Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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topp, interj.

topp, interj.
der zustimmung, besonders beim bekräftigenden handschlag und beim zutrinken, wenn man die trinkgefäsze zusammenstöszt. der ausruf hat in der nhd. schrift- und umgangssprache des 18. und 19. jhs. allgemeine geltung erlangt, nachdem er gegen ende des 17. jhs. aus der niedersächs. volkssprache in die obersächs. literatursprache aufgenommen worden war. er taucht zuerst in Reuters Schelmuffsky auf, in wbb. wird er zuerst von Rädlein (1711) 1, 881 und Sperander frauenz.-lex. (1727) 743ᵇ verzeichnet, regelmäszig seit Adelung 4, 929 und Campe 4, 851. schon diese lexicographen haben auf die mitunter ähnlich verwendete franz. interj. (je) tope! hingewiesen, die aus der älteren redensart beim kartenspiel je tope et tingue stammt und eigentlich 'ich will beim spielen mithalten' bedeutet. die bestimmte meinung, dasz das wort mit anderen spielerausdrücken etwa im 17. jh. aus Frankreich importiert wurde, ist auf grund einer brieflichen mittheilung Schmellers von Weigand synon. (1843) 3, 735 aus gesprochen und nach ihm in den etym. handbüchern allgemein wiederholt worden. diese herleitung steht aber im widerspruch mit der thatsache, dasz der deutsche ausruf in einer allgemeinen verwendung erscheint, die auf einen besonderen gebrauch gerade beim spiel nicht zurückgeführt werden kann. aus seinem auftreten auch in nieders. redensarten wie topp machen 'eine vereinbarung treffen' und besonders topp halten 'an einem vertrag festhalten', ferner in der schon in einem diplom von 1351 festgehaltenen, das 'handgeld' als symbol der rechtsgültigkeit eines abgeschlossenen vertrages bezeichnenden zusammensetzung toppschilling ist vielmehr erschlieszbar, dasz das wort, wie schon Adelung und J. Grimm rechtsalterth. 2⁴, 148 erkannt haben, aus der altniederd. rechtssprache stammt und dasz seine verwendung in der rechtssprache zusammenhängt mit dem gebrauch der verbalbildungen niederd. tippen, stippen und hochd. tupfen als ausdrücken für eine die rechtsgültigkeit symbolisierende 'berührung'. der ausruf topp!, der noch heute vielfach den handschlag begleitet, ist nichts anderes als das niederd. subst., das die feierliche, die rechtsgültigkeit einer vereinbarung bekräftigende berührung, ursprünglich eine 'berührung' überhaupt bezeichnet. als sprachliche bildung ist die form topp das ergebnis einer umgestaltung der lautung dopp, die die function eines die 'berührung' ausdrückenden verbalabstracts hatte; vgl. ¹topf I sp. 815 ff. die verhärtung des dentalanlautes war die folge einer formangleichung. neben den ursprünglichen bildungen des verbalabstracts dopp- ˂ dupp- und des verbs duppjan stehen in den bedeutungen 'eintauchen' und 'berühren' als alte doubletten stopp- ˂ stupp- und stuppjan mit einem offenbar von haus aus als präfix vorgeschlagenen s, nach dem das anlautende d des wortstammes zu t sich verhärtet hat. der zusammenhang der formen mit westgerm. d und der mit st erhellt aus der thatsache, dasz diese genau dieselbe bedeutungsentwicklung erkennen lassen, die unter ¹topf I und II für jene nachgewiesen werden konnte. unter der einwirkung der parallelformen mit anlautendem st ist dann auch der einfache anlaut schon im westgerm. mitunter zu t verhärtet worden, so dasz topp- ˂ tupp- und tuppjan als tripletten sich ergaben. im hochd. ist allerdings der gebrauch der den niederd. formen mit t und pp entsprechenden bildungen mit z und pf auf ganz bestimmte functionen eingeschränkt worden; vgl. topp, m. 4 d. nach der hochd. lautverschiebung waren eben gerade die den niederd. formen mit anlautendem d entsprechenden bildungen mit anlautendem t in ihren ursprünglichen verwendungsarten durch die parallelformen mit anlautendem st gestützt, und daher haben zupfen und zopf in diesen bedeutungen sich nicht durchzusetzen vermocht. in ihren ursprünglichen und übertragenen verwendungen sind aber die westgerm. bildungen mit dem verhärteten dentalanlaut auch auf engl. boden heimisch und besonders vom niederd. aus zum theil schon sehr früh auch in die nordgerm. und roman. sprachen eingedrungen. die von altniederfr. topp 'berührung' abgeleitete verbalbildung liegt dem roman. toppare zu grunde, dessen entsprechungen z. b. im ital. und span. 'stoszen, antreffen' bedeuten. auf eben dieses verb geht auch franz. toper 'mithalten im spiel' zurück; in derselben bedeutung wird auf niederd. boden die form mit umgelautetem u der stammsilbe gebraucht, und hier ist tippen dann auch der name für ein kartenspiel (vgl. z. b. Bernd Posen 315). diese bezeichnung mit dem verb in der bedeutung 'berühren' ist darin begründet, dasz man seine bereitschaft mitzuspielen durch eine hörbare berührung der tischplatte mit dem finger bekundet. in dieser anwendung des aus dem niederd. entlehnten verbs hat das franz. (je) tope! seinen ursprung. das deutsche topp! hingegen steht in unmittelbarem zusammenhang mit dem bodenständigen gebrauch des wortstammens in der alten rechtssprache. besonders die verschiedenen verbalformen erscheinen in volksthümlicher, rechtssprachlicher verwendung: vgl. tupfen, zesamentupfen, eintupfen bei Schmeller 1², 615; gestuppen, gestippen, upstippen bei Schiller-Lübben 2, 86 und 5, 135. auch das niederd. verb tippen ist in der bedeutung 'durch feierliche berührung die rechtsgültigkeit bekräftigen' vorauszusetzen, und dem entsprechend ist topp als ausdruck auch für eine die rechtsgültigkeit bekräftigende berührung gewisz schon im frühen mittelalter auf niederd. boden gebräuchlich geworden. neben der hart anlautenden wird aber die ursprüngliche, weich anlautende form dopp auch in der rechtssprache noch lange zeit hindurch verwendung gefunden haben. ihr rechtssprachlicher gebrauch ist auch noch erschlieszbar aus dem erscheinen der mit d anlautenden secundären verbalableitung in entsprechender bedeutung auf holstein. boden: aus Nortorf wird von einer alten linde berichtet, 'unter deren zweigen ehemals gerichte, feste, trauungen, contracte usw. vollzogen wurden, man machte alles nur mündlich ab und versiegelte es, wie man sagt, mit einem doppen. das doppen bestand nämlich darin, dasz man den daumen nur gegen den stamm der linde setzte' Müllenhoff sagen 110. mit weichem anlaut wird sogar auch die interj. noch im 18. jh. mitunter literarisch festgehalten: dop! Stoppe Parnasz (1735) 324. als bezeichnung einer berührung überhaupt ist im niederd. topp meist durch tipp verdrängt worden; aber die bildung mit dem stammvocal o tritt doch gelegentlich als ausruf auch dann auf, wenn dieser eine berührung begleitet, mit der nicht eine rechtsbekräftigung oder feierliche zustimmung ausgedrückt werden soll: (er schrie) mit seiner baszstimme: 'topp, da hab ich es'; er schlug dabei fröhlich auf die landkarte neben ihm Eichendorf sämtl. werke 3, 87. wirklich lebendig geblieben ist topp jedoch nur in dem isolierten gebrauch als interj. der feierlichen bekräftigung und zustimmung beim handschlag und beim festlichen anstoszen mit dem trinkbecher.
1)
niederd. topp gilt heute noch auch als subst. in der bedeutung 'schlag', besonders 'handschlag bei kauf und tausch' Woeste westf. 273; im westf. verwendet man auch die redensart topp um topp! wenn man 'einen tausch eingeht ohne dasz dabei zugegeben wird', also eigentlich im sinne von 'handschlag gegen handschlag' ebenda. das subst. kann dann nicht nur das eine vertragschlieszung begleitende rechtsbekräftigende symbol, sondern auch den rechtsgültigen vertrag selbst bezeichnen: diese bedeutung hat es in der zs. toppschilling, d. i. die bei einem rechtsgültigen vertrag als anzahlung gegebene münze; die wendung top holden wird von Voss in der anm. zu seiner idylle 'der winterabend' v. 60 erklärt durch 'den vertrag halten'; nach Adelung und Campe bedeutet die redensart auch 'die wette, das wort halten, fusz, stand halten'; he will nig topp (tipp) holden 'er will sich von der verbindung los machen, nicht aushalten' brem.-nieders. wb. 5, 83; er musz topp (tipp) halten 'er musz mit sich machen lassen, dableiben' Schütze holst. 4, 262; nun mein geschäft hier abgethan ist, sehne ich mich nach Göttingen zurück, musz aber noch der gastereien wegen etliche tage topp halten G. Forster 7, 404. als das subst., das die thätigkeit beim handschlag ausdrückt, erscheint das wort auch in der wendung topp machen: und nun, mein lieber herr professor, wäre denn ihre wette verloren, wenn sie hätten toppmachen wollen Hermes Sophiens reise 3, 48; bildlich: hat man's nur erst soweit im reinen, dasz die gemüther topp machen, wutsch! nehmen die körper ein exempel Schiller 3, 358 G. meist ist topp einfach interj. der bekräftigung und zustimmung, oft aber gerade beim handschlag: wenn ein paciscirender oder negotiirender theil dem andern die hand beut, und jener den vorhabenden tractat, contract oder handel acceptiret und gutheiset, mit seiner hand zuschläget und top! spricht, ist es eben so viel als: ja, gut, es sey also! Sperander frauenz.-lex. 743ᵇ; vgl. Rädlein 1, 881;
'die wette biet' ich!' 'top!' 'und schlag auf schlag!'
Göthe 14, 81 Weim. (Faust 1698);
top! sagt ich gleich, ich schlage ein
Tieck 1, 343;
geb sie mir ihre hand, frauenzimmerchen! topp! Lessing 2, 264 M; 'gib mir deine hand, ich will dich bei mir behalten ...' 'topp Lavagna! ich bin euer ...' Schiller 3, 81 G. doch auch wenn sie nicht den handschlag begleitet, verräth die interj. als ausdruck einer feierlichen bekräftigung und zustimmung ihre herkunft: worauff ich auch alsobald tob sagte Reuter Schelmuffsky 119 neudr.; top! es seye zugesagt Melissus Salinde (1718) 57;
top! riefen die ritter, der alte wassermann spricht
wie ein orakel!
Wieland Amadis 8, 5;
topp, kanzler, euren vorschlag nehm' ich an
Grillparzer 6, 82.
2)
die verwendung der interj. beim zutrinken geht auf den gebrauch des subst. als ausdruck für das feierliche zusammenstoszen mit den trinkgefäszen zurück. man sagt topp! im sinne von 'er lebe!' Rädlein 1, 811; vgl. Sperander frauenz.-lex. 724; topp kamerade! schrie er, indem er eine zinnerne flasche aus seiner jagdtasche hervorlangte, einen kräftigen schluk daraus that und mir sie reichte Schiller 4, 75 G.;
top! es leben alle,
die bey diesem falle
der toback ergetzt!
drum, ihr brüder! raucht und netzt
Günther 920;
top! top! kling! klang! das ging herum
Göthe 14, 184 Weim. (Faust 3634).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 863, Z. 64.

topp, m.

topp, m.,
in der nhd. schrift und umgangssprache nur als ein aus dem niederd. aufgenommener ausdruck zur bezeichnung des obersten theiles der masten und stenge; in den niederd. maa. ist der gebrauch des subst. reich entwickelt. das wort ist als isolierte bildung dunkler herkunft bezeichnet worden; s. die artikel zopf und topp in den etym. handbüchern. man hat allgemein verkannt, dasz das niederd. subst. als sprachliche bildung mit der gleichlautenden niederd. interj. zu identifizieren ist und dasz die verschiedenen gebrauchsweisen dieses subst. auf seine ursprüngliche verwendung zur bezeichnung des begriffes einer berührung zurückzuführen sind. es konnte dann auch den punkt als die sichtbare spur einer berührung, den berührenden äuszersten theil an einem gegenstand, besonders die berührende spitze, ferner auch eine plastisch hervortretende punktartige formerscheinung und den als punktartige formerscheinung vorgestellten obersten abschlusz auf einem gegenstand bezeichnen. in allen diesen gebrauchsweisen der westgerm. substantivbildung topp ist auch die westgerm. substantivbildung dopp nachweisbar; vgl. ¹topf I und II. die auffassung, dasz einfach eine schon in westgerm. vorzeit durchgeführte verhärtung des dentalanlautes der bildung dopp der neubildung topp zugrunde liegt, ist unter topp interj. begründet worden. ebenda konnte auch die sprachliche begründung für die erscheinung gegeben werden, dasz die hochd. entsprechung zopf in functionell beschränkter verwendung auftritt, während die verschiedenen auf niederd. und engl. boden heimischen verwendungsarten der form topp zum theil gewisz schon im frühen mittelalter auch über das gebiet der nordgerm. und romanischen sprachen sich verbreitet haben. zu dem niederd. subst. in seinen verschiedenen bedeutungen sind vielfach secundäre verbal- und substantivableitungen in entsprechenden functionen gebildet worden; vgl. im folg. toppen, toppe, toppel, toppeln. die niederd. substantivbildung topp(e) begegnet in ihren verschiedenen gebrauchsweisen meist als starkes, seltener als schwaches masc., aber auch als fem. kann sie gelegentlich auftreten. der plural erscheint gewöhnlich in nicht umgelauteter, doch manchmal auch in umgelauteter form.
1)
das wort hat eine 'berührung' überhaupt bezeichnet, besonders aber die berührung als rechtsbekräftigendes symbol, dasz es schon im altniederfr. der ausdruck für eine vergröberte berührung wie den 'stosz' und den 'schlag' gewesen ist, kann aus der entsprechenden verwendung der in die roman. sprachen entlehnten secundären verbalableitung noch erschlossen werden; vgl. ¹topf I 2 a; topp interj. und toppen 1.
2)
das wort bezeichnet im niederl. und nieders. die 'berührende spitze'. top ist z. b. im niederl. auch die 'fingerspitze'; s. ¹topf II 3 a. besonders der 'daumen' wird topp genannt, dessen berührung vielfach als rechtsbekräftigendes symbol geltung hatte, und topp halten heiszt im holstein. auch 'den daumen zum eidschwur emporhalten': aus Rendsburg wird berichtet, dasz der könig Friedrich III zur bekräftigung des versprechens seinen kutscher nicht mehr prügeln zu lassen auf dem Hausberge, der in alter zeit gerichtsstätte war, den daumen in die höhe halten muszte, und dasz er dazu von dem holstein. bauernjungen aufgefordert wurde mit den worten üm dat ek seker bön, so schast du my awer topp holen Müllenhoff sagen 529. auch ein zugespitzter holzkeil kann im niederd. mit dem subst. bezeichnet werden; vgl. ¹topf II 1 a und s. töppchen. dasz schon altniederfränk. topp als ausdruck für den spitzen holzklotz galt, ist aus dem gebrauch der ins altfranz. entlehnten bildung zur bezeichnung des kreisels erschlieszbar; s. ¹topf II 1 d und ⁴topf.
3)
das wort bezeichnet den als berührungsspur vorgestellten 'punkt'; s. ¹topf I 2 b. im mnd. ist topp auch ein kleiner fleck: eyn pallen (eine altardecke) myt eynem listen vor dale myt witten, gronen, roden toppen Hamb. zunftrollen 58 Rüdiger. dann kann topp auch eine plastisch hervortretende punktartige formerscheinung bezeichnen, besonders einen kleinen 'knopf' oder ein plättchen als verzierung auf beschlägen; in einem Wismarer inventar von 1532 werden angeführt in dat erste 3 sweydeler mit symde, 1 roden, 2 grone ..., de rode hefft 6 lot sulwers, dar is dat up vorslagen, und hefft 5 toppe ... it. de ander grone hefft ock 5 toppe ... it. noch ene grone taske, heft nene toppe nach Schiller-Lübben 4, 577; vgl. ¹topf II 4 a. auch in solchen bedeutungen sind offenbar schon altniederfränk. bildungen ins roman. gedrungen; es kann auf älterer franz. vermittlung beruhen, wenn mit ital. toppe die 'flickstücke', z. b. auf schuhen und kleidern über schadhaften stellen, dann auch die ausgebesserten stellen auf gemälden bezeichnet werden und wenn ganz entsprechend der unter ¹topf II 4 b nachgewiesenen verwendung von niederl. dop zur bezeichnung der kreisförmigen erhebung auf der rückseite eines schlosses, in der der schlüssel steckt, ital. toppa auch in der bedeutung 'vorlegeschloss, thürschloss' erscheint; vgl. Körting lat.-roman. wb.³ nr. 9595.
4)
das wort bezeichnet den ursprünglich als punktartige formerscheinung vorgestellten obersten abschlusz auf einem gegenstand, dann besonders die 'höchste spitze' überhaupt; vgl. den entsprechenden gebrauch von niederd. dopp(e) unter ¹topf II 5 und 6.
a)
topp kann den obersten abschlusz, die höchste spitze jedes emporragenden gegenstandes bezeichnen. schon in der ags. überlieferung ist z. b. die gl. festgehalten: 'apex, summitas galeae' helmes top nach Bosworth-Toller 1002; im mnl.: den top van der mitre 'die spitze der bischofsmütze' Verdam handwb. 599; aber auch der 'helm', die 'haube' selbst heiszt im mnl. gelegentlich top ebenda; vgl. ¹topf II 5 c. in einer mnd. aufzeichnung ist topp z. b. auch die spitze eines emporgerichteten sackes: alze de sack vul is, so rychtet em de top nach Schiller-Lübben 4, 576; im fries. und im ostfries. platt gilt das wort auch von der 'thurmspitze': de top fen'e toer Dijkstra 3, 302; Doornkaat-Koolmann 3, 425; allgemein im niederl., fries. und nieders. auch von der spitze des berges, dem 'bergesgipfel': Verdam mnl. handwb. 599; op de toppen der bergen v. Dale groot woordenb. 1786; in bergtopp Dijkstra; brem.-nieders. wb. 5, 82; mit der halb verhochdeutschten form topf hat der Hamburger Rist den gipfel seines bekannten musenhügels apostrophiert: neuer teutscher Parnasz (1652) 444. in abstrahierender verallgemeinerung kann dann das wort besonders im engl. und fries. überhaupt 'das oberste, das höchste' bezeichnen; entsprechend dem engl. sprachgebrauch wird auch in der nhd. umgangssprache vielfach tipp topp im sinne von das 'höchste vom höchsten, das feinste vom feinsten' verwendet.
b)
topp als bezeichnung des obersten abschlusses und der höchsten spitze eines emporragenden gegenstandes wird besonders häufig in der niederd. seemannssprache verwendet, und diese verwendung des subst. hat auch in der nhd. schrift- und umgangssprache geltung erlangt. im engl. ist der gebrauch des wortes als seemannsausdruck ein mehr beschränkter, in die nordgerm. und roman. sprachen ist es als solcher gewisz aus dem niederd. aufgenommen worden. im sprachgebrauch der nieders. und niederl. und darnach auch der schwed., dän. und norweg. seeleute wird der obere theil jedes aufrechtstehenden holzes topp genannt, und in dieser bedeutung gilt tope als seemannsausdruck auch im ital., span. und portug., während im engl. head, im franz. tête der entsprechende nautische terminus ist. man spricht fachgemäsz im deutschen besonders beim schiffbau von dem topp der spanten, der heckstützen, der bauchstücke, der innhölzer, der klüshölzer usw. vor allem aber wird im niederd. und skandin. der oberste theil der masten und stengen des schiffes mit dem wort bezeichnet. im engeren, fachgemäszen sprachgebrauch ist der topp des mastes, auch engl. topmast, das oberste stück des mastes von dem punkt an, an dem seine bewegliche fortsetzung, die (bram-) stenge angefügt ist. eine 'lange bramstenge' kann eine weitere (ober-)bramstenge als bewegliche verlängerung haben, und der topp der bramstenge oder bramtopp ist der oberste theil der bramstenge von dem punkt an, an dem die oberbramstenge angefügt erscheint. der oberste theil der oberbramstenge heiszt das reil-, reueltopp, engl. royalpole. auch das darüber emporragende, letzte stück wird topp genannt; es trägt an seiner spitze mitunter einen runden kopf mit scheiben, an dem die flaggen aufgeheiszt werden, und hat dann auch den namen flaggentopp oder scheibentopp. ein langes, letztes emporragendes stück heiszt langer topp, ein kurzes stumpfer topp. ferner werden die verschiedenen mastspitzen eines drei- oder fünfmastigen vollschiffes nach den namen der masten unterschieden und die bezeichnung der spitze gilt dann auch als collectivbenennung des ganzen mastes; ein dreimaster hat einen vortopp, grosztopp und kreutztopp oder besanstopp, ein fünfmaster überdies einen mitteltopp und achtertopp oder laeistopp. zur verwendung von topp als ausdruck der seemannssprache vgl. die artikel bei Röding wb. der marine 2, 795 ff.; Bobrik naut. wb. 692 f.; Stenzel seemänn. wb. 422 f. auf niederd. boden ist das wort als bezeichnung der mastspitze auch in der gewöhnlichen umgangssprache geläufig; man verwendet es z. b. in der volksthümlichen redensart: he settet daran, wat topp und seil liden kann 'er wendet alles mögliche an, er bestrebt sich nach äuszerstem vermögen' brem.-nieders. wb. 5, 82; es begegnet in mnd. denkmälern, z. b. in der chronik aus dem 15. jh. des Lübeckers H. Korner: wunden se tohant ere zeghele in den top nach Schiller-Lübben 4, 576; es erscheint schon in dem gedicht eines wanderpoeten aus dem 13. jh., der an den höfen Norddeutschlands viel herum gekommen ist, in den hss. mit verhochdeutschtem auslaut:
sîn segel an den topf gevlochten sint mit rât
Heinrich v. Meiszen sprüche nr. 339, 3 Ettmüller.
aber viel später erst ist topp als die 'spitze des mastbaums' in der hochd. schrift- und umgangssprache allgemein gebräuchlich geworden; noch Adelung 4, 630 erwähnt das subst. auch in dieser bedeutung nur als nieders. dialectausdruck, regelmäszig wird erst seit Campe 4, 851 seine verwendung in der seemannssprache als nhd. normalgebrauch von den lexicographen anerkannt. seit dem ausgang des 18. jhs begegnet die bezeichnung auch mehrfach in der literatur:
(er) stellt die rahen am topp in die quer' und bereitet am mastbaum
ganz die segel herab, und empfäht nachwehende lüfte
Voss Ovids verw. 49, 66;
(sie) sah über das weite schiff und hinauf nach den toppen G. Frenssen Hilligenlei 229. auch redensarten mit dem wort, die in der seemannssprache geläufig sind, werden gelegentlich schriftsprachlich gebraucht; die toppen beisetzen 'die segel an den masten beisetzen': (es) wurden alle toppen wieder beigesetzt und das schiff flog schnell über die wogen hin Kotzebue reise um die welt 2, 149; vor topp und takel lenssen, treiben 'bei heftigem sturm, wenn alle segel eingezogen sind, nur mit den masten und dem tauwerk lenssen, treiben': dasz ihr ... vor top und takel jaget Kosegarten rhaps. 2, 60. vom reepschläger wird auch der abgestumpfte kegel an seiner maschine zum drehen von schiffstauen als hoofd, lehre, topp bezeichnet; vgl. toppschlitten und s. Röding und Bobrik.
c)
topp bezeichnet die oberste spitze einer emporwachsenden pflanze und den wipfel eines baumes. als spitze der pflanze kann ihre blüte oder frucht gelten: nym den top der marrubie in einem alten Gothaer arzneibuch nach Schiller-Lübben 4, 576; nach ihrer spitze kann dann auch jede emporwachsende pflanze selbst topp genannt werden Woeste westf. 273; diese bedeutung des subst. liegt offenbar auch seiner collectiven verwendung im mnd. zu grunde bei der beschreibung des unbeweglichen erbgutes, z. b. in einer aufzeichnung von 1481: de erven und gude hyr na bescreven myt toppe, torve, twyge, holte, heide, water unde weyde nach Schiller-Lübben 4, 576; collectiv wird topp auch im fries. gebraucht zur bezeichnung der noch auf dem felde stehenden, aber zur mahd reifen getreidefrucht: (er soll) de top forkeapje en it nijgêrs forhiere Dijkstra 3, 302; vgl. toppgras. weit verbreitet ist topp als bezeichnung für den wipfel, die krone des baumes; im niederl. nach v. Dale groot woordenb. 1786; im nieders. nach Adelung 4, 630; Campe 4, 851; Woeste westf. 273; Bauer-Collitz waldeck. 104; brem.-nieders. wb. 5, 82; de top fan de bôm kikt bafen alle hûsen henût Doornkaat-Koolman 3, 425; en'n bâm med den tope Schambach 232; aber auch die einzelnen astspitzen und äste werden mit dem wort bezeichnet: de toppen fan de bomen ofsniden Doornkaat-Koolman 3, 425; und heeu de eyckboeme alle de toppen afft münster. chroniken des mittelalters 1, 112 Ficker. auch als fachgemäszer ausdruck des forstwesens ist topp 'wipfelende' gebräuchlich, mitunter in der künstlich verhochdeutschten form zopf; vgl. im folg. toppholz und toppwelle.
d)
topp ist der oberste abschlusz des kopfes. als bezeichnung der kopfspitze wird top im mnl. und mnd. vielfach verwendet Verdam handwoordenb. 599; Schiller-Lübben 4, 576; ebenso in der ags. überlieferung Bosworth-Toller 1002; auch im altfries.: nauder thi uresta top, ni thet nithereste clath 'weder die oberste spitze des kopfes noch das unterste kleidungsstück' fries. rechtsquellen 232, 21 Richthofen; 'vom scheitel bis zur sohle' heiszt im niederl. van top tot teen v. Dale groot woordenb. 1786; im ostfries. platt fan top to tên Doornkaat-Koolman 3, 425; unde begreep my in deme toppe mines houedes 'apprehendit me in cincinno capitis mei' Lübecker bibel, Ez. 8, 3;
Valentin de nam den cop
unde sluch den enen in den top
Valentin und Namelos 1321 nach Schiller-Lübben.
besonders gilt dann das wort als bezeichnung für das kopfhaar:
wert he oek olt unde grawet syn top
schip van Narragonien f. 37 nach Schiller-Lübben;
gy hebben seker yuwen top vorloren
dar tho dat fel van yuwen wangen
Reinke de vos 856 Prien.
auch den künstlich über der stirn aufgebundenen buschen oder wulst von haaren, der in älterer zeit die bevorzugte haartracht des mannes war, hat man mit dem wort bezeichnet. in dieser bedeutung ist das niederd. subst. schon früh in den skandin. norden gelangt und bereits in der altisl. überlieferung mehrfach festgehalten worden; vgl. Fritzner ordb. 3, 712. altniederfr. topp 'haarwulst' hat aber auch im roman. aufnahme gefunden, es erscheint bereits in der altfranz. überlieferung nach Godefroy 7, 746, und noch im neufranz. gilt die ableitung toupet 'stirnhaar'; vgl. toppée und toppieren. im nieders. ist topp dann auch der künstlich aufgebundene haarbusch, den das pferd auf dem kopf hat 'wie unsere moderne stutzer itzt ihre struppigte haarpulle auf dem schädel tragen' Schütze holstein. 4, 270; in dieser verwendung begegnet das wort auch im mnd.:
dem rosse lede he se up den top
Zeno 1149 Lübben;
he bant ome zagel [lies tagel!] unde top
ebenda 815;
das alliterierende wortpaar wird genau so wie in dem mnd. gedicht im altisl. zur bezeichnung der künstlich aufgebundenen mähnen- und schweifhaare gebraucht: hyggiđ svá til, sveinar! at hvárki bregđi lagi sínu toppr né tagl i hestinum fornaldarsögur 1, 80; im nieders. erscheint es auch in der bildlich im sinne von 'ich will alle nur erdenkliche mühe daran wenden' gebrauchten redensart daar will ik topp un tagel [nicht tögel!] ansetten brem.-nieders. wb. 5, 82. im altisl. begegnet das subst. auch als bezeichnung für das haarbüschel auf dem schädel eines bockes: lék at hafri sínum ok jafnaþi topp hans ok skegg Eyrbyggja saga, cap. 20, 8; im nieders. wird es auch auf die haarzotteln von schafen bezogen: dei töpe, dei se afsnîet von'n schâpen Schambach 232. im holstein. ist ferner 'eine henne mit einem federbusch auf dem kopf' een heen mit en topp Schütze 4, 276; im schwed. und norw. wird der 'hahn' selbst tupp genannt, im norw. auch die 'henne' tuppe Falk-Torp norw.-dän. et. wb. 2, 1272; im ostfries. platt gilt der ausdruck auch vom federbüschel auf dem kopf einer taube: de dufe hed'n top Doornkaat-Koolman 3, 425. dann bezeichnet man im nieders. verallgemeinernd 'ein büschel haare' überhaupt als een topp haare, een haartopp brem.-nieders. wb. 5, 82; Schambach 232; auch dieser gebrauch des wortes findet sich schon in der ags. und altfries. überlieferung, z. b. sa hwer sa ma ena monne top heres ofstat, thet ther folgath her and swarde and blod fries. rechtsquellen 119, 3 Richthofen. im nieders. heiszt vielfach ein 'büschel flachs' und ein 'büschel getreidehalme' topp; auch als maszbestimmung für eine bestimmte menge von flachs und von getreidehalmen ist das wort geläufig. in dieser verwendung scheint aber zum theil das stark flectierte masc. an die stelle des schwach flectierten subst. getreten zu sein, das zu der verbalableitung toppen 'greifen, fassen' neu gebildet worden ist; vgl. im folg. toppe 4. mit topp ist aber nicht nur der aufgeknotete 'haarbuschen' und 'haarwulst', sondern auch das 'haargeflecht' als schmückender oberster abschlusz des kopfes bezeichnet worden, dann auch die herabhängende 'haarflechte' brem.-nieders. wb. 5, 82; Schambach 223; de toppen hangen d'r bî dal Doornkaat-Koolman 3, 425. nur in der bedeutung 'haarflechte', dann auch 'flechte' überhaupt hat die entsprechende hochd. form zopf sich durchzusetzen vermocht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 866, Z. 23.

toppée, n.

toppée, n.,
der künstlich auf dem kopf über der stirn aufgebaute haarwulst, auch das gekräuselte stirnhaar als modefrisur nach franz. toupet; vgl. topp, m. 4 d. der ausdruck ist in südwestdeutschen dialecten geläufig (Basel, Elsasz, Lothringen, Luxemburg; vgl. die idiotika). in der obers. umgangssprache des 18. jhs. hat das wort die fremde lautung seines stammvocals verloren, und auch in der schriftsprache sind die formen toppe, toppee verwendet worden: das toppe, ein heldengedicht von J. J. Dusch (1751);
friesiert mich! ruft er aus, vor lust bebt sein toppee
Zachariä (1772) 1, 202.
Adelung 4, 630 hat die schreibung toppeh vorgeschlagen und auch die composita toppeheisen, toppehzange als namen für eine zange mit zwei langen schnäbeln, die zum umbiegen des haarwulstes verwendet wurde, verzeichnet; s. auch toppieren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 872, Z. 3.

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todängstlich torfkuh
Zitationshilfe
„toppée“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/topp%C3%A9e>.

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