Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tost1

¹tost,
auch tosten, m. (f. nur bei Hohberg georg. cur. 1, 447ᵇ u. Nemnich neben m., s. u.), zur idg. wurzel tēu-, tŭ- 'schwellen' gehörig Walde-Pokorny 1, 707; bereits in ahd. glossen t neben d im anlaut tosta, tosto, dost, tost s. zs. f. d. wortf. 3, 267; in der nhd. schriftsprache meist t-, dialektisch meist d-; vgl. th. 2, 1311 u. zur bedeutung koste th. 5, 1861 f.
1)
büschel, strausz von blumen, gras, blattpflanzen:
sy ... truͦg ain tosten in der handt
liederb. d. Hätzlerin 165ᵃ;
ein pflantzer ... heilet durch sein kraut dieselbigen wunden (am pflanzbaum) wider zu ...: nicht dasz sein kraut oder tast, den er darüber legt, solcher natur sei Paracelsus chir. (1618) 338ᵇ; dialektisch tost Liesenberg Stieger ma. 137; dost Hertel Thür. 83; dust Bauer-Collitz 25ᵇ; dosten Schmeller-Fr. 1, 550; dost(en) Fischer 2, 288; auch 'dolde eines gewächses' ebda; tost 'zweig von einem baume' Schambach Götting. 233ᵃ; übertragen büschel haare:
Atreus sohn ... schor den tost von jedes lammes haupt
Bürger 154 Bohtz;
'die zotte z. b. von einem struppigen barte' Schambach a. a. o.; auch 'das ausgezupfte ende der peitschenschnur' ebda; tost 'hangender quast, trottel' und 'zopf oder busch, den die kutschpferde zum zierat auf dem kopf haben' brem.-ndsächs. wb. 5, 90; helmbusch:
den goldnen helm,
geziert mit buckeln und vier tosten
Bürger 176 Bohtz;
vgl. 155; 210; s. hauptbetostet th. 4, 2, 608; verblaszt im bauwesen tost 'gipfel, spitze, haube' Mothes baulex. (1882) 4, 358.
2)
von pflanzen mit dichten, doldenartigen blütenständen, d. i. wilder majoran, thymian, wolgemut, origanum vulgare und silvestre, cunila bubula: dosten, doste, braune doste, rothe doste, gemeine doste, dostenkraut, walddosten, wilder majoran, wohlgemut Nemnich 2, 788; entgegen Kluge etym. wb.⁷ 97ᵇ kaum aus 1 entwickelt, sondern eher umgekehrt; in ahd. und mhd. gloss. für origanum s. o. und tosta, tosten, tost, dost, dust ... Diefenbach 400ᶜ; nov. gloss. 273ᵇ; dosten und hoher dost (der) Maaler 92ᵃ; dosten, wolgemut, reucht wol, hat braunrote leibfarbe, rote und weisse blümlin, cunila, cornelion, conila, origanum Henisch 737; tosten Schottel haubtspr. (1663) 1432 und dosten 1304; tosten oder dosten Ludwig teutsch-engl. 2 (1716) 1994; man mag auch in die sträw legen rotten dosten und weissen dosten Mynsinger v. d. falken 73 lit. ver.; tosten oder kosten Gersdorff feldb. d. wundarzn. (1517) 104; aus den blumen des gemeinen dosten werden dampfbäder gemacht Tabernämontanus kräuterb. (1588) 727;
nicht weit vom fewr stund der tisch,
der war ein geiszlorber gar frisch
gepfürcht, nahend darbei im dost
lag ein gut fasz mit newen most,
das fasz was nichts denn ein weinbeer
Fuchs mückenkr. 2, 369 Genthe;
auch sol man im stalle ... knoblauch, tost oder wolgemut haben Walther pferde- u. viehz. (1658) 187; der dosten oder wolgemut seind unterschiedliche gattungen. die gemeine oder wilde dosten hat breitere blätter als der majoran Hohberg georg. cur. 1, 447ᵇ u. ö.; seit alten zeiten im volksglauben eine antidämonische pflanze s. Hovorka-Kronfeld vergl. volksmedizin 1, 102 f.; hwb. d. dtsch. aberglaubens 2, 361 ff. noch heute dialektisch verbreitet: tost Liesenberg a. a. o.; toste Schmidt elsäss. 356ᵇ; dost(en) Fischer 2, 288; doste, -en Schmeller-Fr. 1, 550; dosten Unger-Khull 163ᵃ; dost(en) Lenz Handschuh. 18ᵃ; dust, dosten Bauer-Collitz 25ᵇ; dost Hertel Salzung. 10; Thür. 83; dosten Müller-Fraureuth 1, 233ᵇ. — spec. clinopodium vulgare: die wirbeldoste, wirbelborsten, wilddost, hauptdost, kleiner dost Nemnich 1, 1067; haupt-, wirbel-, wilddosten Henisch 737; = syringa vulgaris: gemeiner flieder ..., blaue dosten Nemnich 2, 1414; blâge dost Schambach Götting. 46ᵇ; = eupatorium camabinum: Fischer a. a. o.; dafür dostenkraut Nemnich wb. d. naturgesch. 112; gele dost = Johanneskraut Schambach a. a. o.; weiszer dost = achillea ptarmica Fischer a. a. o.: = moos, muscus Nemnich wb. d. naturgesch. 112; Schmeller-Fr. 1, 550; dostrose = moosartiger auswuchs auf dem rosenstrauch, schlafdorn Hertel a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 904, Z. 51.

tost2, m.

²tost, m.,
in obd. maa. bezeichnung des cretins; in Kärnten (Lexer kärntn. 65 — dort auch der toschge), Steiermark (Unger-Khull 163ᵃ: schwachsinniger mensch und dummkopf) und Tirol (Schöpf 748); mit anlautendem d in Kärnten zs. f. d. ph. 3, 334 und neben t in Tirol s. Schöpf 87. anm. zu trottel (cretin): anderswo heiszen diese unglücklichen fex, gock, tatsch, tost, tocker, poppel Hoffmann v. Fallersleben m. leben (1868) 2, 261; nach th. 2, 1311 auch nd. dost = 'quast, trottel'; vgl. tatsch th. 11, 1, 160 und totsch th. 11, 1, 914, tasche th. 11, 1, 150. dazu tostel, m. und n. Unger-Khull a. a. o.; dostl, m. Schöpf 87; dostle, f.: zs. f. d. phil. 3, 334.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 905, Z. 58.

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Zitationshilfe
„tost“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tost>, abgerufen am 22.01.2022.

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