Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tonlosigkeit, f.

tonlosigkeit, f.
1) in absolutem sinn von etwas, das keinen ton gibt: der hohe ton ist die eigentliche realisation des tones, der eigentliche gegensatz zur tonlosigkeit Vischer ästhetik 3, 849. 2) in mehr relativer bedeutung, besonders beim sprechen. a) von der stimme: dazu kommt, dasz die natur ihm fast ganz eine stimme versagt hat, und er um diese so viel wie möglich zu schonen, für seine tonlosigkeit eine eigne modulation hat erfinden müssen Tieck 5, 459. b) vom wort, von der silbe: bei der kürze ist ein gelassener ton, den wir im gegensatz des hoch oder tief gehaltenen tonlosigkeit nennen Voss zeitmessung 40; so unterscheidet si (die kürze) doch ire tǫnlosigkeit noch męr Klopstock über sprache und dichtkunst 63. 3) in übertragener verwendung von etwas, das keinen guten ton, keine rechte art hat, mit mehr oder minder merklichem anklang an sinnliche bedeutungen: wahrlich, unsere ganze moderne kunst gleicht dem klaviere: in ihr verrichtet jeder einzelne das werk einer gemeinsamkeit, aber leider eben nur in abstracto und mit vollster tonlosigkeit R. Wagner 4, 5; der skeptizismus ... wird zum unsinn und zur fürchterlichsten philosophischen kraft- und tonlosigkeit Jean Paul 7-10, 340; ich kann mich noch immer nicht von meiner trägen frühlings-dummheit und tonlosigkeit erholen Laube in Pücklers briefwechsel 6, 117; die bed. 'schwäche', 'untätigkeit' verzeichnet für das schwäb. Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 783, Z. 10.

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Zitationshilfe
„tonlosigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tonlosigkeit>.

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