Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tonlos, adj.

tonlos, adj.
1) absolut, im sinne von 'ohne ton'. alles, was keinen ton gibt, ist tonlos:
unglückseliger Pan! wie tonlos rinnet der strom hier
Herder 26, 68;
sie winkt', und tonlos sprangen auf die thüren
Geibel 1, 177;
die blumen schütteln ihre tonlosen glockenhäupter Heine 3, 384; (die heilige schrift) ist eine tonlose pfeife, eine stumme geige, wenn ich nicht darauf spiele G. Keller 6, 349; es ist jetzt alles ton- und klanglos um mich her, aber was von ihnen (Zelter) kommt, verschaffe ich mir doch zu hören Göthe IV 17, 152 Weim.; da das nun aber alles, auszer windsbraut und wasserrauschen, vollkommen tonlos abläuft 29, 55. bildlich: die saiten meiner seele werden schlaff und tonlos Bismarck briefe an seine braut und gattin 86;
in meines busens saiten tonlos beben
ersteh in meiner seele poesie
Brentano 2, 306.
wie klanglos (th. 5, 949), 'ohne sang und klang':
tonlos werd' ich hinübergehn,
man wird mich stumm zur grube tragen
Geibel 1, 39.
2) in mehr relativer bedeutung, besonders beim sprechen 'ohne betonung': a) tonlos sprechen, tonlos reden:
endlich spricht er tonlos diese worte
Geibel 5, 15;
mit den tonlos gesprochenen worten Alexis Isengrim 202; 'ein pfaff!' sagte Landolt fast tonlos G. Keller 6, 221; (ich nannte) ihren namen, aber nur hauchend und tonlos 2, 77; ein ende! wiederholte Leberecht matt und tonlos Holtei erz. schriften 14, 181; 'ist dir nichts?' fragte er heiser und tonlos Ebner-Eschenbach 4, 68; 'ich will', versetzte frau Gisela tonlos G. Freytag 8, 142; 'die Polen unterliegen?' stammelte er tonlos Ebner-Eschenbach 2, 132; Anatol tonlos: zur sache Schnitzler Anatol 171; jene tonlose mechanische für sich hinmurmelnde ableierung Schleiermacher I 5, 549; jenes tonlose, weiche, unbestimmte, zitternde und kreischende in der deklamation Tieck 5, 459; feine reden schleichen wie ein halbversiegter bach mühsam und tonlos dahin E. Th. A. Hoffmann 2, 27. — dann auch von geschriebener rede in poesie und prosa: die strophe ziehet sich in langen und kurzen zeilen für uns tonlos und matt dahin Herder 16, 216; gleichwohl wird dadurch nicht Klopstock's tonloser prose, welche der scharfe aber tonvolle prosaiker Lessing lobte, der ruhm ... verkleinert Jean Paul 49-51, 289;
dasz die eigenen gesänge
mir wie tonlos kommen vor
Rückert 1, 454.
b) tonlose stimme: 'es geht mir hier wohl, nur verspür' ich mich unpasz', sagte Schoppe mit tonloser stimme Jean Paul 15-18, 651; mit tonloser stimme erklärte ich, von alledem nichts zu wissen G. Keller 7, 321. c) tonlose sprache, worte: weiter gegen westen hin wird die sprache auf jede fünf meilen hin immer träger, tonloser und plattdeutscher Arndt 1, 202; die mutter schwieg auf diese tonlosen worte Gutzkow ritter vom geist 1, 389. d) tonlose silben und laute: ein gedehnter vocal ... mache auch tonlose silben lang Voss zeitmessung 13; in tonlosen vorsilben krit. blätter 1, 551; wenn ein tonloses e auf einen betonten vocal stöszt Adelung magazin 2, 3, 112; man kan dahär sogąr di (im griechischen) damit bezeichneten lengen, in fergleichung mit den unsrigen, tǫn, lǫs nennen Klopstock über sprache und dichtkunst 50; wenn ein tönender konsonant in den auslaut tritt, so wird er ... zu dem entsprechenden tonlosen Paul princ. d. sprachg.³ 54; die stärkste silbe bezeichnet man im deutschen herkömmlich als die tonsilbe ...; die andern silben nennt man dann ... unbetont (tonlos) oder nebentonig Sievers phonetik⁵ 219. 3) in übertragenen verwendungen, die besonders in der schwäbischen mundart begegnen (Fischer 2, 256). tonlos ist was keinen guten ton, keine rechte art hat; daher stets im tadelnden sinn. a) von abstracten und concreten dingen. α) sinnliche bedeutungen klingen noch an:
ihr, meine lippen, sollt nicht mehr erglühen
in liedern, leichen, stollen! ich verstumme,
tonlose tage traurig hinzumühen
Immermann 15, 152;
über ein weites plattes land derselbe zustand, dieselbe stimmung verbreitet — höchst achtbar, aber sehr eintönig und ein wenig tonlos 6, 158. β) sie treten stark in den hintergrund im mundartlichen gebrauch auf schwäb. boden: tonloses geschwätz 'fades, sinnloses' aus der lebenden ma. bei Fischer; ein solch unnötig thonloses gericht aus den altwürttemb. statutarrechten 419 Reyscher, ebenda. hier auch von speisen in der bed. 'geschmacklos'; vgl. ¹ton sp. 730. b) vom menschen, vom gemüth, der seele: α) noch mit merklichem anklang an sinnliche bedeutungen: und so verwandle ich, ton- und gehörloser, obgleich guthörender, jenen groszen genusz in begriff und wort Göthe IV 33, 9; tonloses gemüth, das in jeder musik nur ein spiel mit empfindungen höret Herder 22, 189; es darf ihr (der muse) gewisz zu keinem besondern vorwurf dienen, dasz bei einer widrigen stimmung des gemüths oder bei klang- und tonlosen seelen ihr gesang nicht wiederhalle 27, 193; du meinst, o tänzerin, dasz hölzern, dumpf und stumpf, takt- und tonlos, ich dir nichts nützen kann E. Th. A. Hoffmann 9, 87; bin ich der mensch, der aus einem tone spricht? ich bin ein ganz tonloser mensch Raupach dram. werke kom. gattung 2, 86. β) in der schwäb. ma. wieder in weiterer übertragung von einem menschen, mit dem nichts anzufangen ist, im sinne von 'abgeschmackt', 'schwach', 'träge', 'energielos', 'verwirrt', 'betäubt', 'betrunken', 'stocktaub', dann auch 'öde im magen'; vgl. die formen bei Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 781, Z. 57.

tonlöse, f.

tonlöse, f.,
'schwäche, erschöpfung', zu tonlos b, β bei Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 783, Z. 8.

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Zitationshilfe
„tonlöse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tonl%C3%B6se>.

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