Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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tod, m.

tod, m.
mors, goth. dauþus, ahd. tôd tôth dôd u. a. (plur. tôda), mhd. tôt, tôdes, plur. tôde und tœde (auch im singul. mit unechtem umlaut tœt Weinhold bair. gr. § 57, von tœde German. 11, 71, 67), nhd. tod todt, plur. tode, früher auch töde; alts. dođ dôd, mnd. dôt, mnl. dood; ags. deáđ, engl. death; altfries. dâd dâþ, altn. dauđi — verbalabstractum einer germanischen wurzel dau (mit ursprünglichem suffix tu), woraus goth. divan (prät. dau) altn. deyja (prät. dô) und schwachformig ahd. mhd. touwen teuwan töuwen, md. douwen, sterben; dazu gehört das goth. partic. afdauiþs (abgehetzt Marc. 9, 36) von einem verb. dôjan sterben machen, tödten, und auszerhalb des germanischen altslav. daviti erwürgen (Miklosich 151ᵇ). über die gemutmaszte bedeutung des wurzelverbs (flare, halare, übergehend in die bedeutung exspirare, exhalare und mori) s. Grimm gesch. d. d. spr. 404 f. Curtius³ 497. Fick³ 3, 143.
I.
der tod ist die auflösung des (zunächst menschlichen) lebens, das sterben sowol als das gestorbensein, mag es auf natürliche oder gewaltsame weise erfolgen: der begriff des todes drückt entweder das harte nothwendige schicksal zu sterben aus und da sagten die Griechen schicksal (μοῖρα). oder es sollen die nähern, oft gewaltsamen und allezeit bittern veranlassungen des todes angezeigt werden, und da sagten sie κήρ. Herder lit. 11, 444 f.; tod ist ablösung des geistes von gewissen naturkräften, mit denen er sich vereint hat, die wir körper heiszen. Zschokke¹⁰ 1, 61;
was ist der augenblick, den man den tod genennt?
Cronegk 1, 314;
ein kurzer, schneller, geflügelter augenblick,
er heiszet tod!
Klopstock od., krit. ausg. 1, 144;
(gänzliche) vernichtung unsres daseins, welche man
den tod nennt.
Grabbe 1, 95.
1)
tod im ausgesprochenen gegensatze zum leben th. 6, 416 f., z. b.:
thâr ist lîb âna tôd.
Otfrid 1, 18, 9;
der tod ist besser denn ein siech leben. Sir. 30, 17. H. Sachs 1, 446, 16;
ein herrlich tod ist süsz, ein schimpflich leben bitter.
Gryphius trauersp. 572 P.;
der mich (Adam) zum unsterblichen geschaffen hatte, legte mir leben und tod vor. Klopstock 8, 42; die natur ... wirkt leben im tode, tod im leben schön durch einander. Hippel 3, 132; fülle des lebens hat die freundliche um dich her gebreitet und tod nöthigst du ihr ab. Schiller 6, 299;
in tod das leben wandelnd.
Schlegel Heinrich IV. zweiter theil 4, 2;
schwör' tod dem leben!
Tieck Timon 4, 3,
mit poetischer belebung (vgl. III):
du hast genug erfahren,
wie leben und der tod verknüpfte nachbarn sein!
Mühlpforth leichenged. 224;
dem tode trotzt das leben,
das ewig lächelnde, dem fürchterlichen.
Platen 3, 107;
vom leben zum tod strafen. statutenbuch (1572) 148ᵇ, richten Carolina 16ᵃ; herzog, der meinen vater auf leben und tod will richten lassen. Schiller 3, 442 (kab. 3, 6); ich habe ihn bei tode und leben gefragt. Klopstock 10, 192;
es geht auf tod und leben.
Ditfurth volksl. 1, 105 (vom j. 1760);
(dein blick) spricht über tod und leben.
Lenz ged. 109 Weinhold;
hohe obrigkeit, die über leben und tod spricht. Schiller 2, 100;
was nun auch kommen mag, wir theilen tod und leben.
6, 379;
eine geschichte ..., die, wie ich fürchte, für tod und leben dieses guten geschöpfs entscheidend ist. Göthe 20, 170.
2)
der allen menschen bevorstehende natürliche tod (s. natürlich 8, c):
in nam der gemeine (allen bevorstehende) tôt.
Veldeke En. 69, 18;
ich weiʒ wol daʒ der tôt geschiht:
des tôdes zît weiʒ ich niht.
Freidank 177, 15;
nieman mac
dem tôde entrinnen einen tac.
175, 19;
keiner ist dem tod entgangen.
H. Sachs 1, 466, 26;
dein tod ist schon erkohren
eh als du bist gebohren!
Opitz 2, 125;
der tod kommt uns gleicher weisz. Weise erzn. 156 neudr.;
der tod, das schicksal aller,
kommt, wann er kommen soll.
Schlegel J. Cäsar 2, 2;
unser aller erbtheil ist der tod.
Stolberg 13, 68;
der tod des lagers (im bette). Klopstock 9, 150, im bette Schlegel könig Johann 2, 2; jeder fürchtet sich ... vor dem natürlichen, vor dem kammertode. Hippel 3, 49;
der ärgste tod ist der, der gar zu langsam tödtet.
Logau 3, 9, 26;
bitt ihn (gott) umb .. guten tod.
Kehrein kirchenl. 1, 5, 12;
so macht ein sanfter tod dich von den fesseln los.
Mühlpforth leichenged. 299;
(bis) sie der tod, ein leiser, linder,
überraschte beim gebet.
Lenau 1, 228.
der tod des leibes oder der leibliche, zeitliche tod im gegensatze zum tode der seele, zum ewigen tode (der ewigen verdammnis): ein liblicher zytlicher tod. Keisersberg post. 2, 90ᵇ; keins wegs kan der todt des leibs (später leiblicher todt) geflohen werden, .. aber der entfliehe dem wahren todt der seelen. Albertinus landstörzer 205;
bisz ihn gott
hin-nimbt mit dem zeitlichen todt.
H. Sachs 15, 337, 38;
so hat ein zeitlich tod das kind zur ruh gelegt.
Mühlpforth leichenged. 36;
der ewige tod (auch im gegensatz zum ewigen leben th. 6, 411):
der dolt den êwigen tôt.
Milst. exodus 154, 6;
daʒ er den êwigen tôt
in der helle lîden muoʒ.
L. v. Regensburg Syon 1814;
(wo) dein seel ewicklich verdirbt
durch den ewig hellischen todt.
H. Sachs 1, 452, 33;
wiltu entgehn dem ewigen todt.
11, 412, 13.
ebenso der andere tod offenb. 2, 11. Leibnitz 2, 345.
3)
andere arten und ursachen des todes: auf vil tausenderlei art kan uns der tod bekommen (begegnen, widerfahren). Butschky Pathm. 278 (208), vgl. Lessing 8, 248; der todt musz ein ursach haben. Frank sprichw. 1, 142ᵃ.
a)
gemeiner tot, epidemia. voc. opt. 41; da kam ein groszer tod. B. Zink 164, 13; in dem jar .. was aber ein tod (pest, seuche) hie und sagt man, es starben bei 6000 menschen hie in der stat. 149, 22; der schwarze tod (im 14. jahrh.), der tod der pest Klopstock 10, 71.
b)
der gähe, jähe tod, s. gähe 3, b, jähe 3; ein plötzlicher Ludwig 1410, schleuniger tod Elis. Charl. (1871) 404; unzeitiger tod, der ee zeit kompt und in der jugend. Maaler 403ᵃ; später tod Schulze Cäcilie 20, 55.
c)
gewaltsamer tod (Hippel 3, 116) durch fremde oder eigene hand, als strafe (am kreuze, am galgen, durch enthaupten u. s. w.):
der sît durch uns vil scharpfen tôt
am kriuze mennischlîche enpfienc.
Parz. 113, 21;
(kreuz,) wo gott den tod empfieng.
Rist dicht. 264, 1 Gödeke;
du hast den tod verschuldet.
Gryphius trauersp. 562 P.
euch ist der tod bestimmt,
weil ihr in gegenwart des kaisers frevel übet.
Zigler Banise 446, 7 Bobert.;
ich soll tod und messer leiden.
390, 19;
tod auf dem schaffot. Hippel 3, 242; ich mir e selbs den tode thuͦn wölt. Bocc. 460, 23 K.; also das ausz diser schand in vil den todt thetten. Frank weltb. 43ᵇ;
vil hant den dot ouch selb begert.
S. Brant 85, 75;
vom schicksal selbst zum abgrund hingezogen, beschlieszt die unglückselige (Dido) den tod.
Schiller 6, 407.
d)
der tod der schlacht Klopstock 9, 150, des krieges 10, 71:
wer krieges tod erkiest,
der hat den schönsten tod, der auf der erden ist.
Opitz 3, 315;
erlaubet mir, ... dasz ich den tod sterbe auf dem bette der helden. Schiller 2, 69;
der in zwanzig schlachten
dem tod .. entgegen ging.
5, 2, 355 (don Carlos 4, 12);
ich find' ehr' oder tod im rasenden getümmel.
E. v. Kleist 1, 19;
zu sterben rasch im männlichen gefecht ..
das ist ein schöner tod zu nennen.
Lenau 2, 243;
der tod fürs vaterland: fürs vaterland ... den edlen tod zu sterben! Klopstock 8, 143;
unsterblich macht ..
der tod fürs vaterland.
Gleim kriegsl. 6 (1, 20) neudruck;
der tod fürs vaterland wird mir nicht schwer.
E. v. Kleist 2, 65.
e)
tod des hungers (durch verhungern) Philander 1, 203. Schiller 2, 169, des verschmachtens Hauff werke (1869) 4, 292; tod durch feuer, wasser (ertrinken) u. s. w. oder einen andern unglücksfall, sich berührend mit II:
(sie hatten) dort in den flammen ihren tod gefunden.
Schiller 6, 374;
da uns ein nasser tod
in jeder welle droht.
Wieland 18, 151;
ein heftiger sturm ist ein sehr unglücklicher zufall für leute, die sich mitten auf der offenen see, nur durch die dicke eines bretes von einem feuchten tode geschieden finden. 3, 205; tod durch erfrieren. Auerbach ges. schriften 12, 70; der könig stürzte auf einen spitzigen baumstumpf und nahm den tod. Dahlmann 1, 126.
4)
andere zu 2 oder 3 gehörende belege folgen hier der übersichtlichkeit wegen nach der construction:
a)
im nominativ (mehr oder weniger persönlich, s. III, 5) z. b.:
mein harrt der tod.
Stolberg 14, 31;
der trenner ihrer ehe sei der tod.
39;
stirbt sie, so ist ihr tod auch andrer tod.
48.
b)
im genitiv: sculdîc ist tôdes, reus est mortis. Tatian 191, 3;
wande si sîns tôdes gerten.
Iwein 1378;
sie sind werth des todes (verdienen den tod).
Schlegel Richard III. 3, 4;
des todes sterben, verderben, todes verscheiden, verbleichen, des todes erlöschen: alle menschen muͦssent sterben eines liblichen zytlichen tods, nach gemeinem louff. Keisersberg post. 2, 90ᵇ; wenn jemand bei seiner schnur schleft, so sollen sie beide des todes sterben. 3 Mos. 20, 11; wer aber vater und mutter fluchet, der soll des tods sterben. Matth. 15, 4; er starb eins jemerlichen tods. Aventin. 4, 733, 31;
und sturben all desz jähen tods.
Kehrein kirchenl. 1, 28, 7;
da er starb eins bittern todts.
Vehe 33, 1;
lasz sie dran (am kreuz) hin und wider gageln,
bisz sie eins harten todts ersterben.
Ayrer 262, 29;
sein urtheil, ich sollte des todes sterben. Klopstock 8, 16; ich fühl es, dasz ich des todes sterbe: und nicht entschlummre! 25; meine ganze familie ist des todes gestorben. Lenz 2, 89; ich mus für sie des todes sterben. Schiller 2, 203;
weil unser kinder sindt gestorben
und eins ellenden todts verdorben.
H. Sachs 11, 195, 34;
so must du sterben
und eines grimmen todts verderben.
15, 146, 17;
herzog Swantepol ist zu Danzig todes verschieden. Schütze a. Pr. 31. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 118ᵇ; todes verbleichen Klinger 11, 53. C. F. Meyer nov. 1, 351; (wir glaubten,) dasz sie desz todts erloschen were. Albertinus landstörzer 16. — mit transitivem verb: einen des todes sterben (tödten), tödten:
der hat den könig wölln verderben,
ihn mit seim spiesz desz todtes sterben.
H. Sachs 10, 267, 16;
dasz sie meine kinder des schmählichen todtes getödtet haben. Philander (1650) 1, 561; mit reflexivem verb: sich des tods (wie zu tode) verwundern. Felsenburg 4, 85. — des todes qual, schmerz, pein u. s. w., s. die zusammensetzungen.
c)
im dativ: der herr züchtiget mich wol, aber er gibt mich dem tode nicht. ps. 118, 18; ein kranker, der dem tode nahete. Zinkgref 1, 202;
ich bin dem tode nah.
Cronegk 1, 261;
wir hörten, wie so nah dem tod er war.
Schlegel könig Johann 4, 2;
(monat,) der eure königliche majestät
dem tode nahe brachte.
Schiller 5, 1, 188 (don Carl. 3, 5);
da entrisz ich mich dem (opfer-)tod.
6, 353;
des kaisers wuth wird sie dem tode weihn!
Tieck Tit. Andron. 4, 2;
durch die wir .. dem tod verfallen.
Lear 1, 1;
wo sich die lanzen senkten
zum angriff, da bot
sich seine brust dem tode.
Rückert Hamasa 1, 410.
von thieren:
das wild und zahme vieh mag nicht dem tod entspringen.
Opitz 2, 101;
verbiete du dem seidenwurm zu spinnen,
wenn er sich schon dem tode näher spinnt.
Göthe 9, 230 (Tasso 5, 2).
d)
im accusativ: den tod suchen, fordern, verlangen; hassen, fürchten u. s. w.:
nû er then tôd suachit.
Otfrid 3, 23, 59;
dieses schuldige haupt
senkt nach der grube sich und sucht den tod.
Göthe 9, 49 (Iphig. 3, 1);
den tod verlang' ich,
wenn ...
Schlegel Romeo u. Julia 4, 1;
undankbar hassen wir den tod, der uns befreit.
Haller 209 Hirzel;
der den tod nicht fürchtet. Schiller 2, 123;
er scheut den tod wohl nicht.
Tieck Heinrich VIII. 2, 1.
den tod sterben, leiden, erleiden, ausstehn, finden:
wie gern sterb' ich ihn auch
den edlen tod (fürs vaterland), wenn mein verhängnisz ruft.
E. v. Kleist 2, 73;
doch selig sind die tausende, die starben
den bittersüszen tod von feindes hand.
Göthe 9, 40 (Iphig. 2, 2);
stundenlangen tod sollst du sterben. Klinger Otto 104, 6 neudr.; er starb einen schönen tod. Schiller 2, 119; den tod leiden, mortem capere Maaler 403ᵃ;
den tod ich (Christus) ouch erlitten han.
N. Manuel totentanz 5;
die pflicht befiehlt, den tod gelassen auszustehen.
Cronegk 1, 303;
dasz mein vater seinen tod
unzeitig durch das haus von York gefunden.
Schlegel Heinr. VI. dritter theil 3, 3;
nach rechten fand
der herzog seinen tod.
Tieck Heinr. VIII. 3, 2.
einem den tod stiften, aussinnen, verursachen, verschulden, anthun, geben, drohen:
mit diesem aller-herbsten gift
.. im wirt der todt gestift.
H. Sachs 13, 150, 16;
täglich sinnen sie ihm den tod aus.
Klopstock Mess. 3 (1748), 630;
einen neuen tod hilf mir erdenken.
Schiller 5, 1, 179 (don Carlos 3, 4);
wer verursacht den zu frühen tod
der zwei Plantagenets.
Schlegel Richard III. 1, 2;
wer eures vaters tod verschuldet hat.
2, 2.
eim den tod anthun, ihn umbbringen Maaler 403ᵃ:
mein vatter hat geschworn bei gott,
er wöll dir nit anthun (s. anthun 4) den todt.
H. Sachs 15, 54, 28,
auch aufthun: der sich selbst verwundt oder ihm sonst den todt hat wöllen aufthun (s. aufthun 9). Fronsperger kriegsb. 3, 284ᵇ; sie .. bat mich, ihr den tod zu geben. Wieland 2, 65;
ich bitt' dich, diesen gieb grausamen tod!
Tieck Tit. Andron. 5, 2;
gebt mir den tod! o laszt mich sterben!
Lenau 2, 231;
er drohte furchtbarlich den tod mir an.
Schlegel Romeo u. Julia 5, 3;
eh mich der lauf des rechtes überführt,
ist, mir den tod zu drohn, höchst widerrechtlich.
Richard III. 1, 4;
den tod verdienen.
3, 5.
e)
mit präpositionen (oft nur zur bezeichnung des höchsten grades dienend).
α)
an mit dativ:
ich bin .. nicht ursach an seinem tod.
Gryphius lustsp. 303 P.;
er ist am tode gestorben. Hippel 3, 187;
ein winzer, der am tode (in den letzten zügen) lag.
Bürger 77ᵃ.
mit acc. an den tod:
sô sîn wir an den tôt gegeben (dem tode preisgegeben).
Parzival 594, 30;
wenn mir nur gott
verhenkt, dasz ichs (ich sie) bring an den todt.
Ayrer 1234, 6;
an den tod denken, mahnen u. dgl.:
mich deinen vater ...
... an den tod zu mahnen.
Schiller 5, 1, 76 (don Carlos 2, 3);
bis an den tod: sei getreu bis an den tod. offenb. 2, 10 (unz an den tod cod. Tepl.);
treu bisz an den blassen tod.
Mühlpforth leichenged. 242;
(er hielt) ihn in gefangenschaft bis an den tod.
Schlegel Heinr. VI. zweiter theil 2, 2;
ich war bis an den tod ein keusches weib.
Tieck Heinrich VIII. 4, 2;
verstärkend: meine seele ist betrübet bis an den tod (usque ad mortem). Matth. 26, 38.
β)
auf den tod liegen, verletzen, verwunden:
(knecht,) der ietzt ligt auf den todt gefangen.
H. Sachs 13, 277, 8;
dorf, darinnen mein gemahl auf den tod (sterbenskrank) gelegen, und von den Schweden als todt war zurück gelassen worden. Gellert schwed. gräfin (1763) 66; Sevilla, wo eine meiner tanten auf den tod liegt. Lenz 1, 225; er hat den mann geschlagen, dasz er auf den tod liegt. Klinger 1, 35;
da wird manch kühner held fast auf den tod verletzt.
Rist dichtungen 133, 95 Gödeke;
(das leben ist) ein spiegel, dessen schein uns auf den tod verletzt.
Mühlpforth leichenged. 10;
nachdem er ... ihren galan im duell auf den tod verwundet. Schiller 2, 16;
um meinetwillen wurde dieser ritter ...
verwundet auf den tod.
Schlegel Romeo u. Julia 3, 1.
bis auf den tod: sonst (auszerdem) hette dieser thäter ... einen zum armen und lahmen krüppel bis uf den tod gehauen. Wegele gesch. d. univ. Würzburg 2, 281 (v. j. 1660);
er war bisz auf den tod verwundt.
Mühlpforth leichenged. 419;
verstärkend: einen bis auf den tod erschrecken, timorem panicum injicere. Stieler 1920; bis auf den tod betrübt sein. pers. baumg. 4, 15;
sein abschied mich bis auf den tod betrübt.
Gryphius trauersp. 293 P.;
(sie war) sehr erschrocken auf den tod.
Lenz ged. 152 Weinhold.
du weist, ich hasse das diem perdidi auf den tod. Schiller 2, 79.
γ)
bei dem tode sein u. dgl.: wenn ich bei deinem tode nicht gegenwärtig gewesen. E. v. Kleist 2, 83; laszt uns, freunde, beim tode uns nicht verwahrlosen. Hippel 3, 117.
δ)
durch:
wer liebend stirbt, wird nicht durch den tod betrübt.
Gryphius trauersp. 234 P.;
ihr (eltern) seid durch diesen tod (der tochter) fast beide hingerichtet.
Mühlpforth leichenged. 269.
ε)
für den tod: für (gegen) den tod wechszt kein kraut im garten. Frank sprichw. 1, 144ᵃ;
auch wird in keim garten kein kraut,
das für den todt helf, nie gebaut.
Ayrer 2488, 12;
für den todt weisz ich kein mittel.
H. Sachs 1, 467, 6;
ich weisz in dieser noht
ein mittel für den tod.
S. Dach 370 Öst.;
verstärkend: du brauchst gar nicht mit ihm zu schwätzen, es kann dich auch für den tod nicht ausstehen. Auerbach ges. schriften 1, 26.
ζ)
in mit dativ:
daʒ wir in dem tôde sweben (in morte sumus),
so wir aller beste wænen leben.
Hartmann armer Heinrich 95;
mitten in dem bittern todt
schrecket uns dein urtheil.
Vehe 42, 2;
in dem tode (im sterben) ligen. Bocc. 9, 35 K.;
wenn im tode
wir entschlafen.
Klopstock od., krit. ausg. 1, 215;
auf der höhe des bergs sankst du im tode dahin.
werke 9, 83;
(fluchen) wird ihre seele mir, wenn sie im tode flieht.
156;
sie fliehen, verlassen mich im tode. Schiller 2, 73; wenn ihr im tode annoch feste steht. 183;
wenn du mich siehst im tod erblassen.
Lenau 2, 134;
bevor das letzte herz im tode (gestorben, im grabe) rastet.
249.
mit accusativ (auch ohne artikel) in den tod fahren, gehen, geben, bringen, schicken, führen, jagen, treiben u. s. w.: in tôd faran, in mortem ire. Tatian 161, 3;
ê rîte ich unde kêre
mit in benamen in den tôt.
Konrad Otte 499;
er hatte einen freund, der in den tod
gegangen ist für ihn.
Schiller 5, 2, 432 (don Carlos 5, 9);
si gabends in den tot.
Uhland volksl. 409 (vom j. 1388);
solt ich in todt den (meinen sohn) geben thun,
wer ich ie wol ein groszer thor.
H. Sachs 10, 228, 36;
doch giebstu mich nicht in den todt,
du kanst mich wol bewahren.
S. Dach 141 Öst.;
es ist auch ir brauch, dasz sie sich oft für einander opfern und in tod gehen. Frank weltb. 71ᵃ. 212ᵇ; sich in todt opfern 191ᵇ;
o grosze wunderthat,
dasz in den tod sich gott gegeben hat!
Rist dichtungen 264, 16 Gödeke;
wie ein ritter eine jungfraw fälschlich in todt wolt bringen. buch d. liebe 310ᵈ;
die du mich bringest in den todt.
Opitz 2, 178;
das er den jungen schickt in todt (hinrichten läszt).
H. Sachs 12, 106, 14;
er wird dich führen in den tod.
78, 18;
wehe, wehe! mein fluch hat ihn gejagt in den tod! Schiller 2, 71;
der qualgedanke ...
hat manchen schon in frühen tod getrieben.
Lenau 2, 239;
in den tod verfallen. Zigler Banise 292, 36 Bobert., einschlafen Hippel 3, 127;
ich folge euch .. in den tod.
Schlegel könig Johann 1,1;
in den, bis in den tod: verteidige die wahrheit bis in den tod. Sir. 4, 33;
er steht mir bei bis in den tod.
J. Olearius, Gödeke 1, 409ᵇ;
die zehen gebot
die soltu halten bis in den todt.
Kehrein kirchenl. 1, 585, 12;
wie ich meine dir geschworne treue bisz in den tod unbefleckt erhalte. Zigler Banise 394, 26 Bobert.; schwört mir treu und gehorsam zu bis in den tod! Schiller 2, 48;
lieb' in den tod, dank und gebet für euch!
Schlegel Heinr. VI. dritter theil 3, 2.
verstärkend: matt bis in den tod. 2, 115; mir selbst ist er .. in den tod zuwider. 3, 542; weil sie das in den tod nicht leiden kann. Göthe 17, 261; das hasse ich in den tod. Schlegel Heinr. IV. erster theil 2, 2; ich thät mich in den tod nein grämen. Auerbach ges. schriften 2, 196.
η)
mit tod absterben, abgehen, verscheiden:
wenn kumbt die zeit, und das ich von
dieser welt wird mit tod absterben.
H. Sachs 1, 160, 3;
do nun herzog Berchtold von diesem jamertal mit tod verschiden was. Aventin. 5, 269, 11; diser zeit gieng mit tod ab (im geleite des abholenden todes? th. 1, 45) Krolph, der bischof von Passau. 173, 6;
als die gansz mit tod ging ab,
bestatt er sie ehrlich zum grab.
ganskönig H 1ᵃ;
sein leben mit dem tod beschlieszen. H. Sachs 16, 353, 29, einen mit dem tod strafen. 10, 267, 22;
saget an,
mit was todt (mit welcher todesart) man in ab sol than,
der hat vergossen königlich blut.
13, 231, 20;
sie erfülleten alle gassen mit blut und tode. Zigler Banise 397, 15 Bobert.;
was drohst du immer mit dem tode?
Klopstock 9, 368.
mit dem tode büszen:
die schuld ist blutig:
er musz nothwendig mit dem tode büszen.
Tieck Timon 3, 5;
éin augenblick gelebt im paradiese
wird nicht zu theuer mit dem tod gebüszt.
Schiller 5, 1, 35 (don Carlos 2, 5).
θ)
nach dem tode ringen, den tod suchen:
er ringt nach seinem tod.
Gryphius trauersp. 570 P.
zeitlich nach dem tod, post mortem:
wir werden nach dem tod
tieff in die erd begraben.
L. Helmhold, Gödeke 1, 67ᵇ;
das leben in der menschen ohren
geht nach dem tod uns wenig an.
Haller über die ehre v. 69;
und die arznei
kommt nach des kranken tod.
Tieck Heinr. VIII. 3, 2.
ι)
ob dem, über den tod:
man zittert ob dem tod.
Rist Parnasz 18;
die welt erzittert ob dem tod,
wenn einer ligt in der letzten noht.
Ringwald, Gödeke 1, 69ᵃ.
unmäszig weint sie über Tybalts tod.
Schlegel Romeo u. Julia 4, 1;
zeitlich: über den tod hinaus 5, 3.
κ)
um den tod bitten, flehen, trauern u. s. w.: tausendmal bat ich gott mit thränen um den tod. Schiller 2, 169 (räuber, schausp. 4, 5);
da wir schrein lassen wollen unsern gram
um seinen tod.
Tieck Macb. 1, 7;
ich flehte um den tod.
Lenau 1, 60.
λ)
vom tode:
kein augenblick hält dich vom tode frei.
S. Dach 385 Österley;
vom tode erretten, erlösen (sich berührend mit II), wecken, erstehen:
dô ich iuch von dem tôde nam (errettete).
Iwein 3144;
wir haben einen gott, der ... vom tode errettet. ps. 68, 21; welcher uns von solchem tode erlöset hat. 2 kön. 1, 10;
durch gewagte kur zu retten
den leib vom sichern tod.
Tieck Coriol. 3, 1;
ach dasz dich vom tod mein leben
löste, das ich gerne biet'!
Rückert Hamasa 1, 303;
die er wecken soll vom tod.
Lenau 2, 140;
so meint ich doch ...,
er wer wider vom todt erstanden.
H. Sachs 17, 266, 36;
was irdisch ist und heist, mag nicht vom tod erstehen.
Mühlpforth leichenged. 23.
verstärkend: von toade aus, per certo Schm. cimbr. wb. 178ᵃ.
μ)
vor dem tode: diebe haben das recht vor dem tode zu zittern. Schiller 2, 107 (räuber, schausp. 2, 3); vor dem tode beben. Cronegk 1, 249; furcht vor dem tode Klinger 5, 11. Moritz A. Reiser 31, 28; vor dem tode hatte er (Göthe) eigentlich keine furcht, wohl aber vor einem qualvollen sterben. Vogel, Göthes gespr. 8, 210 Biederm.; furcht vor tod Schlegel Heinr. IV. erster theil 4, 1;
ihr konntet euer theil nicht vor dem tod
bewahren.
Romeo u. Julia 4, 5;
dasz er (gott) dich diese nacht behüt
vor jähem todt.
Kehrein kirchenl. 1, 5, 12.
zeitlich: vor seinem tode u. dgl., vil jar vor seim todt. Zimm. chron.² 4, 254, 11; vorm tod soll man niemand selig preisen. Aler 1903ᵃ.
ν)
zu dem, zum tode, ad mortem:
das leben gieng zum bittern tod.
P. Gerhard 35 Gödeke;
verschone meinen sohn, lasz mich zum tode gehn!
Cronegk 1, 246;
haufen, die stumm zum tode sich ordnen (auf dem schlachtfelde).
Lenz ged. 26 Weinhold;
wann sein krankeit ist nit zum todt (ist nicht tödlich).
H. Sachs 11, 246, 20;
ein sünd, die nicht zum todt (keine todsünde) wird sein.
15, 428, 23;
der nicht sündigt zu dem todt.
26.
zum tode wund, krank, betrübt sein u. s. w.: mein vater war ... an seiner wunde zum tode krank. Klopstock 10, 264;
so macht sein gift'ger zahn zum tode wund.
Schlegel Richard III. 1, 3;
o verzage nicht zum tod!
Rückert Hamasa 1, 314;
himmelhoch jauchzend
zum tode (tödlich) betrübt.
Göthe 8, 232;
o freund, sei bis zum tod betrübt!
Lenau 2, 14.
urtheil zum tode, todesurtheil. Carolina 25ᵃ; zum tode verdammen, verweisen, verurtheilen, strafen, bringen: und sie werden ihn verdammen zum tode. Matth. 20, 18 (zu dem tod cod. Tepl., s. verdammen 1, b);
wenn er schon wirt zum todt verdambt.
H. Sachs 13, 58, 23;
(sie) verdampten ihn zum tode gar.
B. Krüger spiel (1580) v. 21;
als knechte wider uns (Maria Stuart) den richterstuhl besessen
und die, die keine macht kennt über sich als gott,
der printzen setzt und richt, verwiesen zu dem tod!
Gryphius trauersp. 383 P.;
dieser mann .. entdeckte mir, wie ich zum tod des hungers verurtheilt gewesen. Schiller 2, 169;
henker. herr könig, nach ewerm gebot
richt ich Johannem zu dem todt.
H. Sachs 11, 209, 16;
richt die königin nach meim gebot
bald mit dem schwerde zu dem todt.
16, 174, 24;
der sol .. mit dem rad zum todt gestrafft werden. Carolina 17ᵃ; der sol ertrenkt oder sonst zum todt gestrafft werden. 18ᶜ;
(wann wir) an halsz werfen im die schlingen,
auf das wir in zum todte bringen.
H. Sachs 11, 274, 25;
judex zum henker. bring in zum tode von dem leben.
B. Krüger spiel (1580) v. 2085;
die frommen martyrer, so durch thieres macht
ganz unerhörter weis' wurden zum tod gebracht.
Rist dichtungen 195, 44 Gödeke;
(missethäter,) die ich zum tode bringen liesz.
Schiller 5, 1, 173 (don Carlos 3, 4);
komm, ... dasz ich dich zum tode schaffe.
Schlegel Heinrich VI. zweiter theil 4, 1.
einem zum tode (in den tod) jagen, treiben:
umb Alphart wirt manger   zuo deme tôde gejaget.
Alphart 331, 4;
dasz vil man, wib und kind
vom hunger zum tod getriben sind.
Salat verl. sohn v. 1765.
ohne artikel zu tode:
zi tôthe sie nan (ihn) brungun.
Otfrid 4, 20, 40;
zu tode (tod) stechen, schlagen u. s. w. wie todt stechen, schlagen:
wer im an der reise (auf dem kriegszuge)   ze tôde wære erslagen.
Nibel. 245, 2;
nu lât in sîn ze tôde erslagen.
Parzival 204, 25;
daʒ er sich niht ze tôde stach.
Iwein 3959;
dasz wir selb einander zu todt
stechen.
H. Sachs 16, 382, 15;
(es sei) vor kurtzen tagen
sein gantzes heer zu todt geschlagen.
13, 418, 15;
uns beide zu todte schlag!
10, 165, 2;
die Römer schlagen uns all zu todt.
Ayrer 396, 6;
(ich) will den risen zu tode hauen.
Raber Sterzinger spiele 9, 252;
(ich soll ihn) mit einer kugel zu todt schieszen.
Ayrer 907, 35;
welchen ... die israelitische gemeine mit steinen ... zu tode warf. Schuppius 125; mit einem stein von einem thurn herab zu tod geworfen. 387; sie schlugen sie langsam mit prügeln zu tode. Schiller 9, 6;
der mir den bessern sohn zu tode stach.
14, 114 (braut von Mess. 4, 5);
ihr gift traf ihn zu tode.
A. Grün ges. werke 1, 309.
zu tod quälen, foltern, peinigen, plagen: den vexire man zu todt. Zinkgref 1, 196;
(sie wollen) peinlich langsam ihn zu tode foltern.
Schlegel Heinrich VI. zweiter theil 3 2;
er peinigte mich armen fast zu tod. Göthe 7, 115;
ich quäle mich zu todt.
d. junge Göthe 1, 207.
zu tod fallen, intransitiv und reflexiv: und fiele herab auf einen felsen zu todt. buch d. liebe 280ᶜ;
der gauch hat sich zu todt gefallen
von jenem hohen zaune.
Fischart Garg. 253ᵃ;
grosz glück haben die allen,
dasz keiner sich zu todt gefallen.
H. Sachs 17, 253, 30.
zu tode bluten Luther 6, 507ᵃ, reflexiv E. v. Kleist 1, 141; einen zu dodt drinken Zimm. chron.³ 3, 89, 18, reflexiv sich zu tod trinken, saufen, fressen Rädlein 879ᵇ. Sir. 37, 34, essen Göthe 40, 149; mit andern reflexiven verben, deren begriff dadurch oft nur die höchste steigerung erfährt: sich zu tod arbeiten Rädlein 879ᵇ;
erwach ich in dem öden schatten,
so möcht ich mich zu tod ermatten.
Schwieger geharn. Venus 110 (6, 7, 6);
wie wir sie dann im hoff .. antreffen, da sie sich unser fast zu todt gewartet. Philander (1650) 2, 233; sich zu tode weinen. E. v. Kleist 1, 141. Schiller 3, 489, lachen Philander 1, 215. Göthe 19, 280. 20, 228. br. 1947 (6, 303) Weim.; ich ächze mich zu tod. Kurz prinzess. Pumphia v. 769; ich eivere mich schier zu tod umb dein haus. ps. 69, 10; pfui! trit mir aus den augen, denn ich erzürne mich zu tode, wo ich mich recht erbittere. Gryphius horrib. 21 neudr.; die anekdote, dasz Racine sich zu tode gegrämt habe. Göthe 18, 289; solte ich das in der beicht ... entdecken, ich würde mich zu tod schammen (schämen), das ich den beichtvater nit mer dorst ansehen. Keisersberg omeis 56ᵃ;
der bruder schämte sich zu tod,
er ward bis über die ohren roth.
Uhland 2, 258.
bair. östr. ze, zi tode sehr, ganz und gar Schm.² 1, 586. Schöpf 746. Lexer kärnt. wb. 65.
ξ)
bis zum tode, auch blosz zu tode:
sie und ich
sind bis zum tod verbündet.
Schlegel Richard II. 4, 2;
füttre mich zu tode (so lange ich lebe) Lessing 1, 162.
5)
plur. töde, tode, todesarten oder todesfälle, sterbefälle:
daʒ mensche ist sô brœde,
wol tûsent hande tœde
sint im alle zît beschert.
Freidank 177, 10;
wan wer alle tœde sparen wil ûf einen tôd, das wirt im gar ein herter bitter tôd. Wackernagel pred. 69, 71; die güter alle ... sint von töden (sterbfällen) vellig. weisth. 1, 336 (vom j. 1397); nun find ich dryerlei toͤd in der heiligen schrift (ein natuͤrlicher, ein seliger, ein sündlicher tod). Keisersberg post. 4, 38ᵃ; denn da sol er (der teufel) wol alle schreckliche, gehlinge, böse tödte fürhalten, die ein mensch je gesehen, gehöret oder gelesen hat. Luther 1, 178ᵃ; solche schöne tode. 3, 28ᵃ; denn hundert tödte solte ein fromer christ leiden, ehe er ein harbreit in der bawern sach bewilliget. 125ᵃ; und es gedacht ein Nero mancherlei pein und marter, pesunder töd, die er die christen anlegt und tet. Aventin. 4, 787, 28; durch vil und mancherlei toͤde frevenlich des fewers, wassers, verstürtzung über die berg, inen selbs den tod anthuͦende. Frank chron. 368ᵇ; Mars hab die krieg erdacht und tausenterlei toͤd. kriegsb. d. fr. 134;
ich wolt eh hundert töde leiden.
H. Sachs 12, 399, 12;
wie drei frölich tödt (todesfälle) wern auf erden,
ob den die leut erfrewet werden.
9, 401, 3, vgl. Fischart Garg. 48ᵃ;
wo ain val beschiht mit töden (sterbfällen) oder erbfällen. östr. weisth. 1, 216, 32 (v. j. 1565), vgl. todfall 2;
dein schwacher leib steht allen todten offen.
Fleming 285;
und schlügst du mich mit tausend todten todt.
287;
nicht einen, sondern tausend toͤde will ich dir anthun. S. v. Birken Marg. 40; dasz ich täglich tausend toͤde leiden müste. 87; als es an dem war, dasz man auch sehen solte, auf wie mancherlei arten urplötzlicher und grausamer tödt die soldaten umbkommen. Simplic. 4, 672, 9; man hort von nichts, alsz plotzlicher tödt. Elis. Charl. (1867) 447;
nicht deine brüllenden tode
schrecken mich, ... schlacht!
Klopstock od., krit. ausg. 1, 151;
wer ermannte dein herz, den tod des ersten der menschen
und mit ihm alle tode der kinder Adams zu sehen.
werke 5, 749;
der tode tödlichster rief ihn
zu dem altar.
7, 130. 8, 44. 288. 10, 1018;
er habe tausend tode verdient. Göthe 30, 43;
eh tausend tode sterben,
als diesem stolzen mann mich unterwerfen.
Schiller 13, 398 (Turandot 2, 4);
und hunderttausend tode will ich sterben,
eh' ich von diesem schwur das kleinste breche.
Schlegel Heinr. IV. erster theil 3, 2;
sollt ihr hören ...
von toden, durch gewalt und list bewirkt.
Hamlet 5, 2.
6)
tod übertragen auf dinge und abstractionen: derwegen ist das (auf dem reichstage) angeregt gravamen in berührtem jahr todts verblichen. Lehmann 416, 28; eine zeit, in welcher alle zeichen schon den nahenden tod des staats offenbarten. Becker weltgesch. 2, 144; politischer tod Schiller 4, 93; galgen, an dem ihre genuesische freiheit sich zu todt zappeln soll. 3, 20 (Fiesco 1, 5);
schwöre dem schönen den tod.
11, 122.
II.
Etwas todbringendes oder überhaupt vernichtendes, sehr verderbliches.
1)
im eigentlichen sinne: von tod (todesgefahr) umringt Schiller 6, 369; vom tode (tödlicher krankheit) erstehen 5, 1, 190; von todbringenden speisen, getränken, waffen u. s. w.: und da sie .. von dem gemüse aszen, schrien sie ... der tod in töpfen! 2 kön. 4, 40, vgl. Eyering 1, 567;
den grimmen todt ich (mit dem gifte) trunken hab.
H. Sachs 13, 524, 15;
ihr edler gemahl reichte ihr selbst den giftbecher, sagte: trink den tod! Klinger theater 2, 221;
da unten haust der wilde bach,
führt reichen, frischen tod,
die wogen rufen laut mir nach;
komm, komm und trink den tod!
Lenau 1, 9;
oh ich möchte den ocean vergiften, dasz sie den tod aus allen quellen saufen! Schiller 2, 46 (räuber, schausp. 1, 2); wüszte der mensch, dasz er an diesem apfel den tod essen solle. 3, 487 (kab. 5, 3);
ach ich sterbe! ...
durst ist mein tod.
E. v. Kleist 2, 63;
sprichwörtlich: vil hund seind des hasen tod. Frank sprichw. 1, 88ᵃ. buch d. liebe 4ᶜ. 17ᵃ; mit poetischer belebung (vergl. III):
mich soll der tod (das messer in der hand) erhören.
Gryphius trauersp. 292 P.;
der tod (das schwert) schwebt über dir. Klopstock 8, 172;
(schlacht,) wo der tod
in feur und stein und pfeilen sausete.
E. v. Kleist 2, 63;
schnell eilt und kehrt der tod (die hin- und hergeschossenen pfeile) zurück auf luft'gem pfad.
Schulze Cäcilie 12, 41;
sein schwert ein blitz und tod ein jeder schlag.
12, 100;
hier fliegt der tod aus tausend ehrnen röhren.
1, 131 (vgl. Schiller 12, 116);
und die see
ergieszt sich wild, verderben schwimmt
auf ihren wogen und der tod.
1, 56;
plur. und säszen tausend tod' in deinem auge.
Tieck Coriolan 3, 3;
fliegentod, maustod, fliegenschwamm, mausgift Schm.² 1, 586; auch der weizenbrand (ustilago) heiszt tod. Nemnich 2, 1493.
2)
übertragen:
ein missevallen
daʒ ist mîner fröiden tôt.
Walther 97, 38;
das zaudern ist der thaten tod.
Stolberg 13, 81;
der schwärmerische religionswahn ist der moralische tod der vernunft. Kant 6, 358; die begünstigung des einflusses solcher motive .. ist der tod aller moralität. 5, 377; gesellschaftszerstreuungen sind der tod für jeden fähigen und thätigen kopf. Heyne briefe an J. v. Müller 18; (verdrieszliche) gesichter sind mein tod, wenn ich vergnügt bin. Göthe 10, 158;
in feindschaft stehen, ist mein tod; ich hasz es.
Schlegel Richard III. 2, 1.
III.
Der mythologisch oder poetisch (schon öfter bei I und II) belebte tod. über die mittelalterliche todesmythologie s. Wackernagel kl. schriften 1, 307 ff. J. Grimm myth.⁴ 700 f. Bruchmann studien zur sprachgeschichte 81.
1)
gestalt oder bildliche darstellung des todes (wie die alten den tod gebildet. Lessing 8, 210 ff. und dazu Herder lit. 11, 427 ff.): die mahler mahlen (den tod) in der gestalt eines auszgedürrten schändtlichen ases, welches nackend ist, keine ohren, augen noch nasen hat und mit einer sichel gewaffnet ist. Albertinus narrenhatz 312; die alten artisten stellten den tod nicht als ein skelet vor. Lessing 8, 215; die gemählde des todes sind bei den (altclassischen) dichtern häufig und nicht selten sehr schrecklich. es ist der blasse, bleiche, fahle tod u. s. w. 245;
der bitter todt grewlicher gstalt
..., wie man in malt.
H. Sachs 1, 460, 10;
o todt, du hast ein heszlich gstalt,
du sichst böser, als man dich malt.
Ayrer 2479, 15;
meinestu der todt sei ein solcher dürrer körper ... wie man ihn mahlet? Philander (1650) 1, 185; wer den tod zuerst als ein häszliches gerippe vorstellte. Hippel 3, 127; tod unter der unform eines klappernden gerippes. Göthe 25, 163; nur ein heulender sünder kann den tod ein gerippe schelten. Schiller 3, 476;
o wie ward der tod ein andrer,
als die Griechen ihn geschildert!
aus dem milden götterboten
ist zum schreckbild er verwildert.
Lenau 1, 342;
diu welt ist ûʒen schœne, ...
und innân swarzer varwe,   vinster sam der tôt.
Walther 124, 38;
o tod, du schwartzer tod, du schauer unsrer sinnen.
Logau 3, zugabe 2, 142;
bis sich der bleiche tod an ihre seite stellet.
Hofmannswaldau begräbnisged. 16;
der fahle Spee trutzn. 188, blasse Mühlpforth leichenged. 226, der schwarze gelbe tod. Schiller 3, 365, der hagre tod. Freytag ges. werke 3, 222, vergl. Lessing 8, 245; der tod von Basel (im Baseler todtentanzbilde) zeitschr. f. deutsch. alterth. 9, 345. H. Heine 18, 94, von Ypern, Lübeck u. a. 323. Schiller-Lübben 1, 557ᵃ. Tobler 283ᵃ, von Forchheim Frommann mundarten 5, 171; der tod als ackermann (mit sense oder sichel), als schütze oder jäger (mit pfeil und bogen), s. III, 4, b. 5, b,
heut hat der tod manch edles wild umstellt.
Schlegel Heinrich IV. erster theil 5, 4;
als krieger Hofmannswaldau leichenged. 11, als reiter Geibel ged. 154, als spielmann H. Sachs 11, 406, 20 (s.totentanz), als scherge Schlegel Hamlet 5, 2. vgl. Wackernagel kl. schriften 1, 307 ff.; der tod als abgott (myth.² 713):
schouwe, ritter edele, daʒ bilde (götzenbild Belians) heiʒt der tôt.
Wolfdietr. D vi, 114. 116.
den tod (als ströhernes oder hölzernes bild) austragen, austreiben, in einen tümpfel werfen oder verbrennen ist noch in manchen gegenden üblich (am sonntag lätare, dem sogenannten todsonntag); der tod ist hier die christliche einkleidung des heidnischen winters, s. myth.⁴ 639 f. W. Grimm kl. schriften 1, 381 f. Wander 4, 1245. Colerus calend. 10. Frisch 2, 375ᶜ (vom j. 1690). Schm.² 1, 586. — übertragen phalangium opilio (s. habergeisz 2) Nemnich 2, 927. Brehm thierl. 6, 563.
2)
tod und schlaf:
der slâf ist des tôdes swester.
Teichner handschr. D 6ᵃ;
die alten artisten stellten den tod ..., nach der homerischen idee, als den zwillingsbruder des schlafes vor. Lessing 8, 215; schlaf und tod sind nur zwillinge. Schiller 2, 76; schlaf und tod sind mit recht als gottheiten betrachtet worden: der mensch fühlte, dasz er sich ihrer macht nicht entziehen konnte u. s. w. Schlegel vorles. 1, 334, 18 neudruck; tod und schlaf sind kinder von zwei vätern und einer guten mutter. Hippel 3, 127;
tod ist ein langer schlaf; schlaf ist ein kurtzer tod;
die noth die lindert der, und jener tilgt die noth.
Logau 1, 5, 100;
werft ab den schlaf, des todes conterfei.
Tieck Macb. 2, 3;
der schlaf war ehe in der welt, als der tod. das vorbild eher als die erfüllung. Hippel 3, 164.
3)
tod und teufel ('seit der teufel in den besitz der hölle gesetzt war, muszte er neben den tod treten' myth.⁴ 712) Wackernagel kl. schriften 1, 306. vgl. Grimm märchen nr. 44 und 82:
daʒ ich den tiuvel und den tôt muoʒ vürhten.
Freidank 67, 9;
mein (des teufels) bruder der todt.
Ayrer 2475, 17;
(da) hilft man sich mit dem blute des heil. Januarius, wie sich die übrige welt gegen tod und teufel auch wohl mit — blute hilft. Göthe 28, 60; besonders in dem alliterierenden fluche tod und teufel Schiller 12, 121; tod und alle teufel! 3, 419;
o höll' und tod!
Tieck Lear 2, 4.
4)
attribute des personificierten todes.
a)
körpertheile: der tod streifet auf schwarzen flügeln umher. Lessing 8, 245; die flügel des todes rauschen näher. Herder lit. 11, 433;
heimlich rauscht es durch den hain, ...
weht des todes leiser flügel.
Lenau 1, 75.
hand, arm, nägel, klauen, zähne, rachen (schlund):
der tod streckt seine hände
an jedes ort und ende
und greift uns allen ein.
Opitz 2, 124;
die uns hier des todes hand entführt.
schles. Helik. 741;
nach diesem fuhr der tod mit seiner dürren hand.
Hofmannswaldau begräbnisged. 16;
der tod, welcher mir itzt die eiszkalte hand reichet. Zigler Banise 391, 13 Bobert.;
wenn dieses leibes bande
des todes kalte hand zerbrach.
Schiller 6, 404;
die erd'ge kalte hand des todes
den mund mir schlieszt.
Schlegel Heinr. IV. erster theil 5, 4;
nirgends reicht uns der tod näher, schmerzloser und gaukelnder die hand, als bei der punschschale. Thümmel reise 10 (1805), 281;
alle freud und lust des todes arm zerstört.
Mühlpforth leichenged. 233;
der mich des todes arm entrücket.
Drollinger 34;
noch hält ihn
mit dem erdrosselnden arm der tod umschlungen.
Lenz ged. 41 Weinhold;
(wer) dem tode in die arme glitt.
Lenau 2, 85;
als er in die arme des todes sinkt. Klinger Faust 3, 8; der tausendarmige tod. Schiller 2, 47; der tod hat blutige nägel, mit welchen er seine bestimmten opfer zeichnet. Lessing 8, 245; er fühlte sich so leicht, als wär er den glauen des todes entwischet. der hausball 6, 3 neudruck;
eh sie noch begreift des todes kalter zahn.
Zigler Banise 436, 35 Bobert.,
der tod fletschet hungrige zähne, er reiszet einen gierigen rachen auf. Lessing 8, 245;
ach! wir sind dem tod im rachen!
Gryphius trauersp. 84 P.;
führ uns an, hauptmann! wir folgen dir in den rachen des todes. Schiller 2, 99 (räuber, schausp. 2, 3);
der du, verdrüszlich zu leben, ..
dem tod in den rachen sprangst (dich in die flut stürztest).
Lenz ged. 57 Weinhold;
er fällt in den verfaulten schlund des todes.
Schlegel Richard II. 4, 4;
stummer, blinder tod Rich. II. 1, 3.
b)
waffen und geräte. myth.⁴ 705. zeitschr. f. deutsch. alterth. 7, 548 f.:
wirt dem des tôdes sper gesant.
Renner 21508;
und fühlest, das des todes speer
dir alle stunden rücket nehr.
Ringwald l. w. 417;
der greulich todt thet auf mich blicken
und het sein tödtlichen handbogen
mit eim scharpfen stral aufgezogen.
H. Sachs 1, 472, 35;
den bogen hat er (tod) schon gespannt.
Mützell 3, 448;
als der ergrimmte tod mit seinem pfeil und bogen
die liebste tochter dir auch aus den augen nahm.
Mühlpforth leichenged. 395;
als jüngst des todes pfeil (s. pfeil 3, c, δ) dich getroffen.
E. v. Kleist 1, 103;
der pfeil des todes trifft nur den leib. Hippel 3, 149; der stachel des todes 1 Cor. 15, 55; des todes angel H. Sachs 16, 447, 3; messer, beil, sichel, sense myth.⁴ 707:
wenn der tod die sichel wetzt
und das band des lebens lüftet.
Stoppe ged. 1, 170;
du räthst nun leicht, wesz herz des todes sense traf.
F. Schlegel ged. 150;
kehr dich an nichts, bis über dir das beil
des todes hängt.
Schlegel Heinrich VI. zweiter theil 2, 4.
band, fessel, strick, netz des todes myth.⁴ 705: des todes bande H. Sachs 6, 183, 5; aus furcht der bande des todes. Claudius 5, 136;
daʒ mich des grimmen tôdes stric
hie knüpfe und sein netzegarn.
Konrad troj. krieg 12188;
(wie uns) der tod ins garn gerückt.
Mühlpforth leichenged. 104;
bis uns mit seinem garn der blasse tod bezieht.
171;
durch deine einfalt ist sie im garn des tods
verstrickt.
Grabbe 1, 72;
schon strickt
das netz des todes sich um meine füsze!
1, 148;
das schwarze netz des todes.
Opitz 2, 111;
könnt ihr auch entgehn des todes netze?
S. Dach 109 Österley;
s. auch netz 3, b, γ; des todes kelch (s. kelch 2):
freundeshand bringt mir den kelch des todes.
Lenz ged. 189 Weinhold.
c)
bahn, strasze, weg, pfad, gang des todes oder zum tode. myth.⁴ 704 (s. todesbahn u. s. w.):
dâ mohte vil wol der tôt
erbouwen sîne strâʒe.
Biterolf 10654;
nû ist uns gebant
des tôdes strâʒe alze wît.
Barlaam 105, 11;
des tôdes wec hât manigen stîc.
L. v. Regensburg Franc. 560;
solt ich denn auch des todes weg
und finstre straszen reisen.
P. Gerhard 85 Gödeke;
dasz heut ich noch soll gehen
des todes finstern gang.
Logau 1, 1, 7 v. 18;
es ist kein so gerader weg als zum todt, den kan man mit blinden augen finden. Lehmann 747, 11;
den weg zum tode find ich selbst.
Schiller 6, 377;
es ist der weg des todes, den wir treten.
Göthe 9, 27 (Iphigenie 2, 1);
den weg zum tode leuchten.
Tieck Macbeth 5, 5;
pfad des todes th. 7, 1583.
d)
wohnung, reich und herrschaft des todes (vgl. todtenreich): dem dunkeln nordischen mittelalter blieb es aufbehalten, dem tode schlosz und burg .. zu geben. Herder lit. 11, 492;
(ruhen) in dem hausz des todes (im grabe).
Schiller 14, 124 (braut von Mess. 4, 9);
(da) hält seinen hof der tod.
Schlegel Richard II. 3, 3.
schwelle, thor, pforte des todes:
(sie) betritt des todes schwelle.
Mühlpforth leichenged. 327;
wenn des schicksals ehrne rechte
mir winket zu des todes thor.
Moritz A. Reiser 247, 23;
so kalt, so starr an der ehrnen pforte des todes anzuklopfen. Göthe 16, 189;
als an des todes thor natur ihn brachte.
Schlegel Heinr. IV. dritter theil 3, 3;
und thaten sich dir auf des todes thore?
Herder ebr. poesie 1, 103;
entschlossen siehst du ihn, festen muths,
hinab zu gehen mit freiem schritte
zu des todes traurigen thoren.
Schiller 14, 121 (braut von Mess. 4, 9).
heer, gesinde, boten, zeichen des todes. myth.⁴ 706 f. Wackernagel kl. schriften 1, 307 f.:
wol hin und lebe, sprach der tôt, und sîst bereit,
swenne ich dir mîne boten send, die dir diu zeichen geben.
minnes. 3, 345ᵇ, vgl. Nib. 928, 3. 939, 3;
diese grauen locken,
des todes boten.
Schlegel Heinr. VI. erster theil 2, 5;
o fürstliche genossenschaft des todes.
Heinr. V. 4, 8.
5)
der tod in seiner thätigkeit (vgl. auch bei III, 4).
a)
sein nahen und anfallen: wie alle geister urplötzlich nahen, so der tod. myth.⁴ 702, er steht, sitzt vor der thür (Diutiska 2, 153) 703; der tod kommt ungeladen. Simrock sprichw. 491, kommt unaufhaltsam Göthe 9, 28, klopft bei allen an Lehmann 747, 18, steigt bei uns ein Mühlpforth leichenged. 160 (vergl. Jer. 9, 21), rückt an unsre seite 224, steht hinter dir Grabbe 1, 419, kehrt ein G. Keller ges. werke 3, 95, sitzt einem am genick Lenau 1, 122;
der tôt im ûf dem rücke lît.
warnung 180;
swie mir der tôt vast ûf dem rugge wære.
minnesangs frühling 116, 15;
do ergreif den vater ouch der tôt.
Greg. 19;
den tot weiszt niemants wann er kompt,
ungwarnter sach greift er uns an.
Gengenbach 457, 72;
man fühlet wie der tod um schos und scheitel streichet.
Hofmannswaldau begräbnisged. 34;
ich fühle den tod. Klopstock 8, 167; wenn uns der eiserne tod einschläfert. J. Paul uns. loge 3, 96;
als mich der tod umrauschte.
Gotter 2, 142;
bisz dich hat .. der blasse tod betreten.
Mühlpforth leichenged. 226;
der tod, wenn er benagt die äuszern theile.
Schlegel könig Johann 5, 7;
(wenn) der tod sich nistet in die glieder.
Lenau 2, 33;
wann müden mich der tod umschlungen.
1, 20;
wenn ihn einst der tod erfaszt.
2, 18;
was will der tod mit diesem überfall?
Schlegel Richard II. 5, 4;
mein eidam ist der tod, ...
er freite meine tochter.
Romeo u. Julia 4, 5;
nun triumphire, tod! du führtest heim
das schönste frauenbild.
Tieck Ant. u. Cleopatra 5, 2.
der tod läuft, springt, fährt mir übers grab, es schauert mich. Birlinger 119ᵃ. Albrecht Leipz. mundart 223ᵃ:
den kräft'gen leib durchzuckt dir oft
frostschauer rasch und unverhofft,
dem solchen sinn der volksmund gab!
es sprang der tod dir übers grab.
A. Grün ges. werke 4, 180.
übertragen auf sachen:
des todes tritt in waldesbahnen (wo er die urwaldbäume fällt).
ebenda.
b)
sein tödten und hinwegnehmen, -führen des menschen (der seele myth.⁴ 703):
joh sie alle tôd bifalta (sie alle der tod hinwegnahm).
Otfrid 3, 18, 34;
joh hinan fuarta inan tôd.
1, 21, 1;
der tôt ir daʒ herze brach.
Parzival 92, 30;
der tôt in ê leit in daʒ grap.
494, 21;
nun greiff an, du grausamer todt,
mach erbleichen sein munde rot!
H. Sachs 6, 182, 26;
ach grimmer todt, wie scheidst selbander
die aller-liebsten von einander!
185, 7;
sehent da an wie .. geschwindt
der todt ein mensch von hinnen nimpt.
Gengenbach 456, 68;
ob uns gleich der tod reiszt hin, ist von uns doch nichts seine.
Logau 2, 3, 1;
etlich hat der tod gerissen
in ein fest verschlosznes grab.
Rist dicht. 163, 25 Göd.;
eh als der tod mich schnell hinrück.
J. Heermann, Gödeke 1, 389ᵃ;
der blasse tod hat dich schon abgeführt.
Mühlpforth leichenged. 367;
der tod lähmt schon dein herz.
Haller 71 Hirzel;
wann uns der tod in abgrund tritt.
17;
ihn raffte tod dahin.
Rückert Hamasa 1, 389;
mir risz der tod den gatten aus den armen.
Schlegel Richard III. 2, 2;
dann thue
sein äuszerstes der liebeswürger tod.
Romeo u. Julia 2, 6.
besonders unter dem bilde des mähenden, schneidenden ackermanns (Wackernagel kl. schriften 1, 307), des treffenden schützen:
des menschen leib, wenn ihn der tod abmeiet
gleich wie das liebe korn.
Rist dicht. 171, 25 Gödeke;
der tod hieb meine blume (die geliebte) nieder.
Kretschmann 1, 233;
so leicht mähet der tod .. die halme.
Lenz ged. 40 Weinhold;
grosz war des todes ernte.
Gleim kriegsl. 31 (10, 163) neudruck;
wen der tod trifft, den treffe er. Jer. 15, 2;
es hätte sie der tod gestreckt (hingestreckt 230).
Mühlpforth leichenged. 213;
o lächle himmel! oder triff
unholder tod!
Schlegel Heinr. VI. dritter theil 2, 2.
6)
der mensch im verhalten zum tode.
a)
den tod (dem tode) rufen, wünschen u. dgl.:
dô sî den tôt mit ir bete
niht mohte überwinden
noch ir willen vinden,
daʒ er sî næme in sînen gwalt.
Erec 5908;
dem tôde maneger winket,
der âne dürsten trinket.
Freidank 177, 17;
dem tod ruͤffen, sich selbs umbbringen. Maaler 403ᵃ;
komm tod! du tröster du!
Gryphius trauersp. 294 P.;
so komm denn, angenehmer tod!
und vermähle mich mit dir.
Zigler Banise 395, 11 Bobert.;
(altersstufe) auf der wir selbst die hand dem nahen tode reichen.
Günther 610;
bis Heinrich erst dem tod die hand geboten.
Schlegel Heinr. VI. dritter theil 1, 4;
o liebenswürd'ger holder tod! ..
steig' auf aus deinem lager ewger nacht.
könig Johann 3, 4.
nach dem tode senden, schicken:
ich habe gesant nâch tôde (ich wollte sterben).
Nibel. 486, 6;
sprichwörtlich: er ist gut nach dem tod, zum tod zu schicken, den tod zu holen, er ist sehr langsam, nimmt sich zeit Birlinger 119ᵃ. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 405. Albrecht Leipz. mundart 223ᵃ;
es ist fürwar ein langsam geselle,
nachm tode solt man in schicken schnelle.
Römolt Q 6ᵇ;
du bist in deinem thun so bhend,
man solt dich nach dem tod auszsenden.
Eyering 2, 337.
b)
kampf mit dem tode (s. kampf 4):
dô rang er mit dem tôde:   unlange tet er daʒ.
Nibel. 939, 2;
wan er mit dem tôde ranc.
Wolfram Willeh. 65, 5;
ein altiu mit dem tôde vaht.
Neidhart 5, 3;
mit dem tode streiten, agonizare Dief. 19ᵃ; und es kam, das er mit dem tode rang. Luc. 22, 44 (do er was in dem streit zwischen des lebens und des tods. bibel v. 1487);
wann einer leit in der groszen nodt
und mit im ringt der bittre todt.
Gengenbach 456, 56;
(wie) sie jetzt auch mit dem tode ringt.
Opitz 2, 181;
als er nach schwerem leiden
auch mit dem tode rangk.
S. Dach 338 Österley;
sich (als besiegter) dem tode ergeben. Zigler Banise 433, 42 Bobert.; des todes mann (eigenmann, als überwundener) sein:
ich bin ein mann des tods, wenn sie mich greifen.
Schiller 14, 275 (Tell 1, 1);
des todes werden, sein, sterben, sterben müssen, gestorben sein: dasz sie unlängst hernach des todes worden. Wedel hausbuch 17; sie sprachen, wir sind alle des tods 2 Mos. 12, 33; ich will des todes sein, wenns nit wahr ist! H. L. Wagner die kinderm. 70, 19 neudr.; du bist des todes, oder bekenne! Schiller 3, 454 (kab. 4, 3);
schweig still! du bist des todes!
12, 39 (Wallenst. lager 8);
ihr seid
des todes wenn ihr zweifelt.
5, 1, 174 (don Carlos 3, 4);
vergisz du sie, die schon des todes ist.
Stolberg 14, 38.
zum ausdruck des ärgsten schreckens, ärgers u. s. w.: wenn ein erschrockner spricht: ich bin des todes. Lichtenberg 3, 57; ich bin des todes, der gottvergeszne kerl küszt sie. Lenz 2, 33.
c)
mhd. den tôt an der hant haben (nahe zur seite haben, dasz man ihn mit der ausgestreckten hand erreicht, sterben müssen):
daʒ ir sterben müeʒet   in Etzelen lant.
swelhe dar gerîtent,   die habent den tôt an der hant.
Nibel. 1480, 4;
wan erreicht mich Hagne,   ich hân den tôt an der hant.
1920, 4.
mit dem (wegführenden) tode reisen:
wande er solde von in varn
und mit dem tôde reisen.
pass. 191, 2 Hahn.
IV.
die zusammensetzungen zerfallen in eigentliche mit tod- und uneigentliche mit dem genitiv todes-, deren zahl unerschöpflich ist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 537, Z. 42.

totz, totzel, totzen

totz, totzel, totzen,
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1931), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 915, Z. 55.

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Zitationshilfe
„totz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/totz>, abgerufen am 27.01.2022.

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