Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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torkeln1, törkeln, verb

¹torkeln, törkeln, verb,
'keltern' zu ¹torkel 'kelter', wie im lat. torculare zu torculum: torggla Tobler Appenz. 146; torgkeln Schöpf tirol. 747; dǫ(ə)rglə Fischer 2, 278. zu torkeln ist gelegentlich auch torken neu gebildet worden: 'brisare' wein ausztorcken nov. gloss. 59ᵇ Diefenbach. in Tirol heiszt törkelen 'im torkel mit weinproben bewirthen' Schmeller 1², 620; (die erprobung des jungen weines soll) im torkel geschehen und deswegen heiszt auch die lobenswerthe übung törkelen Steub drei sommer in Tirol 2, 237; im Etsch- und Eisackthal bedeutet törgkelen überhaupt 'trinken', besonders den jungen wein im herbst Schöpf 747; von einem, der gern ins wirthshaus geht, sagt man er geht törgkelen ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 892, Z. 39.

torkeln1, törkeln, verb

¹torkeln, törkeln, verb,
'keltern' zu ¹torkel 'kelter', wie im lat. torculare zu torculum: torggla Tobler Appenz. 146; torgkeln Schöpf tirol. 747; dǫ(ə)rglə Fischer 2, 278. zu torkeln ist gelegentlich auch torken neu gebildet worden: 'brisare' wein ausztorcken nov. gloss. 59ᵇ Diefenbach. in Tirol heiszt törkelen 'im torkel mit weinproben bewirthen' Schmeller 1², 620; (die erprobung des jungen weines soll) im torkel geschehen und deswegen heiszt auch die lobenswerthe übung törkelen Steub drei sommer in Tirol 2, 237; im Etsch- und Eisackthal bedeutet törgkelen überhaupt 'trinken', besonders den jungen wein im herbst Schöpf 747; von einem, der gern ins wirthshaus geht, sagt man er geht törgkelen ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 892, Z. 39.

torkeln2, verb

²torkeln, verb,
beim gehen, besonders im rausch 'hin- und herschwanken, taumeln', sowohl in der nhd. schrift- und umgangssprache als auch in den meisten hochd. und niederd. maa. die herkunft des wortes ist gewisz nicht richtig bestimmt worden mit der in den etym. handbüchern allgemein wiederholten behauptung, dasz es als ableitung von einem subst. turc 'schwankende bewegung' zu gelten habe. ein solches subst. ist in keiner der lebenden deutschen maa. wirklich gebräuchlich und überhaupt nur in der preusz. chronik des Nic. v. Jeroschin nachweisbar; vgl. die mhd. wbb. der reimchronist hat das wort fast ausschlieszlich als verlegenheitsbindung zu burc verwendet, einmal auch zu dem sonst wieder nirgends nachweisbaren slurc: die form turc ist offenbar die erst von ihm selbst geschaffene rückbildung zu ²torkel und ²torkeln, die heute noch auch mit dem stammvocal u auftreten und geuisz schon im 13. jh. volksthümliche geltung hatten. auch neben der in den lebenden maa. allgemein gebräuchlichen verbalform mit einem l in der endsilbe begegnet, wieder als gelegentliche rückbildung, mitunter die l-lose form: dorken Crecelius oberhess. 1, 282; turkeⁿ Martin-Lienhart els. 2, 713. sonst ist im westmd. dorkeln, dorkele gebräuchlich: Crecelius; Schmidt westerw. 258; Kehrein nassau. 115; Autenrieth pfälz. 35; Askenasy Frankf. 216; Reinwald henneb. 20; auch dorzeln Crecelius; mit nicht erweichtem dentalanlaut torgeln Schmidt westerw.; Lenz Handschuhsheim 49; im ostmd. torkeln Hentrich Eichsfeld 17; Jecht Mansfeld 113ᵃ; Müller-Fraureuth sächs.-erzgeb. 1, 232; Albrecht Leipzig 223ᵇ; auch im schles. nach Frommanns d. maa. 4, 188; ebenso im niederd. Schambach Gött. und Grubenh. 232; Danneil altm.-plattd. 235; Mi Mecklenb.-Vorpommern 94; Frischbier preusz. 2, 406; daneben finden sich umgelautete formen dörkeln Reinwald; törkeln Hertel Thür. 245. im westmd. und niederd. ist aber auch die form mit dem stammvocal u gebräuchlich: turkeln Schmitz Eifel 232; turkələ Follmann lothr. 91; tuᵉrkelen luxemb. wb. 446; tuͦrkᵉlᵉn Bauer-Collitz waldeck. 106; auch im thür., sächs.-erzgeb. und schles. tuͦrkeln Hertel; Albrecht; Frommanns d. maa. 4, 188; ebenso im preusz. Frischbier; die umgelautete u-form wird im westmd. verwendet: tîrkelen Follmann lothr. 91; luxemb. wb. 438; wieder formen mit o und u als stammsilbenvocal treten auch im oberd. auf: schwäb. dorglə, torkleⁿ, durglə, turkleⁿ Fischer 2, 276; im elsäsz. turkleⁿ, turchleⁿ; in Tirol torgkeln Schöpf 747; in Baiern und Österreich tarkeln, targln Schmeller 1² 620; Höfer 3, 232; auch in Kärnten targgeln Lexer 52. neben den formen mit anlautendem, einfachen dental stehen aber in ganz entsprechender bedeutung auch solche mit anlautendem st, und aus ihrem erscheinen auf räumlich weit von einander getrennten gebieten musz geschlossen werden, dasz sie auf alter grundlage beruhen: im nassau.-weilburg. wird nach Schmidt westerw. 258 auch storkeln gesprochen, ebenso im Unterinnthal storkelen Schöpf 747; ferner im moselfränk. sturkeln Fr. Kramer idiotismen des Bistritzer dialects 128; šturkələn und štirkələn Follmann lothr. 500; luxemb. wb. 425. endlich ist auf ein bisher anscheinend ganz unbeachtet gebliebenes zeugnis für den gebrauch einer ahd. form mit verschoben anlautendem z hinzuweisen: in Otfrids evangelienbuch steht als wiedergabe der vulgatastelle Joh. 11, 6 'ut ergo audivit, quia infirmabatur' der vers
so druhtin tho gihorta, thaz er so zorkolota
III 23, 25;
es kann gar nicht zweifelhaft sein, dasz zwischen ahd. zorkolōn 'schwach, hinfällig werden' und torkeln, storkeln, die in den lebenden maa. nicht nur 'beim gehen hin- und herschwanken', sondern dann auch 'vor schwäche umtaumeln, hinfallen' bedeuten, ein enger zusammenhang besteht. aus diesem zusammenhang ist aber erschlieszbar, dasz der gebrauch des ausdrucks in hohes alterthum zurückreicht. freilich als ableitung von einem altwestgerm. wortstamm kann das verb nicht gebildet worden sein: es steht ganz isoliert im deutschen wortschatz da und hat auch keine entsprechungen im niederl., fries., engl. und in den nordgerm. sprachen; überdies ist es offenkundig, dasz die form mit anlautendem t erst nach der lautverschiebung über das deutsche sprachgebiet sich verbreitet hat. somit musz es schon an sich als wahrscheinlich gelten, dasz der ausdruck als lehnwort in den deutschen wortschatz aufgenommen wurde. das verb in der bedeutung 'hin und her schwanken, taumeln' ist offenbar mit dem gleichlautenden verb in der bedeutung 'keltern' zu identificieren, und wie torkeln auf lat. torculare beruht, so wird storkeln auf lat. extorculare zurückgehn. mit der drehung der weinpresse ist dann die schwankende gangart eines vom weingenusz berauschten verglichen worden, wie z. b. schon Prasch in seiner sammlung bair. idiotismen richtig erkannt hat, indem er annahm, dasz dorckeln eigentlich die vorstellung 'torculi instar circumagi prae ebrietate' ausdrückt; vgl. J. Heumanni opuscula (Nürnberg 1747) 676. die ausdrücke torculum, torculare, extorculare müssen mit den einrichtungen der römischen weinkultur vor der hochd. lautverschiebung von deutschen weinzüchtern der rheinischen weingegenden übernommen worden sein. im hochd. hat das anlautende z sich nicht behaupten können, weil das anlautende t durch den fortwirkenden einflusz der roman. form gestützt war, vgl. das erscheinen der ausdrücke in lat. aufzeichnungen des mittelalters aus franz. gebiet bei Du Cange-Favre 8, 126 und afranz. torgeoir(e) bei Godefroy 7, 754. in ihrer ursprünglichen bedeutung sind dann die entlehnten bildungen nur auf oberd. boden gebräuchlich geblieben, auf westmd. gebiet aber schon vor der zeit schriftlicher aufzeichnungen in deutscher sprache durch synon. benennungen, wie z. b. kelter, keltern, trotte, trotten ersetzt worden. die übertragene verwendung der entlehnten verbalformen ist jedoch auch auf westmd. gebiet erhalten geblieben und hat sich von hier aus auch über das ostmd. und nieders. verbreitet. im mittelalter wird das verb in dieser bedeutung als vulgär und daher auch zur zeit höfisch-ritterlicher poesie als nicht literaturfähig gegolten haben. erst der derbere geschmak des ausgehenden mittelalters und dann besonders des 16. jhs. begünstigte seine literarische verwendung. der gebrauch von torkeln auch in den schriften Luthers, dann in der schles. und obers. literatur des 17. und 18. jhs. hat allmählich seine normale geltung in der nhd. schrift- und umgangssprache durchgesetzt. in den frühnhd. wbb. begegnet das wort noch selten: vgl. z. b. 'titubare' dorckelen gloss. 586ᵃ Diefenbach; torkelen in Schottels haubtspr. 1432; regelmäszig erscheint es erst in den wbb. des 18. jhs.: torckeln Rädlein 1, 881; Weismann lex. bip. 2, 410; Steinbach 2, 826; torkeln Frisch 3, 277; Adelung 4, 632; Campe 4, 852. das verb wird mit beziehung auf die schwankende gangart des betrunkenen, dann auch des vor müdigkeit, schwäche oder alter hinfälligen gebraucht: titubare, ebriorum proprie est, et exhaustis viribus senum auff den füszen ungewis gehen, straucheln, torckeln oder taumelen wie die trunckenen vnd schwachen alte leut B. Faber thes. 871ᵃ.
1)
torkeln wird auf den im rausch hin- und herschwankenden, umfallenden bezogen: grave Wolf, der noch doll und blint voll, glaubts, dorchelt dahin und maint sich in sein bet zu legen zimmerische chronik 3², 528; nu er aber so vol ist, das er da ligt wie eine saw; oder so er geht, torkelt und daumelt er so nerrisch, das man sein lachen mus Luther 19, 400 Weim.; da gehen sie [die trunkenen] daher, torkeln auff der gassen von einer wand zuͦ der andern S. Franck laster der trunkenheit [1531] E 3ᵇ; woher kommt es doch, dass sie so hin und her dorckeln? Grimmelshausen Simplicissimus 83 neudr.; hätt' ich ihn nur einmal so allein im keller, ein bischen betrunken müszt' er schon sein und herum torkeln Tieck 3, 53; das (so viel trinken) kann ich freilich nicht ..., ich thäte turkeln Holtei erz. schriften 17, 25;
dort dorckelt er gleich eben her,
mich dunckt zwar, er sey nicht vast ler
H. Sachs 9, 97 Keller-Götze;
wer dich nit hübschlich trinken kann,
der torkelt auf der narren bahn
die volkslieder der Deutschen 1, 108 v. Erlach;
da verstand und witz entglitschet,
da man turkelt, taumelt, hütschet
Zesen helikon. rosentahl 86;
ihm wird der trunkne kopf zu schwer;
er sinkt und torkelt auf die erde
Hagedorn poet. werke 3, 196;
es torkelt Bibulus, ist stündlich toll und voll
Logau sinnged. 46 lit. ver.;
und Trinculo ist auch zum torkeln voll
Shakespeares sturm, act 5 sc. 1,
2)
torkeln wird auf den im schlaf, im dunkeln, vor müdigkeit, altersschwäche wankenden, stolpernden, hinfallenden bezogen:
da torckelt ich ins meer mit grausz
Spreng Äneis 114ᵇ;
der ander mochte ... ohne geleite und ungeleuchtet im finstern ins spital hinein turckeln Mathesius Syrach 81ᵇ; er ... torkelte bitterlich weinend nach hause G. Keller 5, 132; das alte weiblein ... torkelt in die kirche Rosegger I 4, 175; wer am weitesten vorkam, der kriegt' es mit fürchterlicher gewalt an den kopf, an die arme, dasz er beiseite geschleudert um und um torkelte Melchior Meyr erz. aus dem Ries 2, 409. eⁱ ns turkleⁿ heiszt 'ein schläfchen machen' Martin-Lienhart els. 2, 713.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 892, Z. 53.

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Zitationshilfe
„torkeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/torkeln>, abgerufen am 22.01.2022.

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