. E IIIIᵃ; sein ominöses: 'reisen sie glücklich!' ... tönte mir nun in den ohren Thümmel reise 1, 22; schöne frau? ei seht, das tönt schon besser! G. Keller 5, 168; tönende namen, worte, phrasen: oft füllt er ganze verse mit mächtig tönenden namen Treitschke hist. u. pol. aufsätze 1, 44; ihr ... holt euch eure speculative begeisterung aus der fremde her, aus Paris, und pappt euch den tönenden namen auf: 'das junge Deutschland!' Bauernfeld 3, 304; (er) führte in tönenden worten himmel und hölle an uns vorüber G. Keller 1, 349; er stellte den gründen des anklägers tönende phrasen entgegen Holtei erz. schr. 3, 229.
γ)
ruf, rede, vers, sprache tönen:
soͤlchs red mir auff das suͤssest thont
Schwartzenberg Cicero 159;
wie fernes wettergemurmel
tönt seine rede
Schubart 2, 285;
da tönt der weckende ruf Immermann 2, 165; ein lauter heilruf der Vandalen tönte um die halle Freytag 8, 148; dasz unser auf dem blatt ruhender vers in wenige ohren, und nicht die empfindlichsten, tönen wird Voss zeitm. 5; mit erstaunen hörte er im verlaufe des gesprächs völlig regelrechte hexameter aus ihrem munde tönen Immermann 5, 170; übrigens tönte die hochdeutsche sprache der leute in diesen gegenden immer angenehm in Reisers ohren Moritz A. Reiser 352 neudr.; eine nach beschaffenheit des inhalts harmonisch tönende periode Kretschmann 1, 17; so gewannen seine perioden einen tönenden rhythmus Forster 6, 7; (diese musik) war lebende tönendere sprache Herder 4, 118; sie (die Venetianer) sprachen ihr eigenes musikalisch tönendes patois Grimm Michelangelo 2, 61;
(durch) die sprache gestärkt, die wie Kalliopens
tuba tönet
Ramler lyr. ged. 4;
darum wählt ich auch nicht hüpfender reime kunst, ...
des Horazischen sangs tönenden silbenfall
Novalis 1, 246.
δ)
eine bestimmte äuszerung in wort und schrift, in poesie und prosa tönt:
in deinem hirtenlande tönen
Karolomannus geweihte taten
Herder 27, 71;
der jüngling, dem ihr (der sage) tönen sich ergeuszt!
Fouqué held des nordens 1, 56;
andre nationen haben sie (die alten wunderbegebenheiten) zu lyrischen gemälden erhoben, wo sie kürzer, andringender, rührender tönen Herder 12, 181; so ganz ohne polemik tönt er (der gesang der Vala) Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 36; wer ist z. e. der verfasser dieser langen, tönenden und schon vergessnen jubelode Herder 5, 407; (er) brachte in einem tönenden leitartikel die rede auf jene alte geschichte Frenssen Hilligenlei 354;
so tönte jüngst in Friedrichs ohren
die nachricht, die aus Pommern flog
einhundert hist. volksl. d. pr. heeres 25 Ditfurth;
wann der sünde dann ihr urteil tönet
Hölderlin 1, 36;
jetzt tönt die losung Schiller 8, 288; data für meine erwartung ... tönen mir alle tage um die ohren Lavater physiogn. fragm., vorrede;
gütiger gott, meinen feurigsten dank! ...
dass er laut durch alle deine himmel tönte!
Meiszner skizzen 1, 124;
schon rüstet sich der zug; schon tönt das lustgetümmel
Gotter 2, 5;
der menge beifall tönt mir nur wie hohn
Göthe 14, 54 Weim.;
ein jauchzen tönet durch die himmel
37, 4.
ε)
der gefühls- und gedankeninhalt, geist und seele tönen: noch tönen ihre melodiereichen klagen in meinem ohr! Wieland I 3, 79 akad.; es ist mir unmöglich ... die lärmende freude zu schildern, die jetzt durch ganz Holland über die neue veränderung tönt Boyen bei Meinecke 1, 356;
wer ist der, des gram
so voll emphase tönt?
Shakespeare, Hamlet 5, 1;
ein luft'ges elfenkind
leb' ich im tönenden leid
Fouqué held des nordens 1, 199;
das natürliche gefühl was jedem aus der seele tönt B. v. Arnim Günderode 1, 224; aber wie schön und voll auch das gefühl in ihnen (den scenen) tönt, die dramatische bewegung ist doch nicht grosz Freytag 14, 124; aus seinen belehrungen tönte ein steifer meisterstolz Justi Winckelmann 2, 1, 30; die höchste reinheit der seele tönte von den ... lippen Thümmel reise 8, 219; in einer schlechten zeit, wo die wahrheit nicht tönen darf Börne 4, 54;
(Adramelech) feurte sich an, die gedanken tönen zu lassen
Klopstock Messias 5, 437;
und lyrischer wird unser leben tönen
mit schönen seelen im verein
Tiedge Urania 6, 708;
dem nun ein halb jahrhundert
die welt des schönen tönt
Uhland ged. 1, 231;
woge, geist, in mir, frohlocke, ...
töne wie die silberglocke
Schubart ged. 1, 12;
in den hainen, in den tempeln erwachten und tönten ineinander ihre seelen Hölderlin 2, 74.
ζ)
unpersönlich es tönt: wie du yn ein wald schreyst, als thoͤnt es widerumb Keisersberg narrenschiff 159; das es von menschen doͤnen sol (tumultuabuntur a multitudine hominum) Micha 2, 12; 'ins haus, ins haus!' tönte es zur antwort G. Keller 1, 167; Jucundus hatte keine ahnung wie es um ihn her tönte (wie von ihm gesprochen wurde) 5, 277. auch der subst. inf.: das das wort ym schwang gehe und nicht widderumb eyn loren und dohnen draus werde Luther 12, 37 Weim.; (augenblicke) wo es nur eines verwandten tönens bedarf, um die auf liebeshülfe wartenden liebesklänge aufzuwecken Fouqué alts. bildersaal 2, 504.
η)
von etwas tönen:
doch von Trafalgar töne kaum die sage
Göthe 3, 198 Weim.
θ)
etwas tönen:
jeder laut, der
göttliche dinge nicht tönt, verstumme!
Klopstock oden 48;
der muttername ...
hat nie den himmel euch ins herz getönt
Matthisson ged. 169;
dein leben tönt
mehr harmonieen, als ein unsterblich lied!
Klopstock oden 1, 29;
freund, dir jauchzt mein geist, der vorhin von kummer verstimmet,
harmonischer wird, und zärtlichkeit tönt
J. A. Schlegel ged. 1, 309.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 759, Z. 53.

tonen2, verb.

²tonen, verb.,
von der abstufung in farben (vgl. ²ton und ²tönen); in der technischen sprache der photographie ist die umlautlose form regelmäszig, transitiv und intrans.: tonen und fixieren kann auch in einer gemeinschaftlichen lösung, dem tonfixierbad, vorgenommen werden Vogel taschenbuch der prakt. photographie 17, 221; die bilder tonen gewöhnlich nicht alle gleich schnell ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 759, Z. 30.

tönen2, verb

²tönen, verb,
von der abstufung in der farbe; vgl. ²ton und ²tonen. in dieser bedeutung wird vorwiegend das part. pf. gebraucht: es waren vier stuckwände, gelblich getönt, von goldleisten eingefasst Fontane I 1, 134; aus dem bräunlich getönten gesichte schauten durch eine goldene brille zwei gutmütige ... augen Seidel Leberecht Hühnchen 134.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 768, Z. 68.

tonen3, verb.

³tonen, verb.
(vgl. ¹tone): Uli schlug sogar noch das tonen vor in der nassen matte Gotthelf 2, 230; die ganze wässerung taugt nichts ..., es sollte gedohnet werden erlebnisse eines schuldenbauers (1852) 405. vielleicht ist auf tonnen, vertonnen, -dohnen in der bergmannssprache hinzuweisen in der bed.: 'den schacht mit tonnenfach auskleiden'. dieser gebrauch des verbs, der sich mit der entwicklung des bergbaues weit verbreitet hat, konnte auf westalem. gebiet auf ein analoges verfahren bei der herstellung von entwässerungskanälen übertragen worden sein, und es konnten dann hier zum verb auch entsprechende substantiva gebildet werden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 759, Z. 37.

tonen4, verb.

⁴tonen, verb.,
ist eigentlich holländisch 'zeigen, weisen, sehen lassen', wird aber auch in der nieders. kaufmannssprache vielfach gebraucht Richey 309; Schütze 4, 269. tonen zeigen Campe; Woeste 273.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 759, Z. 49.

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Zitationshilfe
„tonen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tonen>, abgerufen am 21.06.2021.

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