Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

torf, m.

torf, m.,
der als brennmaterial verwendbare erdstoff, der im boden des heidelandes und auf dem grund von mooren bei der zersetzung abgestorbener pflanzentheile sich bildet. das wort gilt etwa seit dem 17. jh. als die normale bezeichnung für den gattungsbegriff; vgl. im folg. 6. es stammt aus dem niederd.: dasz ein niederd. ausdruck in der nhd. schrift- und umgangssprache zur bezeichnung der 'brennerde' verwendet wird, ist in ihrer besonderen wirthschaftlichen bedeutung gerade für Norddeutschland und Holland begründet; die niederd. herkunft des wortes ist auch an seiner lautform deutlich erkennbar, an dem der germ. tenuis entsprechenden anlautenden t und an dem auslautenden f, das nach dem zeugnis der roman. lehnentsprechungen ein germ. ƀ wiedergibt. nur auf nieders., niederl., fries., engl. und skand. gebiet erscheint auch das substantiv als bodenständige bildung und im lebendigen sprachgebrauch zur bezeichnung nicht nur für die 'brennerde', sondern auch für die 'erdscholle' überhaupt, nur hier ist es auch schon in alter zeit bei schriftlichen aufzeichnungen als ausdruck für diese begriffe regelmäszig verwendet worden. die substantivbildung begegnet als starkes masc., das als a-stamm und als i-stamm flectiert werden kann, es tritt aber auch gelegentlich als starkes neutr. und, wie z. b. im ags., als starkes, nach dem typus der i-stämme flectiertes fem. auf; dem entsprechend erscheint o und u als vocal seiner stammsilbe, der unverändert bleibt oder umgelautet wird. ferner sind auch schwache formen als masc. und fem. gebräuchlich. die in der nhd. schrift- und umgangssprache verwendete form entspricht der in den nieders. maa. geltenden lautung: torf brem.-nieders. wb. 5, 84; Schütze holstein. 4, 271; Mi Mecklenb.-Vorpommern 94; Schambach Gött. und Grubenh. 232; Woeste westf. 273; Bauer-Collitz waldeck. 106; auch im schwed. ist torf die normallautung Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 2, 1275; sie ist auch in der mnd. und altisl. überlieferung regelmäszig festgehalten Schiller-Lübben 4, 583; Fritzner 3, 712 f.; der plur. wird vielfach mit umgelautetem stammvocal gesprochen: törwe Schambach; Woeste; im ostfries. platt und in Groningen lautet auch der sing. törf Doornkaat-Koolman 3, 425; Molema 428; im dän. tørv Falk-Torp. die form turf gilt im niederl. v. Dale groot woordenb. 1802; im ostfries. platt Doornkaat-Kolman 3, 448; im fries. Dijkstra 3, 352; im engl. Skeat et. dict. 672; sie erscheint auch schon in westniederd. gll. aus dem 10. jh. (vgl. im folg. 3); im afries. Richthofen 1095; im ags. (gen., dat. tyrf, plur. tyrfe) Bosworth-Toller 1021. in der mnl. überlieferung begegnen torf und turf Verdam handwb. 599. die fem. bildung torfa wird im schwed., neunorw. und auch schon in der altisl. überlieferung verwendet Falk-Torp; Fritzner; auch im altniederfr. sind torba, turba vorauszusetzungen, denn auf ihnen beruhen die roman. lehnentsprechungen, die von du Cange-Favre 8, 125 auch in lat. aufzeichnungen aus dem 13. jh. nachgewiesen worden sind; vgl. ital. torba, span. turba, franz. tourbe bei Meyer-Lübke rom. etym. wb. nr. 8991 und die aus dem roman. ins schweiz. eingedrungenen formem torba, turba Tobler Appenz. 146; tórbe Hunziker Aargau 56. die niederd. bezeichnung ist gewisz schon vor ihrer normalen schriftsprachlichen verwendung auf hochd. boden mehrfach gebraucht worden. die lautung dorf, dorfft in frühnhd. denkmälern verrät, dasz das wort durch die umgangssprache verbreitet wurde; die form dorp, die daneben z. b. von Stieler stammbaum 351 verzeichnet wird, kann nur als zeugnis für gelegentliche versuche künstliche verhochdeutschungen einzuführen gelten. der volksthümliche gebrauch von bodenständigen hochd. entsprechungen mit der anlautenden affricata z und dem verschluszlaut b ist heute nirgends nachweisbar. von den beiden zeugnissen aber, die man für ihre frühere verwendung anzuführen pflegt, kann das eine sofort als unecht erwiesen werden. die grundlage für den allgemein wiederholten hinweis auf die ahd. form zurba als glosse zu cespes, terra avulsa (vgl. z. b. J. Grimm rechtsalterth. 1⁴, 159; Graff sprachschatz 5, 706) ist ausschlieszlich der auf einer unrichtigen lesung beruhende ansatz Lindenbrogs im glossar zu seinem cod. leg. antiq. (1613) s. 1499. in der von ihm benützten Florentiner glossenhs. steht cespes est terra avulsa c̄ h'ba [cum herba]; vgl. zs. f. d. alterth. 15, 354. somit bleibt als einziges zeugnis das auftreten des wortes im text der lex Alamannorum aus der ersten hälfte des 8. jhs. in rund 50 hss. des 9. bis 11. jhs.; vgl. die in den monum. Germ. erschienene ausgabe von Lehmann (1888) s. 145. allein das wort ist hier in durchaus ungewöhnlicher und vielfach grob entstellter orthographie überliefert, die erkennen läszt, dasz den copisten die hochd. wortform nicht vertraut war. die in etwa 12 hss. festgehaltene unform curffodi verdankt ihr dasein gewisz ausschlieszlich einer mechanischen doppelschreibung der ersten silbe des im text folgenden dicunt. ferner sind offenbar gerade die für hochd. lautgebung characteristischen zeichen erst secundär und nicht consequent eingeführt worden: der anlautende dental erscheint in etwa 20 hss., und zwar gerad in jenen mit der ursprünglicheren textgestalt, nicht als z, sondern als c, in je einer als zc, zt und t, der labiale laut aber in fast allen nicht als b, sondern als f; die vorauszusetzende ahd. normalentsprechung zurb steht in einer einzigen hs. die schreibung mit f weist auf die niederd. lautform als grundlage der überlieferung, und aus einer solchen ist auch die auffallende wiedergabe des anlautes erklärbar: das t in karolingischer minuskel konnte leicht als c verlesen werden. die zeichen z und b waren also nicht im archetyp enthalten, sie sind wohl auf rein mechanische verhochdeutschungsversuche zurückzuführen. das erscheinen der niederd. form im urtext wird mit der allgemein angenommenen mitwirkung von organen der fränk. reichsregierung bei der abfassung des altalem. gesetzes zusammenhängen. ein niederfränk. concipist hat offenbar den ihm geläufigen ausdruck aufgenommen, und seine geltung auch in Alemannien ist von ihm mit unrecht vorausgesetzt worden. das wort war im 8. jh. ebensowenig wie heut auf hochd. gebiet wirklich bodenständig, und sein erscheinen im altalem. gesetz ist nur als das älteste zeugnis für den gebrauch der form turf im niederfr. aufzufassen; vgl. dazu im folg. 3. aus der im folg. dargestellten entwicklung ihrer verschiedenen verwendungsarten ist erschlieszbar, dasz die bezeichnung ursprünglich als ausdruck für den aus einer masse zusammengeballten 'klumpen' gebraucht wurde und als solcher kann sie auch sprachlich bestimmt werden. verschiedene, noch nachweisbare secundäre verbalableitungen wie ahd. zerben, mhd. zirben 'sich drehen', ags. tearflian 'sich rollen' haben den früheren gebrauch eines primären verbalstammes terƀ-, tarƀ-, turƀ- 'drehen, walzen' im germ. zur voraussetzung. dazu hat man auch turƀ- als verbalabstract gebildet und damit zunächst die 'drehung', dann auch einen gedrehten, gewalzten, gegenstand, den gewalzten, geballten 'klumpen' überhaupt und besonders den 'erdklumpen', später gerade den 'klumpen brennerde' bezeichnet; vgl. besonders Doornkaat-Koolman 3, 448 und Falk-Torp bei Fick 3⁴, 158.
1)
die seiner ursprünglichen bedeutung entsprechende verwendung des subst. wird festgehalten sein, wenn es in nieders. maa. nicht nur gerade die erdscholle sondern mitunter auch einen 'klumpen' überhaupt bezeichnet Schambach 232; en torf ist z. b. auch 'ein klumpen aus ofenrusz', und man nennt auch 'dicke garnbünde' grṻlich dicke törwe ebenda.
2)
der allgemeine gebrauch des subst. im sinne von 'klumpen' überhaupt kann auch zugrunde liegen, wenn im ostfries. platt mit törf ein 'klotz von einem menschen' eine 'dumme, verwirrte person', ein 'dummkopf' verglichen wird Doornkaat-Koolman 3, 425; man sagt z. b. hê is so dum as'n törf; du törf fan 'n wicht, kanst du den hêl niks begripen; so'n törf as du bist heb' 'k mîn dage doch noch nêt sên ebenda.
3)
dasz früher das subst. auf skandin. boden in der lautung turf und auf engl. boden in der lautung torf gerade den 'geballten erdklumpen' bezeichnet hat, ist an der verwendung secundärer verbalableitungen in der bedeutung 'bewerfen' erkennbar: sie müssen ursprünglich den begriff 'mit festgeballten erdklumpen bewerfen' ausgedrückt haben und setzen den entsprechenden gebrauch des subst. voraus; vgl. altn. tyrfa Fritzner 3, 738 und ags. torfa Bosworth-Toller 1003. in dieser bedeutung scheint das deutsche subst. noch im 17. jh. von Prätorius verwendet worden zu sein: auff solche art sol es auch mit der beerdigung des Katzenveits zugegangen seyn: als auff welchen ein ieder landesknecht des kriegesheers einen torff geworffen Katzenveit c 2ᵇ; dannenhero sie heutiges tags allen mortuis in sepulchro erdkräntze oder runde törffe umb den hals, wie ein kragen oder hälsgen legen philosophia colus 124. als bezeichnung für den 'erdklosz, die erdscholle, das rasenstück', wird torf im nieders. heute noch verwendet Schambach 232; auch in Lief und Esthland kann 'jedes rasenstück, selbst die auf dem felde durch die egge zusammengezogenen graswurzeln' torf heiszen, und man legt hier saamen in torf d. h. 'zwischen rasenstücke' Hupel 239. in der bedeutung 'erdscholle, rasenstück' sind altn. torf und ags. turf auch alt bezeugt Fritzner, Bosworth-Toller; im afries. erscheint das subst. turf mit dem adj. grêne in stehender verbindung; al hwenne opa there hirthstede en grene turf waxt fries. rechtsquellen 538, 16 Richthofen; in den Werdener Prudentiusgll. aus dem 10. jh. steht 'cespes' vuaso endi turf und 'palustri cespite' an themo fenilicon turva gll. 2, 589, 39 und 585, 37 Steinmeyer-Sievers; auch noch in niederd. vocabb. aus dem 15. jh. begegnen als verdeutschung von 'cespes' turf und torf gloss. 116ᵃ; nov. gloss. 87ᵇ Diefenbach. in der alten rechtssprache hat das subst. vielfach das mit gras bewachsene rasenstück als rechtssymbol ausgedrückt. im altn. wurde mit dem fem. torfa der unterhöhlte und in der mitte durch einen pfahl gestützte grasstreifen bezeichnet, unter dem man die blutsbrüderschaft durch einen feierlichen eidschwur besiegelte, auch einen feierlichen reinigungseid zu leisten hatte; vgl. die von Fritzner 3, 713 und J. Grimm rechtsalterth. 1⁴, 163 ff. citierten beispiele. im westgerm. waren 'erde und gras' die rechtsbekräftigenden symbole bei der übergabe eines grundstückes. die tradition erfolgte nach den lat. formeln 'per terram vel herbam', auch 'per wasonem terrae et ramum arboris' oder 'cum cespite et ramo'; vgl. J. Grimm rechtsalterth. 1⁴, 157. diesen lat. paaren entsprach zweifellos im altniederd. das alliterierende torf und twīg, das dann in seinem collectiv verallgemeinernden gebrauch bei der umschreibung des unbeweglichen besitzes erscheint; vgl. im folg. 4. schon im titel 84 des altalem. gesetzes findet sich dieses doppelsymbol, und es kann nicht zweifelhaft sein, dasz der, wie sp. 882 angenommen wurde, niederd. verfasser der stelle bei der einfügung des volkssprachlichen ausdruckes an die durch den stabreim gebundene formel gedacht hat. es wird hier bestimmt, dasz im fall eines streits um ein grundstück beide partheien vor einer gerichtsperson ihren anspruch vorbringen sollen, 'tollant de ipsa terra [cespitem], quod Alamanni turf dicunt, et ramos de ipsis arboribus infigant in ipsam terram', das symbol soll dann von der gerichtsperson in verwahrung genommen, vor dem folgenden zweikampf aber zwischen die kämpfer gelegt und von ihnen mit den schwertspitzen berührt werden.
4)
in collectiv verallgemeinerndem gebrauch bezeichnet dann das subst. die 'erdoberfläche' überhaupt, vielfach besonders das mit gras bewachsene 'grundstück'. als ein 'in einigen gegenden, besonders Niederdeutschlands' gebräuchlicher ausdruck für 'die aus graswurzeln und erde bestehende oberste decke der erdfläche' und für den 'rasen' ist torf auch von Adelung 4, 631 und Campe 4, 851 verzeichnet worden; auch einfach ein 'stück land, acker, morgen' heiszt torf Schambach 232; man sagt z. b. ach, wat wil dat wol med sînen sêben törwen land? 'ach was will die wohl mit ihren 7 ackern land?' ebenda; im ostfries. platt ist turf auch das im vorjahr unterpflügte und im darauffolgenden jahr wieder aufgebrochene wiesenland, auf dem die vermodernden pflanzentheile die stelle des düngers vertreten Doornkaat-Koolman 3, 448; tuᵒrf ist 'der unfruchtbare acker' Bauer-Collitz waldeck. 106; torf 'rasen' Woeste westf. 273. regelmäszig und seit alter zeit wird in dieser bedeutung torf und torfa in den skand. sprachen, turf im fries. und engl. verwendet; z. b. im altisl. þar sem særr mœtisk ok grœn torfa Norges gamle love 1, 23; in der ags. poesie of þære moldan tyrf Phönix 66; of þisse eorþan tyrf 349; on eorþan tyrf rätsel 41, 25; turf tredan 14, 1; in einer altfries. rechtsaufzeichnung sa felo ... grenes turves 122 Richthofen; in der analog formulierten mnd. bestimmung hefft he denne buten dykes so vele heles landes nicht und gronen torues, dath he den dykstapell mede holden mach, so horedt eme bynnen dykes druttich voete dykes torves und druttich vademe tho grose ebenda. als ausdruck für das 'grundstück' ist das subst. vielfach bei der umschreibung des erbbesitzes verwendet worden; vgl. dazu torfacht [egen] im folg. meist begegnen alliterierende formeln: im ags. ne turf ne toft 'weder das grundstück noch die heimstätte' Bosworth-Toller; entsprechend der nach J. Grimm rechtsalterth. 1⁴, 159 mehrfach gebrauchten formel 'in cespite et fronde' heiszt es z. b. in einer mnd. aufzeichnung aus dem jahre 1306: (ein gut) myt syner thobehorynge als et gelegen in holte, in velde, in water, in weyde, in torve, in twyge urkb. des herzogth. Westfalen nr. 511 Seibertz; mit torve, mit twige, mit wateren, mit weide cod. dipl. pro hist. ant. com. Bentheimiensis nr. 62 J. H. Jung; s. weitere beispiele für diese verwendung des alliterierenden paares aus dem mnd. bei Schiller-Lübben 4, 583; es ist auch im mnl. in solcher weise gebraucht worden Verdam handwb. 603.
5)
das subst. bezeichnet das einzelne ausgestochene und getrocknete 'stück brennerde', nach Adelung 4, 631 und Campe 4, 851 ist dieser gebrauch des wortes, 'in dem es den plural leidet', nur 'im gemeinen leben einiger [d. h. niederd.] gegenden' üblich; torf heiszt der 'morastige brennbare soden' brem.-nieders. wb. 5, 85; man sagt die ausgestochenen, untersten törfe Adelung; Campe; sprichwörtlich heiszt es twe brokken gaat vor enen torf 'wenn für einen tüchtigen arbeiter zwei schwache und unvermögende da sind', he versteit den torf in dreen to klöven 'wenn man einen höchst sparsamen menschen und kargen haushalter beschreiben will' brem.-nieders. wb. in gleicher bedeutung gilt turf im niederl. v. Dale groot woordenb. 1802. in Holland und Niedersachsen wird diese verwendung des wortes ihren ursprung haben, und von Niederdeutschland aus hat sie sich offenbar schon in alter zeit auch über das gebiet der skand. und roman. sprachen verbreitet. aus dem mittelalter wird z. b. von einem Lüneburger kloster berichtet, dasz es verlegt werden muszte, weil wegen der verwüstung der umliegenden wälder kein holz herbeigeschafft werden konnte und degher, dat dar nicht en torf ('kein stück brennerde') gefunden ward nach Lyszmanns hist. nachricht vom kloster Meding (Halle 1772) bei Schiller-Lübben; gelegentlich erscheint dieser gebrauch im hochd.: wie die stainkolen oder dorffen, welche in Niderlanden und andern mehr orten, da wenig holtz, gebräuchig L. Rauwolff beschreibung der raisz (1583) 29;
das ist der gespenstige gräberknecht,
der dem meister die besten torfe verzecht
A. v. Droste-Hülshoff 1, 115.
6)
das subst. bezeichnet in collectiv verallgemeinerndem gebrauch als stoffname die 'brennerde'. auch diese ursprünglich niederd. verwendung des wortes ist in den skandin. und romanischen sprachen üblich geworden, sie hat aber auch in der nhd. schrift- und umgangssprache allgemeine geltung erlangt. in dieser bedeutung wird das wort seit dem 17. jh. von den lexicographen regelmäszig verzeichnet:
dorph
Henisch 736;
dorf, torf,
Stieler stammbaum 351;
torff, turf(f)
Apinus gloss. nov. 540;
Ludwig teutsch-engl. (1745) 1993;
torff
Dentzler clavis ling. lat. 2, 288;
Weismann lex. bipart. 2, 410; Steinbach 2, 826; Frisch 2, 377;
torf
Schottel haubtspr. 1432;
Kramer teutsch-ital. 2, 1102; Adelung 4, 631; Campe 4, 851; Hilpert engl.-germ. 2, 116; s. ferner Minerophilus bergwerckslex. (1730) 665; Leopold handwb. der ökonomie (1805) 515. man unterscheidet nach seiner stofflichen zusammensetzung, herkunft, beschaffenheit und gewinnung z. b. dwa-, klipp-, sand-, swagertorf brem.-nieders. wb. 5, 87; ferner z. b. rasen-, heide-, moor-, sumpf-, see-, meer-, moder-, schlamm-, schilf-, wurzel-, faser-, papier-, holz-, baggertorf; vgl. Krünitz encycl. 186, 192 ff., Meyers convers.-lex. 19⁶, 621 und die hier citierte fachliteratur. in liter. gebrauch erscheint die bezeichnung vor dem 17. jh. nur selten, dann aber unter dem einflusz der aus der umgangssprache des nordens schöpfenden schles. und obers. literatursprache mit zunehmender häufigkeit.
a)
die brennerde ist das naturproduct besonders der heide und des sumpflandes: man hat auch in Meissen an etlichen orten ein kohlerdrich under dem rasen, welches man gebraucht wie kohlen, wird bei uns dorpe genennet, wie man die niderländische zu Antorff durff nennet P. Albinus meiszn. bergkchron. (1590) 174; der ganze grund von Holland ist von dorf Heinse 7, 306; unter einer sumpfigen decke von torf G. Forster sämtl. schr. 3, 411; wo der torf nicht zutage lag Fontane I 6, 92; der moosige torf Herder 13, 49; guter torf Göthe III 2, 159 Weim.
b)
die brennerde wird ausgestochen und gegraben, dann getrocknet und aufgeschichtet: torf steken unde graven aus einem hannöv. stadtrecht im vaterl. archiv für Niedersachsen, jahrgang 1844 s. 170; torf stechen, graben Kramer; Adelung; Campe; Hilpert; daraus man den dorff oder die brennerd grabet Sebiz feldbau 19; man gräbet auch wol ... torff ... aus den moren Micrälius altes Pommerland 6, 398; während der zeit die Westphälinger in Holland torf stechen J. Möser 1, 303; sind die sümpfe unausrottbar, so versuche man's mit dem feuer! man steche sie als torf ab Gutzkow ritter vom geiste 7, 96; wenn wir torf backen, da musz ich mit 'ran Frenssen Jörn Uhl 74; ein tagewerk torf bezeichnet die masse getrockneter und aufgeschichteter stücke brennerde, deren rauminhalt 2048 quadratfusz beträgt, sie hält 8192 stücke, wenn ein quadratfusz mit 4 stücken berechnet wird Adelung; Campe.
c)
die brennerde wird an stelle von kohlen und holz als heizmaterial verwendet: alsme nu dar torff brend unde brock ys holtes H. v. Lerbeck schaumburg. chron. § 159 Fuchs; torfbrennen Kramer; Adelung; Campe; Hilpert; (sie) warf ... ein paar stücke steinharten torfes auf Fontane I 1, 75; mit trocknem heidereis und torf brachte sie das feuer wieder zum brennen Storm 1, 223; der kamin liegt immer voll torf und holz und giebt eine behagliche temperatur Bismarck briefe an seine braut und gattin 206;
und jeden sonntag hab' ich umsonst die stube mit torfe
gewärmet und gewartet, der werber kam mir nicht
G. Freytag 1, 314.
d)
gelegentlich wird die brennerde auch als baumaterial oder düngmittel verwendet: das land (bei Osnabrück ist) schlecht, der torf wird zu mauern um äcker und wiesen angewandt A. v. Haller tagebücher 67 Hirzel; wo der torf wegen seiner menge, oder wegen zuflusz an anderweitigem brennmaterial nur wenig werth hat, da wird er mit vortheil als dünger verwendet Schwerz praktischer ackerbau 40.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 881, Z. 28.

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Zitationshilfe
„torf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/torf>.

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