Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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doppe, dopfe, topfen, m.

doppe dopfe topfen, m.
das käsige der milch, die matte, der quark der sich oben ansetzt und die molke bedeckt. topfen episerum Voc. v. 1445. Diefenbach Gloss. lat. germ. 205ᵃ. daher topfenkäs, topfennudel Schmeller 1, 451. wird die milch heisz und empfacht ein seure, so bricht und scheidet sich in zwo art, in dopfen und in das serum Paracelsus Op. 299ᵃ. drei morgen nach einander ein dopfen aus dem kalbsmagen eingeben Pinter 386. doppe lac emulctum Henisch 729. ein grober ziegen- oder doppenkäs ders. s. dop. doppel m. nachmolke. zu vergleichen ist Geschichte der deutschen sprache 1007.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1259, Z. 5.

topfen, verb.

topfen, verb.
die form mit dem stammvokal o ist als jüngere ableitung zu dem subst. mit dem bereits vor folgendem velar der nominalflex. entwickelten o-laut gebildet worden, während die ursprüngliche u-form erhalten ist in der älteren verbalen j-ableitung, die ausschlieszlich als ausdruck für die zugrunde liegenden begriffe 'eintauchen' und 'berühren' verwendet wird; vgl. ¹topf I. die verschiedenen bedeutungen der o-form entsprechen den mannigfachen gebrauchsweisen des subst., die sich aus seiner verwendung zur bezeichnung der grundbegriffe entwickelt haben. als jüngere bildungen sind diese secundären verbalableitungen auch an dem meist nicht umgelauteten stammsilbenvocal erkennbar; doch begegnen mitunter auch umlautformen.
1)
die verbalabl. ist zu dem subst. gebildet worden, das das 'eintauchen' ausdrückt; vgl. niederl. doppen, auch ags. doppettan unter ¹topf I, 1. das abgeleitete verb. steht ferner neben dem subst. als bezeichnung einer 'berührung' unter besonderen umständen: doppen ist im nieders. auch das rechtsbekräftigende berühren; im niederl. heiszt doppen auch 'fechten, aufgreifen und gefangen setzen, plündern'; im siebenb.-sächs. 'schlagen, klopfen', vereinzelt auch mit umgelauteten stammsilbenvocal: ich hun dich nor gedeppt, net geštuⁱssen siebenb.-sächs. wb. 2, 60; im wstmd. ist doppen in der bedeutung '(geschleuderte steinchen) aufschlagen machen' zur bezeichnung von kinderspielen gebräuchlich, und auch noch im schwäb. wird topfen in diesem sinne verwendet; vgl. ¹topf I 2 a. zu dem subst. in der bedeutung 'punkt' ist ahd. topfôn 'punktieren' gebildet worden; vgl. ¹topf I 2 b.
2)
die verbalbildung ist auch von dem subst. in seinen zahlreichen verwendungen zur bezeichnung von ganz bestimmten concreten dingen abgeleitet worden. niederl. doppen heiszt z. b. 'ein nagelloch mit einem kleinen holzzäpfchen ausfüllen','eine kleine vertiefung machen', 'eichen', 'eine frucht schälen', 'eine verzierung in form eines kleinen knopfes anbringen', 'einem nagel den kopf abrunden', 'den hut abnehmen'; vgl. ¹topf II 1-5. neben topf 'kreisel' erscheint topfen und topflen 'kreisel spielen' im schwäb.; subst. heiszt das spiel auch töpfles Fischer 2, 266; ebenso im elsäsz.: kumm, mir spielen topfens! Martin-Lienhart 2, 703. schon im 15. jh. begegnet doppen, topffen 'trocare' gloss. 598ᶜ Diefenbach; dann topfen 'trocho ludere' Schottel 1432; Stieler 2296; Steinbach 2, 823. Fischart verwendet die verbalableitung in der umlautform und in übertragenem sinne: der wein ist uns dest lieber, dasz er die köpff so wunderlich schöpfft und töpfft geschichtsklitt. 141 neudr.; vgl. ¹topf II 1 und ⁴topf.
3)
eine verbalableitung von der gefäszbezeichnung ist im allgemeinen nicht gebräuchlich. doch begegnet zu topf in der bedeutung 'blumengeschirr' als obers. gärtnerausdruck die bildung topfen, eintopfen, umtopfen im sinne von 'pflanzen in blumengefäsze setzen, umsetzen' Müller-Fraureuth 1, 230. — sonst kommen nur gelegenheitsbildungen vor, z. b. in der bedeutung 'mit gefäszen bewerfen': nun ware die gute madame Friede allenthalben also gepeitscht, geschmissen, gepantoffelt, geschlüsselt, getöpft und gekrückt worden Lindenborn Diogenes 2, 558.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 843, Z. 4.

topfen, m.

topfen, m.,
ist auf bair. und österr. boden auch in der höheren umgangssprache die gebräuchliche bezeichnung für den 'milchquark', den gestockten, weiszen käsestoff, der beim gerinnen der milch sich absondert und frisch gegessen wird; vgl. über die verbreitung des namens in der verkehrssprache der gebildeten und über seine schriftsprachlichen und mundartlichen synonyme die aufschluszreichen angaben bei Kretschmer wortgeogr. 562. die herkunft der bezeichnung ist nach Kluge ⁸455 und dem Weigandschen wb. 2⁵, 1053 dunkel. sie ist allerdings nicht aufgehellt worden durch die bisher versuchten ableitungen: von topf als gefäszname (Kretschmer aao.), von einer weder nachweisbaren noch zu erschlieszenden bildung topf, topp in der bedeutung 'masse, dichte' (Adelung 4, 629), von einem ebenso wenig zu begründenden ansatz ahd. topfo als ausdruck für den begriff des zusammenlaufens, gerinnens, der auch der benennung des 'kreisels' mit der substantivbildung zu grunde liegen soll (J. Grimm gesch. d. d. sprache 1007 f.), von griech. στύφειν 'zusammenziehen, dicht machen' (Ehrismann beitr. 20, 58). aber der ursprung des namens kann doch mit sicherheit bestimmt werden. auf dem gebiete der oberd. maa. begegnet der ausdruck nicht nur im bair.-österr. in der lautung topfen, sondern auch im schwäb. und schweiz., hier aber in den unverschobenen formen toppen, doppel, die seine herkunft aus dem fränk. verraten. seine frühere geltung im westmd. ist auch die voraussetzung für das erscheinen einer zu dem subst. gebildeten adjectivableitung im ostmd., und schwache spuren des verdrängten gebrauches sind auch in den fränk. dialecten selbst noch vorhanden. in der höheren umgangssprache der rheingegenden wird noch zur bezeichnung des milchquarks die zusammensetzung topfenkäse verwendet, auch in der form topfkäse (Koblenz), die secundär an die schriftdeutsche gefäszbezeichnung angelehnt erscheint; der ausdruck, der nicht aus der nhd. schriftsprache genommen sein kann, musz im mittel- und rheinfr. auf der mundartlichen grundlage einer unverschobenen lautung beruhen. dann ist auch in den angaben gerad eines wmd. lexicographen des 17. jhs., der auch sonst fränk. sprachgebrauch berücksichtigt, das wort in eben jener form und bedeutung noch festgehalten, die der bezeichnung des milchquarks zugrunde liegen. der in Köln geborene, dann in Nürnberg thätige M. Kramer hat in der 1678 erschienenen, kleinen ausgabe seiner teutsch-ital. sprach 1051 die form topf verzeichnet in der bedeutung 'knollen, gestockte milch, gromma, tomo, tomino di latte' und voller topfen 'grommoso'. in der späteren groszen ausgabe von 1702 erscheint 2, 1101 auch die adjectivbildung topficht 'grommoso, tomoso', das subst. aber wird hier wohl auch mit 'tomo di latte rappresso ò in gromma' übersetzt, aber in der singularform (milch-) topfen angeführt und als bildung 'di dub. orig'. mit der form topfen ist in der späteren ausgabe der geläufige terminus der bair. umgangssprache aufgenommen worden. die ursprüngliche fränk. singularbildung hat aber gewisz die ältere ausgabe in der form topf bewahrt. sie ist als nominativ des schwach flectierten subst. mit abgestoszenem endungs-e aufzufassen und in der angegebenen bedeutung 'tomo di latte' unmittelbar verständlich: mit dem schwachen subst. ist der kleine knollen gestockter milch als punktartige erscheinungsform bezeichnet worden, wie sonst gelegentlich eine auch plastisch hervortretende punktartige erscheinungsform im hochd. und niederd.; die alte lautung des subst. mit dem stammsilbenvocal o ist gerad in dieser isolierten verwendung bewahrt worden, während sie in den zu grunde liegenden bedeutungen 'punkt' und 'berührung' regelmäszig durch die jüngere u-form ersetzt wurde; vgl. ¹topf II 4 und I 2. mit der pluralform (milch)doppen, -topfen ist ursprünglich im fränk. die masse von kleinen knollen gestockter milch bezeichnet worden, aus denen der käsestoff sich zusammensetzt. in ihrer fränk. heimat erscheint heute die bezeichnung nur noch vereinzelt in der genannten zusammensetzung erhalten, sonst aber besonders durch das synon. (käse-)matte verdrängt. sie ist aber schon früh aus dem westmd. einerseits ins ostmd. gedrungen, wo sie zwar auch anderen synon. das feld geräumt, aber doch eine deutliche spur ihres früheren gebrauches hinterlassen hat in der mit der adjectivableitung gebildeten zusammensetzung sauertöpfig, die nachweislich bereits im 16. jh. misverstanden und umgedeutet wurde; vgl. im folg. ²töpficht. anderseits ist der name aus dem mittel- und rheinfr. in der pp-form ins schwäb. und schweiz., aus dem ostfr. in der pf-form ins bair.-österr. gelangt. die zeitgrenzen für die entlehnung ins oberd. bilden der abschlusz der pf-verschiebung im schwäb. und die literarische verwendung des ausdrucks in der zweiten hälfte des 13. jhs. auf österr. boden. dasz die bezeichnung im oberd. süden, wo sie heute noch fortlebt, doch nicht als bodenständige bildung wurzelt, ist auch an den begrifflichen miszverständnissen erkennbar, denen sie hier preisgegeben war, im schwäb. zwar werden heute noch die toppen oft als pluralbildung gebraucht und mitunter auch wirklich als die 'geronnenen milchteile' verstanden geradeso wie die hier gebräuchlichen synonymen und begrifflich identischen benennungen des milchquarks knollen, klumpen Birlinger augsb. 86; Fischer schwäb. 2, 268. auch auf bair.-österr. boden ist dieser ursprüngliche gebrauch der form als pluralbildung nachweisbar, aber nur noch bei dem autor der Helbling-satiren in den einer peinlichen hausfrau in den mund gelegten scheltworten, mit denen der käsemagd vorgeworfen wird, sie habe den käsestoff nicht gehörig von der flüssigen substanz gesäubert und auch im käsewasser noch verwendbare ('gute') kleine milchknollen zurückgelassen:
wie ist der kæs ûz geworht!
ich sih daz kæsewasser wol,
daz ist guoter topfen vol
I 1192 Seemüller.
vielfach aber hat man die bezeichnung mit der pluralform miszverstanden. mitunter ist sie als singularbildung auch auf eben das käsewasser, in dem noch schwimmende, fette milchtheilchen sich befinden, bezogen worden: im schwäb. wird nach Fischer toppen gelegentlich auch in der bedeutung 'molken' gebraucht; im schweiz. begegnet mit umbildung der fremdartig empfundenen singularform der doppel als 'molke oder nachmolke, mit milch und zieger vermischt' Stalder 1, 290; doppe 'lac emulctum' wird von Henisch (Augsb. 1616) 729 als alpiner ausdruck verzeichnet; in spätmittelalt. oberd. vocabularen erscheint topffen 'episerum' gloss. 205ᵃ; nov. gloss. 152ᵇ Diefenbach. ebenso hat man die bezeichnung des aus gestockten milchknollen zusammengesetzten käsestoffes mit der pluralform miszverstanden und als sing. aufgefaszt. im schwäb. bezeichnet toppen nach Fischer auch als singular die 'saure knollenmilch', den 'milchkäse nach absonderung des molkenwassers'. in den bair.-österr. maa. ist der sing. topfen als bezeichnung für den milchquark ganz allgemein gebräuchlich geworden Schmeller 1², 615; Höfer 3, 231; Schöpf 747; Hintner 38; Lexer 64; Unger-khull 157. die form hat sich in dieser bedeutung auch in der höheren umgangssprache durchgesetzt nicht nur auf dem eigentlich bair.-österr. sprachgebiet, sondern auch im angrenzenden bair. Mittelfranken (Hof) und im bair.-schwäb. (Augsburg, Donauwörth, Kempten). als fachausdruck für die gestockte milch begegnet die bezeichnung mit der singularform schon im 16. jh.; in den schriften des schweiz. arztes Paracelsus erscheint mit secundärer umbildung der ungewöhnlichen singularendung eine fem.-bildung so die zwo sewren zusammen kommen, so zerrend sich der käsz unnd die mutter des essigs und wird also eine schleimirige dopffi opera 1, 483 c; doch auch die form dopfen an der bereits theil 2, 1259 citierten stelle 1, 299 a. der stadtphysicus zu Hall in Tirol H. Guarinonius schreibt zu beginn des 17. jhs.: zerrenn ein milch, und alsdann in mitten desz kessels leg ein angster, oder silbern oder ander geschirr mit kaltem wasser mitten in das heisz hinein, so wirstu mit augen sehen, wie dasz der heisse topffen allersampt den kalten angster und wasser werde zulauffen, und sich herumb still halten, bisz er erkühlet werde grewel der verwüstung 627ᵃ. die ökon. fachliteratur des 18. und 19. jhs. kennt den topfen als bair.-österr. ausdruck für den 'milchquark'; vgl. allg. ökon. lex. (1731) 1150; ökon. und phys. lex. (1750) 7, 1093; Krünitz 186, 101; Martiny milchwirtschaft 128; auch in den wbb. wird das masc. der topfen mit dem gen. topfens als oberd. dialectausdruck verzeichnet Adelung 4, 629; Campe 4, 850. literarisch ist der ausdruck in dieser form und bedeutung von bair.-österr. autoren verwendet worden; so schon von Oswald v. Wolckenstein zugleich mit dem noch heute gebräuchlichen tirolischen synonym in der wiedergabe der wechselrede zwischen einer spöttischen dame und ihrem bäurischen verehrer:
'zwar unversait ist dir ain dicker schotten
von meiner roten gaiss'
'sim topfen hab ich ott selber gnueg'
80, 35 Schatz;
dann im 19. jh.: doch fanden auch die mit topfen gefüllten kirchweihkrapfen günstige aufnahme Steub drei sommer in Tirol 1, 200; der alte ... asz mit mühe einen schnitten brot mit aufgestrichenem topfen Rosegger II, 3, 35. — mit den milchtopfen sind auch die spinattopfen aus dem ostfr. ins bair. gekommen als die bezeichnung der massierten kleinen knollen des dickgekochten, ausgepreszten spinatsaftes, und auch diese benennung ihrer theile mit der pluralform ist hier in die benennung der masse selbst mit einer singularform umgedeutet worden; vgl. Schmeller 1², 615.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 843, Z. 62.

töpfen, tüpfen, n., mitunter auch m. und f.

töpfen, tüpfen, n., mitunter auch m. und f.,
der eigentlich ursprüngliche gefäszname, der mit dem īn-suffix in ahd. zeit auf mittelfr. boden als doppīn und duppīn zu dopp und duppa in der bedeutung 'deckel' gebildet worden ist. er hat sich vom mittelfr. aus über das rheinfr., westthür., westfäl. verbreitet und ist auch in das elsäsz. und westschweiz. eingedrungen; im ostthür. und ostmd. aber ist die īn-ableitung mit dem stammsilbenvocal o in ein demin. zu dem dann selbst als gefäszbez. verwendeten grundwort umgedeutet und daher auch später durch chen- und lein-bildungen ersetzt worden; vgl. über die herkunft der bildung und die verbreitung der formen in den lebenden maa. ¹topf III, sp. 823 ff. in schriftlicher überlieferung ist die bildung seit dem 12. jh. nachweisbar. die unverschobenen lautungen finden sich in mittelfr., rheinfr. und westfäl. denkmälern von ausgeprägt mundartlicher färbung; sie begegnen z. b. in documenten aus dem 16. jh. über die ersten Kölner und Westerwälder töpferzunftverordnungen; toppen steht in der hess. chronik des Wigand Gerstenberg 192 Diemar; döppen bei Schöpper synon. d 5 a; auch in ungedruckten Büdinger hexenacten; duppen in einer Erfurter freizinsordnung des 15. jhs. 312 Michelsen; in der hess. reisebeschreibung des Hans Staden nach Vilmars hurhess. wb. 413; der tuppen auch in der prosa des Ulr. Füeterer nach Schmellers bair. wb. 1², 614; duppen in mnd. prosa s. bei Schiller-Lübben 1, 600. doppen und duppen erscheinen in spät mittelalterlichen vocabularen als übersetzungen von lat. 'olla' gloss. 395 b Diefenbach; von 'lebes' 321 c; von 'fictile' 233 b; auch von 'mulctrale' (milchpot) 370 a und 'oxigalus' (essigpot) 404 b. auch in mittelfränk. gedichten stehen die unverschobenen formen: in den wechselreden des Salomon und Morolf doppen im reim, duppen im versinnern (vgl. im folg.); ebenso im Karlmeinet:
si deden as der hund deyt,
dye syne pote in das duppen sleyt
6, 2 Keller.
das westmd. neutrum mit dem stammvokal o in verschobener lautung hat offenbar schon die überlieferung von Eilharts Tristan festgehalten in dem dat. plur. topfen; denn das neutr. und nicht das masc. wird der dichter gebraucht haben, der auch sonst den westmd. und nicht den ostmd. wortschatz verwendete; vgl. Prager deutsche studien 4, 134. das töpfen ist dann vorübergehend zu weiter reichender literarischer geltung gebracht worden durch Luther, der diese form aus seiner westthür. heimatma. gekannt und auch bei der bibelübersetzung, besonders zu beginn, nicht verschmäht hat. es erscheint hier rund 30 mal; vgl. ¹topf III sp. 828 und th. 2, 1567. auch in den übrigen schriften des reformators ist es nicht selten. aber schon bei Luther erweist sich das masc. als erfolgreicher concurrent, neben dem sich nach ihm das neutrum in der schriftsprache nicht behaupten konnte. zwar wird es von lexicographen wie Alberus (1540) 956, Frischlin (1591) 287, Kramer teutsch-ital. 2, 1100 noch verzeichnet, aber schon im 16. und 17. jh. nur selten gebraucht. im 18. jh. ist das biblische subst. irrthümlich als masc. aufgefaszt worden von Adelung 4, 629; Campe 4, 850; auch sonst gelegentlich, z. b.:
(sie) rührt keinen töpfen an, kocht weder grütz noch kraut
Rachel sat. ged. 35 neudr.
das neutrum mit dem stammsilbenvocal u findet sich in verschobener lautung zuerst in den fränk. Hildegardsgll. aus dem 12. jh. als dupfen 'olla' 3, 400, 70 Steinmeyer-Sievers; dieselbe form auf fränk. boden begegnet auch z. b. in des meisters Bartholomäus arzneibuch 44 Jos. Haupt; mehrfach auch in Marburger hexenproceszacten nach Vilmars kurhess. wb. 413. das düpfen auf elsäsz. boden erscheint z. b. in einem Straszburger hausratsgedicht um 1514: (vgl. Hampes drucke und holzschn. II 37); in der Züricher bibel (1534) steht die form düpffe 3. Esra 1, 12; tupffe 2, 14.
1)
man hat die īn-ableitung ursprünglich gebildet zur bezeichnung des mit deckelverschlusz versehenen irdenen gefäszes, das besonders in der küche und auf der tafel benötigt wird; ihr gebrauch ist aber schon früh verallgemeinert und auf die benennung von gefäszen verschiedenster beschaffenheit und verwendung erstreckt worden. gerad als 'dreibeiniges kochgerät' erscheint noch das elsäsz. und westschweiz. tüpfi Martin-Lienhart 2, 703; Seiler 91; Hunziker 55; Stalder 1, 328; als 'pfanne ohne stil', 'patella' wird das düpffe auch von Maaler 93 b verzeichnet. als 'deckel-' und 'henkelgefäsz' ist besonders das westmd, döppen, däppen sprüchwörtlich: jeder döppe hat singe decksel Weitz Aachen 36; 't ass kên döppen esoᵘ klĕng, et fönt sein deckel 'jedes frauenzimmer findet seinen mann' luxemb. wb. 67; klän deppen hun och oᵘhren 'kleine kinder horchen gern' Follmann 90. bod dess töpffens 'ollœ fundus' Frischlin nomencl. 287; wans döppen an boden dächt, was solt's gelten, es wer nit überlauffen Crecelius oberhess. 1, 281. en âlt dippen nennt man auch 'ein altes weib' luxemb. wb.; du bøs ən døpən fam joŋən du bist ein dummer junge Leihener Cronenb. 22; dummes töpfe schilt man einen 'einfältigen menschen' Spiess henneb. 256; su ä dummes tippen ist 'ein törichtes frauenzimmer' Jecht mansf. 112 a; auch in Basel ist düpfi ein 'einfältiges mädchen' Seiler 91; in der Schweiz ist glückstüpfi auch ein 'glückskind' Gotthelf schriften 7, 166. nach dem material, aus dem es hergestellt ist, unterscheidet man z. b. ein irden, käfferen, eiseren däppen siebenb.-sächs. wb. 2, 93. die herstellung feinerer thonwaaren durch zunftmäszig organisierte handwerker ist auf mittelfränk. boden im 16. jh. nachweisbar; z. b. in einer bittschrift der Kölner duppenbäcker an den stadtrat um eine zunftordnung: wie das men vurmails dat werk als duppen, kachellen und kannen backen mit groissen swaren costen uislendsch ... zo holen plach nach O. v. Falke, das rhein. steinzeug 118; in der ersten Westerwälder zunftordnung: ... sollen die Sieberter krossenbecker kein krog noch düppen auf die Horner weis und gattung ... machen ebenda. das gebrechliche thongefäsz wird leicht zerschlagen: yhr seyt ein yrdisch und gebrechlich gefesse wie ein topffen Luther 23, 475 Weim.; nach psalmen 2, 9 (vgl. sp. 830) heiszt es:
du sollst, wie töpfen, die zerschmeiszen,
die dein so sanftes joch zerreiszen
J. A. Cramer in Gottscheds neuestem aus der anm. gel. 5, 632;
(er ward) zornig und schlug die töpffen beim feuwer aller entzwey Kirchhof wendunmuth 2, 315; dem kinde, das gelangweilt fragt wat sal ich dān? antwortet man neckend mer sellen de däppen zeschlōn siebenb.-sächs. wb. 2, 93;
ach frächen, gebt uns ein fastnachtsei,
sonst schlien mer euch euer düppen entzwei
Schmitz Eifel 1, 14;
mer soll de alte dippe nit verschlōn, bets mer e noᵘe hat Follmann lothr. 90; das zerschlagen von ą̂lden däppen ist hochzeitsbrauch nach dem siebenb.-sächs. wb. 94. am dritten ostertag wird mit verbundenen augen däppe schlôn gespielt; vgl. siebenb.-sächs. wb. u. s. topfschlagen sp. 831. das gefäsz ist koch- und eszgeschirr:
dô quâmen geloufin die koche
mit pfannen und mit topfen
Eilhart Tristan 6408 Liechtenstein;
troszbuͦb, der die töpffen wescht Alberus f. 1ᵇ; wie ein topfen ubir dem fewr fur hitz schewmt und ubirgeht, alszo ausz groszer lieb prediget er das wort gottis Luther 8, 204 Weim.; die töpfen, kessel, pfannen sieden ... bei dem feuer kunst über alle künste 158, 15; en döppen, dāt kacht, läft līcht iwer luxemb. wb.; kleng döppen lâfe gⁱer iwer ebenda; in einem töpfen, kochen, sieden, braten, prägeln, stoven Kramer teutsch-ital. 2, 1100; in em alte dippe kocht mer de bescht rindfläschsupp Follmann lothr.; und zerlegts wie im töpffen Dannhawer catechismusmilch 3, 139; so wirt das topffen sein wie die suppen Luther 6, 584 Weim., das töpffen ist zubrochen und die suppen verschüt 30 ii 196; wie stro ym sacke odder wie brod ym korbe und fleisch im topffen 26, 340 Weim.; so ein herrlich töpffen ist es, dasz meine altmutter ihre beste sauermilch allwegen darinnen gezeuget hat Agyrtas grillenvertreiber 199; ein muͦsz im düpffe gekochet Maaler 93ᵇ; nach 2 könige 4, 40 (vgl. sp. 833) heiszt es:
der teuffel danck ihm der wolthat,
die nichts denn tod im topffen hat
Rollenhagen froschmeuseler H ⅠⅠⅠᵃ.
dem inhalte nach unterscheidet man z. b. das fleischtöpffen 2 Mos. 16, 8; im elsäsz. das eiertüpfi, bappentüpfi Martin-Lienhart 2, 703; im westmd. das kraut-, schmalz-, milchdöppen; das pâlêdäppen ist im siebenb.-sächs. ein gröszeres, meist kupfernes gefäsz zum branntweinbrennen; nach dem siebenb.-sächs. wb. 2, 94.
sage diner muder, das sie by czijden
mir sende foll milch eyn doppen,
das solle sie schone stoppen
mit eyme fladen von der ku
Salomon und Morolf 683 Hagen-Büsching;
eyn rintz dreg er uff das duppen slug
706.
im lothr. ist der dippe fruchtmasz: en kleiner dibbe = 10 l, en grosser dibbe = 20 l Follmann 90. das mit dem wort bezeichnete gefäsz findet auch sonst vielfach verwendung. es ist z. b. ein unentbehrliches stück im inventar auch der hexenküche: ein döpffen oder hafen ist ein gemein instrument und werckzeug der zäuberin Nigrinus von zäuberern, hexen 70; es wird als nacht- und waschgeschirr (waschtöpfen psalmen 59, 10) gebraucht; ferner z. b. zur förderung von erzen im bergbau: das töpffen so es gefüllet ist, sol mitt einem irdischen treibhut bedeckt ... werden Agricola-Bech bergwerckbuch 370; mit dem gefäsz sammelt der bettler milde gaben: das töpfen anzäunen, mit dem töpfen herumgehen 'imbrigliare la pentola, andare attorno colla pignatta' wird gebraucht in dem übertragenen sinne von 'andar mendicando con una pignatta imbrigliata ò incordata in mano, mendicare- Kramer teutsch-ital. 2, 1100.
2)
die bildung mit dem stammsilbenvocal o ist zur zeit, als īn-ableitungen vorwiegend in demin.-function gebraucht wurden, auch als verkleinerung zu dem entsprechenden grundwort aufgefaszt worden, und darauf beruht der noch fortbestehende gebrauch von westthür. döpfen im sinne von 'deckel', von mittel- und rheinfr. döppen und westthür. döpfen im sinne von 'schädeldecke, kopf'; vgl. ¹topf III sp. 825. man sagt einem aufs töppe hauen, auch einem aufs döppe geben 'auszanken, derb abführen' Schmidt westerw. 257; øməs get op ət døpən gēwən 'jemand hinter die ohren schlagen' Leihener Cronenb. 22. auch die verwendung des wortes in der redensart aus holem topffen reden 'sinnlos schwatzen' hat seinen gebrauch in der bedeutung 'kopf' zur grundlage. die wendung steht in Luthers sprichwortsammlung nr. 137 Thiele. aber schon Luther selbst hat das neutr. auch in diesem zusammenhang als gefäszbezeichnung und das gefäsz an sich als das bild für den 'kopf ohne gedankeninhalt' aufgefaszt, denn er schreibt z. b.: glawb myr alsz dem, der solchs erfarn und vorsucht hat und nit ausz eynem topffen redt 10 i 193 Weim.; gleub sicherlich, S. Peter redet hie ausz keynem topffen 10 ii 129; ferner das heist nicht auss eim ollula geredt 28, 63; non loquor ex olla 27, 119. von den nachahmern Lutherschen sprachgebrauches ist das neutr. durch synonym. gefäszbezeichnung ersetzt worden; so durch das masc. von Dannhawer: der schelm redete als wann er aus einem holen topf redete nach Alemannia 18, 42; andere wie Murner, Fischart, Otho, Grimmelshausen, Albertinus schreiben aus holem hafen reden theil 4 ii 123. Heyne hat im wb. vermutet, dasz damit auf ein altes gauklerkunststück angespielt sei und Pietsch in der Weim. Lutherausgabe 28, 63 erklärt: '(in folge der unnatürlich klingenden stimme) unverständlich, ohne wirkung, vergeblich reden'; aber es liegt offenbar ein sprachliches miszverständnis zu grunde, und die ursprünglich sinngemäsze faszung des wortlautes ist aus holem töpfen ('kopfe') reden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 846, Z. 44.

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Zitationshilfe
„topfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/topfen>.

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