dote m. und f
Fundstelle: Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1312, Z. 8
die person die jemand aus der taufe hebt, gevatter, gevatterin, dann auch der täufling, susceptor, susceptrix und susceptus, suscepta e sacro lavacro. ahd. toto patrinus, tota admater Graff 5, 381. mhd. tote. das gleichbedeutende, ebenso den taufzeugen als den täufling bezeichnende pate stammt von pater. kann tote auch mit ätti (oben 1, 595) zusammenhängen? das griech. τάτα τέττα, schwäb. datte dätte (Schmid 116), niederd. teite damit in verbindung zu bringen, ist wegen der mangelnden lautverschiebung bedenklich. Walefried Strabo (de rebus eccles. c. 7) bemerkt als eigene deutsche ausdrücke für genitor und genitrix atto und ama, todo und toda. dotte patrinus oder gevatter oder stetmeister Voc. theut. 1482 f iᵇ. tot patrinus, compater, qui levat puerum de fonte Vocab. incip. teut. X 4. tod gevatter Schönsleder Gg 3. dod alter pater, pater spiritualis qui puerum e baptismo suscepit. Henisch 722. dott dotle pat propater, pater lustricus: dott dotle profilius, profilia: filius lustricus, filia lustrica 738. dot susceptor, susceptrix: susceptus e baptismo oder suscepta, herr dot, frau dot, auch das kind heiszt dot, dotlein, dötlein Frisch 1, 203ᶜ. s. dotin und vergl. gött. tott und töttle oder töttchen filius spiritualis, filia lustrica Stieler 2276. dod m. susceptor Steinbach 1, 279. der tott (casus obliq. totten), die totten oder die tott, tauftott, firmtott. in altbair. mundart mit umlaut der tött (gen. des tötten), der töttel und ohne umlaut der, die tott (gen. der totten), die tottel, die totten Schmeller 1, 464. der döte taufpate, das dötle taufkind, die dotte weibliche pate, in Ulm auch die hebamme Schmid 116.
1.
der taufzeuge, taufpate, der an vaters statt für den täufling zu sorgen verspricht.
er wart getoufet jâ,
her Dietrîch wart dô sîn tote
Laurin bei Nyerup 46ᵇ.
es wirt ouch von mir Reinbot
genant gevater unde dot
Georg 2849.
dar nâch vil schiere toufter in
vil werde in gotes namen drin.
dô wart ze vater ime erkorn
sîn kint daz von im was geborn,
dô wart sîn vater und sîn tote
sîn fleischlich kint in gote.
Rudolfs Barlaam 355, 17—21 Pfeiffer.
es solten des kindes totten daz kint den glouben und daz paternoster lêren, sô ez siben jâr alt würde. wan sie sint ez im schuldic, wan sie sint geistlîche vater und muoter Berthold 230.
der bischof, der vil guote man,
toufte in lieblich in gote
und wart in aller trûwe ein tote.
Passional 497, 74 Köpke.
der bischof
toufte in und wart sîn tote
557, 65, 6.
der bischof der herre guot
toufte mit sîn selbes hant
daz jüdelîn und wart im zuhant
nâch der kristenheit gebote
ob der toufe ein holder tote
Marienleg. 258, 541—46.
ez sî sîn mâc oder sîn gevatter oder sîn tote Augsb. stadtbuch bei Schmeller 1, 465.
über mînes toten sât
sach ich in eines rîten
Helmbrecht 1132.
daz er dem lieben toten mîn
alsô zertrat sîn arbeit
1138.
die fürstin nâch ir lieben toten bet,
des gast si nam zuo ir und wîsete in sitzen
Lohengr. s. 26.
die fürstin sprach 'doch dûht mich guot,
lieber tote, ob ir es hetet in iuwerm muot
daz ir got morgen sunget ein messe zêren'
s. 27.
bildlich.
ouch trage ich hazzes vil gein gote,
wand er ist mîner sorgen tote (förderer),
die hât er alze hôhe erhabn:
mîn freude ist lebendec begrabn
Wolfr. Parz. 461, 9—12.
ir welt se (die stange) habn als iweren totn (beschützer).
Wolfr. Wilh. 275, 23.
man nimmt an auf den täufling giengen einige eigenthümlichkeiten und tugenden des pathen über: man sagt 'er hat die neunte ader von seinem pathen.' der glaube ist alt, schon im Helmbrecht wird er erwähnt,
man liset ze Rôme an der phaht (in dem gesetz)
ein kint gevâhe in sîner jugent
von sînem toten éine tugent
482.
von dem erbet mich daz an
unde ouch von dem toten mîn
(die bêde müezen sælic sîn)
daz ich alle mîne tage
mînen muot sô hôhe trage
1378—82.
in seiner firmung von Carolo, dem frankreichischen künig, seinem döten oder pfettern, nach im Carolus genant Frank Chronicon 195ᵃ.
mein dot gester abendt spat
den wilden mann bekommen hat
Jac. Ayrer 2, 277ᵃ.
hein! (wird mein hochgertister hr. döt und frau dot sagn) ists nit gnue dasz mir (wir) den bueben ausz der tauff gehoben und ausz ein haiden zu ein christen gemacht habn Schwabe Tintenf. A 3ᵇ. liebwertister her döt und frau dot A 3ᵃ. meinem insonders liebwertisten herr döten als auch meiner herzliebwertisten frau dot A 2ᵃ. auch das war eine gloriose zeit, als der herr döte stadtschreiber noch regierte Wildermuth Bilder aus dem schwäbischen leben (1853) s. 150.
2.
der täufling, der von dem taufzeugen ebenfalls pate, patchen genannt wird.
ich wil hiute mîme toten geben
daz er dester frôer müge leben.
Laurin bei Nyerup s. 47ᵃ.
sie (die das kind aus der taufe gehoben haben) sülnt sprechen zu sînem (des kindes) vater oder muoter 'gevater, ir sült mir mînen toten das paternoster und den glouben lêren, oder ir lât in zuo mir gên, sô lêre ich ez Berthold 230.
Malfer wirt mîn tote
durch die hêren trinitât
Türheims Wilhelm pfälz. hs. 235ᵇ.
gevater mîn, sô ist ez wâr,
sam mir daz heilige jâr,
und dar zuo sêle unde lîp.
mîn kint, dîn tote, und mîn wip
müezen des tiuvels eigen sîn,
sî mir niht der bache hin
Haupts zeitschr. 7, 104, 93—96.
dote m. und f
Fundstelle: Lfg. 6 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1312, Z. 8
die person die jemand aus der taufe hebt, gevatter, gevatterin, dann auch der täufling, susceptor, susceptrix und susceptus, suscepta e sacro lavacro. ahd. toto patrinus, tota admater Graff 5, 381. mhd. tote. das gleichbedeutende, ebenso den taufzeugen als den täufling bezeichnende pate stammt von pater. kann tote auch mit ätti (oben 1, 595) zusammenhängen? das griech. τάτα τέττα, schwäb. datte dätte (Schmid 116), niederd. teite damit in verbindung zu bringen, ist wegen der mangelnden lautverschiebung bedenklich. Walefried Strabo (de rebus eccles. c. 7) bemerkt als eigene deutsche ausdrücke für genitor und genitrix atto und ama, todo und toda. dotte patrinus oder gevatter oder stetmeister Voc. theut. 1482 f iᵇ. tot patrinus, compater, qui levat puerum de fonte Vocab. incip. teut. X 4. tod gevatter Schönsleder Gg 3. dod alter pater, pater spiritualis qui puerum e baptismo suscepit. Henisch 722. dott dotle pat propater, pater lustricus: dott dotle profilius, profilia: filius lustricus, filia lustrica 738. dot susceptor, susceptrix: susceptus e baptismo oder suscepta, herr dot, frau dot, auch das kind heiszt dot, dotlein, dötlein Frisch 1, 203ᶜ. s. dotin und vergl. gött. tott und töttle oder töttchen filius spiritualis, filia lustrica Stieler 2276. dod m. susceptor Steinbach 1, 279. der tott (casus obliq. totten), die totten oder die tott, tauftott, firmtott. in altbair. mundart mit umlaut der tött (gen. des tötten), der töttel und ohne umlaut der, die tott (gen. der totten), die tottel, die totten Schmeller 1, 464. der döte taufpate, das dötle taufkind, die dotte weibliche pate, in Ulm auch die hebamme Schmid 116.
1.
der taufzeuge, taufpate, der an vaters statt für den täufling zu sorgen verspricht.
er wart getoufet jâ,
her Dietrîch wart dô sîn tote
Laurin bei Nyerup 46ᵇ.
es wirt ouch von mir Reinbot
genant gevater unde dot
Georg 2849.
dar nâch vil schiere toufter in
vil werde in gotes namen drin.
dô wart ze vater ime erkorn
sîn kint daz von im was geborn,
dô wart sîn vater und sîn tote
sîn fleischlich kint in gote.
Rudolfs Barlaam 355, 17—21 Pfeiffer.
es solten des kindes totten daz kint den glouben und daz paternoster lêren, sô ez siben jâr alt würde. wan sie sint ez im schuldic, wan sie sint geistlîche vater und muoter Berthold 230.
der bischof, der vil guote man,
toufte in lieblich in gote
und wart in aller trûwe ein tote.
Passional 497, 74 Köpke.
der bischof
toufte in und wart sîn tote
557, 65, 6.
der bischof der herre guot
toufte mit sîn selbes hant
daz jüdelîn und wart im zuhant
nâch der kristenheit gebote
ob der toufe ein holder tote
Marienleg. 258, 541—46.
ez sî sîn mâc oder sîn gevatter oder sîn tote Augsb. stadtbuch bei Schmeller 1, 465.
über mînes toten sât
sach ich in eines rîten
Helmbrecht 1132.
daz er dem lieben toten mîn
alsô zertrat sîn arbeit
1138.
die fürstin nâch ir lieben toten bet,
des gast si nam zuo ir und wîsete in sitzen
Lohengr. s. 26.
die fürstin sprach 'doch dûht mich guot,
lieber tote, ob ir es hetet in iuwerm muot
daz ir got morgen sunget ein messe zêren'
s. 27.
bildlich.
ouch trage ich hazzes vil gein gote,
wand er ist mîner sorgen tote (förderer),
die hât er alze hôhe erhabn:
mîn freude ist lebendec begrabn
Wolfr. Parz. 461, 9—12.
ir welt se (die stange) habn als iweren totn (beschützer).
Wolfr. Wilh. 275, 23.
man nimmt an auf den täufling giengen einige eigenthümlichkeiten und tugenden des pathen über: man sagt 'er hat die neunte ader von seinem pathen.' der glaube ist alt, schon im Helmbrecht wird er erwähnt,
man liset ze Rôme an der phaht (in dem gesetz)
ein kint gevâhe in sîner jugent
von sînem toten éine tugent
482.
von dem erbet mich daz an
unde ouch von dem toten mîn
(die bêde müezen sælic sîn)
daz ich alle mîne tage
mînen muot sô hôhe trage
1378—82.
in seiner firmung von Carolo, dem frankreichischen künig, seinem döten oder pfettern, nach im Carolus genant Frank Chronicon 195ᵃ.
mein dot gester abendt spat
den wilden mann bekommen hat
Jac. Ayrer 2, 277ᵃ.
hein! (wird mein hochgertister hr. döt und frau dot sagn) ists nit gnue dasz mir (wir) den bueben ausz der tauff gehoben und ausz ein haiden zu ein christen gemacht habn Schwabe Tintenf. A 3ᵇ. liebwertister her döt und frau dot A 3ᵃ. meinem insonders liebwertisten herr döten als auch meiner herzliebwertisten frau dot A 2ᵃ. auch das war eine gloriose zeit, als der herr döte stadtschreiber noch regierte Wildermuth Bilder aus dem schwäbischen leben (1853) s. 150.
2.
der täufling, der von dem taufzeugen ebenfalls pate, patchen genannt wird.
ich wil hiute mîme toten geben
daz er dester frôer müge leben.
Laurin bei Nyerup s. 47ᵃ.
sie (die das kind aus der taufe gehoben haben) sülnt sprechen zu sînem (des kindes) vater oder muoter 'gevater, ir sült mir mînen toten das paternoster und den glouben lêren, oder ir lât in zuo mir gên, sô lêre ich ez Berthold 230.
Malfer wirt mîn tote
durch die hêren trinitât
Türheims Wilhelm pfälz. hs. 235ᵇ.
gevater mîn, sô ist ez wâr,
sam mir daz heilige jâr,
und dar zuo sêle unde lîp.
mîn kint, dîn tote, und mîn wip
müezen des tiuvels eigen sîn,
sî mir niht der bache hin
Haupts zeitschr. 7, 104, 93—96.
tot, tote
Fundstelle: Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 906, Z. 5
auch mit ö, m. und f., taufpate und patenkind; auch hebamme Fischer schwäb. 2, 290; composita s. 2, 292—6 und Hertel Thür. 245; vgl. th. 2, 1312 f.
Zitationshilfe
„tote“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/tote>, abgerufen am 21.09.2019.

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