Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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doppel, duppel, adj. und adv.

doppel duppel, adj. und adv.
zwiefältig, wie das lat. duplus duplex, niederl. dobbel dubbel, schwed. dubbel, engl. und franz. double, ital. doppio, span. doble. vereinzelt steht im mhd. in Wolframs Wilhelm dublîn (wær der halsberc niht dublîn 410, 21. vergl. Ben. 1, 160ᵃ. 403ᵃ) in dieser bedeutung und wird durch die romanische quelle des gedichts veranlaszt sein. unabhängig davon erscheint im 16 ten jahrhundert doppel, zunächst dem französischen double nachgebildet, neben doppelt; Diefenbachs Wörterb. von 1470 übersetzt duplex durch zwifach 102ᵇ, dess. Gloss. lat. germ. zwifachtig 192ᶜ. in der bibel gebraucht es Luther nicht, sondern zwiefach. die form dopfel (s. doppelspiel) in dem alten druck des lateinisch deutschen Freidanks und mehrmals bei Milichius. im 17 ten jahrh. dauert es fort, doppel duplus, geminus, bipartitus Schönsleder L 3. doppel dupel Henisch 729. im 18 ten behält doppelt die oberhand, das Frisch und Steinbach allein anführen. nur in zusammensetzungen dauert doppelt fort, auch hat es Voss wieder vorgebracht, wiewol er gewöhnlich doppelt gebraucht.
1.
so wolt ich geben düppel sold
Murner Luth. narr 3254.
drum soll man euch doppel strafen
Soltau 2, 223, 7.
für duppel wahr (waare) gibt man billich duppel geld Luther 3, 529. es wäre denn dasz sie allein unter allen christen hetten einen duppel Christum, ein duppel sacrament und sie duppelchristen heiszen wolten, von welchen gott nichts weisz 6, 321ᵇ. füren sie an sehr ferre untügliche leere orte, daraus die leut dopfel schaden bekomen Milichius P 1ᵃ. es bringe denn dopfel gewin und ubernutz S 1ᵇ. duppel so viel zu geben Frankf. reform. 9, 2. § 3. in einen duppeln frefel condemnieren 10, 2. §. 10. so hab ich keinen doppeln harnisch Buch der liebe 14, 1. doppel oder zweifacher lon Maaler 91ᶜ. dople widergeltung hoffen Agricola Sprichw. 141ᵇ.
und durch sich selbst in topler art
sein herzlich liebe offenbart
Ringwald tE. ⅭⅤⅠⅠᵇ.
ich trug ein toppel weit gekrös
J iiiᵃ.
der du des todes kraft hast gänzlich uberwunden
und durch dein duppel ritterschaft den drachen fest gebunden
Ev. P 1ᵃ.
hette ein fürst ihm solche doppel und fester verbunden Kirchhof Discipl. milit. 9. hinwider aber doppeln schaden leidet ders. Wendunm. 120ᵃ. ich bin diesen männern bekannt, denn ich führe ihn nahrung zu, welchs sie mir doppel bezalen Buch der liebe 201, 2. wer sie angreift begeht doppeln kirchenraub Fischart Garg. 154ᵃ. seine blätter ligen in einem kreisz-als doppel- auf einander geleget Tabernämont. 853.
bald weht der wind kalt ausz dem norden,
ob er den botten wolt ermorden
mit groszem hagel, eis und schnee;
das thet dem botten mechtig wehe,
half nicht, wie heftig er auch facht,
bisz er den mantel doppel macht
Wolgemut Esopus 2, 328.
dasz wo der (schall) an eim ort anprellt,
mit doppeln ton herwider gelt
Fuchs Mückenkr. 982.
doppel machen duplicare Schönsleder L 3. es ist doppel angenem, was in nöten geschicht Henisch 730. doppele ducat ders. doppel mehr gelt heischen weder (als) man verdienet hat Königshoven 297.
faszt einen duppeln mut
P. Fleming 84.
hab allen fleisz gethan um Föbus seine gunst,
bin tag und nacht gerannt nach seiner duppeln kunst
98.
Apollo war mir günstig
der musikant und arzt,
weil du mich machtest brünstig
zu seiner doppeln kunst
144.
duppler, nicht ein einzler mund
gibt der warheit ihren grund
Logau 1, 2, 6.
jungfern die das dupple rund
das zur wollust legt den grund,
schamlos stellen an das licht
ders.
Duplus hat nicht duple stärke, da er doch hat duples herze,
denn er führet duple sinnen, sagt im ernste, meint im scherze.
ders.
dupler dank Stieler 326. duple sünde ders. duples trinkgeld ders.
die kelche (der hyacinthe) schlossen sich in sechs getheilte zinken,
wie sterne welche dort am firmamente blinken,
mit doppeln strahlen auf
Drollinger 70.
nichts frommt es der hyder
anzuwachsen durch schaden und doppele kraft zu gewinnen.
Voss Ovid 39, 91.
ihr (der ulme) an den stamm wird die deichsel, die vorn
acht füsze sich ausstreckt,
auch zwei ohren gefügt, und mit doppelem rücken der scharbaum
Voss Virgils landbau 1, 172.
dort ist der dopple
Äacusstamm
Voss Virgils Mücke 293.
2.
es dient auch zur verstärkung. doppelte blumen gefüllte. man sagt in der Wetterau doppele violen, levkojen, nelken u. s. w. so auch in zusammensetzungen wie doppelatlas, doppelbier, doppeldinte, doppeltaffet. s. doppelt 2. im niederländ. heiszt dubbel goed überaus gut.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1259, Z. 15.

doppel, m.

doppel, m.
mhd. topel toppel, topelspil würfelspiel, dann der bei einem schieszen ausgesetzte preis, auch die einlage um diesen preis mitschieszen zu dürfen. toppel Schmid Schwäb. wörterb. 129.
vil hôhes toppels er doch spilt,
der an ritterschaft nâch minnen zilt
Parzival 115, 19.
zum toppel wart gelegt nit mehr
dan anderhalb gulden ungefehr.
Grob Lobspruch in Haupts zeitschrift 3, 243.
in den doppel legen seinen antheil dazu geben. das gelt so in den toppel gelegt und dar in belipt Wilhelm von Rechberg einladung an Ulm zu einem schieszen vom j. 1463 bei Tobler 140ᵇ.
ich will des gelts inn doppel geschwigen.
S. Brant Narrensch. 75, 42.
im toppel und avantur nichts aufheben nichts gewinnen Tschudi 2, 563. Frisch 1, 202ᵃ. Stalder 1, 290. s. doppeln spielen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1260, Z. 27.

doppel, m.

doppel, m.
1.
duplum. si geben auch dise eigen stuck willig dar, das wirt ihn auf ein ander mal in doppel (franz. au double) widerlegt zurückgegeben Frank Weltb. 188ᵃ.
2.
da das selb brüderlin immermeder also gezanket must haben, gedacht es hinden nach 'du wilt aus dem doppel (der zänkischen menge) und in ein einöd gon, das du es abkumest' Keisersb. Sünden des munds 43ᵃ.
3.
eine scheidemünze die zwei heller gilt, franz. double. es ist nur so viel, nicht ein doppel darüber. es ist keinen doppel wert, man gibt keinen doppel dafür.
4.
exemplar transcriptum, apographum Henisch 729, wie im franz. le double de compte das duplicat einer rechnung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1260, Z. 44.

doppel, m.

doppel, m.
die molke oder nachmolke mit milch und zieger vermischt Stalder 1, 290. s. doppe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1260, Z. 56.

toppeln, verb

toppeln, verb,
als ableitung von toppel m. in seinen verschiedenen bedeutungen.
1)
das verb als spielerausdruck wird in den bedeutungen 'mit würfeln spielen' und überhaupt 'ein glücksspiel spielen' gebraucht, dann auch 'mit den würfeln auslosen', und 'auslosen' überhaupt, und 'beim spiel betrügen' und 'betrügen' überhaupt, ferner 'beim spiel speculieren' und 'speculieren' überhaupt. die form toppeln erscheint in der älteren hochd. literatur. in lebendigem sprachgebrauch gilt nur die form mit weichem dentalanlaut und weicher inlautender doppelconsonanz, fast ausschlieszlich auf nichthochd. boden: im niederl. und nieders. dobbelen (dabeln) woordenb. 3 ii 2670; Doornkaat-Koolman 1, 303; Woeste westf. 53; Danneil altm.-plattd. 37; brem.-nieders. wb. 1, 217; im fries. dobbelje Dijkstra 1, 280; aus dem niederd. stammen dän. dob(b)le, schwed. dobbla. im niederd. hat auch die form mit dem stammvocal u geltung, so im holstein. (vor-)dubbeln Schütze 1, 199; auch noch im thür. dubele Hertel 86. niederl. und nieders. dobbelen findet sich bereits in aufzeichnungen aus dem späteren mittelalter Verwijs-Verdam 2, 219; Schiller-Lübben 1, 527; im altfries. dobbela Richthofen 688; aus dem niederd. entlehnt ist spätaltisl. dubela. der von Wolfram bildlich gebrauchte ausdruck umb den wurf der sorgen toppeln Parz. 248, 11 ist von Ulr. v. Türh. im Willehalm nachgeahmt worden (vgl. Lexer); dann hat Wolfram in seinem Willehalm 415, 17 und 368, 15 toppeln und ertoppeln in verbindung mit dem object schanze gebraucht, gewisz anspielend auf den doppelsinn der l-ableitung, der auf ihrer verwendung auch in der bedeutung 'kampfgetümmel' beruht; ertoppeln mit einem accusativobj. 'etwas beim spiel gewinnen' steht auch im passional 408, 89 Köpke. die zusammensetzung mit ver- in der bedeutung 'etwas im spiel verlieren' erscheint zuerst im Sachsenspiegel III 6, 1; im niederd. ist virdobbelen geläufig; im hochd. vertoppeln z. b. im Kulmer recht 78 und 181 Leman; im Brünner stadtrecht 360 Rössler; dann in den predigten des mit der rechtssprache wohlvertrauten Berthold v. Regensburg 1, 25 Pfeiffer; auch in einer unechten Neidhartstrophe 110, 5 Haupt und in der Kolmarer liederhs. 126, 40 Bartsch. in frühnhd. denkmälern begegnet dann mehrfach verdoppeln theil 12 i 238. wie die zusammensetzung mit ver- so ist dann auch das einfache verb in späteren hochd. rechtsaufzeichnungen und literaturdenkmälern überhaupt verwendet worden. auch toppeln begegnet im Brünner stadtrecht 360 und 366 Rössler; in den predigten Bertholds: swie sô ir die zît unnützelîchen angeleit habet, ... ez sî mit tanzen unde mit topeln 1, 21, 21 Pfeiffer; noch Luther hat die literar. form verwendet: die mit gotts worten toppeln und spilen, wie Paulus sagt Eph. III 26, 385 Weim.; auch z. b. Fischart last uns eins toppeln geschichtsklitterung 146 neudr.; in einem vocab. des 15. jhs. 'ludere cum taxillis' toppeln gloss. 338ᵇ Diefenbach; in der älteren poesie: toplin Nic. v. Jeroschin 506 Strehlke; töpelen in Lassbergs lieders. 2, 546; in einem kirchenlied 1, 78 Fischer-Tümpel. im frühnhd. ist dann die form doppeln gebräuchlich geworden: sie erscheint in Fischarts geschichtsklitt. 134 neudr., ferner z. b. in den schriften von Mathesius, Hennenberger, Moscherosch und auch noch von Lessing; vgl. theil 2, 1268; diese form wird auch mehrfach in den älteren wbb. verzeichnet, so noch von Adelung 1, 1520; Campe 1, 733.
2)
toppeln wird gelegentlich auch in der bedeutung 'schlagen, stoszen' wie bei einem handgemenge gebraucht:
dran man tuͦt eim umb den kopf toplen
Nic. Manuel 248 Bächtold.
man verwendet ferner doppeln auf schweiz. boden auch sonst in den bedeutungen 'klopfen, schlagen', z. b. 'an einer thüre klopfen' oder 'mit dem hammer schlagen'; eindoppeln heiszt 'einklopfen', z. b. 'einen nagel einschlagen'; daneben ist auch döppeln 'schnell und schwach klopfen' gebräuchlich Stalder 1, 290.
3)
in der Schweiz heiszt toppeln auch 'den einsatz beim wettschieszen erlegen': toppla Tobler Appenz. 140; doppeln Stalder 1, 290; nach Hunziker Aargau 56 und Seiler Basel 79 bedeutet dopla auch 'nach der stichscheibe schieszen'.
4)
in der Schweiz kann toppeln auch 'mit den füszen auftreten' bedeuten: mit den füszen dopplen, oder mit den henden klopffen zuͦ einem zeichen eines gunsts und guͦten willens 'plausum dare' Frisius dict. (1556) 440ᵃ. in der bedeutung 'den takt nach den regeln der tanzmusik schlagen', besonders von tänzern, die den boden taktmäszig mit den füszen stampfen, wird im Entlebuch doppeliren gebraucht Stalder 1, 290.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 875, Z. 30.

töppeln1, verb.

¹töppeln, verb.,
als ableitung von ¹töppel 'kleines büschel auf dem kopf eines vogels': getöppelte hühner theil 4 i 2, 4400.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 876, Z. 40.

toppeln2, verb.

²toppeln, verb.,
vom gang eines hahnes, entsprechend der verwendung von toppe 2 auch in der bedeutung 'hühnerfusz': (der hahn) toppelt ... hin und her Kirchhof wendunmuth 1, 390 lit. ver.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 876, Z. 36.

töppeln2, verb.

²töppeln, verb.,
als ableitung von toppe, 'hand, pfote' und ²töppel 'unverständiger, dummer mensch': téplə Martin - Lienhart els. 2, 699; dööple, döpele Seiler Basel 79. 1) besonders von der katze 'die pfote geben, mit der pfote nach etwas reichen, spielend schlagen' Mart.-Lienh.; Seiler. 2) 'schläge mit dem stock auf die zusammengelegten fingerspitzen geben': er het ne gedebelt Mart.-Lienh. 3) 'langsam arbeiten, nicht recht angreifen' Mart.-Lienh.; Seiler. 4) 'sich ungeschickt, einfältig benehmen': töpelen (töupelen) 'desipere' Maaler 404ᵃ; in die aberwitz gon narrächtig seyn, sich torlich anlassen, töpelen, abkommen 'desipere' Frisius dict. (1556) 399ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 876, Z. 43.

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j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
todängstlich torfkuh
Zitationshilfe
„toppeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/toppeln>.

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