Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

tonsur, f.

tonsur, f.,
das den katholischen cleriker vom laien unterscheidende standeszeichen, welches im theilweise abgeschorenen haupthaar besteht. der gebrauch des wortes im deutschen nach dem lat. tonsura ist seit dem 17. jh. nachweisbar (vgl. den folg. beleg aus Schönsleder): die tonsur ist ein zeichen des erhaltenen ordo Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch. 1, 262; zur einweihung gehören die tonsur, die ablution Ritter erdkunde 4, 1172; die kirche giebt keinem eine pfründe, er habe sich denn durch die erste tonsur ihrer gewalt unterworfen Möser 3, 187; indem er den hut abnahm und die tonsur sehen liesz Göthe 23, 4 Weim.; ein junger blasser mann, den tonsur und schwarze kleidung als den hausgeistlichen bezeichneten Immermann 5, 76; meine dunkelbraunen locken verbargen jedes überbleibsel der tonsur E. Th. A. Hoffmann 2, 121; den mönchsgang der ideen unter tonsur und kutte ... entdecken Herder 23, 284; tonsur nehmen sacra tonsione affici Schönsleder prompt. (1647) Jii 2ᵇ; Dentzler 282; er nahm auch wirklich die tonsur an Göthe 44, 362 Weim.; (er) erhielt sogar die tonsur Schiller 6, 18; man musz dazu die tonsur haben Caroline 1, 375; sie sollen geistliche kleidung, tonsur ... tragen Schmidt gesch. der Deutschen 5, 250; (sie) legten die tonsur und das kleid ab Raumer Hohenstaufen 6, 237. von nichtklerikern: er hatte ... eine art von tonsur Knigge roman 3, 74; (die weiber schoren) entweder ihren ganzen kopf oder wenigstens eine tonsur Ratzel völkerkunde 2, 98. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 808, Z. 37.

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Zitationshilfe
„tonsur“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tonsur>.

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