Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tonnenholz, n.

tonnenholz, n.
1) im holzhandel, 'dasjenige holz, welches an die küfer und bötticher zu fässern und tonnen verkauft wird, das faszholz' Campe; vgl. Schiller-Lübben 4, 632. tymmerhold, tunnenhold edder ander hold schal nemand uth useme lande in andere land voͤren hans. urk. 4, nr. 221 (1367); tonnenholz, 2 fusz lang, 4 zoll breit, 1 bis 11⁄4 zoll dick Jöcher 1, 727. 2) im bergbau, 'ein zugerichtetes holz, das in dem treib- oder förderschacht, wenn er flach ist, von einem stosz zum andern auf dem liegenden befestiget wird, dasz die tonnlatten, von oben gegen unten zu, darauf genagelt werden können' Jacobsson 4, 415ᵃ; Richter 2, 520. vorherrschend gilt jedoch die ältere, kürzere bildung tunnholz Schöneberg 98; Herttwig 394; Hübner 2124; Minerophilus 664. daneben steht mit erweichtem anlaut don(n)holz Frischlin 248, Bech-Agricola bergwerkbuch 88; Richter 1, 203; Adelung 1, 1514; Campe 1, 728; th 2, 1236. auffallend sind die folgenden u-formen, die in dieser zusammensetzung früh begegnen und sich erhalten haben: wie eure fahrten zwey schenckel und sprossen haben und fest an die thumhöltzer angehäspelt seyn Mathesius Sarepta 12, 550; wenn ihr thumphöltzer leget und haspelstützen setzet 12, 540. es stehen ferner tum(m)-, tumb-, tump(f)-, tumf-, dum-, dumb-, dumpholz bei Löhneyss ber. vom bergwerck (1617) 53; Berward interpres phraseologiae met. (1673) 14; Richter 2, 458; Gätzschmann 3, 82; Wenckenbach 109; Jacobsson 4, 415. die des öfteren, z. b. bei Veith, deutsches bergwb. und Göpfert, bergmannsspr. in der Sarepta vorgebrachte auffassung, dasz es sich hier um entstellungen aus tonn(en)fachholz handelt, ist ganz unhaltbar; mit der verhältnismäszig jungen doppelten zusammensetzung können diese älteren formen nichts zu schaffen haben. es liegt hier als erstes glied die form tunne zu grunde (vgl. im vor. sp. 786) mit mundartlicher epenthese eines labialen lautes; vielleicht ist auch die composition nicht mehr überall richtig verstanden worden. dasz gerade hier die u-form sich theilweise durchgesetzt hat, während doch sonst tonnbrett, tonnfach, tonnlatte regelmäszig sind, musz seinen grund darin haben, dasz bestimmte voraussetzungen gegeben waren, unter welchen gerade die zusammensetzung tunn(e)holz sich von einem dialectgebiet aus weiter verbreitet hat, wo eben diese lautung gesprochen wurde. 3) eine weitere übertragung aus dieser bergtechnischen verwendung der zusammensetzung liegt vor, wenn nach Adelung und Campe (vgl. th. 2, 1236) von den bergleuten auch in den schmelzhütten die schräg niedergehenden, starken zimmerhölzer auf dem pfahlbaume und unter dem rahmstücke, worauf die bälge liegen und fallen, domhölzer, dombhölzer (wieder mit b-epenthese) genannt werden. vgl. auch zur form im folg. tonnlägig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 797, Z. 76.

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Zitationshilfe
„tonnenholz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tonnenholz>.

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