thor, tor n
Fundstelle: Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 393, Z. 67
janua, porta, fores Dief. 283ᵃ. 448ᵇ. 242ᶜ. goth. daúr, alts. dor, ahd. tor dor (nur selten neben turî, tura), mhd. tor, mnd. dor, nhd. tor thor (tohr Stieler 2293, schwachformig zum thoren Rist poet. lustg. 75; plur. thore, früher auch noch (wie mhd.) tor thor, mit umlaut tör Aventin. 4, 321, 7. 31, thör östr. weisth. 6, 176, 30. S. Dach 591, thöre Micrälius a. Pr. 3, 445 und thörer Rauwolff reise 26. 330, bair. zuweilen törer Schm.² 1, 619, kärnt. törder Lexer 64; schwachformig die thoren S. Bürster 234. Ringwaldt laut. warh. 40. Prätorius storchs u. schwalben winterquartier 189. — aus demselben stamme wie thür, womit es oft alliterierend verbunden ist. vgl.pforte.
1)
eine grosze, zum eingang und zur einfahrt in eine (befestigte) stadt, in ein gebäude u. s. w. bestimmte öffnung, auch der verschlusz (thür, flügel) derselben, s. stadt-, burg-, schlosz-, fall-, haus-, kirchen-, tempel-, tennen-, hof-, stall-, stadel-, scheunen-, garten-, zaunthor u. s. w.
a)
thor einer stadt:
grosseu stat wil weites tor.
Wittenweiler ring 23ᶜ, 23;
Simson ... ergreif beide thür (thorflügel) an der stadt thor. richt. 16, 3, vgl. 9, 40; eitel wüstung ist in der stad blieben, und die thore stehen öde. Jes. 24, 12; denn er machet feste die rigel deiner (Jerusalems) thor. ps. 147, 13; also hat auch die alte statt Jerusalem ... 12 thor gehabt. Rauwolff reise 330; do si die tör offen ... funden. Aventin. 4, 321, 31; das thor versperren, einnemen, zum thor auszhin fallen u. s. w. Maaler 400ᵈ;
man liesz sie hinein zuͦm obern thor.
Uhland volksl. 502;
beschlieszt die thor, last niemand ein!
H. Sachs 15, 34, 12;
(da) fand er das thor entschlossen.
Gryphius trauersp. 791 Palm;
sie hielten vor allen thoren (Schweinfurts) und sonderlich am Mayn-thor. Götz v. Berlich. 84 neudruck; ich wanderte mit .. schwerem herzen aus dem thore von Hildesheim. Moritz A. Reiser 343, 22 neudruck; unterdessen ritt die bürgerliche cavallerie ... zu verschiedenen thoren (Frankfurts) hinaus. Göthe 24, 32;
kehre dich um, ..
nach der stadt zurück zu sehen,
aus dem hohlen finstern thor
dringt ein buntes gewimmel hervor.
12, 53 (Faust 918 Weim.);
noch gestern abend
beschwuren wir dich, den Octavio,
den schleicher, aus den thoren nicht zu lassen.
Schiller 12, 285 (Wallenst. tod 3, 7);
vor Thebens siebenfach gähnenden thoren.
Körner 41ᵃ;
so kam er dann zu seiner hauptstadt thoren.
Rückert 2, 16;
von ihren (der städte) thoren strömt das leben aus,
auf tausend straszen dringt es durch das land.
Uhland 3, 102;
und einen boulevard man schauet
vom untern bis zum obern thor.
G. Keller ged. 2, 27.
biblisch ort des gerichts (da man unter den stadtthoren, wo die meisten leute aus- und eingiengen, gericht zu halten pflegte) oder überhaupt eine öffentliche versammlung: bestellet das recht im thor. Amos 5, 15; unterdrücke den elenden nicht im thor. spr. Sal. 22, 22; der sie straffet im thor. Jer. 29, 21; was zenkischer sachen sind in deinen thoren. 5 Mos. 17, 8; die im thor (in öffentlicher versammlung) sitzen. ps. 69, 13; ir man ist berhümt in den thoren, wenn er sitzt bei den eltesten des landes. spr. Sal. 31, 23.
b)
die mit thoren befestigte stadt selbst, zunächst biblisch: und wirt geengstet werden in allen deinen thoren, in deinem gantzen lande. 5 Mos. 28, 52; und dein same sol besitzen die thor seiner feinde. 1 Mos. 22, 17;
auch soll dein sam besitzen sehr
die thore seiner feind gemein.
H. Sachs 10, 73, 14;
in den Lüneburger thoren
ward ein seltner kampf gesehn.
Rückert 3, 261.
vor (für) das thor, vor dem thore, um das thor, vor die, vor der stadt, um die stadt (selbst wenn die stadtmauern und -thore nicht mehr stehn):
einsmals der nachtpaur vor dem thor
spaciret on geferde.
meisterlieder 23 nr. 236;
darumb auch Jhesus ... hat gelidden auszen fur dem thor. Ebr. 13, 12 (auswendig des tors cod. Tepl.); hauptleute, die unterm hauffen drauszen vorm thor wären. Götz v. Berlich. 88 neudruck; er wohnt vor dem thor oder in der vorstadt. Rädlein 876ᵃ; gehe mit mir für das thor. Lindener schwankb. 75 Lichtenst.; vors thor gehen. Arnim Hollins liebel. 23 Minor, beim herumgehen um das thor zu Leipzig (in den baumgängen rings um die stadt). Fichte Nicolais leben 99; gestern bin ich (in Leipzig) mit den Bunckels ums thor gangen. Göthe br. 299 (2, 240) Weim.; hab .. mich angezogen, den prinzen von Meinungen mich dargestellt, ums thor gangen (in Frankfurt). 365 (2, 305); ums thor gehen, spazieren gehen noch in Leipzig, Nürnberg und anderwärts Albrecht 222ᵇ.
c)
thor einer burg, eines schlosses, einer festung:
dô kom er für die porten ...
anʒ tor begunde bôʒen der unkunde man.
Nib. 455, 3;
vil schilde hôrt man hellen   dâ ze dem bürge tor.
740, 1;
dâ er eine burc sach ...
und vant besloʒʒen daʒ tor.
Iwein 5579;
im wart daʒ tor ûf getân.
5591;
nâch im was daʒ tor (vorher porte) bespart.
6182;
dâ reit der wirt vor im in (in die burg) ...
unde valte daʒ tor (vorher slegetor, fallthor).
1104;
ûf einem berge hôch erhaben
liget eʒ (das schlosz) und ist al umbegraben ...
und gêt niuwan ein tor dar in.
H. v. Freiberg Trist. 5774;
(er rannte) ûʒ der burc durch daʒ tor.
6154;
wie wir wieder aus der kirchen giengen in das schlosz, da sperret man das thor hinter mir zu. Götz v. Berl. 10 neudr.; und war mir angst, wie ich zum thor hinaus kommen mögt. 26; der am thore der festung wache hielt. Thümmel reise 6 (1799), 266;
was hör' ich drauszen vor dem thor,
was auf der brücke schallen?
Göthe 1, 178;
da droben auf jenem berge
da steht ein altes schlosz,
wo hinter thoren und thüren
sonst lauerten ritter und trosz.
1, 103;
die vestung hat ein thor allein,
um desto vester nur zu sein.
Rückert 4, 336.
d)
thor des hauses: welcher thor oder auszgang machen wil auf gemeine straszen oder wege, der soll dieselben bauen, dasz die thor (thorflügel) innen in seinem hause oder gebäue hangen und nicht auf die gemeinen straszen oder wege aufgehn. statutenbuch (1572) 132ᵇ; gegen der straszen habens nit, wie in unsern landen, so hohe grosze thörer und weite einfahrten (auszgenommen etliche wenige kaufheuser). Rauwolff reise 26;
vor ihm ward beschlossen thür und thor.
Salat verl. sohn v. 1084;
(selten) erblickt man dich vor deines hauses thoren.
Schiller 6, 166;
vor welchem du das thor des hauses hast verschlossen.
Rückert Bostan 70, 14;
im blumengarten vor des hauses thor.
G. Keller ged. 2, 23;
im thor (in der thoröffnung) stand die alte dienstmagd. Freytag ges. werke 11, 307.
e)
tempel-, kirchenthor: trit ins thor im hause des herrn und predige daselbs dis wort, und sprich, höret des herrn wort, ir alle von Juda, die ir zu diesen thoren eingehet, den herrn an zubeten. Jer. 7, 2; sprichwörtlich: sie gehn all durch ein thor zur kirchen. Frank 2, 92ᵇ.
f)
hof-, stall-, scheunen-, zaun-, kerkerthor u. s. w.:
sein thor kent ein jede kuh.
Fischart Garg. 50ᵇ;
denn wir haben solche augen, wie die kue, wenn sie ein new thor ansihet. Luther 6, 128ᵇ, s.kuh 3, c; ihr gaffet mich alle an wie die gans ein neues thor. kunst über alle künste 112, 8; wer die törr (zaunthore) machen sol. östr. weisth. 6, 156, 1 (1570); neben vielen häusern waren hölzerne thore geöffnet, dann sah man in die hofräume. Freytag ges. werke 6, 44; er sprengte aus dem thor des hölzernen gatterwerks. F. Dahn Fredigundis 150;
nicht umsonst
ist meines kerkers thor geöffnet worden.
Schiller 12, 489 (M. Stuart 3, 1).
g)
häufig in sprichwörtern und redensarten, s. Wander 4, 1159 f.:
so ist euer verderben pald am thor (ante portam, nahe, drohend).
Liliencron volksl. 232, 166 (vom j. 1504);
wen alles sollt gehn ubern hauffen,
so musz die welt zum thor auszlauffen (zu grunde gehen).
C. Kirchner, Zinkgref auserles. ged. 24 neudr.;
er muszte zum thore damit hinaus, ward bankrott. Engel philos. f. d. welt 19; das thor suchen, abreisen. Ettner unw. doct. 525; dem unfall thür und thor öffnen. Lohenstein Arm. 1, 977ᵃ.
2)
sonst ein weiter eingang mit oder ohne den nebenbegriff des verschlieszens im eigentlichen und bildlichen sinne (vgl.pforte 2 und 3).
a)
thor des landes u. s. w.: und die thor (pässe) deines landes sollen deinen feinden geöffnet werden. Nahum 3, 13; eisernes thor, von der Donau durchflossene felsenge unterhalb Alt-Orsova, vgl. Günther 124;
es öffnet sich schwarz ein schauriges (felsen-)thor.
Schiller 11, 399;
jezt öffnet der see (Mummelsee) das grünspiegelnde thor.
Mörike ged. 35;
dem Ostermann, der Böhmens thor
vertheidigend, einen arm verlor,
weiht diesen becher das land Böhmen.
Rückert 3, 317;
nicht klopfen durft ich an der heimat thoren.
W. Wackernagel zeitged. 119;
schon dehnen sich zum weiten thor
die felsen aus, die rings das düstre thal verrammen.
Schultze Cäcilia 1, 69;
da an des waldes thor
hält ein reiter hoch zu rosse.
Uhland 2, 84;
das mit blumen behangene thor des thales. J. Paul Hesp. 3, 185; s. auch sieges-, triumphthor.
b)
thor des paradieses, des himmels, der hölle: wenn du unter elysiums goldnes thor eingehst. F. Müller 1, 119; bis ans thor des paradieses bin ich gekommen. Schiller 2, 332 (räuber, trauersp. 5, 7);
von nun an die sonne in trauer,
von nun an finster der tag,
des himmels thore verschlossen!
Lenz ged. 129 Weinh.;
wie aus des himmels thoren
sie (die engel) tief herab sich neigen!
Platen 1, 196;
er treibt sie (die sterne) aus zu goldnen thoren.
Schiller 11, 355;
ragend in der dunklen nacht
stand das kolossale thor (vorher himmelspforte).
G. Keller ged. 2, 198;
der heilige vater öffnet und schlieszt auch die thore des christenhimmels. Freytag ges. werke 10, 210;
ihr (der kluft) grauser abgrund sank
voll rauch und dampf hinab bis an das thor der höllen.
Pyra u. Lange 89 neudruck;
Jesus trat in das offene thor der hölle.
Klopstock Mess. 16, 584;
die wilde zwietracht sprengt der höllen eisern thor
unwidersetzlich auf, und führt den krieg hervor.
Uz 265 neudruck.
c)
thor des lebens, des grabes, des todes, der zeit und ewigkeit:
wer bringt mich zu des lebens thor (ans leben)?
Rückert 2, 18;
der du mich ausz der finsternusz
des tods und des grabs thoren ...
erhöhet und erkohren.
Weckherlin 32;
haben sich dir des todes thor je aufgethan? Hiob 38, 17; der du mich erhebest aus den thoren des todes. ps. 9, 14;
o held! was fleuchst du zu des todes thoren?
E. v. Kleist 1, 3;
tief in dem thore des todes!
Klopstock Mess. 4, 52;
wenn zu den thoren
des todes fuhr der mensch.
Rückert 2, 168;
als des jahrhunderts thor
aufsprang mit ehr'nen pforten.
G. Keller ged. 1, 233;
der nachruhm schreibt sein lob, mit goldner flammenschrift,
ans thor der ewigkeit.
Hölty 45 Halm;
bis eisernes krachen
sich eröfnender thore der ewigkeit sie aus dem traum wekt.
Lenz ged. 26 Weinh.
d)
thor der (äuszeren oder inneren) sinne:
daʒ mære durch ir ôren tor
was ir geslichen in die brust.
Konrad troj. krieg 20850;
(er) hat mir der augen thor erschlossen.
Rückert Bostan 70, 14;
es strömt ein quell aus gott, ...
er strömet in dich ein durchs offne thor der sinnen.
brahm. 1, 82;
(sie durften) die thore des gefühls dem elend nicht verschlieszen.
Gotter 1, 139;
weit offen liesz ich des gedankens thore
und warf die schlüssel weiser vorsicht weg.
Schiller 12, 309 (Wallenst. tod 3, 18);
nun sei des schweigens thor entsiegelt,
und ausgesprochen, was ich endlich meine.
Platen 3, 132;
thu' dich auf in deinen tiefen,
herz, mach' deine thore weit!
F. Dahn ged. zweite sammlung 1, 311;
der busze thor ist offen.
Rückert 4, 325.
e)
thor des glückes, der freude, ehre u. s. w.:
mir ist verspart der sælden tor.
Walther 20, 31;
gên dem süeʒen meien
stênt offen vröuden tor.
minnesinger 2, 157ᵇ;
sîn lop was in der êren tor
von sînen hôhen tugenden komen.
Lichtenstein 81, 14;
thut mir auf die thore der gerechtigkeit. ps. 118, 19;
wenn er selber will das thor des krieges schlieszen (vergl. thorhalle).
Rückert Bostan 43, 10;
der fürst, in dessen land der kaufmann wird gekränkt,
der hat für stadt und land des heiles thor verschränkt.
8, 3.
thor, tor m
Fundstelle: Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 392, Z. 41
stultus. mhd. tôre, tôr (ein ahd. tôro voraussetzend), mnd. dore, dessen r aus altem, im verwandten ahd. tusîg, ags. dysig (stultus) erhaltenem s entstanden ist. vgl.dusel und Kuhn zeitschr. 5, 333. 7, 218. Kluge⁴ 354ᵃ. — mischung mit starker declination: dem thor Ringwaldt l. warh. 122. Kehrein kirchenl. 1, 370, 6. Klopstock od., krit. ausg. 1, 16. Lenz ged. 251 Weinhold, den thor (: rohr) Günther 555; md. auch thur (wie rhur statt rohr): du elender thur. Alberus wider Jörg Witzeln mammel. C 4ᵃ; und war also ein groszer thur. M 5ᵃ. Die kräftigste bedeutung ist, wie bei den sinnverwandten gecke und narr, mit denen thor oft verbunden wird (s.narr 4, b), eine verrückte, irrsinnige, geisteskranke person (ein rechter tôre Heinr. v. Freib. Trist. 5101, von rechten tôren und sinnelôsen Sachsensp. 3, 3, der richter sol ouch niht stumme noch ein tôre sein Schwabenspiegel 71, 2), dann überhaupt einer, der dem gesunden verstande zuwider, unbesonnen handelt, im gegensatze zum weisen, klugen, verständigen, s.narr 4, c ('thor' ist das äquivalent für das französische 'sot', 'narr' für 'fou'. man kann mit vielem witz und geschmack ein narr sein, aber unmöglich ein thor; das lob des erstern kann schmeichelhaft sein, das letztere ist demüthigend. Wieland 4, 126); im bair. gebirg der taubstumme Schm.² 1, 619 (tôren mit den touben ôren Milstäter exod. 129, 29), so dasz die ursprünglich allgemeine bedeutung wol jener von taub gleichzukommen scheint, vgl. auchthör, ↗thöricht, ↗thörisch (nicht hörend oder nicht hören wollend): naturlicher thor, morio Dief. 368ᵇ; die den geprechen an der sêl habent von gepurt, daʒ sint die natürleichen tôren, die ze latein muriones haiʒent. Megenberg 488, 23;
mich macheten trunkin mîne man,
daʒ ich hûte als ên tôre gân.
könig Rother 1021;
der lief nû harte balde
ein tôre in dem walde.
Iwein⁴ 3260;
nu erzeicte der tôre zehant,
daʒ der tôre und diu kint
vil lîhte ze wenenne sint.
3320;
er tôre, er dunket mich niht wîse.
Walther 22, 28;
er was gein valscher fuore ein tôr (er verstand sich nicht auf treuloses benehmen).
Parz. 26, 21;
vil manger tumber tôre   des tages hete muot
daʒ er an ze sehene   den frouwen wære guot.
Nib. 276, 1 D;
nu tuo sieʒ durch den willen mîn
und lâʒe mich ir tôre sîn (vgl. ↗narr 10).
minnes. frühl. 157, 39;
wie solt ein solcher junger tor
wissen wie er ain weip solt halten.
fastn. sp. 315, 23;
wan aine alt ist zwelf jar,
spart sy ir man, er ist ain tor.
Raber Sterzinger spiele 2, 230;
die (geliebte) hat mich rain
gemacht zu ainem toren.
Uhland volksl. 641;
man wird sehen, das solche weisen doch sterben, so wol als die thoren und narren umbkomen. ps. 49, 11; ir thoren, wenn wolt ir klug werden? 94, 8; die thoren sprechen in irem hertzen, es ist kein gott. 14, 1; o ir thoren (wola tumbê Tatian 227, 1, o tumen cod. Tepl.) und treges herzen. Luc. 24, 25; als er gefragt ward, welches die grösten thoren weren, sagt er: die, so sich selbst weisz dünken. Zinkgref 1, 220; zu rechter zeit wissen ein tohr sein, ist eine rechte klugheit. Butschky Pathmos 771 (542); es ist kein tohr, der nicht zu weilen eine kluge rede solte hören lassen, oder was verständiges thun. rosenth. 407 (194); der ist ein thor, der hingibt, was er selbst bedarf. Lehmann 236, 63, andere sprichwörter bei Wander 4, 1155—1159;
der mensch, der aufgeblasne thor,
schreibt seinem schöpfer weisheit vor?
Uz 182 neudruck;
der weise, wie der thor, hat sein bestimmtes leiden.
249;
die vorwelt war nicht klug, die enkel bleiben thoren.
233;
dem thor der weisheit pfade zeigen.
Lenz ged. 251 Weinh.;
da steh' ich nun, ich armer thor!
und bin so klug als wie zuvor.
Göthe 12, 29 (Faust 358 Weim.);
sei er keîn schellenlauter thor!
37 (549);
so ein verliebter thor verpufft
euch sonne, mond und sterne
zum zeitvertreib dem liebchen in die luft.
147 (2864);
wie sich verdienst und glück verketten,
das fällt den thoren niemals ein.
270 (5063);
armer thor! der du alles so gering
achtest, weil du so klein bist.
16, 75;
thoren sinds, die von ewiger liebe schwazen. Schiller 3, 496 (kab. 5, 7); was geht das mich an, ob sie lieben oder nicht lieben? ob sie ein thor sind oder ein kluger? 557;
(einen) verblendeten entdeck' ich, den zwei augen
zum thoren machen.
12, 197 (Piccol. 5, 3);
wohl ist es keiner von den weichen thoren,
die eine falsche weiberthräne schmelzt.
411 (M. Stuart 1, 3);
denn gelten sollten mehr die weisen als die thoren,
und stets zur minderheit sind jene auserkoren.
Rückert brahm. 8, 70;
der weise schweigt, wie thoren schweigen,
bei gleichem schein ungleicher sinn:
hier ein verlust, dort ein gewinn.
A. Grün ges. werke 2, 153;
denn gewöhnlich wehrt sich der mensch so lange er kann, den thoren, den er im busen hegt, zu verabschieden, einen hauptirrthum zu bekennen, und eine wahrheit einzugestehen, die ihn zur verzweiflung bringt. Göthe 18, 124 (vgl.narr 6); auch was narr 3, a fastnachtsnarr: mit stiller zufriedenheit entfernt' ich mich wieder in das gedränge der thoren. 29, 286.
Zitationshilfe
„tor“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tor>, abgerufen am 12.11.2019.

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