Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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torkel1, m. und f.

¹torkel, m. und f.,
die 'kelter', mit der wein und öl gepreszt wird. die bezeichnung ist heute nur auf südschwäb., schweiz. und tirol. boden lebendig, und auf oberd. denkmäler erscheint auch ihre verwendung bei schriftlichen aufzeichnungen seit alter zeit beschränkt. dasz trotzdem in vorliterarischer zeit der ausdruck auch auf dem gebiet der rhein. weinkultur geltung hatte, kann aus der verbreitung des abgeleiteten verbs in seiner übertragenen bedeutung noch erschlossen werden; vgl. im folgenden ²torkeln. der gebrauch des subst. im deutschen beruht auf der entlehnung von lat. torculum (auch torcular). in den maa. entspricht dǫrgl, tǫrkl, tǫargl Fischer schwäb. 2, 276; torggel Tobler Appenz. 147; torgk'l Schöpf tirol. 747; der plural wird meist schwach, oft auch mit umlaut gebildet. in ahd. gll.: 'torcular' torculun gll. 1, 670, 55 Steinmeyer-Sievers; 'prelo' torcla, torcvl 1, 528, 15; 'in prelo' in torculun 2, 251, 51; dann in spätmittelalterl. vocabularen 'torcular' targ(g)el gloss. 588ᵃ; nov. gloss. 367ᵇ Diefenbach; 'bachanal' torkel gloss. 65ᵇ; in frühnhd. wbb. dorckel Dasypodius (1537) germ.-lat. Rr 1ᵇ; Serranus dict. lat.-germ. (1539) bb 1; dorgel, dorckel, torgkel Schöpper synon. (1550) f 7ᵇ; dorckel und torckel Maaler 91 und 404; dorckel Henisch (1616) 731; torckel Schönsleder prompt. (1647) Jii 2ᵇ; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 2, 288; auch noch von Adelung 4, 631 und Campe 4, 852 wird die torkel als oberdeutscher dialectausdruck verzeichnet. in geistlichen dichtungen aus dem mittelalter findet sich das wort mehrfach bei umschreibungen der vulgatastelle Jes. 63, 6 'torcular calcavi solus':
er drat dî torculin altirseini
summa theologia 138 Waag;
daz er die torculen eine hete [lies træte!]
anegenge 77 Hahn, gedd. des 12. u. 13. jhs. 39;
ebenso im leben Jesu der frau Ava aus der Vorauer hs. 271, 12 Diemer; in den altd. passionsspielen aus Tirol 192 Wackernell. oft hat Notker bei seiner psalmencommentierung das wort in deutscher form, gewöhnlich als übersetzung von lat. 'torcular', verwendet: umbe die torcula 8, 1; in demo torcule 8, 9; tougina dinch des torclis 80, 5; fone demo olee torclis 80, 8. auch in späteren oberd. prosadenkmälern besonders wirthschaftlichen inhalts begegnet der ausdruck vielfach (vgl. Lexer 2, 1467 und Fischer 2, 176): er hett ain dorkel im haus ..., denselbigen dorkel liesz er verkaufen zimmerische chronik 3², 464; scheyren, törgell, speicher Seb. Bürster beschr. des schwed. kriegs 6; die ... weintrauben ... auff die torckl geführt werden H. Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 679; (nun wird) der satz aber, die trestern, auf den torkel gebracht und ausgedrückt L. Steub drei sommer in Tirol 2, 234. bei localbezeichnungen: ein wingarten, den man sprichet ze dem Torggel aufz. von 1342 im cod. dipl. zur gesch. von Graubünden 2, 355 Mohr; vor desselben Uolrichs torggel Richental chron. des Constanzer concils 74 lit. ver. bildlich: du ... must dich gütlich vnd demütiklich und in den torckel des leidens willigklichen geben zu leiden J. Tauler sermones (1508) A VIIᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 890, Z. 70.

torkel2, m.

²torkel, m.,
als neubildung zu dem verb in der bedeutung 'beim gehen, schwanken, taumeln'; vgl. ²torkeln.
1)
besonders im ostmd. gilt torkel als bezeichnung für den 'schwankenden, taumelnden gang', dann auch für den 'schwindel des kopfes' meist eines betrunkenen Müller-Fraureuth sächs.-erzgeb. 1, 232; Albrecht Leipzig 223ᵇ; Hertel Thür. 245; Jecht Mansf. 1126; Frischbier preusz. 2, 406; aber auch z. b. im elsäsz. erscheint turkel als der 'schwindel' Martin-Lienhart 2, 703; man sagt den torkel kriegen, haben, im torkel sein Müller-Fraureuth; Albrecht. auch der branntwein als ursache des taumels und schwindels wird gelegentlich mit dem wort bezeichnet Frischbier. ferner gilt das subst. auch als bezeichnung für 'das blinde glück', torkel haben heiszt auch 'glück haben' Müller-Fraureuth; er hat heute den torkel 'er ist heute glücklich beim spielen' Frischbier; vgl. auch Albrecht, Hertel, Jecht, ferner Kleemann nordthür. 23ᶜ; Mi Mecklenb.-Vorpommern 94; auch in studentenkreisen ist der ausdruck geläufig Kluge studentenspr. 130.
2)
weiter verbreitet ist der gebrauch des wortes zur bezeichnung eines menschen, der wie der betrunkene beim gehen schwankt und einen schwindeligen kopf hat. im ostmd. heiszt torkel, turkel auch ein 'taumelnder, ungeschickter mensch', ein 'dummkopf' Müller-Fraureuth sächs.-erzgeb. 1, 232; Anton Oberlaus. 5, 7; aber auch im schwäb. ist dǫrgl und auch mit umgelauteter stammsilbe dęrgl ein 'mensch mit säbelbeinen', eine 'kleine, dicke, schwächliche person', besonders 'ein kind, das nicht recht gehen kann' Fischer 2, 276; man sagt ein kleiner, dicker, dummer törkel, aber auch ein netter törkel ebenda; auch im luxemb. ist torjékel ein 'dummer, unbeholfener mensch' luxemb. wb. 440; hier auch gilt Tuͤrkel als name für den deutschen Bacchus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 891, Z. 49.

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Zitationshilfe
„torkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/torkel>, abgerufen am 17.09.2021.

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